Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1842 (1.4.1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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r Nr. W? Wien, Dienstag LaNsbend. Tamara Karsalvina. DK Htnnmü des russischen Menschen ist mu i> Lir.'-- vat»r und den Tanz zu oiner Zeit nach Mittel- und W sttünu-pa gedrungen, da die Privatexistenz des östliche>r Slawen, sein häusliches Dasein, der Welt verborgen, int tiefen Dunkel mangelnden Interesse? lag. (Ls ist daher lein Wunder, daß das große (Geheimnis der russischen Soele sich säst mir in der Knust einiger toonigcr Größen erschloß, bereit Worte weithin gehört tonten, oder 'bereit Darbietungett ein größeres Pttblilum fesselten. Das russische Ballett, in seiner Herkunst und in feinem Formalste in»z ein französisches Produkt, braucht« bloß die ismeren -idräste aus dem Boden dieses unergründlichen Landes aufznsaugen, um aus dem Gegensatz zwischen erstarkter Technik und lebenden) Gesühlsreichtum -some dominierende Stellung zu beziehen. In Tamara Karsawina leben zwei G-st-alten: Tie dunkle Nufsin m,t den großen, melancholisch beschatteten Angen M Glied einer Gemeinschaft und die Balletteuse als Produkt von Konvention und Training. Erstere verlaßt die Bühne nach einem Tanz mit traurig -nachdenklichem GesichtSansdruck, letztere stürmt sofort beim Einsetzen des Verfalls zurück und verneigt sich mit allersüßest-em Mienenspiel vor dem Publikum. An diesem Zwiespalt muß auch das russische Ballett zugrunde gehen. Wir frösteln bei der Exaktheit der Pas. Pirouetten und Sprünge der Tamara Karsawina und ihres technisch einwandfreien Partners Pierre W l a d i m i r o f f und sehnen uns nach der Kunst, die den Ausgleich zwischen Form und Inhalt gesunden hat. — Einem Interviewer erklärte die Künstlerin, daß das Wiener Ballettkorps dem der Pariser Oper verglichen werden kann. Wir können ihr dar Kompliment zurückgeben. Das russische Ballett braucht erst recht keinen Vergleich zu scheuen. Aber der historische Ruhm hat in alle drei DanzkorPS den Todeskeim getragen. dt. Theater, Aatorea and Publikum. Vor kurzem erschien in Paris ein Buch von Pierre Beber, das den Titel „Aphorismen eines Theatevdirekiors" stihrt. Wir entnehmen diesem Buche die folgenden Zitate: Die Menschen lieben mich wegen meiner AufrichtrMt. Ich habe keinen AugeMick gegoger-t, ihnen auch -ins Gesicht all das Gute zu sagen, das ich niema-ls von ihnen gedacht habe. — Man braucht sich vor der Langweile nicht zu fürchten. Wenn daS Publikum sich langwM, tut es immer so, als würde es Nachdenken, und freut sich darüber. — Was sind die meisten AutorenMellischastssirmen'? Ein junger Mann läßt die Vaterschaft seines Kinldes durch einen Men anerkennen. — Ein Theaterstück ist niemals zu Ende. Autoren, Schauspieler, selbst daS Pukblikum nehmen immerfort Blenderungen an ihm vor, ftivbst bei der letzten Vorstellung Hirn ihre Arbeit nicht auf. — Kommt jemand mit einer Freikarte ins Theater, so wird er sofort der unerbittlichste Richter. Es gibt kenn goduDigereS Tier als den zahlenden Zuschauer. —Es ist leicht, einen Helden- Liebhaber, einen guten Komiker, eine gute-dramatische Naive zu finden, aber mit wie vielen Schwierigkeiten ist es verbunden, bis man auf einen guten Souffleur stößt. Die Schmtispielerlausbcchn macht die Männer alt und verjüngt di« Frauen. Den Zuschauer bchaMe so, wie wenn er dein intimer Freund wäre, das heißt, verlange von ihm Geld und Nachsicht. — Bor jedem Dramenschriftsteller türmt sich dieses