Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-04-04 · Heft 1845 (4.4.1924) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1845 (4.4.1924)
Date
1924-04-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980928--18431-3005499
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

9fe. 1818 Wien, Freitag Sie Verantwortlichkeit Kucharrlis. ► Eine bewegte Seftndebatte. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 8. April. Im Sejm fand heute eine bewegte Debatte Mer den Antrag des sozialistischen Abgeordneten Moraezewsli betreffend die Verantwortlichkeit des ehemaligen Ministers Kucharski in der bekannten Angelegenheit der Zirazdover Aktiengesellschaft statt. Abg. Movaczewski motivierte seinen Antrag und erklärte, daß infolge eines vom ehemaligen Finanzminister mit der genannten Aktiengesellschaft abgeschlossenen Vertrages idem Staat ein Schaden von mehr als zwei Millionen Schweizer Franken erwachsen ist. Die Schuld Kucharskis liege hauptsächlich darin, daß er es geduldet habe, daß das von der Aktiengesellschaft inr Jahve 1923 eingezogene Darlehen in vollwertiger Valuta späterhin in devalvierten Mark vom Staatsrat entgegengenommen wurde. Ser Abbruch der russtsch-ruiuSnischen Konserenz. - Die Auffassung in Bukarest. > (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Bukarest, 3. April. Die Nachricht über den Abbruch ver Wiener Konferenz hat hier Bedauern, aber keine Uelberraschung hervorge rufen. Die Beimühungen der österreichischen Regierung finden Anerkennung. Der Mini st errat besprach heute die durch den ungünstigen Ausgang der Wiener Konferenz entstandene Lage. Man nimmt an, daß Rußland versuchen werde, Beßarabien aus der Tagesordnung europäischer Verhandlungen zu erhalten. E Japanischer Prinzenbesuch in Bukarest. Bukarest, 8. April. Der japanische Prinz Naruhiko Higashi-Kuni ist heute hier eingetroffen und wurde im Bahnhofe vom König empfangen. Sie Miekerschutznovelle in der Tschechoslowakei. Prag, 3. April. Das neue Meterschutzgesetz ist geftettt abends im Funferausschuß ferbiggeftellt worden und wurde heute dem Abgeordnetenhaus vorgelegt. Die Mietzinse bei fveiwevdenden Uleinen WohMngen werden um 10 Prozent, bei gwßen um 20 Prozent erhöht. Alle Wohnungen mit fünf oder mehr Räumlichkeiten werden, wenn die Zahl der Erwachsenen geringer ist als die um 1 verminderte 'Zahl der Räumlichkeiten, nicht mehr unter das Mieterschutzgesetz fallen. Die Kündigungsgvünde werden bedeutend verschärft. Die Grenze für die Kündbarkeit einer physischen Person 'wird bei Einbekermtnis der Vermögensabgabe von 1,5 Millionen auf 1 Million Kronen und bei Aktiengesellschaften von 20 Millionen auf 15 Millionen Kronen herabgesetzt. Hol; und Spiritus. Prag, 3. April. Nach der ,/Bohenria" sind in der Koalition Gerüchte verbreitet, die Stellung >des Ackevbauminiisters Hodza sei wegen ungünstiger Holzgeschäfte der Regierung in der Slowakei erschüttert. ,Ftude Pravo" veröffentlicht neue Guthüllungen über umfangreiche Spiritusschiebungen. Es handle sich hierbei um nrchr als 10 Millionen Liter, die von gewissen Firmen zur Zeit des Plebiszits im Tesche n e r Gebiet ohne Ausftchrabgabe nach provisorischen Lagern an der polmischen Grenze geschafft wurden, von wo sie als verzollter Spiritus Mit einem Gewinn von 20 tschechischen Kronen pro Liter wieder in die 'Tschecho- Slotvakei zurückgeschafft wurden. Dem Staat fei hierbei ein Schaden von mehr