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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-05 · Heft 1846 (5.4.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1846 (5.4.1924)
Date
1924-04-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1846 Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung. 6. April 1924 Sette 8 Morgen Sonntag, 6. April halb 8 Uhr abends im Saale des Hotel Continental, II. TaMrasse 6 rwnmurwiijni Referenten: Dr. Chaim Arlosoroff (Bärtig) Mitglied des Finanz- und Wirtschaftsrates und Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation Lippmann Lewinsohn (Berit!) Mitgiiedder Exekutive der.Tarbuth'-Weltorganisation Der Saal wird bereits um 7 Uhr geöffnet am Weltkriege enthalte, habe er doch keinen Wert, weil dieses Bekenntnis nicht aus freien Stücken abgelegt worden sei. Vertrauensvotum Kr Morsal. Paris, 4. April. Bei der Verhandlung des Gesetzentwurfes über die Zivil- und Milttämpenstonen in der Kammer stellte FinanMmister M a r s a l gegenüber einem Mänldernngsantrag Bouisson, wonach die Begünstigungen des Gesetzes auf die Arbeiter in den Staatsbetrieben ausgedehnt werden sollen, die Vertrauensfrage, wobei er betont, daß die Lage der Staatsarbeiter durch einen besonderen Gesetzentwurf werde verbessert werden. Der Antrag Boirisson 'wurde sodann mit 887 gegen 201 Stimmen abgelehnt. Richter Brandeis. Kandidat für die amerilanifche Biredrüfidentschaft. Eine Spaltung unter den Republikanern. Wie I. T. A. meldet, ist Louis Brandeis, Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, ernstlich für eine Kandidatur als Vizepräsident der Vereinigten Staaten in Aussicht genommen. Infolge der reaktionären Bestrebungen in der republikanischen Partei hat sich eine sehr bedeutende und angesehen« Gruppe dieser Partei als unabhängige „Dritte Partei" losgelöst und beabsichtigt. falls die republikanische Konvention in Clevelaud tatsächlich eine reaktionär gefärbte Kandidatenliste beschließen sollte, mit einer eigenen Li sie in den Wahlkampf zu gehen. Als Präsidentschaftskandidat der Dritten Partei gilt Senator La Folltte. der seine Zustimmung von den Beschlüssen in Cleveland abhängig machte und hierbei den Wunsch äußerte, daß für den Fall seiner Kandidatur Oberrichter Brandeis für die Dizepräsidentschaft kandidiert werde. Die amettkamsch-euMchen Petrokeumderhandlungen. Washington, 4. April. (Tel. der „Wr. Morgenjeitu'itg".) Staatssekretär Hughes hat sich mit dem Vorschlag an die britische Regiemng gewendet, in eine Beröfifentli chung der gesamten amerikanischenglischen Verhandlungen bezüglich der beiderseitigen Petroleum interessen seit 1918 einzu- Fünfzig Fahre „Fledermaus". Der 5. April 1874, an welchem Johann Strauß' „Fledermaus" am Theater an der Wien erstmalig in Szene ging, ist weit mehr als einer der vielen musikalischen Gedenktage, für die man in Wien gewöhnlich mehr Pietät nusbringt, als für die schaffenden und rmgelntEN Tontiinstler; der Geburtstag der „Fledermaus" ist zugleich ein Me-lenstein auf dem Wege des Wiener Frchsiims. Auch darin hat die „Fledermaus" ihr echt wienerisches Schicksal, daß sie erst auf dem Umweg über das Ausland in Wien berühmt wurde: In Wien fand sie nur eine laue Aufnahme und verschwand nach 16 Aufführungen ans dem Spielplan und erst als sie in Berlin 100 Aufführungen en suite erlebt hatte, kamen die Wiener auf den Geschmack. Es