Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1845 (4.4.1924)
- Date
- 1924-04-04
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. vvenag VHinet Rl« md Kino. -Erne Reis« imrch Palästi«« i« Iah« ISS«.- Unter diesem Titel findet -inden Kammerlichtspiele« auf »em Schwavzestbevgplatz am 13. d. die UrauffMung eitM PaWina-Films statt. Anläßlich der Vorführung deS Films m Berlin, die großes Aufsehen erregte, hielt der Dichter Arnold Zwerg tm Aufträge der jüdischen NationalfondS eine Lemerkenswerte Ansprache, der wir folgendes entnehmen: „Dieser FÄm ist unsere Antwort auf das teils wichtige, Ws widerwartiae Gewüte jener Art von Psychose des sozialen Krieges, die^als Antisemitismus heute, feit fünf Jahren, seit Jahr« Hunderten auf den Juden losstürzt. Es ist eine schweigende, eme anschauliche, eine tätige, heitere uttd fruchtbare Antwort, und fetnte aitfoenc sollte nötig sein. Sie werden Kolonien schen. Sie werden im Bilde Zeuge einer Kolonisation werden. Und nun bitten wir Sie, zur Kenntnis zu nehmen, daß dies keine eüwignende, keine im« periattsiffche, keine Kolonisation des ewbernden Kapitals ist: sie acht aus von totem Boden, von Landstrichen, die die Herrschaft der Paschas und Malis hat in Osde verfallen lasse«. Junge und Äteve Menscheu, die aus der vreUacheu Gestalt HS modernen Juden in die entschlossene Einheit eines neuen jüdischen Daseins und Wesens traten, schufen fast programmlos neue Formen menschlichen Zusammenlebens, Nicht ans der Wirtschaft, auS Miste, wie Gustav Landauer prophetisch ftrderte, in Gemeinsamkeit der Arbeit und Gemeinsamkeit des Ertrages, in Fehlschlag und Erfolgen eng zu einander gesellt und glücklich, das geworden zu sein, was sie werden wollten: Chalusim, Pioniere. Es sind Pioniere im härtesten Sinne des Wortes. Sie werden die Arbeit sehen, aber nicht die nie «Kreißende Michsal der Arbeit. Sie werden junge Menschen au8 bürgerlichen Elternbäufern bei schwerster Anstrengung, bei Straßenbau Und Bewässerung schen, aber das Fieber, das in ihnen pocht, werden Sie nicht sehen. Zelte, ja; aber das Schreckliche der Existenz in Zelten unfo Baracken, jahrelang, werden nur die empfinden, die als Soldaten jahrelang dieses entschliche Unbehaustfein in ungewohntem Klima erduldet haben. Wir können vorläufig nichts daran ändern. Wir strengen alle Kräfte an, das zu erhalten und zu erweitern, was vis jetzt da ist. Urch nur eines wissen wir unbedingt: verlassen werden wir diese Jugend nicht, oie aus gegangen ist als Same und Setzung einer neuen Judercheit. Die Grundlage dieser ganzen Arbeit geschaffen hat der Ä Nationalfonds, Keren Kajemech ^Israel, beffer Landschah genannt, der aus den leider Noch viel zu geringen Mitteln, die seine Werbearbeit in der ganzen Juden-- heit sammelte, einen großen Teil des Bodens kaufte, auf dem sich dieses Siedlungswerk des neuen Palästina vollziehen konnte. Der Nationalfondsboden gchört dem jüdischen Volke, er ist ieVr Spekulation, jeder privaten. Ausbeutung entzogen. „Der StmrtsimwLlt." („Frauen auf schiefer Bah«.") Das alte. Lied in nicht allzu neuem Gewände: Bebe Daniels trinkt (Iwäre sie nicht eine so reizende Fvaü, müßte man ,Mtftu" sagen), kokettiert, treibt lebsNLgefMrlrchen Unfug und wird gerettet und geheiratet. Zur Abwechslung ist ein- "wl der Retter Thomas Mei gha m. Und bock), obwohl man düs Ende bestimmt Voraussicht, die Handlung in einem moralgosättigten DünsÄrM sich echrollt, hat es me Regte Perständen, durch packende Momente die Spa-Mung ununterbrochen