Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1860 (19.4.1924)
- Date
- 1924-04-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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'GeHe § Men, SamSlag ~~ nismus, der zu jener Zeit seinen Widerstand im Rrlhrgebiet schon scheitern sah, verhinderte eine solche Lösung. Das Geschrei der Vaterlandler und Siegfriedler in ganz Deutschland bestärkte die Halsstarrigkeit Frankreichs und retardierte selbst das wenige, was : das Kabinett Baldwin an Entschlußkraft aufbrinaen konnte. . Darin hat sich nichts zum Besseren gewendet, Im Gegenteil, es ist durch die "Entwicklung in Deutschland, die wieder aus die Wahlhewegung in Frankreich drückt, vieles schlechter geworden. Es ist dafiir gesorgt, daß der Antrag aus Vertvagsrevision noch sehr oft gestellt werden muß. _ Jie kirltvanderungsbill. Washington, 17. April. (Wolsf.) Der Senat hat mit 53 gegen 25 Stimmen einen Antrag angenommen, wonach die Einwandererkontingente im neuen Einwanderungsgesetz aus 1 Prozent derbetressenden Staatsangehörigen in der Bevölkerung der Bereinigten Staaten herabgesetzt werden sollen. Wahrere Senatoren erklärten, sie stimmten ftir diesen Antrag in der Erwartung, daß die Volkszählung vom Jahre, 1910 als Grundlage fiir die Abschätzung der Kontingente angenommen werde; wenn dagegen die Volkszählung vom Jahre 1890 als Grundlage gewählt würde, könnte der Antrag nochmals in Erwägung gezogen und der Satz von 2 Prozent wieder hergestellt werden. Im weiteren Verlauf der Beratung hat der Senat beschlossen, die Volkszählung vom Jahre 1890 als Grundlage der Quotenbemessung zu nehmen. Eine Nationalitäten,zählung in Amevika. Paris, 18. April. „New-Novk.Herald" berichtet über ein nachträglich zwischen beiden Kammern zuistandegekommenes.Kompromiß, wonach eine Quote von zwei Prozent auf Grundlage der Zählung von 1900 gelten solle; falls die Zählung von 1890 als Grundlage dienen sollte, würde der Prozentsatz weiter erhöht werden. Ferner habe der Senat beschlossen, Vom 1. Juli 1927' an eine völlig neue Kontingentierung eintveten 'Zu lassen, und zwar ist von diesem Zeitpunkt an die jährliche Einwanderung mit insgesamt 150.000 bestimmt und es wird eine Zählung der F r e m d e n nach N a t i o n a l.itäten aus der Grundlage der Volkszählung von 1920 angeordnet, um Gesamtkontinge-nt entsprechend auftute! len. Kein Veto Coolrdges. Washington, 18. April. (Tel. der „Wiener Morgen-, Leitung") In politischen Kreisen wird erklärt, daß Präsident C o o l i d g e voraussichtlich gegen den Beschluß des Senats - in der-' Einwan deru ngssrage kern V et v 'einlegen werde. Die Berichte, wonach Staatssekretär, H.u g he ^MLücktreten werde, 'weil der Beschluß des Senats ihn desavoiliiKrt hv!be,.werden als u nrichtig-bezekchnet. ' ~'f- Abschluß einer polnisch-franzUschM kmigrationskonvention. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 18. April. Aus Paris wird gemeldet, daß dort die französisch-polnischen Verhandlungen zum Ab-; Muß einer Emigrationskonvention beendet wurden. Die Verhandlungen führten zu einer vollkomuenen Einigung. Die auslöndischrn Schulen in der Türkei. Konstantinopel, 18. April.' (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Generaldirektor der i t a l i e n i s ch e n Schulen in der Türkei hat der Regierung von Angora mitgeteilt, daß die italienischen Schulen bereit seien, die Vorschriften der türkischen Regierung anzuerkennen, wonach die christlichen Embleme aus den Schulzimmern entfernt werden müssen. Die italienischen Schulen werden infolgedessen'wie-' der geöffnet wevden.