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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-30 · Heft 1840 (30.3.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1840 (30.3.1924)
Date
1924-03-30
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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W, LM5 - Men, Sonntag Wiener Morgenrettung. N 50. Mörz 1922 mu ii Lk Lebensmittelmärkte. Die Fleischpreise sind gostew nicht weiter znrnckgegangen, Aoß prima Schweinefleisch mußte unl 1000 bis 2000 K. Pr» Kilogramm billiger abgegeben werden. Im attgentcincu brachte diese Woche, trotz dem großen Fleischangebot, nur einen Preisrückgang fair die minderen Sorten von Rind-, Kalb- und Schweinefleisch, die sich, wie bereits gemeldet, um 2000 bis 3000 K. pro Kilogramm verbilligt haben. Fische und Geflügel blieben im Preise vollkommen nnverändert. Auf den Grünwaremnärkten nimmt das Anbot in Frühgemnse zu. Die Preise sind, namentlich für Salat, wohl etwas niedriger als in der Vorwoche, aber immer noch so hoch, daß Friihgemnse im Kleinhandel der Märkte fast unanbringlich ist. „Echte" italienische heurige Kartoffeln kosten 24000 K. pro Kilogramm. Butter und Gier notierten bei reichem Angebot unverändert. Trüb «nd Ml. Auf einem westöstlichen Streifen von Brest bis Pins-k fit infolge weiteren Vordringens der Nordströmrmg die Temperatur stark gefallen. Das Wetter war gestern mittags in Oesterreich ziemlich heiter, Mir in Wien trüb. Im Nordwesten von Europa beginnt >der Druck zu steigen. Dertiefste Druck liegt über Sardinien. Voraussage: Vorwiegend trüb, kühler, Steigung zu Regen, WLen, 30. März. * Dr. Bruno Epstein gestorben. Die jüdischen Armen Wiens besonders die aus dem Osten, haben einen schweren Verlust erlitten. Dr. Bruno Epstein, der Substitut des Gemeinüerates Dr. Plaschkes, der sich in aufopferungsvoller Weise der von Ausweisung und Obdachlosigkeit bedrohten jüdischen Bittsteller seines Chefs aunahnr, ist gestern nachts verschieden. Dr. Epstein war ein glänzender Jurist und ein vorzüglicher Vertreter vor Gericht. Bei Vertretung der Rechte verfolgter Juden aber entwickelte er einen geradezu unglaublichen Fanatismus, als ob er die beharrliche Tätigkeit des Dr. Plaschkes noch bei weitem überbieten wollte. Das stille und erfolgreiche Wirken dieses hochbegabten, hoffnungsvollen Menschen und aufrechten, volksbewußten Juden, wird allen, die ihn kennen zu lernen Gelegenheit hatten, stets in Erinnerung bleiben. Die israelitische Kultusgemomde hat dem Verstorbenen, der sich auch gemeinsam mit seinem Chef um die Rechtsvertretung der Judengemeinde emsig bemühte, in Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens ein Ehrenbegräbnis bewilligt. Die Beerdigung findet morgen um halb 12 Uhr vormittags aus 'dem neuen indischen Friedhof (Zentralfriedhof, 3. Tor) statt. * Oberrabbiner Auscher gestorben. Der frühere Oberrabbiner von Besancon, Rabbiner I. Auscher, ist, wie I. T. A. meldet, in Paris im Alter von 67 Jahren gestorben. Rabbiner Auscher war Mitglied der Ehrenlegion und bekleidete nahezu 40 Jahre lang den Posten des Oberrabbiners. Nach seniler Amtsniederlegung lebte er in.Paris. Im Jahre 1860 hatte Rabbiner Auscher für die Oberrabbinerstelle von Paris kandidiert, damals wurde aber der inzwischen verstorbene Rabbiner Zadok Kahn gewählt. * Rabbiner Jakob Mase erblindet. Der bekannte Moskauer Rabbiner Jakob Mase, der wegen seines mannhaften und klugen Eintretens in jüdischen Angelegenheiterl tot ganz Rußland populär ist, ist von einem schweren Schicksal heimgesucht worden; er hat sein Augenlicht fast vollständig verloren. Rabbiner Mase leidet schon seit längerer Zeit an einer schweren Nierenkrankheit, welche die Ursache zu seiner nunmehrigen Erblindung ist. <J. T. 2[.) Mitteilungen aus dem Publikum. rrFI’M 1 SelefoTi: 63 -5~30Jene fZUtenX ßamtmmarkiiS'M Eleonore Morlenüerg Dr. Alfred Brender Wien, VII. Wien, XIII. Verlobte Wien, März 1924 ■Ul .........:- Paula Spergel Emil Gniwisch Wien, II. Wien, IX. Verlobte März 1924. Unserer lieben Schwester tesp. Schwägerin Fräulein PAULA SPERGEL gratulieren Wir herzllchst anlässlich ihrer VERLOBUNG mit Herrn EMIL GNIWISCH Salamon und Ida Reis Möbelfabrik J. Spira Feine 619 Wohnungseinrichtungen. . III., MMWU1—3 (Ecke Karl Schweighofergasse) TEPPICHHAUS URACH & Co. VI., Marlahllferstraße 7P 1A Stets größtes Lager in Teppichen, Vorhlingeu, Tischdecken, Bettvorlegern sowie echte Knüpf- und Smyrna-Teppiche ymwu rin ■■inimixragauiapw nwimi ,,»i,,i„,,!