Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1840 (30.3.1924)
- Date
- 1924-03-30
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Miene? Mvraen^eituns. 30. VNärr \.m Seite 15 iclku Tage der Dollar auf '.0.860 Kronen stauld. EL ergibt sich daher pro .Dollar ein. Berlnst dorr mehr als 7000 Ovom'it Ober etwas mehr als W Pro;enn ES wird ratsam sein, wenn die österreichischen iyirnrcu Nvnttmnark nur m der Weistin Zablung nehmen, das; sie den deutschen Kunde'-r jenen Betra^ gutschreiven, de tt f t* d a. f ü r in Dollar I ci u t B a n!k a 'b t c d) u n n g erzielen. Reichsverband der Fell- und Rauhwcncnhändlcr Oester-- rrichs. Am 26. d. fand inr großen Saale des Gare Fetzer in der die bisherigen unhaltbar«» Zustal^ dieser Fachbranche ichil'derle, wuvdeu die Wahlen vorgenonnmn. In den Vorstal'ö wurden zwaff Wiener und fünf Provin;kmr.fk.üe und Mn Präsildenicn cinstimnriig Herr Mols Wer >ser, Wien, 7. Be;., gewähn. Neue Bestimnmngrn für den Scheckverkehr -es Postsparta,"euamteö. Born l. April 1 teilt angefangen gelangt im Scheckoerkehr des -Pstsparkassenanttes die ipnlationsgel,rihr, welche vor dem -Kriege 4 Heller für jede Gebarung «.Einsage ober t)uick;aWmg> betragen hat, in der Art wieder;ur Ein- Hebung, daß von den: Ge.sainwmsatz eine Manipulationsaehirhr von 0,25 Pro Mille anaelasttn wird. Der Ertrag diuser Gebührcnerhöchlng sott zur Deckung der zu leistenden Derchitnng für den Postsparkassen dienst dienen. Zur Vereinfachung erfolgt die Berechnung der Manipnieüousgebühr in der Art, daß sie tunbei den Rückzahlungen, daher natürlich mit dem doppelten Sav, einachoben wird. Nachfrage nach der österreichischen Tranche per Bölterhundünleihe. Zn de" -letzt... Tagen hat sich, wie der „Oesterreichische Volkswirt" meldet, die Nachfrage nach Stücken der österreichischen T rnche der Völkerbundcmleihe so belebt, daß inan demnächst;u einem regelmäßigen Markt mit echten Kursen >u gelangen hofft. Die Anleihe, die auf Nom. .1 Dollar iailtet und bekanntlich zu A! Prozent aufgelegt worden ist, wird zu 58000 K. bis 60.000 K„ also zu bl dis>5 Prozent, uniqesetzl. Zn diesen Kursen zeigt sich dafür auch beträchtliches Interesse aus dem Ausland, insbesondere aus London, von wo Anfragen auf einige hunderttausend Dollar vorliegen. Obwohl die österreichische Tranche in London nicht notiert -ist, erklärt sich die englische Nachfrage binlän.glich aus der Tatsache, _ daß die englische Tranche bereits mehr als 9 Prozent über dem Emissionsknrs steht, daß a'l'o die österreichischem Stücke eine wesentlich höhere Verzinsung bieten. Mittionennoten in Ungarn. Ans B u d a p e st wird gemeldet: Das staatliche Noteninstitnt wird vom, A. b. anges-.ingen neue auf eine Million Kronen lautende Noten in Verkehr bringen. lEigrubericht der „Wiener Morgeuzeitung".) Ataugels einer entsprechenden Anregung und zufolge des Umstandes, daß die landwirtschaftlichen Arbeiten, von günstigem Wetter unterstützt, irr den letzten Tagen größere Fortschritte gemacht Habens und nicht zuletzt des vollkommen stockenden Mehlabsatzes wegen behalt die Tendenz des Wiener Marktes außerordentlich lustloses, stilles Gepräge. .Es notieren pro Kilogramm ab Wien exklusive der Pauschalwarenumsatzstener: Weizen inländischer 3200 bis 3300 K., iugoslawischer 3500 bis 3550 K., rumänischer 3450 bis 3500 K., Roggen 2950 bis 3050 K., Gerste inländische 3450 bis 3050 K., tschecho-slotvakische 9650 K. bis 3975 K., 1.90 bis 1.90 tscheck. K. ab Marchegg, Futlerqerste 2900 bis 3000 K., Mais 2800 bis 2900 K., Cinquantin '3200 bis 3300 K., Hafer 2600 bis 2700 K.. Weizengrieß