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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-11 · Heft 1852 (11.4.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1852 (11.4.1924)
Date
1924-04-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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«BP w Men, Freitag Stand naN . r^e: Tr. E m <t« u c t L a o? : - ( il‘/t, Capablaucc. 10, 91 I} e <ft t tt 9 (1 Hängepartie), K * t i 9, Marshal! 8, Dr. Tartakower 7 % Bogolj«botv 7 <2 HLugepartten), Mar 0 c, y 7, Eduard Lasker 5, Zate» 41/, (1 HSngepartirl. Ian 0 w 8 ki ilff. _ Her Prozeß gegen die Kiew» Professoren. Vier Todesurteile. Berlin, 10. April. (Tel. -er „Diener Movgerizertung") Der Prozeß gegen eine Reihe von Intellektuellen, darunter UniversilätSProftssoren aus Kiew und der übrigen Ukraine, der, wie erinnerlich, bereits seit mehreren Monaten schwebt, wurde heute zu Ende geführt. Im Juli 192L wurden bekanntlich etwa 600 Personen unter dem Verdachte verhaftet, daß sie einer seit dem Jahre 1981 bestehenden ukrainischen Organisation angchören, die auf die Beseitigung der kommunistischen Parteidiktatur in Rußland und die Errichtung einer allrussischen demokratischen Republik hmavbeite. Sämtliche Verhafteten wurden freigelassen bis auf 18, die beschuldigt wurden, Spionage zugunsten Polens betrieben zu haben. Der Prozeß gegen diese 18 Personen wurde dreimal vertagt; erst die vierte, am 20. März begonnene Verhandlung brachte den Prozeß z» Ende. Auf Grund des Geständnisses eines Angeklagten, Onisischenko Pawluk, wurden vier der Angeklagten wegen Auslieferung von Mobilisierungsplanen und militärischen Gchermnisseu an den polnischen Generalstab zum Tode verurteilt. Es sind dies: der frühere Staatsanwalt am Kiewer Gerichtshof S. M. Tschebakow, der Kiewer Universitätsprofessor A. V. Ja k 0 wlew, Frau Win0 gr ada und O. L E d i n e w S ki. Ferner wurden der Vizepräsident der ukrainischen Akademie der Wissenschaften, N. P. Wassilenko, und sein Bruder, der Redakteur K. S. Wassilenko, „wegen Uebermirtlung von Nachrichten an gegenrevolutionare Bereinigungen in Warschau" zu je zehn Jahren Einzelhaft, der Kirwer Universitatsprofesior S m i r n 0 w und Frau Kasentschn i s k a j a zu je sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Auch die übrigen Beschuldigten, darunter der Rechtsanwalt L. E. Tscholgansky und andere hervorragende Intellektuelle Kiews erhielten hohe Gefängnisstrafen. Nur ein Angeklagter wurde freigesprochen. Wie vorgestern gemeldet wurde, hatte sich Poineare in einem Telegramm an T s ch i t s ch e r i n für die Angeklagten verwendet und eine gleiche Fürsprache bei her vnMchen und italienischen Rogiernng angeregt. ' Sie wilde Laube. Bon H. Thurow. '.'tüi einem Stveifzug, der sie bis cm die Grenze des öergwaldes hinauWhrte, fand sie ein Stücklein Senrmelrinde. Goldbraun hmg es am Rand eines grün bemoosten Felsens, ans dem einige Ausflügler ihren Imbiß verzehrt hatten. Run flog sie mit chrer Wstlichen Beule Zu Tal, wo fern, jenseits eines wasserreichen Wieseneinschnittrs. ihre Jungen im Wipfel einer Ficht« der Fütterung harrten. .Ihr Gefieder leuchtete in der Sonne und im Gefühle der Freude machte sie einige schaue Wendungen, als spiele sie mit den Wirbeln des Morgenwindes und ranze nach dein Schlage, ihres munteren Heozens. Doch plötzlich verspürte sie in einem Flügel einen heftigen Schmerz und unten, in einer Lichtung, sah sic ein dünnes, Weißes Wölkchen aufsteigen. Da wußte sie, daß sie von einevr Jager getroffen war. Sie mußten den Flügel hängen lasten, rüder re dafür aber umso kräftiger mit dem andern. Zum Glück dachte sie» ist der Baum nicht mehr weit, und die