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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-10 · Heft 1851 (10.4.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1851 (10.4.1924)
Date
1924-04-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1851 '* Dien, Donnerstag Vereine, Wortriige und Versammlungen. Zionistische Bezirkssekiou Brig ittenan. Heute, '/,8 Mr abends, im Vereinslokale, 20. Bez., Karl Meißlstraße 5/1, AvSschnßsitzung. A ch d u t h I s r a e l. SamStag den 12. d., */j4 11 br nachmittags, in: Bethause Beth-Israel, 3. Bez., Leopoldsgaste 29, Vortrag Rabbiner M a y e r s o h n über : Programm und Ziel der Achduth-Organisation. Sonntag den 18. d., 4 Uhr nachmittags, im Vereinslokal, 2. Bez., Czerninplatz 4/8, Sitzung des Organisationsbeirates. — V e r e i n d e r oni st ischen Studenten aus Rußland. Jvtsiiaß den 11. d., 8 Uhr abends, allgemeine Versanunlunq im Loruke der Lese- und Redehalle indischer Hochschüler in Wien, 9. Bez., Türkenstraße 9, Hl. Stiege. Tagesordnung: 1. Presseübersicht (Dr. Amdursky); 2. Allweltliche jüdische Studentenkonferenz; 3. Varia. Gäste willkonnnen. * Die Pesfach-Kagaöa. Samstag den 12. d., 11 Uhr vorätittags, wird Herr Lektor Dr. S. Rubin im Vetb-Hamidrasch- Lokale, 2. Bez.. Ferdinandsstraße 23 einen wissenschaftlichen Dortrag halten. Thema: „Die Pessach-Hagada". Zionistische Bezirkssektion Leopoläatadt^ Sektor 2 Heute Donnerstag den 10.d., präzise 8 Uhr abends, im Wiens* B ü r g e r - C a f £, 2. Bez., Prater st raße 11 Vortrag Herr Karl Glaser Delegiert«! der Keren Kajemeth-Hauptdurea«» für das deutsche Gprachgedietr ,Der Keren Kajemeth, die Grundlage der jüd. Arbeit in Palästina" Ebendort jeden Donnerstag zwanglose Zusammenkünfte mit Vorträgen Gäste willkommen! Mhne und Kunst. Tanzabende. Maria Ley. — Renee Bandian. — Maina Claes. — Astried Malmborg. Maria Ley tanzt nicht bot Nonacher, sondern im Großen Konzerthaussaal. Sie versucht, ein Lieblingskolloquiimn über den Tanz abznhalten, das seine Geschichte in drei Epochen umfaßt, aber sie stellt nur «ihre unpersönliche Technik heraus und wechselt dazu das Kostüm. Ihre Eitelkeit berauscht sich an den Namen Lola Montez und Fanny Elßler und kreuzt ihre geschmeidige Klinge mit den Erfolgen hervorragender moderner Tanzkünstler, wie Wigman, Impekoven, Leontjew oder Bodenwieser. Denn ihre Waffen, ihr Leichter, den Anblick erfreuender Körper, ihr anmutsvoll wechselndes Mienvnspiel, die von ihr mit bezwingendem Geschmacksreichtum gewährte Kleiderschau, werden nicht nur in Men, sondern auch in Paris den Kampf um den PMÄumserfolg bestehen. Aber bei der kleinen, pantouvimif ch -Par od istischen Begabung der Maria Ley, deren Wirkung bloß bis zum Sehnerv des Zuschauers dringt, will auch die Frage nach dem Umfang ihrer rein tänzerischen Begabung gestellt und .beantwortet.sein. Die Solotänzerin eines Kostümballes scheint weniger Wert darauf zu legen. Der Tanzabend, den Renee B a n d i a n, Maina ClaeS und Astried Malmborg veranstalteten, bot — nach langer Zeit wieder — starke Eindrücke, die hauptsächlich von der wachsenden Begabung der jungen Schwedin Maina Claes ausgingen. In Hellerau ausgebilüet, fiel die Künstlerin schon als sechszehnjähriges Mädchen auf ihrer Tournee durch Deutschland auf, als sie sich mit der Finnländerin Esther Naperstok verband und 31t ihrer persönlichen, wuchtigen Note den kapriziösen Stakkatogeist ihrer zarten Partnerin hinzufugte, gleichsam als ob das Grundthema nur durch ein zart gehobenes Ornament in