- Die französischen Schulen,' die sich nach wie vor weigern, sich diesen Anordnungen zu' fügen, bleiben bis zum Ausgang der zwischen der französischen und türkischen Regierung eingeleiteten' Verhandlungen geschlossen. ' WWemurweisuimen aus Syrien. Paris, 18. April. Aus Beirut wird gemeldet, daß die Türken noch immer sortsahren, die C h r i st e n a u s z u w e i s e n. Aus der Gegend von 'Ursa sind seit dem 15. Februar schon 2 6 6 8 E h r i st e n in Syrien oingetrofsen. Sie befinden sich in einem Zustand v' o l lkommenen Elends. Arabische Propaganda in Amerika. Aus N e W - B o r k berichtet I. T. A.: Die. nationalpalästinensische Gesellschaft Amerikas sowie die Liga für die. Unabhängigkeit Syriens eröffneten dieser Tage .eine Kam-, pagne zur Sammlung von Geldern für arabische. Propagandazweck«. Als Einleitung gab der frühere Außenminister von Syrien, Dr. Abdul-Ruhman Shabander im Hotel' Astor ein Bankett. Der frühere amerikanische Gesandte in. China und Haupt der Wilson-Kommission für Syrien und. Palästina, Dr. Charles R. C r a n e, führte den Vorsitz. (Dr. Crane ist bekanntlich der Verfasser des antizionistischen, Crane-Berichtes.) Dr. Shabander, der an der amerikanischen Un U versitat zu Beirut studiert und sich als Student an der jungtürsischen Bewegung gegen den Despotismus Abd ul Hamids beteiligt hat, befindet sich, jetzt eigens..zu dem Zweck in Amerika, um Mer den 200.000 Arabern und Wiener Morgenzeliungj._ 19. ApvN 1924 " UH. IM An kommunistischer Fememord in JeuMlnnd. krschleßung eines früheren Parteileiters wegen Furcht vor verrat. - (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 18. April. Uober eine scheußliche Mordtat in Mecklenburg unweit von Hagenow wird dem „Vorwärts" gemeldet: Ein AmtSvertreter namens Jonas wurde meuchlings n ie d e r g e sch o s s e n. Di« Veriuutung, d'e sofort nach Bekam: twevden auftauchte, daß es sich bei dieser Untat um einen politischen Mord handle, scheint durch die amtlichen F e st st e l l u ngen bestätigt zu werden. Cs dürfte sich um einen Fememord von k o m m u n i st is ch e r Seite zu handeln. Die Tat soll von einem bekannten Komnmnisten namens Leubtheen bqgawgen worden sein, der russischer Abstammung ist. Mehrere Mitglieder der kommunistischen Ortsgruppe in Hagenow stehen stark in: Verdacht, aktiv an dem Mord beteiligt zu sein. In Ha n no v er fxnb bereits zwei führende Kommunisten verhaftet, in Lnbgen einer, weitere Verhaftungen stehen bevor. Der „Vorwärts" teilt zur Vorgeschichte, und.zur Sr» klärung der Motive für die Lat folgendes mit: Jonas, der noch im Herbst vorigen Jahres Leiter der K. P. D. war, hatte als solcher die bekannten Moskauer kommunistischen Putschanweisungen erhalten. Vor der Durchführung scheint ihm aber die Angst gekom-' men zu sein, denn er entledigte sich ihrer auf dem schnellsten Wege und kehrte der K. P. D. den Rücken. Seitdem setzte eine - wüste Hetze seiner früheren Parteigenossen gegen ihn ein. Aus Ängste Jonas könnte Verrat üben, hat man anscheinend den Mord begangen. Die Leiche des Erschossenen ist nach Hagenow gebracht und sofort obduziert worden. Der Körper weist vier Schußkanale auf. Unter der Bevölkerung Hagenows herrscht starke Er regung über dieses politische Verbrechen. Syriern Amerikas die natronälistische Bewegung zu organisieren. Mussolini gegen den Pavst. . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") - Rom, 18. April. Der Papst hat vor einigen Tagen durch den' Kardinalstaatssekretär Gaspärri eineinhalb Millionen Lire für'die „Azione eatolica" gespendet, deren Organisationen während der Wahlen in verschiedenen Orten Italiens verwüstet wurden. Mussolinis Organ „Popolo d'Jtalia" ist über diese Spende fahr ungchalten und schreibt: „Das Geld, welches dem Papste von den Gläubigen.zur Verfügung gestellt wurde, hätte besser angelegt werden sollen. Das Eingreifen der höchsten kirchlichen Hierarchie ist ein Akt von großer politischer Tragweite, da die Kirche sich auf diese Weise anschickt, geräuschvolle. und parteiische Propaganda zu. treiben." . Sin plötzlicher Gouverneurwechsel i« Fiume. . Agram, 13. Apvi'l. (Tel. der „Wiener Morgenzoitung") Me „Obzor" aus Fiume meldet: wurde General Grardimo, der Gouverneur von Fiume, vom Ministe rprästdentenMussolini verständigt, daß seine Aus- .gabe-'h^e nhigt sei und der General mit 31. d. seiner 'Fu'nWonöals Gouverneur enthoben wird. An seine Stelle.piipd-om Präfekt 'der 'Provinz.- Qua r-- neroMthom-^itz.in-Fiume.treten. Die Kontrolle für Deutschland. - 'HarlS, 18. April. ÄÄch dein Journal" haben die Eifen'bahn'sachverständigen Ac Worth und Levevre den Sachverständigen der Reparatiionskommiffüon zugesagt, im ElftNibahnausschuß, dessen Bildung der Bericht vorsieht, miftuar beiten. Zugleich hätten.sich Kindersley, Franc.ui, Paul Parmentier sowie Pirelli be»' vet erklärt, im Finanzausschuß für die Kontivolle der Verwaltung der deutschen Notenbank und für die Ue-berwachung der Steuereingänge auf Repara-tvonskonto mitzulwirken. Austausch politischer Grfauaeuer Mischen Frankreich und Deutschland. , (Eigendienst der ,Miener Morgenzeitung".) Paris, 18. April. Die Vertreter der französischen und der deutschen Regierung haben heute im Bahnhofe in Keel den Austausch der politischen Gefangenen vorgenommen. Seitens Frankreich wurden drei Personen eingetauscht, darunter der Kapitän Pindaries. Urteile über deutsche Saboteure. Mainz, 18. Apvrl. (Havas.) In dem Prozeß gegen die Deutschen, die wegen Sabotage angeklagt waren, wurden 12 zu Zwangsarbeit in der Dauer von fünf bis zwanzig Jahren und neun zu einem bis fünf Jahren Gefängnis Vevurtsilt. Zwei Angeklagte wurden in contumaciam zum Tode jUnd sechs in contumaciam zu zwanzig Jahre n Zwangsarbeit verurteilt.. Ein Angeklagter wurde sreigesprochen. . ■ . . Das Gespenst der „Wischen Großmutter". Berlin, 17. April. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) In doutschnationalen Kreisen herrscht große Bestürzung über die Propagandamethode der Deutschvölkischen, di« -die deutschnationalen Reichstagskandidaten dadurch zu diskreditieren suchen,, daß sie di'öfelöen als Judenft ä m m l i n g e hinstellen. Das „Deutsche Tageblatt" Reinhold Wull.es (dem übrigens Knüppel-Kunze ein« „Mische Großmutter" nachsagt) sowie die anderen deutschvölkischer: Blätter behaupten, daß die deutschmtiomalen Führer He r g t und Helfserich jüdischer Abstammung sind. Von dem deutschnationalen Spitzenkandidaten in Schlesien, Freiherr« v^ Richthosen, wird be. hauptet, seine Großmutter sei Jüdin gewesen, und sein Schwager, Dr. F r o m b ix.% der Hauptgeschäftsführer der schlesischen Landbank, sei. noch heute ein Jude. Die deutschm-tionalen. Zeitungen stellen mit Betrübnis sch, daß die einfachen Leute solchen „Märchen" leicht Glauben schenken. Dr. Helfstrich wehrt sich gegen diese Behauptung' in einer Zuschrift an die „Deutsche Tageszeitung", in der eS heißt: Jüdische Zeitungen verbreiten mit unverhohlener Freude die Nachricht der völkischen Presse^ daß Dr. Helfterichs Vater oder Großvater ein Vollblut jude war. „Mein angebliches Misches Blut haben sich die" Erfinder - aus den eigenen schmutzigen Fingern gesogen.