Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1856 (15.4.1924)
- Date
- 1924-04-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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getfe 6 „r , , , Men, Dienstag Grundlagen M neues Bauen. Ein Bortrag Walter Gropius'. Der Architekt Walter Gro p i u s ist der Gründer und Direktor des Staatlichen Bauhcmses in Weimar. Dieses Institut propagiert die Idee, daß Werklehre und Formlehre ein einheitliches Ganzes Mlbctt, in der Künstler und Handwerker, Entwerfer und Ansführer in einer Person vereinigt, sind, so daß der Gegensatz Zwischen dem Entwurf nnd der ansführenden Arbeit aufgehoben erscheint. Gropins führte ans, daß in den Müteepochen der Baukunst das Bauwerk die gemeinsame Arbeit einer Vielheit von Schaffenden darstellte, deren jeder einzelne sich der gleichen Idee bewußt war. Die Kunst und das Handwerk wurden vom Geist der Gesamtheit geleitet, beide waren eins. Die sozialen Äröimnngen unserer Zeit machen sich auch in der Architektur geltend, ein einheitlicher Geist schließt die Zusammenarbeit vieler zu einem gemeinsamen Zweck zusammen. Wenn auch die - handwerkliche Arbeit einem praktischen. Zweck dient und ein Zweckmäßiges Werk nicht gleichbedente>n!d ist mit einem künstlerischen, so kann sich dieses doch ans der Praktischen Funktion heraus entwickeln. Maschinen ebenso wie Bauwerke müssen vor allem ihren Zweck erfüllen, aber sie können künstlerisch gemacht werden durch die Verteilung der Flächen und Massen. Ein künstlerisches Bauwerk muß aus den verschiedenartigsten Kombinationen der gleichen Grundformen (einfache Grundform — Würfel) entstehen. Hierdurch wird eine Einheit verbürgt, die die Grundlage des künstlerischen 'Seins bildet. Ans diesem primären Prinzip, welches das Prinzip des künstlerischen BaMv-erkes ist, muß das Ornament vevdammt werden, da es. die Einheitlichkeit des Ganzen stört. Dieser neue Baugedanke allein kann zu einem neuen Baustil führen. Die Schmuckfarmen waren ursprünglich funktionelle' Wertformen; da diese Funktion heute nicht mehr besteht, mußte durch sie der Organismus der neuen Bauwerke leiden. Gropins beleuchtete seine Ideen durch eine Reihe vortrefflicher Lichtbilder, die ebenso wie sein Vertrag von der im Ingenieur- und Architektenvereinssaal versammelten Zuhörerschaft mit tiefem Interesse entgegengenommen wurden. o. r. Re Wihkraukheit. Die Witzelei ist immer in Wien zu Hause gewesen. Immer 'hat es Witze gegeben,; die in der ganzen Stadt, die Runde machten, die zum geflügelten Wort toittbett und vor venen man auch im ernsthaftesten Gespräch nie sicher war. Und immer waren es die Juden, welche die angeborene Spottsucht verleitete; die erste Stimme im Chor der Witzereißer zu übernehmen nnd des Guten oft genug zu viel zu tum. Aber wenn auch bei uns allezeit dem Gespräch die Würze des Witzes allzu reichlich beigemengt war, so überladen mit Pfeffer — oft genug recht starker Pfeffer — und Paprika wie jetzt, ist unsere Alltagskost früher doch nicht gewesen. Es wird nachgerade unmöglich, ein ruhiges Gespräch über ernste Dinge zu führen. Immer zuckt ein Witz auf, fährt eine Anekdote in den ^Meinungsaustausch, poltert