klarster Fassung hervorstrahlen könnte. Daß sie sich selbst nicht untreu geworden ist, bewies sie am eindringlichsten in ihren drei Solotänzen. Sie zeigte in ihnen Sinn für Gestaltung und Ban eines Kunstwerkes; in einer Polonaise und Musette von Bach wägt sie das Thema nach seiner Schtvere aus, führt die Bewegung linear weiter und unterbricht sie plötzlich, hält eine Panse mit ihrem ganzen Körper durch, kehrt den Akzent ruckweise hervor und unterbricht doch nicht die Linie. Als Gnomus zu der cvdfvsten Musik von Mussorgsky stellt sie ihre ausgezeichnete Sprungtechnik in ben Dienst der tänzerischen Eharakterfärbung und benützt den Purzelbaum als organisches Motiv zur Gliederung. Ihre Musikalität feiert ihren Triumph in einem Tanz von Arensky. Den Gegensatz zwischen dem ersten und zweiten Thema, zwischen kraftvoller Wildheit imb zart anschwellcnder Grazie, bändigt sie in einer streng geschlossenen Konrposition und ist doch frei von starrer, unsinnlicher Jntcllektnalität. Renee Bandian leidet an Phantasiemangel in ihren Tänzen. Ein Präludium von Bach knüpft sie an einen schwachen tänzerischen Einfall und wiederholt diesen, ohne ihn charakteristisch zu steigern. In einen! Balse Allemande von Schumann weiß sie mit dem nitplastischen Thema des Hanptteiles nichts ansufaugcit, aber int zarten Trio schmiegt sie sich an die Musik an und wird von ihr anmutsvoll getragen. Ente Melodie für Flöte von Pctyrek, ein Pastorales Thema, wird von ihr idyllisch hingelupft und mit ihrem Körper innig verschmolzen. Astried Malmborg, eine junge Schwedin, hat ihren Körper gleichfalls noch nicht so in Gewalt, um ungezwungen aus ihm hcrausgestalten zu können. In einem Pastorale von Scarlatti ist die Sprache ihrer Handobewegungen zwar eindringlich, die Ungelöstheit des übrigen Körpers aber ein Hemmnis. Aber in eine Mazurka von Chopin, tu der die Musik für sie tanzt, legt sie, ohne das nationale Moment aufdringlich zu betonen, weiche Anmut und duftig schwebende Zartheit. Für Gruppentänze ist Wohl der Neue Saal der Hofburg ein ganz ungeeigneter Boden. Wir hoffen, bei günstigerer Gelegenheit ans den kontrapunklischen Tanz zurückkommen zu können, den auch Maina Claes an .diesem Abend zur Diskussion gestellt hat. Alfred Sandt. Wiener Myroenzeituna. Sonntag de« 13. April «m 7J Uhr abends int großen Saale des Ingenieur- und Architektenvereines, l. Escheubachgasse 9 Vortag Uriel Birnbaum «US eigenen Werken (In Gottes Krieg, Leben in Liebe, Biblische Sonette) Karten bei Richard L a n y i, l. Kärntuerstr. 44, R. L L lv it, l. Rotcntunnstr. 19, und im Kartenbureau „Basar", L Notenturmstraße 19 Rubinsteins „Turm zu Nabel". Aufführung des Hakoah-Orchefters. Schon vor zwei Jahren hat das H a k 0 a h - O r ch e st e r in Verbindung mit dem I ü d i s ch e >r Gesangverein mit der Aufführung von Airton Rubinsteins geistlicher Oper „Der Turm zu Babel" einen Erfolg erzielt, der nicht iu letzter Linie der vorzüglichen Disziplin und künstlerischen Arbeitsfreude der Mitwirkeuden zu danken war. So auch kürzlich, da Kapellmeister S. Br a s l a w s k y den „Tltrin jtt Babel" neuerlich so gründlich anfrichtete, daß das Fundament im Chor und Orchester gegen jede Einsturzgefahr gesichert war. Die geistliche Oper selbst, dieses antphibische Mittelding zwischen Oper und Oratorium, scheint uns unverhältnismäßig rasch gealtert: Lange und oft langatmige Sprechgesangspartien, die aus der Wagner-Schule plaudern, wechseln mit hübschen Chören, die in Mendelssohn-Schumannschen Geist geführt sind