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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-01 · Heft 1842 (1.4.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1842 (1.4.1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9etf 4?%*- Mtstt, ’Di*n#tt$ Ser lttnlamerüarWe Kampf in Fngoflawien. Exodus der Opposition. — Das Budget anigenommen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 31. März. Die Sitzung der Skiipschtina, die schon gestern um 9 Uhr früh begonnen hat, wurde um 2 Uhr nachmittags unterbrochen und um 4 Uhr wieder aitfcyiv nommen. (Die „Wr. Movgenzeitmrg" hat darüber im gestrigen Mittagsblatt berichtet. Die Red.) Als heute um 6 Ühr früh über das Budgetkapitel „Soziale Fürsorge" abßeffmtmt wurde, kam es zwischen dem Radikalen Step a novic und Dr. Koerc einerseits und dem Denwkrateu Cieieenic andererseits zu einem Zusammenstoß, wobei Kocic dem Abgeordneten Cicicenic zwei Ohrfeigen versetzte. Die anderen Oppositionellen eilten Cicicenic zu Hilfe ititb es entstand eine Schlägerei. Einige radikale Abgeordnete zogen Revolver. Indes gelang es bald wieder, Ordnung zu schaffen. Um halb 10 Uhr erschienen sänttliche Abgeordnete der Opposition im Saale, auch die der Rad i c-Partci, deren Mandate noch nicht verifiziert sind. Der Chef der Opposition, Ljuba D a v i d o v i c, gab int Namen der gesamten Opposition die Erklärung ab, daß diese wegen des, .gesetzwidrigen Vorgehens der Negierung, die eine Regieinnig der Minderheit sei, die Skupschtina verlasse und an den parlamentarischen Arbeiten nicht mehr teilnehmen werde. Die Opposition werde zu den parlamentarischen Arbeiten nur dann zurückkehrcn, falls die Mandate aller Abgeordneten der kroatisch-republikanischen Bauernpartei verifiziert werden. Diese Erklärung Davidovic wurde von der gesamten Opposition mit stürmischem Beifall aufgcnommen, worauf sie den Saal verließ. Die Abgeordneten der radikalen Partei, die demokratischen Dissidenten und die südserbischen M o s l e m s blieben im Saale und setzten die Debatte über das Budget fort. Ministerpräsident Pa sic erklärte, die Annahme des Budgets sei eine Staatsnotwendrgkeit. Die Regierungspartei sei entschlossen, die Interessen des Staates gegen jeden zu verteidigen und werde auch vor einem Appell an das Volk nicht zurückschrecken. Rach kaum einstündiger Debatte wurde sodann das Budget in dritter Lesung §>n g e n o m m e n. Im Laufe des Nachmittages waren der Präsident der Stupschtina, Ljubo Jovanovic, und Ministerpräsident Paste 'beim König. Gleich nach Pasic wurde der. Chef der Opposition Ljnbo Dav i do b i c zur Audienz berufen. In politischen Kreisen werden diese Audienzen dahin kommentiert, daß die Krone in dieser schweren Situation versöhnend einzugreifen beabsichtiat. Belgrad, 31. März. Nachdem gestern nachts die Opposition den E x o d u s a u s d e r S k u p s ch t i u a vollzogen hat, verlief die heutige Sitzung ruhig und eintönig. Aus der Tagesordnung standen verschiedene mit dem Ausland abgeschlossene Konventionen, die mit allen gegen eine sozialdemokratische Stimme angenommen wurden. Daraus wurde die S k u p s ch t i n a vertagt, bis der Berisizierungsausschnß seine Arbeiten über die Ratifizierung der neu vorge'legten Radic-Mandate bendet hat. Der Berisiziernngsausschns; trat pachmittags zusammen. Die oppositionell en Mitglieder b eteiligten sich an der Sitzung, aber die Regierungsparteimttglieder zeigten keine besondere Eile hinsichtlich der noch ausstehenden 42 