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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-30 · Heft 1840 (30.3.1924) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1840 (30.3.1924)
Date
1924-03-30
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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j JS -ull ..U. Sette» Dien, Sonntag Wiener Morgenzeitnng oü. März 11)21 Nr. 1840 * Der zionistische Parlcirot. Das zionistische F'w.'weskomiiee teilt mit: Heute um halb -l Uhr nachmittag ü^7e: :n: Saite der Ha Wal,. 1. Bez.. Wiesingerstraße »* r«o:iuctcittfj nur l. Pc;.. Wiesingerstraße 11) die Siouag des Parte iraws statt. Tagesordnung:' 1. Berich: über die A. E-Litzung. Referent: Herr Oberrabbiner Tr. Che ies. 2. Die Lage im Zrmtisrtmsl Referent: Oberbaurat Stricker. 3. Indischer Aativnalfonbs. Referent: Karl Glaser (Sekretär des Hauptbureaus des Kereu Kajemeth in Jerusalem) und Tr. Lartakower. -l. Eventuelles. Keren Kajcmcth. Der Jüdische Naiionalfoitds geht daran, die Reorganisierung der Büchsen dnrchznführen. Gleich-- zeitig beginnt zu Pessach in allen Bezirken Wiens eine grosse Buchseilverteilungsattion. Es ergebt daher an alle Zionisten, die nach keine Sammelbüchse des Keren Kajemeth ('Israel (Jüdischer Nationalfonds) besitzen, die Aufforderung, ihre Adresse dem Keren Kajenieih, 2. Bez., Zirkusgasse 88, oder telephonisch (Telephon 13.606) bckanntzngcben." (Nachfolgende Notizm vis zu der Rubrik „Vereine" find entgeltlich.) A. Gerngroß Aktiengesellschaft. Wir haben den Berkauf unserer billigen 5binderschnhe bis 6. Jlpril verlängert. Außerdem ersuchen wir Sir, die sehenswerte Ausstellung von Frühjahrsneuheiten in allen Abteilungen zu besichtigen. * Im altbekannten Tapezierermöbelhaus M. Weitz, 2. Bez., Tarwingasse 39 (Ecke Nordbahnstraße), kaufen Sie erstklassige Ottomanen, Eisen-, Messing-, Patenimöbel usw. in erstklassiger Ausführung zu außerordentlich billigen Preisen. Beachten Sie die Preise für Leinenwaren im Ware lt h a u s Lrüde r Schiffmann, 2. B e z., Tabor ft r a ft e 46. Webe.pro Meier 10.500 K. 8.500 K Ebiffon.pro Meier 13.500, 11.000 „ 9.800 „ Streifgradl.. . vro Meier 19.800 „ 17.500 ,, Damast.. pro Meter 22.800 „ 18.500 „ Inlet .. . pro Meter 14.800 „ Molino ..• ... pro Meter 8.900 „ Bettzeuge ...».pro Meter 15.800 K. 12.800 „ Batistchiffon ..pro Meter 15.900 „ Matratzengradl.pro Meter 80.000 K. 24.000 „ Bettücher ... 26.500 „ 19.800 „ Tischtücher.. ..48.000 „ Kaft'eegarnituren ... . 08.000 n Gläsertücher... 8.000 „ * Alle Haussraus» rufen im Chor: „Die beste Seife ist Kagor.^ Vereine. Vorträge und Versammlungen. Kartell der Z. T. B. I o r d a n i a -- A w o d a h» I e r e m i a. Heute, präzise V210 Uhr vormittags. Vortrag von Dr. Körner: „Die Palästina-Reise der Hakoah". Ort: 8. Bezirk, Lerchenfelderstraße 120 (Souterrain). — Akademischer Landesverband. Heute, präzise 9 Uhr vormittags, historisches Seminar, 10 Uhr Seminar Tr. P l a s ch k e 8. Ort: 2. Le;., Taborstraße 20 a. — Klub der Hebräisch SvrechendenderBezirke XII—XV. 'Morgen, präzise V2S Uhr abends, Zusammenkunft im Kluvlokal, 15. Be;., Herrlo'tzgasse 21, 1. Stock. Gäste willkommen. — SternabendeimModenapark. Vom 3. bis 8. April veransraltet bei vollkommen klarem Wetter Professor Dr. Oswald Thomas täglich von V-8 bis '/.9 Uhr, mit Ausnahme des Sonntag, unter fteiem Himmel „Sternabende" im Modenapark (Station Eislcmfplatz der 2er-Lmie). Am 2. April: Himmelsdurchmusterung im Lichtbild: „Bär und Drache". Im Akademischen Gymnasium um ".8 Uhr. — Zionistische Jugendgruppe Leo'poldstadt. Wochenprogramm. Sonntag, V211 Uhr Pormittags Ausschußsitzung; Montag, ',y8Uhr abends, H'ebräisch-Kurs; Dienstag, '/,8 Uhr abends, PlenarPersammlung; Mittwoch, 7 Uhr abends, Herrenturnen in der KnabenPolksschule Leopoldgasse; Donnerstag, 7.8 Uhr, Hebräisch-Kurs. Alle Versammlungen und Kurse bis auf den Turnerkurs finden 2. Bez., Taborstraße 20 a, statt. Leopold st ädt er V o l k s h e i m, 2. Bez., ZirkuSgaise 48. 