Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1846 (5.4.1924)
- Date
- 1924-04-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1846 Dirn, KainSlag Tagesbericht. Dar Net»>Varker Schachtmaier. (Eigenidienst der „Wiener Morgeuzeitung".) New-Aork, 4. April. Der Dimer Mister R e t i Hütte m Jet 18. Rund«, die keine ReuvSpavtte HU verzeichnen hatte, wiedsrum einen bedeutenden Erfolg erzieklt. der chm überdies die Führung imt Turnier brachte. Er schlug seinen scharfen Konkurrenten Aljechin in 'brillanter Weise in 31 Zügen. . Dagegen mußte der zweite Vertreter der Wiener Schachspielkunst, Dr. Tartakower, gegen Eduard Lasker im 5g. Zuge die Waffen strecken. Cap ab l an c a gewann gegen Maroczy nach hartnäckigem Kampfe (67 Züge) und Marshall hszftvang JanowSki in 64 Zügen. Die Partie Dr. EinamrÄ LaSIer-Bvgol'jubow gedieh nicht zum Abschluß mvd wurde nach 60 Zügen vertagt. Dr. L a § k e r tcüjt auf Gewinn. Dates war spielfrei. Die Leistung RetiS erregte aevadszir Sensation. Sein Sieg gegen Aljechkn entwickeüte sich aus einer Partie, in der Keti die schwären Steine führte und die Verteidigung Luckertort" wählt«. Es entspann sich ein lebhaftes 'Spiel. Neide Parteien kämpften auf offenem Brett. Gegen Ende des Spieles hatte Mjechin einen Borsprung» übersah jedoch einen Lauer und gefährdet«' dadurch zwei Meine. MS d'r Verist -iineS Offiziers unvermeidlich war, gab Mjechin aus. Stand nach der 18. Runde: Reti 8, Dr. Emanel Laster ^,5 (2 Hängepartien), CapManca 7,6, M-jechin 7. Marshall 6, kartakower, Maroczy je 8-8, BotzoGikow 3 (1 Hängepartie), Edward LaSker 4, IanowSki 3,ö (1 Hängepartie), Dates 3,5. (Htte PMabrkk in Detlbt. Berlin, 4. April. (Tel.^KomP.) Der Polizei ist es gestern rach l<urgen Beoibachtungen und Nachforschungen gelungen, eine zroße PaßfLIschungSfabrik austzuheöen. Ln der polnischen Grenze war schon seit längerer Zeit lusgsfallen, daß viele Ausländer mit deutschen Reisepässen die Grenze überschritten. Gelegentlich einer Verhaftung wurde nun «.stgestellt, daß der vorgeiwiesene Paß nicht ordnungsmäßig zevgestellt sein konnte. Weitere Nachforschungen ergaben das Vorhandensein :mer großen PatzfAscherzenival« in Berlin, an deren Spitze :m gewisser Fritz Feldman n aus Rumänien und ein Max kennbaum aus Polen standen. Die PaMlschungen wnros« im großen SA durchgetführt. Die Fälscher gaben ord- «ungsenäßig ausgestellte Papiere auf einem beftmvmten Polizeirevier ab, auf denen nur der Nachweis der Nationalität gesMscht war. Auf Grund von Beziehungen zu Beamten des Reviers wurden 'dann die Papiere tvie richtige Paßanmeldungen behandelt und einer Paßausgabestelle 'ibevgeben, wo Pvlizeibeamle, die schon jahrelang dort fälig waren, ordnungsmäßige deutsche Pässe ausstellten. Sechs Beamte wurden verhaftet, ferner mehrere Ausländer, darunter zwei russische Staatsangehörige und zwei Polen, Feldmann und Tennbaum jedoch konnten rechtzeitig flüchten. Durch die Festnahme eines angeblichen Russen namens Pokolski, der im Besitz eines falschen Passes war, wurde >ann noch aufgödeckt, daß Filialen der Fälscherzentrale auch noch in anderen deutschen Städten gearbeitet hatten. Der Streik in de« polnischen Srnbe«. Warschau, 4. April. (P. T.-A.) Die Streiklage in den wlnischen! Gvuben ist unverändert. Im Pol u i s ch- Dbcrschlesien herrscht Ruhe. In Sosnowice m\ es auf der Gvube ,/Szelads" Mittwoch abends zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Arbeiter n. die einen Vorschuß forderten:. Da dieser abgeehnt wurde, griffen die Arbeiter die vor den Bureaus der Gesellschaft oiusgsstellte Polizei an, wobei 14 Arb'eiter irr wunde t wurden, -darunter zwei tödlich. Bon «er Polizeimannscha-ft wurden 19 Mann verwundet. Das Ministerium des Innern hat eine Untersuchungs- Immission entsandt. «in Schissrbrand