aM'echtMerhalten. Um kurz zu charakterisieren: Die HaMuna entricht an Qualität etwa den EvMuNgen eWS WMeN MStzMilÄ. In drese ern'fache Fabel arbeitet nun die Regie mit allen Mitteln hwein, die gut und teuer find. Die einzelnen Figuren werden prächtig und vollkommen lebenstvahr verkörpert Ausstattung und Photographie find blendend — somit der Gelsarnteindruck trotz 'des Sujets und dessen Naivität überwältigend. Vielleicht ist es eine Ketzerei gegen den allgemeinen Glauben an die Kunst im Film, wenn man behauptet, es genügen diese Uw« stände, um einen Film als vollwertig aiMerkennrn. Somit fei hier die Behauptung ausgestellt: Dieser Film ist sehr gut. Die Bsavündung hierfür: Et entspricht dem allgemeinen internanonalen PMlikumSyWmack vollständig. Und das iist absolut Nicht zu leuanen. Mbettbei: Wollte eilte PrMkktion nur für kritisierende Aescheten Filme erzeugen, wäre sie nrach dem fünften im besten Falle vollkommen ruiniert. Wem wäre damit genützt? „Der Rivale der Kaiserin." .. Zunächst: Unter diesem Titel Vovbivgt sich schämig der zweite Teil des Berliner KolossatfKms ,Fridericu8 r ex". Voriges Jahr wurden in Hamburg und Berlin von Sozialdemokraten einige iKittos demoliert, in denen der FM« lief. Man faßte ihn tot diesen Kreisen als einen vsaktionarett Propagandafilm auf. Soll er dieses fein, dann O er beft'vmmt nicht Wirkungsvoll. Denn dieser Fr ide ricn § r ex wurzelt Nicht in der Geschichte, kaum in der Atmosphäre mündlich Werlieferter Cnekdotem sondern er wird als umumgäuMch notwendiges Reguiifit mitgefchleppt. Sieht er auch aus, als wäre er ans einem Gemälde Menzels gestiegen, so ist or doch noch der, den der Film verlangt. Der historische Friedrich hotte mit ungeheuren Schwierigkeiten zn kämpfen. Dieser hier gar nicht. Er spiolt in Sanssvnri Flöte nnd dann laßt et ferne Bataillone ausmarschiereu, die ein Paar Österreicher davonjagen uwd sitzt Wiede c im Schloß „Ohnesory" (die Verdeutfchtlngsmanie ist hier 'besonders graziös) trttfb läßt sich tiufgernhrt auf der OiM Vorspielen. — Nün die Hauptsache, dsr Schlager" des Films: Die Schlacht von Leuchen. Wer jemals eingehender die Geschichte des SickbeuMrigen Krieges las, wird kaum der Versuchung widerstch»n 'können, 'in Hinsicht der Anffassnng dieses Ereignisses an die Vorstellungen des.„Keinen Moritz" zu denken Borne wivd mit Fahnen gewedelt und hinten läuft etwas durcheinander. Das sind die Preußen. Auf einem Berg stehen ein paar wäitzo Mandevln und wedeln auch mit Föhnen. Und schießen auch -ein bißchen. Das sinh die Oesterrsicher. Und dann wird ein hißerl hin- und hergelaufen, Friedrich steigt vom Pferd, schwingt den .Krückstock, der Fürst Leopold von Dessau trommöft.stch mit den Fäusten, auf 'den Bauch und die Hügel werden,genommen. Dos österreichische Oberkommando sägt weinerlich: ha'b'ii wir die Bescherung" (wörtlich!) und läuft davon. — Preußen hat gesiegt! Die Zensur hatte vollkommen recht, als sie bedenkenlos diesen ptm zur Vorführung zuliest. Er ist stiel M schwach, um irgend welches llnherl zu stiften. Die Fox-Filme der Woche Die verfluchte Stadt Am Kinde gesündigt mit MARY CARR erscheinen heute in den Wiener Kinos! Copyrigth iy 19*3 Drutsch-Oesterreichischer Verlag, Wien. Nachdruck Verbote«. 