7 Uhr: Strindberg-Abend. Mitwirkend: Ferdinand Onno: Rezitation; Zwetcma Andersen (Klavier). Karten bis 7000 K. -k- Purimfeier«. Am letzten Sonntag veranstaltete die Jüdische Krankenfürsorge-Arbeitsgemeinschast für die jüdischen Pfleglinge der städtischen Versorgungsheime im Lainzer Versorgungshaus eine Purims e st jause mit Vorträgen. Tic Pfleglinge wurden reichlich mit Bäckereien, Obst und Rauchwaren beteilt. Um die Beschaffung der Liebesgaben hatten sich der Verein Ofch Chesed l'anijin, besonders dessen -Präsidentin Frau Hirschl, ferner die Präsidentin des Vikar cholim Frau Irma R o s e n b e rg sowie Fron Sophie Walruch verdient gemacht. Nach den Begrüßungsansprachen des Gemeinderates Dr. P l a s ch k e s und Prof. Nasche wurden Arien und jüdische Lieder von Frau W i s ch n i tz e r, Irl. Kleinberger und Herrn Isaak Deutsch zum Vortrag gebracht; daran schlossen sich Vorträge des Schriftstellers Franz Almeda. Die Pfleglinge nahmen die Darbietungen mit dankbarem Beifall aus. Für den Betsaal-Renovierungsfonds wurden von Frau Emma Kohn 500.000 K., Herrn I. Nußöaum 100.000 K. und durch eine Sammlung des Herrn Josef Brenner 382.100 K. gespendet. — Die Purimfeier der hebräischen Schule und des jüdischen Kindergartens der Bezirke 12—15, welche am letzten Dienstag stattfand, wies zahlreiche Beteiligung auf. Nach den Bearußungsansprrchen von Rabbiner Dr. Taglicht, Dr. Kathen, Herrn M. Hellreich (hebräisch) folgten Vorführungen des Kindergartens, Purimspule in hebräischer und deutscher Sprache, gesangliche und ruusikalische Darbietungen. An die Feier schloß sich eine Bewirtung der Kinder. Zionistische Sektion 6. bis 8. Bez. Dienstag den 1. April, präzise halb 9 Uhr abends, im Vereinsheim, 8. Bez., Bennoplatz 1a, Vortragsabend: Dozent Dr. Oswald Schwarz: „Die Psychologie des Kindes". Während der Vorträge kern Einlaß. Gaste willkommen! Voranzeige: Vortrag im Restaurant Opoczinöky, 6. Bez., Mariahilferstraße 88 a (Zitahof), am 3. Äprrl, Punkt 8 Uhr abends. Prof. Dr. Wilhelm Stein: „Stet Jude als Kapitalist". Festabend der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. Anläßlich keines sechzigsemestrigen Bestaickes veranstaltet der Berern heute um 8 Uhr abends im großen Festjaale der Hofburg «inen Festabend. Mittelpunkt der Veranstaltung bildet ein Vortrag des Herrn OberrabbinerS Cbajes über „Die yälttische Lage der Juden im Jahre 1823". DaS Programm ergänz« künstlerische Darbietungen der Herren Prm. Wolfsoha und veregi sowie des Jüdischen Gesang- Vereine«. Der Reinertrag fließt dem Lesesaal- und PtbltochekSfond« hl An der Spitze des Ehrenkomrtees stehen Herr Rektor Schwarz, Herr Oberrabbiner Chajes und andere ffifcwnö* Persönlichkeiten des Wiener Zndenlmns. mmtm, m fett SMabfefit. PK «HW BWe 1*1 Kunst. LuMirltheater. Haust Niese erfreut wieder die große Schar der Verehrer ihres Humors und ihrer Gestaltungskraft durch ihre herzhafte, riegelsame und wienerisch-fesche Fanny Häusler in Buchbinders bewährtem Volksstück „Zum goldenen Segen". Auch die übr-igen-Rollen sind durchaus gut besetzt. Insbesondere