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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-02 · Heft 1843 (2.4.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1843 (2.4.1924)
Date
1924-04-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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©eie? " " im, mm&f >■ 11.. . Ne letzten Kurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung*.) London, 1. April. (Radio.) Devtsenschlußkurse: Prag 144, New-Zork 480'/., Patts 77,37,5, Brüssel 97,12,5 Rom 97,81, Zürich 24,56,6, Madrid 31,77,5, Amsterdam 11,647», Kopenhagen 26,30,5, Christian!« 81,62,5, Stockholm 16,22,5, Helsingfors 172, Berlin 19'/, Billionen. Wie« 805,500 Athen London, i. April. (Radio.) Wechselkurse: Amsterdam 1635, Berlin 19-20 Billionen, Belgrad Prag 144,25. Wien, 302,000- 307.000, Budapest Bukarest 80, Pari» 76,825, Brüssel 92,5-93,75. New-York 430,216, Sofia Kopenhagen —Stockholm —, Cbristiania —, Konstantmopel —, Athen 345, FrauzöMer Franken —Riga —, Warschau 40 Millionen, Schweiz 24,45, - Petroleum Shares —, Rom 97,5, Madrid —.—. Paris, 1. April. (Radio.) Effektenschlußkmse: Banque de France —.—, Credit Lyonnais 1542, Societe generale —,! Metropolitaine —, Thompson Houston —, Raffinerie say ord. —, Russe cons. 4*/, —, Russe eons. 3°/, 1891794 , Russe cons. 3«/. 1896 Russe cons. 3'/»«/. 1894 Rnss. cons. 5*/« 1906 Russe cons. 4'/?/» 1809 Serbie 4*/* 1895 —, Dette Ottomane 4®/o —, Ottomane 5’/01014 —, Rio Tinto 2430. Schneider u. Cie. —, Baku 2135, Royal Du ich 28.550, Shell 34.850, Stecma Romans —, Prags Banka 434, Bank Ottomani 725, Suez 9600, Platine 655, Dombrowa 770, Le Naphte Russe 325, Suecette d'EgYpte 809, Goldfilds 70, Chartered 5325, Silvec plana 61, Taganika 121, CautchoueS fin 145, Debeers Ordiu 936, JagerS Fontein 230, Malacca Ordiu 13650, Maltzoff 320, Mexikan Eagle 7725, Padaceg 320. Randnine 23050, Tubice Soie 143, Utah Copper 1162, Central Mining 820, Rand Fonteine 6150. Aew-Douk» 1. April. (Radio.) Devisenschlnßkutte: Taggeld 47». Wechsel auf London 4,30,25, 60 Tage-Wechsel 4,27,25, Paris 5,71, Amsterdam 36,99, Prag 2,93'/«, Berliner Schlußkur» 22»/. bis 22V«, Silber 63*/«. Nevv-Bor»» 1. April. (Radio.) Die DorbSrse war fest- Londoner 60 Tage-Wechsel 4,27, Kabel 4,30, Silber 65,75, Kanada 144, Royal Dutch 53,50, Ilssteel 99. Sie Mecho-ölowalei wartet die deatscheu Wahle« ab. Prag, 1. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg/0- An iuforwierler Stelle erfährt Ihr Korrespondent, daß alle Nachrichten über die Besetzung des durch den Tod Tusars erlangten Berliner Gesandtenposten unwahr sind. Tie Entscheidung der Negierung über diese Angelegercheit kann erst dann fallen, wenn die. deutschen Reichtagswahlen vollzogen fein werden, -weil ezsst dann ein Urteil darüber möglich ist, wie sich die inleruativnale Stellung Deutschlands in der nächsten Zeit gestalten wird. Berifiziemag neuer Radic-Maudate. Belgrad, 1. April. In der heutigen Sitzung des Berilfisteruugsausschusses wurden 15 neu vorgelegte Mandate der Radic-Partei mit 11 Stimmen der Opposition gegen 10 Stimmen der Regierungspartei verifiziert. Demission des Skupfchtinapräftderrten. Belgrad, 1. April. (U. T.-K.-B.) Ter Präsident der Skupschtina, Ljuba Iovanovic, hat S>niti-f ifrt-OTt iert, ■Jute verlautet, aus Unzufriedenheit mit der Haltung der Regierungspartei in der Frage der Radic-Mandate. Heute vormittags beschäftigte sich ein Ministerrat mit dieser Angelegenheit und nahm die Tomission an. In Parlamentskreisen wird die Unterbrechung der Arbeiten der Skupschtina uni der Demission des Präsidenten und mit den Gerüchten über eine innere Krise in der Regierungspartei in Zusammenhang gebracht. Die Be-garbeiterverbSnde gegen die Mehrarbeit. Bochum, 1. April. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Tie Bergarbeiterverbände haben das seinerzeit im Reichsarcheitsminlsterium abgeschlossene Abkommen über die Ac c h ra r b e i t im Bergbau sowie das Abkommen über die Arbeitszeit über Tag zum 30. d. gekündigt. Generalstreik in Polnisch-Schlesien. Breslau, 1. April. (Tel. d. „Wr. Movgenzeitung".) Aus den Gruben- und Hüttenwerken in Polnisch- O b e r s ch -l esie -n wurde als Protest gegen die Forderung der Arbeitgeber nach Verlängerung -der Arbeitszeit der G e n e r a l st r e i k proklamiert. Die polnische Regierung hat zur Aufrechterhaltung der Ordnung die Polizei- Gruppen um 500 Mann verstärkt. Znland. Die WWchsozialea für eine Aendenmg der Mieterschahgesehr». In einer christlichsoziälen Mieterversammlung berechnete Abgeordneter Kunschak, daß aus dem Ertrage der Wohwbausteuer nur die Hälfte der Kosten aufgebracht werden könne, die zur Herstellung von 25.000 neuen Wohnungen in Wien erforderlich sind. Es würden auch nicht mehr als 10.000 Wohnungen gebaut werden können. Ohne Wiederbelebung der privaten Bautätigkeit sei c'S unmöglich, der Wohnungsnot Herr zu werden. Unsere Parole kann und darf nicht lauten: Keine Amdernng des Mieterschutzge-setzes, sondern: Feststellung, in tvelchen Belangen und in welchem Ausmaße Ae nderung-en des Mieters chutzgese tzes erträglich und zulässig Wiener Morrftenzeltung._ sind; ernstliches Bemühen, einen Ausgleich zwischen den Forderungen der Meter und der. .Hausbesitzer zu finden, um so unter billiger Rücksichtnahme auf die beiderseitigen Wünsche zu einer Lösung zu gelangen. Ae Sroßdeutschen bleibe« in der Regierung»- mehrheit. Auf dem Landesparteitag der Großdeutschen Niederösterreichs tvurde von der Gruppe des bei den letzten Wahlen durchgefallenen Dr. Urfin ein Antrag gestellt, die Großdeutschen mögen aüS der RegierungSkoalition au-treten und ibre Minister aus der Regierung zurückziehen. Dieser Antrag wurde mit überwiegender Mehrheit abgelehnt. Tagesbericht. Rm wenn die Wiener Juden geben... Sin Vortrag Abraham Goldbergs über den Palästina- Aufbau. Die österreichische Keren .HajefsÄ-Kommission veranstaltete gestern im Saale des Hotels Continental eine Propagandaversammlurrg, iu der das Mitglied des großen Aktionskomitees Ab. Goldberg sprach. Goldberg schilderte die Geschichte der «ingewauderten Juden Amerikas, ihren unermüdlichen Kamps ums Dasein,ihren materiellen Aufstieg, die werbende Kvast und endlich den sieghaften Durchbruch der nationalen Ideen. Die Juden, welche aus Osteuropa hürübevge-- wandert waren, fanden bereits düs deutsche Judentum in festen wirtschaftlichen und sozialen Positionen vor. Ihnen blieben nur noch die Brocken, aus denen sie durch Arbeit und Schweiß Industrien und Kapital schufen. Die jüdischen Ideen fanden sie durch das deutsche Reformjudentum vertreten, dem die ,OeligionSgenossenschaft" genügte und das Washington als Jerusalem und A m e r i k a als Zion bezeichnet«. Was Wunder, daß dieser Gedankengang die Reichgewordenen in dem Lande der Demokratie und Freiheit zunächst anzog. Die Massen der jüdischen Arbeiter vollends wurden von ihrer Intelligenz und ihren Führern ganz im Sinne des heutigen Rußland erzogen und vom Judentum entfernt. Erst die Pogrombewegung in Rußland rüttelte die jüdischen Massen in Amerika auf; als Blut von unserem Blute floß, erwachte der Gedanke an Evez Israel. Die kleinen und Durchschnittsjuden begamren zu sammeln und ihre Pflicht zu tun, zögernd kamen die Großen nach. Amerika war früher das letzte Land für die Cache des Zionismus, heute ist es das erste. - Aber fragt man drüben: Was ist denn mit Europa, ivas