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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-30 · Heft 1840 (30.3.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1840 (30.3.1924)
Date
1924-03-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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*t2v.f<Xi 'iSSi&.fi',, „^;*-‘Ä Ui**«.»**1*^,vw.Wi?Ji<*w1> Seite 4 Ä!en, Sonntag Wierrep Morgeüzeitung 30. März 1924 Nr.1M» lltche A «-sprachen .und begeisterte Ovationen. Morgen abends findet in doinsellben Saail, wo die.Hand- '-granaten explodierten, ein von den Esongrader Evivachen»;öeu veranstaltetes Bankett zu Ehren der Brüder 'Piroska statt. Der rassenfchützlerische Bankdieb freigelassen. Budapest, 29. März. (Tel. der „Wr. Marge nzeitluig".) .Der Direktor der der G nippe der Rastenschützler nahe« .steheirden Leihrerbank Ernst Vosck, der bei dem Zu- ^sanmrenbrach des Instituts verhaftet worden tvar, wurde gestern auf Beschluß des 'Stroffenats gegen eine Kaution von 50 Millionen Kronen auf freien Fuß gesetzt. Szanlor Ermordung. Barta einvernourmen. Budapest, 27. März. (Tel. der „Wiener Morgen- Zeitung" 0 Wie ,Iilag" aus Pancfova meldet, hat die dortige Orrspolizoi den Kronzeugen in der Affäre S z a h t o, den Invaliden Barta, cinvernonunen. Er gab au, daß er zusammen mit dem Marktamtsdirektor 'L; a n t o im MrlitävgefängN'is ain Margarethenring eingesperrt war. Nach seiner Befreiung ging Barta auf die Bitte des Szanto zu dessen Gattin und teilte ihr mit, daß ihr Manu irr dem M i t i t ä r g e f ä n g n i 's gefangen gehalten werde, ‘oicrfür erhielt er von Frau Szanto eine Belohnung von 100.000 Kronen. Gleich darauf wurde ihm, Barta, aus gewissen BndaPoster Kreisen gedroht, daß es Me Folgen für ihn haben könnte, wenn er bei feiner Aussage bleibe. Aus diesem (Grunde getraute sich Barta nicht, sich im Lause der Untersuchung über das Verschwinden des Direktors Szanto bei der Obcrstadthauptmannschaft als Zeuge zu melden, sondern er zog es vor, unter dem Druck der Drohungen aus Ungarn zu fl : e h e n. Barta bat schließlich die jugoslawischen Behörden in Panosooa. ihn ans jugoslawischem Gebiet als p ol it i s che n Flüchtling zu behandeln und nicht nach Ungarnabzufchieben. Daushertys Rücktritt. Washington, 29. März. (Tel. der „Wr. ONorgenzoikung".) Das Demissionsschreiben DaughertyS an den Präsidenten Coolidge hat folgenden Wortlaut: „Ich bestätige Ihnen den Enrpfang Ihres Briefes vom 27. d., der von Ihrem Sekretär unterzeichnet tvar und meine Demission fordert. Ich übersende Ihnen hiermit meine Demission, aber einzig imt> allein als Zeichen der Anerkennung Ihres Wunsches. Sic sagen mir nicht, von welchen! Tage ab ich demissionieren soll. Ich ersuche Sie aber, meine Demission schon in diesem Augenblick anznnehmen." Die mffisch-rumSnischr Konferenz in Wien. Die für gestern anberaumte Sitzung der russischen und der rumänischen Delegation wurde, im beiderseitigen Einvernehmen ans technischen Gründen ans Montag, 4 Uhr nachmittags, verschoben. StüMieiliM LeM-8i>jUM-LoMiKiM Vortrag A. GOLDBERG (NewYork): „Das amerikanische Judentum für den Palästina-Aufbau“ Dienstag, 1. April, 8 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental, Wien, II. Bezirk, Taborstrasse Der Völkerbund und Lefterreich. Der Völkerbundrat hat sich, wie bekannt, in seiner letzte« Session die Entscheidung über die von der österreichischen Regierung geforderte Abänderung des Reform- und Sanierungs- Programm cs für seine Junitagung Vorbehalten. Dr. gimmer man und das österreichische Finanztowitee des Völkerbundes erhielten gleichzeitig den Auftrag, die von der österrerchischett Regierung gewünschten Abänderungen des Sanierungs-Programmcs einer Prüfung zu unterziehen und dem Völkerbundrate hierüber zu berichten. Gencrolkommissär Dr. 3 immer matt hat nun in Gens angeregt, eine Delegation des Finanzkomitees zum Studium dieser Frage nach Wien zu entsenden. Der Delegierte des Völkerbundes, Henry S t r a k o s ch, der auf der Rückreise von Budapest nach London begriffen ist, weilt seit Anfang dieser Woche kn Wien und hat sich hier bei maßgebenden Persönlichkeiten über die finanzielle Lage Oesterreichs eingehend informiert. Ae „Protokolle der Weisen von Non". 