Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1861 (20.4.1924)
- Date
- 1924-04-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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» , prvft*ip$\* fl**,'HrjflÄ^ ' M. IM - Wen, Sottn'iag^_ PalSstina-PoMik und Mrtfchaft. Von Adolf Böhm. In all den diplomatischen Vechandlun'gen der Zionistischen Organisation, die unablässig weitergeführt werden müssen, ist bisher eine der Wichtigsten Stützen der Palästina-Politik, die Wirtschaftliche Realität, viel zu wenig und in Wiel zu allgemeiner Waise benützt worden. Die Analyse der Wirtschaft nnd der Finanzen Palästinas ergibt aber eine ganze Reihe von Momenten, die znr Unterstützung unserer Politik, dienen können. : Schon >m der Gegenüberstellung bloß von arabischer mvd Mischer Leistung liegt eine Vernachlässigung des dritten Faktors: der britischen Leistung. Denn das Mandat bedeutet ja nicht nur die Errichtung einer jüdischen Heimstätte, sondern gegenüber einer von den Arabern angesttebten völligen Unabhängigkeit unter Körrig Hussein: britische Administration plus jüdischer Heimstätte. Stellt man daher die Frage nicht so, wie es bisher geschah: wie sähe Palästina heute ohne die jüdische Leistung — die an sich groß genug ist — Ms, sondern: wie sähe Palästina ohne Mandat, also ohne jüdische und.britische Leistung Ms, so wäre, die Antwort völlig niederschmetternd für das arabische Selbstgefühl. Sehen wir ganz davon ab, daß die Mandatsmacht eine moderne Verwaltung eingeführt hat und fachkundige Beamte verwendet, die namentlich in der Landwirtschaft die Bevölkerung instruiert und berät, so spricht schon das i offizielle Budget. eine beredte Sprache in bezug auf ihre Leistungen. Die britische Regierung hat der Palästina-Administration 1,3 Millionen Pfund geliehen, das Kviegsministerium ihr Vorräte im Werte von zirka 300.000 Pfund überlassen. Hierin ist nicht eingerechnet, daß die Investitionen der englischen Militärverwaltung während des Krieges für bleibende Werte — Bahnen, Straßen und dergleichen — mit zwei Millionen Pfund zu bewerten sind. Demgegenüber hat die Administration .Ms bloßen Landeseinnahmen (Steuern und Zolleingängen) für Jnvstitionen nicht mehr als 750.000 Pfund in drc: Jahren bestreiten können, aber auch diese Summe hätte nicht ausgegeben tverden können, wenn nicht die Zahlungen Palästinas, aus dem Titel stieres Anteiles an der türkischen Vorikriegsschuld drei Jahre lang aufgeschoben worden wären. All dies beweist, daß ohne die Hilfe der Mandatsmacht Palästina nicht einen Schritt weiter gekommen wäre, und zwar M dies fast ausschließlich für die arabische Bevölkerung. Die Juden haben ohnehin alles was sie ansführten mit eigenem Kapital bestreiten müssen, und wenn die Verbesserung der Strgßen und des Eisenbahnverkehres auch ihnen zugute gekommen ist, so wären sie doch auch ohne das nicht viel weniger Iveit als heute, da sie ihre Kolonien, Stadtviertel, Schulen, Häuser, ja sogar Straßen zwischen ihren Kolonien, nsw. aus eigenen Mitteln finanzieren müssen, indes die arabischen Schulen, die öffentlichen Spitäler usw. aus Landesmttteln erhalten wecken. ■ Des weiteren stützt sich das allgemeine Landesbudget vor allem auf die ZolleinnalMen, die bis 50 Prozent der budgetären Eingänge ausmachen. Bon diesen Lasten tragen die Juden sicher ein Vielfaches dessen, was ihrer relativen Kopszahl entspräche. Denn die 440.000 bedürfnislosen Fellachen sind nicht Konsumenten von Importgütern. Dazu kommt, daß die industriellen Betriebe sich fast ausschließlich in den Händen der Juden befinden und diese daher nicht nur als Verzehrer von importierten Konsmngütern, sondern auch als Bezieher von industriellen Roh- und Hilfsstoffen, Maschinen usw. zu den Zolleinnahmen relativ sehr viel beitragen. Aehnliches kann für die Steuereingänge gesagt