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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-08 · Heft 1849 (8.4.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1849 (8.4.1924)
Date
1924-04-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wim, $fat$bg ssT""* Moderne Badeanlagen Waschtische u. Klosette GEBRÜDER MEDEK III. Ungargasse 47 mh Telephone 1S63|1040, 76197 Englische Pressediskusfionen über den Zionismus. London, Anfangs April. Es ist kein Gehemmi's, daß zahlreiche Beamte in PakTftina, höhere und niedere, unter der militärischen Verwaltung ebenso wie unter der setz-gen Zivilve Mallung in offenem Gegensatz M der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das Mische Volk stehen, und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, so bietet er sich dar in den Aeußerungen der Exbeamten, denen ihre Stellung nicht mehr Zurückhaltung auserlegt. In der letzten Zeit nrchren sich die Fälle, daß ehemalige Beamte der palästinensischen Verwaltung öffentlich gegen die Politik der englischen Regierung in Palästina Stellung nehmen. In der angesehenen englischen Zeitschrift „F o r tnightlh Review" hat Captain Chisholm D. Brunt 9 n einen heftigen Angriff gegen die zionistische Bewegung und gegen die britische Mandatspolitik veröffentlicht. Er erklärt, daß die Araber ernsten Gmud zur Unzusrieden,heit haben, und zählt dann alle die bekannten Argumente auf, 'die durch die ganze antisemitische Presse in England geschleppt worden sind, angefangen von den britischen Versprechungen an die Araber bezüglich der Unabhängigkeit Palästinas bis zu dem jüdischen Bolschewismus, der Palästina nur zu einem Bollwerk seines Angriffsplanes gegen die zivilisierte Welt machen will. Der Artikel hat eine energische Erwiderung gefunden. Im letzten Heft derselben Zeitschrift antwortet Israel Tohen. Er widerlegt die absurden Behauptungen bezüglich der Mischen Bestrebungen und zitiert die AÄußerungen verschiedener christlicher britischer Verfasser und verschiedener Regierungsstellen bezüglich der Arbeit in Palästina. Mer Cohen bleibt nicht in 'der Verteidigung stehen. Er geht zum Gegenangriff über und weist nach, wie wenig von der englischen Regierung getan wurde, um ihre Verpflichtungen gegenüber den Juden zu erfüllen lind die Errichtung der nationalen Heimstätte im Sinne des Mandats zu erleichtern. Er führt eine Reihe vom Fällen an, in denen offensichtlich das Recht der Juden verletzt worden ist, und schließt mit einem energischen Appell, endlich dem jüdischen Volke „fair plah" zu gfben und nicht die opser- ,volle Tätigkeit der Juden aktiv oder Passiv zu behindern. Die energischen und schlagfertigen Ausführungen Cohens «werden zweifellos ihre Wirkung aus den britischen Leser nicht, verfchlen. Aucheins andere engWchie Monatsschrift, „English Review", brachte in der letzten Zeit eine Diskussion über Zionismus. Den Ausgangspunkt bildete eine Besprechung von Herzls Tagebüchern von Herbert Bentw ich, dem Vater des Palästinensischen Iuftizchefs. Diesen Aufsatz hat offenbar Pie nicht zionistenfreundliche Redaktion vorher dem ehemaligen palästinensischen Beamten A s h b e e vo^elegt, dann sie kündigt noch in derselben Nummer an, daß AMee antworten wind. Ashbee ist der Verfasser de^ „Pallstine Naft Book", eines dicken Buches doll der schärfsten Gehässigkeiten gegen den Zionismus. Er antwortet auf 'den Artikel von Bentwich unter der Ueberschrift „Der politische Zionismus ohne rot gefärbte Brills". Er sagt, es sei fälsch, Politik und religiöse Gefühle zu stützen; selbst wenn man glaubte, daß der Zionismus der biblischen Prophezeihung entspricht, so gibt dies doch keine Rechtfertigung, Anrecht zu begehen. Nach Ashbees fester Aeberzeugung ist 'der Zionismus die Folge der Lehre vom aus erwählten Volke. Nicht „Selbstbestirnmung" wollen die Juden, sondern sie glauben sich 'berechtigt, eine Vorzugsstellung in der Welt beanspruchen zu