Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1858 (17.4.1924)
- Date
- 1924-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ElnzBlnnrnmer K1200 Wien: Zum Abholen ln der Expedition, IUTaWrtr.l-S, oder in einer VerschleissteH« (Trafik) monatl. K 35.000 Strassenverkauf in, Wien diireh die Kolporteure der Firma Goldschmied^ I.Bm* Wollzeile li. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 85.000 Ts ch e c h o-S 1 owa k e i: Mon. K18. Jugoslawien: Mon.Dinar60. Polen: Mon. 3l/t Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Polen:poln.Hk.350.dOQ Italien: Monatl. 12 Lire, R u ma n! en Mon. 130 Lei, B ü I ga r! e ri Mon. 80 Lewa, S c H w ei z und das übrige Ausländ monatlich. Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, TL.Tab'orstrassel—:3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ih 6 Uhr ahds;19-483.25-282 IX. Uni versltätsstr. 6—8 (Druckerei Stelnmann) gM- N*«hi»hlunj;«B "W> b«i Proiierhöhungen vorbebaiteo Oesterreichisches Postspar» kassen-Konto Nr. 150.698 Ar. 1858 Wien. LonnerMz.17. April 1824 6. Fahrgang , Tv./V^V . . . . - ‘k m-1- ■ ■ ........... gegen AnbernfMg einer Kongresses der Liberalen m Festsetzung der weiteren Poliük. (Gigerckienfi der „Mener MorgenMÄg".) London, 16. April. Die liberale Partei hielt Zostern eine Sitzung ab zwecks KlläMng des BeHUtnisses zur Regierung M a c D o u a T ds.LloydGeor g « ev- Uärte unter allgemeiner Zustimmung, daß diie Iliberale Partei und ihre Führer von der AvbeliitevpaÄtei mit Verachtung behand-cllt werden. TS finden augenblicklich keine Beratungen zwischen Liberalen und Arbeiterpartei statt. Die Lage sei augeiMcklich unerträglich.und es müsse eine Vollkonferenz der Liberalen eMiberusen werden zwecks Besprechung ihres weiteren Verhaltens zur Regierung. Auch wenn die Konservativen Mac Donald stützen würden, sei diese Konferenz notw-endiig. Die Liberalen wollen die Regierung nicht stürzen, müssen aber ihre Stellungnahme klären. Äsquith evklarte sich mit Wer Resoliution einher st a n d e n. Die. Schwierigkeiten seien außerordentlich. Asquith sagte, daß in der seinerzeit gegebenen Situation die Liberalen nichts anderes tun konnten, als die Arlbeiterregierung ins Amt zu setzep. . SchlieWch wurde beschslösien, ,.^daß 'die M^pchneten' während der - Osterferien ' Ihre WechlAre-iise zju ' besuchen hätten, um die Stimmung' der' BetzöVevung zu erforschen. Ein großer Parteikongreß soll hierauf die weitere Haltung der Liberalen feiststellen. Mar Loaald über dir innere und Süßere Litze. Die Antwort au Lloyd George. London, 16. April. In Form eines Interviews im Wochenorgan -der Arbeiterpartei ew Leader" gibt heute Premterminister Mac Donald seine .Ansichten über die innere und äußere englische Politik wieder. Er bezeichnet die Außenpolitik als weiterhin hoffnung'sboII, aber nicht als überoptimistisch,. wie es manchmal geschildert werde. Pogrome in der Ukraine. Flucht der jüdischen Bevölkerung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 16. April. (Radio.) DaS „Journal" meldet, äus Charkow, daß in der ganzen Ilkraine Judenpogrome stattfinden, speziell in den Dörfern und Städten, die von den großen Zentren entfernt liegen. Die jüdische B evölkerunz beginnt, über die Grenzen nach Rumänien und Polen zu strömen. Es ist bemerkenswert, daß die rote Zensur nicht wie in früheren Fällen die Nachrichten über diese Pogrome unterdrückt, so daß sie in der ganzen ukrainischen Presse zum Abdruck kommen. Deutschlands Antwort. Zur Mitarbeit bereit. (Eigeudicnst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 15. 