Jungen sind ziemlich herangswachsen. Wenn sie nur diesmal noch ihr« Portion erhalten konnten — -und dazu eine so exquisite, tv-ie \k sie niemals — Da zuckte ihr der gleiche Schmerz durch den anderen Flüge! und in der Tiefe brach sich ein Schall an den letzten vovfiprrngenden Felswänden. Jetzt begann sie ein wenig zu taumeln, aber schon sah sie die Krone der Fichte mit dem Reste der Jungen näher kommen, sich gewissermaßen herauÄösen aus dem Gewirr der Bäume, -und so gut es ging, glitt sie auf den mcrttgsspröizten FlügÄn zum Neste herab. Die beiden Kleinem rissen ihr, als sie die Schwingen auf den Rand des Nestes stützte, die Beute aus dem Schnabel und merkten in ihrer Aichgeregcheit nicht einmal, wie es mit der Vdntter stand. Ws sie. aber gespeist hatten, fragte das eine so nebenher: „Warum hältst du die Flügerl so steif über uns?" Sie flüsterte: „Oben kreist ein Habicht; ich schütze euch, biS er sich verlogen hat." lind nach einer Weile fragte das andere: „Der Habicht ist wohl jetzt fort — was hältst du den Schnabel so steif?" Sie konnte nur noch leise hauchen: „Schwingt mich hmauf, er gibt euch einen guten Halt, wenn ihr jetzt fliegen müßt!" So tat jetzt eines nach dem andern. Den Schnabel der Mutier Äs Sprungbrett benützend, schwangen sic sich im die Luft hinaus nnd kamen nicht nneder. (Aus der »Makler Nat.-Ztg.") Speknlautenschicksal, Ein Prager Bankier flüchtig. Aus Prag ist der Bankier Artur Rosenbaum unter Zurücklastrm-g von ungedeckten Schulden im. Betrage von vier Millionen tschechischen Kronen geflüchtet. Rosenbaum war ein Lebemann und verkehrte viel in Nachtlokalen- Verfehlte Spekulationen in der letzten Zeit verschlechterten seine finanzielle Lage. Roseiwounr hinterließ Abschicdsdriefe, au» denen dervoraeht, daß er sich mit' SeW-m ordabsichten trug. Wleriev Morftenzeiiun-. 11. April IM Nr. 1858 Mttellimgeil aus dem PubMum. Meilech Backenroth und Frau Schodnica, teilen allen Verwandten und Freunden mit. dass die Trauung ihrer Tochter Cyla mit Herrn Meier Lvov heute Freitag in Drohobycz stattfindet. Simon März und i Hä beehren sich, alle Verwandten, Freunde und Gesinnungsgenossen zu der mxö “0 FEIER ihres Sohnes HEINRICH welche s, G. w. morgen Samstag den II. April 1924 um 9 Uhr vormittags im Beihausverein „Llwias Chen“, II. Hotlandstrasse 2 (Stephaniehof) stattfinden wird, höfl. einzuladen. 8 TO3 STRENG ORTHODOX I HOTEL und RESTAURANT BARSCNAK! III. «ROSSE SCNIPPQASSB 3 8M TEL. 40-1-33 ■ riDß 7V n> sowie vorzugl. Meth und Sliwowitz | Parfümerie „LORRlllN** Savonnerie Führende Marken: Eau de Cologne Russe Eau de Cologne Chypre Crime Lorlgnon Creme Lorignon-Chypre Lorrain-Toiletteseife, Badeseife, Speikseife ,$ABAm 44 Rasier*elfen in Stangen und Würfeln AH«in»rzeu*er dei bestbekaante» ,, Wien, XX. Taborstrasse Nr. 93 ,asi=a Telephon Nr. 43*1-63 ----------------- nw> RESTAURANT M.OPERER WIEN, II.TABORSFRA//E 12 HOTEL STEPHANIE Erstklassige Wiener Küche / Spezialität; Pfefferkarpfen und gefüllter Hecht Neu! ORIGINAL Neu! Sämtliche Speisen fertig und am. Rost Erstklassige Biere und Weinspezialitäten wie Szamorodnier, Tokayer Ausbruch Alleinverkauf der lg. Klcic'schen n$E yp Original PslQstlna Medizlnnlwelne Ein Selbstmordversuch des Bankiers Krchn. Vorgrftvru nachm itt-ags wurde der Wiener BanKsireltor Emmerich Kuhn im Sriegenhause seiner Wvhmmg mit schweren Verletzungen aufgestM'den. Es hieß, er sei das Opfer eines Unfalles geworden. Wie rmumehr verlautet, handelt cs sich um einen Selbstmordversuch, den .ikuhn in einen Augeublick starker Gemütsdspression begangen l>aben dürfte, als deren Ursache Börsenverluste angegeben werden. Dir Verletzungen .Kuhns sind lebcnsgefährli ch. Arw Mlischr