Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1847 (6.4.1924)
- Date
- 1924-04-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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f ÄH 18ST Wien, Bomdiag ... Wienev '" '6. WM 'IM. Seite 8 ^iMooen» Badeanlagen O Waschtische u. Klosette , UkGEBRÜDER MEDEK tA III. Ungargasse 47 mi IWI Telephone 1553,1040, 76197 ärrde rung anberaumt. Di-ese Wahlen bringen die Vorrats cheid uNH für die Reichstagswahlen. „Schlageter-Kompagnic Essen." Düsseldorf, 6. April. (Havas.) Zahlreiche bei der gestrigen .Hausdurchsuchung beschlagnahmte Schriftstücke liefern den einivandfreien Beweis der militärischen Tätigkeit der verbotenen national!stischen Organisationen. 14 Mitglieder einer geheimen Vereinigung, die den Namen ,-Schlagetcr-Kompagnie Essen" führt, sind in Esten verhaftet worden. Sie hatten ihre Vereinigung als ,Iusflüglergesellschast Columbia" bezeichnet. Die Angehörigen dieser Bereinigung wurden erst dann in den Dienst eingeteilt, -nachdem sie von einem Arzt der Reichswehr als für den Mlitärdienft tamglich lbestmden worden waren. Die 'Untersuchung Lauert fort. 8kn Flugzeugslandal in Amerika. Alles mn Geld. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rew-Iork, 5. April. Die demokratische Wahlkampagne geht in Form von Skandalen und Enthüllungen weiter. Der neueste Skandal ist, daß gegen die M i tsu i - C o m p a n y die Anklage erhoben wird, daß durch sie die Plane aller amerikanischen Flugzeug« während des Krieges nach Japan verschoben wurden. Der Vermittler war der Beamte der politischen Polizei, Jessie S m i t h, ein Freund Dougherths, der später Selbstmord beging. Die Anklage führte die Vorladung des Kriegs sekretärs W e e k s herbei, der nach Dunby und Daugherty als nächstes. Opfer der Skandalaffären in Anrerika auserfehen ist. Der Landw?rtschaktskrrd«t Kr Sefterrrich Md Deutschland. Präsident Coolidge erhebt Einspruch. Washington, 4. April. Auf eine Anfrage erfährt „United Preß" aus beit Kreisen des Weißen Hauses, daß nach der Meinung des Präsidenten Coolidge das L eschlagnahmte Eigentum früherer Feinde entweder verwendet Weden sollte zur Befriedigung der Fordemngen der anteri'kauischen Regierung und der amerikanischen Bürger oder den früheren Eigentümern Zurückgegeben werden soll. Dagegen erscheint eS dem Präsidenten kaum zulässig, dieses Geld zurUnter st ützung der amerikanischen Aussuhr zit verwenden. Diese Haltung des Präsidenten bedeutet tvohl den Gnadenstoß für dm Antrag D i a l und ähnliche Anträge. Bon anderer Seite wird behauptet, daß Präsident Coolidge seine Haltung noch nicht endgültig sestgelegt habe. Als besondere Gegner des Planes gelten die Standard Oil Company und die Pittsbuvger Spiegelglas-Gesellschaft, während die Bauinwollpflanzer energisch für den Plan eintreten. Feststcht nur, daß Coolidge mit dem Verwalter des sequestrierten feindlichen Eigentums, Miller, eine lange Konferenz hatte. Re letzten Kurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 5. April. (Radio.) Devisenschlußkurse: Prag 148, New-Iork 4.31°/,«, Paris 75,05. Brüssel 89,375, Nom 98,60, Zürich 24,775, Madrid 31,975, Amsterdam 11,615, Kovenhagen 26,145, Cbristiania 31,405, StoÄolm 16,32, Helsingfors Berlin 19,62 Billionen, Wien 305,600, Wen Aew-Vorü» 5. April. (Radio.) Devisenschlußkime: Taggeld nominell, Wechsel auf London 4,34,37, 60 Tage-Wechsel 4,31,37, Paris 5,79, Amsterdam 37,22, Prag 2,89, Berliner Schlußkurs 22'/i, Silber 63V«. Londou, 6. April. lRadio.) Wechselkurse: Anisterdam —, Berlin —.