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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-17 · Heft 1858 (17.4.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1858 (17.4.1924)
Date
1924-04-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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gjgfle L TVWkMKg , > —:-.... - ■■ --—- 4ÜSj in den Grenzen der Legalität hielt, ist eine dankenstverte Wirkung der immerhin in diesem Staat noch vorhandenen zivilisatorischen Hemmungen. Nach außen hin hat die Kammer alles gutgeheißen, waS die Regierungen taten. Auch das ist ein Kriterium des. Politisierende Militarismus, daß er eigentlich kein System hat. Et kann nur verwüsten, schießen, mit dem Kolben dreirchauen. Stellten ihn die Verhältnisse vor die Notwendigkeit politischer Entscheidungen, dann flüchtet er zur besseren Einsicht des Zrvilisten und verkriecht sich hinter der Regierung. Clemmceau, Ntillerand, Leygues, Brürnd, Poinoare 7— allen votierte die Kammer das Vertrauen, alle konnten mit ihr regieren, weil die Kammer ein qualliges Gebilde ohne feste politische Struktur war. Der Unmut der Wählerschaft ist ziemlich allgemein. Mil recht geringer Siegeszuversicht ziehen die Deputierten in den Wahlkampf. Kenre Baniettrede Poincares kann ihnen Mut bringen und das Rückgrat stärken. Alle Hoffnungen der französischen Frontkämpfer kreisen heute unr Ludendorff. Siegt er in Deutschland, dann siegen auch-sie in Frankreich. Ler amerikaiM-javanische AnwanderungslonWt. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung^.) London, 16. April. Die ,Mme§" melden aus Tokio, baß der japanische Außemninffter Baron M a t f u i amsrAaniischen Jouvrvakfftein erklärt habe, er bedaure den Beschluß des Senats in der Gm-wandemugsfrage. Die Bevsimgten Staaten hätten jetzt die Wahl, sich unerbittlich zu zeigen ober der Weltein Beispiel internationaler Großmut zu gelben. Er zweifle nicht daran, daß AmeMr, das der We.lt durch seine Initiative in der Mvüstungsfrage ein nachahmenswertes Beispiel gegeben habe, in der Einwanderungsfvage doch noch einlenken werbe. „Central News" melden aus Waffsington, daß man sich zusoilge des Beschlusses des Senats in der ErnwandennngKsrage auf einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen m i t Japan gefaßt mache oder doch zumindest mit dem Rücktritt des Staatssekretärs Hughes rechne. Die Matter verurteilen im allgemeinen den Beschluß des Senats und hoffen, daß Präsident Coolidge sein Veto simüiegen Werde. In politischen Kreisen zweifelt Man allerdings, mit Rücksicht auf die kommenden Wahlen, an diesem Schritt Eookidges. Die strittige Bestimmung des Emwanderungsgesetzes, die alle Japaner ausschließt, ist inzwischen auch vom Senat angenommen worben. „ Amerika stimmt der deutschen Anleihe r«. (Eigendienst der „Wener Movgenzeitung".) London, 16. April. (RMomeildung.) „DaÄh Telegraph" mdfoet aus Washington: Das Staatsamt erklärt, daß die amerckaniffchr Regierung gegen die vorgeschlagene Anleihe von 800 Millionen Goldmarkentsprechend dem Sachverständigengutachten nichts mehr einzuwenden habe und die bisherige Forderung, daß die Kosten der amerikanischen Besatzungsarmee in der Höhe von 50 Millionen Pfund das Prioritätsrecht genießen, fallen gelassen halbe. Die amerikanischen Bankiers informierten die Regierung dahin, daß eine öffentliche Empfehlung der deutschen Anleihe erfolglos wäre, falls nicht für diese Anleihe die erste hypothekarische Sicherheit vochanden sei. Sie Verlängerung der Mimm-Berträge. ' Düsseldorf, 16. April. (Tel. der ,/Wiener Morgenzertung". Der Zweckverband