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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-03 · Heft 1844 (3.4.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1844 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, Dontier'stvg'^- Wienev Mor^enzeitung 8. April 192^ Rr. 1844' 4. bis 13. Mai 1924. Me wir bereits berichtet lhabe.lt, wird tu Wien fite die Woche vom 4. bis zum 13. Mai eine großäugige Pr opaganda für das allen Juden gleich teuere Werk der jüdischen Hsimstätte in Palästina vorbereitet. Durch die günstige Entrwicklmrg der Kolonien, durch tot begeisterten Berichte, welche alle Palästina-Reisende über die jüdischen Siedlungen geben, ist das Interesse für die Förderung des Aufbauwerkes in weite Kreise gedrungen. Zwei wichtige Kttanzmftrmnenie arbeiten für Palastiüur imd ihre Kräftigung ist für das Schicksal Crez Israel errffch eidend: Der Jüdisch« Nationalfonds (Keren Kajemeth l'Jsrael), der fast ssit der Begründung der modernen zionistischen Bewegung durch Theodor Herzl besteht und den Beden für di« Kolonisation zur Verfügung stellt, >und der PalLstina-AufbailfondS (Keren Hajestod), .essen Schaffung durch die MaiudatserteAung nötig geworden ist und welcher die Kapitalien auszubringen hat, um das Palästina-Budget zu bestreiten. Für den Nationalsonds werden in vevschiedencr Form Spenden aufgebracht, für den PM'ftma^l'NfbaiUsonds sind O p f e rleistungen erforderlich und als MinimaWeistung ist bekanntlich ein Pfund pro Jahr festgesetzt. Für >bekde Zwecke hat to« österreichische Judenschast noch lange reicht jene Qmote aufgebracht, welche der Anzcchis, Bedeutung und .Kultur der österreichischen Juden entrspvicht und leider steht die Indem, chaft unseres La^ndes hinter de« Iude-rr der meisten anderen Lander mit ihren Leistungen für Nationalfonds und Pal äst i n a-A ufbaufo nd s sehr weit zurück. Das Zionistische Landeskomitee -und die Ssterveichvschen Kommisstonen für den NationailfonÄs sowie für den Pailastiua-Äufoauso'Nids haben nach eingehender Beratung die angegebene Zeit als Propagandawoche bestimmt. Es ist kein Zweifel, daß Lei richtiger und intensiver Arbeit aller Palästina-Freunde der Erfolg sehr günstig sein muß. Zunächst ist es notwendig, daß die Ausschußmitglieder der zionistischen BösirksovganisationLN urtd Fraktionen sowie jene organisierten Zionisten, die sich an den Vorarbeiten und der Propaganda während der Palästina- Woche werktätig beteiligen wollen, unverzüglich mit dem Kere n Hajesso d-Bu re au, Wien, 1. Bez.> Bauernmarkt 24, in Verbindung treten und gleich-' zeitig beklMntzgeben, welche Arbeit ^sie zugewiefeu wünschen. Im Einvernehmen mit den Ausschüssen der Bezirke und Fraktionen wird dann der genaue Arbeitsplan feftgssetzt und in gemeinsamer Ausspmche die Arbeitsmethode bestimmt werde«. Es wirb ferner aufme-cham gebracht, daß wiedechoilte Vorführungen des neuen, in Wien noch nicht gezeigten Palastrua-Films, der soeben in Berlin den größten. Eindruck machte, die Aktion vorbe reiten 'werden. Streik in England. London, 8. April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die ^qhlensortiererim schottischen Hasen Leith sind gestern in di:n Ausstand getreten. Die Arbeiter, die der Gewerkschaft der Transportarbeite runio« angehören, haben em^Delegation nach London gesandt, um die Union zu veranlassen, einen Generalstreik aller Kohlensortierarbeiter der englischen .Häsin anzuordnen. Durch diesen Stveik würde der Verkehr aller Handelsschiffe lahm gelsgt werden. Gestern fanden neue Unterhandlmvgen zwischen den Reedern und den Srhiffbauarboitern statt. Die Arbeitgeber haben