62. Fortsetzung. Die HeiMtlssen. Von Wilttla Vukelich. So kalkulierte der Keine Miki, nnd er war ganz sicher, sich nicht zu verrechnen. Und mi dieser Aussichten willen durfte so ein verschuldetes Gräslein ruhig die Schaustellung, die wohl pMlich, aber reicht entehrend Wr, über sich ergehen lasiert. Das war Margvs Brautführer. And auch in ihrem Gefolge glänzte die Uniform, prunkte der Kalpaft Die Brautjungfernaber, Mucis Freundinnett intJ> MMinitten, denen sie zulvorgekommen, waren ausgesprochene Typen der dritten Geuoration, auf Lieblichkeit, Jüdivudialität und schäumendes Temperament eingestellt, je nachdem die Mittel es erlaubten. Alle bewußt. Alle dekadent. Ein Schutz Alvaunentum Und ein Schuß blonde Bestie. Eme Linie JbseniÄttus und ein paar Töne Dirnentum. Uttd viel naive GenuGucht. Und doch auch eine Spur MMMift In der Geste. In den altÄUgett Und wissenden Bemerttutigun. Und unglaublich vi-e-l Eleganz, Toiletten, Schmuck und Mmnetti Blumön über alles. Grttze Favbenorgiett vmr Blumen, ShmphoMtt von Düft» Ätth Mtex krausen Haaren neugierig ins Leben spähenden ÄWdchenaugen. Urch Gehnsuc^. Zttlieht doch immer auch diüse «Ähnfttcht, die ivgeuänvv mr Verborgenen ihren Herd Hai ünd, ^Lvelik sie kein Zi-Ä kennte sich auf alles richtet. Äbensgier am sich wird. UW sich Mit Mntckr Lappen bchätttzt. Taufend Sbuswege sucht. WeÄ sie den einen, den letzten Äeg W $«k nicht findet.1. Und während Papa AcheMpi tadMos Me iiMet in der Linie war Urid nur!Äs M^MidettMidchen im Knopfioch diskret die geheimen Wuschen ahnen ticß, wähdi- Mauv. ihre uiaijeftaÄfch« Wll« trüunphiereM) itt schwarzen Brokat preßte und durch ein strenges Hosdekolete dieser Fülle den gebührenden Nachdruck verlieh, was wieder de« Vorteil mit sich brachte, Laß sie die gesamten Fehervarischen Famili endiammtteu a>wf ihrer plastischen Büste un-terhringen konnte, während Mama Feihervari seIHtlverstüttdlich am AMe des Herrn Hättdelsmin-isters >datzittfchweh,ie, und ste und er in ihrer Pedsott die Macht und den ÄkwttK des Großkapitals auf das fpmpachifcheste verkbrpMtztt, blieb Familie MglHornNch Kraus feudal vom Dcheitel bis znp Zehe. Kv^tserVättv aus Ättlage Und UeberWuMing. Durch und durch eimvaudfreier Ärndadrl von gediegenstor O-uälitöt. Uttd Herr Kraüs^ ein Bühttettg-raf^ Nein, ein -mittelalterlicher Herzog äu-s denr Lager Äakoczy Ferencz, in seiner Magnateimniform aüs scharlachrotem Saint mit ZöbelverbräMung und mit dem ritterlichett Degen att der Seite, wußte, daß er in dieser seiner MagnateNtvacht den ga-nzen Fehevvarischeu Glanz in den Schütten stellte. Darum hielt er sich auch. Hielt sich so hoheitsvoll wie der Könnetabel von Bnrginnd, an der Seite seiner Gentahlin, die einä geborene .Kcsßtelsalph -war. tttte nahe Verwandte der Kaftttetz Und Kleist, emer WrsenröniBisaMiL ÄÜrch ihr sich iMN die vornehme Äbstammüng chtid die Arte Kinderstube M, Md sie war äußerst herablasiend gst der güten Fahervari, die — Wie Mama Kraus meinte — noch manches von ihr zu I&rtett hatte; denn die Ate FMMivi sah An bißchen so so Ärs. Geld ist ja noch nicht alleß i . . und bei der Figur . . . da gehörte wirklich schon Takt und -Feingefühl bop, -M noch irgendwie repräfentierett zu Wnnen. Da awan Mr Mt zur Familie gehörte, so war Manna Kraus gerne k^Mt, schon um DiyaMrs willen, ihr an die Hand zu gehen. Denn das t^mchid sie: eihe Tafel herzurichten, zu empfangen, vornehingediegene Wirkungen erzielen. Und wenn sie Mch Nicht über die Feljewarischen Millionen verfügte. Wie weit «s übrigens mit der ganzen NMeffe her war, konnte man , Die Iox-Fitme der Woche. Wir wachen diche Woche <8eyctbirh Mi auzgWchnede MÄe ap8 m M. vMmtteN PriDurfion Willtqm Fox' M WiM zu Mm. Das eine bcttielt sich „Die veMlchte Stadt" Und bringt stn Rahmen einer