Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1853 (12.4.1924)
- Date
- 1924-04-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Morgenzeitung» Seite 3 1883 Wien, Samstag er sie bemerkte, der Polizei die Anzeige machen wollen; eye er jedoch dies tun konnte, sei die polizeiliche Revision erfolgt, bei welcher die Bomben entdeckt wurden. Die Untersuchung wird -weitergesührt. Scharfe Maßregeln gegen antisemitisch-' Unruhen. Henry Fords Buch. Bukarest, 9. April. (Tel. d.. „Wr. Morgenzei-tung".) Wie bereits berichtet, ist die Regierung mit der Proklamierung des Ausnahmszustandes gegen die Studenten-- ^Msse vorgegangen. Die Unruhen -hatten ihren Ausgang von dem Prozeß gegen die faszistischen Studenten genommen, die freigesprochen worden waren. In der Verhandlung hatte der Student Eelcanu Codreanu, der nach Professor Cuza der zweite Befehlshaber der antisemitischen^ Front ist, au'sgesagt, daß er die Juden und ihre Beschützer zu töten beabsichtigt habe. Er erzählte, er sei i n B e r l i n gewesen, um dort Exemplare von Henry Fords Buch „Der internationale Jude" zwecks Verbreitung in Rumänien zu holen. Als das freisprechende Urteil verkündet war, bildeten etwa 2000 Studenten und deren Anhänger einen geschlossenen Zug. der sich durch die Straßen bewegte und dann auf ein Zeichen in das jüdische 'Viertel eindvang. Die Regierung bot sofort Militär auf, das die Straßen säuberte und schließlich die Universität besetzte. Am 5. April erfolgte dann die Uebertragung der Gewalt an die Militärbehörden. — In CzernoWitz ist die Ruhe wieder hergestellt. Sie werden nie bereuen wenn Sie den Rat befolgen: Ihren Körper widerstandsfähig u. widerstandskfäftig zu machen Im Kampf ums Dasein spielt es eine grosse Rolle, dass Sie keinen Tag verlieren, dass Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Geschäft. Ihrem Buicau fernzubieiben. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag DIANA Franzbranntwein mit Menthol und Sie schützen sich am besten gegen alle Unbill des Wetters und des Alters Ueberall erhältlich! Inland. Schon wieder Parlamentsferien. Die Nationalräte scheinen nach den zwei Tagen, an öenen Plenarsitzungen des Hauses stattgefunden haben, wieder sehr erholungsbedürtig geworden zu sein und bewilligen sich nun recht ausführliche Osterferien, die diesmal bis zum 28. April dauern werden. Die Ruhepause wird nicht einmal durch Ausschußsitzungen' gestört werden. Auch die nun so brennend gewordene Beamtenfvage vermochte nicht die Volksvertreter in Wien zu halten. Die gestrige Haussitzung war schwach besucht, da -die Abgeordneten aus den Bundesländern großenteils schon nach Hause gefahren -waren. Zunächst wurde -das B o s e l- Gesetz auch in dritter Lesung angenommen. Statt -des Gesetzes über die Pachtverhältnisse -der Schrebergärtner wurde eine Resolution beschlossen, in der die Regierung beauftragt wird, die Sache im Berordungswege zu regeln. Dagegen remonstrierten die Sozialdemokraten sehr heftig. Während der Debatte über die 14. N ovelle zum Unfall-Versicherungsgesetz (Ein- 'beziehung der Forstarbeiter in die Unfallversicherung) und über die Erhöhung der Provisionen der Bergwerksbruderladen kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Abgeordneten der Mehrheit, die sich durch eine Bemerkung des Abgeordneten Duda beleidigt fühlten, und den Sozialdemokraten. Beide Gesetze wurden schließlich angenommen-. Me Beratung des Budgets. In einer gestern abgehaltenen Obmännerko-nferenz wurde vereinbart, mit der Generaldebatte über das Budget im Plenum des Nationalrates in der Montag den 28. April stattftndenden Sitzung zu beginnend Für die General- und Spezialdebatte sind — ohne die für die Berichterstatter und die Erklärungen der Regierung erforderliche