2lpril. Die deutsche Antwort an die Reparationskommission wurde iheute abends um 6 Uhr vom Oberregieruugsrat Mayer der Reparationskommission überreicht. Sie hat folgenden Wortlaut: „Die deutsche Regierung beehrt sich, den Empfang der Rote .der Reparationskommissio-n vom 11. d. über das von den Sachverständigen' erstattete Gutachten zu bestätigen. Auch die deutsche Regierung sicht in diesem Gutachten eme Praktische Grundlage für 1 die schnelle Lösung ,^Jch bann nacht", sagt Mae Donald *ltöe sofortige vollständige Regelung aller europäischen Streitfragen versprechen und kann lediglich versichern, daß die Bedingungen für eine derartige Regelung-besser sind, als sie es vorher waren. Der Aufstieg der Avbeiterregierung hat einen enorm guten Einfluß, andererseits aber bleibt der Einfluß der Friedensstörer bedauerlich groß. Die jüngste Rede Lloyd Georges im Unterhaus? könnte sehr leicht die Beziehungen Englands zu Frankreich trüben. Glücklicherweise begreift aber Frankreich, daß es sich lediglich um einen Par-teiangri ff auf die Regierung handelt. Wer Angriff kann aber unsere Politik nicht beeinflussen." Ueber die Rüstungen sagte Mac Donald folgendes: ,M Ware zwecklos, die Augen zu verschl-ießön, daß, wenn die Außenpolitik versagt, die Rüstungen wisdevkommen würden. Neue Gruppierungen der Mächte würden entstehen, wobei Deutschland und Rußland in diesen Gmppierungen eine wichtige Rolle fpielan Erden. Schließlich würde ein neuer Weltkrieg entstehen-." lieber die innere Lage. . , erklärte Mac Donald, die Streiks feien unvermeidlich geweiseu, nach der grausamen' EntwiWunig der Lage, die zu Lohnherabsetzungen führte.. ,§Ich war," sagt Mae Donald, ,Mein ganzes Leben lang gegen den Sympathie streik. Die jüngsten Evmgnisse halben die Arbeiterpartei geschädigt, und die Gesetze, die die AMiterorganlsatlonen schütztM, gefährdet. Die Freiheit kann leichter mißbraucht und durch.Mißbrauch verloren werden als durch die Bekämpfung ihrer Grundsätze." Mae Donald für eine WettabrÄstungskonferenz. London, 16. April. Im Unterhaufe erklärte Mae Donald, daß er durchaus bereit wäre, die Initiative zu einer Weltabrüstungskonferenz zu ergreifen, wenn er gewiß wäre, daß dies allgemein w illkommen sei. des Reparationsproblem's. Sie ist deshalb bereit, ihre M i t arbeit bei den Plänen der Sachverständigen zuzusichern." _‘T Muß Frankreich dar Ruhrgebiet räumen? Eine Anfrage an Mae Donald. London, 16. April. Im Untevhause wurde an die Regierung die Anfrage gerichtet, ob sie bezüglich der äußeren Anleihe Deuts chlands im Betrage von 40 Millionen Pfund Sterling, die von den Sachverständigen empfohlen wurde, die Versicherung geben werde, daß die britische Unterstützung einzig und allein unter der Bedingung werde gewährt werden, daß das Ruhrgebiet sowohl militärisch als'wirtschaftlich durch; die Franzose n geräumt wird. Premierminister Mac Donald erwiderte, die Empfehlungen der Sachverständigen beruhen aus der Annahme, daß die fiskalische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands wiederhergestellt und dessen wirtschaftliche Tätigkeit durch kein anderes fremdes Organ als die von den Sachverständigen in Aussicht genommene Kontrolle behindert oder beeinträchtigt würde. Die britische Regierung habe bereits erMrt, daß sie bereit sei, den Plan in seiner Gesamtheit anzunehmen, vorausgesetzt, daß alle übrigen -interessierten Teile bereit; sind, den Plan in -seiner Gesamtheit anzunehmen, vorausgesetzt, daß alle übrigen interessierten Teile bereit sind, dieselbe Richtlinie zu verfolgen Das ParlameM der Front. -y. Wien, 17. April. Montag um Mitternacht hat die französische Kammer den letzten Rest der ihr zugewiesenen Aufgaben erledigt urw sich dann aufgelöst. Sie verschwindet und mit ihr ein nicht sonderlich rühmliches 'Kapitel des französischen Parlamentarismus, in dessen Geschichte diese Kammer ein Etnzeldasein führt, ohne Anschluß an die Vergangenheit, hoffentlich auch ohne Fortsetzung in die Zukunft. Biele Bedingungen, die im Iähxe1920 