Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1852 (11.4.1924)
- Date
- 1924-04-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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VMS S Wen. fettet? '11. April IM Nr. 1S8t Kranken am Leben erhalten zu könnei:. Eine binzntretende Lungenentzündung führte jedoch rasch das Ende herbei. Stinnes' Lebenslauf. Hugo Stinnes ist am 12. Februar 1S70 als Si)» drL Hermann Stinnes geboren, also 5-i Jahre alt geumraen. Seine kaufmännische Lehrzeit absolvierte er in Koblenz. Toäter arbeitete er als Bergmann über und unter Tag. Im Alter von 19 Jahren bezog er die Bergakabemie. Dann war er Praktikant in der von seinem Großvater begründeten Firma Matthias Stinnes. Mit 28 Fahren gründete er mit einem Stammkapital von 50.000 Mark eine eigene Firma, dir Hugo Stinnes 'Ges. m. b. H. Die Firma breitere sich immer mehr aus. Er nahm den Kohlenhandel im großen Matzstabc. auf. setzte sich in den Besitz mehrerer Bergwerke, nahm auch die chemische Verarbeitung der Kohle, die Erzeugung von.Brik> ketts ustv.. auf, und ging dazu über, sich einen eigenen Schilfspark zu schaffen, um seine Kohle unabhängig weiter verrrc-.ben ■ zu können. Das war der Grundstock zu den großen Schiff, fahrtsnnternehmungen. die Stinnes später gründete. In der Rührindustrie wurde er eine führende Persönlichkeit Im Laufe der Jahre gründete er dann verschiedene Gesellschaften und Konzerne, bis er schließlich 60 große Unternehmungen kontrollierte. Die Neichen. —y. Wien, 11. April. In der Wiener Zeitschrift „Neue Wirtschaft" erzählt der gewesene ungarische Finanzminister Szende, daß die jüdische Hochfinanz dem Pogromsystem Horthys durch die Vermittlung der Sanierungsanleihe zuhilfe kam. Sie tat dies in dem Augenblicke, als der christlichnationale Kurs in Gefahr war und in der ungarischen Bevölkerung die Rückkehr zur Demokratie und Ordnung immer stürmischer gefordert wurde. Graf Bethlen verfiel auf den Gedanken der internationalen Anleihe, wobei er auf die Unterstützung der reaktionären Diploniatie rechnete. Aber außer dieser schlug sich auch das jüdische Bankkapital auf seine Seite und sicherte die Anleihe, ohne auch nur zu versuchen, eine Aerrderung des antijüdischen Kurses zu erzielen. Ja der Chef der Bölkerbundkommission in Budapest, der von sämtlichen Horthy-BIättern angespuckte Sir Henry Strakosch, strich sogar aus dem Saniernngsplan alle Bestimmungen, die den Erwacherden und den Militärs hätten unangenehm werden können. Das Londoner Haus Rothschild und Otto Kahn, der Chef des New-Norker Bankhauses, Kuhn, Lob und Kompagnie, wirkten finanziell, der Maler Philipp Laszlo, den man in Ungarn wegen der im Kriege bewiesenen Enierrtefteundschaft als Hochverräter diffamierte, vermittelte die Audienz Bethlens beim König Georg (über die dann die „Neue Freie Presse" einen entzüÄen Artikel schrieb). Kurz,, es war wirklich so, als bestünde eine jüdische Kaprtalfftengesellschast zur Unterstützung des Pogroms. Diese Geschichte ist eine merkwürdige Illustration zu der von den internationalen Hakenkreuzlern stets behaupteten jüdischen Solidarität, zu deren Beweis man ja sogar die Protokolle der Weisen von Zion erfunden hat .Die geistige und finanzielle Verwandtschaft des jüdischen Großkapitals mit dem Judenmordgesindel ist gewiß keine Erscheinung von heute. Sie stammt aus der Zeit des Schutzjudentums, aus der Zeit der völligen bürgerlichen utw politischen Rechtlosigkeit des Judentums, das jedem habgierigen Fürsten, jedem verschuldeten Bischof oder Ritter preis gegeben war und Hilfe nur durch die zu Reichtum und damit zu wertvollen Verbindungen gelangten