Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1854 (13.4.1924)
- Date
- 1924-04-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2980937--18547-3005624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sekt« 8 Mett, SonnW Wiener MoroenHeliunft. 18. AM tm :mf. Optionsfrage gesehen, daß die Einblasereren des Äntiftmitenbundes oder einer VeutsHvölkifchen Geschäftsstelle W rasch iy geltendes Recht verwandeln und daß alle von dieser^ Sem kommenden Einflüsse schwerer wiegen als der Sinn des Friedensvertrages. Die abenteuerliche Auslegung des im Saint- Germainer Traktat gebrauchten Wortes Passe hat sehr viel Schaden angerichtet, der nicht allein die betroffenen jüdischen Bewerber zurücksetzte, sondern auch auf das Ansehen^ der Republik reflektierte. Es ist darpw.sehr notwendig, daß der - gesamten ODentlWeit Dlegenyeit gegeben wird, rechtzeitig zu erfahren, wie sich die Regierung die Lösung der Angelegenheit vorsMt. Cs wird insbesondere notwendig sein, den aus der Zeit der Leibeigenschaft stammenden.Begriff der Zuständigkeit zu beseitigen, der ein österreichisches Unikum - -ist, und keinen anderen'Zweck hat, als Ortsgemeinderäte und Amtsdiener mit der Herrlichkeit >ber Obrigkeit zu bekleiden. Die Zustät^rgkeit hatte einen Sittn in der Zeit der Grund- Herren, die eifersüchtig über die Zahl und Leistung ihrer Rckbotmenschen: wachten und tote Seesen sammelten. Die Monarchie, hielt aus militärrsch-orgamsatorifcheu Gründen daran ftst. Es gibt keine Grundherren und keine Monarchie mehr. Die Republik muß diesen Plunder der Bi^rnstanditgeitm den Kehricht der Zeit verbannen, die vergangen ist. Eine Rede Mae Donalds. Aus London wird uns geschrieben: Premierminister Raimsay Mac Donald hielt jüngst bei dem Banketteiner Gesellschaft in- Walles, die essich zur Ausgabe gestellt hat, die alten Waliser Sitten und Brauche lebendig zu erhalten, eine Ansprache Aber den Wert und die Bedeutung des Nationalisnms." Der Gedankengang dieser Rede zeugt von weitem weltpolitischem Horizont und von menschlichstem Ku'ltuvgefühl; wir wollen es daher nicht Unterlasten, diese Ausführungen in ihren t Grundzügen wiederzugeben: ,Menn Sie Staatssekretär des Auswärtigen: Amtes waren, welches Los mir für meine Sünden beschieden wurde, würden wir uns darüber einig sein, daß Mr jetzt in schweren Zeiten leben — Zeiten, in denen es zu viele Kampfe und Streitigkeiten übernichtige Dinge gM, Feindseligkeiten, die kleinlich, unbedeutend und unwürdig sind — und es tut mir leid, fostzustellen, daß eine der Ursachen,die zu dissem Zustand geführt'haben, das Wachstum besten ist, was wir Nationalismus «ettnen. Sre und ich, rneine^Fveunde, die an! Nationalismus glauben, selbst NationalHen sind und die. UsheMÜgnng haben, daß. ein Volk.ebenfo wie eine Pe>rfon eine I.ndiv,idualitat besitz t, Sir und ich, die dem ÄuÄruck Seele eines Vollles" einen bestimmten Sinn verleihen, Esten dazu sehen, daß Nationalität nicht Exklusivität bedeuten soll. Nationalität ist unfruchtbar *— ein krummes, verzerrtes Ding wenn Nationalität! nicht Kultur bedeutet. Nationalität ist ebenso trad ition ell w ie - schöpfe risch. Nationalität; enthält in sich das Beste des Konservatismus^ und-die höchste Weisheit, die in der Revolution vorhanden ist. Nationalität verlangt nicht nur Satatsmänner, sondern auch Poeten. Nationalität will, daß 'Männer und Frauen wicht nurdüs würdigen, was war, sondern auch volles Vertrauen haben in das-, was fehr wird. Nationalität rrchig, zuversichtlich, froh und mächtig, weil sich der Zugehörigkeit zur ewigen Ordnung der Dinge bewußt — ist