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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-04 · Heft 1845 (4.4.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1845 (4.4.1924)
Date
1924-04-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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emzBirnnmirBrniOO Wien: Zum Abholen in der Expedition, ll^Taboratr. 1-3, oder in einer Verachleiastelle (Trafik) monatl. K 35.000 Straaaenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma GoIdschmiedt^LBez^ WoIIzeile 11. Mit Postversa'sd für Wien n. Oesterr. monatl. K 35.000 Ta eh e c h o-S I owa Ic ei: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar60. P o 1 e n: Mon. 31/, Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, Frank r., Belgien: Mon. Frca. 12: 9Y* Ntehiitlnu gea bei Preiierhohangr«n vorbthtlten Nr. 1845 Wiener Wien. Freitag. 4. April 1924 DerersteKi. PolBnn>olnnnc.850.00fl Italien: Monatl» 12Lire Ru manienMon.lSOLfi. Bulgarien Mon.80 Leng Schwei x und daa übrige Ausland monatlich Frca. 4 Redaktion u.Administratioa Wien, II„Taboratrawal—3 T elepbone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds.19-483,25-282 Oeaterreichiaches Pöatapari kasaen-Konto Nr. 150,69J 6. Jahrgang Kammerauflösung am 12. April. Sie letzten SanerMngen. — Das lritische Hensronsgefetz abermals in Beratuns. Ae Kammer votiert Primäre ihr Vertrauen. Paris, 3. April. (Tel. der „Wr. Movgenzeitung".) In einer Konferenz, an der die Vorsitzenden der Kaimnerkom-- missionen und Fraktionen teilnahmeir, ist beschlossen worden, den P ensionsgesetzentwurs, der bekanntlich die letzte Ministerkrise herbeigeführt hat, in der n e u e n K o m p r o m i ß f a s s u n g aus die Tagesordnung der Kammersitzung am Samstag zu setzen. Das Hans soll ausgefordert werden, mit Ausnahme des kommenden Sonntags bis zu seiner Auslösung vor- und nachmittags zu verhandeln. Die Auslösung soll nach einer Mitteilung der Agence Havas Samstag den 12. d. erfolgen. T ie Kammer hat /heute nachmittags die Juterpellationsdebatte fortgesetzt, wobei Ministerpräsident Poinc a r e Gelegenheit nahm, zu wiederholen, daß Frankreich nicht vor vollständiger Bezahlung das Ruhrgebiet verlassen werde. Wenn die Reparationskom- . Missionden Vorschlag macht, an Stelle der Pfänder, die Frankreich ansbeute, allgemeinere Pfänder zu setzen, werde die Regierung diese Fragen prüfen, aber nicht aus dem Ruhrgebiet herausgehen und bei der g eringsten Verfehlung Deutschlands die Ausbeutung wieder aufnehmen. Der Ministerpräsident fügte hinzu, die Sachverständigen hätten sich nicht mit-der Gesamtschuld Deutschlands zu befassen, sondern nur Vorschläge über eine jlleVision des Zahlungsplanes zu machen. Wiederaufbauminister Marin teilte mit, daß der heutige Mnisterrat ein Zirkular; genehmiigt habe, wonach von den noch ausstehenden Zahlungen die kleinen Geschädigten zuerst berücksichtigt werden sollen. Der Abgeordnete D u b o i s, der frühere Präsident der Reparationskommission, erklärte, daß die Reparationskommission in voller Unabhängigkeit und nach reiflicher Prüfung die deutsche Zahlungsfähigkeit mit 13 2. Milliarden festgesetzt habe. Der Abgeordnete ersuchte Poincare, dafür zu sorgen, daß Deutschland den vollen Betrag, der auch von den seinerzeitigen englischen Delegierten genehmigt worden sei, zahle. Heute Nachtsitzung. Nachdem Poincare unter Stellung der Vertrauensfrage verlangt hatte,, daß die Verhandlung der Interpellationen noch heute beendet >werde, bechloß die Kammer, eine Nachtsitzung abzuhalten. Die BtttrauenLabstimmusg. Spät nachts wird gemeldet: Die Kammer hat der Regierung mit 408 gegen 151 Stimmen das Vertrauen ausgejprschen. Ae Inflation nimmt zu. Der Staat beansprucht in einer Woche 300 Million««. Paris, .3.. .April. (Lol. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Bank von Frankreich teilt in ihrem Wochenbericht mit, daß sich der Banknoetnümlvuf in der vergangenen Woche um ru nd 264 Millionen Franken vermehrt hat und rund 40 Milliarden 214 Millionen beträgt. Die Zuschüsse an den Staat sind nicht vermindert worden, sondern halben eilne weitere Vermehrung um 300 Million en erfahren. Der Wahlkampf in Deutschland. Reichskanzler Dr. Marx über die Wahlen. Berlin, 3. April. In einem Interview wies Reichsminifter Dr. Marx auf den Zusammenhang ' zwischen den Neuwahlen und der deutschen Politik hin und wendete sich entschieden gegen die Behauptung der Rechtsopposition, daß die R ü cksi ch t a u f d a s A u s la n d bei den Wahlen überhaupt keine Rolle spielen dürfe. Das deutsche Volk brauche zwar nicht aus Rücksicht auf das Ausland in einem bestimmten Sinne zu wählen, es müsse sich aber immerhin bei den Wahlen von der R ücksicht aufdas d e u t s ch e I n t e r e s s e leiten lassen. Die von der Rechtsopposition geforderte Politik, würde ins V e r d e r b e n führen. Nur eine Politik der Geduld und des langsamen mühsamen Durchkämpsens könne Deutschland wieder vorwärts bringen. Blutige Zusammenstöße zwischen Völkischen mnd Sozialisten. Berlin, 3. April. (Tel. der ,Miener Morgenzeitung".) In Berlin wie auch in anderen deutschen Städten waren die heutigen Wahlversammlungen der Deutfchvölkischeu von Schlägereien begleitet. So kam es in Stettin zu heftigen Zusammenstößen zwischen DeutschvöMschen und.Sozialisten, bei .denen mehrere Personen verletzL wurden. Stinnes gegen Stresemann. Berlin, 3. April. (Tel.-Komp.) Die Spaltung der deutschen Vollspartei scheint nun doch Tatsache zu werden. Ter Vorstand der nationalliberalen Veröinig>ang hat dem Vertreter des Parteivorstandes mltgeteilt, die Vereinigung werde auch weiterhin beistehen bleiben und ihre Anerkennung als politische Organisation fordern. . Spaltung im Zentrum. Berlin, '3. April. (Tel.-Komp.) Der Beschluß der ZentmmsPartei, in den bayrischen- Wahlkreisen ' eigene Kandidaten aufzustellen und nicht mit -der bayrischen Volks- Partei zusammenzugehen, hat lebhaftes Aufsehen erregt und wird von der Presse vielfach erörtert. Die „Germania" spricht selbst von einem Bvuderkampf in der eigenen Partei und auch die übrigen Blätter bezeichnen den Beschluß der Partei als einen tiefen Riß in dem bis jetzt festgefügten Zentrumsblock. Dvr Beschluß wird als besonders bedeutungsvoll für den Ausfall der Reichstagswahlen betrachtet, weil daraus ersichtlich wird, daß das Reichszentrum vorläufig nicht gewillt ist, in seiner Politik eine Rechtsschwenkung durchzuführen und zusammen mit den DeutschvöMschen und Deutschnationalen im künftigen Reichstag eine Mehrheit zu bilden. Wahlversammlungen ohne — Militärmusik. (Eigendienst der „Wiener Morigenzestung".) Berlin, 3. April. Der Reichswehrminister hat das Spielen der Militärkapellen bei allen öffentlichen Veranstaltungen von Vereinen und anderen Organisationen bis znm 6. Mai, also bis nach den Rcichstag'swahlen, verboten. Die Maßnahme ist dadurch hervovgerufen, daß die Deutschvölkischen in Mecklenburgdie Relchswchvmusik mit dauerndem Vertrag für ihre Wahlversammlungen verpfli chtet haben. Der Reichswehrminister möchte nun durch dieses Verbot verhindern, daß der Anschein erweckt werde, als ob die Reichswehr sich parteipolitisch betätige. Mw und Rußland. Peking, 3. April. (Del. der ,Miener Movgenzeitung".) Der Außenminister veröffentlicht eine Note, worin erklärt wird, daß die chinesische Regierung bereit sei, den Entwurf über den ch i n e s i s ch - r u s s i s ch e n V e r t r a g zu unterzeichnen, wenn sich R u ß l and verpflichtet, die Mongolei zu räumen. mmmmmmmmmuamummammmamammmamm Abrüstung in Sesterreich. —/.Wie it, 4. April. Es soll abgerüstet werden. Der österreichische Buni deskanzler hat im Budgetausschuß den Selbsvschützlery aller Fronten und Riten mild und lind zugeredet. Es gibt Hakenkreuzler und Heimwehren, es. gibt ferner einen republikanischen und einen vaterländischen Schutzbund, es gibt. Versammlungsschutztruppen und Ordnerwehren. Es wird geschützt, daß es nur so eine Art hat und mit dem holden Lenz kommt auch wieder die Zeit, da >in den Umgebungen der großen Städte junge Leute unter erfahrener Führung in geschlossenen Formationen Gelenksübungen betreiben. Im Vorjahre, als bei einer solchen Gelegenheit Schützenlinien ausschwärmten, sprach der Herr Vizekanzler Frank im Nationalrat von der sportlic^n Ausbildung der Jugend. In diesem Jahre, da sich die verschiedenen politischen Parteien vor [o viel Schutz zu fürchten scheinen, zumal ja keine Wahlen in der Nähe sind, ist es wieder zu einer Debatte gekommen und, wie schon bemerkt, der Bundeskanzler trug seine Mahnungen vor. Wenn alles saniert wird, so auch das Schutzwesen. Der Kanzler ist freilich ziemlich skeptisch: „Niemand darf sich darüber wundern, wenn aus den Ruf „Die Waffen nieder!" nicht sofort eine Abrüstungskonferenz Zusammentritt. Sie würde übrigens in unserem Falle kaum zum Ziele führen." Diese pessimistische Anschauung gründet sich offenbar auf Erfahrungen und aus eine tiefe Kenntnis der politischen Psyche in Oesterreich. Aber damit kommt doch niemand über, die Notwendigkeit hinweg, zu prüfen, ob nicht die genaue -Anwendung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen den vielleicht vergeblichen Versuch einer . solchen Abrüstungskonferenz ersparen würde. In «nM Kullmft-aat, der aus moralische und pMWe Reinlichkeit. Mt, ist zur Wahrung der-Ruhe, zum Schutze der Ordnung die Sicherheitsbehörde berufen, die in besonderen Notfällen die Assistenz der staatlichen Heeresmacht. anzusprechen befugt ist. Wenn aber der ruhige und der unruhige Bürger zur Wöhr greifen dürfen, dann ist dies ein bedenkliches Zeichen der Schwache der sonst, von Regierungsseite so hoch gelobten Autorität der -Staatsgewalt, ein schwerwiegendes Eingeständnis, daß die öffentliche Macht nicht mehr zur Sicherung der bürgerlichen Rechte und Freiheiten ausreicht. Dies führt zunächst zum allgemeinen Mißtrauen, dann aber zur Bildung von Scharen, die ihre Parteigvundsätze über das Gesetz stellen und sie dort mit Gummiknütteln, Revolvern und Mannlichern feldmäßig sichern. Wie wir das eben in Oesterreich sehen. Freilich nicht bloß in Oesterreich allein. In Ungarn -sind ja diese Brüder von der . Bombe sogar im anerkannten Besitz der Regievungsmacht. Es besteht sicherlich vorläufig kein Grund zu der Annahme, daß dies in Oesterreich in absehbarer Zeit, geschehen könnte, -obzwar es ja; hierzu nicht an Bemühungen gefehlt hat. Es wirken verschiedene Umstände dem entgegen: gewisse -kulturelle Hemmungen, die Rücksicht aus die Sanierungskontrolle, dann aber auch die Erwägung, daß es ja gar nicht notwendig ist, das Ziel der völkischen Belange aus dom immerhin gewagten Weg der Revolution anzustreben. Es-gibt ja die Evolution und diese läßt sich durch das langsame, zähe und konsequente Ausfüllen der Intelligenz mit Hakenkreuzbekennern vollziehen. Die Hochschulen — nun, das ist ja bekannt und man braucht von dieser Kulturzierde nicht weiter zu sprechen. Es gehört zu ihrem Wesen, dag der arische Mensa-Skandal, daß die Numerus clausus-Versügun-, gen weiter bestehen wie am ersten Tag, und.daß drei Fakultäten Gelder aus allgemeinen Fonds einer völkischen Schulungswoche spendieren. Da sind aber auch noch die Gerichte da, deren Walten wir ebenfalls schon wiederholt erwähnt haben. Sie halten sich.aus der' Linie der völkischen Rasse und der Jude wich, wie'das der Tempelherr immer gefordert hat, verbrannt. Jeder Tag bringt neue interessante Beiträge zur Kenntnis dieser Dinge. Da hört man jetzt von einem Wiener Bezirksrichter namens Otto Köllner, der einen sonst unbescholtenen Angeklagten, einen Juden, durch Polizisten vorführen läßt, weil er Leute solcher Art stets vor- Chiffon linil DnffiniinA Herren- und Damenwäsche, Regenmäntel, engl. WoIIllllll IlKII I/IfllllU Stoffe, gestrickte Socken, Kleider, Kostüme u. Jumper, Illllfl UCllLCIiP alles erstklassig und billigst im WARENHAUS ito Schiff mann II. Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En detail

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