Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1858 (17.4.1924)
- Date
- 1924-04-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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H, f' f* ‘%'M "- «Pf-v:r-''i <■ ,*" < -* y, *: Nr. *B6Ö SBkit, Dowmrstag ~,J- Znland. Ae akademische,Beamtenschaft beim Bundeskanzler. Aussichtsholle Verhandlungen. Gestern nachmittags -wurden im Bundeskanzleramt die Vertreter der akademischen Beamtenschaft vom Bundeskanzler empfangen, nm die ungünstige Lage der akademischen Beamtenschaft darzulegen. Die Beamten hatten ursprünglich beabsichtigt, heute einen Demonstrationssireik zu veranstalten, hatten diese Absicht über Wunsch der Regierung aufgegeben. -Die Bes.prechung gestaltete sich stellenweise sehr erregt und verlief ohne irgend ein Ergebnis, worauf ein Mi nisterrat stattfand, der sich mit der Angelegenheit befaßte. In -der Konferenz verwies Sektionschef Dr. S e y d l auf die Verschlechterung der materiellen Lage gerade der akademischen Beamtenschaft, die sich mit ihren Familien in einer ausgesprochenen Notlage befinde. Hauptsache sei, daß möglichst rasch die Bezüge wieder die FriederrskaluPraft erlangen. Er bat, die Junitagung des Völkerbundrates nicht vorübevgehen -zu lassen, ohne auch die Regelung der Beamten'bezüge ihrer Wichtigkeit entsprechend zu vertreten. Schließlich ersuchte er um eine Notstandsaushilfe für die Beamtenschaft. Bundeskanzler Seipel hob hervor, daß die richtige Spannung zwischen den Bezügen der höher qualifizierten Beamten -und den unteren Kategorien hevgestellt und daß für die Zukunftdem Beamtenelend ein Ende gemacht wer- -ben müsse. , Er führt sodann aus: Eine Bewegung unter der Beamtenschaft, mag sie noch so lebhaft weäen und unter Umständen drohende Formen annehmen, darf eine Regierung von dem ihr als richtig erkannten Wog nicht abbriugen. Um so mehr-muß es eine Regierung ertragen können, wenn -eilte derartige Bewegung auf das Parteipolitische übergreift, wenn ettva Befürchtungen entstehen, daß die Opposition einen 'Borsprung gewinnen könne. Mer etwas anderes berührt mich außerordentlich tief, das ist die außerordentliche Notlage der Beamten. Nun liegt es gewiß sehr -nahe, an eine einmalige Auszahlung, an einen Anschaffungsbeitrag, an eine -generelle Notstandsaushilfe zu denken. Es ist ungeheuer schwer, in einem solchen Falle Nein zu sagen. Nun kennen Sie aber die Verhältnisse, wie -sie bestehen und die sich ja nicht unter unserer Regierung entwickelt haben. Eine Teilaltion für -eine bestimmte Gruppe der Beamtenschaft allein durchzuführen, geht nicht an- Eine allgemeine Auszahlung -ist aber nicht möglich. Ich gebe Ihnen in dem gegenwärtigen Stadium vor der ErlMgung der -Bev-mtenfvage die Versicherung, daß wir Lei individuellen Anforderungen wegen Notstandsaushilfen und Vorschüssen das größte Entgegenkommen., zeigen worden. Aber eine allgemeine Ausschüttung erscheint nicht durch* Ministerialrat Dr. R e i n ö h l-richtete an den Bundeskanzler eine kurze Ansprache, in der er erklärte, daß die Notlage der Akademiker bereits so weit vorgeschritten sei, daß ein längeres Zu warten die Depression vergrößern muffe. Das, was die Negierung heute gehört habe, -sei der N o 1schrei der Ertrinkenden. Wenn dieser Ruf der Beamtenschaft nicht, gehört >würde, so sei nicht abzuschen, welche Stimmungen unter den Akademikern Platz greifen würden. Die Verhandlungen des 25er Ausschusses. Bei den gestrigen BevhäMungen des 26er Ausschusses gaben die Regie-MNgsdertreter die allgemeinen Gvundzüge des von -der Regierung in Aussicht genommenen neuen Systems -der Besoldungsregelung bekannt. Hierbei wurden jene Kategorien von BundeSangestelltcn angeführt, die für eine besoldungsrechtliche Sonderstellung in Betracht