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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-11 · Heft 1852 (11.4.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1852 (11.4.1924)
Date
1924-04-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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tto*eImmnmK1500 Wien: Zum Abholen in der l&spediWon, n^Tabontr. 1«3, oder meiner VersohleissteUe SrrafikV monatl. K 35.000 trassenverlcauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiede I.Bez^ Wolfzeile 11. Mit Postversand Für Wien u. Oesterr monatl. K 35.000 Tn ehe eh o-Sl owak eis Mon. FC 18. |a?os1awien: Mon, Dinar 60. Polen: Mon. 3V» Zloty, Dentsehland: * Mon. Goldmark 4, F r s n k r., Belgien: Mon. Pres. 12 WM* Na«tt««t*lav«reB "VW bei Prei«erW5!ni»«ti rorbdiBHej» Wiener oraewellung Pol en:poin.flnr.350.000 Italien: Monatl. 12 U«N Ru mä n i en Mon. 130 Lei Bulgarien Mon.30 l^ewa, Schweiz und das übrige Ausland mona dich Fres. 4 Redaktion u. Administration Wien. n„ Tahonrirasse l—3 Telephone: 44-©-38,43«3*>19, ah 6 Uhr ahds. 1<>*483,25*282 IX. UiilversftStsstr. 6—8 (Druckerei Sleinmann) OesterreiebUches Postspar* Icassen- Konto Nr. 150.693 Rr. 1852 Me». FreUag. 11. Avril 1924 6. iiahrg»»» Jas Gutachten vor der ReparationskommWn. Ser Expertenbericht im Urteil der interessierten Staaten. (Eigendieust der „Wiener Morgenzeitung^.) PariS, 10. April. Die Delegierten der Reparationskommijsion einschließlich des amerikanischen Beobachters Loga n werden schon morgen das Studium des E xpertanberichteZ beginnen. Bereits in der ersten Sitzung wird eine Ausscheidung derjenigen Gegenstände erfolgen, die in das politische Gebiet fallen und daher von den alliierten Negierungen selbst zu entscheiden sind. Fermer wird zu entscheiden sein, ob deutsche Vertreter eingeladen und zu welchem Zeitpunkte ihre Vorschläge angehört werden sollen. Es gilt als sicher, daß die Aufforderung, sich zu dem Expertengutachten zu äußern, ehestens an die d e u t s ch e Regierung ergehen werde. Die Aufnahme des Sachverständigengutachtens iit den interessierten Staaten ist verschiedenartig. Die Londoner Blatter erblicke« die Bedeutung des Gutachtens darin, daß sie da§ Signal und die Unterlage für neue Verhandlungen der Alliierten bieten. ,Armes" finde« die natürliche Verzögerung durch die Wahlen in Frankreich und Deutschland als willkommene Frist zur genauen Prüfung des/Gutachtens und zur Sondierung der gemeinsamen. Basis für .die Verhairdlungerr. „Daily Telegraph" betont: Mae Donalddarf beim Anfassen des ganzen Problems, an dem alle seine- Vorgänger sche't-erten, der. Unterstützung sämtlicher.. englischer - Parteien sicher sein. Alle Blätter sind darin einig, daß die gegenwärtige, deutsche Regierung die Verhandlungen über das Reparationsproülem ihrer Nachfolgerin überlassen wird. Die Pariser Pteffe betont vorwiegend die Garantiefrage. Bemerk aöwert ist dL Aenßerung des „Populär re", der schreibt, das Wort hätten jetzt gleichzeitig das Kabinett Marx-Stresemann und das Kabinett Poineare. In Paris wie in Berlin könne der nationalistische Druck den Plan der Sachverständigen zum Scheitern bringen. Die Vereinigten Staate« scheinen, wie aus Informationen, die die Londoner „Times" aus dem Weiße« Hanse erhalte« haben, hervorgeht, das Gutachten günstig aufzunehinen. Ein Vertreter des amerikanischen Außenamtes erklärte der Presse: Wir müssen hoffen, daß das Gutachten eine ernstliche Grundlage zu einer ckllgemelnen Regelung bieten will. Das Außenamt will mit allem Ernste beobachten, aber außerhalb der Interessensphären sein und neutral bleiben, 3er Motntet Vertrag vor dem englische« Unterhaus. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 10. April. Das Unterhaus hat den Lausanner Vertrag in zweiter Lesung ratifiziert. Bei der Lesung brachte Sir Edward G r r g g einen Züsahanivag ein, der bt>c Vertagung d-es Antrages fordert, bis der Beweis tcht wird, daß die den Dominions und Zndien -gegenüber eingegangenen Verpflichtungen voll eingehalten würden. Lloyd George verurteilte den Frieden als einen dunklen Fleck der britischen Diplomatie. Mae Donald antwortete sehr gereizt: Lloyd George sei offenbar von Lausanne enttäuscht, weil während der langen Periode seiner Diktatur in Europa er sich als alleiniger Erzeuger des jetzigen Europa vorkam. Die Geschichte werde zeigen, ob der Friede von Lausanne nicht, stärker und gesünder ist als der Friede von Versailles. Der Premier sagte dann zum Schluß, es wäre ein Narren werk, die Ratifikation zu verzögern, da sonst normaler Kriegszustand mit der Türkei herrschen Die italienische Ansicht. Die römische „T r i b u n a" schreibt: Die Vorschläge der Experten betreffend Deutschland hätten im italienischen MlNlstevmm des Aeußern einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Besonders die Sicherung der Äiaturalliefemngen an Kohle und die Andeutung über das Junktim. zwischen Reparationen und Kriegsschulden, das vom der italienischen Regierung immer vertreten worden ist, sei zu begrüßen. „Eorriere d'Jtalm" sagt, die Räumung d e 's Ruhrgebietes sei nach dem Bericht der Experten die erste Voraussetzung jeder Losungides Reparations- Problems geworden. New-A-rker Jiuanzkreist sind nach einer MittMrng der „Times" von dem Gutachten ent t a u s ch t, und zwar wegen der Nichtfesllegung der Gesamtschuld Deutschlands. Dadurch wird eine großzügige Finanzbeteiligung Amerikas erschwert. Man müsse auch abwarten, was die interessierten Staaten jetzt tun werden. In Berlin versucht mau noch immer das sogenannte Prestige zu wahren und tut so, eils wäre die „nationale Ehre" angegrffsen, obvwhl es doch #■ jpis:; den Koiüroll-' bedrugungm, welche das Expertengutachtdu stellt, chr. unterwerfen. Ans eine einigermaßen Aare Formel bringt.diese Tatsache' der vorwärts", welcher schreibt, jede deutsche Regierung stehe vor der Frage: Will sie und kann , sie sofort m das besetzte Gebiet einnrärschieren und die Franzosen verjagen? Will sie und kan« sie das nicht, dann bleibt ihr nichts anderes übrig, als den Weg zu gehen, den der Bericht der Experten ze-iigt, Die Mimm-DerirSge. Berlin, 10. April. Die Sechserkommission hat gosteru und heute mit der Reichsregiernug Wer die durch de.« Ablauf der Micumwertraige geschaffene Lage beraten. Sie wind nwrgen in Düsseldorf die Verhandlungen mit der Mcum wieder aufnehmen. Das deutsch-engbrsche Abkommen verrlüngert. Berlin, 10. Apvil. Das Abkomuren mit EyKanid über die Herabsetzung der 26proMtigen Ausfuhräbgabe auf 3 Prozent, das am 15. April abläuft, ist aus weitere 'Mar Monate, oilso bis 15. Juni, verlängert worden. würde, Der Friede von Sevres. sei ebenfalls ohne Mitverhandlungen der Dominions, deren Namen mitgezeichnet wurden, abgeschlossen worden. Hierauf wurde der . Zusatzantrag Zurückgezogen, das Gesetz staffierte die zweite Lesung und wurde dem Plenum des Komitees überwiesen. Tätlichkeiten im Unterhaufe. In Unterhause ereignete sich während einer. Polemik des früheren Lords der Admiralität Amery gegen die Erklärungen von Mitgliedern der Arbeitspartei über die Delogierung von Mietern ein lebhafter Zwischenfall. Zwischen Amery und dem Arbeitsparteiler Bucha na u kam es zu Beschimpfungen u n d T ä 1 l i ch k e r t e n. Der Werftarbetterstreik. London, 10. April. Die Abstimumng über dvn Werftarbeiberstreik in Southampton endete negativ. Ztur 50 Stimmen waren für die Wiederaufnahme der Arbeit, obwohl die Gewerkschaft dm formellen Besohl zur Wiederaufnahme der Arbeit blweits erteilte. Falls nicht in letzter Stunde eine große Ueberraschung kommt, tritt die Aussperrung der Werftarbeiter in ganz England iu Kraft. Sie betrifft etwa 10 0.000 Arbeiter. Hugo Stinnes gestorben. An LimkeuentrSavung. Berlin, 10. AprA. (Teil, der „Mmee Morgenzeitumg",) Hugo Stinues ist heute um halb 9 Uhr abends bei vollem Den wnßtsein geslorbe«. Der Tod wurde durch Hinzutreten einer doppelseitigen Lungenentzündung bewirkt. Die Familie -r die Gattin und füus Kinder — waren am Todeslager versmmnelt. Hugo Stinnes ist an denr Tage gestorben, an. dem dia öffentliche