können, und diese Vorzugsstellung haben sie heute tatsächlich unter der „zionistischen" Herrschaft m Palästina. Das Mandat ist au>f Unrecht aufgebqut. Afhbee erklärt das folgendermaßen: „Ich habe selbst während meines Lebens so mancher idealistischen Bewegung gedient und ich bin stell, daß auch so mancher Jude unter meinen begeisterten Mllämpfern war. Wir haben immer an die Gesundheit solcher. Unternehmungen geglaubt. Aber sie waren gesund nur, so weit sie nllyi Anspruch auf Ausschließlichkeit schoben. Wenn aber eine Idee die formet amrimmi: mein Gott ist nur mein Gott und niemandes. anderen — dann wird sie gefährlich. Hw hier liegt die Gefahr des politischen Zionismus. Es ist eme Gefahr für dic Welt und für das Judentum, und Bentmich und seine Freunde müssen bekämpft werden, weil ihre Sache von Grund aus ungerecht ist. Hören wir nun H errn . Norman Bon iw ich selbst, den gegenwärtigen Atiorney-General und Verfasser der Gesetze ch Palästina. Er sagte: „Die Harmonie hebräischer und hellenischer Ideen kann in Zukunft durch ein selbstbewußtes jüdisches Volk erreicht werden, welches diese Momente einer anderen Gedaullnwrlt in sich auch chm en wird, aber sie durch die Herrschet des hebräischen Geistes nmw-andeiln wird." Herzls Aktion für die Juden des Ghetto ist eine ganz andere Sache, als bi eie „Herrschaft des hebräischen Geistes". Lasset uns auf jede Weise die Ghettos der Welt ausräumen, aber wcht durch Enteignung oder Beherrschung fremder Völker und noch weniger auf die falsche Voraussetzung, daß das Land, das wird von'i'hnen nehmen, von Rechts wögen unser ist oder gar durch göttliche Verheißung." Der Irrtum springt in die Äugen. Ter Verfasser ist so verblendet von feiwen an tffüdi scheu Ideen, daß er gar nicht versteht, was mit der „Herrschaft des hebräischen Geistes" gemeint ist. Es ist ganz klar, daß nichts anderes gemeint ist als daK Beftr-'dr:; im ßtfäffr _Wiener Morgenzeliuirs._ Mischung, die jeder Jude heute darstellt, das Mische El«, ment zu dem Herrschenden, >da8 heißt für das Wesen dieses Menschen Ausschlaggebenden zu machen, in derselben Weise, wie bei einem Franzosen der französische Geist, bei einem Enrgländer der englische Geist herrschend ist. Dies mit einem Imperialismus gegenüber-anderen Völkern zu verwechselst, ist ein tragisches Mißverständnis. ES ist aber wichtig für uns, zu beobachten, wie solche Äußerungen auf andere wirken und wie sie fortwirken. Denar es ist 'kein Zweifel, daß auf den einfachen englischen Leser kein anderes Argument einen so gewaltigen Eindruck macht, wie der Vorwurf des ungerechten Anspruches. Der Gedanke der Vorzugsbeharidlung, auf die die Juden ein Rechf zu haben glauben, wird dann noch weiter illustriert. Als Beispiel wird erwähnt, daß die jüdischen Arbeiter nicht nach derselben Lohnskala arbeiten wollen wie die christlichen und moslemischen, und wenn die Behörden dies nicht akzeptieren wollten, so antworten die Inden: „Unser Volk hat eben einen höheren Standard of life." Ashbee meint, England müsse offen und ehrlich vor den Völkerbund hintveten und erklären: Ms wir die Politik der nationalen Heimstätte anfingen,' glaubten wir an drei Dinge: erstens, daß die Juden selbst sie einm ü t i g un te r st ü tz e n w e rde n, zweitens, daß sie von der Bevölkerung Palästinas nicht wird abgelehnt werden, drittens, daß der britische Steuerzahler keine Last zu. tragen haben wird. Jetzt finden wir, erstens, daß die Juden keineswegs einmütig sind, sondern sogar oist aktiv feindlich, zweitens, daß die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung Palästinas diese Sache ablehnt und drittens, daß die Durchführung nur mit Waffengewalt und' unter schweren Kosten des britischen Steuerzahlers durchgeftihrt werden kann. Da es sich um eine ungerechte Sache handelt, so müsse damit ein Ende gemacht .werden." Dieser Artikel, an so bedeutsamer Stelle gedruckt, bedeutet für uns eine größere Gefahr