— Billionen, Belgrad —, Prag —, Wien 305,500, Budapest , Bukarest —, Paris 74.79-/,, Brüssel Neto-Iork 4,31-/«, Sofia Kopenhagen —, Stockholm , Cbristiania —, Konstantinopel —.—, Athen —Französischer Franken —, Riga —, Warschau — Will.. Schweiz —, Petroleum Shares —, Nom —, Madrid —. Me Tamrrnng vor dem ungarischen Parlament. Brtdapesi, 5. April. (Un-g. T.-K.-B.) Die Nationalversammlnng hat heute die Verhandlung der Sanier n u g s v o r l >a g e u begonuen. Tibor Kallah führte aus, es handle sich um die S t a b i l i s i e r u n g d « r u ng a r i s ch e n W ä h r u n g und die Geltendmachung der Prinzipien der Frei heit im Wirtschastsilebeu. Ungarn habe nunmehr die Möglichkeit und den Willen, das freiwillig -ausgestellte Sanieruugsprogramnt durchzuführen. Die Rolle des Ge ueralko m misfärs Iverde darin bestchen, daß er den Erfolg der Arbeit zu registrieren habe. Was die der Regierung zu erteilende finanzielle Ermächtigung betreffe, so handle es sich darum, daß die Nationalversammlung aus freiem Entschluß ihre so u verä ue Ni a ch t einschränkt, jedoch jederzeit Gelegenheit hat, der Regierung ihr Vertrauen zu cutziehen. Die Stabilisierung der Währung hänge davon ab, ob es maammmamm fraget na * \ Schuhe/| gelingt, die geplanten Reforinen im GeldMtent rasci dnrchzuführen. Sodann ergriff Ministerpräsident B e t h l c it dar Wort, der darauf vevlvies, daß die zur Verhandlung stehen, den Vorlagen nicht das gesamte Sanievungspvogramn umfassen, da eine ganze Reihe wirtschaftliche! Maßnahmen getroffen werden müsse, mn die wirtschaftliche Freiheit endgültig wiederherzustellen Die Sanierung werde erst vollkonunen sein, wenn auch in der Handelspolitik Ordnung gemacht und bei selb st ändige Zolltarif veriviMcht sein werde Das Sanierungsprograinm werde zur Folge haben, das die bisher zu Reparationszwecken beschlagnahmten Kraft quellen zu eigenen Zwecken ausgenützt werden.,können. Du bisher von der Reparationskommission ausgeübte K o utrolle werde nun einer milderen und wohlwollender Kontrolle des Völkerbundes Platz machen. Auf außenpolitischem Gebiete sei die Wiede v! c h t normaler Berhältnisse zu erhoffen. Im Inneren sei eine soziale Beruhigung und Konsolidierung zu evlvarten. Jedenfalls müßten von alten Gesellschaftsklassen schwere Opfer gebracht werden. Die Kontrolle durch den General kann missär laste um nichts schwerer aus dem Lande, als di: Kontrolle, die im Trianvner Vertrag vorgesehen ist. Von außen politischen Faktoren, fährt bei Ministerpräsident fort, sei niemals der Versuch unternonnnen worden, sich in die inneren Angelegenheiten Ungarns einzumengen. Dagegen müsse er mit Bedauern feststellen, daß einzelne ungarische Faktoren, insbesondere aber die Emigrant c it, alles unternommen Wien, uni eine Einmengung in die inneren Angelegenheiten Ungarns herbeiznführeu. (Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Der Ministerpräsident spricht sodann vom Voll e rbund und erklärt, es sei eine politische Frivolität, wenn -man die Ungarn dar gebotene hilfreiche Hand nicht achte. Der AL-inisterpräsidenr erörterte hieraus die Einzelheiten der in bat Komplex der Sanierungsvorlagen anfgenvmmeuen Abmachungen mit Serbien und Rumänien und richtet zum Schluß au das Haus deu Appell, im Interesse des Landes, die Vorlagen so rasch als möglich anzunchmen. Die Debatte über die Vorlagen wurde sodann ans Montag vertag!. Zionistisch!!' ‘ ’ Jllilf Heute