Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1846 (5.4.1924)
- Date
- 1924-04-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElnzeInmmnßrS1200 Wiens Zum Abholen in der Expedition, lI.,Taborütr.l-3, oder meiner Verschleiaateile (Trafik) monatl. K 35.000 Sfarassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoIdschmiedt,I.Bez Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 85.000 Italien,: Monatl. 12 Lire, Rantni VuigarAs» Hdn.M-Lch»a. Se^hw ei,s and X. R«M^oAiUkiMb Wien, 8^ Tsln)ntHaiili~8 DerersteKuss Tdaphoner44-0-W.43.»V. ab 6Ühr abds. 19*483,25482 IX. Univerittätsatr. 6—* (Druckerei Stelnmntm) Ts che eh o-S 1 owakei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar6Ö. Polen: Mon. 3% Zloty, Deutschland Mon.Goldtnark4, Fraukr Belgien: Mon. Frcs. 12 Oesterreiehisebes Postspar« kessen-Konto Nr. 1501696 Naelaaataafea HW bei PnlierliSliBBtM vorbeni 9k. 19« Unbegründete Mümtmumsgernchte. bin scharfer Dementi Dr. Kienböcks. Trianon, derBorwand für den Numerus clausus. Er. Wien, 5. April. r Die »LU« es" haben gestern folgende Meldung aus Wien verSffenGcht: Das Steigen des Franken habe die LeistungSsAWett der kleinere« Banken bis zum Zer. reißen «rgespmmt. Bei diesem Stande den Dinge gehe die allgemeine Ansicht dahin, daß die Regierung durch einen gemeinsamen Appell anfgefordert werden sollte, für diese Verpflichtungen ein Moratorium zn erlassen, «» so mehr als zu ihrer Bereinigung ausländisches Geld erforderlich ist, was, da es sich nicht um kaufmännische Zwecke handelt, den Vorschriften der Devisenzentrale widerspricht. Sogleich «ach dem BeLmutwevdev des Wortlautes Ser „Dtmes"-Melr»mg hat BundeSminister für Finanzen Dr. Kienböck an deu Herausgeber der „Times" folgeude Depesche abgeserwet: Ihre Wiener Meldung betreffend' Moratorium ist unbegründet. Eine derartige Maßregel ist weder b eabsichtigt, »o ch der laugt worden. Hier ist keine Insolvenz erfolgt. Die Meldungen über Verluste durch F^ankenspekulationen find übertrieben. Marken Rückgang der österreichischen Anleihe in London. London, 4. April. (Radio.) Die österreichische Bölkerbundanleihe fiel heute von 95 auf 90,5. Reue Bestimmungen Wer kffekteuvrEufe. In der gestrige» Sitzung der Börsenkammer wurde einstimmig beschlossen, von Montag den 7. d. an Aufträge zum Verkaufe von Effekten nur dann durchzuführen, wenn die zum Verkauf gelangenden Effekten sich bei der Erteilung des Auftrages entweder schon im Depot bei dem Beauftragten befinden oder gleichzeitig mit der Erteilung des Auftrages hinterlegt werden. Auch das Verleihen von Ef- | selten zum Zweck der Kontermine wird verboten. Zusammenkunft Mac Donalds mit ftoincore? Paris, 4. April. Dev ,H e tit Parisien" meldet ans Lomdou, daß sich Mae Donald demnächst nach Par4S begeben werde, um mit P oineare die Lage zu besprechen, bevor eine Konferenz der alliierten Minister- PrLtfidenten söMfvnde. Mae Donald sei entschlossen, eine internationall'e Konferenz nicht früher einzuberufen, als die Teilnahme der Bereinigten Staaten gesichert sei. London, 4. April. (Tel. der ,Mr. Marge nzeitu-mg".) Nach dem „Daily Expreß" wich sich Ramsay Mae Donald Mitte Mai nach Paris begeben. Ausdehnung der sranröMen Besetzung? Essen, 4. April. Rach einer Meldung der „Rhemisch- Westsäli scheu Zeitung" seien französische Truppen im Norden von Elberfeld vorgedmrigen, um eine Reihe von auf Elberfelder Gebiet liegenden Häusern in das besetzte Gebiet einzubeziehen. Kontrolle für deutsche LWere! Paris, 4. April. (Tel. der,Mr. Morgenzeitunc^.) Der stanzösische Obcrkommifsär Tirard hat der Rheinlandskommission «ine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, um die deutschen nationalen Gehciiurverbände in den'besetzten Gebieten zu bekämpfen. Es sollen besonders die früheren Offiziere unter Aufsicht gestellt werden. _ . Die RepamtionskomMission ist mit der Avettenarbett zufrieden. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 4. April, lieber die Beendigung der Arbeiten der Expertenkommission zeigt man sich in den Kreisen, die der Reparationskommrssion nähestehen, ungemein bef r ie d i g t. Man glaubt, daß die Arbeiten der Experten wirklich die Grundlage zu einer praktischen Regelung des Reparationsproblems bilden könnten. Die Bela st ungdesdeutschen Budgets, welche die Experten Vorschlägen, scheint nach Ansicht dieser Kreise sehr mäßig und der wirtschaftlichen L a g e D e u t s ch l a n d s a n g ep a ß t. ju sein. Die Experten selbst erwarten von der Aufnahme ihrer Vorschläge eine wirtschaftliche Stabilisierung; zum ersten Male wird Deutschland ziffernmäßig mitgeteilt wer-' den, was es zu bezahlen habe, und dies im E i nkla itg mit dem, was es zahlen kann. * . Paris, 4. April. Der Redaktionsausschuß des Komitees Dawes hat. heute seine Arbeiten an dem endgültigen Bericht fortgesetzt. Die De p arationskommissirn hat in einer offiziösen Sitzung die Einzelheiten bezüglich Überreichung undMLrvffentlichnng der Berichte geregelt. Paris, 4. April. (Tel. d. ,Mr. MorgeiMtung".) Wie der „Petit Parisien" erfährt, soll nach dem Berichte der Sachverständigen den Deutschen nur ein teilweises Moratorium von vier Jahren gewährt werden. Während dieser Zeit hätte Deutschland di« Besetzungskofien, die Kosten der Schiedsgerichtsämter usw. zu bestreiten sowie Sach'tiesemugen zu leisten. Im ersten Jahve hätten diese verschiedenen Leistungen eine Milliarde zu betragen und 'würden in foeti folgenden Jahren progressiv gesteigert werden, um >in fünf Jahren 2/6 Milliarden Goldmark zu erreichen, Inas v-ou den Sachverständigen als Maximum dessenangesehen werde, was in normalen Zeiten von Deutschland gefordert werden könne. Die Eisenbahnen der besetzten Gebiete würden als besonderer Sektor der Reichseisenbahnen organisiert wer-' den. Die Einnahmen aus diesem Sektor würden teilweise >der Emissionsbank zuMührt werden als Garantie für den Anleihedienst, teilweise in die Reparationskasse fließen. Die Micum würde als Kontrollorgan aufrecht erhalten werden und an Ort und Stelle bleiben, um nötiaen-- falls bei einem. -weiteren Versagen Deutschlands die "d irekte Ausbeutung der Gruben und Fabriken der Ruhr zu übernehmen. Ueber das Vorgehen nach der Überreichung der Berichte der Sachverständigen an die Reparatiouskommission erfährt der „Petit Parisien", daß den Mitgliedern der Reparationskommission zunächst zwei Tage Zeit gegeben werden wird, um die Berichte einzeln zu prüfen. Daraus wird die D i s kufs i o n der Berichte ausgenommen 'werden. Voraussichtlich werde die Reparatiouskommisfion die Berichte der deutschen Regierung offiziell Mitteilen und sie einladen, ihre Meinung darüber schlüssig zu formulieren. Wenn die deutsche Regierring verlange, daß ihre Vertreter über die Berichte angehört werden, bann werde diesem Gesuche in Uebereinstimmung mit dem Friedensvertrag willfahrt werden. Ungewiß sei noch, ob sofort danach eine Konferenz der alliierten Regierungen stattfinden oder ob vorher noch die Reparatiokilskommission einen Zahlungsplan ausstellen werde. Hierzu teilt der „Matin" noch mit, daß für die Zahlungsfähigkeit Deutschlands nicht nur die deutsche Ausfuhr, sondern auch verschiedene Indexzahlen maßgebend sein -werden. Der ungarische Minister fiir Kultus und Unterricht, Graf Kuno Klebelsberg, war für manchen leichtgläubigen, liberal gesinnten Bürger in Ungarn immer eine Hoffnung. Dieser übernationale ungarische Graf mit dem urdeutschen Namen, hat es immer verstanden, von Mitleid triefend, ein warmes Wort für die Unterdrückten und Verfolgten zu