Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1846 (5.4.1924)
- Date
- 1924-04-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«blies Wien, GamStag Wiener Morgenzeiturrg. 5. AM tm Nr. 1846 Die Post- und Lelephonmisere ivenn am Montag erst in den späten Vormittagsstunden fftarfi'tK'Mtftt.rt ftelfih Itiiitütc hofft ntiki'Ttif) sein. Amppe keS Parfaments unter Führung Gömbös', also Ae eigeEichen Urheber der jtchensepMtchen" Schulgesetze, haben die Verhinderung der Sanierungsgesetze jmt allen Etteln angekündigt. Wern zuliebe also klammert sich die Regierung mit allen Kräften und untrr den nrchtigsten Vorwänden aü den Numerus elausuß, der angeblich auch dem Unterrichtsminister und einem, großen Teil der Einheitspartei zuwider ist? Vor einigen Tagen erst hat Vanderlip die ungarische'Regierung wissen lassen, daß die Durchführung der ungarischen Anleihen sich leichter und'glatter vollziehen ließt, wenn die ungarische Regierung sichdazu. entschlösse, in' der Verwaltung des Landes demolrntischere Grundsätze walten zu lassen. Die Mitteilung dieser machenden Aeußerung erreichte den ungarischen Unterrichtsrnimster an dem Tag, an dem er den Antrag cmf Abschaffung des Numerus clausus mit der zym-, schen Berufung aus die Auswirkungen des. Vertrages... von Trianon zu Falle brachte. Diese hochmütige Mißachtung der öffentlichen Meinung des zivilisierten Europa undder Vereinigten Staaten kann und darf.' nicht damtt belohnt werden, daß eine Regierung, die irredentisttschen Rassenschützlern zuliebe selbst ihre Angeblichen Prinzipien opfert, die Mittel dazu erlange, auch das inner- und außenpolitische Programm dieser ewig revoltierenden Jrredentisten zur Durchführung bringen zu können. Numerus clausus für NichttSrlen. Nach dem Muster Europas. (Eigenidieust der „Wiener Movgenzettung^.) Konstantinopel, 4. April. Die Angora-Re- . gierung, welche den Vertrag von Lausanne unterzeichnet und sich dadurch zur verfassungsmäßigen Ein-. Haltung der aus dem Vertrag von Sevres, bezw. V e rs a il l e s unverändert übernommenen M i n o r i t ä t e rt*' ‘ traktats verpfichtet hat, hat durch das türkische Parlament noch vor der Ratifizierung ein Minori--. tätengesetz beschließen lassen, welches eine schwere Verletzung der Minderheitsrecht e bedeutet. Das Gesetz bestimmt, daß die Zahl der Nichttürken nirgends 10 Prozent derGesamtbevölkerung übersteigen darf. Ferner ist der Aus enthält in der Türkei v erboten: für Armenier östlich der Linie Rize Makris, für A rab e r an den Grenzen Syriens und Mesopotamiens, für Georgier westlich von Rize KarS-Zlrdahan. Für die Griechen wird der Aufenthalt auf Konstantinopel beschrankt. * Was diese Bestimmungen bedeuten, läßt sich aus dem Bericht Wer daS Gesetz im Parlament ersehen, der unter anderem besagt, es seien 200.000 Nomaden von Amts wegen ansässig gemacht worden. Das heißt, daß die Behörden Zwangsanstedlungen und Vertreibungen von NichtüÄen durchführen, für die jetzt ein gesetzlicher Rahmen geschaffen wurde. Das gevadezu unmenschlich gehandhabte System der ZwangSübevsiedlung, welche? in Kleinasien gegen die Griechen angewendet wurde, wird durch die Numerus clansus-Beistim-nrungen für Nichtkürken, die das neue Gesetz vorschreibt, auf alle Minderheiten in der Türkei ausgedehnt und stellt sich einfach als Vertreibung der Nichttürken aus dem Gebiete der Türkei dar. Das ist das wahre Gesicht des Angora-Regimes, mit dem man in Europa, insbesondere in Ungarn und Deutschland, herzlich sympathisiert, weil es sich auf die Bajonette stützt. Es ist eine grausame Ironie, daß dieser türkische Nationalismus seine europäischen Vorbilder auch darin nachahmt, daß er den Numerus clausus im großen anwendet und gegen die Nichttürken, somit implicite auch gegen alle europäischen Elemente, sich auswirken läßt. Allettüngs nimmt er seinen europäischen Freunden zu Liebe auch Ausnahmen vor. So hat er den General Lossow als Instruktor engagiert, ttnen Mann, der freilich nicht der Demokratie verdächtig ist. Ae Wahlbetvegung in Deutschland Marx gegen die Höllischen. Berlin, 4. April. (Tel.