Svumzlatim und ihre Wftchr. Der „Weud" berichtet aus Berlin: Gin paar völkische Lrottel machten eine Eingabe an das preußische Ministerien für Kultus und Unterricht, in tvelcher sie sich über bestiumür Schauspieler des Staatlichen Schauspielhauses beschwerter. Eltens wären die Betreffenden betrunken gewesen während sie spielten, und im übrigen: diese Schauspieler seien Juden! Das hohe illUnisterium leitete dem Akr an die Jnrendauz des Schauspielhauses und verlangte eine strenge. Untersuchung. Jess-ner untersuchte. Es wird nicht berichte, wie er diese Untersluhurrg über Alkohol- und Rassenroinheit anstellte, fest steht nur, daß er dem Ministerium folgerndes schrieb'. Gw. Exzellerrz! Die vom Hohen Ministerium unter Z. WZ—ab ver° la-ngte Untersuchung in Angelegenheit der Beschwerde gegen die Danien . . . und Herren . . . wurde wunschgemäß streng durchgesührt. Sie ergab einwandfrei, daß die genannten Damen und -Herren an jenem Abend vor der Vorstellung üder-- haupt kein alkoholisches Getränk getrunken hatten. Die Untersuchung ergab ferner, daß die Genannten nicht der jMscken Rasse angehören. Zu dieser! bekennt sich Hieramts nur Ew. Exzellenz ergebenster Leopold J-efsner. Es wird leider nicht berichtet, welches Gesicht feine Cx- Aelleur, der Minister Boelitz, bei dieser Versicherung der Ergebenheit seines Intendanten geschnitten hat: Mrr man kann es;iä' nugefähr vsrstellen.. „NW rin einziger Fall." Ti« Wiener Aerztekammer gegen die Beschuldigungen HocheneggS. Der Vorstand der Wiener Aerzlekammer gibt jetzt dal Ergebnis seiner Nntersuch'mg bekannt, die er auf Gnrvd dei bekannten Anklagen H^chcneggs cingelebtet hat. E8 wurde«, achr Scnvatoriumsleiter und etwa fünfzig Fadwrzte einvernommen. Das Gutachten erklärt, daß der allgemeine Vorwurf HocheneggS unzutreffend sei. Die Teilnahme deS Hausarztes au der Operation wird als eine Pflicht des Arztes erklärt, da er nur so die unerläßlichen Anhaltspunkte fär die Nachbehemdlnng erhält. Hierfür wird dem Hausarzt ein Anspruch zu gestanden. Das Gutachten sagt nun. daß eine offen c Verrechnung dieses Anspruches „an deaklemlichen Haltung des Publikums — es kommt hier nur die wohlhabende, außechalb der gesetzlichen KrankenversichernngSPflicht stehende Schichte dn Bevölkerung in Betracht" -- scheitert, da diese Schichte den Hausarzt unter allen möglichen Vorlvänden um seinen Air sprnch kürzon will. Daraus habe sich ein Syst ein der Pan schalierung herausgebildet, infrem die Entlohnung des Hausarztes gemeinsam mit der des OPer-atietlrs verrechnet werde. 1918 sei der Versuch unternommen worden, dicke Entschädigung mit einevr Fünftel deS OpcrckionshonprarS st'stzusctzen Dies sei jedoch nicht zur Durchführung gelangt, da dieser Ansatz als zu gering erachtet wurde. Viele Operateure geben daher den Hausärzten 26 bis 30 Prozent der Operatimrsentlobnung. Diese Entlohnung werde jedoch als ein Zuschlag zur Operationsentlohnung berechnet.. Von einer „Provision" könnte nur dort gesprochen werden, wo der Facharft den zuweisen'den Arzt einen übermäßigen Teil des Honorars abgebe oder letzterer an der Operation nicht teilnehtne, oder wo die Vergütung ausdrücklich für die Zuweisung erfolge. Derartige Vorkommnisse seien jedoch nur vereinzelt und f>ctrcffcn nur eine verschwindende Anzahl von Aerften, mir denen sich die Aerztekammer wiederholt beschäftigt habe. Es habe früher in Wien sechs bis acht ausländische Aerzte gegeben, die allgenrein „ärztliche Fremdenführer" genannt wnvden. Seit dcm Umsturz seien sie gänzlich verschwunden. A»n schtve-rsten Wwge die Anschrüdigung Professor Hocheneggs, daß die Notwendigkeit von Operationen weniger nach der Kva-ukheit als nach dem Honorar beurteilt