Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1845 (4.4.1924)
- Date
- 1924-04-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1 mIT'*’ mm Mene« Mö«MNzeskü«A 't AM im m. im Mren läßt, und der ein Dokument der Mener KultuSgemeinde beiseite schiebt mit der klassischen Begründung: „WaS geht mich die Judengemeinde an?" Da gibt «- «n Grazer Schöffengericht, das vor den ausgerückten Hcckenkreuzlern einen Mischen Kaufmann trotz des Nachweises seiner Unschuld für neun Monate „eifpirrt", «Kren Kassationshof, der das Urteil bestätigt, während ein tschecho-slowakrsches Gericht, das durch einen Zufall sich mit derselben Sache zu beschäftigen hat, die Erhebung der Anklage gegen den offenbar Unschuldigen ablech itt. ES gibt die Nowafad-Geschichte, den Freispruch feiner zehn Genossen, und die Opttonsenffchetdungen oeS Verwaltungsgerichthofes. Das Gesetz regiert ja, wie man sieht, in Oesterreich, und die Mühle des Gerichtes mahlt alles Semitische so gründlich kurz und klein, als eS sich nur die eifrigsten Leser der Protokolle der Weisen von Zion wünschen können. Cs scheint dringend geboten, daß die Regierung in der Befolgung der Seipelschen Tendenz „politische und sonstige Meinungsverschiedenheiten nur mit den geistigen Mitteln der Demokratie zu verfechten, den Anfang mache. Anlässe für diese Initiative bieten sich ja in Dulle -und Fülle, und wenn der Herr Vizekanzler (der ja auch Minister dieser Justiz ist) zum Beispiel die Anbiederung Gottfried Sttauchs „Wie Sie ja wissen" öffentlich zurückwiese, so wäre dies immerhin ein schöner , Erfolg des Bundeskanzlers. Er hat in seiner Rede um GeduD gebeten und versprochen, es werde bei der nächstjährigen Budgetdebatte in dieser Hinsicht kerne Beschwerden mehr geben. Der Ausschußbericht verzeichnet hier die vielsagende Rote: Heiterkeit. Der Pssiimusmns des Herrn Bundeskanzlers findet demnach Anklang. Hoffentlich wird es Herrn Seipel gelingen, bis zum nächsten Jahre den Anlaß dieser Heiterkeit zu beseitigen. (Heiterkeit.) _ Hussein dementiert Das Ne Haan- Interview. De Haan-Lord Beaverbrook-Benedikt. In der arabischen Zeitung Palast in" vom 14. März d. I. erschien eine Notiz über den Besuch De H a am s bei König Hussein, in der angebliche Aeuße- «ttpgerr des Königs über den antireligiösen Charakter des Zionismus zur Kenntnis des Publikums gebracht wurden. OLgwar es klar ivnr, daß diese Veröffentlichung auf den berüchtigten De Haan zurückgeht, hielt e§ unser politischer Vertreter m Palästina, C0l. Kish, für richtig und nötig, von König Hussein ein Dementi zu verlangen. Der Minister des Asußevn von HÄschas, Fuad Bei elKhatib, richtete num unter dem 17, Mürz folgenden Brief an E0l. Kish: „Ich bestätigt den Errchstttig Ihres Brieses vom 16. d. M. bezüglich der im a I q ft t n" dom 14. Marz erschienenen Notiz über angebliche Aeußerungen des KaRssn m eine Mische Delegation. Me ich Ihnen bereits in meinem Telegramm mitgeteA Und wie ich Mündlich dem Captam Jacobs gesagt habe, ist die erwähnte Notiz durchaus fals ch, da Seine Majestät nieMall s eine ähnliche Aeußerung getan hat. Ein offizielles Dementi wird in der nächsten Nummer des Amtsblattes erscheinen. Die Wünsche, die ~ Sie. Seiner Majestät übermittelt haben anläßlich seiner Erhebung zum Kalifen, haben auf Seine Majestät dm besten Eindruck gemacht. Er dankt Ihnen für Ihre freundlichen Glückwünsche und versichert Sie, daß sein Verhältnis zu Ihnen mit dem Tage Ihrer Ab» reise keine Veränderung erfahren hat. Empfangen Sie nsw. Fuad Bei «l Khattb." Im Amtsblatt „El Shark el arabi" erschien folgendes Communique: „Die Mitteilung, die in der Zeitung „Falaffin" Nr. MH2 