der Metallindustrie, der Ende Februar ein vorläufiges Zollermäßigungsabkommen mit der Mrcum und der Rheinlandskommission geschlossen hatte, hat dieses Abkommen bis 15. Juni unter den gleichen Bedingungen verlängert. kräffnung der denMe« Golddiskgntbank. Berlin, 16. April. (Tel. der „Wr. Movgenzeitung".) Die deutsche Golddiskontbank hat heute vormittags ihre Tätigkeit mit vorläuftg 30 Angestellten ausgenommen. Infolge einer technischen Verzögerung konnten ihre Noten n-och nicht fertiggestellt werden, weshalb die Bank vorläufig englische ^fundnoten ausgeben wird. Die kleinen Wlerprozrsse. München, 16. April. (Tel. der „Mr. Morgenzeitung".) Vor dem - Volksgericht wurde heute am zweiten Tage der sogenannten kleinen Hitler-Prozesse das Verfahren gegen die ehemaligen Leutnants, v. Pr 0 sch und Heines sowie gegen den Adjutanten Roßbachs, Oswald, und den Adjutanten des Führers der rechtsradikalen Organisation Reichskriegsflagge begonnen.' Die Angeklagten sind der Beihilfe am Hochverrat und der Geheimbündelei angeklagt. Sämtliche Angeklagte waren, obwohl sie seit langer Zeit mcht mehr im Militärdienst stehen, in Uniform erschienen. «e VMM Herrschaft i« Astrlngen. Berlin, 16- .April. (Wolfs.) In der gestrigen Sitzung -es thftr ingfs cherr Lanb.tages.fft.die Immunitä i des kommünfftffchen' Abgeordneten N? ubauer «ßgchobm woMn, goM bW ßvegey N u j i n d u n g Wiener Morgenzekinns. eines Planes zur Erstürmung der Polize'kaserne ein Hochverratsverfahren nn Gange fft. . Ferner fft die Aufhebung des 1. Mar als ge. setzlichen Feiertages beschlossen worden. Nnowlew ßber Richlands «vßm-olM. Moskau, 16. AprC. S>inowjew hat im Leningrober Sowjet eine große Rebe über die mtcvnationail» Situation gehalten. Er erlklärte, daß der Verband der SowfetrepM-ikem jetzt die beßarabische Frage nicht mit Waffengewalt lösen werbe. Die Verhandlung-en mit England werben nach Sinowjews Meinung nur dann einen Erfolg halben, wenn sie für beide Parteien gleich vorteilhaft sein werben. Von einer Rückzahlung der Schulden könne keine Rebe sein, doch könne man Wer die gegenseitigen Anfprüche und Kredite verhandeln, wobei die neu übernommenen Verpflichtungen der Sowjetregierung gegenüber der englischen Bourgeoisie loyal würden erfüllt werben. Die Londoner Konferenz. London, 16. April. (Tol.-Komp.) Die englisch-russische Konferenz hat gestern nachmittags eine Vollsitzung abgelhalten. Nachdem gewisse Einzelheiten über die Verhandlungsweffe geregelt waren, ist die Konferenz in die Beraürng >der Vorkriegsverträge eiugetveten. Eine Kommission ist mit der Ausarbeitung eines Berichtes beauftragt worden. London, 16. April. Die Sitzung der englisch-russischen Konferenz hat die Prüfung der zwffchen Großbritannien und dem ftüheren ruffffchen Reiche abgeschlosienen Verträge einem Unterausschuß überwiesen. Di: Forderungen der russischen Delegierten betragen 8904 Millionen Pfund, wahrend sie in Genua bei der damaligen phantastischen Zusammenstellung nur 1221 Millionen Pfund betragen haben. Die 3904 Millionen Pfund setzen sich aus vier Gruppen zusammen, aber der Führer der englischen Delegation hat bereits erklärt, daß die Schulden der Russen weit hoher sind, wenn man die aus dem Verrate der Russen für die Alliierten enfftandenen Schäden in Rechnung stellt, als Rußland einen Separatfrieden schloß und die Alliierten im Stiche ließ. Nicht 8, nicht 14, sondern billige Tage bet „gdeslstrumpk /. Tra.ttnerh.of Nr. 2 44 Arbeiterregierungen in Australien. London, 16. April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Nach einer Meldung aus Adalaide ist infolge