werden. Es ist in diesem Blatte*) schon ausgeführt worden daß die Juden im Verhältnis zn den Nichtjuden das Zwekelnhalbfache an Oscher lErnteftener) entrichten. Hier fehlen noch genauere Untersuchungen. Diese werden aber zweifellos ergeben, das; die Juden, die in der Landwirtschaft beschäftigt sind, relativ zu ihrer Zahl ein Vielfaches an Oscher im Verhältnis zu den Leistungen der Nichtjnden aufbringen. , Von großem Interesse ist auch, daß nach den jüngsten Angaben die Mdministvation die Oschereingänge für das Finanzjahr 1923-24 wegen der sinkenden Produktenpreise auf bloß 180.000 Pfund schätzt. Der Oscher ist die auf die Bodenprodnlte gelegte Wertstvuer von zirka 12,5 Prozent. Rechnet man dies um, so käme ein Durchschnittsbruttoernteertrag im Werte von drei Pfund pro Jahr Ms den Kopf der landwirtschaftlichen Bevölkerung (natürlich nur von Bodenprodnkten, nicht von Pflanzungen, Vichwirtschaft usw.). Nichts kann deutlicher die ungemeine Rückständigkeit der arabischen Landwirtschaft kennzeichnen. Die Nachweise, was schon heute die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden für Palästina bedeutet, lassen sich auf allen anderen Gebieten leicht erbringen. So ist die Deckung des großen Passivums der palästinensischen Handelsbilanz in erster Reihe den von .beit Juden ms Land gebrachten Gol'dern zu danken n. a. m. Es ist daher völlig irreführend, wenn man immer nur die Z a h l der Juden mit jener der Araber vergleicht. Für den Wirtschaftsaushau Palästinas wie für die Finanzen des Landes — aus denen hauptsächlich die arabischen Institutionen alimentiert werden — sind die Juden ein relativ unvergleichlich bedeutenderer Faktor, als ihrem GiMvohnevprozeutsatz entsprechen würde, was natürlich noch in viel höherem Maße von ihren kulturellen Leistungen gilt. Müssen so die wirtschaftlichen Tatsachen znr Stützung der zionistischen Politik verwertet werden, so muß andrerseits diese viel mehr als bisher in den Dienst der Wirtschaft gestellt weröeit. Bisher hat man sich begnügt, Verihandlungen mit Briten und Arabern zu führen, um über politische Formeln, Autonomie der Gemeinden usw. zu verhandeln, alles Dinge, die gewiß wichtig sind, aber vielleicht doch für.den gegenwärtigere Zeit- . *) „Wmer. Morgentzöitmbg" vom 21. März 1924. Wsenee . - 20. AM 1924 ,GvHe8 Äe Cntlaffuug des Abbaukommiffiirs Hornil. Sine Zntervention Statmetmans bevorstehend? fragen, wobei HornÄ eingviff. Der Ersparungskommissär Der Beschluß des Ministerrates. die Mission des M- Laukommissärs Dr. -Fritz Hornik für beendet zu erklären, -hat in 'der gesamten Oeffentlichkert das peinlichste Aüfsehen hervorgerufen. Die taktlose BrüMerung eines Mannes, der trotz verschisdemr Fehler doch rm vollen Besitze des Vertrauens der Bevölkerung stand, ist eine schwere Beeinträchtigung des Ansehens des Staates, der nach diesem Präzedenzfall kaum an Autorität gewinnt. Das Vorgehen der Regierung erinnert zu sehr an die bekannten Plötzkichlkeitsäkte, die in der RegrerungszeÄ des verftovbemn Kaisers Karl vorsielen. Wenn ein -im Vordergrund des öffentlichen Lebens ste'hender Beamter, dem solche Machtfülle übertragen wird, einfach eliminiert werden kann, dann muß vieles faul sein, was man durch die Anwendung von Gewalt nicht, überdecken kann. Es wird sich nicht umgehen lassen, daß die Regierung volle Klachett schafft, die Decke des Amtsgeheimnisses lüstet und den vielen Gerüchten entgegentritt, die seit gestern zirkulieren. Sie wird aber auch darüber sprechen. müssen, ob es sich nttt dem Geist des Abbausystems -verträgt, wenn statt eines Kommissärs, dessen Ausgabe als beendigt lbezeichnet wird, gleich acht andere bestelltwerden. Ist das Ersparung? Ist nicht vielmehr das Besivcben der hohen Buvecmkvatie maßgelbend gewesen, sich selbst dem Abbau zu entziehen und das- Geschäft selbst -in die