Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1849 (8.4.1924)
- Date
- 1924-04-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ffe. 1849 ©tat, Dirn-tag " Inland. Semeklldervtrwahlen in KSmten. Sonntag wurden in Kärnten, mit Ausnahme der Landeshauptstadt Klvgenfurt, die Wahlen in di« (Äemeindevevtvetungen durchgcführt. Es kam zu keinerlei Zwischenfällen. In der überwiegenden Zahl der Gemeinden warm die b ü r g e r l i ch e n P a r t e i« n zn einer Einheitsliste zusammengeschlossen. Die Nati onalsozialistcn wählten auf eigene Listen. In B i l l a ch entfallen auf die Sozialdemokraten 16, aus die E i n h e i t s l i jt c 10 und auf die N a t i o n a l f o z i a l i ft e n 3 Mandate. In St. Veit a. G. auf die Sozialdemokrat t e n 17, die E i n h e i t s l i st« 11 Mandate. Zn Spittal a. D. auf die Sozialdemokraten 13, auf die M i rts ch a f t s pa r t e i 12 und die Nolioualsozialisten 3 Mandate. In Wolfsberg echielten die Ei nhe itSli ste 17, die S og i aldeni ok rate n 10 und die Nationalsozialisten 1 Mandat. Ser verlanf der BallhausvlatzgrSntze an das Bankhaus Basel. Als vorläufig einziger Punkt der Tagesordnung der nächsten Nationalratssttzung, die für Donnerstag den 10. d. einberuf«n wurde, ist die Regierungsvorlage iiber den Verkauf des Baugrundes auf dem Ballhausplatz an das Bankhaus B o s e l in Aussicht genommen, das dort ein B a n k p a l a t g für eigene Zwecke und e i n A r ch i v g e b ä u d e für den Bund errichten will Die Großdeutsrhen wollen unter keinen Umständen für das Gesetz stimmen und werden sich wahrscheinlich von der Abstimmung aus dem Sitzungssaal entfernen. Kral in Konftautinstzel. Gesandter Kral hat sich gestern von Sofia auf ^imn neuen Posten ht Konstantinopsl begeben. Tagesbericht. Las Schachtnrnier in Rew-Vort. (Eigerrdienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rew-Uock, 8. April. Nachdem Bogoljubow seine Hängepartie gegen Dr. Emanuel La8ker aufgegeben hatte, gelangte dieser mit 8,5 Zählern wieder an die erste Stelle im Turnier; Laskers Spitzenstellung erschien umso fester, als er noch eine Hängepartie gegen Janowski hat, die für ihn günstig steht. Aber die vierzehnte Runde brachte die große Neberraschung: Dr. Laster erlitt die e r st e Niederlage in diesem Turnier durch seinen Weltmeisterschaftsgegner Capabla n c a, gegen den er nach 50 Zügen aufgab. R e t i war in dieser Runde spielfrei. Aljechin konnte gegen Maro egy nur remis erzielen. Dagegen gewann Dr. Tartakower gegen Marshall (61 Züge), den «r dadurch überflügeln lor.ntc. Bogoljubow schlug Eduard Laster nach 67 Zügen. Die Partie I a n o w 8 k i—-A a 1 e s wurde nach 63 Zügen abgebrochen. In der, 15. Runde war Dr. Dmanuel Lasker spielfrei. Capablanca konnte durch einen neuerlichen Sieg, diesmal über Janowski an die Spitze gelangen. Eine Neberraschung war der kräftige Sieg Marshalls über Reti. der nach 30 Zügen aufgeben mußte. Aljechin schlug Dates (32 Züge) und ist dadurch in die unmittelbare Näh« Doktor LaSkers gerückt. Tartakower mußte gegen Bogoljubow nach 66 Zügen aufgeben; der Russe verbesserte durch diesen zweiten Sieg seine Stellung im Turnier erheblich. Die Partie M a r o c z y—Eduard Lasker wurde nicht beendet. Illach der 15. Runde ist nunmehr der Stand folgender: Capablanca 9F, Dr. Emanuel LaSker 8,6 (1 Hängepartie), Aljechin 8,5, Reti 8, Bogoljubow, Marshall je 7. Dr. Tartakower 6,5, Maroczy 6 (1 Hängepartie), Eduard