Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1860 (19.4.1924)
- Date
- 1924-04-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1W5 Wen, SamMg '***" A—- ■ ■"*—.-.■■■■' ----- Saales des Stadtkasvnos ansuchte, der rhr jedoch vom Magistrat verweigert wurde, daher mußte der Vortrag im Lokale des Aöbeitechevmes. stattfinden.. 9er Wese Slodus. Das Warschauer nationalistische Organ „MySl niepodlegla" erzählt die folgende charakteristische Geschichte, die es als wahr bezeichnet und die, wenn sie auch einer bekannten Anekdote täuschend ähnlich sieht, unter den gegebenen Verhältnissen ohneweiters wahr sein kann. Sie lautet: Ort der Handlung: Eine Elementarschule in einem Provinzstädtchen bei Warschau; Personen: Der Pfarrer, ferner ein Schulinspektor, die Lehrerin und die Schüler. Inspektor (sreuMich, aber würdig ernst): „Sag' mir, mein Kind, weshalb ist die Achse dieses Globus schief geneigt?" Schüler: „Herr Inspektor, ich war es wirklich nicht, ich bin nicht schuld daran!" Inspektor (zum zweiten Schüler, ernster): „Bitte, sage Du mir's!" Zweiter Schüler: „Herr Inspektor, ich bin es auch nicht gewesen! Der Globus war während der Pause gar nicht in der Klasse und.. Inspektor (zur Lehrerin): „Die Jungen wissen es aicht. Wollen Sie doch, bitte, die Sache erklären!" Lehrerin: „Herr Inspektor, die Jungens sind wirklich unschuldig. Wir haben den Globus bereits so gekauft!" Der Pfarrer mischt sich ein. Er sieht, wie sich der Unmut aus dem strengen Gesicht des Inspektors zu regen beginnt. Vorwurfsvoll zur Lehrerin: „Wie oft habe ich Ihnen doch schon gesagt, daß man nichts bei Juden kaufen soll!" Bayern sucht Fremde. Aus München wird uns' gemeldet: Einschneidende Ereichterungen der Fremdenverkehrsvorschriften stehen, wie aus rnterrichteter Quelle mitgeteilt wird, bevor. In Hinkunft soll die Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung vegfallen, wenn es sich nicht um einen dauernden Aufrnthalt oder um einen Aufenthalt zu Erwerbszwecken handelt. Auch die Verpflichtungen der persönlich e n Anmel- >ung soll aufgehoben werden. Budapest Wetter ohne Zeitungen. Budapest, 18. April. Zwischen den Vertretern der Arbeitgeber im Druckereigewerbe und den Zeitungssetzern wurden seute mittags Verhandlungen geführt. Es wurde jedoch keine Annäherung hevgestellt. Die Verhandlungen wurden auf Dienstag nach Ostern vertagt. In Budapest werden üso zu Ostern nur die in der „Stadiumdruckerei" gedruckten Blätter der Rassenschützler „Szoszat" und „A nep" sowie das iozialdemokratische Organ „Nepözava", die die Lohnforderungen »er Setze« bewilligt haben, erscheinen. 9ar Studium in Ftatte». ' Fuforurattone« für Studenten, die in Italien studiere« wollen. Der Hilfsverein für ausländische Studenten in Florenz?Bia Giambattisia Dies 21) gibt uns folgende Informationen für Studenten, die in Italien die Hochschulen besuchen wollen: In Italien gibt eS Universitäten mit folgenden Fakultäten: Medizin (Studiendauer 8 Jahre), Jurisprudenz, Philosophie und Literatur, Naturwissenschaften «Studiendauer je 4 Jahre).-Außerdem gibt es noch folgende der Universität gleichgestellte Hochschulen: Technische Hochschule (das Doktorat für Jngenienrwesen ist nach fünf Jahren zu erlangen, die Technik gliedert sich in ver- Ichiedene Gebiete deS Jngenieurwefens, wie Architektur, Hochbau, Elektrotechnik, Chemie, Schiffsbau). Die Pharmazeut i sch e H o ch sch u l e (verleiht daS Diplom der Pharmazie nach einer Studiendauer von drei Jahren und einem Jahre Praxis, oder das Doktorat der Chemie und Pharmazie nach einer Studiendauer von vier Jahren und einem Jahre Praxis). Landwirtschaftliche Hochschulen (in Bologna und Portici bei Neapel), in welcher die Erlangung