Sonntag, S. Aprif halb 8 Uhr abends im Saale destiotel Contisentai, II. Referenten: Or. Chaim Arlosoroff Mitglied des Finanz- und Wirtsdiaftsrales und Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation Lippmann Lewinsohn (Berlin) M itglied der E xekuti ve der ,T ar buthf* Weltorgan isati on Der Saal wird bereits um 7 Uhr «eöffuet ■Ml ÜI1WU Aus Seftemichs SsldZuzMMer^ Von Dr. Wilhelm Si§in. und adeligen Familien. Im Mittelpunkte dieses regen künst¬ Wird von der „Glanzzeit des alten Oesterreich" gesprochen, so hat man zunächst die Epoche im Auge, die von der zweiten Türkenbelagerung Wiens int Jahre 1683 bis zum Regierungsantritt Maria Theresias, also in die Mitte des 18. Jahrhunderts reicht. Nicht nur die Hochblüte des Barock ist damit gemeint, sondern auch die heroischen Kämpfe, die Oesterreich beinahe ans allen Kriegsschauplätzen Europas führte, um schließlich im Passarowiher Frieden eine Grenze zu erlangen, die von der Alnta und der Norosec, dem Adriatischen Meer nnd den Bergzinnen Böhmens gebildet wurde. (Ran hat es mit Recht ein Wunder nennen linuicu, das; diese Kriege vor sich gingen, ahne daß auch nur die mindeste Vorsorge für die finanziellen Mittel getroffen waren. Liest man etwa in Mcnsis anfschlnßreichem Buche über „die Finanzen Oesterreichs" von 1701 bis 17-10, so gewährt man eine Anarchie uud Sorglosigkeit, wie sie nur von der inneren Lebenskraft dieses Staates überwunden werden konnte. Ein Vergleich mit dem Staalsschnkdenwosen Englands oder Hollands ergibt, daß bei so fetten Domänen uuö Gefallen, wie sie Oesterreich besaß, eine ganz andere Finanzverwaltnng möglich gewesen wäre, als die. immer nur durch zu fallsweise Kreditoperationen für die Verpflegung nnd Löhnung der Armeen nnd die Bedürfnisse des Staates zu sorgen. Es mutet uns recht eigentümlich modern an, daß aas hochentwickelte Knnstleben in der Zeit Leopolds des Ersten nnd Karls des Sechsten seine Geldmittel der Furcht vor einer ernsten Besteuerung, beziehungsweise vor Zwangsdarlehen verdankte. Die „Handbriefl" des Kaisers um freiwillige Ankhen werden vom Hochadel entweder höhnisch zurückgewiesen, oft gar nicht geöffnet, oder es gibt statt des erwarteten Geldes loeise Ermahnungen zur Sparsamkeit. Dagegen erhebt sich in Wien cut Adelspalast nach dem anderen und Schauspiel nnd Oper verschlingen ungeheure Summen. Vs ist nur eine Sage, aber dafür eine recht bezeichnende, daß der Abt von Göttwcih das riesige Kloster angczündet haben soll, bloß um es Prachtvoller aufbauen zu köunen. Die zahlreichen Kupferstecher und Maler fanden reichliche Beschäftigung in Kirchen, Klöstern lerischen Schaffens stand Prinz Eugen, der nicht allein durch seine prachtvollen Bauten, wie etwa das Belvedere, beit Ton angab, sondern anck, durch eine Bildergalerie, Handschriften-, Kupfer-, Aiünzenuud Antikensammlnng, besonders aber seine Bibliothek, den Kern der heutigen Nationalbibliothek, den Grundstein zu Wiens künstlerischer Bedeutung legte. Darüber aber soll nie vergessen werden, daß die Blütezeit der Fischer v. Erlach, Martinelli, Hillebrand und Raffael Donner, zugleich das Zeitalter der höchsten materiellen Bedrängmjsa für Oesterreich war. ES gab lvedcr Verantwortungsgefühl für den Staat, noch planvolles Haushalten mit den vorhandenen Naturschätzen. Die Haupteinnahmsquellen des alten Ständestaates waren die Ergebnisse der RegaliVt und Domänen gewesen, also die erstereu indirekte Steuern, die zwar zur freien Verfügung des Herrschers standen, aber dafür