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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-13 · Heft 1854 (13.4.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1854 (13.4.1924)
Date
1924-04-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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/WA Wen, Sormlag' . . .—»l» - r- Kn Selbstmordversuch des Posromhelden Rachno. St&i I. T. A. aus Warschau Lerichkt, hat der wegen semer Massenpogrome in der Ukraine berüchtigte WM» Ä! ach n der vor ermger Zeit. vor. einem Warschauer Kreisgericht freigefprochen und dann von den Gchördm in T,horn interniert worden war,.einen Selbst« ordversuch unternommen. Machne hat sich mit einem Messer den Hals zu durchschmiden versucht. Die herLeigeruftnen Aerzte verbanden den Schwerverletzten und veratüaßten seine Uebevfljhrung in das Ortskrankenhauß. Dre VMPlattsorm des jüdrsckeu Natioualrates für die ZdtltuSwohlen in Polen. Der jLdffchs Nationalrai für Polen hat auf Grund, eines Referates des Abgeordneten Grünvauim nach eingehender DiSkufstonsich für die bevorstehenden Kultuswahlen in Polen auf fönende Plattform geeinigt: Die jüdWe Gemeinde hat religiöse, kulturelle und sozialökonmnische Aufgaben zu erfüllen sowie an dem Aufbau von Palästina werktätig rnitMelsen. Die Wahlordnung für die Knltuswahlen muß auf völlig demokratische Grundlage gsstM werden, wobei den Frauen das aktive und passive Wahlrecht eingevamnt werden nruß. Der Natronalvat ist bereit, sich mit jeder Gruppe... die dieser Wahl- Plattform chre Zustimmung gibt, zu verständigen und ge-meinscpne Wahllssten auszustellen. Eine solche Verständigung mit Kußechälb des Nationallrates sichenden Gruppen bedarf der Zustmrmung aller vm Nationalrat vereinigten Parteien und Fvaktionen. — Betreffend die für Mitte Mai angesetzten Wahlen in die Lemberger jüdische Gemeinde echielt der I. T. A.- Vertreter , vomGÄuemdepräsidium die folgenden Informationen: Die Wahlen werden in Lemberg' wie in ganz Galizien «ach dem Muster dcr einstigen österreichischen Kehilla-Wahlordnung vorgenommen, d. h. nach dem Kurienshstem. In Lemberg werden in jeder der drei nach der Steuevleistung gesonderten Kursen te Repräsentanten gewählt. In Lemberg zählt man im ganzen 87S2 Wahlberechtigte. In.der ersten Kurte wählen 1515, in der zweiten 1072, in der dritten. 6132 Personen. Zwischen den 'bürgerlichen Parteien (Zionisten, Misrachi. Agudah. Folkisten, Assimilanten) werden VechaMüngen wegen Aufstellung einer gemein,annen Wahlliste geführt. In Krakau werden nach dein KnriensMm dyn. der 45-000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung bloß 3650 Personen das Wahlrecht in die jüdische Gemeinde ansüben Wnnen. vetstadermgen in der tschecho-slowakischen Divlomatte. " (ErgsMsnst der „Wiener Morgenzettung".) Prag,12. Aprrl. ,Jidove Noviny" zufolge wird der ischecho-ftowakrsche gesandte in Bern, Dr. F 'l -i e d e r, m allernächster Zeit zum Gesandten in Warschau, der Vorsüwd der Rechtsfe-ktion des AußenminiistermMs, Mnisterialvat Dr. W e l l n e r, zum Gesandten in Athen und der Vorstand, der zweiten AbteMurg dieser Sektion, Mim- . sierialrat Dr. Hala, zum Gesandten in Peking ernannt .werden- . . . /. . „ .......; ,. Ke Beuzivaffiire. ■" ' (Agttchrenst de« ,Mener Morgenzeirung") " Prcy, 12. April. Unter dem Verdachte der Toilnahnre tu den Unregelylühigkoiten 'bei den Benzinliefe-? u ng e« für' .die VMitärverwalttlug WU'Le der Kapitän Mt Antomobilabteilung. Josef Pokorn y, verhaftet, der ÄL Uebernahmsoygan in der Gveuzstatton fungierte. Wrenev Die iifterreMK-tschechlsche» Haudelsvertragg. verhMlmge». Vorgestern sind die tschechischen Unterhändler, die hier mit den österreichischen