-Komp.) Reichskanzler Doktor Marx erklärte gestern m Besprechung des Wahlkampfes Journalisten gegenüber, der Widerspruch der Rechen gegen die von ihm, von der Reichsregievung und von der überwiegenden Mehrheit des bisherigen Reichstages vertretene Politik sei ihm wohl bekannt und bilde den wichtigsten Punkt im Wahlkampf. Die Politik des Irrealen, wie sie von deutschvölkischer Seite betrieben werde, werde Deutschland ins Verderben fühven. Bei seiner Machtlosigkeit könne mit eine Politik der Geduld und de8 langsamen, mühsamen Durchkämpsens Deutschland vorwärts bringen. Man sollte doch, meinte der Reichskanzler, die trüben Erfahrungen des Jahres 1923 nicht ungenützt lassen! Da 'habe das deutsche Volk einmal einmütig und geschlossen Nein gesagt, aber seiner heroischen Auflehnung gegen den Ruhreinbruch sei der Erfolg versagt geblieben. Wahrhaft national, schloß Dr. Marx, sei derjenige Deutsche, der eine gute- Politik im Interesse 'des deutschen Volkes mache . Schlägereien in Berlin. Berlm,'4. April. (Tel. d. ,Mr. Morgentzeitung".) Auch gestern kam es wieder bei Wahlversammlungen der Deut.s chd 5lkischen KU blutigen Zusammenstößen mit den Kommun-isten. Bei einer dieser Schlägereien vmrdea acht Personen fr schwer verletzt, daß sie in ein Kraaberchau» gebracht werde« mußten. Die Polizei nahm ]ML Gestern endlich konnte nach zweitägiger Debatte die Erörterung der Budgetkapite-l „Post, Telegraph- und' Telephon" mit der Annahme der entsprechenden Posten des Voranschlages abgeschlossen werden. In der Debatte machte Abgeordneter Zelenka darauf aufmerksam, es wäre int Interesse der Bevölkerung gelegen, durch Verlautbarungen in der Presse jene Leute, die in den Jahren 1918 bis 1920 vergeblich um ein Telephon angesucht haben, aufzufordern, mitzuteilen, ob sie ihr Ansuchen noch aufrecht erhalten. Kleineren Geschäftsleuten. Aerzten und solchen Personen, die das Telephon notwendig brauchen, sollte ' die Zahlung der Gebühren in Raten bewilligt werden. Während man -den Angehörigen der Ang-estellten die Fahrtbegünstigung-en entzieht, soll die Frau des Generalkommissärs auf einer Fahrt von Wien nach Buchs eine öOpvazentige Ermäßigung in Anspruch genommen haben. Abgeordnete Ernmy Freundlich Mt dafür, daß durch Ermöglichung der monatlichen statt der halbjährigen Entrichtung der Abonnemenlsgebührett die Benützung des Telephons verallgemeinert würde und wünscht die Herausgabe eines Nachtrages zum Wiener Telephonverzeichuisie. Abgeordneter Reiner führte Klage über das schlechte Funktionieren der Ges el lschafiste le Phon e. Die Telephonverzeichnisse Müssen endlich durch einen amtlichen Nachtrag in Ordnung gebracht werden. Es sei begreiflich, wenn die Telephonangestellten durch ihren Dienst nervös werden, aber noch begreiflicher ist es, daß die Abonnenten nervös werden, die vergeblich eine Nummer anrusen. Das Telephon ist heute eine Quelle immerwährenden A e r g e r s. Was die drahtlose Telephonie aübelangt, so tritt für die Industrie, Handel und Gewerbe besonders der Umstand in Erscheinung, daß wir noch immer unter dem Mangel eines Telegraphengesetze's, das diese Frage vollkommen