werde. Prosestor Hochenegg habe für diese Beschuldigung nicht aus einzigen Fall verweisen können. Das Urteil des Chrenrates der Wiener Acrftekannne.r wird Professor Hochenegg in den nächsten Stunden zu-gestellt werden, es bleibt vorläufig geheim und soll erst E-nde dieses Monats verlambact wenden. Professor Hochenegg äußerte hierzu, er behalte sich eine Erwiderung vor, in der er seine Evfahruugcn, die den Ausführungen der Aerztekammer widersprechen, darlegen werde. Er hält seine sämtlichen Behauptungen v olili nh alt li aufrecht.; Sie LebensnMelmSrtte. Auf dem Nafchmarkt sind Feftern das erstemal ameri^ dänisch» Aepfel, sogenannte Kanada-Reinetten, eingetroffen. Sie kamen ans den Verenngten Staaten über .Hanrbung und stellten sich trotz des weiten Weges auf 15.000 K. bis 18.000 K. pro Mograrnnr. Die Aevfcl sind von guter Qualität und imlvden diel gekauft. Tw Auslandszufuhrcn von Gemüse sind im allgemeinen günstig. Gestern waren Kartoffeln aus Ungarn und Italien e'rügökarrgt. außerdem Buonmerffalat, Erbsen uni) Äochsalat aus Italien. Mit Ausnahme von Häuptelsalat, der sich im Großhandel um 1.0.000 K. pro Nagel im Preise ermäßigte blieben die Preise für die meisten Gemüsegattluvqen unserändert. Auch die Preise für Butter und Eier blieben, trotz guter Beschickirng der Märkte mH diesen Artikeln unverändert. Unangenehm macht sich die st e i g e n d e X < tt b c u z der Fleischpreise im Großhandel beurerkbar. Dü Preissteigerirngen tverden danüt Üegriitrdet, daß die Zufuhren in den letzten Tagen sehr gering auZgefallcu waren. Gestern sind in 'der Großmarkthalle wohl 23 Waggons nrit verschiedenen Fleischgattuugen angekommen, der Berken" hielt sich jedoch in mäßiget! Grenzen. Wien, 11. Apri!. * Roald Amundseu in Wien. Gestern sind in Wieit Kapitän Roald Amnndsen und .Kapitän Hammer awf der Durchreise von Mail-aird nach Nortve>gen eingetragen. Die beiiden werden im Sommer versuchen, von Spitzbergen aus im Flugzeug den Nordpol zu überfliegen unö in Alaska zu latrdeu. * Eine Kuudgebnng der Schtverinvaliden. Gosteru fanid eine tnasielcha-ft besitchte Versammlung der um Talbäktrasi-ken sich bsivevberilden Kriegsinko-alli-den und KriogerwiÄven. darunter Schwerinvalide, foio in den Saal getra.geu werden urußten, Bein- und Armam-putierte urd Kopfverletzie. Dia Redner erklärten, daß in Wien und auch in der Provinz eine große Anzahl von Tahaikloafiken gekündigt werden könnten, ohne daß dadurch Existenyen gsfohrdet würden.^ Diese Tragiken sollten zugunsten der SchwerstkriogsbeschädvgtM^ entzogen werden Es wurde eine Resolution angenommen, in der die VeNammelten die Bundesregierung und den National-rar ausfordern, bei der Küttdraurtg und Besetzung von Tadakverschleißgsschäften den Kriegsopfern Existenzen zu schaiffcn. * Die reisenden Kaufleutc »nd der Fremdenverkehr. Der Verein reisender Kaufteure hat an das Bundesaninisterium für Handel und Verkehr eine Eingabe gerichtet, in welcher oarauf hingewi-osen wird, daß die reffendeir Kaufleute die älteste Organisation der am Reise- und FvovWenderkeh.r interessierten KreD: darstellt. Mit Befriedigung habe daher der Verein reifender Kausleute zur Kennrnis genoummi, daß die Arrgvlegsnhoit des Fremdenverkehres icii kurzem in einem eigenen, b-erm HarrdÄsmmistermm geschaffenen „Ausschuß für Fremdenverkchr" zur Bevatwtvg gelange. Ihrer Aufgabe werde die neugeischcvffene Beratungsstelle mtr dann gerecht werden, wenn orrch jeua Faktoren gehört werden, die ans dem Gebiete dcö Reife- und Fremdenverkehres^über ein gairz besonders reiches Mater:wl an Erfahrungen per-fügen. In bie'.'n Faktoren <Men in erster Linie di-' reilenden Kauf

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