Dilemma ans: will einer arivboren, mutz er ausigeführt toerden, um aber awfgeführt zu werden, mutz er bereits ariviert sein. Di? Naturgeschichte des PremievenpiMikumS hat auch den Theaterreserenten des „Gaulots" jüngst verblaßt, die Be- Mildernde Umstände in der Kunst. Man hat in Wien feit jeher eine Neigung gehabt, in Kunstfragen die denkbar gelindesten Urteile zu Men. Weniger die offizielle als die inoffizielle Kritik ist im allgemeinen auf Anerkennung bis zur Anbetung gestimmt und in Wohlwollen getaucht. DioseS Wohlwollen entspricht dem Temperament der Bevölkerung. Denn es ist bequem. Ein absprechendes Urteil mutz schärfer Umrissen sein, bedarf einer klaren Begründung, einer stichhältigen Beweisführung. Also sieht man lieber von jedem Angriff, von jeder wirklichen Kritik ab und gefüllt sich in der Rolle des gütigen Allerweltsonkels, der „Größen" oller Formare zu den Höhen eines flittergoldumrauschten Ruhmestempels geleiict. So lange das Lob in die Form gekleidet wird: „niir gegesallt's", ist gar nichts La-gegen zu scvgen. Die s-uiojcEdive Fassung schlägt einem jede Waffe aus der Hand. Nur ist eine Behandlung von Fragen jeder Art, die sich nur auf die Eindrücke des einzelne,! stützt, von vornherein zur Unfruchtbarkeit verurteilt. Denn wenn der eine^ fein: „mir gefältt's" ausgesprochen, der andere sein: „mir gefällt's nicht" geantwortet hat, ist man in einer Sackgasse angelangt, aus der man sich nur durch ein Zurückgehen auf den Ausgangspunkt des Meinnngstausches retten kann. Bringt man aber sodann sachliche Einwände vor, übt man Kritik an dem Werke, dann führt der Wohlwollende sofort die mildernden Umstände ins Treffen. Moliere ist, im großen und ganzen, sehr langweilig. Auch mir hat meine französische Lehrerin seinerzeit bewiesen, haarscharf und unwiderleglich bewiesen, daß er nicht langweilig sein könne. Ich habe es mir schon damals nicht einreden lassen und lasse es mir heute noch viel weniger einreden, daß es sublime Menschenkenntnis bedeutet, wenn immer einer hinter der Türe horcht, .nährend die anderen sich über ihn unterhalten (oder ähnliche Kompliziertheiten). Verwahrt man sich dann gegen diese prinritive Form der Seelenenthüllung, dann heißt es immer: bedenke doch, wie alt diese Stücke sind, wie viele Generationen sie überlebt in ungetrübter Frische, Rüstigkeit, mit jugendlich elastischen Schritten. Aber ich habe nicht die mindeste Lust, zu bedenken. Erstens habe ich keinen Grund, anzunehmen, daß das geistige Gewebe der Menschen ein paar Jahrhunderte früher ans SchissZtaneii geknüpft war und wenn die Technik Wiener; Mvrgenzeitung. Meinl-Kaffee sucher bei einer wichtii-gen Pariser Premiere zu beobachten. DaS Ergebnis seiner „Forschungsreise" war: Unter den Zuschauern bchaniden sich 79 unbekannte Herren, 283 nnbe'kamite Damen,, 17 bekannte Köche und Restaurateure, zwei Kammevdiener von staidtlbevannten Pepöulichk-eilen, die auf den Abonnemrntsitzen ihrer Herrschaft Platz genommen hatten, fünf berüchtigte Zuchthäusler, deren Strafen nicht an den Fingern der Hanid abzu-- zählen waren, drei wegen ihrer Schönheit, aber mcht wegen ihrer Tugend bekannte Damen aus der Lsbewclt, zwei G-cheMpolizisten, sechs Prckbicpdamen aus der Rue de la Paix. Außerdem konstatierte der Forscher die Anwesenheit von 53 Beamten m,s den verschiedenen Ministerien, die alle mit Freikarten erschienen waren, weil sich der Thoaterdtreiktor mit -den Behörden gut stellen wollte. Ein Konditor, sieben StcHttlste, elf Kritiker, cm The-aterdir-ektor und ein Theaterdichter verdollstänidigten das Prem'ierenpMik-um. In der Kürze liegt die Würze. In der .