ein Kalauer in die Rede und Gegenrede hinein. Eingeleitet wird diese Einschiebung durch das seit Generationen geheiligte Uebergcmgswort: Das kommt mir so vor wie-. Es ist nicht immer einzuschen, warum es dem Erzählenden „so vorkommt wie". Die Zusammenhänge sind ja meistens lose genug. Aber der Griff, in den man „einhaken" kann, ist da und jetzt geht es los. Es rvgnbt Wortwitze, Anekdoten, Späße aus allen Jahrhunderten, Späße jeglicher Art. Alle Plagegeister der „jüdischen Kiste" find losgelassen. Einer schneidet dem anderen das Wort ab, man hat über den einen Witz noch nicht zu Ende gelacht, so folgt schon der nächste, die Anekdoten treten einander aus die Fersen. Eine Flut von Witz ergießt sich, die alle mitreißt. Niemand kann sich retten. Um nicht fortgeschwemmt zu werden, beginne man selbst auch, je nach Temperament und Gedächtnis, Witze zu reißen oder zn erzählen. Man lacht, malt tobt vor Lachen, und wenn man nach Hause geht,, hat man einen sonderbar schalen Geschmack im Munde, hat einen wüsten Kopf und schämt sich. Schämt sich, daß man mit Menschen mit Bildung, Geist und Gcschmack zusammen gewesen und nichts aus diesem Zusammensein mitbringt 'als ein Sammelsurium von Witzen, mit denen man nichts ansangen kann als — sie bei nächster Gelegenheit weiter erzählen. Denn die Witzkrankhcit hält ihre Opfer im Bann und niemand kann ihr entrinnen. Sic greift rascher um sich als die Cholera, sie schonet nicht Mann, noch Weib, noch Kind. Ja, auch die Kinder nicht. Kaum sind sie in die Geheimnisse des Lesens eingeweiht, trägt der zärtliche Vater Sorge, ihren Geist und ihr Gemüt durch Anschaffung eines Anekdotenschatzes zu bereichern. Was das fiir einen jüdischen Jungen — übrigens fangen die .Mädchen in letzter Zeit auch an — bedeutet, ist klar. Die nächste Folge ist, dast der Bub, wo immer er geht und steht, Witze erzählt. Er hört auf zu denken, hört auf zu fragen, hört uns zu beobachten. Sein geistiger Apparat ist vollauf davon in Anspruch genommen, ,Mtze" .zu behalten und bei passender oder nicht passender Gelegenheit anzubringen. Selbverständlich werden seine Kameraden angefteckt, und oft genug ist binnen kurzcm die ganze Gruppe verseucht. Das ist nicht die harmlose?inderfröhlichkeit, die an einem Scherz, an einer heiteren Be- .- 'benheit Wochen und Monate zehrt, das ist Massenkonsum und Vertrieb. Eine besonders angenehme Spielart ist der junge Sitzereißer mit dem Notizbuch. Da sein Gedächtnis -die Fülle vcs Gebotenen nicht Molut verläßlich behalten kann, vermerkt r jede Anekdote gewissenhaft in seinem Büchlein. Er jagt Pointen, wie seine Altersgenossen ehedem Schmettlerlinge jagten. Ein solches Notizbuch ist eine Sehenswürdigkeit und ein Dokument der Zeit, das nicht, unterschätzt werden sollte. Uebrigens sichren auch Frauen häufig -Auszeichnungen dialer Wiener Morgenzeilung. Art (besonders, weil ihn die Pointen so leicht entlaufen) und es ist ganz amüsant, stoischen den Vermcrkungen über Haushaltsbesorgvngeu, Bridgcpartie und Schneiderprobe zu finden: Haben können müssen schwimmen zu den Pfahlbauten die Hausierer? Oder: Rokokokokotte (stottern), oder: Die Brutalität meiner Hühner (Frau von Pollaik). Werden