Lasker 4 (1 Hängepartie), Janowski 8,5 '2 Hängepartien), Dates 8,5 (1 Hängepartie). Ire kntwiülnng des indischen Realshmnafinm» Die Räume zu klein. Es ist in weiten Kreisen bekannt, daß das Wiener jüdi'cka Realgymnasium, welches vom jüdischen Schulvcrein ün -ovii}re 1010 gegründet wurde, eine außerordentlich g ü u sl i g e Entwicklung genommen hat. Die jüdischen (Silent, die ihre Kinder dieser Musteranstalt anvertoanen, wissen sic in den besten Händen. Die Anstalt, welche gegenwärt in bis zu-- -misten Klasse gediehen ist und jetzt schon von A-t Schülern besucht wird in sieben Abteilungen wirken -<> ich rer —. ist seit dem Vorjahre im Pollak-Rudin.schen Ltisluuashause fü. Bez., Castellezgasse 35) untengebracht. Da8 Hans ist überaus günstig gelegen, mitten im judenreichsten Teile Wiens, hat große helle Lehrzinnner und einen geränmi.ien Hch. an den unmittelbar der Augarten angrenzt. Das Programm der Schule ist das eines staatlichen Rcalgvmnasiums. Tie Schüler erhalten von Anbeginn gründlichen Unterricht im Hebräischen, das als moderne Sprache gelehrt wird. Nach sorgfältigster Methode studiert die Jugend die Bibel im Urtext und die jüdische Geschichte. Eine systematische Darstellung der jüdischen Literatur und anregende Lelktüre wichtiger Textproben beginnt in der fünften Stufe. Die außerordentliche Liebe, mit welcher We Wiener Morgenzettung. _8, April 1904 SWte I Erdbeben und Bullane. Ein Bortkag im naturhistorischen Museum Gestern wirrde dev im Naturhistovischen Museum neu eingerichtete Vortragssaal durch einen im Rahmen des „Vereines der -Freunde des Naturhistovischen Museums" a'bgehalteiieu Vortragsabend eröffnet. Der Protektor des Vereines. Bundes Präsident Dr. Lvdichael Harnisch gab durch sein Erscheinen dem Ereignisse eine besondere Bedeutung. Hofrat Prosi Tr. F. ik. Schaffer sprach über „die Wandlungen des Bildes der Erdoberfläche", in dem er in scharf skizzierten Umrissen ein Bild unseres Wissens von den großen Veränderungen gab, die unsere Erde im Laufe ihrer Enttwicklung erfahren hat. ES gibt stabile Schollen der Erdrinde, die seit den ältesten Zeiten ziemlich unverändert die Kerne dar Kontinente und die Böden der ozeanischen Becken geblieben sind, sodann labile Zonen, di« zwischen beiden liegen. Tie starren Schollen führen vertikale, schwingende Bewegungen aus, die zur Neberflulung der Festländer führen. I-n den beweglichen Zonen werden die großen Massen von Sedimenten abgelagert, die durch horizontale Bswegnng zu Gebirgen ou.fgefal.tet werden. Durch diese vergrößern sich die starren Ärustenteile und die Züge der Erdoberfläche erstarren fortschreitend. Ter Ausdruck für diese gebirgsbAdenden Vorgänge, die gegenwärtig auf zwei schmale Zonen rings mit den Pazifischen Ozean nnd durch Südeuropa und Südasten bis nach dem Hinter indischen Archipel beschränkt find, sind die Erdbeben. Doch zeigt sich, daß diese Erschütterungen in einer gewissen nach Zonen sich bewegenden Ordnung zwischen dem 10. Grad nördlicher und südlicher Breite erfolgen. Ter Sitz der Katastrc-phe-nbebcn liegt an den Schnittpunkten dieser Breitcgrade mit den jungen Gebirgszo-nen und dort, wo beide z u s a m m enfallen. Die vulkanischen Erscheinungen sind auch auf diese jungen beweglichen Zonen «adlokvnzert IHitllinif[intlllllHltlIUl!i!!ElllllltlllIitllinii!lllUljHllllllllllliltlIUUIilllillllU!ttlllliltUI!ll Mittwoch ben 8. April tum halb 5 bis kalb 6 Uhr nachm., Hotel de Frauke (Eingang Maria Lhereftenftrabe 4) unentgeltlich am Schalter der „Wr. JiUlltll Morgenzettnng", 2* Sez.. Taborftratz« 1—3 iiiiiimiiiiiwiimiiiiiiiiitiiiuiimiiiiiimmiiimiiiiimiiiiniiiiiiiitiiiitm Programm des Kornettes: (Alt-Wiener Nachmittag) 1. Millöcker: Ouvertüre zur Operette „Der Bcttelstuderit". 