^Baseler Natiomrlzeitung" finden wir einige ^merkenswerte „literarische Kürzerekordc" verzeichnet. Voltaire und Piro-n hatten gewettet, wer dem anderen den kürzesten Brief — in e-imr beliebigen Sprache — schreiben werde. Als mm Voltaire sich zu einem Landaufenthalt entschloß, teilte er es Pir-on auf lateinisch mit: „E-o ru§!" (Ich .gehe aufs Land). Ab r Piron schlug ihn überlegen. Er antwortete mit der Befehlsform des Verbnms „ire", also mtt dem einigen Bnchstaiben: I! (Geh' nur!) Während der Briefwechsel dieser beiden Männer immerhin noch volle sechs Buchst-aben — zusamimengerochnet — in AMruch nahm, kam ein solcher, der zudem noch bcdetttend inhaltsreicher war, «zwischen Viktor Hugo und seiirrm Pariser ' Verleger, mit zwei bloßen Zeichen ans. Der große Dichter hatte, trotzdem bereits mehrere Tage seit dem Erscheinen seines viMjndügrn Romanes ,Les Miserables" verstricken waren, keim Nachrichten darüber erhallen. wie das W rk ausgenommen werde; er gab deshalb dem Verleger zu verstehen, daß er mit Ungeduld darauf warte, u-nd schrieb ihm eine Karte, die nichts enthilt als ein großes?. Da antwortete der Vorleger, gleichfalls mit einer Karte, die Wunder tvirkle und Viktor Hugo für mehr als einen Tag in -frohe Stimmung versetzte, obschon sie nicht -mehr — aber auch nicht weniger! °— besagte als:!) Aber auch in einem Buch kann mit „sehr wc,mg" außerordentlich vieles gesagt werden! Das mußte der Herzog 1. April 1924 ' v a<KT-,to.tt erfahren, als er Sktmvmt .st: Kränlu-kig zugess» Hatte, in der -Meinung. 'der Mann dsr neter f:i gegenüber ihnf itetu liehen Herrn, wehrlos. Baut t un gab kurz darauf est LnstbnlicheS Buch heraus, daS zwar auf bem Einband in Goltz druck „Die edlen Taten des Herzogs d'Epernon" trug; i» Innern aber aus nichts bestand ÄS auS — weißem Papiev Bariiah und Ibsen. Wie der kürzlich verstorbene Ludwig Barnay in seinen hochinteressanten und reichhaltigen „Ev innernngen" (Verlag Weigel, Leipzig) selbst erzählt bat, trei er im Jahre 1878 in Gossensaß mit Henrik Ibsen zw sammen und beide verkchrten dort täglich miteinander. Ein mal sprachen sie nun über Ibsens Bühnenwerke und Barnai meinte, daS deutsche Polk werde seine Dramen so bald nicht annehmen. Natürlich begründete er diese Ansicht ausführlich Ibsen hörte ihm ruhig zn; dann ober sah er Barnay übei seine goldene Brille hinweg an und fügte weiter nichtall! ..Ich habe Zeit". Uraufführungen beim Tonkünstkersest. Für das 84. Ton, künstlerfest des Allgemeinen Deutschen MusikvereinS, daS, wi> wir bereits gemeldet haben, dieses Jahr in Frankfurt an Main abgchalten wird sind iolgeiwe Werks schwencrischet Komponisten zur Aufsüyrung angenommen worden: Othma: Scho eck „Gazellen", Liederfolge von Gottfried Keller fü» Bariton, Bläser, Klavier und Schlagzeug, Ernst Geor; Wolfs „Borsprel zu einer Oper", Ernst Ermatinge» Symphonie. Vierteltonmusik. Auf dem Prager Musiksost. das. toi» wir bereits gemeldet haben, vom 85. Mai bis 7. Juni statt, findet, wird der junge tschechische Komponist Alois Habe», der durch seine zwei Vierteltonquartette in weiteren musikalische« Kreisen bekannt wurde, sein bei Grttrian Stemweq (Braun« schweig) gebaute- Vierteltonklavier und die neuen Vierteltonblasinstrumente (Graslitzer Fabrikat) vorführen. Musikpflege in Deutschland. Du Gesellschaft zu, Pflege der Kammermusik in Hamburg veranstaltet einen Zyklus mittelalterlicher und zeitgenössischer Musik im