Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1858 (17.4.1924)
- Date
- 1924-04-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 5 * ' Men, DonnEag Wiener Morg'enzettung. '17. April 1924 Nr. 1858 ACHTUNO! Dit Mitn karmel-weine (Palästina) mr nos bw ips "WK Sowie sämtliche Qualitätsweine in fabriksneuen Flaschen sind zu haben im RESTAURANT MAYERSOHN, WIEN, II. TABORSTRASSE 24a Telephon 44-1-51 Jedes Quantum wird zugestellt nmeldungen für die Sederabende werden entgegengenommen * Die Stadt auf glühendem Boden. Die englische Stadt Tip ton, in der Grafschaft StaffordS. die 30.000 Einwohner zählt, liegt auf einem kohlenreichen Gelände. Mer waS für andere Ortschaften ein Gluck bedeutet, scheint dieser Stadt zum Verhängnis zu werden; denn die Kohlenflötze unter der Erde, die schon vor Jahren in Brand geraten sind, glimmen langsam fort. Die Folge davon ist, daß die Stadt und ihre Umgebung gewissermaßen ausgeröstei werden. Der. Boden ist so heiß, daß die ganze Vegetation auSgestorben ist. Viele Häuser zeigen infolge dieser der Erde entstammenden Hitze bereits Spuren der Verfalls. Einige, die emzustürzen drohten, mußten Polizeilich geräumt werden. Manchmal ist die ganze Umgebung der Stadt in eine dichte Rauchwolke gehüllt. Alle Versuche, dar Weiterglimmen der Kohlen zu verhindern, sind bislang ergebnislos geblieben. '_ Kleine Chronik. Die Karriere eines jüdischen Gelehrten. Italienische Blätter melden das Ableben des Universitätsprofessors der Anatomie Dr. Julius Kazander in Camerino (Norditalien). Der Verstorbene war der Sohn eines jüdischen Komitatsphysikus m Miskolcz und absolvierte seine medizinischen Studien in Wien, wo er zu den Lieblingsschülern Hyrlls zählte. In Budapest war er Assistent des Anatomieprofessors M i h a l k o v i c s. Trotz des Rufes, den er sich bald erwarb, konnte er an der Budapester Universität keine Professur erlangen. Er nahm daher, die Berufung an die Universität in Padua an. Nach kurzem Wirken als Privatwissenschaftlichen Arbeiten einen Weltruf als Anatom. Ausbruch des Krieges mußte er Italien verlassen und war dann vorübergehend an der Preßburger Universität tätig, wo er das Anatomische Institut schuf und einrichtete. Nach der Besetzung Preßburgs durch die Tschechen müßte er auch diesen.Posten aufgeben. Kaum war jedoch der Krieg beendet, als er schon wieder, obgleich er sich damals breeits dun 70. Lebensjahre näherte, die Rückberufung an die itaiieusche Lehrkanzel echielt, die er nunmehr bis an sein Lebensende innehatte. Prof. Kazander erreichte ein Alter von 7.8 Jahren. Eurhhtmische Tanze in der Kirche. In der Kirche ru'n gen Markus in oachnng statt New-Aork fand ein Gottesdienst mttcr Po- Anlaß zum Polizeiaufgebot halte der Beschluß des Rektors von St. Markus, Dr. Guthrie, gegeben, in der Kirche vor dem Altar eine Produktion .