deS S i e g e s der Arbeiterpartei in Südaustralien eine Arbeiterregierung gebildet worden, deren Präsident G u n n fft. Auch die Regierung von Westaustralien hat demissioniert und wird wahrscheinlich durch eine A rbeiterregierung ersetzt werden. Polen und der Mnderheitrschuh. Keine Kündigung des Minderheitstraktats. Warschau, 15. April. (I. T. A.) In der letzten ' Sitzung des Attßenausschusse's beantwortete Außenminffter Zamoy skvi die in der früheren Sitzung' vorgebrachten (Von uns bereits gemeldeten. Die Red.) Ausführungen des : Deputierten Reich über den Minderiheitsschutz dahin,; daß die Erörterung über die Notwendigkeit, den Mindercheitstraktat zu kündigen, die Privatmeinung gewisser iPolitiker sei; die Regierung selbst denke nicht ^daran, den Traktat zu kündigen. ‘ Auch in der Außen-kommiffion des Senats wurde die; Frage des Minderheitstraktats erörtert. Der jüdische Senator Dr. Ringel berührte die Aeußerung des Senats- Vorsitzenden Trompezyuski in der.„Gazeta Warszawska" \ und wies bereu Haltlosigkeit vom juridischen und staats- ■ politischen Standpunkt nach. Vorsitzender T r o m pczhnski erwiderte, sein Gespräch mit dem Redakteur der ' „Gazeta Warfzawfka" sei keine st a a t s p o l i t i s ch e Handlung gewesen, sondern der Ausdruck der Unzufriedenheit, die in Polen in bezug auf die Einmischung de's Völkerbundes in die -innerpolnischen Angelegenheiten herrsche. Polen reduziert seine Beamlensrhast. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 16. April. In der heutigen Sitzung deS Minffterrates wurde als Hauptgegenstand die Beratung über den Plan der Reduktion der Staatsbeamtenschaft beschlossen. Diese Angelegenheit wurde schon deswegen auf die heutige Tagesordnung gebracht, da am 1. Mai neue Reduktionen vorgenommen werden dürften, die im Sparsamkeitsplan der Regierung liegen. Nach dem Projekte wird die Reduktion auf die persönliche Qualffikation der Beamten, auf Hre dienstlichen Leistungen, auf die Zahl der Dienstjahre unh. ähnliche Umstände, aufge'baut sein. 17. AM 1884 _Nr. IM Ungarns Sanierung. RakovSzky und Nadasfy verschwinden. — Uebereinkommer zwischen Bechlen und den Sozialdemokraten. (Eigendienst der ,Mener Morgenzsitung".) Budapest, 16. April. Während, die Nationalverfamrw lung die RekonftruktionSvorlagen vechandelt, sind hinter den Kulissen wichttge Entscheidungen getroffen worden. Sie stehen mit den vertraulichen Besprechungen im Zusammenhang, die die Regierung in den letzten Tagen mit einzelnen Oppositionsparteien . gepflogen hat, und stellen quasi den Preis dar, den die Regiemng für die rechtzeitige Verabschiedung der Rekonstruktionsvorlagen, wenn das auch regierungsseitig in Abrede gestellt wird, zahlt. Die wichtigste Entscheidung war die, daß Mnffter des Innern RakovSzky aus seinem Amte scheidet. Gleichzeitig scheidet auch Laudespolizeihauptmann N a d o s s y von seinem Amt. Die beiden galten als der Hemmschuh einer demokratischen und fteiheitlichen Entwicklung in Ungarn. Im übrigen scheinen die Vereinbarungen zwischen der Regierung und der fozialdemokratffchen Partei nicht nur aktuelle politische Fragen zu umfasien. In der heutigen Abvndsitzung der Nationalversammlung hat der sehr gut informierte Abgeordnete Berky verraten, als er auf einen Vorwurf von Gömbös, die Regierung habe mit den Sozialdemokraten einen Pakt geschloffen, diesem zurief: ,M fft nichts weiter geschehen, als daß Revolution und Gegenrevolution liquidiert . werden." Das bedeutet außer der A u slossung des Jnternierungs lagerS und Einstellung der politischen Verfolgungen, die Heimkehr der Emigranten und