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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-09 · Heft 1850 (9.4.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1850 (9.4.1924)
Date
1924-04-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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DsV» I Wen, Mittwoch Ser Setzerstrelk i« Budapest. . Budapest, 3. April. (Uug. Tel.-Korr.-Btlr.) Infolge der Aussperrung der Zeitungssetzer ist Budapest heute ohne Zeitungsnachrichten. Um Mitternacht war « noch ungewiß, ob die sozialdemokratische „Nepzszava" «vscheinen wird. Die Parteileitung hatte gewünscht, d.iß daS Blatt erscheinen soll, doch waren die Setzer des Mattes nicht geneigt, die Arbeit auszunehmen, sondern traten in dttt Sympathiestreik für ihre ausgefperrten Kollegen. Die Regierung ließ unter dem Titel „Regelhireg" („Mokgennachrichten") ein vier Seiten umfassendes Blatt hömusgeden, daß die wichtigsten in- Und ausländischen Nachrichten enthält. Die Druckererbesitzer stellten die Forderung, daß die Arbeiter zur Arbeit zurückkchren und die Bestimmungen des Kollektivvertrages emhalteu. Die Druckereiarbciter haben die Aufforderung der Arbeitgeber, die Arbeit wieder auhunechmen, a b g e l e h n t. Me Bodenreform m Polen. (Eigendienst der „Wiener Morgenztitung".) Warschau, 8. April. Nachrichten, aus dem Finairzininiste- riulN zrffolge soll das Statut der polnischen Agrarbank eine entsprechende Aenderung erfahren, um Liese Bank zu einem Hauptfrktor bei der Durchführung der Bodenreform zu machen. Der Effektenmarkt hat heute eine bedeutende Besserung erfahren in Zusammenhang damit, daß die Banken auf eigene Rechnung größere Essektenkäufe Vornahmen. ES wurde ein B a n k e n s y n d i k a t geschaffen, das unter Zuhilfenahme von RegierungskrÄiten imstande sein wird, Mtien zu lombardieren, und zwar zu 25 Prozent deS Kurswertes, um auf diese Weise Kursrückgänge der Aktien infolge des großen Geldbedarfes zu verhindern. BerlSngerimg des Mieterschutzes in der Achecho-Slowakei. Prag, 8. April. (Tfchecho-flow. Preßbureau.) Zur houtigen Sitzung des Abgeordnetenhauses erschienen von der aus neun Abgeordneten bestehenden ersten parlamentarischen Vertretung des autonomen Karpathorußland acht Mgeordnete, die unmittelbar nach Eröffnung der Sitzung vom Präsidenten Tomasek mit einer Ansprache begriißt wurden. Das Haus ging sodann zur Tagesordnung, der Fortsetzung der Debatte über das Mieterschutzgesetz, über, das im Prinzip eine Verlängerung des bisher bestehenden Zustandes um ein Jahr bedeutet. Das Gesetz wurde unter Ablehnung sämtlichem AbänderungSantrage in erster Lesung angenommen. Me Ganvertrelung in Neutra. Prag, 8. April. (Tschecho-slowakisches Preßbureau.) £et den Wahlen in die Gauvertretung entfielen bei 204.846 abgegebenen Stimmen auf die slowakische Volkspartei 9, die tschecho-slowakische sozialdemokratische Partei 1, - die ungarische christlichsoziale Partei 4, die jüdische Partei 1, die republikanische Partei der Agrarier und Kleinbauern 9, die tschecho-slowakische sozialistische Partei 2, die ungarische Partei der kleinen Landwirte 4 und die kommunistische Partei in der Dschecho-Slowakei 6 Mandate. Auswanderungsbewegung unter den Juden Karpathorußlands. Aus Prag berichtet I. T. A.: Durch Lizenzentzichungen unk anderen Maßnahmen hat sich die wir tschastliche Lage der Juden Karpathorußlands so verschlechtert, daß eine starke Auswanderung eingssetzt hat. Auf die Intervention des Herrn M. Guttmann hin, der jüngst in Paris in Angelegenheiten des karpachorussdschen Judentums interveniert hat, wird sich der landwirtschastLiche Inspektor der Jca, Herr Mirkin, gelegentlich seiner Reffe nach BeßaraD-ien einige Zeit