kommen. Für den Bereich der Hoheitsverwaltung wurde die Abkehr von dem gegenwärtigen System und die Rückkehr zu einem rangsklassenartigen System in Aussicht gestellt. Das neue System werde vor allem die vangSklassenmäßige Spannung zwischen den Bezügen der verschiedenen Angeftelltengru-ppen einersei-t's und innerhalb der Gruppen zwischen den niedrigsten und den höchsten Bezügen andererseits gegenüber dem geltenden System bedeutend -verbessern müssen. Das System habe also zunächst die Relationen zwischen den Bezügen der verschiedenen Gruppen und zwischen den Bezügen der Rangs klaffen fostzustellen. Das Ziel fei, dabei zugleich den Bezügen dauernd eine solche Höhe zu geben daß damit die Notlage «der Bundesangestellten 'beseitigt wird. Die Bestimmung der Ziffern im einzelnen und die Festsetzung -der Mittel, welche für diese Zwecke zur Verfügung gestellt werden, werde im Zusammenhänge mit dem Normalbrtdget erfolgen. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Wiener Morgenzeitnng. Re letzten Kurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 16. April. (Radio.) Devisenschluhkurke: Wien 309,500, Prag 147.12'/. Rew-Dor! 4,34’/., Paris 69,70, Brüssel 81V4, Rom 97,81»/», Zürich 24,70, Madrid 32,09'/,, Amsterdam 1J,72, Kopenliagen 26,14 V,/ Christiania 31,52'/,. Stockholm 16,47'/., Berlin 19 Billionen, HelsingforS 173*/,. ' *' London» 16. April. (Radio). Die Börse wies eine sehr ruhige Tendenz auf und der Verkehr war still. Das Angebot konnte leicht absorbiert werden, da man nach Ostern eine Belebung des Geschäftes erwartet. Der Franken konnte nachbörsliche die Höhe nicht behaupten. Unter den Minenpapieren waren Rio Tinto fester, Lokalbahnen mit Rücksicht auf die Aussicht des Masienverkehres während der Ausstellung gebessert. Wechselkurse: New-Dork 4,35, Paris 70.05. Brüssel 81,75, Berlin gebessert 18'/, Billionen, Christiania 31,325, Stockholm 16,47, Kopenhagen 26,12'/», Schweiz 24,69'/„ Amsterdam 11,71V», Rom 97,60, Madrid 32.10, Wien 308,500, Prag 147,25, Warschau 39 bis 44 Millionen, Athen 230,—, Sofia 600, Belgrad 848, Bukarest 820, Konstantinopel 825, Budapest 320.000 bis 420.000, Oesterreichische Anleibe 91,25, tschechische 98, Centremining 10,75, Generalmining 13, Debeers 12,33, Royal Dutch 38, Schells 4,60. Metaller Kupfer Standard Kaffe 64,10, Drei Monate 65,7Vr, Elektrolyt 70.6, Zinn Standard Kassa 249,7, Drei Monate 248,12, Blei englisches 33,5, ausländisches 32 bis 30. Messing auslstndisches 32,12,6, Silber unverändert, Gold 1 Penny billiger. Baumwolle: Eröffnung. Amerikanische Termin Mai 17,88, Juli 17,22, Oktober 14,80, im späteren Verlauf Mai 17,73, Juli 17,11, Oktober 14,80, Jänner 14,18, full mid 18,69. Paris, 16. April. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —, Pragobanka' 390,. Credit Lyonais 1527, Suez 95,40, Platine 660, Dabrowa 711, Banque Ottomane 729, Central Mining 750, Rio Tinto 2208. Le Napbte Russe 230, Sueceried Egypte 876, Baku 2160, Cautchoues sin 143.50, Chartered 49, Debeers ordin. 895, Goldfields 66.25, Hucmchakas 242, Jägers Fontain 206, Malacca ordin. 131.—, Maltzoff 360, Mexican Eagle 75.—, Padang 814.—, Rand Fontain 77.50, Randmine 204.50, Silva plana 157.—, Tanganyika 118.—, Tnbice foie 550, Utah Copper 1080, Shell 321, Royal Dutch 26.650, Burmah —.—, Societe generale —.—, Steaua Romana , Schneider u. Cie. —, Metropolitaine —, Thompson Houston —Raffinerie say ord. —.—, Russe cons. 4% —Russe cons. 3°/, 1891/94 —.