Stammesgenossen finden konnte, die mit ihrem Geld alle Erpressungen bezahlen mußten. Der Zusammenhang dieser Weltkaufleute und Bankiers mit dem Judentum war in diesen blutigen Zeiten ein sehr inniger- Er schwächte sich mit dem Fortschreiten der politischen Aufklärung ab und verlor sich gänzlich unter den Einwirkungen der Emanzipation. Das neunzahnte Jahrhundert Machte die vollständige Assimilation und. der Verfall des Judentums, der schließlich sogar den Charakter der Aufklärung annahm. wurde durch die Notabilitäteuwirtschaft beschleunigt. Die Reichen, die trotz der Emanzipation, trotz ihres Geldes, trotz ihres wirtschaftlichen Einflusses nicht zur gesellschaftlichen Gleichwertigkeit gelangen konnten, hielten in ihrem Stechen nach politischer Tätigkeit die Macht in den Gemeinden fest und übten sie in der Art, daß sie alles, was das Wesen und die innere Kraft des Judentums ausmacht, seinen Trotz und sein Festhalten an den nationalen Werten, systematisch herabsetzten und zurückdrängten. So haltlos wie ste selbst sollte das ganze Judentum werden, es sollte verschwinden. Die jüdrschnationale Bewegung vertrieb diesen finsteren Geist, aber sie konnte nicht die Lüge bannen, daß diese Reichen ein Recht hätten, als Vertreter ja sogar Repräsentanten des Judentums zu gelten. War die bewußte, individuelle Assimilation aus dein kosmopolitischen Gesamtcharakter ihrer Erftstehungszeft und als Pendelerscheinung aus der Periode der finstersten Unterdrückung immerhin zu rechtfertigen, so war sie doch ein moralischer Defekt. Die Männer, die den Zusammenhang mit ihrem Volkstum so weit verloren hatten, daß sie ihn sogar alH lästig und lächerlich abstreiften, setzten die Rücksicht aus ihren Besitz so hoch, daß sie alle im Judentum vorhandenen Hennnungen beiseite ließen und sich ausnahmslos in den Dienst der politischen Reaktion stellten, die fie mit Orden, Titeln und sogar Adel belohnte. Aber erst das Fin de siccle brachte diese Entwicklung zur vollen Reist des jüdischen Antisemitismus, dieser widerlichsten Blüte der Dekadenz. Unserer Zeit blieb es Vorbehalten, aucb noch den jüdischen Pogromantisemitismus ftu sehen Die Rothschilds. die dem ganzen Judentum angekreidet werden und für die viel jüdisches Blut vergossen wurde, finanzierten die Pogrome der Plehwe und Knischewau, sie finanzieren heute den Hortby gemeinsam mit Kuhn, Lob und Komp., mit jener jüdischen Firma, die im Vorjahre in einer öffentlichen Erklärung entrüstet jedes Einverständnis mit der Bndapefter Horde bestritt,. In Ungarn selbst kämpfen die jüdischen Meltosacws Schulter an Schulter mit dem Hejjas und dem Reichsverweser, dessen Bomben aus jüdischem Geld bezahlt werden. In Oesterreich und in Deutschland fiießt das jüdische Kapital in reichem Strom den Hakenkreuzlerrr zu. Die reichen Inden bezahlen das SchußmW Sckmhaeld. Sie stehen auf der Seite unserer Feinde, die zugleich die Feinde des Friedens, der Freiheit und der sozialen Entwicklung sind. Das Bündnis zwischen diesem Geldjudentum und der Reaktion ist unzerreißbar, weil es durch das gleiche Interesse gebildet wird: das Jrrdentum so oder so zum Verschwinden zu bringen. Es ist eine naturgegebene Tatsache, daß dieses Geldjüdetttum apH W jüdischnationale Bewegung, den Palästinagedanken als feindlich und störend empfindet,, daß sie nichts, weder Geld noch moralische Unterstützung übrig hat für bcjS große ideale Werk der jüdischen Freiheit. An dem jüdi--' siben Heim in Erez Israel ist nichts zu verdienen und bis zur Gründung einer Emissionsbank sind wir nochnicht vorgedrungen.. In diesem Falle würde sich sogar ein jüdischer Chciuvirrismüs bei