ging der „Fledermaus" wie dem „blauen Donau- Walzer", der in Wien wohl uraufgeführt, in Paris jedoch erst entdeckt wurde und von dort aus die Welt eroberte. In nur 6 Wochen, in 42 Nächten, die der 48jährige Johann Strauß zu Werktagen machte, schuf er die pikante, charmante, moussierende Fledermausmusik, die in ihrem tollen, alles mit- und umreißcnden Uebermut Rossini-s „Barbier" durchaus nicht nachsteht. Nicht nur in der Champagnerorgie beim Prinzen Orlofski, nein in dem ganzen Werke schäumt echter französischer Champagner, der wohl nicht mit der frivolen Cancangebärde Offenbachs, doch mit der liebenswürdigsten Wiener Anmut kredenzt wird. Mit echt Wienerischer Noblesse streut die Partitur freigebig ihre Schäpe aus, von deren Fülle der stets überbcscheidene und überängstliche Walzerkönig anfangs selbst keine Ahnung hatte. Dein Genie, das sich wie im Ficberwähne vo-n dm ihn bedrängenden Melodien befreit hatte, bangte vor der Flüchtigkeit der Schnellarbeit und das Publikum nahm Anstoß an dem neuartigen Milieu der Operette, die sich von fremden Ländern und fernen Zeiten emanzipierte und mit Gegenwartsmenschen in Frack und Abendkleid debütierte. Erfreulicherweise zog mit dem mondänen Kostüme nicht auch mondäne Langeweile in die Operette ein. Im Gegenteils Welch ein Sprühregen von Tempo und Laune, wie glitzert und gleißt das bunte Kolorit, wie reich ist da und dort die kunstvolle thematische Arbeit, zu der Johann Strauß von willigen. Wenn Großbritannien auf den Vorschlag eingcht, wird der gesamte Notenwechsel zwischen den beiden Staaten gleichzeitig in London und Washington zur Veröffentlichung gelangen. Dieser Schritt des Staatsdepartsineuts ist, wie man allgemein annimmt, die Folge einer Anregung der Senatskom Mission, die die Untersuchung der großen PetroleumfkaniMaffäre führt. Sie letzten Kurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 4. April. (Radio.) Devisenschlußkurse: Prag 144 V„ New-York 4,30'/,. Paris 75, Brüssel 89,37'/,. Rom 88,60, Zürich 24,72, Madrid 32,62'/,, Amsterdam 11,63, Kopenhagen 26,00»/„ Christiania 31,67'/„ Stockholm 16,28'/?, Helsingfors 172'/*, Berlin 19'/, Billionen, Wien 305,500, Athen Paris, 4. April. (Radio.) Effektenschlnßkurse: Banque de France —, Pragobanka 420, Credit Lyonais 1550, Suez 8925, Platine'663. Dabrowa 785, Banque Ottomane 741, Central Mining 819, Rio Tinto 2458. Le Raphte Russe 348. Succeried Eghpte 935, Baku 2230, Cautchoues fin 165,50, Chartered 53, Debeers ordin. 950, GoldfieldS 74,50, Huanchakas 269, Jägers Fontain 228, Malacca ordin. 143, Maltzoff 334, Mexican Eagle 7950, Padang 338, Rand Fontain 94.25, Nandnüne 166, Silva plana 128, Tanganhika —.—, Tubice soie 579, Utah Copper 1185, Shell 346, Royal Dntch 28.350, Burmah —, Societe generale —, Steana Romcma —, Schneider u. Cie. —, Metropolttaine —, Tbompson Houston —, Raffinerie say ord. —, Russe cons. 4®/0 —Russe cons. 3°/, 1891/94 —, Russe cons. 3°/0 1896 Russe cons. 3'/2% 1894 Nuss, cons. 5% 1906 —, Russe cons. 4 '/8°/0 1909 . Serbie 4% 1895 —, Dette Ottomane 4% —, Ottomane 5% 1914 Aew2)ork» 4. April. (Radio.) Devisenschlußknrie: Taggeld 40/o, Wechsel auf London 4,30,62, 60 Tage-Wechsel 4,27,62, Paris 5.73, Amsterdam 37,06, Prag 2,97*fif Berliner Schlußkurs 217/g bis 22, Silber 63»/.. Rekonstruktion der lugollawischen Regiemng. Rom/4. April. Die Matter berichten aus Belgrad, daß der