die Notizbüchlein gezückt, dann steht man einer Schar unüberwindlich geistreicher Gesellschafter gegenüber. . Man kommt nicht aus dern Lachen — und langweilt sich, in der Stille verzweifelt. .. Gegen die Wihkraukheit gibt es ein einziges Mittel: Klimawechsel. Nebersicdle nach Oberriedelshofkirchen nnd du kannst genesen. Wer im Weichbild der Stadt bleibt, ist rettungslos der Seuche verfallen. ' K. M. Der Konslilt in der Metakindustrie belgelegt. Nach langwierigen Verhandlungen, die sich durch Wochen fortschleppten, ist jetzt , der Konflikt in der Metallindustrie im wesentlichen als beigelegt zu betrachten. Die meisten Firmen, die mit den Vertretern der Arbeiter gesondert verhandelten, haben nun Zugeständnisse gemacht, die die Arbeiterschaft befriedigten uui> das Ende der wochenlangen' Teilstreiks und Aussperrungen herbeisührten. Fast durchgängig erhielt die Arbeiterschaft eine Lohnerhöhung im Ausmaße von durchschnittlich 6 bis 8 Prozent und auch die Akkordlohnverhältnisse wurden gebessert. Infolge dieses Ausgleiches wurde gestern früh'in fast allen Betrieben die Arbeit wieder ausgenommen. Nur in der Baubeschlagbranche wurde trotz fortgesetzter Verhandlungen noch immer keine Einigung erzielt, so daß hier der mm schon zwei Monate dauernde Streik weitergeht. Der tzisendahnverkehr zu Lsteru. Bei günstiger Witterung und entsprechender Ausflugsbeteiligung' werden au Sonn- und Feiertagen ans der Gürtellinie und oberen W i e n t allin i e der Stadtbahn sowie der Westbahnstrecke außer den fahrplanmäßigen Zügen vor- und nachmittags Erforderniszüge geführt. Unter anderem werden besonders hervorgehoben als Frühverbindung nach Rekawinkel, allfällig Neulengbach, die. von A l!s e r st r aß e um 6 U h r 2 5 Min. und 7 Uhr7 Min. abgchenden Erforderniszüge und der bereits eingelebte von Alierstraße um 7 Uhr 49 Min. nach Neulengbach abgohende Sonn- und Feiertagszug. Reu ist auch noch ein mit Abfahrt um 9 Uhr 20 Min. von Mserftvaße vorgesehener Ersorderniszng bis Rekawinkel. Für die Rückfahrt von der Nahverkehrsstrecke abends nach Wien wird gleichfalls durch Einlegung von Erfördermszügen vorgesorgt, so daß die Züge ab Neulengbach ungefähr e inst und i-g, ab Rekawinkel ungefähr halbstündig'und ab Purkersdorf in noch dichterer AMoilge Verkehren. An den beiden Ofterfei erlagen wird den AuNslüglern und Touristen in die Wachau und in den Strudengau ein beschleunigter.Tourvstenzug.von Wien-Franz Josefs- B ahnhos (Abfahrtszeit 6 Uhr 20 Mn.) nach Krems— Spitz—Grein zur Verfügung stehen: In'der Gegenrichtung verkehrt dieser Zug ab G re i n 17 Uhr 40 Mn., ab Spitz 19 Uhr 48 Min., ab Kre m s 20 Uhr 40 Mn., an Wien 82 Uhr 22 Min. Außer den im Fahrplan enthaltenen Zügen wird Samstag den 19.. d. ein b e s ch l e u n i g t e r To«t.istenzug von Wien-Westbahnihof a>b 15 Uhr in das Gesäuse mit durchlaufenden Wagen nach Schladming, Radstadt und ., Bischofshofen geführt'werden, dessen Ankunft in Schladming und Radstadt zwischen 22 Uhr und 23 Uhr erfolgt. Dieser Zug vermittelt in Waidhofen an der Mbs Anschluß nach den Stationen der Abbstalbahn bis Göstling, in Hieflau Anschluß nach Eisenerz, in Selztal günstige Anschlüsse nach