Hand zu bekommen? Es ist, was besonders hervorzuheben ist, das Merkwürdigste an dieser mehr als mtzsteviösen Geschichte, -daß es die sozialdemokratischen Angriffe waren, denen die Regierung nachgegebenhat. Uöber die Vorgeschichte der Entscheidung des Mmisterrates wird uns von unterrichteter Stelle mÄgeteilt: Im Handelsministev'm-m ist es kein Geheimnis, daß die Arbeit des Sektionsche-D Bergmann die, Verabschiedung Horniks herbeigeführt hat. Seit Monaten-herrscht ein erbitterter Kampf zwischen dem Handels min ister i u m und dem Justiz m -i n i st e r i u m m Kompetenzwagte es auch, den Sektionschef einer Doppelstellung zu beschuldigen, indem er erklärte, Bevgn:ann müsst entweder den Verwaltungsratsposten, den er 'beim Arsenal -i-nne habe, ausgelben, oder ans fein« Staat- Hrintenlaufbahn verzichten. Bergmann nahm nun die H'./si von Parlamentariern für sich in Anspruch, die einige dem Bundeskanzler unangenelhme JnterpellatMuenund Fragen stellten, mit denen HornÄ zu tun hatte. Interessant ist, daß Hornik nicht fo fchr durch chvistlichso,ziale ober gwßdeutsche WgsordMte gestürzt wurde, als vielmehr durch sozialdemokratische, die die - Interpellationen einbrachten. Der Bundeskanzler 'hatte nicht die Absicht, seinen Ersparungskommistär fallen zu lasten, aber die Parlamentarischen HintermänMr des Sektionschefs Bergmann erwiesen sich als zu stark. Hornilk hatte die Vertrauensfrage gestellt und war unterlegen. Jedenfalls ist die amtliche Mitteilung, daß das Stadium der allgsmeNlen Ablbauaktion vm wesentlichen als >beendet anzusthen ist — damit wird ja die Demission begründet — vollkommen unrichtig und es hat den Anschein. a>ls ob^ Generalkommistär Zimmerman die Entfernung Hovniks nicht ruhig lhinnehmen wird. Dem Evspavungskoimnistär -wurde mancherlei in die-Schuhe geschoben, was auf Rechnung anderer Persönlichkeiten geht. Sv wird nun aus dem Haudölsministevium beißannt, daß die Vergebung von Räumlichkeiten m Schiller-Hof (Eli- .sabet'hstmße 9) an hakenkreuzlerische Vereine vo-n dem Hvfvate des Handelsministeriums Jaks ch -durchgeführt wurde, der darauf beiharrte, daß dem Dr. Hornik Recht der Vergebung dieser RÄumlichLsiten abgenom-- men werde. Es ist Ihre Pf lieht bei der jetzigen Uebergangszeii sich vor Mauenerkrankungen ——>—— zu schützen >. Versäumen Sie daher nicht, Ihre Wohnung, Bureau und sonstige Umgebung mit FICHTOLIN - - . ■ zu desinfizieren .. Hütet Eure Gesundheit! Tötet alle in der Luft schwebenden Bazillen und Mikroben!! FichloHn-Oheinll erhältlich! WcTtefDuJc&SSunA Erzeugung und Engros-Verkauf: 1 'MlIlMlNttWW.itt.ii. Flchtolin-Abteilung: I. Fleischinarkt Nr.l ^iinAi »derTelephon Nr» 70230 ^den^und befind Alleinverkäufer für Polen gesucht! Punkt nicht die gleiche politische Wichtigkeit haben., wie gewisse wirtschüstliche Reformen. Man hat z. B. bisher gar nicht versucht, von der Admimsttation solche wirtschaftliche Maßnahmen zu verlangen, die sowohl im Interests der allgemeinen Wirtschaft des Landes als der jüdischen Kolonisation gelegen wären. Hierher gchövt vor allem eine Reform des Bodenrech t e s und der Boden steuern. Eine solche würde in 'bet Richtung einer Verstärkung -des Angebotes von unbebautem Land, Senkung der Preise Jntensivievnng der Bebauung führen können. Sie wäre däher für die Mische Kolowstation dorr viel größeren: politischen Werte als die Dirrchsttzung irgend einer polittschen Formel; denn es gibt nichts, was von stärkerem politischem Gewicht wäre, als eine AuÄehnung und Kräftigung der jüdischen Position im Lande. Achnliches gilt von der Zolltarifveform. Bekanntlich wird 'nach dem alten tj'rrkischen Daris von Rohstofsoi: noch ebsirso hoher Zoll (12 Prozent des Wertes) erhoben als vm: Fabrikaten. An und für sich ist die Wevtzollberechn-ung eine äußerst prnnttive. Die Differenzievimg der Zolltar ife