«,!,„Raii,!W,ii!i»»»M»»»qa»a»WaMWWW«M Neuheiten flr tafrflkjtir feinen Wollstoffen HtDSHi 1111(1 IkM im Hofmagasin in grosser Auswahl!! 8 Infolge der minimalen Regien I unvergleichlich billige Preise I -1. Tuchlauben 17 (im Hofe)-! Kultus- und JustiZ'Talare und Barette erhalten Sie vorrätig oder nach Mass bei der bekannten Spezialfirtna RUDOLF GOLDSTEIN, Sim Grosses Lager feiner Stoffe für Massbestellungen Tel. 45 0.29 WEEN, II. 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Bauernmarkt 21 Me geheime» Wünsche. „Du bist heute sehr gut aufgelegt, Gisi, was hast Dl Angenehmes erlebt?" — „Mir wurden heute einige Wünsche er. füllt, die ich schon lange in mir trage ohne daß es mir aucs gelungen währe, sie in Worte zl kleiden!" „Was waren das für Wünsche Liebste?" — „Sie bezogen sich ans meint Figur. Jede Frau dürfte bezüglich ihren Figur geheime Wünsche haben, über die sie mit niemanden spricht und die sie dennoch gerne erfüllt jehen möchte, weißt Du, Wünsche bezüglich Verjüngung der Erscheinung. Erlangung modegerechter Schlankheit, graziöser Geschmeidigkeit und fteibeweglicher Schmiegsamkeit des Körpers!" — „Und wie wurden Dir denn diese Deine Wünsche gerade heute erfüllt?" —; „Indem ich den glücklichen Einsall hatte, einen trägerlosen Büstenhalter „Dollund einen „Geinma"» Schlankformer ohne Nückenschnürung zn kaufen I" „Dollv" kostet 65.000 „Gemm a" ohne Ritckenschnürung * „ r h " , 330.000 380.000 400.000u. 460.000 $t.; 'iS?Ä9ÄÄ!Ä (Sette) 300.000, 350000 „Dolly", trägerlojer BüstenhaUer. 450.000, 550.000 K.; „Schlüpfer 230.000 K.; Büstenhalter „Tenia" aus Trikot 35.000 K.: „Aida" ans Tüll 400.000 K. Diese Modelle siird nur erhältlich in den Tanzpaar-Mieder- Verkaufsstellen: Kärntnersiraße Nr. 9, Taborstraße Nr. 45, Landstraße Hauptstraße Nr. 9, Pilgramgasse Nr. 8, Schönbrunnerstraße Nr. 88, Mariahilferstraße Nr. 47, Alserstraße Nr. 41, 10. Bez., Favoritenftraße Nr. 91, 18. Bez., Währingerstraße Nr. 117-119,19. Bez., Gatterburggaffe Nr. 18. * Ein aufsehenerregender Exzeß in Favorite«. Gestern nachmittags wmdr der Oberwachmann Franz Al! ram von dem Verwalter der Herlbevge in der Quellenstraße 77 aufgesordevt, einen Mann zu arretieren, der einen argen Exzeß in der Herberge verursache mid alles lpemblieve. Als.der Ober- Wachmann den Mann arretieren wollte, versetzte dieser dem Wachebecimten einen Tritt, so daß er zu Boden fiel. Der rabiate Eyzeident, angchlich. der 24jährige Schuhmachergchilfe Franz I i r,g c s, . wurde sodann in einem heribeigerusenen Sanitätsauto zum Kommissariat gebracht. Während der Ansammlung mußte von der Wache auch ein gewisser Ferdinand Harma verhaftet werden, da er den wiederholten Mahnungen der Wache nicht Folge leistete. Auch er leistete der Wache gewalttätigen Widerstand und versuchte einem Beamten bar Säbel zu entreißen. * Eine Hygiene-Ausstellung in Wien. Wie die Staatskorrespondenz, erfährt, befassen sich die maßgebenden Stellen mit dem Projekt einer groß angelegten Hygiene-Ausstellung, die im kommenden Herbst in Wien veranstaltet wecken soll. Die bezüglichen Verhandlungen sind so weit gediehen, daß das Zustandekommen der Ausstellung als gesichert arlgeschen tverden kann. * Millionenunterschlagungen mit Crayons und Füllfedern. Auf dem Durchtvagsport von Deutschland nach Italien wurden <nt§ einer Sendung von Silbercrayons und Goldsull-! federn, Eigentum der Firma Köhler u. Schösser in; Pforzheim, Waren im Werte von zirka 280 Mllioyen Kroneic gestohlen. Ein Teil der Divbsbente, im Werte von ungefähr 120 Millionen Kronen, wurde beim Kürschnermeister Bertold/ Fried in der Reinprechtsdorserstraße -Lnfgefunden. 