Zeit — höchstens 60 Sitzungsstunden in Aussicht genommen. Die Sitzungen des Nat-ionalrates sollen am 28. u nd 29. April und dann vom 5. Mai an jedesmal Montag (mit Ausnahme des 12. Mai) von 3 bis 7 Uhr und Dienstag bis Freitag von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags abgehalten werden. Die Forderungen der BuudesangesteNe». Die Lage ist kritisch. In den Kreisen der Bunde scmgestelltcn herrscht über die Ablehnung der Forderungen seitens der Regierung große Erregung. die in -der gestrigen Sitzung des 25er-Aussch.usses in' heftigen Reden gegen die Regierung zum Ausdruck kam. Die Verhandlungen des Ausschusses werden heute fortgesetzt. Ein Streikbeschluß wurde nicht gefaßt, doch ist die Stimmung sehr ernst, da der Bundeskanzler es -abgelehnt hat, den Bnndesangestellten Vorschüsse auf die Gchaltsregulierung zu geben, wie dies bei den städtischen Angestellten geschehen ist. . Die Bundcsangestelltcn haben gestern von den Parteien des Nationalrates die Zusicherung erhalten, daß sie bei ihnen eine wirksame Unterstützung finden tverden. In einer Besprechung der Parteien mit der Regierung über die schwebenden Be-amtensragen erhoben die Vertreter -aller Parteien die Forderung, daß bei der Schasfung -der definitiven Besoldungsordnung dafür gesorgt werde, daß die Bezüge der Angestellten entsprechend den wirtschaftlichen Verhältnissen und den Leistungen der Angestellten ausgeibesi-crt werden. Der Fiuinzminister Dr. Kienböck erklärte, eine sofortige Auszahlung andre Beamten sei angesichts der finanziellen Situation des Bundes ausgeschlossen. Jrn übrigen nehme er di-e Stellungnahme der Parteien zur Frage der Erhöhung der Bezüge der Beamten namens der Regierung zur Kenntuis. Die Regierung habe das größte Interesse daran, daß die bereits eingeleiteten Verhandlungen mit der größten Be sch leun-igung weiteraeführt werden. Die Regierung stehe den Vertretern der Organisationen jederzeit, auch während der P-arl-ameutsserien. zur Verfügung. viMS-ri'LiirdrLMtVM-ki'oliiilltiM-liK. WIEN, II., PRAG, VIII., Engerthstraße 169 Lieben, Draho&eljova 1073 Sie letzten Kurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung*.) Paris, 11. April. (Radio.) Effektenschlußkgrse: Banque de France —, Pragobanka 410, Credit Lyonais 1520, Suez 9520, Platine 666, Dabrowa 741, BMgue Ottomane 732, Central Mining 792, Rio Tinio 2352. Le Napbte Russe 345. Succeried Eghpte 867, Baku 2196, CautchoueS'fin 146.60, Chartered 61.50, Debeers ordin. 901, Goldfields 67.50, Huanchakas 242, Jagers Fontain 210.—, Malacca ordin. 184.—, -Maltzoff 362, Mexiean Eagle 74.—, Padang 318.50, Rand Fontain 84.25, Randmine 210.50, Silva plana 156-50, Tanganyika 106.10, Tubice soie 536, Utah Copper 1121, Shell 333, Royal Dutch 27.960, Burmah —.—, Societe generale —, Steaua Romana —, Schneider u. Cie. —, Metropolitaine —, Thompson Houston —.—, Raffinerie say ord. —.—, Russe cons. 4% —, Russe cons. 3°/, 1891/94 —.—, Russe cons. 3°/0 1896 —, Russe cons. 3V2% 1894 “Ruff, cons. 5% 1906 —, Russe cons. 4'/?/, 1909 —, Serbie 4% 1895 Dette Ottomane 4«/0 —Ottomane 5«/, 1914 Paris, 11. April. (Radio.). Der letzte Börsetag der Woche war ziemlich still. Obwohl das Pfund anzog, folgten die Esfektenkurse doch nicht diesem Impulse, und als nach Eröffnung der Börse die Rückkäufe der Baissiers aufhörten, bröckelte der Markt ab. Französische Bankwerte lagen still, Petroleumwerte waren etwas freundlicher, auch Minenpapiere eröffnet^ fest, um aber gegen Ende der Börse wieder nachzugeben. Pragobanka gewann heute 20 Franken. London 73,55, New-Aork 16,96, Bukarest 9, W i e n 24,26. London, 11. April. (Radio.) Die Londoner Börse wurde durch den Tod Stinnes' in keiner Weise beeinflußt. Sie war aber auf Abschwächung der kontinentalen