Meinung Deutschlands untrer dem schweren El«-« druck des Berichtes der Sachverstäirdigen steht, der dein Reiche Lasten aufbürdet, die die von Stinnes befolgte und mit fast «diktatorischer Kraft Vovgeschriebene Politik verschuldet hat. Stinnes entstammte deni rheinisch-westfalischen Jndustriekapitalismus und er hat in dssn Traditionen ge-- wirkt, in denen n erzogerr toorbeit war. In die Politik trat er erst bei den Revolutionswaülen ein. und schloß sich den von Stresemann zur Volkspartei umgetausbur National-> liberalen an. Aber er stand doch auf dem rechten Flügel und gewann bald bestimmenden Einfluß. Seine ungeheuerliche geschäftliche Betriebsamkeit «ud Energie machte ihn bald zum mächtigsten Mann Deutschlands. Er hat die Art Ludendorsfs aus dem Militärische« ms Zivile übertragen. Wie dieser den Sieg Deutschlands auf allen Schlachtfeldern Europas suchte und m verZweijÄteu Anstrengung immer neue Feindschaft fand, so wurde Stinnes' Name bald zur Bezeichnung einer fast mythischen Figur. Er hat Reich innrer gesammelt, die ihm unbegrenzte Gewalt sicherten. Er kaufte, alles ausr Bergwerke, FaüpiLrr, Bahnttt l^Md Maschen. M'Müs sill) eine ^über die Grenzen Deutschlands 'hi-uäusstrebende Partei und..verwendete seine Macht uichtrmc im. egoistischesten Sinne,- sondern auch politisch zur Erreichung seines Gedankens:i.-Die alte Zeit wicher heraufzubiringeu, in. .der der JudustriekapitLN alles.galt, die Arbeit Kar nichts. Stinnes -ist .allen denen, die. sich auf dÄ Ludendorffsche Revanchelmie stellten, ein gar mächtiger Führer gewesen. Mer Nationalismus, aller Haß verehrte^ den kühnen und ms Ilngemesscire strebenden -Geldmrgnateu, dem das.Vaterland, seine Sorgen und. Leiden, nur Mittel zu kaltem Zweck waren. Er befeuerte durch Helfferich, durchs Minoux und durch Enno die Politik, die zum - wirtschaftlichen Zusammenstoß.mit Frankreich führte. Er hat dies bewußt und in der volleir Mficht.getan/ Deutschland zunt inneren Krieg zu treiben und mit. Hilft chauviniftischmr Scharen alles freiheitliche Streben ür Blut zu-erstüten. Aus seiner Propagairda, die er in etwa 1200 Zellun-- gen uniform betrieb, gingeir . Parolen des Antimarxis-» mus hervor, kam die eÄhaste. antisemitische. Hetze. Dia Antipathie, bic seit dem Kriege auf aller Erde gegen das deutsche: Volk bestand,, und an deren Schwinden -die Demokratie arbeitete, flammte wieder auf, und rrm Tage des Todes dieses ALannes ist Deutschland sv isoliert wie nur. je. Stinnes hat viele Adepten geworben, und in tzrer Arbeit tritt durch seine« Tod lebte- Unterbrechung er«. Der König des. Hasses und der Geldgier ist gestorben. Es gibt noch gar viele seines Schlages,. wenn auch nicht seyrer Energie. Sem Wirken - hat Deutschlands werktätiges - Volk iit neue Not und iit neues Elend gebracht. Er. selbst verdiente daran. Er hat die.Okkupation des Ruhrlandes herbeigo-« führt und die Micum-Berträge, die er abschließeir mußte, fallen, in ihrer Schärfe auf Arbeiter und Erwerbsleute. Er selbst verstand es, sich rechtzeitig vor Schaden zu bewahren. Mitten in der Arbeit Lu den Willen, die seinen Triumph bringen sollten, ist er «ach kaum z.nnimacher Krankheit gestorben. ' .... Die Lodeskraniheit. Sunncs erkrankte bereits vor längerer Zeit an eutent Gallenleiden, das ihn auch zwang, seine parlamentarigchL Tätigkeit — er gehörte dem Rejchstag als Mitglied der deutschen Volkspartei an — aufzugeben. Sein Leidoir machte zwei Operationen notwendig; bei der zweiten, die <m letzten Samstag flattfand, mußte die Gallenblase entfernt werden.. Es stellte sich bald hohes Fieber ein, eine Bauch fellentzündung. hatte den Zustand überaus bedenklich gestaltet. Doch hofften die A'erzte, zumal in der letzten Nacht eine vorübergehende Besserung des Zustandes eintrat, den CKiffon i Herren- und Damenwäsche. Regenmäntel, engl. Wollstoffe, gestrickte Socken, Kleider, Kostüme u. Jumper, »lies erstklassig und billigst im WARENHAUS [Schiffmann II. Taborstraße 48 Telenhon 47*1*73 £n 9 ros En datsl

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