^ Die Wische Mordzentrale in Sftprenßen. Königsberg, 18. April. (I. T. A.) Das., führende , osv preußische Blatt ,MnigLbevger Hartungsche Zeitung", teilt mit, in völkischen Kreisen wird neuerdings eine in-' tensive Hetze gegen die Mische Bevölkwung betrieben. In Verbindung mit dem kürzlich stattgesundenen Prozeß gegen den. Mischen -RechtsVandidaten W e ch s e l m an n, der wegen Evschießung des.Antisemiten Kirstein in Nottvehr zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden war, wird behauptet, Wechselmann gchörte verschiedenen Mischen Organisationen zur Abwehr des Autist mit! sums an, woraus gefolgert wird, es bestehe eme „Judenzentrale zur. Veranstältung von deutschen Pogromes, sowie ein«. . „jüddsch-komnmnistische Mordorganisation". Die ,IömgSbevger Hartungsche . Zeitung" warnt davor, diesen Hetznachrichten Glauben zu schenken, . und schreibt: Die. Organisationen Zentvalvewin, Reichshund Mischer Frontsoldaten, , - Kartell. Mischer PeHiHuMw.,- seien legale Organtsationen, die für die..Gntgistzmgi.derpolitischen Atmosphäre emtreten, und sich, daher gegen- Pogrome jeder Art wenden. Der Zentralverein, Da-ndes- ' verband Q^tpvmßen, hat eine Belohnung von 10.000 Mark für denjenigen ausgesetzt, der den Nachweis erbringen kann, daß es in Ostpreußen, wie im Reich ü'berharrpt, „jüdische Geheim- und Mordovganisationen" oder - solche Mische Organisationen gibt, die mit /kommunistischen. Gcheimgnlppen etwas zu tun haben. . Die polnisch-deutschen Ber-andlnnge«. Warschau, 18. April. Wie bekannt, wurde am 16. d. in Berlin zwischen den polnischen und den deutschen Delegiertes: ^däs Schiedsgevichtsprotokoll unterzeichnet, dos für die polnischdeutschen Vechandlungen die Grundlage abgeben soll... -Diese . Verhandlungen beginnen am 28. April in.Wien undhe-, treffen die Auslegung der Bestimmungen der Paragraphen 8,. 4 und 5 des kleinen Traktates. Außerdem wird wahrscheinlich die, Frage des Artikels 91 des Versailler VerttageS sowie die- Fvage der eventuellen Bildung von Kontvollovganisationen besprühen werden. Sin neues verkehrsminifterlum in Pole». Warschau, 18. April. Nach Aufhebung der Ministerien für Eisenbahnen, für öffentliche Arbeiten sowie für Post und Telegraphen wird ein gemeinsames Ministerium unter dem Namen Berk eh rsm inister-i um geschaffen werden, das die. Agenden dieser drei Ministerien übernehmt' wird. Sie Sanierung Ungarn«. Budapest, 18. April. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) In der gestrigen Nachuüttagssitzung wurden über Antrag des Ministerpräsidenten sämtliche im Laufe der Generaldebatte über die Sanierungsvorlagen eingereichten Beschlüßanträge verworfen. Zu dem vom Abgeordneten BmMz Nagy vopgelegtsn Beschlußantrag, wonach die Mitglieder des Kabinetts Karolyi. unter Anklage zu stellen seien, be- . merkte Ministerpräsident Graf B e t h l e n, daß dieser Besthlußantrag ein Politikum enthalte und daß'es unstatthaft' wäre, in dieser Frage einen Beschluhantrag anzunchmen, so lange nicht das Gericht entschieden habe. Im Kabinett " 'Karolyi hätten sich auch:solche Männer befunden, die an den Regierungsgeschästen in gutem Glauben teilnahmen 'und über die Verfügungen der eigenen Regierung im Unklaren gelaffen wurden. Der Beschlußantrag wurde vom' Hause mit großer Mehrheit abgelehnt. Hierauf begann die - Gpezialdebatte, die bis 9 Uhr abends dauerte. Um halb 1 Uhr nachts wurde die Freitagsitzu-ng # eröffnet und rn dieser die Samerungsvorlagen in dritter Lesung «angenommen. Sodann vertagte sich das Hausauf unbestimmte Zeit.