die Einstellung des Hochverratsprozesse' gegen Kawlyi. _ Die Ausweisungspraxi« Bethlenr. Budapest, 16. April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".). Die berüchtigte Gcheimverordnung Nr. 20.000 geht wieder mn. Dieser Gcheimerlaß forderte bekanntlich die untergeordneten Behörden des Ministers des Innern auf, gegen die in Ungarn lebenden ftentdstaatlichen Bürger, in erster Linie jedoch gegen d!i e I u d e n, wenn Nur irgendwie angängig, mit dev Arrsweffung und Mschiebung dorzugehm. In dm letztm Tagen fft abermals die Weisung an die Exekutivibchörden ergangen, in welcher diesen der Erlaß Nr. 20.000 in Erinnerung gebracht wird. So hat dmn wieder eine Aera der rückst chtslofeisten» und gransamstm AnsweiisungspraDis bagonnvn. Ein ganz besonders kvaffer Fall ist die Ausweisung des Werkführers einer Möbelfabrik, Mexander Fische r, der in der Slowakei geboren wurde und seit 31 Jahren in Budapest als WerMhrer einer großen Fabrik tätig ist. Als sein Rekurs an den Mwffter des Jnmvn albgew>iesen wuvde, wendete sich Fischer an den ffchecho-sidwakischm Gesandten in Budapest. Der GefaMe, empört Mer das Gehörte, erklärte, die Sache des Fischer zu seiner eigenen zu machen und alles ausßnvietm, damit dev Answeifnugsbeschluß rückgängig gema>cht werde.. Inzwischen hat die Gesandtschaft bereits eine Art Retorsion in Kraft treten lassen, indem sie den Organen der ungarischen Ministerien und Behörden die bisher gewährt-e BevorAugu>ng behufs rascherer Erlangung eines Paßvisums entzog. Keine gwangssonntagsruhe in Manen. Kovmo, 14. April. (I. T. A.) Die Mftimmung im litauischen Sejm über das Gesetzprojekt betreffend die ZwangSsonntagsvuhe hat eine Ueberrafchnng gebracht. Mit Hilfe der linken Parteien und der christlichen Arbeiter wurde dann das Gesetz, abgelehnt. Demnach bleibt es bei der bisherigen Ordnung, daß in ganz Litauen am Sonntag die Geschäfte nur bis ein Uhr mittags ge schlossen bleiben müssen. , __ Irr Wische Festzug in Fernsalem verboten. Jerusalem, 12. April. (I. T. A.) Die palästinensische Negierung hat soeben eine Verfügung erlassen, laut welcher der aus Anlaß der Indischen Fest- und Sporiwoche in Jerusalem geplant gewesene jüdische Straßenumzug verboten -wird. Der Schaden der Karwkner ßrvlofionskataftrovhe Prag, 16. April. Wie die Berg- und Hütten-A.-G. nüt- . teilt, lassen sich die bei der Katastrophe aus dem Gabriela- Schacht in Karwin obertags entstandenen Schäden mt-r ganz annähernd abschützen. Me Aufstellung eines neuer: FörderturmeS wird mit einem Aiufwande von - einer Million Kronen verbunden sein. Die Wiedevgntmachullg der übrigen obertags verursachten Schäden wird ungefähr eine Million Kronen erfordern.-Die Schäden im Schacht lassen sich heute noch nicht abschätzen, doch dürften sie 10 Millio'nen Kronen nicht übersteigen. Man rechnet damit, nach ungefähr drei Monaten-die Arbeit im Westfelde wieder aufnehmen zu können. Der Schacht dürfte dann 60 bis 70 Prozent seiner Leistungsfähigkeit erreichen._ Drahtlose Welttelevhonle. Paris, 14. April. „Petit Parisien" meldet aus Washington, daß der Vizepräsident der Westiughouse Couipany, D a w i s, glaube, den Schlüssel zur drahtlosen Weltielephonte gefunden zu haben. Es sei die Errichtung von Relaisstationen an verschiedenen Punkten der Erdkugel beabsichligt, um drahtlose Nachrichten mit kurzer Wellenlänge zu verbreiten. Das bereits zwffchen der amerikanffchen Sondeftation in Pittsburg und den' Empfcrugsftationen in Gvoßbritarmien uni» . Frankreich angewendete System soll 'erweitert werden —...U

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