Fächkollegen die Vorbesprechungen. über den Handelsvertrag zu führen hätten, nach Prag ab ge re ist. Die Verhandlungen . werden Mitte Mai fortgesetzt werden. ' PersouenveNehr mit Rumänien. Am 8'. und 9. d. fand in der Generaldirektion der österreichischen Bundesbahnen eine Konferenz mit Vertretern der rumänischen, tfchech o-slolv akisch e n und ungarischen Eiftnbahnvertva'ltungen statt, bei der .die Wiedereinführung des direkten Personen- und Gepäcksverkehres zwischen O e st e r r e i ch und Rumänien beschlössen wurde. Hierdurch erscheint einem wiederholt geäußerten Wunsch des reisenden.Publikums, das bisher auf dir Umäbserti-- guug in einer ungarischen Binnen- oder Grenzstation angewiesen war, Rechnung getragen. Der neue Tarif, der entsprechend der internationalen Zugslage. vorläufig nur über Ungarn Geltung haben' und bis auf weiteres in den drei in Betracht.kommenden Landeswährungen erstellt sein wird, durste aller Voraussicht nach schon mit 15. Mai irr Wirksamkeit treten. ' Im Laufe der Verhandlungen wurde auch die Frage der Zoll- und Paßschwierigkeiten erörtert und empfohlen, bei den Regierungen auf die tunlichste Erleichterung in der Grenzbehandlung hinzuwirken. , Das Heimatsrecht der Mimten. Von den großdeutschen Abgeordneten wurde in der letzter: Sitzung des Nationalrates einen Gesetzesantrag betreffend die Bundesbürgerschast und Landesbürgerschaft eingebracht, welcher die Regelung des Heimatsrechtes der Optanten zum Gegenstände hat. Die hauptsächlichste Pe.stirnumng.des Gesetzes ist die, daß jeder, der durch Option die österreichische Staatsbürgerschaft erworben hat und jetzt heiriratslos i-st, dort sein Heimaisrecht erhält, wo er sich mindestens fünf Jahre dauernd freiwillig aufgehalten hat. Die einzelnen Bestimmungen des Antrages berücksichtigen hauptsächlich auch die Wünsche der Optanten aus den Sudetenländern. ' Die Verhandlungen mit Heu Stauten. Der 25er Ausschuß der Bundesangestellten hielt gestern nachmittags eine znMtündrge Beratrmg,. über die folgendes verlautbart wird-" Der Verhandlungsausschuß der Bundesangestellten hat im Hinblick auf die letzten Erklärungen des Bundeskanzlers Dr. Seipel und die Stellungnahme der politischen Parteien zu den Forderungen der Bundesangestellten beschlossen, an die Regierung mit dem Ersuchen . um s ofortige Aufnahme der Verhandlungen herairzutreten. Die Regierung hat diesem Wmrsche Rechnung getragen und die Berhandlrmgen werden Montag den. Mel und Kunst. Es gibt vielleicht kerne stärkere Bestätigung für die im Krwentum ruhenden Kräfte wenn es noch einer solchen bedürfte —als - die einzigartige Erscheinung eines säkularen Judenhasses, der als psychologisches Massenproblvnr wohl kein Gegenstück in der Menschheitsgeschichte findet. Es mag richtig sein,, daß der Antisemitismus rm Laufe der Zeiten wiederholt, mit seinen Methoden auch seinen Ehavatter geändert hat, daß zum Beispiel der Judenhaß des Mittelalters in starkem Maße aus den Quellen religiöser Bolksä-nschauung gespeist wird —, aber zu allen Zeiten ist das EnrpfirÄen von der Judm Andersartigkeit, dem sich die Vorstellung von deren Schwäche zugesellt, die tragende Koiyppnente jeglichen Judeichasses. Geschichtsphilosophisch gesehen ist der Antisemitismus nichts anderes als die mehr oder minder brutale Massenreaktion auf einen ms besonderer Veranlagung und Gersteshaltung quellenden überragenden Geisteseiufluß des Judentmns auf die Völker, der in schreiendem Gegensatz M dessen realer „Mach^ steht. Nicht unsere Schwachen, nicht die ererbten oder erworbenen Mängel unserer Stammeseigenart sind Gegenstand des Hasses, sondern unsere Vorzüge. Der Antisemitismus ist die sekulare Rache der Völler an jenen, die ihnen