3. Ser Zar mit dem goldenen Kops.*) Als das Buch des Nilus mit txit „Protokollen" als Beilage erschien, wurde cs selbstverstänMch dem Zaren und der Zarin präsentiert. Aber der Plan der Großfürstin Sergius und Ratschkowskys schlug fehl, und die Hoffnung des Ni-lus, die Stellung Philippes einzunehmen, ging nicht in Erfüllung. Der Philippe-Partei am Hofe gelang cs, in der Persönlichkeit wie in der Vergangenheit des Nilus, der sich anschickte Geistlicher zu werden und sogar bereits einen Priesterrock sich anfertigen ließ, Ding« herauszufinden ,die nach dem kirchlichen Kanon ein Hindernis für die Zulassung zu den geistlichen Weihen bildeten und ihn zum Seelsorger und Mentor des Zaren höchst ungeeignet machten. Das bewirkte, daß er sogar in Ungnade siel und — allerdings nach inzwischen erfolgter Heimfi'chrung der Hofdame Fräulein Oserotva als Gattin — die Zarenresidenz verlassen mußte. Er begann wieder über die Klöster Rußlands zu wandern, bis er sich 1907 am Aptiner Kloster mit seiner Frau mckerließ, wo du ChaAela 1909 ihn antrisft. Mevkwürdigerwestr wohnte zu jener Zeit auch die Frau K., die gewesene Freundin deS Nvlus, in der Familie. Schon bei den ersten Besuchen du Chaillelas brachte Nilus die Rede aus die „Protokolle", und als ersterer Zweffel über ihre Echtheit äußerte und sogar sich erlaubte, sie mit den Pamphleten Drumonts und der Mystifikation Leo TaxilS, die seinerzeit die gange katholische Welt in Aufregung versetzte, zu vergleichen, entschloß sich Nilus, um den. Ungläubigen zu. überzeugen, ihm das Manuskript der „Protcckolle" oder wie er es nannte, die „Charte des Reiches des Antichristen" vorzuzeigen. *) Siehe „Wiener Morgenzeitung" vom 2. und 4. d. was ihm sehr schwer gefallen sein mußte. Denn er pflegte diese „Charte" niemanden zu zeigen und hielt sie versteckt, und zwar, „damit die Juden sie ihm nicht stehlen", nicht im eige-. nen Hause, sondern bei einem der Mönche des Klosters. Das Manuskript war in Leder gebunden und in einen schwarzen Umschlag aus Stoff gesteckt, der mit einem weißen Doppelkreuz und anderen mystischen Emblemen versehen war. DaS Papier des Heftes war von gelblicher Farbe und auf der ersten Seite war ein großer matt-violetter oder blauen Tintenfleck zu merken. Der Text war französisch, und zwar ein schlechtes Französisch, und mit verschiedenen Handschriften geschrieben.. Diese Beschreibung des Marullckriptheftes ist von besonderem Wert, da sie mit der Beschreibung, welche die Fürstin R adziwill von denr Manuskript, das sie in den Händen des Geheimagenten der Ochrana, Golowmsky, gesehen hat, gibt, genau übereinstmmrt, womit also jeder Zweifel an dem Ursprung der Nilusschen „Charte des Reiches des Antichristen" ausgeschlossen ist. Daß Nilus selbst an die Authentizität der „Protokolle" nicht glaubte, geht daraus hervor, daß er einmal sagte, das bei ihm befindliche Manuskript sei das Original, ein anderes Mal,, cs sei nur eine Kopie. Am merkwüvdigston in dieser Beziehung ist aber folgende Aeußerung von ihm: Als du Chaillela auf seiner Skepsis verharrte und die Vermutung anssprach, es könnte jemand Ratschkowsky mit diesem Dokument sunt besten gehalten haben, da erwiderte Nilus: „Ihnen ist mein .liiebPtngS» sprach der Apostel Paulus begannt: Die Macht Gottes äußert sich in der mens ch l i chen Ohnmacht. Sagen wir, die „Protokolle" sind gefälscht. Kann Gott nicht auch Fahrendes Ball. Ans der Serie „Schwindende Ghettog c ft a \ t e n". D-on Jakob Kraiisz. 