—, Russe cons. 3°/0 1896 Russe cons. 3'/20/0 1894 Ruff, cons. 5°/» 1906 —Russe cons. 4*/a°/o 1909 Serbie 4«/, 1895 Dette Ottomane 4°/, Ottomane 5°/, 1914 Aew-Bork, 16. April. (Radio.) Devisenschlußkurse: Taggeld 4'/., Wechsel auf London 4,35, 60 Tage-Wechsel 4,92, Paris 6,28, Amsterdam 37,14, Prag 2,96, Berliner Schlußkurs 22»/,-23, Silber 64»/». London» 16. April. Die Frage der Zuckersteuer steht, wieder auf der Tagesordnung der Gesetzgebung. Die. Steuer beträgt 2'/« Cents pro Pfund und ist somit 14mal höher als im Jahre 1914. London» 16. April. Börse. Fortsetzung der Radio-Börsenmeldung. Baumwolle, 3 Uhr 90 Min. nachmittags, hei 17,34, Juli 17.14, Oktober 14,82, Juni 14,16 Zucker. Grotzverkaufer fanden in raffinierter Ware zu leicht ermäßigten Preisen statt. Weißer Javazucker, Terminware etwas fester. Mai-Juni 25, Juni-Juli 24/ Juli-August 22,6 franko London. Tschecho-slowakischer granuliert Mai-Juni 29,9 franko Hamburg, weißer Terminzucker fester Mai 28,7»/. bis 29 bis 29,6, August 26,1»/, bis 26,6. Dazu 22,4»/, bis 22,6. Tagesbericht. -äs Schachturnier ln Rew-Bork. Dr.Emanuel Lasker sicherer Sieger. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) New-Dork, 16. ApM. In der 21. Runde gewann Doktor Emamvek Lasker seine Partie gegen Dr. Tartakower nach 49 Zügen und ist dadurch, da nur eine Runde zu erledigen ist,-von Capablanca, der Reti in 86 Zügen schlug, nicht mehr einzuholen, da Dr. Lasker numn-chr 15 Zähler erreicht hat, während Capablanca nach seinem Siege über Reti 13,5 -Punkte zählt. So bleibt Lasker, selbst wenn er in der letzten Runde seine Partie verlieren würde, Sieger im Turnier. Auch in -den übrigen Spielen wurde bis zur Entscheidung gekämpft. -Bogoljubow gab gegen M a r o c z y nach 48 Zügen auf. Mars hall-gewann gegen Dates nach 41 Zügen. Die Partie Eduard L a s k e r—I a n o w s k i wurde nach 71 Zügen unterbrochen. A >l j e ch i n war.spielftei. Stand nach der 21. Runde: Dr. Emanuel Lasker 15, Capablanca 13,5, Aljechin 11,5, Marshall 11, Reti 9,5, Maroczy 9, Bogoljubow 8,5 (eine Hängepartie), Dr. Tartakower 7,5, Dates 7, Gdnard Lasker 6 (eine Hängepartie), Janowski4,5 (zwei Hängepartien). Earpentier in Wien. Gestern um 1 Uhr mittags kam der berühmte französische Boxer mit der Westbahn an. Vor dem Bahnhof hatten sich ein-bge tausend Neugierige vlnaesu-Uden. In der Ankunftshalle nahmen die Vertreter des Boxvevbaudes, einige Photographen uud zahlreiche Angehörige der französischen Kolonie Wiens Carp-entier in Empfang. Es gab Blumen, Ansprachen, Kmoachucch-men und Hurrarufe. Zur größeren Feier des Empfanges zog ein Aeroplan über dem Westbahnhof seine Kreise und. begleitete die wimpelgeschmückten Autos, die in der ©talbt großes Aufsehen erregten, auf chrer Fahrt zum Hotel Bristol, in dem der berühmte Boxer mit seinem zahlreichen Gefolge abgestiiegen ist. _17. April 1924 " ""_ Heile i Zer deutsche Rachegelft. Ein vereitelter Mordanschlag auf einen Industrielles Berlin, 16. April. Wozu Haß und Rache führet können, zeigt ein gestern von der Kriminalpolizei ver» eitelter Mordanschlag auf einen Industriellen, Jakob» ' en. Zwischen diesem und dem Veterinär Dr.' Saum* :jart schwebt ein Zivilrechtsstreit, in dem der letztere unterlag. Darüber geriet dieser in Wut, die sich in einem Racheakt an seinem Gegner Luft zu machen versuchte. Die Kriminalpolizei hatte feststellen können, daß Baumgart mit zwei bewaffneten Helfern .einen 'leberfall auf Jakobfen in seinem Bureau beabsichtigt hat. Vorerst sollte die Privatsekretärin überwältigt, uud der Industrielle selbst getötet werden. Daraufhin entsandte gestern die Polizei drei Beamte auf 'den Kursürstendamm, wo Jakobfen wohnt, und diese beobachteten die Passanten. Tatsächlich kam auch Dr. Baumgar t mit zwei fremden Männern in das Haus des Jndutrielleu. Hier wurden alle drei von den Polizisten estgenommen. Die Verhöre bestätigten, daß tatsächich ein mörderischer Ueberfall ausgeführt werden sollte. Den Verbrechern sind Revolver und Masken abgenommen worden. An palästinensisches siustitnt für