beschlossen, die Arbeiter am nächsten Samstag a u s zusperrt n, wenn bis dahin keine Einigung erzielt wird. Auf dem Flugfelde von Cwohden, von welchem die internationalen^ Luftverkehrslinien ausgchen, ist der Ausstand der Piloten vollständig. Kein einziges Flugzeug ist gestern nach Leur Kontinent abgefahren. Eine Delegation von 16 Piloten hat 'sich zum Luftschiffahrtsminister begeben. Der Berke'hrsstrerk m London ist völlig beendet. Ter Verkehr war gestern tvährend des ganzen Tages wieder normal. Bergarbetterftrett in Sft-Sberschlefiea. Breslau, L April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der wn den Gewerkschaften ausgerufene Generalstvsik der Bergarbeiter - Ost-Oberschlesie ns hat sich weiter ausgedehnt. Sä,Gliche Gruben sind stillgelegt. Nach Meldungen aus Kattowitz beabsichtigen auch die Bergarbeiter des Krakau er und des Dombrowaer Reviers, sich dem Generalstreik amn- 'chließen. > Streik in der Berliner Staatsaper. Berlin, 2. April. (Tel. der „Wr. Movgenzeiiu'Ng".) Bei der BetLirier Staatsoper ist em schwerer KonM ausgchvochen. Die OrganisMon des Ghor- und Ballett- Personals hat der Generalrnwndanz, nachdem bisher über die Gchaltsechohungen vergebens verhandelt worden war, nunmehr ein Ultimatum gestellt, das heute mittags abgelaufen ist. Daraufhin ist bas PevsoM in den Ausstand getreten. ■BEOTEBt!«®! ■in " "r.V' fT 'r K* Wie die Maschine den Dampf so braucht der Körper, ständige rationelle s Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden „DIANA“ Franzbranntwein mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege und deshalb soll jeder a i 99 DIANA“ Franzbranntwein ständig benützen tleberall erhältlich Oiana-franzbranntw6iR‘Pf8iioktißn-&es. WIEN, II. Engerthstrasse169 10882 PRAG, VIII. Lieben, Drahobeljova 1073 Unveränderter Brotpreir. Nach der gestrigen Errechnung der Gestehungskosten bleiben in der kommenden Woche die Preise für Brot und Kleingebäck unverändert. Verschlimmerung im Befinde» Zosfes. Rykow und Trotzktz im Kaukausus. Wie wir erfahren, hat sich das Befinden des Sowjet-Politikers Joffe, der sich seit zwei Monaten im Sanatorium Low in Wien befindet, in den letzten Tagen so weit verschlinunert, daß man von einer ermsten Wendung sprechen kann. Der Kranke leidet an einer Nervenentzündung und wird von fünf Professoren, Dr. Wagner-Jauregg, Dr. Alfred Adler, Dozent Zweig, Dr. Kaufmann und Dr. K a n n a b i ch behandelt. Herr Joffe war bekanntlich Vorsitzender der SoiNHetdelegativn bei den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk und später Gesandter der Sowjedfoderation in Berlin. Die Meldung, daß sich Herr Rhko w, der Nachfolger Lenins als Vovsitzettder des Rates der Volkskommissare, seines Gesundheitszustandes wegen in einem österreichischen Sanatorium befinde, ist unrichtig. Herr Rykow weilt zurzeit auf Urlaub in einem kaukasischen Ort. Trotzky, über den gleichfalls in der letzten Zeit verschiedene Gevüchtie verbreitet wurden, beendet in den nächsten Tagen seinen Urlaub, den er im Kaukasus verbrachte, und kehrt auf seinen Posten in Moskau zurück. Hilfe für die jemenitischen Juden. Der Zentralverein Esrat Israel in Men, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die ganze Mische Welt heranznziehen, den Juden in Jemen Hilfe zu bringen, hatte im März des Vorjahres den Schriftsteller I. Radler-Fel dmann mit der Einleitung der nötigen Maßnahmen betraut. Herr I. RMer-FeNnnann begab sich sofort nach Erez Israel und gründete dort sin Hilfskomitee, welches gemeinsam mit dom Verein Esvat Israel die Arbeit für die jemenitischen Juden durchführen soll Bei der Kl-age-mcmer in