als 200 Millionen Kronen erwachsen. Da's Blatt macht daraus aufmerksam, daß das Wucheramt in Mährisch-Ostrau in dieser Angelegenheit eine Untersuchung eingeleitet hatte, die jedoch zu keinem Ergebnis führte, da sich die betreffenden Firmen die Protektion einflußreicher Politiker zu verschaffen wußten, die die Angelegenheit derart mit der Frage der Volksabstimmung zu verquicken verstanden, daß das Wucheramt nicht einschreiten konnte. Das neue tschechische Preßgefetz. Prag, 3. April. Das neue Preßgefetz ist haute dem Plenum vorgelegt -worden. Es entzieht Ehrenbeleidigungsklagen den Geschwornen und weist sie Berufssenaten zu. Ferner sollen von nun aih nicht nur der verantwortliche Redakteur, sondern auch der Urheber einer ehrenrührigen Beschuldigung zur Verantwortung gezogen -werden. Die Verantwortung des .Herausgebers und des Druckers wird neu umschrieben. Blutige Ausschreitungen in Mohärs. Anläßlich vo« Grenzfestsetzungen. (Eigenhionst der „Wiener Mougen>zeitun,g".) Budapest, 3. April. Im der an der serbisch-ungarischen Grenze gelegenen Ortschaft Mohacs ist es heute zu schweren blutige n Ruhestörungen gekommen. Einige Bewohneb der Ortschaft 'hatten nämlich um die Abgrenzung ihres Grundbesitzes nachgesucht; heute sollte die von dem Pecser Gerichtshof anbe-raumie Verhandlung stattfinden. Der größte Teil >der Grundbesitzer fühlte sich durch die geplante Entscheidung verletzt und die Stimmung in der Ortschaft wurde von Tag zu Dag erbitterter. Als die Delegierten des Gerichtshofes in Mohaes erschienen, wurden fjje Wr eim Wch SbSd«rtL« Wiener MoraenzeitunA. __ Bei Regen Wind Kälte wird man leicht von Erkältung befallen. Man muss daher rechtzeitig dafür Sorge tragen, dass im Hause nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige echte Diana Franzbranntwein mit Menthol welcher für Massage, Einreibung, Umschläge und als Gurgelwasser gleich unentbehrlich ist. Ileberall erhältlich! Diana-Franzbranntwein-Produktion-fies. WIEN, II. PRAG, VIII. Engerthstraße 169 Lleban, Drahobeljova 1073 zählenden Menschenmenge erregt empfangen. Die herbeigeeilten Gendarmen versuchten, die Menge zu beruhigen.. Gendarmen sowie Richter wurden mit Steinen beworfen und einige Bauern versuchten, die Gendarmen zn entwaffnen, di« in ihre« -bedrängten Lage zn den Waffen griffen. Drei Bauern blieben auf der Stelle tot, mehrere wuvden schwer verwundet. Die zuständigen Behörden haben eine strenge Untersuchung dieses Vorfalles eingeleitet. Die letzten Kurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitimg".) London, 4. April. (Radio.) Deviseuschlußkurse: Prag 144'/., New-York 4,30»/., Paris 72,55. Brüssel 4,30V., Rom 97,37'/., Zürich 24,61'/„ Madrid 33,22'/„ Amsterdam 11,63'/z, Kopenhagen 26,07'/,, Christtania 31,47'/., Stockholm 16,34'/,, HelsingforS 172,50, Berlin 19'/. Billionen, Wien 305,500, Athen — Paris, 3. April. (Radio.) Effektenschlnßknrse: Banqne de France —, Pragobanka 420, Credit Lyonais “ 1555, Suez 9794, Platine 672, Dabrowa 755, Bonque Ottomane 741, Central Mining 823, Rio Tinto 2472, Le Raphte Russe 398, Sueceried Eghpte 937, Baku 2245,; CautchouS fin 154,50, Chartered 58,50, Debeers ordin. 960, GoldfieldS 74,75, HumchakaS 268, Jägers Fontain 238, Malacca ordin. 138, Maltzoff 358, Mexiean Eagle 7450, Padang 348, Rand Fontain 84,85, Randmine 232, Silva plana 172, Tanganyika 129, Tubice soie 685, Utah Copper 1190, Shell 344, Royal Dntch 28.700, Burmah —, Societe generale —.