und mit allerlei liedertafelmäßiger Schablone. Erft im letzten Teile, wenn es zur Auswanderung der Völker kommt, fließt der melodische Quell reicher und selbständiger und der prunkvolle hallelujatische Schlnßchor versöhnt mit allen Aeiißcrlichkeiteu dieser biblischen Musik, in der das Biblische mu selten schärfer charakterisiert ist. Immerhin bietet das Werk für die Ausführeuden dankbare Partien: Chor, Kinderchor und Orchester, die Herren Leo K a p l a n, Karl N e u m a n n und Dr. Leo Szamek beherrschten ihre schwierigen Aufgaben und der vortreffliche Kapellmeister S. Braslawsly wurde für seine begeisterte Rubinstein-Schwärmerei mit begeistertem Beifall bedankt. flb. Marie Nemeth. Der Vertrag zwischen dem Qperncheater und Frau Marie Ne me t h ist perfekt geworden. Die Künstlerin wurde vom Beginne der kontmenden Spicilzeit an für sechs Jahre dem Operncheater verpflichtet und wird jährlich ungefähr zwanzigmal an der Budapester Oper gastieren. Konzert zugunsten der israelitischen Blinden. Sonntag den 13. d., 7 Uhr abends, findet im Konzertsaal der Sezession, 6. Böz., Getreidömarkt, ein Konzert des bekannten Künstlers Bernhard Vahda statt. Der Künstler wird eigene Werke unter Orchesterbogleitung zum Vortrage bringen. An dieser Veranstaltung wirken unter anderem Mit: Fräulein Lilly Mottony und Herr Max Kriener (Volksoper) u. v. a. Der gesamte Reinertrag fällt dem Hilssverein der israelitischen Blinden zu. Karlen zum Preise von 16.000 K. bis 60.000 K. sind im Musikvereins-gebäude, in der Sezession sowie au der Abendkasse erhältlich. Hageubund. Am letzten Sonntag wurde in den Räumen des Hagenbundes die Ausstellung junger tschechischer .Künstler „Die U nt e n t w e gten" und die Kollektivausstellung des Malers Anton Trc'ka eröffnet. Zur Eröffnungsfeier halten sich uniler anderem der tschechische Gesandte Dr. Krafta und Generalkonsul Dr. Starck eingefunden. — Seine diesjährige Frülhjahrsausstellnng eröffnet der Hagentbund am 10. Mai. Das Programm des diesjährigen Frankfurter Tonkünstlersestes. Auf dem 54. Toirkünstlerfest, das vom 9. bis 15. Juni in Frankfurt a. M. abgehalten wird und das ein Chor- und zwei Orchestertkouzerte, ein a oapella-Chorkonzert und einen Vortrag von Alois H a'b a über Vierteltomnnsik mit praktitschen Bovfühvuuigen im Programm cmsweist, werden außer den von uns bereits gemeldeten -Werken folgende Komponisten Miit ihren Werken vertreten sein: C. Rathaus (Symphonie), Jan von I ngenh 0 fe u (Symphonische Phantasie), Gerhard von K eul ß l e r („Zebaoth", großes Chorwerk), F. Bnsoni (Qrchestergesängc), Alexander Jemnitz (Quartett für Trompeten), Alban B.erg (Szenen aus der Oper „W 0 z z e k"), ferner a caPella-Chor.gvs.nge von Hans Pfitzuer (ColuMbus), Felix Petyrek (Irrende Seelen), Arnold S ch ö n b e r g (Friede auf Erden). Zu Ehren des 60. Gelburtstages Richard S t r a u ß, den Ehrenvorsitzenden des Allgemeinen deutschen Muslikvereincs, werden des Meisters „Deutsche Motette" und „Sinfonta Domestioa" (diese erlebten beim Tonküatstlerfest in Frawkfnrt a. M. vor 20 Jahren ihre Uraufführung) in das Programm ausgenommen. Oer englische lAinisterpräsickent Ramsay Mac Donald schreibt über seine Palästina-Reise unter anderem: ln einiger Entfernung von der Strasse sieht man vereinzelte Gruppen von Zelten oder ganze Dörfer, die sich so nett, so hübsch and reinlich repräsentieren ... als wären sie ans irgend einer Stelle Westeuropas weher verptlanzt . . . alles atmet Jugend, Kraft und Leben. Di es e Siedlungen sind die