Karnmersttl. Diese Veranftak« tung soll in sieben musikalischen Auff-ührnngen und drei Einsührurogsvorträgcn den inneren Zufammenhanig zwischen der golil'Hen itrtb der ganz modernen jungen Musik aufzuweisen versuchend Die Gesamtleitung liegt beim Generalmusikdirekivi Rudolf Schulz-Dornburg cvus Bochum, von dem auch die grundlegende Idee stammt; die Vorträge werden gchalten von Prof. Dr. W. G u r l i t t aus Frotibuvg i. B. (Musik und Mttsikanschauung im Zeitalter der Gotik). Dr. Müller- Blattau in Königsberg (Lineare MuDbetrachttm-g) und Rudolf Scholz-Dornburg, der über die „kommmende MuU" spricht. — Das Augsburger Stadtihvater brachte in dieser Saison die komische Oper „Frauenl-ist" von Hugo Röhr und die Lust'pielloper Hochzeiter" von Karl Blevle zur Aufführung. Letzterem Werke liegt die Novelle Otto Ludwigs „Vom Rogen in die Traufe" zwgrunde. Künstler-Furor. Wie der „Vossischen Zeitung" Ms Kopenhagen gemeldet wird, drang dort der norwegische Maler Karsten, nächst Munch der bedeutendste Vertreter der modernen Malerei in Norwegen, der als Gast der Kopenhagener Sezession eine größere Anzahl Bilder ausstellt, in die kürzlich erofsnete Ansstellung ein und riß seine Bilder von der Wand, sammelte sie in einem Haufen aus dem Beden und wollte sie wegtransportieren lassen. Der telephonisch herbeigerufene Vorstand der Sezession suchte vergeblich oen erregten Künstler zu beruhigen, der selbst durch zu spätes Einsenden der Bilder daran schuld sei, daß er nicht einen eigenen Saal erhalten habe. Der wütende Norweger erklärte, daß ihn die Statuten der Sezession nichts augingen. Wenn er als Gast ans einen Herrensitz käme, erwarte er nicht einen schnarchenden Mann in dem Bett zu finden, das man ihm anbiete. Es gelang dem Vorstand aber schließlich doch, Karsten zmn Verlassen der AussteNnng zu bewegen, doch schwur der Künstler einen Gib, daß er, falls die Bilder wieder anfgehängt würden, sie eigenhändig wieder Herunterreitzen wüöde. Ein Tanztheaier in Rew-Nork. Der amerikanische Tärvzer?e>nri, dessen Tanzabende in Berlm großes Auflir'hen erregt aben, da er seinen Darbietungen nur modernste Musik zugrunde legt, beabsichtigt in New-DoLk eine eigene Buhne zu gründen, die dem Pantomimisch-Theatralischen im mordernen Tanze gewidmet sein wird. der damaligen B-üihne feinere Gespinste nicht darzustellen vermochte, so ist das noch kein Grund, sich heute daran Genüge fettrt zn lassen. And zweitens ist es wirklich auch für Theaterstücke nicht allzu viel des Rühmenswerten, wenn ihr Hauptverdienst darin besteht, alt geworden zn sein. Wenn man's erlebt, kommt das nämlich von selbst. Biel häufiger als das Pieiätsmoment werden persönliche Milderungsgründe geltend gemacht. Bor allem das Alter. Das Werk ist nichts oder doch nicht viel wert. Aber, heißt es voll Ri'chmng, der .Künstler ist ja noch so jung. Alles, was Mt, wird schon noch kommen. Schön, bis „cs" gekommen sein wird, wollen wir die Harfen zum Lobgesang stimmen. Aber die Tatsache qllein, dotz einem erst der Flaum ums Kinn sproßt, und er trotzdem schon schlechte Verse oder noch schlechtere Prosa schreibt, scheint ein sehr ungenügender Bewunderungsanlaß. Uebrigens werden Vorschußlorbeeren häufig genug nicht bezahlt, und namentlich die jetzt so oft auftretenden Techniker, die nran einmal sehr treffend „geborene Routiniers" genannt hat, werden sicherlich den Lobern vieles schuldig bleiben. Natürlich kann nicht jedes Werk eines Achtzehnjährigen volle Reise aufweisen. Aber es muß doch so viel wirkliche