Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1845 (4.4.1924)
- Date
- 1924-04-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sar*—_— wtef, ffwüifl_ MS einer Stimmten Zeit rkicht erfolgt, ein neues Gesuch eingebracht Werken Este. Di« Regierung scheint^ abevmalS eine Erhöhung der Post-, Telegraphen»- un- TelephvugebÜhren zu planen, da vim bezügliche Ermächtigung dem außerordentlichen Kabinetts rat vorgelegt wird. Einerseits will die Regierung die Gebühren erhöhen, andererseits sorgt sie nicht für die rechtzeitige Zustellung von Postsendungen. Es kommt vor, vüß pnMMtifche Karten erst am dritten Tage zugestellt; werden. Zollpflichtige Sendungen bleiben oft wochenlang! Liegen. Sine Generalvollmacht zur krhöhung der Post-, Telegraphen- und Lelephongebühren. Der Bundeskanzler hat den außerordentlichen KMnvtts» rät für Nreitag den 1V. d. zu einer Sitzung entfett. Dem A. D. K. Wird folgender Antrag vorgelegt: Der Btnidesminifter für Handel und Verkehr wird bis 81. Dezember ermächtigt, die Post-, Telegraphen- und Fernsprechgedikhren im eigenen Wirkungskreise, jedoch mir der Beschränkung zu regeln, daß die Gebühren düs zur Deckung der jeweiligen Ausgaben der Post-, Telegraphen- und Fernfprechanstalt erforderliche Ausmaß nicht übersteigen dürfen. Der A. O. K. hatte im Juli dem Bundesminister fiir Handel und Bcrkebr bis 31. Dezember 1023 die Ermächtigung erteilt, die Regelung der Post-, Telegraphen, und Telephongebühren in dem zur Deckung des jeweiligen Abganges im Haushalte der Poft-, Telegraphen- und Fernsprechanstalt notwerckigen Ausmaße im eigenen Wirkllngskreise vorzunehmen. Da diese Ermächtigung abgelaufen ist, müßte für jede Aenderung der zustimmende Beschluß des außerordentlichen Kabmettsrates eingeholt werden. Es kommt zwar derzeit «ine allgemeine Neu- Regelung der Post-, Telegraphen-- und Fernsprechgebühren nicht in Betracht, aber es ergeben sich doch auch fortwährend Anlässe, einzelne Neuerungen vorzunchmen; so ist beispielsweise jetzt der Wunsch laut geworden, «ine Er- M 8 ß i g u,n g de r Gebühr e n für Blinden-Drucksorten eintreten M lassen. W.nters wird von verschiedenen Seiten eine teilweise Ermäßigung der PostanweisungsgebÜtzrrn angestrebt. Um nicht mit jeder dieser Enrzelmaßnahmen m den außerordentlichen skabinettsrat brririreien zu müssen, erscheint es für angezeigr,. die mit 31. Dezember 1923 abgelanfcne Ernächtigung schon jetzt mir Geltung bis 31. Dezember 1924 zu erneuern. Diese Ermächtigung hatte sowohl Erhöhungen als auch Herabsetzungen der Gebühren zu umfassen. Ile krhohung der StudievgMhren. dkach eiwer Mtteilung des Rektors der Universität find die Studiengsbühren in folgendem Ansmaß erhöht worden: Auditorie.flge.ld: Juristische Fakultät von 22.500 auf 120.000 K., Medizin und Philosophie von 30.000 auf 160.000 K., Pharmazeuten von 16.000 auf 96.600 K., Theologie von 18.000 auf 96.000 K. Die Rigorosen taxen sind erhöht: Für die katholischen Theologen von 506.000 auf 674.000 K., für die evangelischen von 317.000 auf 420.000 K., Juristen von 504.000 auf 672.000 K., Staat'swissenschaft von 505.000 auf 672.000 K., Medizin von 576.300 auf 756.000 K., Phlilofophie von 330.000 auf 504.000 K., und für Pharmazeuten von 358.000 auf 525.000 K. Das K oll e g i e n g e l d beträgt in allen Fakultäten 6000 K. für die Wochenstunde im Semester (gegen 4500 K. bisher). Für dse Ausländer erhöhen sich die Taxen und Gebühren auf das Fünffache. In einer Interpellationsbeamtwortung des UnterrichtSm-nifters Dr. Schneider wird ausgeführt: Die Frage der