Jerusalem wurde eine große Dersammliunig ckbgehalteu, bei welcher alle GroßrcMiner und Rabbiner sowie Tausende von Juden verschiedenster Richtung anwesend waren; es wurde beschlossen, sin Em'igvationshaus für jemenitische Juden, die nach Palästina kommen, zu bauen. Zwei Juden spendeten sofort zu diesem Zwecke einen Matz und die Grundsteinlegung wurde im Oktober 1903 vorgenommen. Mit dem Bau wurde bereits begonnen. Die Palästina-Wanderung der Jemeniten ist schon -m Gange, in einigen Wochen kommt der erste Transport von 40 Iamilien au, weitere Transporte sollen folgen. Der Zontralverein Esrat Iirwel (2. Bez., Tandelmarktgasie 17) hofft bei seiner Mion, welche Palästina ein ausgezeichnetes Kolonist-enmaterial bringen soll, am die Unterstützung aller Juden chne Unterschied der Parteien urtd bittet seine Tätigkeit durch Spenden zu fördern.. Die Unterschlagungen der Sr. Falk. Ein Ausgleich. In der Vollversammlung des Vereins der österreichischen Schuhfabrikanten erstattete Vereinspräsident Goldschmidt einen Bericht über die Unterschlagungen des Vizepräsidenten Dr. Hugo Falk und teilte mtt, daß diese nach dem Gutachten des Buch sachverständigen nicht weniger als 469,OOO.OOG K. betragen haben. Er teilte weiters mit, daß das Vereinspräsidium mit Dr. Falk die Abmachung getroffen habe, daß dieser den veruntreuten Tetrag in seiner ganzen Höhe sukzessive zurückzahle. Der Präsident gab schließlich bekannt, daß an Stelle des Tr.Falk für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vereins der frühere Handelskammersekveiär Regiemugsrat Oberlin engagiert wurde. Seite & LSrvr» für die BMStiMt Das Flügelhornsolo des Bakteriologen. Freitag findet im Zirkus Hagenbeck eine WohltätögkeitS« Vorstellung zugunsten der Barmherzigen statt, bei der der Dakteviologe, Prof. Dr. Sostari, ein Flügelhornsolo in der Manege im Lötvenkäfig blasen wird. Unser Berichterstatter hatte Gelegenheit, mit dem Oberlöwen zu sprechen und meldet uns folgendes: Mein Freund der Löwe, saß gerade bei enter Dominopartie, als ich eintrat. Ms er meiner ansichtig wurde, sprang er auf und warf die Steine zusammen, da die Partie für ihn ohnedies ungünstig stand. „Sie kommen wegen Freitag." sagte er. „Ich bin schon sehr aufgeregt. Außerdem habe ich mir den Magen verdorben. Heute früh habe ich noch bei bestem Wohlbefinden die Wiener Blätter gelesen und nachher wnche mir schlecht. UebrigenS steh'n da fetzt recht nette Sachen dvinn. Eine Moral macht sich jetzt breit bei euch: alle Achtung! Bei uns in der Wüste gibt es so etwas nicht. Wir sind zivar Berberlöwen, aber eure 5tultur hat uns zum Glück noch mcht beleckt. Erst gestern habe ich von der Heimat Nachrichten per Radio erhalten. Sie brüllen noch immer ganz gut, meine Stammesbrüder!" „Ja, was ich sagen wollte. Also ich bin schon sehr nervös wegen Freitag. Ich weiß wicht, wie ich mich verhalten soll. Eigentlich hätte ich die Verpflichtung, dabei wild oder zum mindesten aufgeregt zu sein, damit das Publikum und die Kinooperätenre auf Ihre Kosten kommen. . Aber in Anbetracht des wohltätigen Zweckes geht doch das nicht und widerspricht auch den alten Erfahrungen über die Mrkung der Musik auf uns wilde Tiere (wild, was wir nebbich sind), >guf die doch der Professor baut. Ich mochte mir aus dem ganzen Konzert nichts machen, von mär aus soll er blasen, wie er will, ich pfeif' drauf. Mso ein bischen brüllen werde ich ja, aber nur, damit ich nicht bei der Blaserei einschlaf. Am meisten beunruhigt mich der Gedanke, daß der Herr Professor Bakteriologe ist. Auf ja und nein stellt er bei mir alles mögliche fest und schickt mich zu irgend einem