die anmutige und vornehme Marie Waldner sowie die Herren P-r-ül und Alfred M a h r, H ö r b i g c r, K a m m a u f und N eck a m m sind lobend hevvorzuheben. — Hausi Niese wurde stürmisch gefeiert. ._ i Tanzabende. Dala Moro. — Ellinor Tovdis. Vala Moro exzelliert in der Fußspitzeniechttil und behängt sich dazu mit allermodernsten Kostümen, deren raffinierter Zuschnitt die klug berechneten Enthüllungen in -abwechslungsreicher Weise ermöglicht. Oiicht nur der Naturforscher dürfte bei diesen amüsarrien Vorgängen -auf seine Rechnung kommen; selbst der Theologiekandidat wird die ^Allmacht Gottes durch das Medium dieses schönen Körpers hindurch-fichleu. Die Werwechstmrg des Borlokales aber nüt dem Konzerthaus, der Zrrt-rim, Tscha'Mvskys sechste Synr-phouie für die Exhibiliorr des Körpers mißbrauchen zn dürfen, darf nicht ohne Einspruch hingenommen werden. Denn alle Tarbielungen dieser Art versperren ernftstrebenden Dänz-erinnen, die um das Problen: der modernen Bewegungskoulpositionerr ringen, den Weg. Ellinor Tordis gehört zu den Künstler'umeu, deren Worfnhrungen man mit großem Interesse und nur mit kleinen Einwendungen folgt. Sie tanzt hauptsächlich zur Musik von Händel und dessen italienischen Zeitgenossen, deren inehr spielerische Mangkombinattonen die melodische Linie unberührt Hindurchleuchlen lassen. Die Tänzerin hat -ihrem technisch gut durchgebildeten Körper die Geschmeidigkeit obgeruugen, nm diese zarte, -gebrechliche Musik in die Be-wegun-gsforrn überzulenen. Aber für den pracht-vollel: dramaiischeir Antrieb, der besonders ein Händelsches Marsch-Heina -auszeichnet, fehlt ihr die Da-monie, die durch Kraft die Tanzfigur an den melodischen Ausdruck -bindet. Doch durch die stilisierten Tanzsormen sanften Charakters, die sie mit .dem zarten Wesen ihrer h-ellblonden, seelenvollen Erscheinung füllt, strahlt das Licht einer tief verankerten Persönlichkeiten, der auch graziöser Humor als willkonrmene Gäbe verliehen ist. Die Gruppentänze und die Vorführungen einiger Schülerinnen ließen das künstlerische Ausmaß der Lchverin eindringlichst zur Geltung kommen; wenn die schöpferische Phantasie dieser Künstlerin Zimmer neue Anregungen, hauptsächlich kompositorisch-formeller Art, zu-fichri, wird -auch der Umfang ihres 2tusdrucksbezirkes sich weitem QOHt dem Beifall, den dieser Abend fand, konnte man einverstanden sein. Alfred S a nd t. KmlftMrftellunge«. Edvard Munch. Den Ämtergrund für das Schaffen Edvard Munchs, von dessen Werken eine Kollektion in der „Neuen Galerie" zu sehen ist, bildet eine irübselige Jugend in einem trübseligen Armeleut-Milieu. Die Nüchternheit des Alltags gab ihm die ersten entscheidenden Eindrücke und seine bildnerische Phantasie hatte -auf ihnen das Traumland einer übcrfinnlichLn und desto wahreren Welt aufzubauen. Darum besteht auch kein Gegensatz zwischen dem Alllag, der ihn umgibt, und der anderen Welt, die er geformt hat. Die Entzauberung eimr tieferen Wirklichkeit und -ihre — anders geartete — Verzauberung durch das innige Wissen um die letzteu Geheimnisse von Landschaft, Mensch und Tier wirft ihn -hinaus aus der Bildschablone und läßt ihn jene Werke schaffen, vor denen dem naiven und durch -alle Schulen geganigenen und sogar entarteten Kunstbetrachter schaudern. Münchs Aeußevungsjvrmen haben nichts zu tun mit der vornchm-akademischen Geste, aber auch nichts mit dem Ex- oder Jmpvefsionismus, seine Kunst ist tradMonslos. Sie ist einmalig wie jede Schöpfung der Natur, die Kunstanschauung hat sich zur Wel-t^ anschauung «erhöht. Diese Anschauung hat sich in den Jahren der Reife gewandelt, die Lebensstimmung ist eine positive, bejahende geworden und daun zugleich die Formen klarer und -ausgeprägter, das Primitive in der Linie breit ausladend, so daß sich in seinen Werten, im Oelgemälde und in der Graphik (Radierung, Lithographie, Holzschullt) der Urgrund seines Schaffens klar erkennen läßt. Die ans -der Tiefe leuchtende Farbe, Las kühle Weiß neben dem satten Schwarz in seinen Holzschnitten, die schweren, trägen Linien lauf den wadierteu Porträts haben darum chrrn eigenen Zauber, da hier eine Harmonie borliegt, die aus der Ueberwindung der Materie strömt. Mrmch wird bei uns verstanden worden. . Honvre Daumier. ■v :: Dauuners Stift begl'eitet die Geschichte Frankreichs von der 48er-Revolution bis zum Kaiserreich. Er ist als Karl-- PftMingeiT^mpelverefa—Zionist, Sektion XIX. Heute Sonntag, 30. März, 10 Uhr vorm., spricht im grossen Saale des Kasino Z9gerflitz, 19. Bezirk, Hauptstrasse St. H.«. Mi« Ulllll!llinilHtlllUII!li!lllIilli!!llllHillllllllIlllllll!lTl!l]lll in einer grossen öffentlichen Versammlung über die „Aufgaben der M. GZWeinMast" iant-vift der satirische E-womit de-? politischen und so» zia-lrn Lebens feine?, Vaserlaud-es. Anfturgs technisch unfrei, emwicketr er sich zu einein glänzenden Physiogilomiker: er übertreibt die chnralleristischen Partien der Köpfe in? Groteske und stellt in diese in neuen, für seine 2tu typischen Organismus das Wesentliche des Äi-ensciren' -als Zerrbild dar. Von: Augenblick -an, in welchem er eine Jcitlan-g sich von der polilischen Satire (in der Zeilschrist „Ear ieatur") abwendet, wird er der Geschichtsschreiber des B ü r g e r t n m 6 seiner Zeit. Im „Eh a r i v a r i" verspotte: er den Börsenjobber, den Spekulanten, den Industrieritter. Uied ans dem weiteren Wege wird er der Schilverer der Elenden, der Karikaturist der Richter, Advokaten, A.erztc, kurzum jener Schicht, die damalsdas Bürgertunr teils .r-evräscntierte, teils bevormuudet-e. Zu diesem Sinne hat feine künstlerische Aktualital sich erhalten. Dannrier lieble als Maler und als Ste'lnzeichlcer die breite, ton lg e Flüche, erst als Satiriker wird er freier, -ans dem reii'. Malerischen >vird eirre i mp r essioni st i s ch e Z-eicheulnnst mir stärkeren Kontrasten von Schwarz und Weiß, seine Darstellung >oird dramatisch, seine Zeichenspracbe aphoristisch: in seiner reifsten?>ei: Überrascht -uns ein- Gequirl vor: Kurven und Spiralen, wodurch höchste Farbigkeil erreich: tvird. Zn seiner Zei: wurde Taumler -als geistreicher Kar.üaulren-zeichiler geschähe, feit einem Viertoljayr-Hnnderl har lnan ihnin die Reihe der größten sr-anzöfischen Künstler gestelli. Daumler wird in höherem Simce akticell bleiben, solange mar: für Meuscheutnv: und Geschichte Juteresse haben wird. Tie Ansstellung bei Würrhlie, die 51 Abzüge seiner reifsten Lithographien zeigt, gib: einen eindringlich wertvollen Ausschnitt ans feinennirriallgreicheu Werl. Oskar Rose n f e 1 d kme PIliÄowski-A«skeklu«> in London. Der Nialer des Jom ftippur. In London wurde dieser Tage eine Sonderausstellrulg der Werke des jüdischen Malers Leopold Piilich-owsti eröffnet. Die englische Krulstiriiik widmet-dieser Ausstellung besondere Aufmerksamkeit und Llnerkeimmn-g. -P i l i -ch o bv s t i rvurde in einem tleiucu polnischen Dorf als Sohn eines Landtvirles geboren. Seme iünstirische Begabung wurde muu erslen-mal von dem vor Jahres» fr-ist ver.stvrbeuen David Frisch m a n u entdeckt, mit dessen Hilfe