den Kahn und Strakosch und bei so vielen zeigen und wer weiß, wie viele Rücktritte zum Judentum wir zu verzeichnen hätten! * Einstweilen müssen wir auf diese Ehre verzichten/ und wir tun es gerne. Nichts als der Zufall der Maftnk oder des Friedhofes bindet diese Reichen an das Judentum, und das demokratische Empfinden, das In der jüdischen Welt von heute lebt, empfindet diese Sorte vyn. Reichen als eine unverdiente Strafe Gottes Sie siird uns genau so verächtlich, wie ein honoriges Volk die-. Renegaten und Deserteure überhaupt ansieht. Sie mögen heißen wie sie nur'wollen. Geld besitzen und den arischen Haß bezahlen, sie gehören nicht zu uns, die wir den Fluch des Golus von unS schütteln, sie gehören in das Bild der von der Krieaspest und der Lüge des Hasses zerrisienen arischen Welt. Jugoslawiens innere Krise. Versuche zur Schaffung einer varlamentarischen Mehrheit. - AuWung der Skupschtina? (Eigendienft der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 10. April. Die innerpolitische Lage des Staates ist heute verworrener als je. Die Neubildung der Regierung Pasic durch Einbeziehung der Demokratengruppe Pribicevic hat, anstatt eine Klärung zu bringen, erst recht eine Krise heraufbeschwoven, die den Staat schon so heftig erfaßt hat, daß es bereits zu einem Kampf um das parlamentarische Prinzip überhaupt gekommen ist. Pasie hat die Skupschtina ans unbestimmte Dauer vertagt und benutzt nun die Zwischenzeit dazu, seinen Regiernugsblock so zu erweitern, um nach Zulassung der Radic-Leute genügend stark dazustohen. Gelingt ihm dies nicht, so soll die Skupschtina durch königlichen Erllaß ansgelöst und innerhalb drei Monaten neu gewählt werden. Diesen letzteren Ausweg will Pasic einstweilen noch nicht beschreiten und ist bemüht, noch irgendeine Gruppe für sich zu gewinnen, um im Parlament die Arbeit fortsetzen tzu können. . Die Regierung ist nun bemüht, den Oppositiönsblock zir sprengen. Wie tu informierten Politischen Kreisen verlautet, hat Paste dem König ein so belastendes AnklagematerialgegenR ad i e vorgelegt, daß alle ursprünglichen Kombinationen, der König könnt« der Opposition di« Klärung der Kris« anvertrauen, völlig geschrounden sind. Dieses Anklagematerial stützt sich aus photographrsche Abbildungen einiger mit der Unterschrift Radie versehener Originalqnittungen über hohe Geldbeträge ans sowjetrussischer Quelle. Diese Belege hat nun der König den bei ihm m Audienz erschienenen Oppositionsführern Dr. K o r o s e c und Dr. H r a s n i c a vorgelegt. Der Unterredung des Königs mit Dr. Korosec (dein Führer der Klerikalen) wird, besondere Bedeutung beigemessen, zumal jetzt auch bekannt wird, daß bereits die radikale Regierungspartei mit Dotkor Korosec Verhandlungen wegen Beteiligung an den Regierungsgeschästen führt. Da 'auch der Koalitionspa r-juci Pasic', der Demokratensührer Pribicevic einer : ' Koalition mit den Klerikalen zuftimmt, glaubt man allgemein, daß damit der Auswegaus der Krise gefunden würde, und nach Perfektuievmrg' der Stäckmg der Regierungskoalition wieder die pärlämentarische Arbeit ausgenommen werden wich, Ser völkische Sturm gegen den IHSringifchen StaatsbanlvrMenten Loeb. FittanzMnifter Dr. Stolze zurückgetreten. Berlin, 9. April. (I. T. A.) Me aus Weimar telegraphiert wird, hat die ununterbrochene Kampagne gegen den thüringischen Staatsbaukpräsidenten Loeb dazu geführt, - daß der vom Thüringischen Ordnungsbund unter Billigung der völkischen Fraktion erst vor tvemgen Wochen zum Finanzminister berufene Dr. Stolze seinen Rücktritt erklärt hat, weil er nicht in der Lage war, dem Ultimatum der Völkischen aus Herabsetzung des Gehaltes des Präsidenten Loeb zu entsprechen. Im allgemeinen macht der völkische Ansturm auch aus die Wirtschaftskreise in Thüringen keinen guten Eindruck. Man anerkennt hier ausdrücklich die Verdienste des neuen Staat'sbankprLsidenten um die Laüdessinanzen, Die am 10. April 1923 mit 20.000 Goldmark Grundvermögen geschaffene Thüringische Staatsbank hat zum Beispiel -in.