Devisen besonders durch Paris und Brüssel fester. Besonders englische Staatsanleihen zogen an. Amsterdamer, japanische, südafrikanische und südamerikamsche Werte wiesen ein Agio von einem halben bis zwei Prozent auf. Ebenfalls fest lagen englische Bahnpapiere, Tabakaktien und Minenaktien. Oesterreichische Anleihe 91, tschechische Anleche 98,3, deutsche Anleihe 21,6. London, 11. April. (Radio.) Wechselkurse: Netv-York 4.33.1.25, Paris 73,70, Brüssel 87,3.76, Berlin 19,5 Billionen, Christiania 31,55V„ Stockholm 16,39, Kopenhagen 26,05, Schweiz 24,69, Amsterdam 11,63'/,, Rom 98,37V,, Madrid 32.35V2, Wien 306,000, Prag 146, Warschau, 39 bis 40 Mill. Athen 24.95, Sofia 600, Bukarest 81,75, Konstantinopel 800, Budapest 300 bis 400.000, Riga 22,64. Kupfer sank auf 63,5 Kassa. Zinn sank um 16 auf 24,1 Kassa und 39,76 Termin-Ware. Blei sank um 0,75 auf 34, englisches ans 32,75. Silberbarren 330,66 Kassa, Gold 95 Schilling 3 Prence. Zucker, greifbar, raffinierte Ware, zu alten Preisen gefragt, weißer, Java, Mai-Juni Fob. 25. 7,5, Juni-Juli 24-6, Juli-August 23-9, tschecho-slowakischer April-Mai 30-9, weißer Termin fest, April 30-6, Mai 29-7, August 26-10. November 23. Baumwolle: Verkauft 7009 Ballen., Importiert 11.372, außer amerikanische Ballen um 132 gestiegen, amerikanische Baumwolle auf Termin erst sinkend, Schluß fester, 18,40, Mai, Juli 17,72, Oktober 15,19, Sauger 14,53. London, 11. April. (Radio.) Prag iBV«. ' New-Dork 433-/„ Prag 73,85, Brüssel 86'/., Rom 98,12'/-, Zürich 24,70, MadÄd 32,27.'/g, Amsterdam 11,637«, Kopenhagen 26,05, Christiania 31.55'/«, Stockholm 16,40" HelstngforS 173,25, Berlin 20'/„ Wien 306,500, Athen 2,50'/,. Dew-Dorlr, 10. April. (Radio.) Tevifenschlußkurse: Taggeld 4,25, Wechsel ans London 4,33,25, 60 Tage-Wechsel 4.33.25, Paris 6,00,25, Amsterdam 37,19, PraA 2,97, Berliner Schlußkurs 22-22'/., Silber 64.. Die Wischen Staatsangefteliten. Hauptversammlung. Die diesjährige vierte Hauptversammlung der Organesation der jüdischen Staatsangestellten fand am 8. d. statt und wies recht zahlreichen Besuch aus/ Der Obmann, Amtsdirektor Pisek, erstattete .den Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der Leitung, aus dem hervorging, daß trotz der sehr geringen Mittel, die der Organi« 12. April 1624 sation zur Verfügung standen, eine ganze Reihe von Do HI* fahrtsaktionen durchgeführt werden konnten. Der Bericht wurde durch die Ausführungen des Obmann- Stellvertreters, Ing. Stankower, über Fragen de- Abbaues und die wiederholten von Erfolg bsgl-etteteü Vorsprachen an maßgebenden Stellen ergänzt. Herr Inspektor Sträußler erstattete den Kassenberichte Ueber den Ausbau des Arbeitsnachweises berichtete Herr Oberinspektor L e s ch n e r, über Förderung der Geselligkeit und Zusammenschluffes aller jüdischen Beamten Herr Inspektor Engel. Ueber Antrag des Obmannes Pisek wurde einhellig die Schaffung eines Hilfsfonds zur Unterstützung von jüdischen Beamten und deren Angehörigen in Fällen besonderer Hilfsbedürftigkeit beschlossen. Obmann Pisek erklärte, wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochen, die Zugehörigken zur jüdischen Organisation dürfe nicht einzig und allein aus materiellen Vorteilen fußen, die jüdischen öffentlichen Angestellten müssen bedacht sein, die Zugehörigkeit zur großen, jüdischen Nation stets zu betonen. Bei den Neuwahlen wurden wiedergewählt die Herren Amtsdirektor Pisek als Obmann, Oberbaurat Ing. Stankower als Obmann-Stellvertreter, Bahninspektor Straußler als Schriftführer und Bahnrat Dr. Stern als Kasper. In den Ausschuß wurden entsendet die Herren Hofcat der Finanz-Landesdirektion Dr. Max, Landesgerichtsdirekloc B i r n st e i n, Bahninspektor Engel, Oberpostkontrollor K i n s b r u n n e