Pilichowski seine Slttdieu in Warschatt, Paris und M'llechen vollendet: konttte.. Seilte Mutter Tomttc sich anfangs nicht mit dem Gedaitken befreunden, daß ihr Sohit eine Lanfba-hit wähle, die ihitt leicht abseiis vom Judentture führen könnte. Ein Rabbiner war es, der, als die Mutter Pilichows-kis ihnr -ihr Leid klagte, lste berichigte uti-d ihr die Versicherung gab, daß ihr Sohn -ein -guter Jude bleibctt werde. Pilichowski hat -durch sein Leben* diese Voraussage bestätigt; er -ist nicht ein Nlatender Jude, fanberot ein jüdi scher Maler iit des Wortes schönstem Sinne geworden. Er wird wohl als Porträtmaler und als Landschaftsmaler anerkannt, aber nach aktgenleincin Urteil erreicht er dea: höchsten Grad feiner Kunst, wenn er biblische Szenen- oder die Bilder aus der jüdischen Gefühlswelt malt. Die Londoner Nationalgalerie crtvarb gerade jene zwei feiner Bilder, für welche er S z e u c n v o Nt I o m Le i p p u rtag gewählt hat. Alle diese Einzetheiten erzählte Pilichowski aus Anlaß seiner Älnsstelluirg einem -e-nglischett Jouncalisten. dem er über seine .ftnnft auch noch folgendes sagte: „Ich glaube, ich binder erste 'Ä!al-er, der den künstlerischen Wert des Tallis erkannt hat, den ich zumindest -so schön u-nd edel finde wie die Toga -der Römer. Ich.kann es -nicht begreifen, warum man den Tallis in: allgetnei-nen für eilten Batidschmuck -hält, während er -doch in Wirklichkeit ein Kleidnltgs-- stück und ein köttig'liches Ornament ist. Mein int Pariser Musee de Luxembourg hängendes -Bild führt int sratt-zöstschon Katalog dc-i: Titel „La Nuit du Grattd Pardon" (die Nacht des -großen Berzeihens). Dieses Bild ist auf eine Reminiszenz ans nreitter Kindheit zurückzuführen, die itüch aufs tiefste erschüttert hat. In unserem fteilten Dorf herrschte -die Sitte, daß die Eltern die ganze Jom Kippurnacht in der Synagoge verbrachtet:. Mir, deni kleinen Kind, bedeutete dies daö geheiinnlsv-ollste Mysterium. Ich war aufs tiofsbe überzeugt, idatz die Alten in der -Synagoge mit den -Engeln Bospre Hungen haben oder das; der Prophet Elias in dieser Nacht zu den Alien herunterst-eigi. Dieser Gedanke hatte so -sehr von mir Besitz ergrissen, daß ick) beschloß, den Schleier -des Geheimnisses zu lüften. Als der Gottesdienst zu -Ende war und die Kinder nach Hanse geschickt wurden, versteckte ich mich in der Nähe der Bu-tides-- lade, wickelte mich in den Vorhang -ein und betete mit der ganzen Andacht des kindlichen Herzens, daß es nrir vergönnt sei, Zeuge der heiligen Vorgänge z-n sein. Dann verkroch ich mich unter dem Stroh, nzit ioelchem der Fußboden der Synagoge bedeckt -war und horchte. Die qualmenden Kerzen warseu einen geisterhaften Schein auf die bärtigen Gestalten, die gebeugten Hauptes die Psalmen lasen. Bleich schinmrerte -der Glanz des -ewigen Lichtes über der Bundeslade und ich horchte uild beobachtete nrit der Anspannung aller meinet: Nerven, aber das heilige Geheimn-ts offenbarte sich mir nicht, denn — als ich erwachte, dämmerte bereits der Morgen auf und der Prophet Elias nnd die Eltgel hatten sich -längst entfernt. Die wundersame Erinnerung an diese Nacht in der Synagoge hatte sich mir aber tief in die Seele -eingeprägt und ich verewigte ein in meinem Gedä6)tnis aufleuchteudes Bild ans jener Nacht auf der Leinwand." Aus dem Bnrftheater. -Im Burgthsater findet Mittwoch den 2. Apoll die Premi-e-e von Pierre FroudaieS „Blanche Cali n e" ftatt. Der Dichter wird des Evstantjuh-. vtl'Ng beiwohnen. «« Tm

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