vom 14. März über angeblich vom Kalifen au eine Mische Delegation gemachte Amßevungen sind vollständig falsch. Ebenso ist in der gleichen Nummer des Blattes ein Artikel erschienen» der unsere Gefühle verletzt. Äuch dieser Artikel beweist die Lügenhaftigkeit der Berichterstattung."» Dieses Dementi Husseins, ivolches Tarlegt, daß Hussein sich nicht als Gegner der zionistischen Bestrebungen bekennt und daß er durchaus nicht, wie nwm glauben machen wollte, die Agüda als Repräsentation des Mischen BMes anerkennt, setzt wieder einmal die publizistische Vevgiffertätigikett des Herrn Jakob de Haan ins richtige Licht. De Haan, ein Vertreter der Äguda, ist bekanntlich der paWinsnisffche Korrespondent des durch seine antizilmistffche und noch mehr antisemittsche Propaganda de kannten Organs des Lovd Beaverbrook, „Daily Wweß". Dort hat er. äuch die erlogene Meldung unter gebracht, daß Hussein einen panislamitischen Kongreß nach MeNa zur Bekämpfung des Zionismus einbewfen habe., Diese Meldung ist bekanntlich von dem Organ des. Herrn Benedikt übernommen worden. Es iseine etwas bunte, Mr in ihrer politischen Sauberkeit gleichartig zu wertende Kampfg-enossenschastr Herr de Haan vött der ZhiÄtz, Lord BeaveMdüks ,-Daily Erpreß" und das Äeltblatt des Benedikt. Der Nachfolger Laugherttzs. Washington, 2. April. (Reuter.) Harlan Fiske Stone ist zum Genemlstaatsanwalt ernannt worden. Mieterschutz. Vermögensabgabe. ■ Todesstrafe. Anträge der Arbeiterpartei im Unterhaus abgelehnt. (Eigendienst der „Wiener MovgeiMitung".) London, 3. April. Die von der Regierung Mac Donald ei »gebrachte Novelle zum Mieterschutzgesetz .hatte 'wieder einmal Anlaß gegeben, von einer bevorstchenden Rogiernngskrise zu sprechen, da die Liberalen beschlossen hatten, gegen den Entwurf dev Regierung zu stimmen. Sie bereiteten einen Gegenantrag vor, in welchem sie die Heranziehung öffentlicher Mittel zur Entschädigung von Hauseigentümern ver- ' äugten, die infolge des Mieterschutzes unverschuldet in Not geratene zahlungsunfähige Mieter nicht zur Räumung der Wohnung zwingen dürfen. Die Regierung ist nun einem Konflikt zuvorgekommen, indem sie ihren Entwurf zurückzog. Minister C l y n e s erklärte, in den nächsten Tagen wurde ein neuer Entwurf eingebvacht wer- >en, der die von den Liberalen geforderten Entschädigungen der Hausbesitzer, aus öffentlichen Mitteln enthält. Zwei prinzipielle Anträge der Arbeiterpartsi wurden vom Unterhaus abgelehnt. Die Resolution Patrick Lawrence,. welche erklärt, daß eine Vermögensabgabe die Staatsschuld verringern, die Steuern erleichtern, die Industrie beleben und so den ÄrbeWosen Beschäftigung bringen würde, fiel gegen die konservative Resolution Guineß, die sich gegen jede Form von Vermögensabgabe ausfpricht. Diese Resolution wurde Mit 226 gegen 160 Stimmen angenommen. Ebenso wurde ein Antrag der Arbeiterpartei aus Aufhebung, der Todesstrafe in der Armee mit 207 gegen 136 Stimmen abgelehnt; auch ein zweiter Antrag, welcher verlangt, daß einem zum Tode verurteilten Angehörigen der Armee das Berufungsvecht zustehe, hatte bei einem Stimmenverhältnis von 193 gegen 120 das gleiche Schicksal. Die RegieMNg selbst wich diesen grundsätzlichen Fragen aus. Mae Donald über die Rheknlandfvagen. Auf eine Anfrage des Ilnterhausmitgliedes Wallh e a d, ob 'der Ministerpräsident sich über die Politik der Regierung mit Bezug auf die. zwischen den französischen und belgischen Organisationen im Rheinland und Ruhrgebiet und gewissen deutschen Organisationen geschlossenen Vereinbarungen äußern könne, antwortete Mac Donald, die britische Regierung sehe die Rechtmäßigkeit der in FraAe