Spital am Pyhrn und Windisch garsten, ferner an den Zug 813 nach Rottenmann, Trieben, Wald, Kallwäng nnd in Stein ach-Jrdning an den Zug 2337 nach Mitterndorf, Zauchen, Bad Aussee. Für die Rückbeförderung der Wintersportler und Touristen verkehrt Ostermontag den 21. d. ein besonderer Schnellzug von Bischofshofen über Schladming—Selztal—Admont und durch das Gesäuse nach Wien mit Anschlüsse in Steinach-Jrdning von Bad Aussee und in Selztal von W'mdisch-Garsten, der in Bischofshofen um 13 Uhr 40 Minuten und in Wien-Westbahnhof um 22 Uhr 30 Minuten gnkommen wird. Auf der Südbah u wird der Wintersportzug Wien- Mürzzuschlag (Wien-Südbahnhof ab 6 Uhr 10 Minuten) am Ostersonntag und der Zug 34 Mürzzuschlag—Wien (Mürzzuschlag ab 18 Uhr, Wien-Südbahnhof an 20 Uhr 57 Minuten) am Ostermontag verkehren. Der Zug 48 wird an beiden Feiertagen von Mürzzuschlag (ab 17 Uhr 24 Minuten) geführt werden. Die LebensmittelmSrkte. Wie gewöhnlich am Montag war auch gestern der Verkehr auf den Märkten schwach. In der Großmarkthalle waren insgesamt 32 Waggons mit verschiedenen Fleischgattungen angekommen, davon enthielten 8. Waggons ungefähr 44 Tonnen Nindfleisch. . Auf dem Rindermarkte in St. Marx belief sich der Auftrieb nach vormittägigen Schätzungen auf 2000 Stück Schlachtrinder. Die Fleischpreise blieben in der Großmarkthalle im Großhandel als auch im Tetailverkehr unverändert. Auch auf den Grünwarenmärkten sind mit Ausnahme von ungarischem Spinat, der sich etwas verteuert hat, keine Preisverändernngetl zu verzeichnen. Auch hier war der Bevlehr ziemlich flau. ...... Dar Wetter. Ain gestrigen'Tage.hat sich das Wetter günstiger eingestellt. Die Temperatur ist in Mittel- und Westeuropa allgemein gestiegen. Die Wetterlage spricht für Andauern des stark veränderlichen Wetters. Die Voraussage sagt unbeständiges, etwas wärmeres Wetter voraus. Schneefall und Kälte in Oberitalien. Mailand, 14. April. In ganz Oberitalien herrschen Sch nee fall und Regengüsse, mit. Hagelschauer und winterlicher Kälte. Im Ligurischen und Tyrrhenischen Meer wüten schwere Stürme. Eine Springflut richtete in Viareggio großen Schaden an. . 7 15. April 1924 . ' Nr. 188? Wien, 15. April. * 111 Paar Socken. Amerika ist doch noch immer das Rekovdland der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort sprießen dß großen Probleme so echt und unverfälscht aus dem Boden un' die Gerichtsverhandlungen sind das Spiegelbild der brennend 'ten Lebensfragen im Gegensätze zu uns. Hier hat sich di Justiz mit hochnotpeinlichen -Prozessen über die Berechtigung eines Optanten oder Staatsbürgers, der aber keine Heimat hat zur Führung seines Vornamens zu befassen, oder nach tief gründigen volksethy.mologischen Studien die fundamentale Er Kenntnis an den Tag zu bringen, daß „Schlieferl" so viel be. deutet wie „junger Apache". (Was fängt, nebenbei bemerkt das Gericht mit der Tatsache an, daß es auch alte Schlieferl' gibt?) Ganz zu schweigen davon, daß bei uns ein umfang reicher Zengenapparat aufgeboten wird, um zu eruieren, ok jemand mit dem Zitat des „Götz von Berlichmgen" beleidigen^ wirken wollte. Amerika hat dringendere Sachen zu tun. Dov hat sich ein Millionär 111 Paar Socken bestellt, blieb sie schul big und wollte nicht zahlen. 