Minrsterrat statt der Demission eine Rekonstrü kt i0 n des Kabinetts beschlossen habe, in dem der Minister des Aeußern Nincic sein Portefeuille an den Präsidenten der Skupschtina, Jovanovie, oder an den früheren Minister P eric überlassen wolle. den ihm so lieben Meistersingern, angeregt worden sein mag! Die Einfälle überbieten und überstürzen einander und wenn endlich der prickelnde Walzer, den so manche modernen Komponisten in ihren Werken verherrlicht haben, ansetzt und die Tanzenden umfängt, dann werden alle Menschen „Brüderlein und Schwesterlein". Wir sagten schon, daß die Premiere trotz der glanzvollen Besetzung — die Geistinger als Rosalinde, Frau Charles Hirsch als Adele, Szika als Eisenstein — den großen Erfolg nicht brachte. Edle Früchte reifen oft nlnr langsam, erst allmählich erkannten die Wiener den köstlichen Schatz, und Gustav Mahler, der strengste Kritikus, erwarb die „Fledermaus", die bald darauf auch in Paris unter Bodanzkis Leitung eine Renaissance erlebte, für die Hofoper. In Matineen, später auch in Abendvorstellungen brachte sie volle Häuser, Jahre lang war sie das Sylvesterstück der Hofopcr, und ermöglichte da allerlei lustiges Extemporieren und Allotrias, die sonst aus der höfischen Bühne strenge verpönt waren. Paula Mark, Ellen Förster, Lola Beeth, Schrödter, Ritter, Felix und Schrittenheleu sangen in dem prächtigen Opernenscmble. Tempi Passati! Gerade ein Vierteljahrhundert ist es her, seit sich der 74jährige Johann Strauß beim Dirigieren der Fledermausouvertüre in der tzosoper am Pfingstmontag 1899 den Keim zu seiner tödlichen Lungenentzündung holte. Rascher als jemals ivrlkt heute die eben noch junge zeitgenössische Musik dahin und eine kaunr zehn Jahre alte Operette ist oft schon dem ewigen Schlafe verfallen. Doch das fidele Gefängnis des alten Luftspieldichters Bcuedir, das nach wiederholtem Kostümwechsel schließlich zum Amtslokal des gemütlichen Gefängnisdirektors Frank wurde, übt heute eine nach viel stärkere Anziehungskraft als früher einmal und Prinz Orlofski mag ungenierter denn je seinen Gästen die Flasche an den Kops werfen. Denn die „Fledermaus" ist das klassischeste Werk der klassischen Operette geworden und wird es auch bleiben. Nur eine Operette und doch das Wunderwerk eines Genius, der damit Millionen Menschen Stunden reiner und heiterer Andacht geschenkt hat. Erwin Felder. Eine ganze Pattei konfisziert. Sofia, 4. April. (Bulg. Tel.-Ag.) Der Kassel ionshof hat gestern ein Urteil gefällt, womit die Auslösung der kommuni st ischen Partei angeordnet und ihr Bestehen aus Grund des Staatsschutzgesetzes als gesetzwidrig evklärt wird. Durch das Urteil wird aller beweglicher undunbeweglicher Besitz dieser Partei sowie der von ihr abhängigen Institutionen als zugunsten de'S Staates verfallen erklärt. Todesstrafe für die volnifchen Bombenwerfer. Warschau, 4. April. Das Militärkreisgericht hat nach neuer Prüfung des AnElagematerials die wegen einer Reiht von Bombonattentaten Angeklagten Offiziere, Leuttva» Wieczerkiewicz und Oberleutnant Baghn 8 k' zum Tode verurteilt. Lnrmfzenea im ungarischen Parlament. Die Opposition gegen die Sanierungsvorlage. Budapest, 4. April. (Tel. d. „Wr. Mörgenzeitung".) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung legte Berichterstatter Kall ah den Ausschußbericht über die Sanierungsvorlagen vor, worauf der Präsident 'den Antrag stellte, diese Vorlagen in der morgigen Sitzung in Beratung zu ziehen. Die sich daran anschließende Debatte löste wiederholt stürmische Lärmszenen aus. Abgeorndeter S 3 ilaghi (parteiloser Oppositioneller) spricht sich g e g e n den Antrag des Prästdentey aus. Er erklärt, daß durch diese Vorlagen das Land in die vollkommene Abhängigkeit von den beiden Ententen gebracht werde. Szilaghi fordert, daß die Regierung das Haus a u f l ö s e und an daS Land appelliere oder ihre Demission gebe. Ministerpräsident Graf Bethlen erklärte, einzelne Mitglieder der Opposition scheinen sich nicht bewußt zu sein, in welch schwieriger Lage sich das Land befinde. Sie wollen auch die Sanierungsaktion zu parteipolitischen Zwecken ausnützen. (Lärm.) Zwischen dem Abgeordneter: Fabian (Demokrat) und dem Abgeordneten R u p p e r t (Kofsuth-Partei) kommt es zu einem stürmischen Wortwechsel. Abgeordneter Farkas (Sozialdemokrat) erklärt, daß seine Partei als Vertreterin des Volkes es für ihre Pflichte halte, die Sani erung svorlage zu verhindern. Bethlen ( antwortet, die Sozialdemokraten vertreten nicht -das Volk, f sondern bloß einen Teil der industriellen Arbeiterschaft „Kampf -er Geschlechter." Neue Mener Bühne. Der Name, den Avzybaschew seinem Stücke gab, läßt wilde Eheschlachten a la Strindberg erwarten, Orgien der „Haßliebe", gegenseitige Zersieischung von Mann und Weib. Aber ist ein sanftes, trauriges Drama, das bloß die Ohnmacht gegenüber dem Walten des Gottes Eros bekennt und an einer Fülle von Schicksalen erweist, daß es nicht just Rosensesstln sind, welche der lose Gott um seine Opfern windet. Diese Bühnendichtung ist geradezu ein dramatisierter Traktat über die Liebesleidenschaft. Alle erdenklichen Fälle ftittb in die Handlung verwoben. Der Mann Krischen zjwei Frauen. Die Frau zwischen zwei Männern. Das Schicksal der und des Schwerblütigen. Das Schicksal der und des Heißblütigen. 'Die Geischlechtsnot des Gütigen, Mitleidigen. Die nicht geringere Not des skrupellosen Genießers, für den es doch immer eine Unerreichbare gibt. Damit ist die Anzahl der vom Dichter präsentierten SchuNe-ffpiele für die Not der Geschlechter (Dies wäre der zutreffende Titel -de- Stückes) bei weitem nicht erschöpft. Bemerkenswert, daß es diesmal durchaus Hauptrollen gibt. Ich wüßte keine Figur zu nennen, die nicht im Mittelpunlkt der Handlung stünde, vom Stubenmädchen abgesehen. Sekbst der Raisonneur des Stückes, der eine Zeitlang sozusagen den Motiv'enbericht für die Ereignungen gibt, wird schließlich Hauptbeteiligter an der Affäre. Er, der Wissende, sieht seine herzhafte Tochter uusägbich leidend und. kann ihr nicht helfen. Ein feiner stimmungsvoller Abend. Ganz meisterlich Oskar Beregi in der Rolle eines schwachen, gütigen Mannes. Selten glückt es, mit geringstem Aufwand an Stimme und Geste eine Gestalt so wesenhaft zu zeichnen. Bewundernswert auch die zarte und doch so eindrucksvolle Farbengebung bei Karola T 0 e l l e. thtfb Charlotte Fraedrich spielt die Sterbesz-ene en^r Gattin und Mutter so außerordentlich, daß sie der ^^ning ebenbürtig wird. Auch die übrigen i Mitwirkenden des dankenswerten Abends, insbesondere Herr Stahl-Nachbaur (gleichzeitig der feinsinnige Spielleiter), Hilde W age n e r sowie die Herren Aicher und Teubler voll Verdienst. O. A. G rr* ii bffto Aalititen WU u

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