Grandsteine des neuen Landes Israel, sind die Eckpfeiler, anf denen sieh die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit des neuen Palästina anfbauen wird. (.Nenea Wiener Tagblatt“, 8. April 19<?4.) Die jüdische Leistung im jüdischen Palästina hat Anspruch auf die Anteilnahme jedes einzelnen Juden . . . Kommt, seht, urteilt! U r a u f f ü h r u n g d e s F i 1 m s: Eine Reise durch Eres Israel im Jahre 1923 Sonntag den 13. April, 11 Uhr vormittags, Kammerlicht* spiele Schwarzenbergplatz. Kartenverkauf: Bureau des Jüdischen Nationalfonds, II., Zirkusgasse 33. Bureau des Keren Hajessod, I., Bauernmarkt 24, Buchandlung Löwit, I., Rotenturmstrasse 22, und an der Kasse der Kammerlichtspiele. Am Aufführungstag nur bei den Kammerlichtspielen von 10 Uhr an. 1*; 10. AM 1924' . t An» dm Theatern. Bn rgtheater. Margen Freitag um 7 Uhr »Del Alpenkönig und der Menschenfeind". Akademietheater r Morgen Freitag nm Y»8 Uh» abends „M i t t a g s w e n d e". Volksoper. Heute Donnerstag „Der Waffen» s ch m i e d". Morgen Freitag „P e l o p 8 Brautwer» b u n ft". Samstag den 12. d.: Gastspiel Pasquale A m a t » 9 als Scarpia in „T o 8 c a". Deutsches V o l k s t h e a t e r. Die heutige Auf» führung von Gustav F r e y t a g 8 Lustspiel „Die Jour» n a l i st e n" mit Dr. Rudolf T y r o l t als Schmock &*» ginnt um 7 U h r. Raimnnd-Theater. Sonntag nachmittags ge» langt das lustige Zaubermärchen „Der O st e r h a s e" von Emil Jankä zur Erstaufführung. — Dienstag findet di« Premiere des Schauspiels „)l n a r ch i e in S i l l i an* von Arnolt Bronnen statt. Samstag den 19. d. beginn! Elisabeth B e r g n e r ihr diesjähriges Wiener Gastspiel in dem Lustspiel „Ich liebe dich!" von Sascha Guitry. Modernes Theater. Montag eröffnet das Theatre du Grand Guignol sein Gastspiel im Rahmen der Nachtvorstellung. Dienstag gehen die neuen Einakter von Curl Götz „Das Marche n" und „SH e tote % a it t e" tu Szene. Sonntag findet wegen Vorbereitungen zum ftanzösischen Gastspiele keine Nachtvorstellung statt. Serichtssaal. Der lventsche Tag in Thünzea. Aus der bayrischen Ovdmmgszelle. München, 9. April. (Del. der „Wiener Morgenzeiiung".) Wie erinnerlich, wurden Ende Oktober vorigen Jahres in dem bayrischen Städtchen Thün^en dreizehn Dhün^gemer junge Leute, darunter sieben Juden, unter der Beschuldigung des Landfriedensbruches vechastet und nach nrchvfacher Wanderung durch verschiedene Gefängnisse endlich in das Würzburger Gefängnis eingeliefert. Die Vechastumg geschah in Verbindung mit einem am 21. Oktober von dem Verein Bayern und Reich in Thun gen abgchallenen Deutschen Tag, bei welchem es zu einer Schlägerei Mischen Hakenkreuz >l e r n und Arb eit er>n kam, in deren Verlauf einer d:r Hakenbrouzler einen tödlichen Stich am Hal8 erhielt. Sechs Arbeiter wurden als direkt an der Schlägerei Mitbeteiligte festgenonrmen, ^während die sieben Juden, die gänzlich unbeteiligt waren, deswegen verhaftet worden sind, weil man ihnen nachfagte, sie hätten die StöMNig des Deutschen Tages verabredet und dann die Arbeiter zu diesem Zweck bestochen und betrunken gemacht. Ans der dreitätigen Verhandlung ging unzweiifellt hervor, daß alle diese Behauptungen gegen die angaklagten Juden jeder Grundlage entbehrten und daß die Gendarmen, die die Berhaftungcn vornehmen, keinerlei Beweise für ihre Anschuldigringen zu erbringen vermachten. Die Anklage wegen Landfriedensbmches mußt« fallen gebasten werden. Ein Teil der Angeklagten wurde bloß wogen „groben Unfuges" zu geringfügigen