in Karpathorußland auHalten, um die Möglichkeit einer Besserung der Laye der kleinen jüdischen Landwirte daselbst fr studieren. Es wird die Errichtung einer jüdischen Lehraxttt geplant. _ Snfonb. Sie internationale Böllerdundliga und der Numerus clausus. - Paris, 8. April. (I. T. A.) Während ihrer letzten Sitzung rm Haag hat die M ino ritäte nk o mm iss i ütt der internationalen Union der Völkerbundsligen die Nurrterus elausus-Frage, die schon während dev letzten Sitzung in Zürich besprochen worden war, wieder in Erörterung gezogen. Das Komitee der jüdischen Delegationen hatte Herrn Tsatskis nach dem Haag gesandt, damit er die Mitglieder der Minoritätenkommisswn über die mit dem Mmerus clausus in den verschiedenen Ländern in Verbindung stehenden Tatsachen informiere. Zu Beginn der BevatuNgen wurde eine Zuschrift Prof. A u l a t b § verlesen, in welcher dieser energisch gegen den die Minoritätenkommission und die Rechte des Individuums verletzenden Numerus clausus protestiert. Der polnische Delegierte erklärte» der Nnnievus clausus werde in Polen nicht durch administrative Methoden zur Anwendung gebracht. Die Kommission sprach sich zmn Schluß gegen die Einschränkung der Zahl der den Rasse- oder Religionsminoritäten angehörenden Studenten aus und beschloß, weitere Erkundungen über diese Angelegenheit einzuziehen, aus der im Juni in Lyon stattsind enden Sitzung die Frage nochmals zu behandeln und in einer R e s o l u t i o n die Stellung der Kommission endgültig zu vreffsiercn Wiertev Morgenzeitung. Re letzten Kurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) LsnSon, 9. April. (Radio.) DövlseNschlüßkurse: Prag 148, Neiv-Uork 4,32'»/,.. PattS 74,82»/.. Brüssel 87'/., Rom 97'/», Zürich 24,77'/,, Madrid 32,88'/„ Amsterdam 11.63»/,. Küpenhageü 36,15, CLMaNiü 31,62'/., Stocklwlm 16,33'/», HelsingforS 173, Berlin 20'/, Billionen. Wien 306,000, Athen . London» 8. April. /Radio.) Wechselkurse r Amsterdam 11,37'/„ Berlin 20'/4 Billionen. Belgrad Prag Wien 305,500,' Budapest 300.000 LiS 400.000, Bukarest 825, Paris 74,27'/,. Brüssel 87,6'/., Rew-York 4,63'/., Sofia 660, Kopenhagen 26,17'/,, Stockholm 16,39, Cbristiania 31,6'/„ KvNstcmtinopel Athen —, Französischer Franken Riga Warschau 89 bis 44 Will., Schwch 24,76'/„ Petroleum Shares —, Rom 97,37'/„ Madrid Paris, 8. April. (Radio.) Effektettschlußkurse: Banque de France —, Pragobanka 415, Credit LyonaiS 1660, Suez 9680, Platine'684, Dabrowa 794, Banque Ottomane 7,38, Central Mining 798, Rio Tinto 2435. Le Raphte Russe 356, Succeried Cghpte 931, Baku 2285 Cautchoues sin 153.— Chartered 51,75 DebeerS ordin. 927, GoldsteldS 51,50, HuanchükaS 260, Jägers Fontain 820, Malacca ordin. 185,60, Malhofs 362, Morican Caale 78.50, Padana 334, Rand Fontain 78,50, Randmine 214.50, Silva plana 167, Tanganyika 123, Tubice. soie 535, Utah Covper 1140, Shell 839, Royal Dntch 28.150, Bnrmah —, Societe generale —, Steaua Rornana —, Schneider u. Cie. —, Metropolitaine , Thompson Houston —, Raffinerie sah ord. —, Russe cons. 4*/0 Russe' cons. 3% 1891/94 Russe cons. 3°/, 1896 , Russe cons. 3'/a% 1894 Rufs, cons. 5°/, 1906 —.—. Russe cons. 4ya°/0 1909 Serble 4#/0 1895 —.—, Dette Ottomane 4®/o —, Ottomane 6®/01914 New-Vork. 8. April. (Radio.) Devisenschlußkurie: Taggeld 5°/0, Wechsel auf London 4,32,62, 60 Tage-Wechsel 4,30,62, Paris 5,87, Amsterdam 37,24, Prag 2,96'/., Berliner Schlußknrs 217,-21'/,, Silber 68«/,. Das Bofel-Hans. Gestern wurde im Parlament «das Referat des Berichterstatters Volker über die Veräußerung eines Teiles des Baugrundes am Ballhaüsplatz und des Akademietraktes verteilt. Das Gesetz wird morgen im Nationalrat der zweiten Lesung unterzogen. Der Ausschußbericht begründet den Verbcuff des Akademie traktes der Stistskaserne an die Wiener Mcsse-A.