regelt, leiden. Die schwach beschäftigte Industrie ist daraus angewiesen, neue Wege zu finden, um Arbeitslose in die Betriebe zu bringen. Es ist aber ganz. unmöglich, große Investitionen , zu machen, -wenn man nicht weiß, wie sich die Herstellung von Empfangsapparaten gestalten wird. Unsere inländischen Unternehmungen sind daran gehindert, ein großes Produktiossprogramm aufzwstelle^ andererseits aber drängt das Ausland mit dem Verlangen nach Gestattung der Einfuhr solcher Apparate. Gegenüber dem Abgeordneten Zelenka möchte er seststellen, daß die Geschastswebt.es als überausstörend empfindet, LeutschvSMsche „fitignr. Berlin, 4. April. (Tel. der „Wr. Movgenzeitung".) Der „Deutschen Zeitung" zufolge werden sich an dem Wühlkampf nicht weniger als 2 8 deutsch völkische Gruppen mit eigenen Listen beteiligen. Sine verfehlte Maßregel. Berlin, 4. April. (Del. di. ,Mr. Morgenzeitung".) Die Maßnahmen der Reichsregievung zur Erschwerung von Auslandsreisen deutscher Staatsangehöriger finden in der Presse keine 'Zustimmung. Die meisten Blätter meinen, daß der deutsche Eisenbahnverkehr dadurch eine schwere Einbuße erleiden werde, und bedauern, daß gerade die neuen Reiche«, deren Auftreten allein im Auslände das Aergernis erregte, von den Maßnahmen kaum getroffen werden, wogegen der leidtragende Teil der Reisenden der Mittel st and sei, dem schon wegen feiner verhältnismäßig geringen Geldmittel ein ärgerniserKgendes Auftreten im Auslande unmöglich war. Münchener Justiz. München, 4. April. Das Münchener VoNsgericht hat zwei ehemalige Angehörige de§ aufgelösten Bundes „Oberland", die nach der Auflösung noch Aufnahmen in den Bund getätigt und mit ihren Kompagnien Geländeübungen und Versammlungen cchgehalten hatten, zu Mehrwöchigen Gefängnisstrafen mit Bewährungsfrist verurteilt. Ansuchen um Straferlaß für Hitler. München, 4. April. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Von der Verteidigung ist an das Justizministerium ein Gesuch um sofortigen Straferlaß für die vier im Hitler- Prozeß verurteilten und nicht freigelassenen Angeklagten Hitler, Weber, Trim'beluud Poehner gerichtet worden. Die Eingabe trägt 24.000 Unterschriften. Sr. Zeigner auch von Leipzig versolgt. Wegen Landesverrates. Berlin, 4. Aprll. Wie aus Leipzig gemeldet wird, ist auf Anordnung des Reichsanwalts.am Ersten Gerichtshof zum Schutze der Republik gegen den früheren sächsischen Ministerpräsidenten Dr. Zeigner ein Verfahren wegen Landesverrates eröffnet worden. Der Beschluß gründet sich aufz w ei Red en Dr. Zeigners, die dieser rm August vorigen Jahres gehalten und in welchen er -behauptet hat, daß zwischen der Reichswehr und gewissen rechtsradikalen geheimen Organisationen Beziehungen bestünden. Die Voruntersuchung kn dem daß auch am Sonntag wenigstens eine Austragung erfolge. Wenn die Keinen Feiertage für die Arbeiter und Angestellten nunmehr Arbeitstage sind, so sollen sie auch für Post, Telegraph und Telephon Arbeitstage sein. General-poftdivektor Hoheisl versprach eine Aenderung der jetzigen Gesprächezähkmg beim Telephon. GS werde entweder zur Zeitzählung oder zur Zählung der effektiven Rufe kommen. Er stellte ferner folgende Verbesserungen des Postwesens in Wien m Aussicht: Die Weiterleitung -der in den Vormittagsstunden vorliegenden Briefseuduugen mit den Nachmittagszügen, insbesondere die lleberleitung der bis 18 Uhr 30 Minuten aufgegebenen Briessendungen mit den Abendsernzügen. Bessere Verbindung zwischen den angrenzenden Abgabeämtern. Zu diesem Zwecke soll auch die R o h r p o st benützt werden, wenn auch die einzelnen Poststücke nicht rohrpostmäßig