Erhöhung des Anteiles der Hochschullehrer an den Kollegiengeldern muß der gesetzlichen Regelung Vorbehalten bleiben. Ich hoffe, schon demnächst im Nationalrat eine Gesetze'svorlage «.inbringen zu können, die Len Wünschen der Hochschullehverschaft nach Tunlichkeit gerecht werden soll. Was die d efinitive Regelung des Besoldungs- Wesens an 'den Hochschulen betrifft, bin ich mir der Wichtigkeit der Frage einer im Rahmen einer Neuregelung der Befoldungsverhältnisse der Bundesangestellten vorzunehmenden Erhöhung der Bezüge der Hochschullchrerschast vollkommen bewußt; ich 'betrachte es als ganz selbstverständlich, daß den berufenen Vertretern der Hochschullehrerfchaft zeitgerecht Gelegenheit zur eingehenden Erörterung ihrer bezüglichen Wünsche und Bestrebungen gegeben wird, sobald die internen Vorbereitungen in ein Stadium getreten sind, das bereits fruchtbare Verhandlungen gestattet. * Die Audtorikasgelber sind' jene Gebühren, welche jeder Hörer außer den Kollegiengeldern zu bezahlen hat. Sie werden zu der Erhaltung der Seminarien, der Bibliotheken usw. sowie zur Förderung allgemein studentischer Wohlsahrtszwecke verwertet. Diese letztere Bestimmung ist gegenwärtig besonders wichtig. Sie gründet sich auf eine Verordnung des Unterrichtsministeriums vom Jahre lfel, ixie bestimmt, daß Auditoriatsgelder von den Fakultäten lediglich für Wohlfährtseinrichtungen ,/für die Studierenden" verwendet werden dürfen. Der von uns mitgeteitte Beschluß der theologischen, philosophischen und juridischen Fakultät, die völkische Schulungswoche, die die Kammer der deutschen Studentenschaft in Gaming veranstaltet, mit' sehr hohen Beträgen aus den Auditoriatsgeldern zu subventionieren,; widerspricht demgemäß dem Sinn dieser Verordnung und ist eineausgesprochene nationalistische Demonstvatron. Meiiev M'ovgenzelkuns. » » » » > » > > » » > » ...MM*«« zionistische Arbeitspartei..Hitachduth" Sonntag den 8. April V,8 Uhr abends findet im Saale der Hotel konttnental, Wien, 2. Bezirk, Taborstratze Nr. 8, ein , llllllllliilllllillllllfllllllllllllltlililll Nu» llliillliillllilllHllllllllllllllllmllllll 2 Referenten: 1 Dr. khaim Arlosoroff mm ■ Mitglied des Finanz- und WirtschaftSrateS . und B ' Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation > Mitglied der Exekutive der „Tarbuth"-Weltorganisation V W » Der Saal wirb bereits um 7 Uhr geöffnet Der neue argentinische Gesandte. Der nslde argentinische Gesandte in Wien, Kolonel Martinez Bortagaray, hat gestern vormittags dem Bundespräsidenten Dr. Hainifch das Beglaubigungsschreiben seiner Regierung überreicht. Graz und Preßbnrg. Aus Preß bürg wird uns geschrieben: Im Vorjahr war von dem Grazer Schöffengericht der Kaufmann Emanuel Sachs wegen Betruges und Wuchers zu neun Monaten Kerkers verurteilt worden. Er hatte ein Auto als neu geliefert, obwohl es angeblich nicht neu war. Sachs konnte Nachweisen, daß ihm das Auto von der Firma Puch als neu verkauft worden war. Die Verhandlung, zu der die Grazer Hakenkreuzter ausrückten, endete mit feiner Verurteilung und das Erkenntnis wurde von dem Obersten Gerichtshof in Men bestätigt. Sachs erlegte eine Kaution von 15 Millionen Kronen, flüchtete aber nach der Tschecho- Slowakei. Auf Ansuchen der Grazer Polizei wurde er dort verhaftet, jedoch nicht ausgeliefert, da er tschechischer Staatsbürger ist. Der Preßburger Anklagesenat, per sich mit der Angelegenheit befaßte, 'gelangte nach Prüfung der aus Graz und Wien requirierten Akten zu der Feststellung, daß Sachs keinen Betrug begangen habe, ja nicht einmal