12 Dollar das Paar sind schließlich keine Bagatelle, außerdem behauptete der gute Mann, dil Socken seien nicht echffärbig gewesen. Natürlich wurde er zus Zahlung verurteilt. Steckt da nicht, frage ich, echte Volks poesie in dieser wahren Geschichte des Leidens, die nicht vor Mark Twain ist? Bei uns kommen solche Sachen nicht vor. Da' einer hundert und noch mehr Paar Socken schuldig bleibt, if natürlich hier an der Tagesordnung; daß sie nicht echtfärbi^ sind, ist seWvcrständlich. Aberbeweisen kann es einer nicht. ' weil er sie doch nicht alle anzieht! Glauben Sie vielleicht, daß so ein Großer bei uns Zeit dazu hat, „Zieht an. zieht aus" zr spielen? Und überhaupt kommt bei uns so etwas nicht vor- Gericht. Denn wenn einer schon so weit ist, daß er seine Garde, robe nicht bezahlt, daun hat er meistens Schuhe nnd Strumpf auch schon verloren und sich schon längst auf die Socken ge macht. Kommt schließlich so ein armer Teufel von Millionäi doch vor den Richter, dann möchte ihm der aus lauterem Mitleid seine eigenen Socken schenken. a. s. * Radio-Konzert der Sendestation „Radio-Hekaphon", in Hotel de France (Eingang Maria Theresienstraße 4). Mitt. woch den 16. d., nachmittags von halb 5 bis halb.6 Uhr. Programm: „Mondainer Tanznachinittag." 1. (One Stepp) Stolz j,Jm Monat Mai". 2. (Boston) Levy: „Naugchy Waltz" 3. (Shimmy) Engel-Berger: „Heut Hab' ich etwas vor" 4. (Tango) Bassi: „Mangia Papirusa". 5. (Blues) Lehar' „Pflücke'die Rose". 6. Gounod: Gesangswalzer aus der Oper „Romeo und Julia"; Gesang: Fräulein Grete Kovacs. 7. (One Stepp) R. Fall: „O, Katharina!!". 8. (Boston) Moret: „Mello Cello". 9. (Shimmw Menes: „Im blauen Rock". 10. (Java) Engel-Berger: „Wenn meine kleine Frau nicht so vergeßlich wäre". 11. (Boston) Heartfield: „Persian Moon" 12. (One Stepp) Leopold:: „Ja, so ein Rutscher". Karten in der Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung", 2. Bez., Täbov straße 1—3. * Betrügereien der Firma Mansfeld u. Co. Rechtsanwalt Dr. Preßburger hat gegen die Firma Otto Mansfeld u. Co., die einem seiner Klienten, einem Wiener Architekten 720 Millionen Kronen herausgelockt hat, die Strafanzeige erstattet. Auf Grund der polizeilichen Erhebungen wurden sechs Personen, darunter der Chef der Firma, Eduard Duisberg, verhaftet. * Amtsehrenbeleidigungsklage gegen einen Rechtsanwalt. Die Kremser Staatsanwaltschaft hat gegen den Rechtsanwalt 'Dr. Max Eitel borg eine Anklage wegen Amtsehrenbeleidigung wegen einer in der BeMfnngsschrift enthaltenen Bemerkung des dortigen Kreisgerichtes erhoben. Dr. Eitelberg hatte einen reichsdeutschen Architekten namens Ruß in einer Anklage wegen Urkundenfälschung vertreten. Dieser Ruß, der zn sechs Monaten Kerker verurteilt wurde, soll nach den Bcharlptungen seines Verteidigers unschuldig sein. Dr. Eitelberg hat nun unter mehreren anderen scharfen Ausdrücken das Wort „Iustizäbtreibung" gebraucht, weshalb die Anklage geger ihn erhoben wird. * Mißstände in der Siedlungsbeweguug. Gestern fand eine Versammlung der ausgetretenen, und ausgeschlossenen Siedler der Jnvalidensiedlung im Lainzer Tiergarten