allumfassend und nicht ausschließlich. " Nationalität findet ihren besten Ausdruck in der E rgieh ung. Meine Fvemrde, wenn ich Ihnen keine andere als diese Weisheit sagen konnte, ich würde' Ihnen eine große Weisheit geben. Die Erziehung eines Volkes muß im Einklang stehen mit der Beschaffercheit, dem Geiste und der Seele des Volkes, und nichts ist hoffnungsvoller für Wales, als daß die -Waliser Erziehung auf Waliser Grundlagen basiert. Große Reiche können Botschaften an die Hose und Auswärtigen Aemter ausserden, aber kleine Nationen können auch Ideen in die Herzen des Volkes einpflanzen. Universitäten werden gedeihen und Ansehen genießen, tvenn Flotten und Botschaften zu Staub geworden sind und mit diesem Staub beladen liegen. Jas französisch-rumänische Mammen, Paris, 12. April. (Tel. der „Wiener Movgenzeitung".) Poincare empfing heute vormittags den rumänischen Außenminister D u c a und den rumänischen .Gesandten An tone scu. König Ferdinand.hatte außerdem gestern abends eine Besprechung mit dem rumänischen Gesandten in Brüstel, der nach Paris berufen worden war. Die Zeitungen geben jetzt osten zudaß Behandlungen über eine französisch-rumänische Alliance, die gegen Nußlanb^gexich^/se!» gepflogen werdem Es verlautet, daß Rumänien von Frankreich bestimmte Zusicherungen im Fülle eines russischen Angriffes auf Beßaräbien verlangt - habe. Die „Werte" glaubt, daß im Falle eines solchen Angriffes Italien und England neutral bleiben Werdern ^7 Die letzten dienst der .Minei ^... e. SrMeitung".) Aßw-Vorl», 12. Avril.. (Radio.) Auf btt New-Norktt Börse war Terminzucker. schwächer und smk um 22 bis 18 Punkte. Gchlnßnotierüngenr Mai4,5S, Juli 4,71, GWmbei 4M Dezember 4M i';’(•' Effektenbörse r Die Tandem war mit Rücksicht' auf dM starke Stuken der AMmoLtt-. und Motorzügehör'aktiM bis üns 13 Punkte vorübergehend. flau. Auchandere ZnchsttlepapM Würbe« hierdurch tangiert. Später trat ErhaluUtz' em. > '' New-Bork, iS. April., (Radio.) DevisenschlDuriß: Laggeld nominell Wechsel auf London 4,83,50, 60 "Taae-Wechsel 4,90.50, Paris 6,04, Amsterdam 97,23, Prag 2.S7, Berliner Schlußkurs 22'/,-22',., Silber 64. . . London, 12. April. Wechsellurse: Wegen der^ Bereit-, Willigkeit der Berliner Regierung betreffend die Annahme dtzs Gutachtens dtt Sachverständigenkommission und. des Standpunktes der Revarätionskomnnssiön verbesserten sich die kontinentalen Wechsellurse: New-York 4, 3850, Paris 72,20, Brüssel 86, Berlin gebeffert 19'/, Billwnen/Christiania.31,52'/,, Stockholm 26,40, Kopenhagen 26,06, Schweiz 24,71, ÄmsterdümIlM. RöM 97^0. Madrid 32,14'/,. Wien 806.000, Prag. 146^8, Warschau 39 bis 45 Millionen, .Athen 2526.' Sosick.M Bukarest M Konstantinopel *810. Budapest 300:00V ms 400.000, Riga 18,46. Baumwolle. Anfangskurse^ - amwikansscher.Termin, 7 bis 18 Punkte höher, Mai 18^4, Juli 17,65, Oktober 16,16, Jänner 14,60, spater 15 bis 19 Punkte hoher..,Schluß April 18,72, Mai 18,47, Juli 17,76, Oktober 16.31. Jänntt 14,66. Aegyptische Baumwolle, 23 bis 29- Puickte hoher, April 21,58, Oktober 19,76, November 19,86, füll midling 19,42. / . Zinn. Der gestrige Zusammenbruch der Markwretse widerlegte alle günstigen Voraussagen, dn PrgiSverlust beträgt 15 Pfund Sterling pro Tonne. Bor der Franken« steiaerüng erreichte der Zinnpreis beinahe die. vorausgesagte Höhe von 300, gestern notierte Zinn 260. pie Zinnaktien sind Proportionen ebenfalls gefallen. London, 12. April. (Radio.) Prag 146'/«, Rew-Nork 4.33'/,. Paris 72^80, Brüstel '86. Rom' S7'/„ Zürich 24,71, Madrid 32,27'/2< Amsterdam .11,64, Kopenhagen 26,06'/., Christians 91.54'/,, Stockholm 16.46, ' HelstngforS 173,85, Berlin 19',„ Wien 306.000',,. Athen -i..