Mttelmeerforschuns. Wie I. T. Ä. aus Berlin berichtet, tritt Dr. med. et Phil. Walter Steinitz in' biejeit Tagen eine mehrmonottge Forschungsreise nach den palästinensischen Küstengewass ern an, um dort Vorarbeiten für die Gründung einer biologischen Meeres st ation zu leisten. Am vergangenen Samstag versammelte sich in Berlin eine Reihe wissenschaftlich an dem Projekt interessierter Personen, um zur Bildung eines Komitees zu schreiten, das die kontinuierliche Fortsetzung der begonnenen Arbeit ermöglichen soll. Herr Dr.' Steinitz sprach in diesem Kreise unter lebhaftem Beifall über Probleme der Mit telmeerfmschung. Im Ansch-uß an feinen Vortrag -bildete sich ein Arbeitskomite-e, bestehend aus' tfiÄ Herren Rabbiner Dr. Baeck, Professor Dr. Albert Einstein, Professor Dr. Neuberg, Rechtsanwalt Dr. Klee und Max Kober, das sich-zur Aufgabe gesetzt hat, weitere Kreise für die Verwirklichung des Planes zu interessieren. In der Diskussion, an der sich Professor Einstein lebhaft beteiligte, wurde -darauf hingewiesen, daß sich hier der jüdischen Gesamtheit die seltene Gelegenheit biete,-da weite Kreise der Forscher aller Nationen an der Verwirklichung des Planes lebhaft interessiert sind, als Geberin kultureller Werte der nichtjüdischen Welt a-- genüberzutreten.. Ane Mische Universität in Europa. Wie I. T. A. aus Genf ^berichtet, hat -sich die runter, dem Vorsitz Henry Bergsous stehende Kommission für geistige Zusammenarbeit bei m Völkerbund soeben mit der Frage der Errichtung einer jüdischen Universität auf europäischen Boden beschäftig:. Der Vertreter Spaniens trat dafür ein, -daß die Universität in Spanien errichtet werde und versprach, daß der Universität ein Bauplatz eingeräumt und eine regelmäßige Subvention zugeweudet werden wird. 'Tie Kommission hat sich jedoch zum Schluß für Danzig als Sitz der Universität entschieden -un.d ferner!beftimmt, daß die Unt-erricht^fprache deutsch sein soll. Es verlautet, daßein Komitee von -sieben Personen, unter ihnen Professor Einstein, eingesetzt werden soll, das sich mit dem -weiteren Schicksal der Universität zu 'befassen habe» wird. Iie Stadt der Mädchenhäadler. Los Angeles. Fünftausend junge Mädchen sind im letzten Jahre in der Filmstadt Los Angeles verschwuiiden, ohne daß eine Spur von chnen entdeckt worden wäre. Man weiß nur soviel, daß Los Angeles das Mekka aller jungen Mädchen Amerikas ist, die in sich den Beruf zu-nr Filmstar fühlen und ihren Eltern nach Los Angeles durchgehen, auch von der internationalen Mädchenhändlerzunft zu ihrem Zentrum-erwählt wurde. Hunderte von Detektivs bewachen die ankommenden Züge, die ganze Ladungen junger, unerfahrener Geschöpfe bringen, ganze Polizeibrigaden beobachten die Männer, die angeblich gleichfalls als Filmdarsteller oder Arbeiter in bfc Stadt kommen, und doch gelimgt es nur selten, ein Opfer zu retten oder einen weißen Sklavenhändler dingf-eft zu machen. Es ist selbftverstäMich, daß mrr ein ganz geringer Teil der Mädchen und Frauen, die von hochgehenden Illusionen getrieben, nach Los Angeles gehen, es beim Film auch wirklich zu etwas bringt. Die überwiegeiche Mehrzahl wird abgewiosen, und diese Enttäuschten, die in der Regel aus falscher Scham oder aus Augst vor ihren Angehörigen und Bekannten nicht wagen, in ihre Heimat znrückzu-kchren, bilden dann in ihrer Verlassenheit uud Verzweiflung die reise Frucht für die auf ihre Opfer lauernden MädcheichäMer. Imverflossenen Jahr sind auch sehr viele aus Europa eingewanderte Mädchen in Los Angeles spurlos verschwunden. In dm Fällen, in denen es der vor kurzem gegründeten Frauenschutzliga in Los Angeles gelungen war, die Spuren solcher Tragödien zu H n f) f p i h e wi». ^55 m WieN.^AOt£R«A5SC-| T«l«fon tfe 762.6* mmwmxmmm wemismmsMjK