km Note« Mrer. London, 4. April. (Wolfs.) Die ,MmeS" melden zum Vraud der „Trangestan" im Roten Moer, über den bereits )erichtet wurde, Laß an Bord detz Schiffes 1200 Mekka- Pilger und eine Anzahl britischer Offiziere waren. Alle Passagiere wurden an Bord eines anderen Schiffes über« '"Hrt und nach Port Sudan gebracht. Später nahm da's Feuer «einen solchen Um saug an, daß der Kapitän und die Mannschaft baS Schiff verlassen mußten, das sodann sank. Die Hochvwsserkataftrosthe k« der Slowakei. Kaschau, 4. April. Die UeberschwSMrmng hat eine derartige Ausdehnung erreicht, daß selbst die ältesten Leute sich an eine ähnliche Katastrophe nicht erinnern können. B o d r o g- St. Marie ist vollständig überschwemmt. Alle Gebäude sind von der dreizehn Kilometer breiten Ströipuwg des Bodrog ffwtgerissen worden. Gendarmerie und Militär haben im Verein mit der Bevölkerung sechs Tage und sechs Nächte angestrengt gearbeitet, um die Dammbrüche auszubessern. In einigen Gemeinden müssen die Schutzdämme Tag und Nacht von bewaffneten Wachen gehütet werden, um verbrecherische Beschädigungen hintanzilhalten, >da Bauern den Versuch gemacht hatten, daS Wasser von ihren Feldern auf andc« abzuZeiten. Die Wachen haben Len Befehl, im Bedarfsfälle von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. In zwei Gemeinden kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Wachen und einer Menge von ettva 60 Einwohnern. Es gelang ihnen tatsächlich, die Wachen zu verjagen und den Damm an zwei Stelle« zu durchbrechen, was die Ueberschwerrmmng der umliegenden Orte zur Folge hatte. Miene» MonaenzettnnF. Mitteilungen aus dem Publikum. Ich gratuliere Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Israel Jüaaasohn zur Verlobung seiner Tochter Esther mit Herrn Lazar Welnberger ans Frankfurt a. M. Jakob Ehrettfeld Statt jeder besonderen Anzeige! Hetr und Frau Herzei Sternberg Herr und Frau Osias H. Jäger geben hiemit bekannt, dass die Trauung ihrer Kinder Klara ™<> Mendel Dienstag den 8 April in Krakau, Hotel Royal, staitfmdet Wien-Stanislau, April 1924 | AUFRUF! Die Mazzothbäckerei H. STRUBS, Wien, XX. Rotensterngasfle 11, steht seit 2. April d.J. unter der rituellen Aufsicht des berühmten Talmudgel ehrten Seiner 32hrw. des Oberrabbiners Chaim Gelernter von Kuty Derselbe bringt folgendes zur Kenntnis: Als das Wiener Rabbinaisko.llegluni der Maizothfabrik Herrn Strum die Aufsicht entzogen hat, habe ich das ehrw. Rabbinat gefragt, aus welchem Grunde dies geschehen ist. Es wurde mir von diesem erklärt, daß die Mnzzoth in der Fabrik des Herrn Strum durch längere Zeit unter der Aufsicht des Rabbinates der Wiener Kultusgeioefnde gebacken wurde«, bis ohne Zustimmung des Rabbinates eine Neuerung beim Backofen gemacht wurde. Auf Grund dieser Mitteilung habe ich nachVerhesscrugen im Betriebe die rituelle Aufsicht über die Mazzothbäckerei des Herrn Hermann Strum, Wien, 2. Bez., Rotensterngasse 11, auch mit anderen Talmudgelehrten übernommen und werde mit Gottes Hilfe nach aller Möglichkeit darauf sehen, daß die rituelle Aufsicht allen orthodoxen Anforderungen entsprechen wird. Ich gebe hiemit bekannt, das» jedes Paket aiia dieser Backerei, da» mit meinem T#3i1 und mit meiner Stampiglie vergehen ist w orthodox rüü ist v« CHAIM GELERNTER Oberrabiner von Kutty (Kyltow) dr. Wien, II. Zirkusgasse 11 PORTOROSE bei Triest Palasthotel das eleganteste Haus der Adria. 30o luxuriöse Zimmer mit Balkons, Jeder Komfort. Vornehme Gesellschaftsräume, herrlicher Park. Täglicher Pensionspreis bei reichhaltiger Verpflegung (internationale Küche) von 40 Lire aufwärts ab Palmsonntag, 13. Aprii, wieder geöffnet Hotel „RIVIERA" U. Pension „SAH LOREHZQ" erstklassige idyllisch gelegene Häuser, Pensionspreis von 30 Lire aufwärts Medernst eingerichtete Kuranstalt für Fango-, Mutterlaugen-, Kohlensäureu. Lichtbäder etc. Sämtliche Zahlungen können auch in öst. 