—, Steana Romana —, Schneider «. Cie. —, Metropolitaine —, Thompson Houston —.—, Raffinerie sah ord. —.—, Russe cons. 4*/# Russe cons. 3'/, 1891/94 Russe cons. 3°/. 1896 Russe cons. 3'/,«/. 1694 Rnff. cons. 5°/. 1906 Russe cons. 4Vs°/0 1909 Serbie 4% 1895 Dette Ottomane 4'/» —.—, Ottomane 5»/01914 Aew-Bork» 3. April. (Radio.) Deviseuschlußkurse: Taggeld 4'/., Wechsel auf London 4,337, 60 Tage-Wechsel 4,27,87, Paris 5,84, Amsterdam 36,95, Prag 2,98'/., Berliner Schlußkurs 22 bis 22'/., Silber 63'/.. ßs bleibt beim Numerus clausus. Klebelsberg macht den Vertrag von Trianon verantwortlich. Budapest, 3. April. (Tel. b. „Wr. Morgenzeitung".) Die Nationalversammlung beriet in ihrer -heutigen Sitzung die im Rahmen der Verhandlungen über die Schulreform eingebvachten Beschlußanträge ^betreffend die Abschaffung des Numerus clausus. Der Unterrichts minister erklärte, er sei im Prinzip gegen den Numerus clausus, in der Praxis stelle sich dessen Aufrechterhaltung als notwendig dar. Eben jetzt muffen gemäß dem Sanierungsplane 15.000 Beamte entlassen werden, die über Hochschulbildung Verfügen. Es wäre die größte Gewissenlosigkeit, den- Hochschulen in Massen Leute Zuströmen zu lassen, die innlerhalb der Trianoner Grenzen nicht in ihrer wissenschaftlichen Befähigung angemessenen Stellung untergebracht werden könnten. In der Abstinunung wurden sämtliche Beschlußanträge von der Majorität des Hauses ab ge lehnt. Ausweisung eines englische« Konespondenten ans Ftalien. Rom, 2. April. Der nach Malta zuständige Korrespondent des „Daily Herold", Giglio, ist wegen seiner heftigen Angriffe gegen die italienische Regierung aus Italien au Lge wiesen worden. Diese Verfügung WÄr 0ÄW - _4. April 1924_ Inland. Rationalrat. Der Rationalrat hält seine nächste Sitzung D - n n e r f ta g den 10. b. um 3 Uhr nachmittags ab. Gi« landwirtschaftlicher Kredit für Sefterreich und SenUchland. Berlin, 3. April. Die „B. Z. <tm Mittag" meldet au- New-Aork vom Heutigen: Der Verwalter der beschlagnahmten feindlichen Vermögen, Miller, hat seine Zustimmung zu einer Gesetzvorlage erklärt, die Senator Dial im Auftrag des Landwirtschastsansschusses im Senat eingebracht hat. Der Gesetzentwurf sieht vor, daß ans dem Fonds der beschlagnahmten Vermögen von Deutschen und Oesterreichern an Deutschland und Oesterreich ein Kredit von 150 Millionen Dollar zum Bezüge amerikanischer landwirtschaftlicher Produkte ufw. eröffnet werde. In seiner Zustimmungserklärung sagt Miller, daß er, auch nach der Rückgabe aller kleinen Vermögen unter 10.000 Dollar noch über einen Fonds von 300 Millionen Dollar Guthaben verfüge, der hinreiche, um alle berechtigten amerikawischen Ersatzansprüche und bcn vorgeschlagenen Kredit zu decken. Diese Vorlage des Senators Dial würde in dürres Deutsch übersetzt besagen: Geld kriegt ihr nicht, aber Getreide könnt ihr kaufen, und zwar zu dem Preis, den wir bestimmen, und auch das erst nach Abzug der berechtigten Ersatzansprüche. In der amerikanischen Gesetzgebung spielt in solchen Fragen der Farmer die ausschlaggebende Rolle. Audio «ud Telephon. Der Streit um das Julandsradiomonopol wird aller Voraussicht nach mit einem Kompromiß enden. Die Sozialdemokraten hatten bekanntlich gegen die unter Führung des steirischen Lande shau ptma nnetz Dr. Rin teilen stehende Monopolgefellschaift Einwendungen erhoben und sich sogar im Parlament widerborstig gezeigt, um zu verhindern, daß die Rundfunkspvüche ein ausschließliches Privileg der „Radio-Verkchrs-A.