als die Angriffe der reaktionären Hetz presse. Denn unsere stärkste, ja unsere einzige Macht ist die Gerechtigkeit u n d S i t t l i ch> keit unserer Forderung. Wenn im englischen Volke durch krasses Unverständnis der Glaube an die Gerechtigkeit unserer Sache erschüttert wird und der Zionismus geradezu als unmoralisch dargestellt wird, dann müssen wir uns zur Wehr-setzen. Die Argumente Afhbees sind offenkundige Jrrtümer. Aber gerade solche Jrrbümer können gefährlich werden und gerade darum ist es gut für uns, derartige Angriffe nicht unbemerkt vovülber-gehen zu lassen. Auflösung der südafrikanischen Parlament» (Cigendienst der „Wiener Morgerizeitnng".) London, 7. April. General Smnis erklärte in der heutigen Sitzung des südafrikanischen Parlaments in Kapstadt, daß, nachdem die Stichwahl in Wakkresiro-m eine Niederlage der Negierung skandidaten gebracht haben, er das südafrikanische Parlament demnächst auflösen werde. Streilnnrnhen in Fndiea. Cawnpoore, 7. April. (Reuter.) Die streitenden SPinuerewrbeiter haben eine Baumwollspwneve.i angegriffen, so daß di« Polizei gezwungen war, einzuschreiten. Dabei wurden vier Streitende erschossen sowie 18 Streikende und 13 Polizeillnte verletzt. / - La» nmrinlschk Königspaar im Ausland. Bukarest, 7. April. Der Köllig und die Königin von Rumänien: sind heute in Begleitung des Ministers des Aeußern, Duca, nach dem Ausländ abgererst. Vertagung des Parlaments. Bukarest, 7. Apvil. Das Parlament wurde wegen der Königsreise bis 31. Mai geschlossen. In der letzten Gitzrmg nahm die Kammer das Gesetz über die Konnnerziailisienlng der Staatsbetriebe au. Im Gesetz wurde vorgesehen, daß die Abgeovdileten während ihrer MandatsdaWr nicht Vepwalturngsräte der komprerzialisierten Unternehmungen ssin können. In Regievu-ng'skveisLn wird erklärt, daß dop Erlaß des Stand rechtes gegen die extremistischen Bewegungen von links und rechts gerichtet sei. Scharfe Maßnahmen sollen gegen die sogenannten Faszjsten und Kommunisten getroffen werden. Mmes und Mm. Warschau, 7. April. (Poln. Tel.-dlg.) Minister des Aeußern Zamoysii hat an den französischen Ministerpräsidenten Poincare als Vorsitzenden der Botschafterkonserenz eine Note gerichtet, worin darauf Hingewiesen wird, daß der von der Kommission Da wes ausgegrbeitete und vom Völkerbundrat genehmigte Entwurf 'des M emelstatuts die Recht« und Interessen nicht verbürg^, die Polen durch den Versailler Vertrag und die Entscheidung der Botfchqfterkonsereuz vom 16. Februar 1923 zugesichert worden sind. Anstatt eine Entspannung in der politischen Lage herbe i^uführen, gebe das Statut Anlaß HU neuerlichen agressiven Bestrebungen der litauischen Regierung, die darauf äbzielen, sich mit Gewalt Wilnas wieder zu 'bemächtigen. Die polnische Negierung 'bekräftige ihren aufrichtigen Wunsch, den Frieden zu erhalten, mache jedoch daraus aufmerksam, daß alle gegen Wilna gerichteten Versuche schwerwiegende Folgen nach sich ziehen würden. Das Bürgerrecht dev Juden in Memel. Paris, 6. April. (I. T. A.) In Verbindung mit der kürzlich' im Völkerbundsrat besprochenen Memeler 8. April IM_Nr. im Frage hat das Komitee der jüdischen Delegationen dar Botschafterkonferenz ein Memorandum bezüglich des Naturalisation mehrerer tausend auf diesem Territorium lebender, die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzender Juden gesandt. Die Botschaftevkonstreng hat daraufhin eure Klausel abgefaßt, derzufolge den auf >em Territorium wohnenden Juden die litauische Staatszugehörigkeit Kuevkannt werden soll. Der Völkerbund hat dann das Memeler Statut der Botischaster- ''onserenz, dem auch die litauische Regierung Kustimmte, bestätigt. Genräß diesem Statut ist außer den früheren deutschen Staatsangehörigen, die automatisch die litauische Staatszugehörigkeit und das Memeler Bürgerrecht erwerben, „jede am Tage der Ratifizierring der jetzigen Konvention über achtzehn Jahre alte und seit Jänner 