2. Zeller: Wie mein Aehnl zwanzig Jahr. S. Schubert: Der Neugierige, Lied (Bertold Siving). 4. Kreisler: Liebesleid (Biolmsolo: Silving). 5. Johann Strauß: Freut euch des Lebens (Konzertwalzer). 6. Gesangsvortrag. 7. Kapelle: Ich Hab' einmal ein Rauscher! g'habi (Alt- Wiener Lied). 8. Pick: Das Wiener Fiakcrlied. Konzert: Das Silding-Ouartett. Schüler an dieser Anstalt hängen, ist der beste Beweis für den großen Wert dieser jüdischen Erziehungsanstalt. Die öffentlichen Behörden haben wiederholt nach gewissenhaftester Prüfung den verantwortlichen Lettern de! jüdischen Reallgymnasiurns vollstes Lob gespendet, und es erfüllte die Pioniere des jüdischen Schulwerkes mit großer Genugtuung, als dem jüdischen Realgymnasium das Oeffentlichkeitsrecht erteilt wurde. Leider stcht der Entwicklung dieser jüdischen Erziehungsanstalt ein neues Hindernis entgegen, welches unbedingt rechtzeitig beseitigt werden muß. Die varhcmdenen Räume für den Schullbetrielb werden im nächsten Jahre, wenn die sechste Klasse hinzukommt. nicht mehr ausreichen. Da nur fünf Klassenzimmer verfügbar sind, konnte der Schulde trieb für die siebsn Abteilungen (Mi Jahrgänge haben Parallelklassen) nur dadurch aufrecht erhalten werden, das; täglich Mi Klassen Nachmittagsunterricht haben. Die Leitung ist auch jetzt schon vor fast unlösbare schultcchu'i'sche Probleme gestellt. W e n n e s nicht gelingt, die S ch u l r ä u m « bis zum Herb st z u erweitern, ist der Fortbestand des Realgymnasiums gefährdet. Seit Monaten trachten Elternrat und Schulleitung dieses schlvicrige Problem zu lösen. Es besteht die Möglichkeit, auf das gegenwärtig benützte Schulhaus ein Stockwerk aufzusetzen. Damit gewänne die Schule olle Räume, die sie bis zu ihrem völligen Ausbau benötigen wird. Nach fachmännischem Gutachten stellen sich die Kosten des Anbaues aui hauptsächlich beschränkt, stehen aber in einem sichere« Aus fammenhang« mit Bruchlinien, die die Erdrinde durchsetzen. Alle diese Vorgänge sind Aeutzerungen von Kräften des Erdinneru, die durch die Veränderungen der Gestatt der Erde ausgelöst werden. Die fortschreitend« Verringerung der UmdrehungSgaschtoim keit der Erde infolge der Gezeiten ist wohl! die wichtigste Ursache dieser Vorgänge und gibt so ein einheitliches Bild deS Zusammenhanges all dieser großartigen Naturerscheinungen. Weitere Folgen dieser verschiedenen Bewegungen der Erdrinde sind die A e n d e r u n g e n des Klimas, in ihrer schroffsten Aeußerung Vereisung weiter Gebiete und dadurch Veränderungen des Milieus für di« gesamte Lebewelt. So wird auch alles organische Leben «auf daß tiefste von diesem großartigen Erdgeschehcn geherrscht. Das Hochwasser in Polen geht zurück. Warschau, 7. April. (Tel. d. „Wr. Movgenzvitung".) Das Hochvwsser ist im Zurückgehen begriffen. Bei P l o c k wurden SO Häuser von den Fluten mitgerissen. Infolge eines Dammbruches bei Lomianki bildet« sich nördlich von Warschau ein großer See. Am Weichselknie be>i Najszcw staute sich eine 6 Kilometer lange und vier Meter hohe Ei's'bank, di« durch Pioniere mit Dynamit gesprengt werden mußt«. Der Sachschaden der Ueberschwemmungen in Polen wird auf mehrere Millionen Goldfranken geschätzt. Mrtan unter Wasser. London, 7. April. (Tel. d. „Wr. Morgenzciluug".» Wie die „Times" aus Riga melden, ist ganz Lettland der Schauplatz ungeheurer Ueberschwemmnngen. Die Stadt Mi tau steht unter Wasser. Sappeure arbeiten unabläffig, um den E i s st o ß d< r D ü n a durch Dynamit in di« Lust zu sprengen. 