inländischer 6000 bis 6100 K., Weizenmehl Null er inländisches 5500 bis 5600 K.. ungarisches 490-> bis .5300 K., amerikanisches Vollpatent 5700 bis 6100 K., Brotmebl 4600 bis 4100 K., Futtermehl In 2600 bis 2700 K., 11s 2200 bis 2300 K., Roggen mehle Ia 4500 bis 4600 K., Weizenkleie 1650 bis 2050 K., Noagenkleie 1900 bis 2000 K. z»schriften m die RedMon sowie «nverlaugt einlangenüen Manuskripte» «alle mair stets Rückporto beilege», -a sonst eine Beantwortung» ' beziehungsweise Rücksendung nicht erjolgen kann. Die WarennÄrkte. >Eigcnbcstcht der „Wiener Morgcnzeittmg".) Cheinikalieu. Das Ehemilaliengesihäsl war in der Berichts-Woche außerordentlich lebhaft und war fast durchwegs feste Tendenz zu konstatieren. Ganz besonders Wachse, speziell Carnaubawachs, sind weiterhin gestiegen. Besonderer Mangel zeigt sich in Chinawachs und ist prompte Ware sehr schwer erhältlich. In Montanwachs wurde Marke Heimanu umer dem Marktpreis exekutiv verlause Das Geschärt in Terpentinölen war durch das günstigere Wetter sehr gut, und ist besonders zu erwähnen, daß Neustädt-er Terpentinöl infolge Wareniknappheil nur zu erhöhten Preisen erhältlich ist. Hierdurch wurden teilweise die Konsumenten veranlaß:, aus speziell rmsinierte russische Sorten, die den Harzterpentinoleu sehr nahe kommen, zu greifen, da französische und amerikanische Ware im Preise schr hoch ist. Glyzerin. Auf den -deutschen Märkten ist die erwartete Verknappung eii:<Kivctcii. Rohglyzevin wird nur schr spärlich angöboien, was loch! in der Hauptsache auf die mangelnde Beschäftigung in der Se.istumdüstne zurückznzühren ist. Die Forderungen der Produzenten sind dementsprechend hoch, werden aber von ihnen immer noch im Hinblick ans die hohen Fettpreiss als unbefriedigend 'bezeichnet. Demgegenüber ist Reiuglpzeriu noch zu vorteilhaften Preistu erhältlich. Maßgebend ist hierfür wohl das BHtvehen seitens der Destillateure, ihre AnlaM» unter allen Umständen im Betriebe zu erhalle». SaumwoAmartt. Wew-Bork, 28. März. Banmwollzufuhren in den otlaut. und Galshäfen 20.000, im Sintern 4000. Ausfuhr nach Großbritannien 1000, nach dem Kontinent 6000. Lokalmarkt middling: 27.40 (letzt. Kurs 26.80). Tendenz! Stetig. — Tennine: Niärz —.—, April —.—. Mm 27.30, Juni —. Juli 26.43, August 25.30. September 24.50. Oktober 23.88, November —, Dezember 23.48, Jänner 23.15. __— Sie Setiifetilnrfe. Zürich, 29. März. (Devisenkurse von 12.20 Uhr. Bost der Schweizeäschen Kreditanstalt' mitgeteilte Mittelkurse.) Berlin vro Milliarde (-.-), Holland 213.- (213.50). New-Yörl 576.50 (577.50), London 24.8» (24.85), Paris 31.65 (81.70). Mailand 2b.- (25.07), Brüssel 24.85 (24.95), Kopenhagev 91.60 (91.50), Stockholm 152.50 (153.50), Christiania 78.56 (79.*—), Madrid 76.25 (75.50), Buenos Aires 192.50 (194.-), Prag 17.20 (16.88), Budapest 0.0080 (0.0084), Bukarest 8.- (3.05), Belgrad 7.10 (7.10), Sofia 4.15 (4.15), Warschau — Wien 0.008125 (0.008150). Berlin, 29. März. (Devisenkurse.) (In Goldmark für 100 Einheiten mit Ausnahme von Netv-Dork und London stir 1 Einheit, Wien und Budapest siir 100.000 Ein-« heiten.) Amsterdam 155.36 (156.36-, Belgien 18.35 (1835). Cbristiauia 57.36 (57.36), Kovenhagen 66.83 (66.63-, Stockholm 111.22 (111.22), Italienische 18.25 (18.25), London 18.055 (18.055). New-Pork 4.19 (4.19), Paris 23.24 (23.24), Schweiz 72.71 (72.71), Spanien 54.46 (64.46), Wien 6.18 (6.18), Prag 12.71 (12.36), Budapest 6.38 (6.38), Sofia 3.29 (3.29), Belgrad 5.58 (5.58). Berlin, 29. März. (Notenkurse.) (In Goldmark für 100 Einheiten mit Ausnahme von Dollar und Pfund fiir 1 Einheit, österreichische für 100.000 Einheiten und polnische für 1 Million Einheiten.) — lltoteu: Dollar 4.19 (4.19), Pfund 18.05 (18.05), Italienische 19.95 (19.95), Oesterreichische 6.08 (5.86), Polnische 4.60 (4.56), Tschecho-slowaktsche 12.71 (12.21). Budapest, 29. März. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 28.750 bis 29.650, Bukarest 405.— bis 420.—, Kopenhagen 12.350 bis 12.730.Christiania 10.600 bis 10.950, London 334.800 bis 344.800, Berlinbis —Italien 3375.- bis 3475-, Paris 4270.- bis 4400.-, Prag 2320.- bis 2400.-, Stockholm 20.600 bi« 21.200, Zürich 13.500 bis 13.900. Wien 1.0965 bis 1.1295, Sofia 560.- bis 580.-, Agram 955.— bis 990.-. New-Pork 77.900 bis 80.200. Warschau bis Brüssel 3345.— bis 3450.-. Warschau, 29. März. (Devisen.) Berlin —, London 39,800.000, New-Pork 9,250.000. Prag 267.700, Wien 130. /M. 1846 Wien, Sonnw/r!>■.- -— —-----'----- smmchman, daß der Ooslerrmchischen Nativnalbank dasselbe gei lmgen müßte, was die jugoslawische durchgesetzt hat. Von ebenso großer Wichtigkeit wäre die Uetzerprüsnng fder Kapiialscxporte mit Ztchilfetiahtne der lltationalbairkkredite, \\tk-o erwiesenermaßen in uneckräglich hobeut Maße erfolgt sim». ' Eine ziebbeaouhte Tätigkeit der Natiomilvank und der Regierung ans diesem Gebiet hatte gewiß auch zu einer Einschrän- . 5ung der Devisen-, insbesondere der Fraitkertspekulatime geführt, die der östevreichischen Volkswirtsü)aft außerordentlich große Aiittel entzogen hat und deren katastrophaler Mißerfolg eine schwere Schädigung des Kapitalsmarkles zur Folge hatte. Die.Kammer nahm folgende Resolution an: „Die Kammer gibt ihrem Bedauern darüber Ausdruck, haß ihre allgemeinen wi'llschaftspolirischen Vorschläge ans dem (Miete der Steuer-, Zoll-, Handelsnird Prodnktionspolitik, , sowie insbesondere ihre Vorschläge zur Erleichterung der Bankkonditionen und zur Bekämpfung des Geldwuchers von Unterinehmern ans Haitdel, Gewerbe, Industrie uub (.'audwirckschaft, ,in deren eigenem Interesse die Erfüllung dieser Forderungen liegen würde, bisher in keiner 'Meise rnrtersiü! t wurden. Die Kammer, deren StellunMahme stets das tiefe Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Allgemeinheit und bem gesamten Wirtschaftsleben unseres Staates zum Ausdruck brachte, er- wartet von der Regierung eine ernste Prüfung und Würdigttng ihrer Vorschläge." Die gestrige Prolongütion. Der Zinsstlß hat sich bei der gestrigen EffettenversorMug durchschnittlich auf 1 Prozent pro Woche gehalten. Bevorzugte Finnen konnren namhafte Betrüge zu 0,75 Prozent echälterr. Schwächere Elemenre mußten höhere Zinelütze bewilligen. Der' gestrige Privatverkehr. Jur gchrigen privaten Effektenhandel kämest unr ganz vereinzelte Wfchüiffe vor, obgielch nichr zu verarmen war, daß die nächste Zuchmsl in Finanz!reifgt ruhiger beurteilt wird. Für MMriksche Papiere liefen ans Bsvdapest K«uiscnHrLgr ein. Wescuilich zur Befestigung der Tendenz trrpg der Umstand bei, daß die Besorgnisse hinsichtlich^ des montägigen Kassatcvges grm großen Teil geschwunden sind. Kapitalsoernrehrnng. Wienerberger Ziegolsatzriks- und Baugefellfchaft. Erhöhung von 510 Millionen auf 810 Millionen Kronen. Bezugsrecht: für je fünf aitc Aktien eine neue Aktie znm Preis von 1,750.000 K. tel qrwl. Bezugsfrist vont 31. d. bis einschließlich 10. April. Verminderung des österreichischen Irotenumlanses. Brach dem Ausweis der Oesterrcichischen Natiormtbank vom 23. d. ist der österreichische Notennml-aarf um 315 MilliarD-eu gesnuken und beträgt nunmehr 6618 Milliarden. Auch der Barschatz hat sich um 70 Milliarden