„Eurhychnnfcher Tamzübungen" zu veranstalten. Es war dies die zweite Veranstaltung dieser Art, -die Rektor Guthrie in der Kirche durchführte, nachdem Bischof Manning nachder ersten Vorführung eurhytmischer Tänze in der Kirche ein strenges Verbot erlassen hatte. Im übrigen hatte der Gottesdienst einen enormen Zndrcma von Gläubigen zu verzeichnen. Etwa acht junge Mädchen in sehr leichten Gewändern führten die eurhvlmischen Tänze vor bent Wtar auf, ohne daß es Anstoß erregt hätte. Mehr als 50 Geistliche aller Konfessionen wohnten denr Schauspiel bei und yrxrtukrevten Dr. Guthrie, daß er -gegen das bischöfliche Gebot an dem „Enrhyihmischen Kult" sesthalte. Die Geistlichen erhärten, daß der von euchythmischen Tänzen begleitete Gottes- Enst durchaus würdig und tan hoher Schönheit sei und. das Andachtsgefühl wesentlich verstärke. Hierzu muß allerdings FmeM werden^.datz während der Vorführung dieser Kulttänze die Kirche im Halbdunkel lag, während Reflektoren die tanzenden mngen Mädchen in Weißes Licht hüllten. Dazu spielte die Ar-feuklänge 'begleiteten die Tanzrhythmen und alte Kirchenlieder wurden gesungen. Methode zur Konstatierung des Todes. Ein neues Anzeichen des eingetretwen Todes hat ein englischer Forscher entdeckt. Der Arzt wind künftig' nur einen kurzen Blick rn das A u g e zu werfen brauchen, um zu sehen, ob ein wirk- Ltcrfr Todesfall oder etwa Scheintod vorliegt. Bereits eine halbe Minute nach dem Ableben tritt nämlich in den G efaßen des Augenhintergrundes eine Veränderung auf; sie scheinen nicht mehr wie ein fortlaufendes Band, soiWern Uta eine aus einzelnen Gliedern zusammengesetzte Kette, so dast ste wie hintereinander liegende Kettenkokken aüssehen. Auch die Netzhaut verändert sich bereits drei Minuten nach dem Tode, indem überall in ihr Flecken auftreten Um diese Veränderungen, festzustellen, genügt eine einfache Besichtigung mtt dem „Augenspiegel Vor dem Tode treten die genannten Veränderungen niemals auf. * Eine Konferenz jüdischer Bibliothekare. Demnächst wird m Warschau eine von der Kultnrliga einberufen-e K o nder Letter der jüdischen Bibliotheken in +.!^er Zweck der Konferenz ist es, die Bibllorhekfuhrung zu vereinheitlichen und ein Zentrum des ludr'schen Bib'lioth ekwesens zu schaffen. Auch eine zentrale Einkaufs st elle für Bücher, sowie Kurse für Bibliothekare nsw. eingerichtet werden. . . * Verkauf der „Morning Post". Wie aus London gemeldet WiiÄ, wurde die „Morning Post" von der Gräfin Bathurst an etne Gruppe der Konservativen unter Führung des Herzogs Northumberland verkruft. * Der Blutverröufer. „New-Yor? World" berichtet: Thomas Karl. G'.wÄoewäcbter in einem großen Nc>w-Aorker Kaufhaus, ubt in jeiuen freien Stunden eine überaus einträgliche Nevenbeschüftigung aus. Der Mann hat bisher nicht weniger als o9mal ein- Di^wansfusion von seinem Blut aus andere Menffchen vrruehmen iahen. Für f-ede Operation dieser Art echäl: Thomas K-ml ein Honorar, das zwiscli-n 200 und o00 -^«llar schwanke Konl begann dieses Geschäft vor zehn ^(ahrea und hat es so wei: gebracht, daß er mindestens dreimal un Mona: imstan-n? sich Blut vbzapfen und m fremde Körper