500 Millionen. Fast die Hälfte dieser Summe hat der E l t e r n r a t des jüdischen Realgymnasiums durch energische Werbearbeit und große Opfer jener Eltern, welche in der Loge sind, Geldopfrr zu bringen, im Laufe der letzten Wochen aufgebracht. Nun wenden sich Kuratorium, Eltern, Lehrer und Schüler au die breite jüdische Oeffentlichkeit mit der dringenden Bitte, durch reichliche Sperr den das teure Werk zu sichern. Das jüdische Realgymnasium ist eine Aktivpost und gewiß eine der wichtigsten Errungenschaften der jüdischen Moderne. Wir geben darum gerne diesem Appell Raum und Hüffen, daß er rechtzeitig Erfolg haben wird. Die „Wiener Margenzeitung" wird die bei ihr einlaufenden Spenden für den Ausbau des jüdischen Realgymnasiums ihrem Zwecke zuführen und answeifen. Der Wiederaufbau Wien«. Via Vortrag des Stadtrater Breitner. Der Finanzveferent der Gemeinde Wien, Stadtrar Breitner, hielt gestern einen Vortrag über das Thema „Der Wiederaufbau und die Zukunft Wiens". Er erklärte, gegentilber allen anderslautenden Mitteilungen, daß unbedingt der beschlossene Bau von 26.000 Wohnungen durchgeführt werden wird. 60.000 Personen genießen die Fürsorge der Genreinde Wien, davon werden 19.000 voll von der Gemeinde erhalten. Vor dem Kriege gab es in Wien kein Bett für Tuberkulose, heut« gibt es 2000 Tuberkulosebetten. ES gibt jetzt ein städtisches Ktndev>'pital, das Karolinenspital, die Lehrer, Lehrerinnen und Beamten werden materiell gleichgestellt, die Kinder werden mit neuen Lehrmitteln gratis beteilt, Schulärzte wurden angestellt, die Dchulcmsspeisung wurde von der Gemeinde uebrnommen, so daß 22.000 Kinder täglich von der Gemeinde gespeist werden. Die Lustbarkettssteuer deckt einen großen Teil der Ausgaben der Gemeinde. Das Nachtlokal Dabarm zählte z. B. im Jämmer allein 428 Millionen als Steuer, «me einzige Operetlenbühne 277 Millionen, das Buschkino 175 Millionen. 378.000 Kränzchen und Vereinsveranstaltungen wurden gleichfalls besteuert. Die Boxkampfveranstaltung Carpentier wird von der Gemeinde mit einer Pauschallsteuer von 350 Milliomn belegt werden. Die Drohung mtt der Sperrung der Operettenbühnen schreck« ihn nicht. Bei aller Sympathie für die Bühnenangestellten würde er, vor di« Alternative gestellt, ein Operettenthe-a-ter oder ein Waisenhaus gesperrt zu sehen, sich für die Sperrung ' des Theaters entscheiden. Die Konditoreien D e h m «l und G e r st n e r haben als Rahrungsmittelabgabe im Jänner 181 Millionen entrichtet. Die Automobllabgabe hat 55 Milliarden, die Fremdenzimmerabgatbc 80 Milliarden «ingebracht. Bezüglich der Bautätigkeit erklärte der Redner schließlich, daß nur die öffentliche Bautätigkeit in Betracht kommen könne. Bon privater Bautätigkeit könne erst die Rede sein, wenn wirklich Hypotheken in reicher Fülle zu 10 Prozent erhältlich sind. Re LebenrmittelMrkte. Im Kleinhandel war der Verkehr auf allen Märkten seht schroach. Die Preise blieben vollkommen unverändert. Im Großhandel machte sich ein Ansteigen der Preise sämtlicher bemerkbar.