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Eine Mitleilung der städtischen Wohlfahrtsstelle. In einigen Wiener Zeitungen waren aufsehenerregende Artikel zu lesen, die eine Fülle krasser Details über die Behandlung der am Steinhof internier!cn Frau Edith K^divec enthielten. Da der Steinhos der städtischen Wohlfahrts, pflege unterstellt ist, ordnete Professor Dr. Tandler sogleich eine eingehende Untersuchung an, die zu folgendem Ergebnisse führte: Tie Kadivec wurde am 28. Mär; auf Grund eines Gutachtens des Gerichtspsychiaters Dr. Hoevel der 2lnstalt am Steinhos überstellt. Sie benahm sich bei der Untersuchung durchaus ablehnend, trug einen besonderen Hochmut zur Schau, indem sie sich äußerte, daß sic cs hier unter Tieren und Halbtieren nicht anshaltc, und mußte demnach energisch in die Schranken gewiesen werden. Am 29. Marz wurde die Patientin -vom Ausnahmspavillon auf den Pavillon 3, die ruhigste Ueberwachungsabteilnng der Anstalt, gebracht, wo ihr' die Begünstigung eines separierten Einzelzimmers erteilt wurde, damit sie den Verkehr mit anderen Patientinnen und den sich eventuell daraus ergebenden Mißhelligkeiten entzogen sei. Es war nämlich die Wahrnehmung gemacht worden, daß einige Patientinnen gegen Frau Kadivec eine sehr feindselige Haltung einnahmen. Die Patientin erhielt Anstaltswasche, weil sie selbst nur einige wenige Wäschestücke mitbrachte. Am 31. März, um 10 Uhr vormittags verübte die Patientin einen Strangulierungsversuch, der jedoch rechtzeitig verhindert wurde. Daraufshin mußte sie behufs genauerer- Ueberwachung aus dem Einzelzimmer in den Wachsaal gebracht werden. Da sich schließlich herausstellte, daß der Affekterregungszustand der Frau Kadivec, der übrigens inzwischen fast zur Gänze abgeklungen ist, durch ihre weitere Internierung am Steinhos nur unterhalten werden würde, wurde die Entlassung der Patientin bereits für heute nachmittags festgesetzt. Frau Kadivec wirb einer von ihrem Kurator bestellten Vertrauensperfvn übergeben werden. Der Vertreter Dr. Kramer hat in einer Eingabe die Beschwerden der Frau Kadivec vorgebracht. Bon der städtischen Wvhlfahrtshalle wird hierzu erklärt: Es ist im höchsten Grade bedauerlich, daß man sich nicht scheute, auf Grund einseitiger von interessierter Seite vorgebrachter und vielleicht sogar in b e st i m m t e r Absicht lancierter Informationen die Pflichttreue Aerzteschaft des Steinhofs grober Verstöße gegen jede ärztliche Moral zu bezichtigen und Mißtrauen in der Bevölkerung zu säen. Die Leitung des Steinhofs hat in keinem Punkte ihre Pflichten vernachlässigt. Was die Hebernahme der Frau Kadivec betrifft, so glaubt sie nicht, sich ein Kontrollrecht über ein ordnungsgemäßes Gutachten des Gerichtspsychraters anmaßen zu dürfen; sie mußte die ihr überstellte Patientin einer Untersuchung unterziehen und konnte erst nach der Untersuchung weitere Schlüsse wegen der Internierung der Pa-» tientin in der Heilanstalt oder ihrer Entlassung fassen. Auch die Mitteilung, daß der städtische Wohlsahrtsreferent, Stadtrat Profesior Tandler, Frau Kadivec in der Heil- und Pflege'- anstalt Stenchof besucht hätte, ist vollkommen aus der Luft gegriffen. Stadtrat Tandler besuchte, solange Frau Kadivec am Steinhos interniert war, kein einzigesmal die Anstalt. Die Wüsche« KnnalrSumererhilfe« streike«. Die städtischen Kanalräumergeh-ilfen sind in den Streik getveteu, nachdem ihnen eine z e h n p r o z e n t i g e Lohnerhöhung, die sie gefordert halben, nicht bewilligt worden ist. Die Gemeinde betreibt seit September 1923 die Kanalräumung in eigener Negie. Seit dieser Zeit sind alle Wiener. Kanclrftumerpehisscn städtische Arbeiter geworden. Die Drgani^