-. ' - Sin italienW-schweizerischtt SrewrwWenfall. . Mailand, 18. April. Wl. der „Wiener Morgenzig."^) Der Komissär von Ruino Wt dem Präftkten von Comö einen Bericht über einen GrenNwischenfatl zugegen lassen., Demnach' habedas 30, Schweizer. Regiment, welches von L u ga n o zu den Brigademanövern marschierte, beim Flankieren der Grenze, unsre übliche Bemerkungen über Italien und den FasziSmus gemacht. Die Schweizer Behörden haben eine strenge Untersuchung eingeleitet. / Nicht 8, nick t J4, sott dem billige Tage bet ff 44 /. Trattnerhof Nr. 2 Sie Mimm-Berhandluygen. Düsseldorf, 11. April. (Havas.) Bei den Verhandlungen über die Mioum-Verträge verlangten die deutschen Industriellen bestimmte Zusicherungen bei Fortdauer der Naturalliefevungen nach dem 15. d. Die Mcum bestand jedoch darauf, daß die gegenwärtigen Verträge verlängert werden, denn die von den Deutschen gestellten Bedingungen stünden im Züsam-menhang mit der Frage eines allgemeinen liebere inkonvmens über die Reparationen. Die VerhaMungen werden Sonntag fortgesetzt werden. - - - Der deutsche Botschafter b. Hösch hat heute nachmittags einen Neuen Schritt bei der französuschen Regierung unternänmven, um die Einhaltung eines-Zwischenzustaudes zwischen dem Maus der Mieumverträge am 15. d. und der endgAtigen Regelung der SachlieserungSfvage auf der ' Grundlage der Sachverständigenberichte 'zu evmoglichsn. Da P ornear« durch den Besuch des vumänischvn KönigsPaaveS in Anspruch genommen war, wurde der Botschafter Vom Ministerialdirektor Pevetti della Rocca ernpfangen. Lar ueue diiüffche Parlament. Kopenhagen, 12. April. (Havas.) Bei den Wahlen in das Fol k e 1 i n g sind 45 Kandidaten der Linken, 28 konservative, 55 Sozialisten, 2 Radikale und 1 Deutscher gewählt worden. Infolge der Verluste, die das Ministerium Neergäard bei den Wahlen erlitten hat, wird es wahvscheinlich in den nächsten Tagen d e m i ss i o n i e r e n. Ser Aulsche Relchrtag. - ^Helsingfors, 12. Aprll, (Wolfs.) Bei den Reichstagstvahl.en haben.die finnische Rechte ß, die Fortschtjttsparteii 2, die - Sozialdemokraten 7 Mandate., gewptt'nen, die .schwedische VollsPÜrtei '2, die Agrarier 1, diS ÄommuNiftett 9 Mandate verloren, Der neue Reichstatz'setzt sich'.folgenderlnaßen zusammen:.Lchwc'dischc^Volksparte.ill^! Rechte 98, Fortschrittler 17, %i;; ji; SozZgldsmokraten ' 60, Kommunisten 18. Senator Mar komW London, 12. April. (Wolfs.) „Morning Postt^rlchW aus Washingtpn: Nach einer nichtamtlichen Ml§üW haben die Äahlettätt Illinois, die die Ernennung eines Kandidaten^. Kr den Posten eines reMbljkflnisch«i Senators btztvestsn^'zirtHiederlage M WnMrtj- Senators Mae C o r m i ck geführt. Der WahlauS^all i\ von internatiosialer Bedeutung, da Mae Cormick einer kt\■ erbitterMrr Wgner des HSlkerbüNd€i rüch der Rattfizierung deS Versailler Vertrages fei; Harrt, Aaw ncifHo gesund. Wie die New-Porke-r Blätter melden,.haben fünf f-renärzte den Geisteszustand ÄeS MüWMNonä-s h aw, de's Mörders des Architekten Standsord^. W h i t e, neuerlich untersucht und Harrh Thaw süp g e ist ig gssu n d erklärt' Auf Gruüd dieses Gutachtens strebt'Härry Thüw M Entka'fsung /auS der Irremtt\teti* an, in der er festgehalten Wird. gapa» gegen die «me amerlkanWe WäshtNtzton, 12. <ApvP (Wolff.) Japan hat beim StaatSdepartonient gegen den Kongreßvorschlag betreffend d'w. E i' »'sch r ä n k u n g der japanischen. Ei nw a n d e r'u n g P r o te st i e r t.. Staatssekretär H u g h e S hat die.Mitteilung an den Senat