desDoktorats der Agronomie nach vierjährigem Studium möglich ist. Tierärztliche Hochschulen (in Mailand und Turin) und Handelshochschule (Erlangung deS Doktorats nach vier Jahren). Zur Inskription in den ersten Jahrgang aller tto* lienrschen Hochschulen und ihnen gleichgestellten Anstalten ist das Maturitätszeugnis (im Original!) und der Geburtsschein erforderlich. Diesen Dokumenten muß eine vom italienischen Konsulat des Staates, welchem der Ausnahmswerber angehört, bestätigte und vom italienischen Ministerium deS Aeußern legalisierte Üebersetzung beiliegen. Studenten höherer Jahrgänge haben überdies , die Studienzeugnisse im Original nebst legalisierten Uebersetzungen vorzulegen und müssen jene Prüfungen, die an den italienischen Universitäten obligatorisch sind, in den Universitäten, an denen die Aufnahmswerber früher studiert haben, jedoch nicht gefordert werden, nachtragen. Die Inskriptionen an den italienischen Universitäten finden vom Oktober bis zum 5. November jeden Jahres statt, in Ausnahmsfällen hat der akademische Senat das Recht, nachträgliche Inskriptionen bis Ende November anzunehme«. Das Semestersystem gibt es an den italienischen Universitäten nicht. DaS Studium beginnt am Rohseide Wiener Moe«rnzeUu«n. m AM 1921 Aufgaben derMischen Gemeinschaft Ein Bortrag des OVerraMnerS Dr. Chajes. RAGLAN— aus original englischen Stoffen mit Seide gew.bt, |f 7>fA *0*8 Fasson 1924 gar 1% # /VeUUU -M, bei «UM l. Singerstrasse 6 6. November und dauert bis Ende Juni. Die Termine für die Prüfungen sind vom 16. Juni bis Ende Juli und in den Monaten Oktober und November. In Italien gibt es keinerlei Stipendien für Studenten, weder für jüdische noch für nichtjüdische. In. folgenden Städten gibt es eine Mensa aeademica: Turin, Padua und Florenz. Arbeitsmöglichkeiten gibt es jetzt in Italien nicht, auch Unterricht in f«mden Sprachen ist nicht zu erlangen, da viele Ausländer in Italien wohnen. Die monatlichen Ausgaben sind je nach der Ortschaft verschieden; sie betragen im Durchschnitt 300 bis 400 Lire; ein Zimmer kostet 100 bis 160 Lire monatlich. 3n Rew-Bott gibt es mehr fremdsprachige als englische Leitungen. In der City von New-Iork werden zweimal so viel fremdsprachige wie englische Zeitungen herausgegeben. Die Gesamtauflage dieser fremdsprachigen Tageszeitungen beträgt nahezu eine Million Exemplare. An e r st e r Stelle stehen die jüdischen Zeitungen, fünf an der Zahl und mit einer Auflage von 39 0.000. Es folgen zwei italienisch« Zeitungen mit 175.000 und drei deutsche mit 110.000 Lesern. Zwei russische Zeitungen besitzen einen Leserkreis von über 72.000 und zwei griechische von über 65.000. In flowenischer, flowakischer. serbischer und kroatischer Sprache erscheinen fünf Zeitungen mit einem Gesamtumlauf von 66.000 Stück. Ihnen schließen sich zwei ungarische Blätter mit 47.000 Lesern an, drei polnische mit 26.000, ein« französische mit 17.000, eine tschechische mit 12.000 und eine spanische mit 7000. An letzter Stelle schließlich sind drei arabische Zeitungen zu nennen, mit einem Leserkreis von insgesamt 9000 Personen. Meae tele! upharfin. Di« wohlvertvaulen Namen Nebukadnezar und Belsazar, welche in der alten Geschichte deS Judenvolkes ein« to bedeutsame Rolle spielen, gewinnen merkwürdig volles Leben, wenn man die Sammlung der alten Bücher und Handschriften aus den ältesten Kulturzentren der Menschheit betrachtet, die in fast lükeNloser Vollständigkeit im Britischen Museum in London zu finden ist. Neben den ältesten indischen und chinesischen Büchern und Briefen, die aus hellgelb polierten Holztafeln mit eingeritzten Bildzeichen bestehen, finden Wir Bücher aus Eisen, Stein midlich jene Tafeln aus Ton, welche nach Assur