Radic-Mandate. Die Taktik, die Verifizierung zu verschleppen, ist unverkennbar. Nach elnundeinhalbstündiger Sitzung wurde die Beratung aufgehoben und auf morgen vertag i. ZtriMergs „ßttch XIV." Deutsches Volkstheater. Ein Kindskopf sitzt auf dem Thron, ein König mit allen guten und bösen Trieben des Kindes. Er ist rührselig und grausam, lamnlfromm, wenn man ihm Respekt einflößt, tyrannisch, sowie er sich überlegen fühlt. Er ist unverderbt, denkt unlogisch und phantastisch, unterschätzt Gefahren, überschätzt seine Kräfte und ist in seinen Launen unberechenbar wie ein hübsches, verzogenes, begabtes Kind. Uinb wie ein Kind fragt er, wenn ihn in all seiner Spielerei von ungefähr der Ernst des Lebens anpackt, mit tränenden Augen: Was mach' -ch jetzt? . . Sein Berater, der kleine Schreiber, Ivelcher der gefürchtete Prolnrator wurde, ist ein Gezeichneter. Bon der Liebe ausgeschlossen und maßlos gierig nach Macht, will er nicht Ehre, nicht Gold. Er will Schicksal sein für die anderen. „Die Krone zu tragen, bin ich nicht geboren, aber zum herrschen," sagt er von sich. Sie tun Arges, der kindliche König und sein kluger, harter, dunkler Mentor. Aber wenn man Erich den Vierzehnten mit seinen Kindern spielen sieht und seines Jüngsten Pantöffelchen kosen, das im königlichen Arbeitszimmer liegen blieb, wenn man den Prokuvator int Gespräch mit der Mutter ertappt und schluchzen hört in Sehnsucht nach dem Liebesglück, das ihm versagt ist, tont das Leitmotiv aus Strindbergs „Traumspiel" auf: „Es ist schade um'die Menschen..." -r- Eine dramatisierte Historie. Die einzelnen Szenen kräftig, mitunter wundervoll knapp. Einiges mit Shakespearcscher Wucht gefügt. Aber das Ganze romanhaft zerfließend, der Stoff dramatisch nicht bezwungen. Erich der Vierzehnte sucht sich mit Hilfe des Prokurators der gefährlichen Adelssippe zu entledigen, die seiner: Thron bedroht. Er läßt morden und Mordet selbst uub die beiden spielen mit dem strengen, über aller Willkür .stehenden Recht des Wiener DrsrüLM-LLÄA - " Kennen Sie schon die grandiose Wirkung des Svatt$ 6 tanntto ein? Feder Gesunde um jeder Kranke wird es Ihnen bestätigen, dass die denkbar beste Wirkung durch Franzbrünntwein mit Menthol erzielt wird Leberall erhältlich memmuBammBammmmmmmmmmmmmmmmmammammm Iiana-Franzl>ra««tw ein Produktion» tzes. »FIEJY, II. PRAG, Fl 11. Engerthstrasse 189 Lieben, Lr&hobeljova 1073 Ae letzten Devisenkurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London. 31. März. (Radio.) Devisenschlußkurse: Prag 143.V«, New-York 4297*, Patts 78,42'/,. Brüssel 100, Rom 98,377,, Zürich 24,70'/,. Madrid 31,77' ., Amsterdam Kopenhagen Christi«,üa 31,77'/,. Stockholm 16,23'/.., Helsingfors 172, Berlin 19 Billionen, Wien 305,500 Athen , London» 31. März. (Radio.) Wechselkurse: Amsterdam 1162, Berlin 187. Billionen, Belgrad Prag 1445, Wien 305,000, Budapest —.—, Bukarest 840, Patts 78,05, Brüssel 99,75,. Ntzw-Uork 429,75, Sofia —, Kopenhagen —, Stockholm 16,24, Cbristiania 31,74, Konstantinopel —, Athen 255, Französischer Franken —Riga —, Warschau 40 Millionen, Schweiz 24,68,50, Petroleum Shares —, Rom — , Madrid — Paris, 31. Marz. (Radio.) Effektenschlußknrse: Banque de France 7550, Credit Lyonnais 1740, Societe generale 750, Metropolitaine 505, Thompson Houston 717, Raffinerie sah ord. 1431, Russe cons. i% 22,50, Russe cons. 3«/, 1891/94 15.50. Russe cons. 3°/» 1896 15,20, Russe cons. 3l/3% 1894 16,50, Ruff, cons. 5*/* 1906 25,90, Russe cons. 4*/80/0 1909 18,30, Serbin 