1. Bert Strafe lrriann. Bert >Sirä:selmann war der Großkanzler, Großsiegtzl- Verwahrer und Generaianwailt der Republik des fahver^en Volkes, jener jüdischen Schnorrer, die bis zum Ausbruch des Weltkrieges die Heerstraßen des gesamten Gebietes der ungarijchsn Stephaalskwne ''beherrschten. Der Krieg und ixt-nu der staatenzentrünrmernde Frieden halben auch die Republik des fahrenden Volkes unter die sogenannten Nachfciqqtanten aufgeteilt und arrch die ganze Romantik dieser jüdischen fahrenden Gesellen veoschlungen. Als ich Perl Strästlmann vor ettva dreißig Jahren kenne!!, lernte, betrieb er in der Nähe von Budapest eine große Schlasstätte für die jüdischen Schnoi-ver. In dieser Herberge verbrachton die meisten dieser hernmschwürmen^ den Romantiker den ganzen Winter, und erst Ivenn Purim mi! all seinen Fröhlichkeiten verrauscht war, nahm das Volk der Straße Wanderstab unb Ranzel und ging jeder seines Weges, den ihm Berl Slräscilntann vorgegeichnet harre. Seinen Namen erhielt Sträselmann daher, daß er während des Winters für jeden einzelnen .Schnorrer das seiner Qualffikation und seinem Wasen am meisten entsprechend „Sträse'lI das heißt die Straße, die Marschrome, zmammenstellke. Natürlich gegen gutes Entigelt.Und kein Goographieprofessor war so bewandert in den gegn-phisehen Verhälinissein des Landes, kein Gelehrter der Vol?s!.i!'dc kannte so genau jeden einzelnen Inden und auch Nichtjuden auf denr ungarischen Globus wie Sträsetl- -natctr. Sträselmann war dabei auch ein ausgezeichneter Vchchslrge. Alle diese .skenntnisfe hatte or sich in jalhrclangem Studinnl als aktiver Schnorrer in Ungarn und Mäürcu ans eigener Anschauung evworben. Er war Schnorrer ans Vassion, aus Ueberzeuguttg. Er führte über j.üen Juden, den er jemals bcsnchte, genaue zc'chnünaen, kannte alle seine Schwachen und feine int'Mstcn persönlichen VerlMmissc. Z.iin ein neuer Schnorrer in seine Schliasstar: und ivoilte in die O/'o; der fahrenden Gesellen ausgenommen werd. so '.mißte er sich erst' bei Strästlmann einem Err'.'rer! nneerzici'.ett. Diele Prüfung tvar schr rigoros. Swästlriuanu wußte ganz g-'.'.e.i, rb der eine oder aurderet auch wirklich beim Geschäft bleiben werde, oder wie er sich ausdrückle, ob er ein paar Schuhe auf seiner Tarcheuie-verreise zerreißen werde, dontr sein 'Axiom lautete: ,/Wer ein. paar Schuhe als Schnorrer zerreißt, der wird duZ Schnorren sein Leben lang nicht ausigeben." Kanr ein veobuimmel-ter Jeschitwahlbachur zu ihm, so stellte er zunächst den Grad feiner Kenntnisse und das Maß seines Humors fest und erst dann gab er ihm ein ,,'Sträsbl^ mit Städten, Dörfern und Personen, die Fei-nschnrecker für geistige Kost sind und für ein gutes Bachnrtvörtel und einen feinen Witz auch gern sogar ein VierkveWerstück springen losten. Tann 6nnu ein besonderes Privatissimum über die Eigenart der cinz-vlnen Menschen auf dem SträsÄ. So zunr Beispiel: „In der Stadt N. wohnt ans dem -Hanptlplatz der Monusakln nwa renhäudler Reißniann. Reißmaun ist ein großer GeitzktagM, er gibt auch dem schönsten Bachlur iticht mehr als einen hal'ben .Kreuzer. Er ist geivöhntrch von 8 bis 12 Ahr in seinem Geschäft; du gehst hinein und Mmnßst den hoGen .Kvenzer. Bon 12 bis 2 Uhr ist seine Frau im Geschäft, da gehst du ein zweites Mol hm und bekommet Mei Kvouysr. Nachmittags ist die Frau, eine fchr fromnre Jüdin, allein im Geschäft, da gehst du