befindet sich trohchem noch in den ersten Anfängen. Die Aufmevksanrkeit der jüdischen Führerschaft tvar bisher viel zu sehr einstitig den rein Politischen Fragen zugewendet. Es ist dies angesichts ihrer Schwere und Kompltzierchevt begreiflich, daneben spannt die unablästige Arbeit für die Aufbringung der Mittel die Energien der Zionisten Mss äußerste an. Wer sowohl für die Führung der ^Politik als auch für die bestere Ausnützung der Mttel ist es dringend notwendig, den wirtschaftlichen Tatsachen und Ersovdernisten mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden als dies bisher der Fall war. Im letzten Jahre sind vielfache Versuche gemacht worden, -in der zionistischen Organisatton dafür Verständnis zu wecken. Auf der nächsten Jahreskonferenz, die in diesem Sommer stattfinde»: wird, werden zweifellos alle Anstrengungen gemacht tverdcn, der Erörterung der wirtschastspolitischen Fragen mehr Zeit und Be achtung zu erkämpfen als sie bisher auf den zionistischen Tagungen. gefilnden haben. Die kinwanderuugsbtll. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) .. New-Iork, 19. April. Soweit gegenwärtig ersichWch,, dürfte -da^s österreichische Gln-wLndLru.ngsikontl'n«gent'^ von 7342 auf 1090 -herabgesetzt werden, das nUMvische mt 5747 auf 588, das Hchechv-flowMche von 14.327 auf 1973, das jugoslawische von 6426 auf 835, das italienische von!' 42.057 auf 4689, das rumänische von 7419 auf 731. Der Senat hat einen Zufatzantrag zu dem Einwande-,- Mngsgesetzentwurf angenommen, der Land w i r t e n ein^ gewistes Vorrecht gewährt, wenn irgend einamerikanischer^ Staat über Mangel an Arbeitskräften i-n 'der Landw>irt!s>chaist^ berichten sollte.! Die Einwanderungsvorlage ist einem gemischten! Komitee des Senats. und des Repräsentantenhauses j übennittelt wovden, das versuchen soll, eine Einigung: zwischen den Fassungen der beiden Häuser zu erzielen. Die: Vorlage wird sodann an beide Hauser zur endgültigen^ Beschlußfassung zurückgeleitet und erst nach dieser^ dem Präsidenten Coolidge unterbreitet werden. Handelspolitische Repressalien Japans. ' London, 19. April. (Tel. der,Mr. Movgenzeitung".) Nach einer MeWung aus Tokio halben die japanischen Handelskammern bsschlosten, gegen Amerika wegen seiner Haltung in der GinwandeMNgssrage eine Handelspolit:-! sche Kampagne zu eröffnen. Sie fordern zum Boykott der amerikanischen-Einfuhr auif und legertt den japanischen Schlfftrhrtsgesellschasten nahe, nach Tunlichkeit nur in den kanadischen Häfen des Süllen Ozeans anzulegen. Graf Shibusawa, der Präsident der - Handels-. tarnet von TMo, hat eine Debegiertenversammttmg allerjapanischen Handelskammern nach Tokio ei-nberufen, um über weitere Kanchagnenmßnahmen gegen die Verei-nigien Staaten zu beraten. Demonstrationen in Tokio. London, 19. April. (Tel. d. „Wr. VIvrgsnMttuttg".) Die „Times" nrelden aus Tokio, daß die E r r e g u n g, die infolge -der Sperre der japanischen Einwanderung nach den: Veroi-mgten Maaten entstanden -ist, sich im PM-Lkmn -und; in der Presto :wch nicht gelegt hat. 500 Studenten mcnK festierten vor dom An-ßemninliftevium, wobei sie se-indselige Rufe gegen die Vereinigten Staaten ausDeßen. Wie weiter gemeldet wird^ 'hat der Prinz reg ent eine längere Unterredung Mit osm Gvoßkämmever Cihinda mvd dem Außmnninister über die Frage der japanischen Einwanderung nach den Dere-inigten Staaten gehabt. Bor- -her hatte ein Min -i si e r r a t stattgeftmden, der sich eben falls mit dieser Frage beschäftigte. In lden offtziellen Kreisen sei mau optimistisch und glaube, daß die -durch die Veröffentlichung des BMifes ' des ja-paUis-chen Botschafters in Washington verursachte Erregung sich allmählich -lege -und daß eine Lös'ung -ir: der Gin-- waniderungsfrage gefunden werden wird. fraget Bfck 70i- SchuheI mit eingebauten BpRSON-QUMMIABSATZEN