4% 1895 48, Dette Ottomane 4% 54, Ottomane 5°/« 1914 30,80, Rio Tinto 2510 Schneider u. Cie. 1571, Ballt 2150 Royal Dutch 29.950, Shell 353, Steana Romana 469. New-Vorst» 31. Marz. (Radio.) Devisenschlußkutte: Taggeld 5°/«, Wechsel auf London 4,30,13, 60 Tage-Wechsel 4,27,12, Paris 5.51, Amsterdam 36.99, Prag 2,987«, Berliner SchlußknrS 227s bis 22V,, Silber 637«. Landes, wie mit einer gefügigen Kinderpnppe. Der Prokurator will, daß der König feine Maitresse, die Mutter der königlichen Kinder, heiratet, ein Mädchen aus denk Volke, das zitterrrd vor des Herrschers Launenhaftigkeit am Hofe lebt, verflucht vom Vater, weil sic Kebsweib des Regenten geworden ist. Die Erhebung dieser Frau zur Königin und die Vernichtung der politischen Gegner sollen den Thron festigen. Aber einer war Leim Großreinemachen der Henker verschont geblieben. Herzog Johann, der Kronprätendent aus der Nebenlinie. Just, da Erich Hochzeit feiert — kein Adeliger kam, der Pöbel nmß im Prunksaal statieren und völlert an der königlichen Tafel —, bricht, die Rebellion los. Erich und sein Prolnrator kommen unter's Bell. Der neue König tritt auf. Bis nun ein Schlichter, Harmloser, Verantwortungsvoller, wird er nn Augenblick Der M-achterrrugimg verlogen, wortbrüchig, böse. Mn es Unheil lehnt, wenn der durch alle Leiden und EnHagungm Gesagte sreii nwb Herr wird. Es ist schade um die Menschen ... Einige Stellen des Wertes ragen so hoch, daß von solcher Warte die gesamte neueste dramatische Dichierei im wesenlosen Scheine zerrinnt. Meisterlich die Lebendigkeit, Schärfe, der weite Horizont des ersten Bildes, von genialischer Hand hingeworseu die Ereigmuigcn des Königsmahles, mit dem gröhlendeu Pöbel, mit der»: ingrimmigen Pater der gekrönten Mettresse, mit dem Kinde, das zu bestimmter Verrichtung aus den: Königssaalc hinausgeführl iverden möchte, mit dem gebrochenen Diosknrenpaar (Erich und sein Berater), das sein Todesurteil erwartet, mit den uähcrkommenden Fanfaren der Rebellen und Richter — eine Szenenfolge von hinreißender Kraft und ungewöhnlichem dramatischem Effekt. Der Bluchenker, der Vater der Maitressc, die Mutter des Prokurators, der Brückenwächter — eine ganze Zahl scharsgeschnitrcner Figrlren in der Fülle der Episoden. Aber der Gesarntblick auf das Kolossalgemälde ist verwirrend. Und vieles, was von den Helden des Stückes gesagt wird «' I3S4 . " -•••grifek Revislonrantrag gegen die Verurteilung 3eignees. (Eigertdienst der „M-iener Atorgeilzerttmg".) '' Berlin, 31. Mürz. Der Verteidsger Dr. Z e i g \v e r* hat gegen das Samstag gefällte Urteil Revision be» antragt. _ Sie BoiksatDmnumg in Griechenland. (Eigcndicnst der „Wiener Morgcnzeitung") Athen» 31. März. Die Volks a b st i rn m u n g ü b e t dieFrage der Staatsform wurde durch eine Verordnung der Regierung auf den 13. April festgesetzt. Es hat sich ein Komitee aus republikanischen uns liberalen Führern gebildet! das eine Kampagne zugunsten der Republik cinleitrn wird. General Met-axas, der Führer der Royalisten, wird am nächsten Samstag in Athen ankommep. Nach -der Schätzung eines höheren Beamten werben in Kreta, Mazedonien und Thrazien, um Epims und .ans den seit 1912 erworbenen Inseln die Republikaner eine Mehrheit von 80 Prozent erhalten, während d-ie Ionischen Jn^ feln geschlosien für die Monarchie sttmmen werden. Anmönien verweigett dem griechische« König das Anfenthnltrrecht? (Eigendienft der „Wiener Margenzeitmtg".) London, 31. Marz. Wie die „Snnday Times" bcrichlen. hat der