und Babel weisen. Eine der Tontafeln läßt die Erinnerung an daS in der Bibel geschilderte Ende des Belsazar aussteigen, denn es ist ein Brief in Liedform, den Belsazars Pater an den Sohn schrieb. Es heißt darin: „Ein blasser Strahl des Mondgottes, des Herrn aller Himmelsgötter, dringt in das kindliche Auge meines kleinen Beksazar, aus daß er jetzt seine Rechnung mit all den kleinen armseligen Fürsten der Welt mache. Wenn ich stark hin, muß mein Sohn um vieles stärker sein. Bor allem sei chm lang Leben beschieden, aus daß er je länger er lebt desto mehr Köpfe der armseligen Nichts« in den Staub schleudere. Wie zauberhaft bist du, bleicher Mondgott, wie schon ist das rote Mut, das dir zu Ehren in der stillen Nacht strömt, wie schön das scharfe Schwert, daS auf den Hals des Feindes dir zu Ehren niedersaust. Gib Kraft und gib ein Leben des Sieges meinem Sohn«'" *•' Nicht weit von dieser dichterischen Kvast eines Familienbriefes liegt eine Tontafel, aus der der große Nebukadnezar sein Gebet zu den Göttern aufgezeichne! hat: ,Jch will und werde der zweite Bote in den Himmeln firn und dort neue Donner uNd Mitze entfachen. die t>ic Welt und ihre Menschen und ebenso die Götter in Aufruhr bringen. * Wer gibt mir Gewähr Götter, daß nur chr die Herrscher in den sieben Himmeln sein dürfet? Die Himmel sind auch mein Eigentum. Donner, Blitz und Regen liegt in meiner Hand. Entzündet euch chr Flammen und verbrennt die Häupter der Feinde und kündet, daß Nebukadnezar such befohlen, die Welt zu vurchsturmen. Denn ich bin göttliche Kraft. Ich ziehe mein göttliches Schwert aus der Scheide und herrsche mit ihm mach meinem Willen. Ich will mir sslbst sieben silberne. Himmel erbauen und von dort herniederblicken mit der Macht des furchtbarsten aller Götter. An jedem Morgen will ich in meinen Himmeln mein Bild erglänzen sehen und befehlen: Leuchtet und scheinet über die Welt der Starken und Mutgierigen! Die Sonnen will ich in Höllenfeuer strahlen lassen, die Sterne Hren milden Schein auf goldene Throne erblinken heißen. Ich Nebukadnezar, der große König des Himmels, setze meine Himmelskrone auf, fasse den großen Zauberstab und sende meine Wunder nach rechts und links." Die Worte dieses. Gebetes, die die Glut einer Ptombertdichtung in merkwürdiger Weise rückspiegeln, geben ein Bild von d-m Machtbewußtsein des Zerstörers des ersten Gottestempels und lassen das „Me»e tekel upharfin" erst . recht klar versteh-«. Schon setzt sich, langsam zwar, aber stetig der Gada nke gemeinsamer Arbeit innerhalb der jüdischen 'Gegen-' wart Oesterreichs durch: nicht Abwehr nur im Moment drohendster Gefahr, sondern noch vielmehr die Erkenntnis von der Notwendig^ dauernder positiver Tätigkeit für die Schaffung einer besseren jüdischen Zukunft. Diesem doutlichen Ziele diente ein Vortrag, den Oberrabbiner. Dr. H. P. Chajes kürzlich im großen Saale des Kasinos Zogermtz in Döbling über di« „Aufgaben der jüdischen Gemeinschaft" hielt. Neben der äußerst erfreulichen Tatsache, daß als Bevanstalter der unpolitische: Döblinger Tempelverein und die zionistische Bezirksfikbion zeichneten, war der für dortige Verhältnisse außerordentlich starke Besuch de's Vortrages bemerkenswert. In atemloser Spannung folgt« die sich aus allen Kreisen des Bezirkes rekrutierende Zuhörerschaft den schmucklos klaren und doch bedeutungsvollen Ausführungen des Redners. Herrn Obervabbiner Dr. Chafi's gelang es, in die Seelen aller Zuhörer «twc Wichtigkeit der drei wesentlichen Aufgaben der jüdischen Gemeinschaft zu verankern, nämlich des Aufbaues Palästinas, einer spezifisch-jüdischen Politik und der eigenen jüdischen Schule. Die Bedeutung PalästinW besteht — so wurde in kurzen, einprägsamen