statt, die von der Si-edlungsleitung eine Entschädigung für die 2000 Arbeitsstunden verlangt, die sie geleistet haben, ohne daß der zugesicherte Bau der Häuser durchgeführt wurde. Als eine größere Zahl von Siedlern gegen die Mißstände in der Siedlung remonstrierte, wurden sie einfach ausgeschlossen. So sind von 1750 Mitgliedern jetzt 1600 teils freiwillig, teils unfreiwillig ausgeschieden, wobei die Einzahlrrngen nicht zurückgegeben wurden. Auch gegen den Vorstand der Siedlung wurden heftige Angriffe erhoben. In der Versammlung wurde ein Aktionskomitee gewählt, das sich zur Aufgabe macht, die Erfüllung der Forderungen der chemaligen Siedler durchzufetzen. * Von der Burgenlandgrenze. Alts Pinkafeld wird uns berichtet: Vor einigen Tagen hielt ein ungarischer Grenzsoldat des Grenzwachkommandos in Pinkafe-Mindszent auf österreichischem Gebiet, unweit der Ortschaft Moschendorf, drei ungarische Schmuggler an und wollte sie zurücktreibeu. Er wurde jedoch von den Schmugglern festgchalten, verprügelt und mehrfach verletzt, worauf sie sich nach Moschendorf begäben. Der Grenzsoldat folgte ihnen bis zur Ortschaft, wo sie ihm dann das Gewehr zurückgaben. Er entfernte sich daun gegen die Grenze zu. Noch ein zweiter Fall von Grenzverletzung wird uns berichtet: Der Besitzer Florian Stangl ans Moschendorf besah seinen in der Nähe der Grenze gelegenen Acker und wurde daben von einem ungarischen Grenzsoldaten zum Stehenbleiben und zur Ausweisleistung aufgefordert. Die Entfernung der Grenze betrug bis zum Standort, des Stangl auf österreichischem Gebiet 400 Schritte. * Ein Mord aus Aberglauben. Irr Bolsano bei S alerno ist eine- Kranke. dem- Aberglauben 'der -unwisserilden Bevölkerung znm Opfer - gefallen. Da man dem heiligen Antonius die Gabe zuschreibt, aus Beisessenen den Teufcl auszutre-ibeii, pflegt man dort Geisteskranke und Epileptiker an die Bildsäule des Heiligen zu binden und auszupeitschen. Jetzt, wurde' eine Epilept i'f eti n, warne ns Antonietta Negr o,-an das HerlügeiibM» gefesselt utld von der Menge, die dabei Psalmen fang, erwürgt. Die Polize' verhaftete die Mörder, unter denen die eigenen Eltern der Kranken sind. * Eine große Feuerkugel. In der Astronomischen Zentrale, Wien, 3. Bez., Salesianergasse 8, liefen Meldungen über eine prachtvolle Meteorerscheinung vom 6. d. abends, etwa halb 10.Uhr, ein. Es. wird jedermann, der Gelegenheit hatte, dieses Meteor ganz oder teilweise jit beobachten, ersucht, zwecks Bahnberechnung der Feuerkugel umgehend Bericht zu erstatten. * Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Die israelitische Kultusgemeinde teilt mit: Donnerstag den 17. d. um 8 Uhr abends findet eine öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes statt.: Tagesordnung: 1. Prüfung und Erledigung der Rechnungsabschlüsse über die' Einnahmen- und Ausgabe,: der Kultusge'meinde und sämtlicher in der Gemeindeverwaltung stehender Fonds uttib Anstalten. 2. Aenderungen des Tax- und Gebührentarifes. Jüdische Tischgesellschaft für den 1. Bezirk. Hcuic um halb 9 Uhr abends im -großen .Saale des C - >?'!'-.>c. Mezzanin, Bortrag des Herrn Dr. Egon Mich: ,; - Ievufalem über das neue Palästina.