tun denn die dort? Haben sie nichts zu essen, laufen sie nackt herum, daß sie für Palastna. nichts geben können? . Dir Valuta? Sie sollen in ihrem Gelde geben, die Kleinen und dir Mittleren sollen beginnen; die Großen werden sich anschließen. Man muß mit mehr Begeisterung und . Glauben an die Arbeit gehen. Wenn man weiß, wieviel Wien und Warschau prozentuell geben können, darf man nicht ruhen, bis auch die Großen unter den Juden Wiens und Warschaus geben. Wenn ein 16 Millionen-Volk, das soviel Kräfte, Einfluß, Kapital, Bankiers und Intelligenz 'besitzt, ein Ziel vor Augen hat nnd wirklich will, dann muß der Palästina- Ausbau in absehbarer Zeit erfüllt sein. Europa hat es in der Hand, durch energische Hingabe an das große Ziel die Kräfte Amerikas zu vervielfachen. Goldbergs Ausführungen ernteten den frenetischen Beifall der zahlreich besuchten Versammlung, die durch einige Schlußworte des Dr. L 0 w e n h e r z beendigt wurde. Die Wäre Geßmann. Das Triebleben der Frau Leo. Iran Geßmün n wurde gestern nicht eiithai.'., da die Untersuchung nicht allein wegen des angeblich.','. Giftmordversuches geführt wird, sondern auch wegen gefährlicher Drohung weil sie nach Angaben von Zeugen die Aeußerimg gern acht habensoll, daß ihr Gatte, nachdem er ein Testament gemacht habe, verschwinden müsse. Weiters wird auch die Untersuchung wegen Verbrechens des § 129 (Unzucht wider die Natur), geführt. Eine Enthaftung könnte erst erfolgen, wenn alle Einzelheiten des Falles vollkommen, geklärt sind. Es wird' in eirrgeweihteu Kreisen von Orgien erzählt, welche vorgekommen sein sollen, und zwar war der Tatort nicht nur-Wien allein, sondern auch Berlin und München. Es wird sich wohl als nottvendig erweisen, auch dort, Erhebungen zu führen und jene Personen einzuvecuehmen, die an dieseu Veranstaltungen teilgcnommen haben. Bisher sind drei Persio.n.en bekannt, welche zum engereu Freundeskreise der Leonie Geßmann gezählt haben, dro. in ihrem weiblichen Freundeskreise nur'„der'L eo" genannt tvnrde. , . . Eine weitere Teilnehmerin bieser Ausschweifungen soll sich in München aufhalten, von ihr ist.nur der Spitzname „Karola^ bekannt. . "" 9. April 1924 '_Ar. '1848 ' Uebcr Frau Geßmann wird sogar erzählt, daß sie fi# Personen weiblichen Geschlechtes durch Drohungen gefügig zu machen versuchte, darunter eine Hoftatstochter» di« vor Jahren von Frau Geßmann. angeblich im Zentralbade verführt wurde und deshalb einen Selbstmordversuch unternahm. Alle diese Angaben müssen nun ruf ihre Wahrheit geprüft werden, weshalb sich die Staatsanwaltschaft natürlich nicht ohne weiters zur Bewilligung der Enthaftung entschließen kann. * Die Haltung eines Teiles der Wiener Presse in der Affäre Geßmann muß das stärkste Beftcmden Hervorrufen. Es ist das jene Presse, die zuerst darüber entrüstet war, daß sie nicht sofort alle Einzecheiten dieser unappetitlichen Geschichte ihren Lesern Mitteilen konnte, und die nun dagegen Stellung nimmt, daß man es wagt, einegeborene Pu ttkamer, vielleicht gar Enkelin Bismarcks, und Frau eines Bankdirektors noch immer festzuhalten und ihr vielleicht gar den Prozeß zu machen, zwar nicht wegen des angeblichen Giftmordversuches, aber wegen der anderen schwerer wiegenden Delikte. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft verdienen wenigstens zumindest in dieser Sache Anerkennung, daß sie unbeirrt um jegliche Beeinflussung den korrekten Weg gehen. Es ist höchstens auffallend, daß das Treiben der Frau Geßmann, das dochanscheinend stadtbekannt war, nicht schon früher zum Gegenstände einer eingehenden Untersuchung gemacht wurde. Die Oeffentlichkeit, die sich um die Giftmordgeschichte nicht kümmert, hat dagegen ein Interesse daran, obes wahr ist, daß Frau Geßutanit schuld an dem Selbstmordversuche jener Hofratstochter war, die durch Drohungen der Frau Baronin gezwungen wurde, ihr gefügig 51t sein. Diese Wiener Presse, die es so liebt, als Schätzerin der verfolgten Unschuld aufzutreten, hätte es öfter in der Hand gehabt, verfolgte Personen unter ihren Schutz zu nehmen. Allerdings da handelte es sich nicht nm Baronessen oder Barone, sondern umjüdischeFlüchtlinge, arme Menschen, die aus ganz nichtigen Gründen abgeschafft wurden oder, weil sie vor strenge Richter gerieten, wegen eines Nichts harte Strafen erlitten. Da hatte gerade diese Presse geschwiegen, die jetztdie Frau Geßmann als unschuldig und rein hinstellen will, obwohl jeder Tag neue, unglaubliche Mitteilungen über ihre Liebhabereien bringt, die durch die Art ihres Vorgehens keine Privatsachen mehr sind. Wenn dieser Teil der Wiener Presse in Fällen der ungerechten Behandlung armer jüdischer Verdächtiger oder Angeklagten, ebenso für die Unschuldigen, eüttritt, wie er es jetzt in einem Falle tut, wo man vorläufig wenigstens viel Er« schwerungsmo-mente fiitfcet, dann könnte man den Standpunkt dieser Presse begreifen. Da in dem jetzigen Verfahren eina Besprechung des Falles Geßmann nicht angängig ist, kann nur gesagt werden. ' daß sich die Staatsanwaltschaft durch die offenen oder versteckten Angriffe nicht beirren lassen darf, und der übereifrigen Presse kann nur der Rat gegeben werdet, würdigere Schützlinge zu suchen. Es gibt solche, allerdings nicht ö den Kreisen der Frau Leonie, genaMt „Lev"! Gilt Werfall aus Professor Sombart. Berlin, 1. April. (Tel. d. „Wr. Movgengeitimg".) An den Pwfeffor der Berliner Universität, jS ombart, wurde heute vormittags ein Racheakt verübt. Professor So-rnbart wurde, als er Mit der Untergrundbahn von seiner'Wohnung zur Universität fahren wollte, von eurem hinter ihm stehenden Manne vom Bahnsteig vor den einführenden Zug hinuntergestoßen. Der Zugsführer konnte jedoch den Zug noch rechtzeitig zum Halten bringen. Professor Sombart erlitt einen Nervenchock. Der Täter, ein Student, wurde verhaftet. Er gab an, daß er sich an dein Professor habe rächen wollen. tziaschkiinkung der Erzeugung und der Trage«» von tzummiknütteln. In einer Verlautbarung der Gelddarinerle-Zentral.dir.ektion tverden die Organe des Sicherheitsdienstes aufmerksaln gemacht, daß Gummiknüttel j ebenfalls als Waffen -in technischem Sänne anzusehen sind, weil sie ausschließlich zu Angriffen oder zur Abwehr bestmuut sind. Sie dürfen daher nur von befugten Gewerbsleuten angefertigt und veräußert und nach dem Waffenpatent nur von Personen getragen werden, die hiezu einen Waffen paß erhalten haben. Als verbotene Waffen sind sie zwar nicht anzuschen, wohl aber, wenn sie im Innern eines mit abnehmbarem Griffe versehenen Stockes (nach Art der Stockdegen) enthalten sind. Gummiknnttel, die bei Hakenkrvnzlern beliebte Waffe, dürfen also in Hmkullft nur mehr von befugten Wassenhändser'.i verkauft werden. Me Sesoldunssresorm der BundesangesteNen. Bundeskanzler Dr. Seipel hat gestern int Budgetansschuß die Erklärung abgegeben, daß die Verhändliiugen mit den Vertretern der Organ-isationen der Blnedcsange-stellten Mer die dritte Etappe -der Neuregelung der Bezüge der Bundesaugestellteu in den allernächsten Tagen beginnen werden. Montag hatte der Ausschuß der Beauttenorganisotioueu bei ihm vorgesprochen, um ein-e raschere Erledigung zn verlangen. Der Bundeskanzler hat die Beamten zu einer Befprechu-ng für Samstag eingoladerr und beabsichtigt, ihnen den bis dahin wahrscheinlich f c r t i g g e st e l l t c n E n 1- . Wurf vorzulegeir.

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