r, Bahnobcrinspektor i. R. Leschne r, Bohnoberinspektor i. R. Beran, Postdirektor i. R. Spielma nu. Bahnasststent Rosen, Postoberoffizial Werber und Oberredakteur der amtlichen Nachrichtenstelle Dr. Koritschoner Die Post-, Telegraphen- und Telephongebühren. Der Außerordentliche Kaibinettsvat beschloß gestern, den Handelsmnnffter bis 31. Dezember 1924 zu ermächtigen, die Post-, Telegraphen- und Fernsprechgebühren im eigenen Wirkungskreise, jedoch mit der Beschränkung zu regeln, daß die Gebühren das zur Deckung der jeweiligen Ausgaben der Post-, Telegraphen- und Fevnsprechcmstalt erforderliche Ausmaß nicht übersteigen dürfen. Abg. Sp-alowsky regte eine Herabsetzung des Lokalportos an. Mmister Dr. Schür ff betonte, die Regierung beabsichtige keineswegs, in der allernächsten Zeit Gebührenerhöhungen vorznnehmen, vielmehr ist durch die budgetmäßige Deckung der Auslagen für das Post-, Telegraphen- und Fernsprechwesen für das Jahr 1924 die Möglichkeit gegeben, das beabsichtigte Banprogramm durchzuführen. Nur wenn ganz außerordentliche Verhältnisse eintreten, würde die Regierung zu einer Erhöhung der Gebühren sich entschließen können. Was den Wunsch aus Wiedereinführung des Lokoportos betrifft, haben sich die Handelskammern^ fürdasgenerellePorto ausgesprochen. Die deutsche Hochschnlkammer. Universitätsgelder für völkische Zwecke. In einer gestern im Nationalrat von!den>sozial-' demokratischen Abgeordneten eingebrachten Interpellation an den Untervichtsminister wird die von uns berichtete Zuweisung von Auditoriatsgelderu an die Kammer der deutschen Studentenschaft besprochen und unter anderem gesagt: Der klare Wortlaut -der Verordnung des Mini st eriumssürJnnere 's und Unterricht vom 18. August 1921 bestimmt, daß Auditoriatsgelder von den Fakultäten lediglich zu Wohlsahrtseiurichtungen. für die gesamten Studierenden der Universität verwendet werden dürfen. § 10 dieser Verordnung 'bestimmt ausdrücklich, daß -es sich um Wohlfahrtseinrichtungen für die Universitätsstudenten handeln muß, also nicht für Einrichtungen, die bloß für ei n en Te il der Universitätsstudierenden beistimmt sind. Das Bu-ndesmimstermm für Unterricht hat über die. gesetzmäßige Verwendung der Auditoriatsgelder zu wachen und Gesetzwidrigkeiten zu verhindern. Der Beschluß der drei genannten Fakultäten ist offenkundig rechtswidrig, weshalb der Minister gefragt wird: 1. Ist er bereit, den Be-, Mutz der drei Fakultäten der Universität Wien als rechtswidrig auszuheben? 2. Ist er lbereit, die betreffenden Fakultäten darauf aufmerksam zu machen, -daß die Verwendung der Audi- Loriatsgelder durch die Verordnung des Ministeriums für Inneres und Unterricht genau geregelt ist und sich die Fakultäten an diese streng zu halten haben? „Die untergeordneten Organe." Au der Hochschule für Bodenkultur it Wien legte von einigen Tagen die „Kammer der deutschen Studenten" ein Evidenzblatt auf, dessen Ausfüllung jedem Studenten der Hochschule von einem Organ des Rektorats zur Pflicht gemacht wurde. Große Erregung riefen einige Frageu in den Formularen, so nach Rasse und Volkszugehörigkeit der Eltern und nach dem jetzigen, eventuell früheren Glaubensbekenntnis hervor, und viele Studenten weigerten sich -deshalb, das Evidenzblatt a-uszusüllen. Der Rektor der Hochschule für Bodenkultur teilt mit, daß das Formular nicht durch das Rektorat selbst aufgelegt wurde und daß nur durch eine -irrtümliche Auffassung eines -untergeordnete Organs den Studenten mitgeteilt wurde, daß jeder Hörer das Evidenzblatt ausfüllen müsse. Es stünde vielmehr in sreiem-Ermessen jedes Studenten, ob er die Fragen des Formulars beantworten wolle oder nicht. Als der Rektor erfuhr, daß ein Zwang zur Ausfüllung ausgeübt wurde, stellte er sofort den Unfug ein.