-G." werden. Die Rint e l e n - Gruppe hat sich nunmehr bereit erklärt, der G emeinde Wien eine entsprechende Beteiligung an ihrem Unternehmen und eine Vertretung im Verwaltungsrat zuzusichevn. Beiläufig ans dieser Grundlage wird auch der Friede geschlossen werden. Im Bndgeausschuß, wo gestern das Kapitel ,>Post, Telegraph und Fernsprecher" beraten wurde, bildete die Frage des Radiowesens Gegenstand einer sehr ausführlichen Erörterung. Abgeordneter Dr. Danneberg ver langte, daß die Neuerung dem Nationalrat ehestens ein Gesetz zur Regelung des Radioweseus vorlege. Die Zusammensetzung der Geksellschaft, der die Regierung die Monopolkonzessron verliehen habe, errege sein Bedenken in der Richtung, daß eine politische Ausnützung dieses Monopols nicht ausgeschlossen sei. Da diese von der Radioverkehrs-A.-G. bestritten wird und die Gesellschaft außerdem eine Umgeistaktung verspricht, stellte Dr. Danneberg, der hier Wohl als Vertreter der Gemeinde Wien sprach, in Aussicht, daß seine Bedenken zerstreut werden könnten. Bezüglich der Besteuerung des Rad io Wesens schlug er das französische System vor, das eine Steuer für die Lampen, die man für die Apparate braucht, ernführt. Ha-ndelSumvister Dr. Schürff gab einen Uebevblick über die Verbesserungen, die das Post-, Telegraphen- und Telephonwesen angeblich im letzten Jahve erfahren habe. Der Radiodienst konnte im Vorjahre nur vorbereitet 'werden, da für den Inlandsdienst, der zunächst nur dem Rnndspruchverkchr nutzbar gemacht -werden kann, * über sehr schwierige Vorfragen verhandelt werden mußte. Für den Auslandsdienst wurde am 12. Jänner 1924 der Radio- Verkehr von der Qesterreichischen Marconi -A.-G. mit dem Ausland eröffnet. Die Ausübung de's Inlandsradiodienstes wurde am 29. Februar einer unter Mhrnng des Kreditinstituts für öffentliche Unternehmungen stehenden Gruppe übertragen. Die Aufnahme des Jnlandsidienstes ist noch im Lause dieses Jahres zu erwarten. Der Entwurf des neuen Telegraphengesehe's, das auch für das Radiowesen ftste Grundlagen schaffen soll, wird in naher Zeit dem Nationalrat vorgelegt.worden. Für das laufende Jahr stellte der Minister eine Ausgestaltung der automatischen Telephonzentralen in Aussicht, die die Umschaltung fcvft aller heute noch manuell betrieknett Teilnehmerstellen ermöglichen soll. Es werden ungefähr 5000 neue Teilnehmerftationen eingeschaltet werden können. Generalpostdirektor Hoheisl verteidigte die Ver» leihung der Radiokonzession für den Jnlandsdiensi an die R-i n t e l e n-Gruppe. Die simerliche Lösung nach französischem Muster scheine ihm nicht günstig. Abgeordneter Zelenka brachte verfehl ödem Beschwerden über das Telephon vor. Die Versuche, das Telegraphenwesen per Draht auszuschalten, müsse, wie er sagte, unterdrückt werden. Wenn das Radiowesen auch im Inlandsverkehr einer Privaten Gesellschaft übergeben werde, würden die ö st e rreichischen Telegraphenstationen bald zusperren müssen. Abgeordneter S ch i e g l meinte, mit der Revision der Anmeldungen für ein Telephon kann man sich nicht einverstanden erklären. Wenn man verlangt, daß die einzelnen Gesuchstelker hinter den Gesuchen fortwährend her feint sollen, bis sie dm Anschluß bekommen, dann sollte man , von vMch«M Mm Ml 93* der Anschluß ittn»i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.