Spezialisten und ich kann dann noch Provision auch zahlen. Soviel trägt mir die Geschichte nicht. Der Herr Hagenbeck war ja sonst nicht zuwider, aber er redet sich immer auf den Breitner aus. Im Uebrigen sehe ich der Sache gefaßt entgegen. Tanzen werde ich zwar nicht, aber meine, Taktik wird sein: Du' mir nichts, ich tu' dir auch mchts." A. S. * Aus dem Zirkus wird uns folgendes uritgeteilt: Die Sensation der WohltätiMitsvorstellung, die am Freitag den 11. d. im Zirkus Karl Hagenbeck zugunsten des voäleidenden Spitales der Barmherzigen Brüder aibgechcckten wnd, dürste wohl das Flügelhornsolo sein, welches .der bekannte BEeriologe Professor Dr. Max So starre in der, Manege im LÄvenkäfig blasen wird. Nicht minder interessant dürfte die Vorführung der Elefantenherde durch den bayrischen Baron Siegmund v. Redwitz sein, der sich ebenfalls dem^ wohltätigen Zwecke zur Verfügung gestellt hat. Auch das übrige Eünsiltti'sche Programm biete-t eine Menge interessanter Darbietungen. Der Kartenverkauf für diese WoUtätigrcitsvorstellnng, die zu normalen Preisen stattfindet, hat bereits an der Tageskasse begoMen. _ Sie Affäre Getzmanu. Frau Geßmann wuchs gestern «och nicht enthaftet, da der Mit bezüglich der Analyse des Mageninhaltes erst heute dem Untersuchungsricht-er vorlieyen wird. Direktor Geßmann hat sich der Zeugenaussage entschlogen. Aus Budapest wurde eine Zeugin, Rofa Sp i r a, nach Wien berufen, die seinerzeit' Briefe des Herrn Geßmann verkaufte und Wer die Liebhabereien der Frau genau unterrichtet sein soll. ' Interessant ist, daß in dem Haufe, Sebastünplatz 7, nicht nur Direktor Geßmann, sondern auch die Schauspielerin Hilde Radnay, die in Beziehungen zur Frau Geßmaun stand, und Leopold Chlumetziky, der in dem Kadidee-Prozeß verwickelt war, wohnen. GaMn. Sah« «nd Tochter ermorde» de» Bater. Aus Braunau am Inn wird berichtet: Auf einer Sandbank des Inn wurde die Leiche des öOfähvigen Häuslers; Johann Leit ermann gefunden, der seit Dezember v. I.! abgängig war und nach Angabe seiner Angehörigen nach Pa stau; gereist fein sollte. Die Hände der Leiche waren z u s a nr m c n -; g e b unde n, der Körper mit Seinen beschwert, die Schade s-, decke durch Hammerschläge zertrümmert. Stichverletzungeu und eine große Schnittwunde Ms der Innenfläche der rechten Hand wieserr aus vorausgehenden Kampf mit den Mördern hin. Die Leiche war vollständig bekleidet und iu eiucitj Mantel eingelvickelt, der den Kopf verhüllte. Die Gendarmerie verhaftete die Frau, den Sohn und die Tochter des ans Altötting stammenden Häuslers, mit denen Leitermann' seit langem in Unfrieden lebte, unter dem dringenden Verdacht, den Mord begangen zu haben. Bei den: Verhör verwickelten sich die Verhafteten in schwere Widersprüche. Das Hrirs, in dein der Mord verübt wurde, liegt einsam im Walde in unmittelbarer Nähe des Flusses, in den die Mörder die Leiche warfen, um die Spuren ihrer grauenvollen Tat pt verwischen. Gräßlicher Unfall im llrzberg. , Graz, 2. April. Wie die „Tagespost" aus Estclr<'.", meldet, ereignete sich gestern auf der Christvph-Erage nu Ergiberg ein U-nMcksfall, indem der M«schinff'chrer einer hundertpsevdekrästilgon Abaschine, auf der sich lr^ch der Heizer und eine dritte Person befanden, mit voller Geschwindigkeit nach dam Sturzplatz fuhr. Infolge fal-scher Weicheustellung keilte sich die Ädaschvne, die' dreißig mit Gesteinen beladene Wegen mit sich führte, mit voller Wucht in den Dtolloncingang, wobei sie teilweise zertrümmert wurde. Alle drei Personen kennten nur, nri’lv.: Leich e u aebommi werde.'"

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