keine derartige Erhöhung vertrügen, wie sie die immer mehr anwachsendcrt Fiuanzbedürfnisse des Staates, besonders in der Kriegszeit, erfordert hätten. Alle anderen Steuern aber waren an die Bewillignng der Stände gebunden und damit bestenfalls nur gegen recht unangenehme Zugeständnisse zu erlangen. Erst allmählich sank das ständische Sieucrbewilligungsrecht auf das Niveau einer bloß formellen Abstimmung über die Höhe der vom Kaiser geforderten Summe herab. In der Zwischenzeit aber kämpfte der österreichische Staat mn seine Existenz gegen die Türken und um seine europäische Geltung gegen Ludwig den Vierzehnten. Innere Anleihen versagte der Adel itub auch die vermögende Geistlichkeit. In dieser 9M wandte man sich an Finanzlente der ganzen Welt, um schließlich gegen Verpfändung der obengenannten Gefälle nnd Einki'mfte Gelder zu drückenden Bedingungen zu erhalten. Die Quecksilberproduktion in Idria ist ein solches vielausgebeutetes Darlehenspfand durch lange Zeit gewesen. Noch war ein Kontrakt nicht zu Ende und schon mußte der nächste wieder abgeschlossen werden. Aber die Verhandlungen waren Donk dem schlechten finanziellen Rufe Oesterreichs sehr schwierig und einmal schreibt der Vermittler des Kaisers, Kaunitz, aus Holland, das zumeist die Quecksilberanleihen aufuäyin, „er wollte noch lieber f'chs Allianzen oder andere Traktaten machen, als ein dergleichen Geldsach in diesen Landen negoziieren". Aber eine Geldquelle gab es für den Kaiser nnd die versiegte nie. Daß waren die Wiener Inden, die seit der radikalen Vertreibung des Jahres 1670 nur einzeln nach Wien einwandern dursten, obwohl die Hoslammer auf die große wirtschaftliche Bedeutung der Juden für die Sradt und das Reich hinwies und sogar die Theologen den Kaiser seine-? seinerzcitigen Fides entbunden hatten. Tic Geschichie dieser .Hoffaktoren und Finanzlente, unter denen Simnel Oppenheimer und Simson Wertheimer hcrvorraaen, ist mn David Kaut' mann und Max Grün Wald in ausgezeichneter Weise daracstellt worden. Ohne Uebertrcibung kann heute behauptet werden, daß die Urteile, die Prinz Eugen oder Markgraf Ludwig von Baden über die Leistungen etwa Oppenheimers fällten, mehr als berechtigt waren. Trotz unermüdlicher Feindschaft des Bischofs Kollonitsch hat er in s '.st unoerstaudlicher Ergebenheit für den treulosen Kaiser seinen Wohlstand, seinen Kredit und seinen ehrlichen Namen zur Verfügung geftelli: die von Ta glicht veröffentlichten Nachlässe Wiener Juden" bezeugen dazu seine völlige Uneigennützigkeit und den Mange! eigenen Vorteils. Seine Geschicklichkeit, durch Organisierung eines weitanSgedehnten Kreditnetzes dem Likaiser zu jeder Stunde die für die Kriege und oft auch für die Verschwendung Nötigen Mittel auszubringen, hat nur noch Simson Werthümer in vorsichtigerer Weise nachzuahmen vermocht. Alle die christlichen Wechsler, die die Juden zu verdrängen suchten, haben mit der einzigen Ausnahme Schreyvogels in wucherischester Wwise die Notlage des Staates ausgenützt. Das Finanzarchiv verwahrt bis honte die Akten über ein Wncherdarlehrn von Gann und Zanchoni aus dem Jahre 1702. Dem Inden liehen die christlichen Eeldleute für de.i Staat, während sie vor dem Zugriff des letzteren ihr Kapital ängstlich verwahrten. Und was „der Retter rn der Kriegsnot", wie ihn Prinz Eugen nannte, im großen tat, das ahmten dir anderen kleinen jüdischen Wechsler nach und retteten Oesterreich auch gegen seinen eigenen Adel pnd seine vorsichtig; Geistlichkeit. ';