auf 4120 Milliarden ermäßigt. Schwierigkeüen bei der Bezahlung von Messeaufträgen aus Deutschland. Die 'beiden heurigen FrüihfahrLmessen in Leipzig unl)' in Wien waren über Erwarten gut besucht und hckben'Umsätze gelbracht, die alle Voraussagen weit übertra-fen. In Leipzig stellte Deutschland das' überwiegeirde' 5kontingent der Käufer, in Wien ehmfalls ein außerovdenÄich starkes. Trotzdem die Abschlüsse mit den deutschen Käufern nicht in Mark, sondern hauptsächlich in Dollar, österreichischen Kronen oder anderen Valuten getätigt wurden, stellen sich fetzt Schwierigkeiten bei der Begleichung der Fakturen hevans. Die deutlichen Käufer erhalten nämlich von ihrer Dvvisenzenträte Zuteikmaen an Valuten, die nur wenige Prozente ihres Bedarfes decken. Es laugen daher bei den Wiener Firmen täglich Mitteilungen von ihren deutschen Kmtden ein, daß diese nur in der Lage sind, in Nentcnntark zu zahlen, und zwar zur gesetzlichen Parität von 4,20 Mark ist gleich 1 Dollar. Bei einem Verkauf der Reuteirntar! in Wien wird aber nur der Wiener Börsenkurs erzielt. Dieser gübt zunr Beispiel bei eiwe-m Kurs der Rentenmark von 15.100 Kr einen Dollar den Betrag von 63.426 Kronen, während am uopyrlpth 1933 by fltßdjbnif »erboten. Deutsch'Oesterreichischer Vertag, Wien. 58. Fortjepnng. Von Wilma Vukelich. Es tat Mt so, das zu wissen. Und Daniel war da. In Budapest. In -greifbarer Nähe. Er war immer dagewesen, wenn man ihn gebraucht hatte. Er selber hatte keine An^ spräche, war niemals beleidigt. Warum mir hatte sie ihn beiseite ^stellt, da er doch lauter Güte war? Sie begriff sich mit einem Male nicht. Nun flog sie aber «wieder ihr altes Lächeln an und ihre alte geschäftige Energie. Wie hatte sie ihn übergehen können, ihn, der tatsächlich der einzige wiMiche Wert in ihrem Leben gewesen? Nun erkannte sie das unh war so glückliü), daß es noch Zeit war. daß sie nicht zu spät erkannt hatte, wer Daniel eigentlich für sie gewesen. Sie wollte ihn rufen. Ja. Und Daniel würde kommen, wie er immer gekommen, war, wenn Lydia ihn gebraucht hatte. Und sie würde ihm sagen, daß er der einzige sei . . . daß alle anderen nichts seien, an ihm und feiner Liebe gemessen . . . Und Lydia-kranselte die Lippen in verächtlichem Spott, wenn sie der anderen gedachte. Nun waren auch das -überwundene Standpunkte für sie. Und sie würde heimkehren zw ihrer alten Liebe. In ihren Augen war ein Glanz, der W§ ganze blasse Gesicht verklärte. Undnachdem sie den Traum bis ans Ende gesponnen hatte und die Freude über den «wiedergefnndenen Geliebten ihr prickelnd in allen Nerven zu Hüpfen begann, setzte sie sich nieder und schrieb an rhu. Eine ihver krausen, süßen, sinnlosen Episteln voller Geist und Einfall, die dennoch das Beben und Hüpfen ihrer Nerven verriet. In die auch eine Spur ihrer Bangigkeit!mit hmciuiwchte, ihr großes Trostbedürfni's und irgendwo versteckt die Sehnsucht nach Daniel. Und die Möglichkeit einer großen, ungeahnten Erfüllung. Als Daniel Lydias Brief gelesen, war er ratlos wie selten und völlig aus demr Gleichgewichf gelvorfen. Lydia. litt. Sie, für die er das Los einer Fürstin geträumt, litt und rief nach chm. Aus jedem ihrer kindlich stammelnden Worte fühlte er die Unruhe, die sie enlpfand. Ja, er las all Unausgesprochene mit, das unruhig hinter diesen Worten fieberte. Den Zweifel und die Angst. Die erste schmerzliche Enttäuschung, die aus der ersten Ueborsättigung quoll. Und vor seinen Sinnen stieg jene tragische Rächt in der ^Gelben Tulpe" auf. Er sah die erhitzten Gesichter der Husaren, er fühlte den Weindunst, der in der