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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-12 · Heft 1853 (12.4.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1853 (12.4.1924)
Date
1924-04-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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m. tm Men, VavkStss Wiener Morgenzettuns. IS. April 18SL Sette» Ae neue Wische Kriedhosanlage in Wien. Ae Mängel der WMewerbansschreibung. - Sie zusammensetzung der 8«rtz. Ein Interview mit Prof. Max Eisler Der englisch« Ministerpräsident Remsay Mac Donald schreit über seine palästlna-Reise unter anderem: In einiger Entfernung von der Str«fie sieht man vereinzelte Gruppen von Zelten «4er ganan Dörfer, die eich eo nett, an htzdeoh und reinlich repräsentieren . . . eie vSr?» rie ane irgend einer Stelle Westeuropas Kicher verpflanzt.. . alles atmet Engend, Kraft und Lehen, Viese 8 iedlnnien sind d)e Ornndetelne des nenen Lande» Israel, sind die Eefcptaller, »nf denen sieh die gesamte wirtsohaftllehe Tätigkeit des neuen Palästina anfhanen wird. (.Neues Wiener Taghlatt", 8. April 18i4.) Die jüdische Leistung im jüdischen Palästina hat Anspruch auf die Anteilnahme jedes einzelnen Juden ... Kommt, seht, urteilt! Uraufftihrungdes Films: Eine Reise durch Eres Israel im Jahre 1923 Sonntag den 13, April 11 Uhr vormittags : KammerHchtspiele Schwarcenbergplatz Kartenverkauft Nur noch . bei den Kammerlichtspielen ab 10 Uhr vormittags ®ine Volle Deckung können dir 116 Gläubiger, welche im Jahr« 1918 ihre Forderungen tm Kompromiß geltend gemacht hatten, nicht erlangen, weil dir Viereinhalb Millionen belgischen Franken samt Zinsen zur vollen Deckung der Schulden nicht ansreichen. Mktor öilbrrer gestorde». Gestern ist der bekannte Sportsmann Viktor S i l>b e t e t. tm Alter von 79 Fahren gestorben. Tr hatte seine Lausbahn als Keiner Angestellter in einer Wechselstube und dann als Zertungsberichterstatter begonnen. Im Jahre 1880 ries er die „Allgemeine Sportzeitung" ins Leben, dir er bis zum PerLans mn Jahre 1918 führte. Er wurde dann ch r i stlichso-ialer Gemeinderat, Landtags-- und Reichsratsabgeordneter, geriet aber bald zur Partei in Widerspruch. In den Glossen seines Blattes, in denen er politische Fragen behandelte, wurde er seinen Parteigenossen bald unMvgeneHm. Im Wiener Sportsleben hatte er bald eine führende Rolle inne. Er widmete sich vor allem dem Krastsport, wobei er insbesondere als Ringer sehr schöne Erfolge auszuweisen hatte. Bahnbrechend war sein Warben im Rudersport. Seine Sportzeitung wurde unter dem. Namen „S-Werer-Älatt" in Wien sehr populär. SÄberer widmete sich auch der Luftschifssahrt, die damals noch in der erstem Entwicklung steckte. Ms Ballonfahrer war er weit Wer die Grenzen unserer engeren Heimat bekannt. In den letzten zehn Fahren zog sich Silber er sowohl vom politischen als auch vom sportlichen Leben vollständig zurück. Viktor SWever, der schon zu Lebzeiten großherzige Schenkungen an Wohlsahrtseinrichtungen gemacht hat, hat letztwillig den Annahof in der Annagasse dem Spital der Barmherzigen Brüder hmtevlassen. 