finden, und damit besonders vor den Wahlen, einen recht erträgnisreichen Stimmenfang zu machen. Aber den salbungsvollen Worten ist niemals die Tat gefolgt. Und gerade Graf Klebelsberg hatte im Laufe der vier Jahre der christlich-nationalen Herrschaft in Ungarn abwechselnd die zwei für die innere Politik wichtigsten Ressorts, fiir Inneres und für den Kultus, und Unterricht, inue. Eine menschlichere Handhabung der an sich rückständigen Fremdengesetze, eine Milderung der Zustände in Zalaegerszeg, wenn schon nicht die völlige Auflassung der Jnternierungsschande, lagen im Bereich« seiner Macht, und die Kultürschmach des Numerus clausus, dessen Durchführung er als Minister für Kultus und Unterricht zu überwachen hat, hätte schon läuft zn existieren aufgehört, wenn er für seine Behauptung, daß er im Prinzip gegen den Numerus clausus sei, mit seiner großen Autorität eingestanden wäre. Im Lauf -der Debatte über die Reform des Mittelschulunterrichtes in Ungarn wurde von oppositioneller Seite beantragt, die zwei notorischen Hudengesetze, die Aufnahmsprüfungen in die Mittelschulen auch für diejenigen Schüler, die die Volksschule mit Auszeichnung beendet haben, sowie den Numerus clausus an den Hochschulen, außer Kraft zu setzen. Diese beideü Gesetze und Verordnungen, die unter dem Namen der kleine und große Numerus clausus in Ungarn bekannt und in der zivilisierten Welt verachtet' sind, hätten jetzt ohne große Schwierigkeiten aus der Welt geschasst werden können. Graf Kuno Klebelsberg hätte nur seine Partei mannhaft belehren müssen, daß die Sanierungsccktion nicht besser eingeleilet werden könnte als mit der Ausmerzung der Rassengesetze aus dem Bildungswesen. Er hat ldas nicht getan, sondern bei aller seiner heuchlerischen prinzipiellen Mneigung gegen den Numerus clausus dessen Abschaffung in diesem Zeitpunkt als ein Verbrechen bezeichnet. Und dabei, zur Rettung seines Europaertums, die Beibehaltung des Numerus clausus mit dem Friedensvertrag von Trianon und dessen Bestimmungen zu rechtfertigen gesucht. Trianon, nicht die irredentistischen Rassenschützler und die die Regierung terrorisierenden Erwachenden Ungarn, ist also schuld daran, daß in Ungarn die Juden Staatsbürger mit Pflichten, aber nicht mit gleichen Rechten geworden sind. Trianon, 'dessen Vertragsbestimmungen ausdrücklich die volle Gleichstellung aller. Bewohner des Landes ohne Unterschied der Sprache, des Glaubens und der Rasse fordern, wird dafür verantwortlich gemacht, daß tausende junge Juden, die dem Staat von größten Nutzen sein könnten, ins Ausland gejagt werden und der Staat selbst jährlich durch die Milliarden, die das Studium dieser jüdischen Studenten im Auslande kostet, geschädigt wird. Wahrlich, die Horthy-Regierung hat eine sehr geringe Meinung von dem Ausland, um dessen Hilfe sie unausgesetzt Bittgänge veranstalten läßt und bei dem die jüdischen Finanziers über Auftrag der Regierung um Kredit betteln müssen. Es gehört ein unglaublicher Grab von Zynismus dazu, den Westmächtm" in deren Sinn der Vertrag von Trianon Zustande kam, diesen Vertrag zur selben Zeit als die Ursache des Rückschritts in Ungarn vorzuhalten, da man von denselben Westmächten die wirtschaftlich« Rettung Horthy-Unaarus erbittet. Die ungarische Regierung hat in diesem" Fall nicht einmal den Mlderuugsgrund der Zwangslage für sich. Die liberale und sozialdemokratische Opposition, welche die Abschaffung des Numerus clausus anürebt, hat im Interesse des Staates von einer Obslruierung der Sanierungsgesetze abgesehen. Die rassenfitmt'teuM Herren- und Damenwäsche. Regenmäntel, engl.,Wollstoffe, gestrickte Soclen, Kleider, Kostüme u, Jumper, alles erstklassig und billigst im WARENHAUS II. 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