rumänische Kabinettsvat mit Stimmenmehrheit beschlossen, demgewesenen 5t ö nig v on Griech e n l a n d das A u s e n t ih a l t s r e ch t zu verweigern, falls er das gegen die griechische Republik lwabsich-- tigte Manifest erlassen werde. Freier Devisenverkehr in Polen. Warschau, 31. März. (Dschecho-^slotv. Preßburean.) Die heute erschienene Ausgabe des Gesctzbitattes enihält die amgeVündrgte Verordnung, Nwnach ab 1. April der Devrsenverkehr im J-nland freigegeben tvird. Durch die Verordnung werden die Beschränkungen des Verkehrs mit Valuten rmid Devisen im Inland ausgohckbe-n, doch bledben die Beschränkungen der Äliusstchr von fremden Valuten aufrecht. Senator Karpinsti — PrWdent der Polnischen »ank. Warschau, 31. Erz. (P. T.M.) Se-rlaror StwnislaM Karpinski ist Ms die Dauer von fünf Jahren zum Präsidenten der P oll nif ch en Bank MnissicnsbaiE) evnainnt wordon. General gedrzelewski denstoniert. Lemberg, 31. März. (Tel. der „Wiener Morgen» zeitung".) Der Kommandant des Lemberger Militärbezirkes General Jedrzefewski ist vor einigen Tagen in den Ruhestand versetzt worden. General Jedvzejewski. der vor und während des Krieges in der russischen Armee gedient hatte, genoß den Ruf eines umisichttgen militärischetr Führers und Organisators. Die hiesige Garnison hat sich von dem auch bei der Bevölkerung beliebten General ir feierlicher Weise verabschiedet. und von der Zeit, in der es spielt, ist aus den Ereianungen und den Menschen, die daran teilßaben, nicht zu erkennen. Wenn zum Exempel des Königs treuester Vasall ihm in feiner bittersten Stunde -sagt, das Volk preise ihn als Bauernkönig, so steht man vor einer Neuigkeit, lind doch hätten die vorhergehenden Akte diese Eigenschaft des Herrschers erweisen müssen. -i- Das Deutsche Volkstheater und Direktor Bernau, de» Spielleiter, haben an diesem Abend, einem der cindruckvollstm der Saison, vortreMich bestanden. Es war.Rhythmus, Geist und Schönheit in dieser Ausführung. Harry Täubers Bi'chnenbllder sind stilvoll und eiuprägsain, der Akt mit dem Hochzeitsmahl ist in seiner festlichen. Ausmachung überraschend geglückt und die Einkwidung des ersten Aktes ist ungewöhnlich geschmackvoll. Jakob Feld Hammer, dieser begabte und tentperautentvolle Künstler, ist gut beraten.. Er mied in der Titelrolle beit reichen Anlaß zu Bravour und virttiosern Komödiantentum und gestaltete die kindliche llnbekümmertheit, lliibcrechenbarkclt, die Ratlosinkeit und llllließlich das Unglück des infantilen Mannes mit maßvoller Gesie unechten, herzhaften Tönen sehr ergreifend. Karl Foresi. irr nndergleichliche Episodist, wird jcln wiederholt mit sw.chullbi- Ligen Rollen belastet. Geistige Ucberlegenheit, Gtttnl-:mge.trm,'t helfen ihnt diesmal, physisches Uiwermögen überwinden. Er hatte einen glänzenden 'Abend. Die weibliche Hauptrolle — mau staunt, wie aus Striudbergs Werkstatt solch blondes, zartbesaitetes, passives Frauenwesen hervorgeheu konnte — ist bei der schönen und vornehmen Annemarie Stcinsieck gut aufgehoben. Sonst hebt sich aus der sorglich vorbereiteten Aussill!- rung noch die Mutter Kathi Thallers, der Landsknecht des sehr begabten Haus Rodenberg, der Vasall Bitter Kntscheras, der Brückenwächter Joses Strahls noch besonders heraus. Diesen ungewohnten Sirindberg mit seinen überragenden Borzügen und den rasch verwundenen Schwächen in Er:;- ncrung gebracht zu haben, ist dankenswert. Der Beifall wer stürmisch und ciiimütia.? Are.

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