nbrr'.ragen zu lassen. Die Now-Aorker Aerzte erblicken in Kaul e:n medizinisches Phirnemen. Kanl behauptet, daß er 'er.ieu aiiftergswöhuliche»'. B! tt'nchtum vornehmlich durch Ernähruna mi; rol>en ^Wi.weln erlangt habe. * 200 Jahre Briketts. Das Brikett kann in diesem Jahre ans ein 200jähriges Jubiläum zurückblicken. Vor 200 Jahren machte der Bergrat Verlach zuerst die Erfindung, „brennbare Erde.in Formen zu schlagen". Die ersten Briketts wurden danials zum Salzsiedcn verwendet. Der Naumburger Bürgerttf ßlSidük/f. f.-e. . rc. .. . y. c ... . .*• < , /-Ir» Brikettverwendung tal in einem Jahre rund 100.000 'Klafter Holz sparen könnt wodurch die Forste des Thüringer Waldes geschont und bi aus den heutigen Tag erhalten werden konnten. * Die Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judei tums beginnt ihr Sommerhalb jahr am 29. d. Es we den wiederum Vorlesungen und Uebnngrn ans den verschieden! Gebieten der Bibel- und Talmudfovschumg, der jüdischen R ligion und Literaturgeschichte gehalten. Auch die Präparand beginnt neue Kurse. Mit Eröffnung des Sommersemesters b ginnt der bekannte Philologe und Talmudforscher Dr. I. S Ep stein, der einen Lehrauftrag an die Hochschule erhalten hc seine Lehrtätigkeit. In der Zeit vom 11. bis 17, Juni 1924 ve anstailtet die Hochschule einen F e r i e n k u r s n s. Das Pr gvamm wird demnächst bekanntgegeben. Anmelduna-n au d ■ßtttdaAat, Berlm N, Arttlleoiestraße 14. Austritte aus dem Judentum. Rudolf Felber. geb. 3. Mai 1891. Göding, Schriftsteller, 4. Be;., Goldeggafse 33. Hermine Tauber, geb. 10. Dezember 1897, Wien, Schneiderin, 10. Bez., Scheugasse 12. Adolf Sirs ch, geb. 22. Mai 1913. Wien. 16. Bez., Huberaaffe 14. Friedrich Herz, geb. 30. Jänner 1908. Polna, 5. Bez., Anrengrubergaste 4. Ronal Heim. geb. 21. Mai 1880, Wien, 5. Ber.. Hamburaergasie 6. Karoline G o l d s ch e i d, geb. 29. März 1375, Elan kamen, 3. Bez.. Baumannstraße 5. Dr. Karl Jalob R o s e n z w e i n. geb. 30. September 1861, Cerricliow, Rechisaivralt, i. Bez., Heßgasse 1. Antonie Deutsch, ^eü. 1. August 1917. Men. 18. Bez., Dittesgasse 12. Alexander S v 11 a, geb. 2. Fctauar 1891, Wien, 12. Fockygaffe 29. Rola S i l b e r ll e i n, geh. <L April 1902, Wien, Verkäuferin, 12. Be-.. Giersteraasie 6. Elsa K r a n geb. 21. Februar 1886, Wien, 11. Bez., Wolso^^eaas'e 31. Richard Goldschmied, rrb. 2. April 1975. Wien, Lgnsmmm. 1. Bez., Grillparzerstraße 7. Franz Ri ü l l e r, -'eb. 17. Februar 1909, Wien, Stn'dent. 9. B," . Birlpn'annaasse 21. Marta B e e r, geb. 1. Mai 1385!, W>«-n, Privat, 2. Be?.. Taboistraße 99. Elsa Stern, eeb. 4. Mai 1889. Wien, Brivat. 2. Bez. Böcklinstraße 4. Rosa Bo e i ß. geb. 14. Juni 1894. Wien. Brivat, 5. Bez., Webraast'e 27. Emil Lande?', geb. 26. Oktober 1899, Wien, Privat, 2. Bez., Lastallcsst'aße 22. Friederike F i s ch e r. geb. 13. September 1900, Wien, Brivat, 1. Bez.. Stemaasse 3. Margarete H e i tl e i-, geb. VI 2 (inner 1901, Wien. Schneiderin, 7. Bez., Neusüft^ape 93. Rita Deutsch, geb. 20. Mai 1905, Wien, Pnvat, 2. Be,'..?