sichenden Vereinbarungen als eine Angelegenheit an, über die vielleicht die Reparationskommissio«, die nach dem Versailler Vertrag in dieser Frage zuständig sei, sich werde aussprechen Müssen. Die britische Regierung habe bisher keinerlei Schritte unternommen, um diese: Frage vor die ReparationsLommisiion zu bvi-ngen, weil zu hoffen fei, daß die Ergebnisse der Berichte der Sachverständrgenausschüsse, die demnächst erwartet würden, zu einer Losung fuhren Knuten, die «in« derartige Aktion seitens der britischen Regierung überflüssig Machen würde. Aber für di« Zwischenzett fei der französischen und der belgischen Regierung von der britischen Regierung mitgeteilt worden, daß sie sich alle Rechte in dieser Angelegenheit Vorbehalte. Re Sachverständigen. Paris, 3. April. Der Redaktionsausschuß des SwNntees Dawes hat heute vor- und nachmittags seine letzten Arbeiten an dem Bericht des Ausschusses fortgesetzt. Für die gemeinsame Sitzung der Komitees DaweS und Mae Kenna, an der die Sachverständigen den endgültigen Wortlaut der beiden Berichte zur Kenntnis nehmen sollen, ist nach der Agenee Havas noch körn endgültiger Dag vorgesehen. Nach dem „T e m p 's" wird angenommen, daß die beiden Berichte Sonntag vormittags der Neparationskommission übergeben und Montagfrüh veröffentlicht werden können. veutschlmdr Rüstungen. Der Grnnd sirr die Ablehnung der Militärkonttolle. Paris, 3. April. (Del.-Komp.) Die offiziöse Poesie bespricht die 'deutsche Antwort über die Militärkontrolle im Zusammenhang mit der letzten Rede StrefernänttS und dem Freispruch Ludendörffs. Sie sieht in diesen zwei Kun Hebungen des deutschen Geistes einen Beweis dafür, daß in Deutschland eine nationalistische Strömung die Oberhand gewinne, die bei oen Re i chstagswahIen klar zum Ausdvu ck kommen iverde. Der „Matin" erklärt, daß Deutschland offen deri Vertrag von Versailles verleugne, und spricht die Hoffnung aus, daß die. BotschasterkonferenZ ihren Langmut Nicht zu weit treiben werde. Wenn Sttesemann erkläre, es seien nur noch untergeo röste ie Punkte in der Frage der Militavkontrolle zu regeln, die eine Fortsetzung dieser Kontrolle nicht rechtfertigten, so sei di^s nichts anderes als «eine Heraus-fMevung. Der „Petit Parisien" findet es erklärlich, daß Deutschland sich durch seine Antwort.der Militärkontrolle zu entziehen suche, da ja General v. Seeckt keinen Wert darauf lege, daß man das Werk der Reorgäniis a it l o N d e r Reichswehr, das seit einem Iah durchgesührt werde, näher kennen lerne. Tatsä che sei, daß heute von der Ostsee bis zum Schwarzen Metzr eine nationalistische Agitation entfesselt sei, die die ganze Aufmerksamkeit aller alliierten Regierungen ertl'i'eere. NirMinarverfahren gegen Poehner und Frist. München, 8. April. Die KreiSregievung von Ober, bvyern hat gegen Poehner und Frick die Ei«- leitung des Disziplinarverfahrens beantragt. _ Sie Freunde der Villa Wahusried. Wir haben bereits darauf hittgewiesen, daß Siegfried Wagners Amerika-Kampagne für Battenth hauptsächlich von jüdischen Persönlichkeiten unterstützt wird und daß infolge den bekannten Bezichmvgen der Familie Wcvgner zu Hitler und Ludeirdo rff wieder einmal MischeS Geld in die Kasten der Hakenkreuzle-rer fließt. Wir ilesen mmmchr in der Pressekorrespondenz des' deutschen Auslaivdsinstituts (Stuttgart) den folgenden Bericht: Siegfried Wagner wurde im Rew-Vorker Liederkrang bei einem Bcmkttt bsMtsrt gefeiert. An dem Festempfanq nahmen zahlreich« Führer des Deutschtums teil. Die Gaste wurden untrer bett Klängen einer MusrKapelle in ben -Saal geleitet, wo der Vovsihende des Ziederkratvzes, Herr Graf, zunächst Siegftttd