spanneuden HaMung eine wMderbar a-ufge» nomurene, ttefiüe Naturkatastrophe, mi!d der . Aoeite Fvm, „mtt Kinde gesündigt", bringt uns wieder Math Earr, die unübertreffliche <mtethfartifdbc Mittterspieleriv, m omer ausgezeichneten neuen Nolle. Wir dürfen an toteffe beiden Filruc, die wir z^igerecht ausführlich besprechen werden, tür angnchmsten Hoffnungen knÄpfen. Die Filme der Woche. „Ein Schritt dom Wege." — „KarrenhavS der Liebe." — „Das hohe Spiel." — „Familie Raffke." — ,>Die große Se»- sati«n." — „Die verfluchte Stadt." — „Am Kinde gefiindigt.^ „Der LauSbnb von Paris." — „Ganz urefchrrgg«." — „Moderne Jugend." — „Mensche« «ms dem Jenseits." i-BURCMCINO, I. OPERNRING19- Ab heute bis 7. April Air Verfluchte Stadt Drima in 6 Akt^n und das Übrige Schlage rprogramm Beginn der Vorstellungen: 4, Vr>6, 7, Uhr -CENTÜAI-KiNO ll.Taborstrasse Nr.8 Direktiön J. Schul!*" Ab heute bis 7. April Das liebe Geld (Fräulein Raffke) und das übrige Schlagerprogramm Beginn: */*B, V87, '/I Uhr —L19WEN-KINO "p»— Ab heute bis 7. April Pie Verfluchte Stadt Drama i« 6 Akten und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: #/A l/«7» Vi9 Illir kiito-Örchester unter Leitung des Kapellmeisters Rümetli ROTENtURH-KIHO WIEN, h, FLEISGEMARKT 1 Ab heute bis 7. April (Fräulein Raffke) uttd das Übrige Schlageiprograiftni Besinii d6r Vorstellnhgen : 4. l/,t, Vi8 und */*^ N>»r Begleitmüsik tihef erätfelasEigen Kübstlerkapella Les®n Sie DIE FILMWELT Illustrierte KSnorevue Rlm-Faehb!att und -Publikums-Wochenschrlft REDAKTION UND VERWALTUNG: WEsil, VII. Hsrmannga9de Nr. 5 Telöphon Dr. 36-5-85 am besten Men, wen« man ein bißchen ans untere Tas-elende schielte, dorthin, wö die Veigelsberge sahen Und die Schwestern Kahn, lauter Erinttemitgeu an jette Zeit, dä Feher-varis noch Nicht das gewesen, lvas sie lMte waren, lind für solche Dinge hatte. gerade Mama Kraus ein Wtds Auge. Deün ihre Familie war Gott sei DE ein- Mndfrei. Und soweit sie es nicht war, verfchwieg inan sie. Ja, ja. Auch diese Dinge erforderten eben aristoftxtti» scheu. Takt. Ddtt am unteren Taselerrde aber saßeir Satt Und Mali/ dir FehötEischen Schwägerinnen, die wohl ein MUl^ ttzil von .Mama Fehervaris -Fiille mit-bekommen, svUst über vchft Wanze -des Hauses durckMs.unbestünh.geblieben waren-. Denn ihre beiden- Männer hatten ber-eits zweinml Krach'gemacht, was mehr ihrem Vermögen dlS ihver Ge-' stnnung zum Vorteil gereicht hatte. Trotzdem. Die Kohmscheu Schwestern genierten sich nicht Und ließen sich kein-eswegs einschüchtern. J>a, als sie nach ber zweiten Krida aus Tvrok Szent Bali nt nach Budapest Wersiedelten, faßten die 'beiden rührigen Damen -die ganze Ängelegeuheit vom praktischen Standpunkt aus; sie nwgyarisirrtett sich Und hießen fortan Kelenyi, sie führten die Firma uirter eigenem Namen weit-er, woran gar nichts war, weil jtLerinann es tut, -wenn er WS ^rlü'Mst kan« . . . ustd diesmal ging die Sache, -lind Dil die Schwestektt Nun obenauf.waren — aus Sali wurde eine schchachchlche Rosalie und aus Mali eiste fesche AMlie — Wuchs auch. ihr SEsthewUtztsem, ihr Äüstretest Mwästst. an. Sicherheit und ihr Vermögen gewann eiM einfach)-' freie Grundlage. Sie konnten sich's erlaübeir. auf jede weitere ZahlungAeinistellung zu vernichten, was istmeHn etwas war, eine Art, gesellschaftlichen Avancements- und nun erzogen sie auch Merserts ihre KindeÄM' dvie jungL Äräsdst. Die 'Welt aber vergaß, wie du Welt i mitter ver gißt, wenn einer schließlich doch Erfolg hat. (Fortsetzung folgt.)