weitergelei.tet. ' - PeUegung der mmMWvtgMMche« (Eig'endienst der „Wiener Morgenzeitung".) ' Bukarests 12.. Afwil. Bei, der im Zuge, der Meüzregelung von Rumänien an Jugoslawien' eifölgten Abtretung dev- Gemeinden M o d o 8 und P a r ö a n j ergab sich bekanntlich ein Ztvstchenfall, indem die rNmättischen Behörden aus de» zu Übergeberchen Gemeinden, ave Mo» Bitten wegschaMn. Den diesbezüglichen Protest, der. Belgrader Regierung hat nunmehr Minsterpräsident B r at i a n udahin beantworten lassen, daß.chie. ruMnische .Regierung eine strenge Untersuchung' eiMittn und vollen Schadenersatz leisten werde. Pole« g«d der . (Etgendienst dtt „Wiener Morgenzettung^.). Warschau, 12. April. Wie Ihr 'Korrespondent beteM zu berichten m der Lage war, ist in Kreisen des polnisches Senqts.der Antrag cmfgetaucht, den Trakt« t ü b er d ie ntttiottalitt Minderh«iten,. zu-^dessen EittM. tung sich Polen durch die Annahme de'S Vertrages-Won Versailles verpflichtet hat, zu k ü n d'i g e n, da er angeblich die Souveränität Polens beeinträchtige.'! Motiviert wird dieser Antrag, für den insbefonders ' die Rechtsparteren ieine lebhafte Ägitätion entfalten und den der frühere Sejmttüd jetzige Ssnatsprasident T r o m p e z y tt s ki, einer der Führer der Rationaldemokralen itt einem Iw terview als Einzige Rettung- Polens vor dem Untergang durch derr'inneren Feind" bezeichnet hat, damit, daß die Bereinigten Staaten den Bersailler-Bertvag und damit auch den MinderheitstraLtat nicht ratifiziert. hätten und Polen daher fveve. Hand habe. In der letztett Sitzung de8 Ausschusses für AeußereS im Sejm, bei welcher ein Antrag über hie Garantien eines freien Zugangs zum Meere für Polen im ZufttM menhang mit der Memel- und Danzigfvage erörtert wurde, kam der jüdische Deputierte Dr. Reich auf-diese durch die. chauvinistische Propaganda der Rechtsparteien genährten Strömung auf Kündigung des Mindecheitstraktats zu sprechen. Er wies darauf hm, daß der Versailler Vertrag mit der in ihm enthaltenen MinderheitSi» klaufel ein unteilbares Ganze bildet. Gerade jetzt,' wo Polen eine Revision der Beschlüsse über, Meanel .und Danzig vom Böllerbunde fordert, wäre' es politisch" geradezu gefährlich, eine der Hauptgrundlagen des Böller-- Sundes und des FriedonSvertrageS, den Schutz der nationalen Minderheiten anzutasten. Die Kündigung des Minderheitstraktats Würde geradezu ein Spiel mit dem Feuer bedeuten, um fv Mehr als jetzt -gegen den' Vertrag von Versailles, durch den die staatliche Existenz Polens völlerrechllich verbürgt erscheint, so stark, inÄesonders vvtt Rußland und Dsutschlattd Sturm - gelaufen wird. Warschau, 12, April. (I. T. A.) Eine Verordnnng bch Kriegsminrsteriums gibt '.bekannt, daßmilitärpflichtige« polnische Bürger, die in der Zeit vom 1. November 191h bis 31. Dezember 1923 nach-Palästina ausgewandert sind, und für di« paläst,inensische Staats«n.ge-- hörigkeit optiert-haben, in Polen nicht mehr nt 11 i t Lr pf l i ch-t i g sind. Außerdem hat..der- Kriegsminister angeordnet, baß Ge s u ch e polnischer, militärpflichtiger Bürger, die ttnt die; Erlaubnis .bitten, auf die palästinensische Staatsbürgerschaft zu optieren, günstig erledigt werden. «titttufi - M«Wer Mlkerb«»ddelegkerter. (EigeNdienst der „Wiener Morgenzeitun^.) . / Warschau, 12. April.' Rach den von Ihrem Korrespondenten eingcholten Jnformätionen aus gut ünterrichMn Kreisen soll die Ernennung Skr zy n s!.i s, des -ehenraligen^ AußenministerK, .gum, ständigen Delegierten Polens Wm Völkerbund,bereits,HHlosseue Sache. sein Die formelle Er, nennüng wird nach den Feiertagen evwartet.