Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1860 (19.4.1924)
- Date
- 1924-04-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer K1200 Wien: Zatn Abholen in der Expedition, n„Taborst?. 1 -3, oder?n einer Versehleisstelle (Trafik 1 monatl. K 35.000 Strassenverkauf in W i en durch die Kolporteure der Firma GokUchmiedt.1. Bez., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien tu Oeaterr. monatl. :K 85.000 Ts checho-Slowakei: Mon. FC 18. ln?oslawien: Mon. Dinai60.Polen:Mon. 3V* Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r.," Belgien: Mon. Frcs. 12 ET, Naehrabluo;*a Prefaerhöhntwen vorMirite» —mmmm Nr. 1860 teuer »WWIMWUWWMMWMUMMWDWOWWIW, Wien. Samstag. 19. Mrll 1924 il^mDlrBdBrücnntiBfm Poten:poln.MU50.QOO Italien: Monatl. 12 Ure, Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon. 80 T.ewa, S e b we? z und das übrige Ansland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien. I!„Taborstrassel—3 Telenhone: 44-0-38,43-349, sb fi T Ihr ahds. 19-483,25-282 IX. Unlversltatsstr 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postsparka«*en? Konto Nr. 150.693 6. ItaSrgimg vU üvimii in wvjivi'i'vtiij* KOamnsÄommWr Hornik abgesetzt. — Acht neue Marungslorumissare. gleichzeitig werden aber für jedes Ressort neue Abbaukommissäre bestellt. Man hat,also einen Abbaukommissär beseitigt und dafür acht neue geschaffen. Der Erspavungskommissar Dr. Hornik, dem von der Bundesregierung im Juni 1922 außerordentliche Vollmacht zuteil wurde, in allen Ressorts auf den Abbau alles überstüffigen Sach- und Personalaufwandes hinzuwirken, ist plötzlich dieser seiner Funktion enthoben worden. Die amtliche Nachrichtenstelle teilt dies unter dem harmlosen Titel „Beendigung, der Funktion des Ersparungskommiffärs" mit folgenden inhaltslosen Worten mit: Der Ministerrat hat am 16. d. die Funktion des Ersparungskommiffärs Dr. Friedrich Hornik als beendet erklärt und ihm für seine verdienstvolle Tätigkeit den Dank .der Bundesregierung ausgesprochen. Der offizielle Kommentar hiezu ist zwar sehr wortreich, läßt aber kaum einen sicheren Schluß auf die tieferen Ursachen zu, welche für die Regierung bestimmend waren, Dr. Hornik zu entlasten. In der amtlichen Begründung heißt es unter anderem: „Als die Regierung im Juni 1922 den Ministerialrat Dr. Hornik mit der Funktion eines Ersparungskommiffärs betraute, war hierfür haupffächlich der Gedanke maßgebend, durch eine einheitliche Leitung die rasche Durchführung des. Personal- und Arbeitsbaues im Rahmen der bestehenden Behördenorganisation zu gewährleisten. In diesem Sinne hatte der Ersparmngskommifsär auf die Abschöpfung des Personalüberflusses und auf die Beseitigung von Mängeln des Verwaltungsapparates hinzuwirken. Nach beiden Richtungen hin hat Ministerialrat Dr. Hornik eine sehr intensiveünd erfölgreiche Tätigkeit entfaltet,.die schön darin.ihren Ausdruck findet, daß fest Oktober 1922 ckehr als 65.000', Äuge stellte abgeb a'u t und übet seine Anregung eine Reihe von Mängeln des Verwaltungsapparates, behoben wurden. Dieses Stadium der allgemeinen Abbauaktion ist nunmehr, den Berichten des Ersparungskommiffärs zufolge, i m wesentlichen als beenbet anznfchen. Weitere Ersparungen in der Verwaltung, auf die die Regierung den stärksten Nachdrucklegt, können nur durch Organe, die selbst in den Ressorts stehen und die mit deren Geschäftsführung im einzelnen vollauf vertraut sind, durchgeführt werden. Dieser Tatsache Rechnung tragend, hat der Ministerrat beschlossen, . sti jedem Reffort einen mit entsprechenden Vollmachten ansgestatteten Beamten mit der Leitung der einschlägigen Arbeiten g u b e trauen. Es sind dies im Bundeskanzleramt Ministerialrat Dr. Viktor Groß, im Bundeskanzleramte (Justiz) Ministerialrat Dr. Wilhelm L o e b e l l, im Ministerium für Finanzen Ministerialrat Dr. Alfred Becker, im Ministerium für Unterricht Ministerialrat Dr. Emilian Kall!na, im Ministerium für soziale Verwaltung Ministerialrat Dr. Franz Wleek, im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft Ministerialrat Otmar Kriehuber, hm