Wagner «in MMerischeS Diplom überreichte. Dann begrüßte in schwungvollen Worten Professor Dr. EmanuBl Baruch den Gast, nicht nur. als einen Eigenen, einen Künstler von Rang, sondern ÄS einen Künder deutscher Kultur, als einen Bewahrer deuWer geistiger Tradmon. Der MnsiNritAer der ,Mew-Aoriker Staatszeitung", Ha l Person, brachte dem Komponisten und dem Baireuther Werk eine begeisterte Hnldidüng dar, und Siegfried Wagner antwortete mit einer SkM voll Hum«r und Jroüie über seine Gegn er drüben.und hüben und sprach von dem Glauben an sein Werk. Fräulein P e r a d e und Hermann Weil saugen tat8 Holländerduett und Hermann Weil Siegfried Wagners Komposition „Von dem dicken, fetten Psanucnkn ch en". Der Abmd war «in großer Erfolg. Graf-Bavuch-Halpvrson-Weil, das find diöjemgrn, aus deren jüdisch-deutschem Enthusiasmus der dicke, fett« Pfcmnenkuchen gebacken wird, von dem dann Sisgsried Wagners Gattin ei» besonders schönes Stück >dem General Lud endo rsf schickt. Seutschland schränlt die Auslandrreise» ein. BekNtt, 3. AprL. Me di« MmMkättev mitteiLen, wurden die Finanzämter angewiesen, alb heute den U«- bedenklichkeitKvevmerck für Auslandsreisen bis auf weiteres nicht zu erteilen. Diese Maßnahme fei wegen der BÄaftumg der deutschen Zalhlungsbiilanz durch das Ueberhandnehmen der Auslandsreisen effolgt. Kommunistische Krawallszenen in der Berliner Stadtverordneten. fitzung Die P-lizei mutz einschreite». (Ligendienst der ,Diener MorgenzsitMtg".) Berlin, 3. April. In der Berliner StadtverordneterwersomnTurvg kam eS heute wieder zu lärmenden AuSe: n a n d e r s e tz u n g e n. In der letzten Sitzung weigerte sich kti kommunistische Stadlrar Letz, der wegen eines gegen ihn eingoleiteten Disziplinarverfahrens an den Magisttatssitzungen nicht teilnehmen darf, die Stadtverrndnetenversammlung zu^ verlassen, und so mutzte die Sitzung geschlossen werden. Heute erschien er wieder in der Ste^tverordnettMeff-ammklMN und wollte sie trotz dreinraliger Aufforderung von seiten des Sladtverordnetenvorstehers «ich: verlaffen. Dieser sch sich genötigt, - die Sitzung auf zehn Mi«uie« zu unterbrechen. Die PMzei wurde verständigt und drei Polizeibeamte erschienen nn Hause. Ihrer Ausfovderung, den Saal zu v erlas' e n, kam nun Letz nach. Nun veranstailteten die übrigen Kommunisten große Lärmszenen und ließen es zu keiner geordneten Verhandlung kommen. Di« Sitzung mußte schließlich aufgehoben werden. Die Kommunisten erklärten, daß sie jede weitete Tagung der StaldiverardnettnversamMung von nun ah verhindern werden PrSfident Mrola kandidiert nicht mehr. Neapel, 3. April. (Steftntt) Der fvühere Präsiderit bet Kammer und Mziistische Kandidat de Nicola, der heute vormittags hier eine Wahlrede halten sollte, hat auf das Verlanigen der Sozialisten hin, davon Abstand zu nehmen, gestern abeüds an 'das Wahtkomitee die Mitteilung gedichtet, daß er, um Zwischenfälle zu vermeiden, feine Kandidatur niederlegk. Eine Bombe gegen Fttsziften. Rom, 3. Äprrll Bei Trient würde gestern eine Bomben getzen Faszisten geworfen. Sieben Anhänger der Popolüripartei, darunter ein Pr,ester, wurden verhaftai. Der Bergarbeiterstreik inPoluisch.Sberschlefien r«samme»gebroche«. BeuttM, 3. April. Die Streikbewegung der Bergarbeiter in Polnisch--Oberschlesien kau-n. als z U f aM ttt i itg e broch £ 1t bezeichnet werden. Ein neuer GtwE ist kt Aortthrckvaer Oevgvovier ausgebrochen. Es handelt sich hierhöi Nicht Mt einen Syanipüthifftreik, sondevn uw M Völlig felbständigtz OtveiMowegung, weil, wie dev ,Dberschl«sische Kurier" berichtet, die dortigen Arbeitgeber eigonmächtiig die Löhne mn 1 -i r ozent ab gebaut hätten.