wesensfremde Jdeenkomplexe eingeimpft haben, von denen sie nicht loÄommen können, sie mögen rwch so heftig wider den Stachel lecken. . Es hieße Eülen nach Athen tragen, wollte man eine sachliche Darlegung versuchen, wodurch und in welchem Maße das Judentum die Kultur Europas beeinflußt hat. Jerusalem erweist sich wirksamer als Rom und Athen, weil deren Einslpß'viel mehr in der Form stecken hleiht, , während Jerusalem die seelischen. Gebiete von Moral und Religion ergreift. Dw Usurpierung der Bibel durch das EhristeuÄlm, wenngleich mehr versucht als gelungen, bebsutet den stärksten Geisteseinbruch einer frencken Macht in die euroMMi Welt.-Sie wiickt—trotz alles nie über- Joundenen Dualismus innechalb der christlichen Wirktich- L'eit, dieser fundamentalen Tragik Europas, von Heine als ewiger Widerstreit zwischen Hellenismus und Spiritualismus glänzend aufgezeigt — gestaltend auf Moral und religiöse Vorstellungswelt der Christenheit, sie formt Europas'Katechismus und wird sq zum geistigen Gängelband einer geschlossen Kulürr. Sie bildet die Anschauungen van Gut und Böse, von Himmel und' Hölle, sie liefert der religiösen Phantasie ihre Engels- und Tenfelssiguren- und daneben eure Galerie gottnaher Gestalten, Bilder und Legender: von unerschöpflichem Reichtmn, welche geistiger Gesamtbesitz der Völler werden und, rneist in frischer Jugend empfangerr, deren Phantast^ auf die nachhaltigste Weise befruchten. Die Bibel war durch Jahrhunderte der harrptsächliche Nährboden der Dichturrg, zeitweilig ihre fast eirrzige Stosfquelle, und noch rrachhaltiger wirkt ihr Eirrfluß durch die bildende Kunst aller Zeiten. Diese stizzerchasten Feststellungen mögen alles andere als origirrell sein; aber sie sind wieder einmal uotlvendig geworden, wenn nmn der: geistigen Zustand weiter jüdischer Kreise erhellen will, die ahnungslos der Da^ache gegenüberstehen, in wie hohen: Grade die Welt dem Judentum verschuldet ist. Die Bibel ist dem aufgellärten, völlig an Europa verlorenen Durchschnittsjuden längst fremd geworden und Höchsterls auf dem tragischen Ilmweg über nichtjüdische literarische Anregungen, welche in ihn: das Vorurteil von der „veralteten" Bibel. zu erschüttern vermögen, findet er ein verspätetes rein literarisches Interesse für sie. Will man diese weitverbreitete Judenart als Thpus nehmen, so iniißte man sagen, Äe Bibel ist 'dem Nichtjuden, namentlich dem Anglikaner mtb Protestanten, viel vertrauter und näher als diesem Typus. Die vovsteheuden Betrachtmrgen hat ein Werk angeregt, welches es unternimmt, die Behandlung biblischer Stoffe durch die bildende Kunst aller abendländischen Epochen zu verfolgen. (Theodor Ehren stein, Das Alte Testament rm Bilde, ein Jllustrationswerk mit 1850 Abbildungen, Wien, 1923, in 12 Lieferungen ltub acht Bänden, Kmrstverlag Wert Kende, im Buchhandel durch Hakn u. Goldmann, Wien). Ehrenstein, der jahrelange Mühe und Studien an dieses Werk gewendet 'hat, will der Kunstgeschichte und deren Popularisierung dienen, aber es ist sein gleichzeitiges Verdienst, ein Werk geschaffen zu haben, das die zweitausendjahrigen Einflüsse der Bibel ans die Völler aufs sinnvollste beglaubigt. Mit, seltenem Fleiße hat der Herausgeber dieses Standardwerkes, das einen Ehrentitel heimischer Verlegertätigkeit bildet, wenig bekannte und Wver zugängliche Kunstwerke seiner Samm-' 18. April 1921 Seite & durch sein Renommee, seine riesige Wirkung, der echte DIANA Franzbranntwein mit MENTHOL sämtliche ausländischen Erzeugnisse und Hausmittel An Nervosität und Kopfschmerzen Leidende wenden nur eine Massage an, um sich zu erfrischer und ihre ermüdende Tagesarbeit fortsetzen zu können Ueberall