>'?!,Italic 1. Helene Guttman n, geb. 2. Februar V'9!V Lehrerin, 9. Bez., Müllnergasse 35. Emmi N e um a n n. n2>. 7. Fe^rimr 1381, Wien, Heimarbeiterin, 15. Bez., svoFli«f!,r*'nFe 15. Pauline Frankl, geb. 5. Dezember 1870, lch'en. Heimarbe'ttrin, 19. Bez., Hardtgasse 27. Johanna Ko ru n, aeb. 13. Avril 1895, Praa, Privat, 1. Bez., Biberstraße 26. N>">tr U l l m a n n, geb. 11. Dezenrber 1885, Eisenstadt,. Reisender, 2. Bez.. Brigittenanerlände8. Adolf Trichter, geb. 1.April 1894, Erernowib, st. Ber.. Vereinsstiege 4. Malvine R eif, geb. n.'August 1869, Pinkafeld, Privat, 9. Bez., Glasergasse 7. Samuel M e h l e r, geb. 9. Avril 1882, Haworzow, Bürstenbinder, 9. Bez., Wagnergasse 3. Ludwig Kaiser, geb.|3, Jänner 1879, Galanta, Wehrnrann, 16. Bez., Gaullachergasse 28. Margarete F r i e d m a n m geb. 30. Juni 1897, Teschen, Privat, 8. Bez., Zeltgasse 11. Anna U l l m a n n, geb. 20. Juli 1887, Wien, 2. Bez., Brigittenauerlände 8. Wilma Licht, geb. 4. August 1881, Prag, 3. Bez., Obere Weißgarberstraße 11. Karl Leiudorfs r, geb. 30. Juni 1873, Dnlcim, 2. Bez., Zirkusgasse 21. Rosa Keppel, geb. 19. Juni 1903, Mattersdorf, Beamtin, 10. Bez., Favoritenstraße. Dr. Heinrich Böhm, geb. 21. Juli 1896, OroszoSzentlakahaSza, 3. Bez., Ungargaffe 13. Karoline Sing e r, geb. 8. Jänner 1892, Wien, Hilfsarbeiter, 19. Bez., ' Pantzergafse 19. Ernst La über, geb. 4. August 1895, Alsononhiregyfalva, 5. Bez., NikolSdorfergasse 23. Dr. Gottlieb Popper, geb. 1. Mai 1864, Pilsen, 6. Bez., Wiedener Hauptstraße 87. Rosa H o sm a n n, geb. 2. November 1896, Wien, Bankbeamttn, 8. Bez., Fuhrmanngasse 14. Dora Freund, geb. 2. Februar 1909, Wien, 9. Bez., Untere Viaduttgasse 53. Karolme Schein, geb. 29. Oktober 1906, Wien, 20. Bez., Mortaraplatz 2. Helene G rünhut, geb. 2. Dezember 1876, Wien, BranntweinschenkerSgattin, 16. Bez., Ottamngerstraße 108. Sidonie Hirsch, geb, 1. Dezember 1885, Wien, Privat, 9. Bez., Seegasie 4. Richard K o m o r n, geb. 30. August 1878, Wien, Bankprokurist, 9. Bez., Bleichergasse 15. Maria K o m o r n, geb. 13. Jänner 1883, Wien, 9. Bez., Bleichergaffe 16. Hochrotes Leder für Kleideraufputz GEW1TSGH, Westbahnstrasse Nr. 18 Vereine, Vorträge und WersaMMlungen. Oesterreichisches Museum, 1. Bez., Stubenring 6. Von morgen Mittag bis einschließlich S o n nt a y geschlossen. Montag sind die Sammlungen einschließlich der Schausammluug ehemaliger Hosmobilien und Neuerwerbungen von 9 bis 1-Uhr geöffnet (1000 KV. Bibliothek und Lesesäle von 9 bis 1 Uhr (freier Eintritt). Die ehemalige Hoftafel- und Silberkammer Sonntag von 9 bis 1 Uhr (Inländer 5000 K.. Ausländer 10.000 K., illustrierter Führer 5000 K.), M o n t a g geschlossen. Drr neueste Palästina-Film feine Reffe durch Crez Israel im Jahre 1923), über dessen Uranssühruu.g ausführlich berichtet wurde, wird Sonntag den 20. d. im L ö w e n - K i n o, 3. Bez., Löwengasse 33. in einer einzigen Vorstellung um 10 Uhr abends