Werte enthalten, daß es um ihretwillen Beachtung und Anerkennung verdient dvr Tante.nst-andpunkt, „nein, was das Kind schon alles kann!", ist lächerlich. Was natürlich nicht hindert, daß er von gar vielen eingenommen wird. „So jung und schon ein Bohm!", hat Schol; schr richtig gesagt. Auch die Bewunderung der N-ichts-^ls-Mten ncht oft genug ans ähnlicher Da-siS. Sie haben einmal Großes, Bedeutendes in der Kunst geleistet und dafür gebührt ihnen Dank. Aber es heißt diesen Dank in recht kläglicher Weise abstatten, wenn man der Eitelkeit alter Menschen entgegenk^mmt und sich den Anschein gibt, als brächten sie immer noch/Volleistungen. Allerdings bringen es dir traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Jetztzeit mit sich, daß auch alte Künstler gezwungen sind^ noch vor die Oeffentlichkeit zu treten. Und daß in diesen Fällen die weitestgehende 3iücksicht a>m Platze ist, mutz wohl nicht besonders betont werden. Aber wir haben es ja auch vor dem Krieg oft genug erlebt, daß das Auftreten alter Virtuosen, Schauspieler, die netten Werke von Künstlern aller Art mit tiefer Rührung ausgenommen wurden, und Publikum wie Kritik DariLtionen über das Tbema dirbwie: „So rin nftc? Herr!", wobei rren fick', ie nach Temperament, Im Ställen dachte: alter Narr, oder: uve«r Gott, was kann man da noch viel verlangen. Auch für alle Handarbeiter werden miKrrrnde Umstände geltend gemacht. Wenn ein Tischler Dramen oder ein Schlosser Verse schreibt, ist alle Welt entzückt, und sicherlich gebührt dem Proletarier, der, die Schranken seiner Bildung und seines Milieus durchbrechend, sich zu der geistigen Höhe des künstlerischen Schaffens aufschwingt, Achtung und Anerkennung. Aber diese persönliche Achtung darf mit der Bewertung seines künstlerischen Schaffens nicht vermengt werden. Denn in der Kunst kann es nur ein absolutes Maß geben. DasseLe gilt für die Leistungen von Fvauen. Gewiß har die Frau mit Durchschttittsbildung in der Kunst einen weiteren und mühseligeren Weg zurückzulegen als chr männlicher Kollege. Eine Fvau, die einen wertvollen hi-storitchen Roman, ein gutes Orchesterwerk, eine gediegene Polyphonie schreit, kann -atvf eine große Leistuu-g Hinweisen. Aber wenn der Roman laugweiliig ist, Stilwidr:,gleiten enchätt ckder durchaus unvünstlerisch gestattet ist, dann nutzt es nichts, daß er rm dritten Jahrhundert spielt. Schließlich verdient der Standpunkt Grillparzers Beachkurtig, der es ablchute, in Rattnunds B:wundemn-g der Affen-Le-bhastiglkrtt einzustmvnren, indem er fra-gw: hat's ihm lvrr g'schafft? Man muß keinen Roman schreiben, der in vcrsunkcnen Kutturepochen spielt. Aber wenn man es tut, dann muß man's können. Ohne Unterschied des Geschlechtes. Denn cmch den Frauen wird es nicht „g'schafft", sich im alten Aegypten herumzutttmitreln. Zu den belieb esien Milderrtngsgründen gehört die gute Gesinnung. Eitttvedec ein Werk ist „gut gemeint", oder cS stimmt mit Irgend einer politischen GesinMmg überein. Int letzten Falte sind alle Parteigenossen ohne Gnade und Erbarmen verpflichtet, es gut zu finden. Nun kann man aber ~:- spielsweise ein sehr ehrenwerter Mann und aufrechter Jude sein und trotzdem herzlich schlechte Novellen schreiben oder jämmerlich geigen, lind wenn eitlem die BcethrvewOuartette ein Labyrinth bedeuten, in dem er angstvoll ltmhertappi, dann ist «s mir, offen gestanden, vollkommen llleich^ültig, zu welcher politischen Fahne er schwört. Denn ich plädiere in der Kunst unter allen Umstände« aus st-- misd?r:?^.-n lttnbö-