erhältlich! Diana-Franzliranntwem-Proflnktioii-Bes, WIEN, II. PRAG, VIII. EngerthslraBo 169 Lieben, Drahobeljova 1073 14. d. ausgenommen. Sie haben die rascheste Erledigung der Revision der Reihung und im unmittelbaren Anschlüsse daran, die definitive Besoldungsordnung zum Gegenstände und sollen unter allen Umstanden im Mai zum Abschluß gebracht werden. Dabei muffen auch die materiellen Fragen in einer den Wünschen der Bundesangestellten befriedigenden Weise bereinigt werden. Der 25er Ausschuß wird alles daran setzen, dieses Ziel mit möglichster Beschleunigung zu erreichen. Er erwartet, daß auch die Regierungsvertreter entsprechend den wiedechälten Zusicherungen des Bundeskanzlers die Verhandlungen in gleicher Art führen werden. -»» kvldezzblatt der Hakenkrertzler. Einschreiten der Unterrichtsbehördc. Das Unterrichtsministerium hat gestern vom Rektorat der Wiener Hochschule für Bodenkultur einen Bericht wegen des von der deutschen Hochschükkammer aufgelegten Evrdenzblatt abverlangt. Die Aeußerung des Rektorats an das Unterrichtsministerium ist noch gestern abgegangen. Inzwischen ist vom Rektor die zwangsweise Ausfüllung dieses ungesetzlichen Evidenzblattes, die angeblich durch mißverständliche Auffassung eines untergeordneten Beamten der Rektoratskauzlei veäangt worden fein soll, inhibiert worden. lung eingefügt, alle Epochen und Stilarten sind berücksichtigt und auch Gegenwart und Moderne fehlen mcht ganz. Ehrenstem läßt seine überreiche Galerie für sich selbst sprechen, der.Erklärer tritt , zurück und begnügt sich mit einem kurzen, allgemein gehaltenen Nachivort, eine Selbstbeschvänkung, mit der man sich nicht gerne einverstanden erklärt; denn obgleich die trefflich orientierte Zusammenstellung als Einführung in die Kunsffttle und ihre Entwicklung überaus instinktiv geraten ist, hätte manches erläuternde Wort des Hinweises gute Dierffte getan und die Erörterung verschiedener Probleme-— wie zum Beispiel der Entstehung der religiösen Kunst aus der heidnischen, deren erste Erscheinungen die einen in der altchristlicheu Katakombenmalevei sehen wollen, wahrend nach einer anderen Hypothese hier die alexandrmischen Juden als Bahnbrecher gelten sollen — ihr. dankbares Publikum gefunden. Ehrensteins Werk ist von der Absicht diktiert, die Einftihmng in die Kunstgeschichte auf einem neuen Wege zu versuchen: er will nicht mittäs des durch Illustrationen erläuterten Wortes, sondern durch die reiche Anschauung selbst wirken und wählt hierzu das ,^uch der Bücher",, indem er Kunsttverke der verschiederfften Epochen rmch einzelnen. Sto-Mapiteln gruppiert. So tvandeln au dem Auge des Beschauers sechzig Generationen bildender Kunst in chavaktervstischen Vertretern vorüber, soweit sie ihr Können biblischer Darstellmrg gowidntet haben. Mit dcr Weltschöpfung beginnend führt er von Adam und Eva. Kain und Mel über die prägnantesten biblischen Kapiic! bis zu Esther und Daniel, den Jüngliivgen im Feuerofen. Susanna, Judith mch Tobias. Der Grundgedanke ist eben so einfach wie einleuchtend: an der Haird des ehMürdigsten Werkes, das Gemeinbesitz europäischer Krrltur geworden ist, durch die. Gruppierung kürrstlerischer' Darstellung ein zelner ihrer Sujets in Einzelkapitel, einen' Querschnitt durch eine zweitansendjährige Entwicklung . der schönen Künste zu geben und auf solche Weise die..Kunstgeschichte auss schönste zu popularisieren. Fügt mar: rwch hinzu, daß die Ausführung der Reproduktionen aufs beste geraten ist, so ist das Nöttgste von einem Werke gesagt, das dom Kunstfreund, dem Kennner wie dem Laim.hochwillkommen sein wird nutz arrf jiidischer Seite besonderes Interesse Hervorrufen mich. A r i n r F r e n d.

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