300,Stück Crayons hatte er bereits zu einem sehr niedrigen, Preise an den Papievhäudler Alfred Eisler, Schottenring 14, abgegeben. Die Diebe sind der Harzer der Bundesbahnen Alois Ostermann und der Agent Franz Stiebig, ztvei Innsbrucker, die die Diebsbeute um 20 Millionen an Fried und einen Ägenien Mayer weiterverkauft hatten. Ostermann wurde verhaftet, während Stiebig geflüchtet ist. * Die verschwundenen Freundinnen. Wie berichtet, sind seit 20. d. zwei vierzchnjährige Mädchen, die Freundinnen^ Anna K a s ch p a r und Therese M e i x n e r, aus dem Elternhauje verschwundene Man hat damals ermittelt, daß sie an dem Arbeitsorte des einen Mädchens erzählt hatten, die Kaschpar müsse zu einer plößlich erkrankten Tante nach Loosdovf fahren. Die Polizei verständigte unter anderen den Gendarmerieposten von Loosdorf, und gestern ist von diesenr Posten die Nachricht eingelangt, daß die Gendarmerie in der^ dortigen Gegend die beiden Vermißtes ausgegrffsen hat. Sie werden ihren Angehörigen übergeben werden. * Ein Raubmord in Budapest. Gestern in der Nacht: wurde iit Budapest die 56 Jahre alte Private Frau Wilhelm Taussig m ihrer Wohmmg ermordet und beraubt. Ten. Verbrechern fielen 25 Millionen Bargeld in die HänLe. Porläusig fehlen alle Verdachtsmomente zur AufKärung des Raubmordes. * Ein abgelehntes jüdisches Legat. Die im April v. I. in Meran verstorbene Frau Dolly Schrott, geb. Wertheim, Tochter des bekannten Warenhausgründers Wertheim und der Schriftstellerin „Truth", hat in ihrem Testament bestimmt, sobald ihre beiden Kinder ohne Leibeserben versterben, sollten die Zinsen des Kapitals unehelichen jungen Müttern unter Bevorzugung der jüdischen und italienischen zugute kommen. Nach Mitteilung des Testamentsvollstreckers beläuft sich >der Nachlaß auf ungefähr eine halbe Million Lire.' Der Magistratsvat Berlin hat beschlossen, ruf das Nacherbenrecht zu verzichten. Als Abfindungssumme soll von den Erben an die Stadt Berlin sofort der Gegenwert von 200 Doll a r gezahlt werden. (I. T. A.) * „Faul, faul, fau!" oder Menzel und Jrmelr. AuS Anlaß deir Hundevtjch vs sw iederkehr don iJosef Jsrmils' Geburtstag erMlten die holländischen Zovtungein viale Aneldoteir von dem iberühmten Maler. Da darf denn auch^ wohl ein Erlebnis Israels' mit Tldolf v. Menzel erwähnt werden, >das ^der nächste Zeuige des Vorfalls, Paul Meyierheim, seiner Zeit erzählt hat. Es war auf «einer >inbernationalen Ausstellung mvV die iJUay, der Menz-el angehörte, -machte ihren Rundgang durch die Säkle. Wie Mmeist, ging Mensel dabei seine eigenen Wecse, so daß Freund Meyechäim -ihn -herbeiholen mußte, um ihm toi dem holländischen Saal die drei Holländer, um dde es sich siür diis Jury handelte, m zerigen. Aber auch setzt kümmerte Menzel sich nicht um diese Weisung, sondern belorMeittieale ein größeres BAd von Israels. Auch MeherhevmS Bemerkung, daß Israels längst die große Medaille besitze und daher gar nicht in Frage komme, vermochte Men^l nicht von dem Milde sortzu-- bckingen. JNKvischen komM der ebenfalls ckickne und «reise holländische Maler seLbst hrnz,u. Nichts Gutes ahnend, Wstert Meyerhernr dem Freund noch schnell ftu: ,/Du, da kionrmt JsraelZ!" Dieser,- hocherfreut darüber, daß der Meister die Ä" so genau bewachtet- -fragt focuMich: ,Mvn, Exqellenz, ällt Ihnen denn die S-childerij?" MeuM^ der offenbar Meye'rhsimS Zuflüsterung nicht verstanden hat, sagt, ohn-e von Israels Notiz zu nehmen: in der Totalität und hn Aufbau ist es vortrcWch. aber, aber," und dabei tippt e-r urit >de.r Lorgnette auf viele Stellen, „es ist alles so saus ^gemacht, >fm^ faul, foul!" 89^906 77^333

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