frankiert sind. ( Eine Verbesserung des Stadtp.ostverk.ehr's dahingehend,, daß die bis 11 Uhr vormittags aufgegebenen Sendungen nocham gleichen Tage inWienzugestellt werden. Die Verhältnisse beim Hauptzollamt sind zeitweise sehr schwierig gewesen. Die Pofiverwaltung hat jedesmal, wenn sie in Anspruch genommen wurde, Hilfskräfte zur Verfügung gestellt. Eine Besserung wird, in der Weise angestrebt, daß die Postverwaltu-ng den Zoll Hilfsdienst übernimmt. Den Wunsch, daß die Eintritlsgebühr für Aerzte gestundet werde ober sie die Möglichkeit von Ratenzahlungen haben, wird berücksichtigt werden. Die Bezahlung der Teilnehmergebühren in mehreren Raten würde bedeutende Verwaltungsmehrkosten verursachen. Die Telephonverwaltung ist im Begriff einen Neudruck des Telephonverzeichnisses zu veranlassen. Aber' auch dieser wird mit Rücksicht darauf, daß jede Woche mindestens 200 Stellen umgeschaltet und 100 Stellen neu angeschlossen werden, nicht ganz stimmen. Minister Dr. Schür ff stellte fest, daß -weder der i Generalkommissär noch seine Frau auf den Bundesbahmn eine Fahrtbegünstigung genießen. Ter Berichterstatter Steinegger regle in seinem Schlußworte die Einberufung einer Konferenz aller Sukzessionsstaaten an, auf der alle Verbehrsfragen, insbesondere auch die Radiofrage, Zur Beratung und Lösung gelangen können. Wilhelms KriegfShrnng. Paris, 4. April. (Tel. der „Wr. Morgeuzeituug".) Dieser Tage wurde vor dom Kriegsgericht des 20. Korpskommandos in contumaciam der Prozeß gegen den gewesenen Gouverneur von Metz, General d. I. v. Oven, durchigöführt. General v. Ovem stand unter der AnKage, im August 1914 bei der Einnahme deS Dorfes I a n n y durch die deutschen Truppen die Verwüstung des Ortes und das Massaker der Einwohner ungeordnet zu haben. Dreißig Ortsbewohner, darunter der Bürgermeister und der Pfarrer, wurden auf Besthl v. OvenZ erschossen. Die Häuser wurden mit Petrollenm ülbergosiE lind angezündet. Der Nurwächter Plessis wurde an einen Baum gebunden und vor den Augen ferner Frau erschossen, wobei ein deutscher Offizier der Frau des Opfers die Worte Wigerufen ha-ben soll: ,Mch' zu, wie dein Mann erschossen wird!" Das Kriegsgericht verurteilte General v. Oven in corttmnaoiom zum Tode. Ae fnmMchen Sozialisten über die Schuld am Kriege. Paris, 4. April. (Tel. d. ,Mr. Margenzertung".) In der gestrigen Nachtsttzung der Kammer erregte eine Kontroverse über die Stälung der französische:: Sozi-cilistei: zur Reparationsfrage besonderes Interesse. Der sozialistische Abgeordnete Baren ne hatte unter anderem erklärt: Wir haben immer die Rechte Frankreichs betont und o n f N c* parationen bestanden. Deutschland muß wissen, daß es derr Krieg verloren hat. Niemand unter uns 'hat daran gedacht, Deutschland ein Geschenk zu -machen. Auf den Zwischenmf, -ob der Redner im Namcn aller Sozialisten spreche, antwortete Barenne: Ja. Deutschland ist für uns nicht so sehr der Besiegte als der Verantwortliche des Weltkrieges. Auf einen weiteren Zwischenruf, -ob dies airch die Ansicht des Deputierten Blum sei, ergriff dieser selbst das Wort und sagte: Auf -dem internationalen Kongreß in Hamburg habe ich die Verpflichtung Deutschlands zu Reparationerr ausgesprochen. Ich habe gesagt, die Verpflichtung Deutschlands KU diesen Leistungen bestehe ni-cht aus dem Grunde, weil Deutschland im Kriege geschlagerr wurde, sondern auf Grund des Prinzips, daß derjenige, der e i n c n Schaden an richtet, ihn auch wieder gutmachen muß. Ich habe hinzugesüg-t, daß ich es bedauere, daß über den Versailler Vertrag -mit den Deutschen nicht unterhandelt WM. MMa da» WljWMÜ m SchM