Ministerium für Handel und Verkehr Ministerialrat Dr. Ron n inger und im Ministerium für 'Heerwesen Oberst Schiebe I." In einem. Atem wird also behauptet, daß das Stadium der allgemeinen Abbauaktion im wesentlichen beendet sei, Dr. Horniks Scheiden.aus dem Amte bedarf noch sehr der Aufklärung. Er war ursprünglich Oberfinanzrat im Finanzministerium und machte viel von sich reden, als er, zum Präsidenten des Militärliquidierungsamtes bestellt, eine Reihe von Schiebungen ausdeckte. Unter anderem war.es ihm zuzuschreiben, daß die Migtlieder des ehemaligen Wirts ch a f t sstabes in Rumänren vor Gericht gestellt wurden. Dr. Seipel hatte ihn, bevor noch das Genfer Sanierungswerk in Gang kam, dazu ausersehen, den Beamtenabbau rücksichtslos durchzuführen; seiner Energie traute man es nämlich zu, eine Art ziviler Theisiuger zu werden. Natürlich stieß er bald überall auf Schwierigkeiten, da zunächst die Abgeordneten der verschiedenen Parteien ihre Protektionskinder vom Abbau ausnehinen wollten, und als die Subalternen schon aus den Aemtern beseitigt waren, wehrte sich die höhere und h 3 ch st e Bur e a u k r a t i e ganz verzweifelt gegen ihren eigenen Abbau. Es hat.dem Dr. Hornik nichts genützt, ba&; er sich den groß deutschen Ministern gefügig zeigte und. keinen Einspruch gegen die Zuweisung von freigewordenen AmtSlokalen an die Haken- •■••• kreuzler ' ' . -- wagte. Es scheint nun, daß der Bundes kanzlet, hLr-im. Anfang auf Seite Dr. Horniks stand/jetzt selbst seinen Ersparungskommissär preisgab. Namentlich die' Affäre des früheren Sektionschefs im Ernährungsministerium. Mazanee wurde Hornik übel angekreidet. Mazanee stand bereits in Diensten einer Mühlengesellschast zu einet Zeit, wo er noch aktiver Staatsbeamter war. Nachgewiesenermaßen hatte er damals die Kontrollbefugnis gerade über jene Unternehmungen, denen er dann als gewesener Sektionsches des Ernährungsministeriums nahetrat, . . ' Sektionsches Mazanee hatte eine Wohnungsschisbung im Gebäude des Ernähmngsamtes für sich durchgeführt und Dr. Hornik deckte seinen - Kollegen nicht, sondern bestätigte sogar im Budgetausschuß die von der Opposition gegen Mazanee vorgebrachten Tatsachen. Allerdings hat später Dr. Seipel dem Sektionsches Mazanee, der sich mit gewissen chrfftlichsozialen Führern gut zu stellen wußte, vemzuwaschen versucht. Die heftigsten Gegner hatte Hornik, wie erwähnt, in der hohen Bureaukratie, die um ihre Stellen bangte und jetzt über ihn triumphiert; es ist ihr doch gelungen/ nicht nur den Ersparungskommiffär zu beseitigen, sondern sogar noch acht der ihren zu neu kreierten Stellen und damit zu einer Existenzberechtigung zu verhelfen. Mag sein, daß Hornik sich auch den Finanzminister nicht zum Freunde machen konnte, vor deffen. Autorität er im - allgemeinen nicht sehr viel Respekt zeigte. Diesen vielfältigen Gegnerschaften ist er nun erlegen. Frankreich hat den Morgan-Kredtt zmiickgmhlt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 17. April. Rach Meldungen aus New-Aork erklären die amerikanischen Finanzloute, daß die Bank von Frankreich bereit's die Summe von 100 M t U itonen Dollar an das Bankhaus Morgan zurück g ez ah l t habe, die ihr von dieser Firma vorgestneckt worden waren. Gleichzeitig sei ein Uebereinkommen getroffen, daß im Bedarfssalle neue Kredite eröffnet würden. Nach glaubwürdigen Informationen -halbe die französische Regierung von diesem Kredit nur 25 Millionen Dollar zur Stabilisierung des Franken verwendet. Naives billigt die Rahrbefetzung. Paris, 19. April. Die A g e n c e H a v a s meldet aus Rom: General D ä w e s, der gegenwärtig hier weilt, erklärte, die Deutschen müßten das Unheil, für dassie a l l r i n v e r a n t w o r t l i ch seien/ wieder gutmachen, Frankreich habe klug gehandelt, als es die Ruhr besetzte. Es habe aus diese Meise die Arbeit der Sachverständ'gen ermöglicht und die Durchführung der Lasten, die. die Sachverständigen Deutschland einmütig auserlegt häbeu, in wirksamster Weise verbürgt. vor einem sranzöfisch-tugoskawlschen Bündnis. ° Belgrad, 18. April. Das Blatt „Now oft i" besWgt die Nachricht des -Matin", daß bei dom für Ende Akar geplanten Pariser Besuch des jugoslawischen Königs paar es ein i Bündnisvertrag zwischen Frankreich und Jugoslawien geschloffen werden soll. Unsere Nummer vom Sonntag den 20. b. erschein^ in bedeutend verstärktem Umfange als - Festnummer und enthält unter anderem Beitrage vom Levmd A w drejew, Uriel Birnbaum, Ludwig Biro, Adolf Böhm, Klara Mautner, S. Meis e l 8, Dr. Emst Müller, Dr. N. E. Pohorilles, David Rothblum, Dr. Fritz Seifter, Artur Silbergleit, Armin T.. W e g n e r. Nach den Feiertagen erscheint die „Wiener Morgenzeitung" wieder am 22. d. mittags zur gewöhnlichen Stunde. Zer Block von Versailles. ->. Wien. 19. April. Vor einem Fahr hat die Arbeiterpartei im englischen Unterhaus einen Antrag eingebracht, in welchem sie die Regierung ausfordert, die nötigen Schritte zur Revision des Versailler Friedens zu tun. Er ging, den Weg aller vernünftigen Vorschläge, Mnal er weder in Frankreich Widerhall faüd, noch auch' durch die Haltung-Deutschlands unterstützt wurde.' Das -Jahr ist verstrichen und die Oppofitiorrchartei von damals ist in den Besitz der.Regierung gelangt.' Sie versucht es, auf allen Wegen für. die Verständigung der Gegner zuwirken und -Mac Donald hat in einem Gespräch mit unserem Londoner Bertchtevstatter (siehe „Wiener Dkorgenzeitung" vtznr.17.Aprih versichert, daß die Bedingungen' für Linen Ausgleich der internationalen Situation sich gebessert' hähen. Ein' Fehlsch'lag dieser Hoffnungen würde das Rüstungsfieber wieder beschleunigen und vielleicht zu einem neuen Weltkrieg führen. Diese Erklärung zeichnet den schweren Ernst der Weltlage und Mac'Donalds Optimismus ist wohl nur darauf gegründet, daß es in der nächsten Zeit zu Verhandlungen über die Reparationsfrage kommen wird und daß gegenwärtig Rußland uüd England in.Besprechungen stehen. Ob sich aus diesen beiden? Veranstaltungen eine Besserung ergeben wird, diese Frage kann nur mit Skepsis behandelt werden. Die französische Regierung befindet sich' in Wahlstimmung und ist schon deshalb aus den scharfen- Ton gestimmt. Sowjetrußland sieht wieder die Gelegenheit, die Anstrengungen aller übernationalen Saboteure des Frizens zu unterstützen. In Londpn spricht es firr die Schaffung einer überstaatlichen Institution, die. den Völkerbund noch übertreffen soll, in Moskau erklärt Trotzky, daß die Armee doch zu irgend etwas da sein müffe. Es ist klar,'was dieses „irgend etwas" bckeutet und wenn man auch annehmen kann, daß eine Konflagration nicht erfolgen wird, solange die Arbeiterregierung in London am Ruder ist, so ist es doch tm* möglich, das drohende Gewitter durch rosenrote Brillen zu betrachten. Der Versailler Vertrag sperrt wie ein erratischer Block alle Straßen zum. Frieden. Daß dieser Vertrag revidiert werden muß, ist eine Erkenntnis.von gestern. Der Streit geht darum, ob die Korrektur in der solennen Form einer allgemeinen Konferenz erfolgen soll oder ob es nicht möglich wäre, Teilvevbefferungen vorzunehmen. Gegen beide Eventualitäten wehrt sich Frankreich, das den Vertrag unter schweren Mühen dem Durften Rat abgezwungen hat und ihn deshalb für ein unantastbares Heiligtum ansieht. Es ist hierbei sestzustellen, daß die öffentliche Aieinung Frankreichs in dieser Wertschätzuno des Friedensdokumentes einig ist und daß auch die'Opposition der Herriotschen Linken sich nur . stillschweigetiden Abänderungen bereit gefunden hat, jedes ändere'Anskunftsmittel jedoch verwirft. Der Vertrag ist ein Stück der nationalen Ehre und Prestigegründe sind immer am schwersten zu widerlegen gewesen. '. Es wäre vielleicht vor einem Jahre, als die Arbeiterpartei ihren eingaugs erwähnten Antrag stellte, möglich gewesen, Frankreichs Sorgen durch eine verpflichtende, von den Mächten garantierte Erklärung Deutschlands zu zerstreuen. Aber der deutsche' Chauvi- Herren- und Damen wäsch e, Regenmänte1) engl. Wollstoffe, ferner Bettzeug u. Webwaren, alles erstklassig und billigst im. Warenhaus [Schiff mann II. 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