8in Radiokouzert im Mustkverelnssaal. Im Großen Musikvereinssaale saß gestern eine große Menschenmenge, die gespannt einem Konzerte lauschte. Das soll, wie unser Musikreferent versicherte, schon viele Male der Fall gewesen sein. Und doch: Es war gestern der erste Versuch in Wien, einem großen Publikum ein Broadcastingkonzert erster Qualität durch achtzehn Lautsprecher zugänglich zu machen. Der Versuch darf als v o l l k o m m e n g e l u n g e n bezeichnet werden. Auch der neue Sender auf dem Stubenring, der demnächst einen regelmäßigen täglichen Dienst aufnehmcn wird, ließ eZ sich nicht nehmen, den Vortragenden, Grafen Arco, der zugunsten der „Internationalen Arbeiter- Hilfe für Deutschland" sprach, zu begrüßen. Areo führte aus, daß sich die elektrischen Wellen, die sich von der Sendvstation nach allen Seiten entlang der leitenden Erdoberfläche verbreiten, am besten über dem Wasser oder entlang eines Flusses fortbewegen, während sie über Land, namentlich wo es größere Starkstromfreileitungen gibt, durch Absorbtion eine beträchtliche Schwächung erleiden. Wie verbreitet das Radioamateurwesen in den Waststa-ten ist, geht daraus hervor, daß es in New-York allein etwa zwei Millionen Empfänger gibt, in London 500.000. Die besondere Sorgfalt, die der Ausgestaltung des „Studio" zugewendet werden muß, ist deshalb nötig, damit nicht von den Wänden reflektierte Töne ins Aufnahmemikrophon gelangen, weil sie die Reinheit der Töne bedeutend beeinträchtigen würden. Daneben verwendet man mehrere Mikrophone, die in richtiger Entfernung von den einzelnen Instrumenten ausgestellt werden. Sodann wurde ein reichhaltiges Radiokonzert angehört, worauf Graf Arco auf die noch gar nicht abzusehenden Weiterungen hinwies, das; heute schon theoretisch — und in wenigen Jahren auch Praktisch — ein Mensch zur ganzen Welt sprechen können wird. Von ganz besonderer Bedeutung ist die zeitlose N e d e r m i 111 u u ö von Nachrichten und von W e t t e r m e l d u n g e n. Auch den vom Kunstgenuß abgeschnittenen Blinden und Spitalspatienten bedeutet das Radio die Brücke zur gefunden Menschheit. Die Wiener Kultusgemeinde hat einen Wettbewerb für die Errichtung einer neuen jüdischen Friedhofanlage ausgeschrieben. Cs ist selbstverständlich, daß die Durchführung dieses Projekts nicht nur die unmittelbar an der Ausführung interessierten Kreise, sondern auch die gesamte jüdische Bevölkerung Wierts angeht. Entsprechend der Bedeutung dieses Projekts haben wir den bekannten Kunsthistoriker Prof. Max Eisler um nähere Darlegungen über die künstle rische und fachliche Seite dieser Ausschreibung ersucht. Prof. Eisler machte nun einem unserer Mitarbeiter folgende Mitteilungen, denen wir um so lieber Raum gewähren, äks sie aus bedeutsame Mängel dieser Ausschreibung hinlveisen, bereit Behebung int allgemeinen Interesse liegt: Bei dem Wetübckverb — führte Pros. Eisler aus — sind sowohl vom künstlerischen als auch vom demokratischen Standpunkt ernste Bedenken zu erheben. Diese beziehen sich vor allem aus die Form der Ausschreibung. Ich möchte darauf Hinweisen, daß der Passus dieser Ausschreibung. tnelcher besagt, daß die Vergebung der Arbeit ohne Rücksicht auf die P r e i s z u e r- 'kennung erfolgen kann und daß sich die Kultusgemeinde das Recht vorbeMt, die Arbeiten durch andere al's die Preisträger auMhren zu lassen und dabei die preisgekrönten Entwürfe ganz oder teilweise zu benützen, auf völlig veralteten Prinzipien in der Ausschreibung von Wettibetverben zu beruhen scheint. Der erwähnte Pasius ist bereits vor langer Zeit durch die Zen tr a l v e re i ni g u n g der Wiener Architekten aus prinzipiellen Gründen bei Ausschreibungen für architektonische Wettbewerbe entfernt worden. Denn der Vorbehalt, welcher in diesem Pasius gemacht ist, bedeutet einen nachträglichen Angriff m das geistige Eigentum der preisgekrönten Architekten, welcher zu Mißbrauch