Luft schwebte wie Rausch und Sin-nentaumek. Er hörte die kalten, zynischen Worte des Malers, die ihn zu Boden warfen, die sein Rückgrat zerbrachen. UnD er spürte: diesen lvar Lydia ausgcliefert, seine kleine, kindische Lydia, die sich amüsieren wollte, die genießen wollsc, die nach allem griff, was sich ihr bot. Und wieder sah er die entzündeten, uureinen Blicke der Trunkenen über Lydias nackte Glieder streichen, sie 'hdhuen und ihr Leid bereiten. Rur die Bilsien eines Augenblickes war das. Und doch, er mußte die Hände breiten, sie schützen, Lie arglos war und ein Kind. Sie vor denr Leben schützen, das sie zerbrechen würde, weil sie allzu gläubig >war und in ihrem Hunger keine Wahl kannte. Und eine unendliche Zärtlichkeit stieg in ihm empor, die Sehnsucht, ihr Köpfchen zwischen ferne Hände nehmen ju dürfen, ihre feuchten, klagenden Augen zu küssen. Wärnre über ihre Wangen hinzuhauchen, haß sie wieder aufblühten und die Augen wieder auflenchteten, tibor alles hin'wegftrählten, leicht, sonnig, uitMiimntett . . . über Dinge und Menschen, über ihn und seine Ideen . . . Lydias Augen. Uäber ihn vor allem. Das wußte Daniel. Und über jene Idee, die ihn ausfüllte wie sein Blut. Ueber seine Wahrheit. Um die er gerungen hatte in den Nächten seiner Einsamkeit. Die ihm geholfeir hatte, seine Einsamkeit zu ertragen, damals, als Lydia ihn verlassen hatk'. Nein. Nicht darum handelte es sich. Nicht totum. Was galt er und sein Persönliches Ziel, wcmr Lydia rief? Arber das ,-Große" galt, seine Berufung, das lotzeredige Wort, das zum Ausdruck drangt, um der anderen n^L'u. Der lebendige Organismus, der nach Reift schreit, nach Blüte und Frucht. Und dessen Frucht Tausenden Labe bringen soll, Tausenden Rettung vor dem Verdursten. Und Lydia würde ein Spielzeug daraus machen. Darüber hinweglachen. Er zerpflücken und verzerren. O, das verstand sie. Das Spielzeug war verdorben in ihrer Hand, eh wan's recht gemerkt, und man büßte die Kraft ein, sich zu wehren. Mar machtlos ihr gegenüber. Unfähig, von vorne zu beginnen. Unfähig, das Wer? auszuibauen. So war Lydia. Und Daniel kannte den Kanrpf, den einmal gekämpft. Und fühlte sich nicht fähig, von vorne anzusangen. Dawm schrieb er an sie mit einem Aufwand letzter Kraft: „Sieh, ich bin ganz derselbe geblieben. Ter, den du damals verließest. Ein armer jüdischer Student. Kann nichts als dich lieben, mit jenem Rest vom Leidenschaft und Frische, den das Leid meiner Väter mir übriggelassen. Und besitze nichts als meine Hoffnung, die mich geleitet hat durch die Not dunkler Tage und Nächte . . . damals, als du mich verließest und ich meinte, verzweifeln zu müssen. Und diese Hoffnung heißt Zion. Um dieser Hoffnung willen lebe ich. An ihr baut sich alles auf, was noch Wert für mich >hat. Wirst du mit mir geben, Lyd'a, wenn ich alle Brücken hinter mir abbrechen werde, um in jenes Land zu gehen, das Home noch nichts ist als eine ferne Verheißung, das mir sromd geworden ist, das ich erst wieder erobern muß, Schritt nur Schritt, Stein um Stein? Das ich erst mit meinem Blut, mit meinen Schlveiß mvd meinen Tpänen netzen muß, »he es mein wird; denn es liegt in Trümmern und sein Boden ist'ausgesogen, ist steinig und vertrocknet, wie es unsere Seelen geworden sind in den Iährhunderten der Verbannung. Willst dir mit mir gehen, der ich nichts sein werde als ein Arzt der Aermsien und Leidendsten unter den Ntensch '-n? Wo ich nichts mein eigen nenne, nicht einen Fußbreit Erde? Kein Heim keinen Herd und nichts von alledem, das dir notwendig ist $um Lcben wie Luft und Waiser? «F-'nsci'ung folgt?