-G. mit der Raumknapp h e 11 der Wien e r Messe. Die Anmeldungen zur Frühjahrsmesse 1924 ergeben einen RaumansPvuch von über 50.000 Quadratmeter Nettobelag. Von diesem Raumanspruchekonnte jedoch die Messe nur 60 Prozent, das sind Ab000 Quadratmeter, befriedigen, während die restlichen Platzwerber' mit ihren Ansprüchen abgewiesen werden mußten. Die Regierung hat sich daher entschl>ofsen, dem dringendsten Raumbedarf der Messe durch die entgeltliche Ueberlassung der @tt*f t'gtaf etitc abzuhelfeu. Auf diese Weise wird die Messeleitung in die Lage versetzt, den ihr zur Verfügung stehenden Raum au f e twa 40.000 Quadratmeter zu erhöhen. Der Präsident der Unionbank Siegmund Basel hat sich bereit evklärt, aus dem im Eigentum des Bundes stehenden Baugrund, Ballhausplatz-Minovitenplatz-^Schauslergasse, innerhalb von 15 Monaten ein Zentralarchiv g e b ä u d e mit den erforderlichen Kanzlei räumen aus seine Kosten zu errichten und außerdem eine Barzahlung von insgesamt 3,3 Milliarden Kronen an den Bundesschatz zu leisten. Der Mademietrast. der Stiftskaserne samt einem Grundstreisen wird ins Eigentum der Wiener Messe-A.-G. übertragen werden, wofür sie sich verpflichtet, Basel einen Betrag von 3,2 Milliarden zu leisten. Auch hat die Wiener Messe-A.-G. dem Bund ein Pauschale von 300 Millionen Kronen für. die Uebersiedlung des Kriegsarchivs zu bezahlen. Basel übergibt die vollständige Durchführung des Baues des. Zentralarchivs einer von ihm zu ioählenden Baufirma (nach dem derzeitigen Stand der Verhandlungen voraussichtlich der A l l g e m e i n e n ö st e r r e i ch i s ch e n Baugesellschaft). Heute Radis-Konzert halb 5 bis halb 6 Uhr nachm«, Hotel de France (Eirrg. Maria Theresienstr. 4) u ir e tt t a e l t l i ch am Schotte der „Wr. Morgen?)eikung", 2. Aez.» Taborstratze 1-^3 Programm des Komertes: (Alt-Wiener Nachmittag) 1. Millöcker: Ouvertüre zur Operette „Der Bettelftudcnt". 2. Zeller: Wie mein Aehul zwanzig Jahr. 3. Schubert: Der Neugierige, Lied (Bertold Siving). 4. Kreisler: Liebcsleid (Violinsolo: Silving). 5. Johann Strauß: Freut euch des Lebens (Kauzertwalzer). 6. Gesangsvortrag. 7. Kapelle: Ich Hab' einmal ein Räuscherl g'habt (Alt- Wiener Lied). 8. Pick: Das Wiener Fiakerlied. Konzert: Das Silving-Qu './ltt/^. KV;';y > ’-w. 'L... m..±‘ WM 9. Apvil 1984_Nr. 1850 La» Ende der Bndgetbrratnng. Ein Abgang von 905 Milliarden. Der Finanzausschuß ist gestern endlich mit der Bera tUng des BundeLvonanschlages fertig geworden. Di« Der. Handlung des Budgets im Nationalrat wird vovauKsichllilj erst nach Oster» beginnen. Die Debatte-über die letzten Budgetkapitel ging glatt und in ziemlich konziliantst Form vor sich, wa'S darauf schließen laßt, daß die Regie, vung bereits mit der Opposition Verhandlungen über all« schwebenden Fragen, als da find: Normalbudget, Abgaben tei-lung und Besoldungsreform, cmgekmipft hat. Zum Kapitel Finanzen brachte Abgeordneter Mo. rawitz Beschwerden über die Zustände im Guv genland vor. .Mr die Beamten sind keine Woh. nungett vorhanden; am 1. Mai steht die Delogi» rung von LL Beamtenfamilie n bevor. In oinsw burgenländischen Bezirk ist der Richter in e i n«m A r r e st emguartiert worden, der zu Wvhnungszwecken erst adap. ttert worden ist. In einem anderen Bezirke wohnt ein höherer Berwaltur^Sbeamter in der Waschküche des Ylmtsdieners. Fwanzminister Dr. Kienböck erklärte sich mit dem Anträge Ellenbogen einverstanden, einen besonderen Paragraphen „SozialisierungSkommissio^ mit einem Bettag von 72,484.000 K. ettrzuschaüen. Abgeordneter Skarrt kvittsierte die Praxis bei der Steuereinhebnng. Die Art, wie mall mit den Tteuerttügern