führen kann. Aus keinem Gebiete der Kunst -oder Wissenschaft gibt es eine ähnliche Einschränkung bei Wettbewerben und gerade dieser Passus kann es dazu bringen, daß kern Architekt von künstlerischer Bedeutung sich an >der Ausschreibung beteiligt. da ein Künstler sich nicht ohnr-weiters dazu verstehen kann, diese Beschränkung des Rechtes aus seine noch dazu durch einen Preis als künstlerisch lvertvoll und eigenartig anerkannte Arbeit auf sich zu nehmen. Mtsel-after Verschwinden eines Mädchens. Leopoldine Pribil, die 16jährige Tochter eines Friseurs, wird seit dem 5. d. nachmittags vermißt. Sie war als Lehrmädchen bei einer Schneiderin bedienstet. Am 5. d. ging sie. wie gewöhnlich, früh in die Lehre und blieb -dort bis 2 Uhr nachmittags. Dann hatte sie sich mit zwei Freundinnen verabredet, daß sie sie zu einem Stosieinkaus begleiten solliten. Die Freundinnen bsglyrdeten die „Pokdi" zu Gerngroß, wo sie sich Stoff für ein Kleid ftsufte, Dis Poldi ging tarnt zu einem Schneider, mit dem sie sin Kttw besuchte. Dev Schneider hat dann das MäU>chen zum Wohrchaus, Kaiserstraße 28, beglyitot. In der Nähr wurde sie von der Freundin noch um 9 Uhr gesehen. Ter Schneider verabschiedete sich dann und seit her ist Leopoldine Pribil verschwunden. Acöglrcherweise hat sie wegen dcS späten Heimkehrcns Auseinandersetzungen befürchtet. Daß das Mädchen deshalb lebensmüde geworden sein könnte, nimmt man nicht an. Man glaubt, daß Leopoldine Pribil vielleicht in die Hände von Mädchen Händlern gefallen sst. Ein Liebesverhältnis unterhielt sie nicht. Wohl bannte sie einen bulgarischen Studenten, doch scheint dieser mit ihrem Verschwinden nicht m Zusammenhang zu stehen. Die Mutter der Verschwundenen erfuhr nachträglich, daß die Poldi am 90. März in der Nähe des Wohnhauses mit einer großen blonden Frau etwa eine halbe Stunde lang in lebhaftem Gespräch gestanden war. Lik SeüettsmiMmSrfte. In der Großmarkthalle blieben die Fleischpreise bei ziemlich lebhaftem Verkehr im Großhandel unverändert, die Zufuhren beliefen sich auf 16 Waggons verschiedener Fleischgattungen. Auf dem Fischmarkt war der Verkehr schwächer. Karpfen ermäßigten sich um 1000 K., Kabeljau um §000 K. pro Kilogramm und kosteten 12.000 K. Aus Dänemark sind Kabeljau vorzüglicher Qualität eingetroffen, die sich auf 16.000 K. pro Kilogramm stellten. Die Grünwarenmärkte waren schwächer beschickt, die Nachfrage hielt sich in engen Grenzen, so daß überall das Auslangen mit den Vorräten gefunden werden konnte. Spinat ermäßigte sich auf 9000 bis 12.000 K. um durchschnittlich 3000 bis öOOO K. pro Kilogramm. Auch Glaöhaussalat mußte billiger abgegeben werden. Kipfler sind auf den Märkten nicht zu sehen, dagegen wurden Kartoffeln bei festen Presien in großen Mengen abgesetzt. Zwiebeln haben sich gleichfalls im Preise etwas ermäßigt. Butter und Eier sind bei unveränderten Preisen in genügenden Mengen angeboten. Gegen diese Bedingungen des Wettbewerbes ist daher das schwere Bedenken zu erheben, daß sie einerseits sine Schädigung der am Wettbewerb Beteiligten bedeuten können und andererseits das künstlerische Niveau dieses Wettbewerbes herabzudvücken geeignet sind. Gin ebenso wichtiges Moment ist die Auswahl der Jury. Die Herren, welche sich in der Jury befinden, sind durchwegs, wie ich betonen muß. ernste Künstler; doch sie selbst geben zu, daß sie einer bestimmten Richtung in der Architektur angehören. Dagegen fehlt ein Vertreter der modernen Kunstrichtung in der Architektur; gerade in Wien aber gibt