Zügen ausgeführt — neben seiner physischen WiEchkeit und Wirkung vor allem darin, daß durch sein Dasein als jüdisches Land unserem Volke der fiste Boden, der Unerschütterliche Punkt gegeben werde, von dem allein aus ein echtes und ehrliches Verhältnis zur gesamtmenschlichen Kultur möglich sei, sowie auch dort erst die Menschen und Ideen geboren werden können, die das Antlitz der Erde zu formen imstande sind; nur Palästina wird die Funktion des jüdischen Volks tu ms für die Menschheit zu entbinden und «damit den Ewigkeitswert 'der so vielgehaßten und vielumkämpften jüdischen Sonderart deutlich zu machen vermögen. Diese Geltung Palästinas macht die Mitarbeit an firnem Aufbau zu einer fiNswerständlichen Aufgabe und Plicht der gesamten jüdischen Gemeinschaft, ohne Rücksicht auf sonstige Gegensätze. In der Linie der jüdischen Wesensart muß aber auch die Politik der jüdischen Gemeinschaft gelegen sein, die nicht in den kleinlichen Zwecken des Augenblicks versandet, sondern, den wahre« menschlichen Werten znstrebt. Keine Partei Oesterreichs, auch wenn sie gelegentlich einmal eine gewisse AehnKchkeit zwischen ihren und den jüdischen Interessen zeigt, dient dem höchsten Ziele unserer Bolkspolitbk rein und ehrlich, nämlich dem Völkerbund. Diese Institution, nicht wfi sie heute ist, Wohl ) aber so, wie sie einmal werden soll und muß,' ist so sehr Geist von unserem Geist und Sehnsucht von unserer Sehnsucht, daß wir sie bejahen müssen, wenn wir nicht, die ewigen Ideale unseres Volkes treulos verleugnen wollen. Die Idee der Völkerversöhnung und der Anteil auch der Juden Oesterreichs an dieser Idee; durch den Anschluß an die jüdische VollevbundNga sind Gedanken,; die mit nie Verlöschvn'dem Eifir in allen Kreisen unserer Gemeinschaft propagiert werden müssen. Als dritte Aufgabe bezeichnet« der Vortragende die ,■ jüdische Schule. Gerade weil eine derartige-Forde- , tuu;g einer recht judentumfremden Zuhörerschaft als bizarr und lebensfern erscheinen konnte, ^versuchte Herr Oberrabbiner Dr. Chajes, die e t h i s ch e n U n d P ä d a g o g ischen Notwendigkeiten einer, solchen Schule.für das Fugendevlebnis des jüdischen Menschen dadurch deutlich werden zu lassen, daß er die Seele.»not deS Kindes analysierte, um daraus ihren Charakter und damit ihre Schicksal bestimmende Wirkung abzulerten. Die sckon längst konstatierte Unzulänglichkeit auch des besten Religionsunterrichtes macht den Ruf nach der jüdischen Schule zu einem Losungswort üm das Judentum des einzelnen und seine Verknüpfung mit der Mischen Gemeinschaft überhaupt. Die Wichtigkeit dieses Postulates aber — damit schlossen diese tiefaufnittelnden Ausfühvun- . gen ,des Führers der Wiener jüdischen Gemeinschaft — fordert, e's sich nicht im Banne überredneder Worte mühelos zu eigen zu machen. sondern ernsthaft und verantwortungsvoll bewußt über dies Frage nachzudenken. Gerade dieser schlichte Appell an die Pflicht eigenen Nachdenkens und eigenen Entscheidens erzielte sichtbar eine mächtige Wirkung und man konnte der fisten Ueberzeugung sein, daß wieder neue Menschen für die Aufgaben der jüdischen Gemeinchast gewonnen wurden. Der Raubmord in der Zosefftadt. Ein neues Geständnis BrzobohathS. Gestern wurde über Johann Brzobohaty und Eduard Tobinka die ordentliche gerichtliche Untersuchungshaft verhängt. Sie Reiben vorläufig .noch in der .Hast des Sicherheitsbureaus, das die Verhöre fortfitzt und auch, weiterhin Zeugen einvernimntt. Brzobohaty bleibt bei seiner letzten Darstellung, die Tobinka, wie erwähnt, als unwahr bezeichnet hat. Abends wird berichtet:. Die Erhebungen wurden .vom SicherheitSbureau auch im Lauf« des gestrigen Tages fort- Wma Qualität ^. 55.1 hm&m.u AOtcaeAsae STOFFE