aufgeführt. Das lebhafte Interesse, das begreiflicherweise alle Kreise der jüdischen Bevölkerung diesem Film eutgegenbvlngen, wird besonders erhöht durch die Mitteilung, daß Frau Zlnitta Müller-Cohvn, welche bekanntlich im Jahre 1923 in Palästina weilte, die Vorführung des Films mit einem V o r t r a g e einleiien wird. Es gelangen nur verhältnismäßig wenig Karten zur Ausgabe, da der vielversprechende Abend von der Zionistischen Sektion Landst r a ße für ihre Mitglieder und die Mitglieder der Wischen Tischgesellschaft veranstaltet wird. Die restlichen Karten sind 'im Juwelengeschäft Armin Mach, 3. Bez., ^Hauptstraße 5, im Cafe Lovrana, 3. Bez., Löwengasse 36, und im Gase Ilion, 3. Bez., Löwengasse 39, erhältlich. Nehmet Kinder aufs Land! Das Kuratorium des Elisalbethheims (2. Bez., Malzgasse 7) schreibt uns: Unsere 100 Schützlinge im Alter von 7 bis 17 Jahren, Warsenmädchen, welche die Schule besuchen oder einem Lchrbemrs nachgehen, entbehren im Sommer einer frohen Landwohnnna. Darum wenden wir uns an mitfühlende Herzen, an Väter und Mütter, denen die Liebe und das Gewissen diesen Anlaß als Wink des Himmels deuten, daß sie sich oer Kriegswaisen annehmen und ihnen das Glück eines Elternhauses aus kurze, Zeit gewähren mögen. Der Jüdische Hochschulausschuß ersucht uns um Aufnahme der folgende Zeilen: Der Jüdische Hochschnlansschuß dankt der I. A. V. „Unitas" für den der Mensa academica Judalca abgeführten Reinertrag ihrer Veranstaltung, und ^'eiß diese Arbeit der Verbindu.^ vnll ditttulfdiäfceu. Bühne und Kunst. Arnold Bronnens „Anarchie in Sillian". (Raimund-Theater.) Die Hochachttmg vor der Lsistung der Schauspieler entwaffnet. Sie wiffen nicht/— können in diesem Falle unmöglich wissen —, waS sie ttm und tuns doch mit Hingabe. Schon das gewaltig« Stück physischer'Arbiett, das diese vier tapferen Meuchen bewältigen (Maria Gutmann, Margarete Koeppke, Richard Duschinsky, Gustav Kenne), wird Schutzwall für den Autor. Es gibt klare Köpfe mit wenig sittlichem Ernst und viel Begabung. Es gilbt Wirrköpse mit wenig Begabung und viel ittlichem Ernst. Dieses Stück, scheint uns, hat ein Wirrkopf mit wenig Begabung und ohne - sitttichen Ernst von sich gegeben. Leer läuft der Dialog, platt und dumm sind die Reden, aber daur drängeln sich 'die Symbole. Sie sind dem Autor ungezählt zur Hand und entsprechend billig. Ein Edelschwächling siegt durch Verzicht. und eisernes PflichtgeMl, -der alte Glasbläser Ms „Pippa tanzt" rast und will sein Opfer halben, das -Weib lockt und ist gut und opfert ich, die Liebe hört nimmer aus (auch während sie's mit einen: anderen tut) und -.ein Mädchen — wenn ihr wollt, Sinnbild der vergifteten Jugend dieser Zeit leert des alten Glasbläsers Schnapsflasche bis zur Neä.ge. Die BeireidenSwerte ist während der folgenden Szenen volltvnnken. Lrchtwunder funktionieren und versagen, Revolver funktionieren niemals und.versagen immer, Hunde heulen, Schatten Gleiten, Hebel knartern, ein Schnür.n gen prasselt ohn^ Unterlaß an-die Scheiben, und siehe, es ist ein Zeitdrama. Das Ganze bedeutet -nämllich: Ueberwindung der Nachkriegsanarchie durch Zlrbeit, Verantwortungsgefühl, Seelengröße. In Bronnens Opus ist keiner dieser Neberminder am Werke. Hier sucht einer — tu' die Anacn auf, Jngcnd — .der kranken Zeit mit Spekulation beizukonnoen. Nach den Genüssen dieser Prem'ere -kriegt man vor harmloseren neuen Dramatikern,, wie etwa dem Dichter dcs „Verschnörkelten Gitter", allerhand Hochachtung. Der Spielleiter, Herr Karlheinz Martin, legte ungemessene Ketten von Gedankenstrichen zwischen die inhaltsschweren Sätze des Textes. Er dantte zum Schttlß den „Wohlgesinnten", welche im Gegensatz zu> anderen Augen- und Ohrenzeugen des bewegten Abends lebhaften Beifall spendeten. Es war nicht -die einzige Entgleisung der Regie. O. A. Me«« Komödkttlhaus. („Das Mädel vom Alfergrtmd.") - Es gibt zwei Arien vcmi Volksftücken: Szenen von streng geschlossener dramatischer Form, deren Bau die unsichtbare Masse „Voll!" durchdringt, indem sie dnmlpf im Hintergrund verharrt und nur durch seelische Reslexäußerungett den Anteil an - der Handlung bestimmt, mnd dann Bühnenibilder von lockerer; Folge, deren Hauptaktenre ans dem Volksleben hevansgegrifsene. Typen sind, die sich durch grelle Beleuchtung an das Gefühl berj Zuhörer wenden. „Das Mädel vom Msergrund", das Frau Bleher-G roh mann zur Verfasserin hat und mit Musikeinlagen von- Ralph Erwin-und Mols H osm an n a-usge-, stattet ist, gchört zur zweiten Gattung. Anna, eine Arbeiterstochter, läßt sich auf den Weg -locken, der leidvoll vom äußeren Bezirk zur inneren Stadt führt, tailscht zwar -für den Verlust^ ihrer unschuldsvollen Reize materielle Aeqniva-lente für sich und ihre Familie ein, ist ober schließlich froh, die Rückkehr ins Elternhaus zu finden und in harter Arbeit das Glück wieder zu' gewinnen, das sie einst an der Seite ihres ihr treu gebliebenen Jugendgeliebten verschmäht hat.. Diesen von Sentimentalität' triefenden Stoff meistert Mizzi Zw erenz in allen ihren Ausbrüchen von, Freude und Leid mit jener Routtne, für die ihr der ganze Alsergrund dankbar ist. Ihr gutsituierter Liebhaber, der reichlich dumme Baron, auch kein Unbekannter, wird von Hans-Fuchs darst-ellt. Die LMtnantSuniform trägt Karl Göttler. selbst in den modernen Tänzen mit romantischer Treue, Karl Matuna als ungarischer Offiziersdiener erschöpftden Reichtum des Kauderwelsch. Paul Ohlmüh l ist ein leider ausgestorbe-nes Exemplar jener Gattung, die den Begriff „Eivige Liebe" hochhält. Der Beifall des vollen Hauses rief immer wieder die Autoren und Darsteller vor die Rampe. dt. - Ei*3lkla88ig6 Wiener sowie die bestbekannte erste original orientalische ncen ir\b KÜCHE wäh7edr PESSACH-FEIERTAGE * Sederabende unter dem Vorsitz des Oberkantors Herrn JAKOB WAHRMANN (r\)}W ttTID) * Anmeldungen täglich von 12 bis 3 Uhr im Restaurant „NATIONAL“ 2Ü. Wien, II. Taborstr. 18 Feinste inu. ausländ. Qualitäts- Weine, Sliwowitz und Meth riDsn an!?»