wieder hin und überbr'nrgst ihr herv/ liche Grütze von der Rebezzin der Isschiwah, woramf sie schr stolz sein wird und dir zwei Vievkreu^evstücke gibt. Dn nntßt dich nur hüten, eine Einladttttg zrmr Nachtmahl anzunlöhmen. Dann ist in denr Dorf F. ein protestantischer Geistlicher, den suchst du auch auf, der gibt jedem Bachur ein schönes Geldgeschenk, dafür mutzt du 'ihm einige gute Thorawövtchen sagen und ihnr NeuilgEerten aus der Ieischitvoh /bringen. Dieser Pastor ist nänilich der Sohn eines Rübbiners nnld war vveA Jahre in der Pveßbnrger Ielschiwoh. Plötzlich scheint der Teufels in ihn gefahren zu sein, denn er vevschwaud imd tauchte dann als prMstlantifcher Pastor in jenmn Dons auf. So nebenbei kannst du Mich erwähnen, daß du in Budapest einen Sommraristen gleichen Rmn-ens kennst — das ist nämllich der Bruder dieses Pastors. Nicht 4vvit von dort ist das Städtchen H., dort in der Qbeüstadt ist ein Domherr, der gibt jedem Wanderrgbbiner einen Zwanziger und jedem Bachur «in Sechsers, «dasür nruß der Betreffende mit ihm hebräisch sprechen. Da dn das nicht kannst, so gebe ich dir auf einem Zettel die Antworten auf seine Fragen mit. — es sinÄ 'dies imntcr diestlbeu: vr brüste: sich gerne mit diesen hobrai-- Mn. Btiockep, MM devselliben Stadt wohnt MaWe Gänslerin, eine sehr reiche Fron, die schon seit zehn Jahren einen geoitzneten Bachur für chre bereits übertragene Tochter sucht. Bei ihr kannst du dich einige Tage ausfüttorn lasten, du nmtzt dir nur von ihrer Tochter Schillers ,Mocke" deklamieren lasten und entMckt sein, wie schön sie deutsch spricht und dabei doch fromm geblielben ist. Wenn du genug hast, schon, daß du^ dich aus dem Stoulbe «machst, denn Mia'We GänMevm kann auch sehr ungemütlich tverdem. wenn man sich mch dreitägigem Hoffieren nicht mit ihrer Tochter verlobt. Uscher Grün in M. ist ein großer Jlgnomnt und tut so, wie -wenn er ein großer Lamidcm, ein GÄchrtev wäre, dem kannst du den größten BklÄdstun dolvtmgM und er wird mit. dir delbattieveu und 'wenn du Mn Schluß sahst, daß du dich gchchlagen gibst, so trägt das dinen MnEen Zwcmtziger. So kannte SträsÄmavn genau -die Wege, die zu den Taschen.der Juden und einzÄner Mchtjuden im Lande, führen. Während des Muters, Mr Zeit da alle Koryphäen^ der Strvße in seiner Heaiberge Mntevmhe hielten, wurden in der Schlafstäbte .förmliche Kurse für Schwovver aibge-' hlbten. GtrüsÄmicuw doFievtie „Geographie des Schnorrers",- „Umgang mit Polizei und Gendaivmürie" und die „Lehre von der MbevtApelung und BestrlalfuM der Gelten".' RaM Waschblau, e>me der aNevkanntesten Korhphäen der Schiwrveriglilbe, trug Über ,/dre DmMtihM dev Dorfjnden und die Usberhebung der Stadtjuden" Var. Die „Dottormaima", eine der interessantesten FigUVM imter dem fahrenden Bo!l>k, eine Fran von etwa 45 'Jahren, lehrte „Be-. Handlung der Fra-uen in Stadt und Land, mit belfonderer Berücksichtigung ihrer äbevcsiäulbffchen ArWaunngen". Me diese Vorträge wurden duvch ilWihluntzUv von GckelbnWn. illustriert und den Zuhörern anscharMch gemocht. Wo«,n' zum Beispiel RaM Woschlblon die Dhose alufftellle, daß^ ein geschickter Schnovver sich beii sedsM GeWagm fürstlich^' sattesserr könne, .machte er das dnroch Pligenbes. Erlebnis i n ,^I>n ei-ner Stadt, inder ich den SiaMch mußte, bekam ich meine dos heißt mövn, Billett einent der verrufensten GeiWffe der Gemeinde. Es den Wie herrlichsten Speisen amWetvager^ von denen jedoch nur verschwindend Mne O^nitvMn lmrrden, wobei der Hausherr jedesimail bomerEte: reu Sie sich nicht-, lieber Ojrach, kvelbra Gast, tmr Gis Ml wie wenn Sie bei mir zu Hause wÄosn." Nam, ich Hfcjf, i^awwww»4»CTii3(tfftSnai

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