es eine Gruppe jüdischer Architekten, deren Kunstprogramm von hervorragender Bedeutung auch über Wien hinaus ist, was allgemein anerkannt wird. Bei der neuen Friedhosanlage aber bietet sich eine in vielen Jahren nur einmal wiederkchrends Gelegenheit, ein so 'bedeutsames künstlerisches Problem einer den heutigen wertvollen architektonischer Kunsw,»schaumigen eu-tsprechenden Lösung zuzuführcn Wenn sich nun Architekten der modernen Richtung au diesem WettLawerb beteiligen sollten, so besteht angesicht? der einigermaßen einseitigen Zusammensetzung der Jury die Möglichkeit, daß kein Bewerber moderne' N i ch t tt n g einen Preis erhalten wird. Meiner Meinung nach wäre es daher wünschenAwer und bei einigem Entgegenkommen der maßgebenden Faktoren durchführbar, daß vor allem der erwähnte ominöse Passus aus der Ausschreibung gestrichen werde unk daß der Bewerber, welcher von der Jury mit den ersten Preis ausgezeichnet wird, auch die Ausführung seines Projekts zugewiesen erhält. Bezüglich der .Jury wäre es am nahe» liegendsten und Klveckmäßigsten, diese durch einen Bev treter der modernen Richtung zu ergänzen! meiner Meinung nach ist in Wien diese Ergänzung leich möglich, zumal der einzige jüdische Professor, welcher ar einer Wiener staatlichen Architektur schule wirkt, Professor S t r n a d, einer der bedeutendsten Vertreter der modev neu Richtung ist; er könnte eingeladen werden, in die Jury emzuLreten, die dann, zumal ihr jetzt scheue -Qberbcmra K e m p l e r und Architekt K a r p l u s angehören, a I l e r künstlerischen Richtungen und Fordernn gen sachlich und fachlich vollkommen entsprechen wird. ®W nDB bv "Wl Mt. rnmm . . »<j-s , y •. .-V erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrzuiirden des Herrn Oberrabbiners S* * B. Ehrenfeld, Mattersdorf Wien, 12. April. * Der entlassene Bankdirektor. Die Austvopolnische Bant hat den Direktor Friedrich W. ans Grund einer Anzeige des Rechtsanwalts Dr. Po ras. entlassen, wonach er die 55jährige Portiersfrau der Bank überfallen habe. Wie uns mitgeteilt wird, bestreitet der Beschuldigte die Richtigkeit dieser Behauptung und hat durch seinen Anwalt den Präsidenten der Bank, die Frau und den Dr. Poras wegen Ehreubeleidvgung belangt. * Selbstmord tm Rathauspark. Gestern nachts hat sich im Rathauspark ein. unbekannter Mann erschossen. Man fand bei ihin einen mit „A. W." gezeichneten Mchicdsbries, in dem er als Grund der Lat Notlage angibt. Es wird angenominren, daß der Selbstmörder mit einem Klagenfurter Kasseuikassier identisch ist, der wegen Unterschlagung von 38 Millionen ge- Mchtet war. * Ein Bankschwindler. Dieser Tage erstattete eine Bankfirma in der Inneren Stadt die Anzeige, daß ihr ein gewisser Ludwig D r e g e l y ans betrügerische Wei'e Millionenbeträge entlockt habe. Dregely hatte der Bankfirma den Auftrag gegeben, eine Reihe von Wertpapieren, darunter deutsche An-- leihepapiere. zu verkaufen und ihm gleichzeitig als Anzahlung auf dm erzielten Erlös einen Betrag von 35 0 Millionen. Kronen auszusolgen. Die Bank gab ihm 200 Millionen und weitere 150 Millionen Kronen in Form eines Giroschecks. Als dann dem Bankhause doch Bedenken über ihren Kommittenten aufstregen, gab Dregely freiwillig den Giroscheck über 150 Millionen Kronen zurück, die restlichen 200 Millionen waren jedoch bereits für die Auslösung der Papiere aufgewendet worden. Weitz-GabardmK. 78 m WUN.I,.ADl.tft.jAr8S - « TSJcfo" Mr tZ.l. r '» (fit" j stofre

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