«ihrem ersten Geschäftsjahr nicht allein ihre gesamten Eiiwichtungskosien von sich aus bestritten, sondern noch einen Nettogewinn von 2,6 Millionen Goldmark erzielt, der dem Lande zugute kommt. Im übrigen wird die Kampagne Dr. D i n t e r 8 auch gegen die übrigen höhen Beamten jüdischen Glaubens geführt. Dr. Dinier veröffentlicht in der letzten Nummer seiner Zeitung „Der Völkische" ein enoffenen Brief an den Innenminister Sattler und verlangt Auskunft über die Versetzung des „Juden Fr iedländer" als Oberstaatsanwalt von Altenburg nach Weimar. Dinier beruft sich dabei aus Vereinbarungen und Zusagen der Ordnungsregierung an die völkische Fraktion als Aequivalent für deren Unterstützung durch die Völkischen. Die Antwort -er Negierung an die völkische Fraktion.? Laut einer telegraphischen Meldung aus Weimar 'hat das thüringisches Staatsministerium auf die Anfrage des Landtagsabgeordneten Dr. D i n ie r vom 6. -März über den Anstellungsvertrag des Staatsbankpräsidenten Loeb nunmehr die in Aussicht gestellte schriftliche Antwort erteilt. Danach Hai am Tage nach der Wahl der neuen Regierung der Staatsbankprasident Loeb den Finanzministev - um eine dringende Unterredung über di« grundsätz- - liche Stellungnahme qu seiner Person gebeten. - Er begründete die Dringlichkeit der Unterredung damit, daß die Bankinstitute, mit denen die Staatsbank in Geschäftsverbindungen stehe, wegen der Weiterarbeit mit der Staatsbank ein Interesse daran hätten, zu erfahren, ob die Gewähr bestehe, daß Loeb auch das Vertrauen der neuen Regierung besitze. Es wies hierbei noch besonders darauf hin, daß er Jude fei und infolgedessen annehme, daß sein Verbleiben in seiner Stellung unerwünscht sei. Der Finanzminister hat ihm daraufhin erklärt, daß er ihm deslvegen, weil er Jude sei, das Vertrauen n i ch t entziehen würde, und dies auch solange nicht zu tun Hy« absichtige, als Loeb gewillt sei, ehrlich die Staatsinteressen auch nach den Intentionen des neuen Finanzmimster? wahrzuuehmen, und sich jeder politischen Betätigung geger die neue Regierung enthalte. Der neue bayrische Landtag. München, 10. April. Der ständige Ausschuß des bayrft schen Landtages hat heute mit allen gegen, drei Stimmen der bayrischen Mttelpartei. und. eine Stimme der Kommunisten einen Reg ierungs Vorschlag ' angenommen, wonach der neu ge wählte Landtag erst dann zusammentxeten soll, bis auch das Ergebnis der Wahlen in der Pfalz endgültig feststeht. ■ Demnach dürfte die Eröffnung des neuen Landtages Ende Mai cr> folgen. . _ ' M „baterUadkfcher" LMihel. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) l Essen, 10. April. JiN Ruhrgebiet tmlrben von den französischen Besätzungstruppen in der letzten Zeit 5 5 6' Personen unter dem Verdacht v fe r h astet, ei n h-'e lo a l 1-' sa „ie 8 Vorgehen gegen die Vesatzungsbehörden gevlani. zu haken. Ein ehemaliger deutscher Offizier, der in den nationalen Verbänden eine führende Rolle spielt, soll diese Verhaftungeil. durch D ennn z i a t i v n e n herbeigeführt haben; er wurde in Münster festgetumme«. .und dem Leipziger ReichSgericht überstellt/ WienerUrauftätiragg des Films: «•! Jahre 1923 Sonntag den IS. April, ll Uhr vormittags, KammerJlchtspiele, Wien. 111. Schwaizenbergplatz S