für die Wühlen maßgebend waren, bestehen nicht mehr öder haben ein anderes Gesicht angenommen, urchxso'känN man annehmen, daß die Fehler, die vor vier-'Jahren und vier Monaten begangen wurden, diesmal unterbleiben werden. Es war ein Parlament der "Frontkämpfer. Nicht weniger als 300 Abgeordnete.waren Nur deshalb gewählt worden, weil sie den Krieg entweder an der Front oder — und das war wahrscheinlich die Mehrheit — in dem gesicherten, aber den (gleichen politischen Stimmungen unterworfenen Etäppenraum mitgema-cht hatten. In einzelnen Departements wären sogar ganze Liften der FronW-mpferverbändc mit Hurrah gewählt worden, und wenn man das politische Niveau solcher Bierbank-Staatsretter, ihre staatsbürgerlichen Kenntnisse und ihre allgemeine Einstellung zu den Weltproblemen in den KÄegsstaaten bedenkt, so versteht man es, weshalb die fraiHostsche Presse ifast ausnahmslos dieser Kammer kein gutes Mgäst-gszengnis ausstellt. FreMch gilt. dieses Urteil P ''erster Linie für . die Wählerschaft. Die, Deputierten waren 'Kriegsteilnehmer' und als striche gewählt.- Sse wären fünf Jahre lang in der 'Hölle7de8 lWides'. " -wesen, hatten den Feind vor sich und den Patriotismus hinter sich. Sie hatten fünf Jahre lang zü hören, daß der öeutsche Soldat, der genau so wie sie -ein Opfer der nationalistischen 'Bestialität war, ihr Feind,' der Feind sei, und daß das deutsche Volk für -alles Hräuen dieses Krieges die Verantwortung trage. Als nun diese dreihundert Frontkämpfer Mandat und.Redefreiheit erhielten, was war natürlicher, als daß sie in dem Sinne der ihnen durch fünf Jahre eingeimpften Lehren' zu wirken trachteten? Ihr Programm war dör 'Haß, die Elemenceausche Formel, „die Deutschen lverdeg. alles zahlen". Und da diese Formel Frankreich nur Ruhm, aber kein Geld brachte, da auch die französische^ Wirtschaft auf die absteigende Kurve geriet, verbiß sich die nationalistische Mchrheit immer stärker in ihr Programm, wobei ihr die deutschen FronMmPfer täglich und stündlich das ideologische Material lieferten. Es ist-nicht unwichtig, die Tätigkeit dieser Kammer von diesem Gesichtspunkt auS zu betrachten. Man gelangt zu einer aufschlußreichen Kenntnis der geistigen Verwüstung und politischen Verlotterung, die man vor zehn Jahren als den Beginn einer seelischen Erneuerung Europas gefeiert hat. Auch in Frankreich fang' man die Weise von dem Gtahlbad, von dem SMnauffchwung, von der sittlichen Läuterung durch den Krieg. Diese Kammer der Krieger ist in dem Rahmen geblieben, den ihr daS Hinterland gegeben hatte, Qcs? ist charakteristisch, daß nicht ein einziger aus dieser stets regierungsfrommen Mehrheit Mitglied eines der vielen Kabinette wurde, die in dieser Legislaturperiode konsumiert worden waren. Es waren immer Politiker asts der Vorkriegszeit, stets die alter: wohlbekannten Nanien,die. man in den Ministerlisten las. Mit der einzigen Ausnahlire des Ingenieurs le' Trocquer -stellten die Kriegsteilnehmer kein einziges Talent, das irgerOwie i>m Sinne politischer Produktivität hervorgetreten wäre. In dieser kompakten Majorität verschwand die Opposition ohne Wirkung, ohne Tat und ohne MögliclMit, dem entfesselten Chauvinismus der Revanche und der Angst vor der Revanche Einhält tun zu können. Die lähmende Brutalität des Frontkämpfertums ist eberrWcht an das Territorium gebunden. Sie ist eine der Seuchen des Krieges, ein Ergebnis der Lehre von der-lösenden Kraft der Gewalt. Sie äußert sich überall mHv gleichen Art,, und die H'orthy, Ludendorff und Foch' sind alle" Holz von: gleichen Stamm. Daß sich dieses Uebel jn, Frankkterren- und Osmen w ä s c h e, Regenmänte!> engl. Wollstoffe, ferner Bettzeug u. Webwaren, alles erstklassig und billigst im Warenhaus [Schiff mann II. Taborstraße .48 Telephon 4M-76 En grds En dntall