1922 in diesem Territorium wohnende Person, der durch dve interalliierte Verwaltung die dauernde Aufenthaltserlaubnis für Menrel erteilt worden ist, berechtigt, für die litauische Staatszugehörigkeit zu optieren. Personen, die die litauffche Staatszugehörigkeit auf Grund dieses Artikels erwerben, «besitzen dadurch automatisch auch das Memeler Bürgerrecht." Diese Entscheidung ist von außerordentlicher Bedeutung für tausende im Memeler Gebiet wohnende Juden. Sie erhalten jetzt das Bürgerrecht. Hin Armstrong-Kredit für Polen? (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 7. April. Wie Ihr Korrespondent von gut informierter Seite erfährt, sollen gegenwärtig ernste Derhandlungell mit dem englischen Konsortium Armstrong bezüglich eines W a s;c nkre dites für Polenim Gange sein. Es handelt sich vornehmlich um die Lieferung von Lokomotiven. Man spricht von hundert Lokomotiven. MrWMns der amlflMsche« Studenten in der Schweiz. Bern, 7. April. (Schflveiz. Dep.-Ag.) Seit einigen Jahren hatten die ausländischen Studenten der eidgenössischen technischen Hochschule ein Schulgeld von 600 Franken, das heißt den doppelten Betrag wie die Einhcimisch>en, zu entrichten. Der Bundesrat hat nun das Schulgeld ftir E i uheimische und Ausländer einheitlich wieder w^ 300 Franken festgffetztt. Horthh anerkennt Trotzktz. Budapest, 7. Apvil. (Del. d. „Wr. MorgtzUFeiArng".^ Wie „A Reggel" von maßgebender Seite erfährt, beabsichtigt die ungarische Regierung, in der nächsten Zeit Verhandlungen wegen den diplomatischen Beziehungen mit Sowjetrnßland anfzu'nehmen. Sobald die Sanierungsgesetz« erledigt sind, wird Ungarn die Sowjetregierung de jure anerkennen und einen ungarischen Gesandten nach Moskau entsenden. _ Die 6aniermtgsMagen im Parlament. Budapest, 7. April. Nachdem die AnweMmg deZ Doiuglichleitsparagrapheu be* Geschäftsordnung für die SanievunAgvorlageni ausgesprochen worden war, erhielt als erster Redner in der Debatte der ehemalige Handelsminister Franz Heinrich (naftonaMrgerlichc Partei) das Wort. Er betonte die Notwendigkeit einer raschen Verabschiedung der Vorlagen und verwies darauf, daß nun-- mehr die Zeit des Abschlusses von Händelsverträgen mit den Nachbarstaaten gekommen fei. Nicht die Höhe des Anleihebetrages fei wichtig, sondern die Wiederherstellung der internationalen Verbindungen. Hieraus sprach der ehemalige Justizminister Nagh, der die erhöhte Besteuewng der Konjunkturvermögen forderte und der Besorgni's Ausdruck gab, daß sich der Generalkommissär nicht nur in die wirtschaftlichen Fragen, sondern sogar in di« Fesfftellung des Zolltarifs «imnengen werde. Redner befürchtet weiters, daß die Vertra>uerAmänner der kreditierenden Staaten auf di« ungarische Volkswirtschaft und die innere Politik des Landes Einfluß ausüben könnte. Es wäre bester gewesen, eine Art R ente n mark einzuführen, statt ein« Ausländsanleihe anzusprechen. Die FortsetztMg der Debatte wurde sodann auf mov gen vertagt. _ HorM» Justiz. Main Wd Genosten fteigesprochen. Budapest, 7. April. (U. T.-K.-B.) Die königliche Tafel hat heute Pas im Main-Prozeß gefällte Urteil, wonach die Angeklagten Ulain und seine beiden Genossen, der Jug. B o b u l a und der Arzt S z e m e r e, wegen Verbündung zum Aufruhr zu sechs Wochen verrrrteilt werden, abgeändert und alle drei Angeklate n freigesprochen. In der Begründung ihres Entscheides führt die „königliche" Tafel aus, daß die Zeugenaussagen nicht beweiskräftig waren, so daß die Anklage als nicht begründet «vscheint; Der Staatsanwalt hat gegen die Freisprechung Berufung an die letzte Instanz eingelegt. Audastest ohne Jeiwngen. Allgemeiner Zeitungssetzerstreik. Pudgptzst, 7. April, (Ung. Tel.-chorr.-Bureau.) Dis Zoitungssetzer' sind wegen L o h n d i f s e r e n z e n heute mittags in den Ausstand getreten, so daß der größte Teil der Abendblätter mchs mehr evschicuen ist. (•

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