Haftstrafen verurteilt. Sämtliche Angeklagten hatten sieben Wochen in Untersuchungshaft znyebracht. lieber die Verhältnisse in Thüngen wird seitens d«S Zeutralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaulbeus mitgeteilt: In Thüngen leiben unter 1000 Einwohnern etwa 200 Juden seit Iahrzohnten im besten Einvernchmen; das Kriegerdenkmal in Thüngen nennt 44 Namen der Gefallenen, unter diesen sieben Juden. Nichtsdestoweniger, konnte die Behauptung der Gendarmen, daß der ganze Widerstand gegen den Deutschen Tag von den Jüden veranstaltet und bezahlt sei, sl> fort öffentlichen Glauben finden. Die Druckkosten für die monarchistische „Staalswehr". Tas Zivilliundesgericht beschäftigt« sich gestern mit einer Klage, in welcher die Mechitaristen-Kougrcgationsdruckerc-i den Eigentümer und Herausgeber der „Staatswehr" Obersten Gustav Wolfs auf Zahlung einer restlichen Druckkostenrechnung für das Blatt im Betrage von 7 Millionen 626.900 Kronen geklagt hatte. Oberst Wolfs ließ Ende vorigen Jahres die „Staatswehr" in dieser Druckerei nach vorhergehenden Vereinbarungen dreimal drucken und es waren bereits für die folgenden zwei Dczembernummern Vordrucke gemacht worden. Plötzlich erklärte Wolfs, daß er die „Staatswehr" anderswo drucken lasse. Sein Vertreter Dr. Hans Fuchs behaWptete. daß Oberst Wolfs nicht die Kosten für den Vordruck und das benötigt Papier getragen habe und daß auch die Kosten für Erudition und Porto zu hohe gewesen feien. Demgegenüber erklärte die Klägerin, daß der Vordruck vereinbart war und auch die Expeditionskosten fix abgemacht waren. Es handle sich bei den Einwendung nur darum, die Zahlung hinmiszuschieben, ein Vorgehen, welches für den tz-erausgeber der „Staatswehr" nicht gerade passend sei. Nachde-in der Direktor der Druckerei bestätigt hatte, daß die Fakturen genau nach >den Vereinbarungen gemacht worden waren und auch keine Bemängelung seitens des Obersten Wolfs erfolgte, verurteilte der Richter den Obersten Wolfs zur Zahlung des emgeklagtcn Betrages. Der schlagfertige Straßenbahnschaffner. Der Kriegsinvalide Franz Kranes, der eine Fnßprothefe ans Holz trägt, wurde kürzlich während der Fahrt ans der Elektrischen von dem diensthabenden Schaffner beanständet, weil er angeblich im Besitz einer ungültigen Fahrkarte war. Der Schaffner sonderte den Kriegsinvaliden auf. den Wagen zu verlassen oder «inen neuen Fahrschein zu läsen. Da Kranes weder das «ine noch das andere tun wollte, wurde er vom diensthabenden Schaffner unter Assistenz des auf dem Wagen in Zivil befmdlichen Schaffners Otto Bergauer einfach gchackt, emporgehoben und wie «in Sack Kohle auf di« Straße gestellt. Berganer soll überdies dem bereits hiliausgeftellten Invaliden mehrere Schläge „auf den HlNterkoPf versetzt haben, wobei der Invalide niederstürzte und sich im Gesicht leicht vorletzte. Berganer, welcher deshalb gestern -beim Strafe-bzirksgevicht wegen Uebertretnng gegen di« körperliche Sicherheit,angeklagt war, gab Mmr zu, den Invaliden auf die Straße hinansgestellt zu haben, stellte jedoch in Mved«. ihm noch vom fahrenden Zug aus einige Schläge auf das Hinterhaupt versetzt zu haben. Mehrere Zeugen bestätigen jedoch, daß Berganer dem Kriegsinvaliden einige Schläge ans das -Hinterhaupt versetzt habe, 'so daß der Invalide, dessen Gebrechen jedermann sichtbar wa-r, nieder stürzte. Der,Richter derurteilte den Beschuldigten zu einer Geldstrafe von 50.000 Kronen eventuell zu 24 Stunden Arrest.

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