verdächtigt werden könne. Es sei deshalb keine A n k l a g e zu erheben. Die Preßburger Tafel hat am Mittwoch diese Entscheidung bestätigt, die damit rechtskräftig wird. . ______ litte Million Ausländer in Paris. Paris, 3. April. (Tel. Lev „Wiener Morgenzeitung".) Einem statistischen Ausweis der Polizeidirektion zufolge, befindet sich augenblicklich eine Million Ausländer in Paris. Für den Sommer, anläßlich der olympischen Spiele, wird noch eine weitere Zunahme dieser Ziffer erwartet. ' Las New'Vorler Schachturnier. New-Iork, Z. April. Die zwölfte Runde, mit welcher die zweite Turnierhälfte begann, brachte als Ereignis den Sieg Retis über den russischen Meister Bogoljubow, der zu den stärksten Spielern der Gegenwart zählt, jedoch in diesem Turnier bisher mit wechselndem Erfolg gekämpft hat. Reti hat übrigens in einem zwischen die zwei Turnierhälften eingeschobenen Problemlösungsturnier, an dem sich sieben der in New-Fork kämpfenden Schachmeister und 13 Amateure beteiligten, eine außerordentliche Leistung vollbracht, indem es ihm gelang, elf Probleme in 1 Stunde 23 Minuten zu lösen und so den ersten Preis zu erringen. * Ferner gewann in der 12. Runde der englische Meister Dates gegen Eduard L a s l e r. Das Zusammentreffen des Weltmeisters Capablanea mit dem russischen Champion Aljechin endete bereits nach 18 Zügen mit remis. Ebenso remisierten M a r o c z y und T a r t a k o w e r (29 Züge), .2>ie Partie Dr. Emanuel Lasker—Janowski wuvde unterbrochen. Marshall war spielfrei. Stand nach der 12. Runde: Dr. Emanuel Lasker 7,5 (1 Hängepartie), Aljechin, Reti je 7, Capablanca 6,5, Tartakoiver, Maroczh je 5,5, Bogoljubotv, Marshall je 5, Janowski 3,5 (1 Hängepartie), Y a 1 e s 3,5, Eduard L a s k e r 3. Hans Reinmit« freigelaffe«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeiiung".) Berlin, 3. April. Hans R e i m a n n ist, wie heute aus Breslau gemeldet wird, auf Grund von Vergleichsverhandlungen zwischen ihm und dem Vertreter des ehemaligen Königs von Sachsen aus der Haft entlassen worden. Der ehemalige König von Sachsen hat verlangtdaß Neimänn sichverpflichte, seine Gedichte über: den ,,Geenig" n i ch t mehr o f f e n t I i.ch, zum; Vortvag zu bringen. I Npvll IM ' Mi 184« Sie Ueberschwemmnngen. An der Slowakei. Kascha», 8. April. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) DaS Überschwemmte Gebiet wird auf ßO.OOÖ ftatastrakmorgen geschätzt. Die durch dar Hochwasser vemrsachten Schäden taffen sich in vollem Umfange vorläufig nicht abschätzen; jene an Behausungen und anderen Gebäuden werden auf acht Millionen geschätzt. Im ganzen wurden durch die Ueberschwemmungen zwölfDörser beschädigt. Im allgeineineu hat sich die Lage gebeffert, so baß, wenn der Regen nicht mehr anhanert, die Katastrophe keinen größeren Umfanmehr annehmett Wird. Art Oberungartt. «vbapsst, 6. April. (Tel. der ^Wiener Morgenzeituug".) Durch erneute Wolkenbrüche hat sich die Ueberschwem» mungrgefahr in Oberungarn wieder verschärft Die Stadt T o k a h wird von zwei Seiten, sowohl von der Theiß wie bou der Bobtög, von Ueberschwemmung bedroht. Die Ortschaft T t s - a k ü r t wurde gestern nachmittags in wenige» Minuten von den Fluten der Bodrog v o l lständig w e g g e r i s s e n. Von der ganzen Ortschaft blieben nur zwei Häuser übrig. An Polen. Warschau, 8. April. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".j DaS UeberschwemmungSgebiet in Polen ist noch sehr groß. ES dehnt sich stellenweise über eine Strecke von lOO K-ilo- Metern au». Der durch da» Austreten der Flüsse verursachte Schaden ist sehr beträchtlich. Rach polnischen Blättermelbungen ist der Wasserstand der Weichsel bei Ciechosinek unterhalb Warschau noch über drei Meter^höher als ber normal Stand. ___________ Wieviel Autor gibt er in der Weit? 18.1 Millionen. Nach einer Statistik her Zeitschrift „Commered Reports" über den gegenwärtigen Stand der MutomobilinLmftrie wird die Zahl der Automobils und Lastautos in der ganzen Welt auf 18,1 Millioneu und die der Motorfahrräder auf 1,075.000^ geschätzt. In den Bereinigten Staaten allem beträgt die Zahl der Automobile und Lastautos 15,280.000 und die der Motorfahrräder 172.000. An zweiter Stelle ftcht England, an dritter Kanada, an vierter Franckreich, an fünfter Australien und an sechster Deutschland. Cs folgen dann Argentinien, Belgien, Italien und Spanien. Ser Preßburger Sistmordvrozeß. Die angeklagte Ehegattin freigesprochen. Bor dem Schwurgerichte in Preß bürg stand', Witz llNs voll dort gemeldet wird, neuerlichi die 40jährige: Bäuerin Therese Lengyrl unter der Anllage, ihrem Manu durch ein halbes Jahr lang giftige Kräuter in die Speisen gemischt zu hgbe», waS dessen Tod zur Folge gehabt habe. Die Obduktion stellte Giftstoffe fest. Die Ge »dar merie verhaftete die Lenghel itt später Abendstunde und führte sie um Mitternacht zum Grab« ihres Mannes, wo sie ein Geständnis ablegte. Bei der ersten Verhandlung wurde sie auf Grund von Zeugenaussagen, daß Lettgyel magenleidend war und "unter dem Titel Arzneistoffe giftige Kräuter erhalten habe, freigesprochen. Infolge Annullierung des Urteils durch den Obersten Gerichtshof wurde nun eine neue Verhandlung anberaumt. Bezüglich ihrer seinerzeitigen Angabe am Grabe ihres Mannes erklärte sie, sie sei deutlich gefragt worden, verstehe aber di« deutsche Sprache nicht mehr recht, da sie sie schon über 20 Jahre nicht mehr gebraucht habe. Es wird sobaltn die Mitangeklagte Pongrac verhört, welche die Witwe Lenghel schwer belastet und sie aufforderte nicht zu leugnen. Eine Reihe weiterer Zeugen marschiert auf: Richter, Totengräber, Sohn und Stiefsohn, der angebliche Liebhaber der Angeklagten und der Pfarrer Letzterer hat Lengyel die Beichte abgenommen, Lei welcher er Magenkrebs als seine Krankheit angab. Ueber seine Frau habe er nicht geklagt. Die Heiden Angeklagten wurden nach./längerer .V/rhäudlung sreigesprochen. . > Politische Loologie. Die wissenschaftliche Disziplin der Zoologie mit der Politik zu verbinden, ist bisher nur in parlamentarischen Rededuellen durch Verwendung der naturgeschichtlichen Nomenklatur, wie „Kamel", „Schweinehund" und dgl. im Schwange gewesen. Dem berüchtigten Prof. Plate in Jena, den: Verleumder feines Lehrers Haeckel Md antisemitischen Hetzredner, ist es Vorbehalten geblieben, Zoologie mit politischen Folgemmgen zum Gegenstände einer Vorlesung zu machen. Er kündigt für das Sommerhalbjahr 1024 ein Kolleg über „Allgemeine Zoologie und Entwicklungslehre einschließlich der politischen Folgerungen" an. Man kann sich also darauf gefaßt machen, daß Plate wieder seine rassentheoretjschen Auseinandersetzungon nach völkischer Manier,' verbirjtden mit Pogromhetze, vor-, bringen wird, wegen deren er von den jüdischen Studenten der Universität Jena gerichtlich belangt wurde. Das Gcriä-t sprach ihn damals frei und Plate darf unbehindert die Wissenschaft' für stiM Hetzzwecke. in 'provokantester Wdise gebrauchen. So weit ist' es mit der deutschen Wissenschaft gekommen, welche einst so viele.leuchtende Vorbilder der Aceiisch - heit hervorgebracht hat. " J .• " ' \ ’ 09211285