verfährt, ist einer wahren Landplage geworden. Äeschäftsleutt beklagen sich, daß sie, trotzdem sie ihre Steuern voll bezahlt haben, nach Jahren exekutive Nachtragsvorschreibuftgen bebMmett. Es wird aber nicht einmal Auskunft gegeben, woher die Nachträge stammen. Hier muß Ordnung gemacht werden. In der Ettverbstenerberufungskommisiion erliegen Berufungen aus den Jahren 1920 und 1921 gegen eine vorgeschriebene ErwevbSsteuer in der Hohe von 80, 120, 200, 300, 320 und 340 K., selten über 1000 K. ^Das Papier, welches für die Akten verwendet wird, kostet allein mehr als die dorgeschviebene ErwevbSsteuer beträgt. Daß dies noch möglich ist, beweist die Rückständigkeit unseres Steilerverfahrens. Abgeordneter Dr. Dann eberg zitierte den ,L)esterveichischen Volkswirt", der die Frage aufgeworfen hat, was denn eigentlich mit den Bettägen geschehen ist, die der Geileralkommissür im Jahre 1923 flüssig gemacht hat. Nach seinen Mitteilungen sind im ganzen 253 Millionen Goldkronen bis Ende 1923 aus dem Völkerbundkredit der Regierung gegeben worden. Davon entfallen 67 Millionen Goldkronen noch aus das Jahr 1922. Da das Defizit nach den Mitteilungen der Regierung 113 Millionen Goldkronen ausmacht, so ergibt das im ganzen einen Bettag von 180 Millionen Goldkronen. Wenn im ganzen 263 Millionen Goldkronen flüssig gemacht worden sind, erübrigt also noch ein Rest von etwa 70 Millionen Goldkronen, über den die Regierung verfügen müßte. In den Händen der Regierung müsse, sich demnach ein Betrag von einer Dillion Kronen befinden. Finanzminister Dr. Kienböck versprach, dem vom Abgeordneten Skaret bemängelten Uebelstande abzuhelfen. Heute schon eine Richtigstellung der Budgetziffern vorzunehmen, wie es Abgeordneter Dr. Danneberg gewünscht hat. wäre nicht angängig, da wir die Gebarung des heurigen Jahre'S noch nicht genügend übersehen, können. „Ohne daß ich apf die Vorgänge, die sich jüngst auf dem Effektenmarkt abgespielt ha'ben, ein allzu großes Gewicht lege, bitte ich, doch nicht zu übersehen, daß diese Vorgänge nicht ohne Rückwirkung aus unsere Wirtschaft und auf die Steuererträgnisse bleiben werden. U-eberhaupt ist unsere wirtschaftliche Situation nicht so rosig, daß wir uns einem schrankeniosen Optimismus hiugeben könnten. Wir haben mit sehr ernsten Problemen zu kämpfen und werden glücklich sein, wenn wir zu dem Ziele gelangen, das wir erreichen wollen. Unsere oberste Ausgabe ist, die Finanzen in Ordnung zu bringen, unsere nächste Aufgabe, durch unser Verhalten in diesen Monaten zu erwirke,: und zu sichern, daß die zuständigen Organe des Bölkerbu'Ndcs die Sanierung im gegebenen Moment als eine vollzogene ansehen und zu gegebener Zeit die Voraussetzungen als eingetreten erklären, von denen das Aufhören der Kontrolle abhängt." Nach Annahme der Gruppe „Finanzen" rose» vierte Abgeordneter H e -i n l über das F i n a u z g e s z tz. Er stellte fest, daß sich nach Berücksichtigung der vom 'Ausschüsse vorgenommenen Blenderungen ein Gesüwtabgattg von 665 Milliarden ergibt. Daraus geht hervor, daß die im Voranschläge &ci vücksichtigten Maßnahmen noch nicht ausreichen, um das int Sanierungsproqramm veranschlagte Gebarnngszicl zu erreichen, und daß es daher notwendig ist, weitere Maß nah meuzu m Zweckeder Ve r ringeruug der Ausgaben und der Cvhöhnng der Einnahmen zu treffen. Schließlich wurde auch das Jinaltzgesetz a n g e n o mm e n. Damit ist die Bndgeberatnng tut Ausschuß e rledigt. _ MderösterreWscher Senat«®. Ter niederöstcrreichlsche Landtag hielt gestern kurze Geschäftssitzn-ng ab, in der Präsident I u k e l dein verstorbenen Prälaten Scher che r einen Nachruf hielt. r;t^r.S2£Sl.jJL

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