Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1840 (30.3.1924)
- Date
- 1924-03-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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yk. ib«o Dien, Sonntag Wiener Morgenzeitung. 30. -Man \m Seite 3 Las Urteil im Leigner-Prozetz. Leipzig, 29. März. (Wolfs.) Im Zeigner-Prozeß crisolgte heute um HM 2 Uhr uachittiltags die UrteilsveMnduntz. Dr. Zeiglver lvuvde wegen Berge>henS nach K 331, Absatz 1, des Stvafgchetzibuches und wegen Meier ^Verbrechen nach ß 332 zu drei Iahreir Gefällgltis und drei '.Jahren Ehrenvechtsverlnft verurteilt, MäbinS lvegeu Beihilfe und wegen Unter,fch!la!gunig zu Anei Jahren Gesängiris und Avei Irchven Ehrenrechtsvevlnst. Bcideir Ange- Aagten wird die Unetrsuchttugshaft voll angcrechltet. Aus der Begründung des Urteils geht hervor, dag .die BeruvtMmg wegen des Falles der Aktenbeseiti- 'gn-ng fofttwe wegen des Falles Brand erfolgt ist, indem zweimalige Bestechung.durch Aultahmc von Geld lind durch Annahme einer W e-i h n a cht sga n Z (!) angc- HOfUtintcat wurde. Mildernde Umstände wct-den Zeianer zugebilligt, erstens tvcgeu seiner p s ychopat h i s ch e n Veranlagung. Maitens, weil er ein Opfer des politischen Systems sei (er sei Insnzm'mister geworden nicht wegert seiner Fähigkeiten. sondern einzig rmd allein wegen seiner Politischelt Parleizti-gebörigkelU, und Es überflügelt durch sein Renommee, seine riesige Wirkung, der echte DIANA drittens, weil er in gewissem klagten Möbius gewest rr sei. rinne ein Opfer des Auge- Das bayrische Sonkorbat Merzeichset. München, 29. März. Im Staatsminifterttuu fand heute vormittags der formale Alt der Unterzeichnung des Konkordats statt. Tie Veröffentlichung des Konkordats kann erst erfolgen. nach der Verabschiedung buvch den Landtag Die LrichenfUer Tusars. Prag, 2t». Mär;. (Tschechoflow. Preßvureauft Tas Leichenbegängnis des verstorbenen Bertil'.er Gesandte!! Tnsar, das auf Staatskosten erfolgre, hat hellte liachmitiags in überaus fc icrlid) er Weise stattgesunden. Tie Leichr war i.n Bolkshause der tschecho-slvwakischen sozialdemokratischeir Partei amgebahrt worden. Zur Leichenfeier Hattert sich allster den Falitiliemnitgtiedern als Vertreter des Präsidenten Minister des Aenstern Tr. B e u e s ch sowie die übrigert Vertreter der Regierung, das diplomatische Korps, Mitglieder der beiden Häuser des Parlaments mtb der Erekutivansichnß der sozialdemokratischen Partei eingefunden. Im Namen der Regierung sprach an der Bahre Minister des Innern Tr. Math petz und für die sozialdemokratische Arbeiterpartei Unterrichtsminister Bechyne. Der Leichenzug bewegte sich sodann zum Krematorium, wo tiach Absinguug eines Tranerchorals, Nkinister für soziale Fürsorge, Habrman, dem Tahiugeschiedcneu einen Aachuf hielt. Mit der Ablingnilg der Ratioüalhymne schloß die Leichenfeier. «er klnzug der kroatische» Sbzeorduete» im YarlaMAt. Belgrad, 20. März. (Tfchecho-siow. Preßvureau.) Der Heilte vormittags ahgehaltonen Sitzuatg der. Skupschüna. lvohuten 60 kroatische Abgeordnete bei, die bet ihren- Erscheinen int Saale von der Opposition mit großc in Beifall begrüßt lmtvde.lt. Hierauf etttwickelte sich eine zweistündige, teilweise ungeanein stürmische (^eMftsovdnnngs'dcLa.tte darüber, ob die anwesenden 10 kroatischen Abgeordneten, denen Mandate noch nicht verifiziert sind, über die Tagesordnung aMrmnen dürfen. Ter Präsident der Skutpschtirta Iova n ov ie nahm -den ger i n gstcn WidevstandeS. wr zarte Dichter der von stillem Franzbranntwein mit MENTHOL sämtliche ausländischen Erzeugnisse und Hausmittel. An Nervosität und Kogrfschmerxen Leidende wenden nur eine Massage an, um sich zu erfrischen und ihre ermüdende Tagesarbeit fortsetzen zu können. y@hera8i erftäitlictoE Diana-Franzfi r anntweii - Pro diktion-fies. WiiN, Bi. Engetr&hstraße 169 PRAG, VBII. Lieben, Drahobeljova 1073 Standpunkt ein, daß nach der Geschäftsordnung die Abgeordneten vor der Ableg,nng des Eides keilterlei Fnnttionelt ansi'ckell tönnru. Schließlich lohnte die SkuPMma. den diesbezüglichen 2littrag der Opposifto-n mit 127 gegen 112 Stinmten ab, lvoranf sämtliche kroatischen Abgeordneten demonstrativ den Sitzungssaal verließe n. Das Hans ging sodann zur Budgetdebatte über. Ae letzten Jevisenknrse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitmrg".) i > - j'i'" London, 29. März. (Radio.) Deviseuschlitßkurse: Praa 143, New-Aork 4,30V., Paris 78,45, Brüssel 100, Ront 99,25, Zürich 24,79, Madrid 32,425, Amsterdam 11,6375, Kopenhagen 26,925, Christiania 31,725, Stockholm 16,26, HelsingforL 171,75 Berlin 18% Billionen, Wien 305,500 Athen —. London» 29. März. (Radio.) Wechselkurse: Amsterdam 11.65, Berlin 19 Billionen, Belgrad —, Prag 14,350, Wien 305,000, Budapest —.—, Bukarest 83,75, Paris 78,455, Brüssel 10155, Retv-Jork 4,30, Sofia — .— Kopenhagen 26,75, Swckholm 16,25, Christiania 27,75, Konstantinopel , Athen 25,25, Französischer Franken —, Riga —, Warschau 40 Millionen, Schweiz 24,79, Petroleum Shares , Rom 99, Madrid 32,25. Aew-Bork» 28. März. (Radio.) Devisenschlußkurie: Taggetd nominell, Wechsel auf London 4,30, 60 Tage-Wechsel 4,27, Paris 5.47, Amsterdam 36,96, Prag 3,00^, Berliner Schlnßknrs 22'/- bis 22% Silber 63%. Schmerz durchzittertcn Nachtstimntnngelt gibt uns Ausschnitte -ans dem täglichen Leben, die uns die Majestät des kleinett Wehs offenbaren. Die Reifheit und Melancholie des Spätherbstes, der leichte, nicht allzu sehr ins Tiefe dringende 'philosophische Hintergntnd seiner Lobelien, Gedichte und Romane haben ihrn das Herz des Lesers gewonnen, der sich nicht allzu sehr anstrengcn ntuß, imt Segalolvitsch zu verstehen. Es ist also keilt Wunder, daß S egal »witsch der aut nt eisten gelesene Schriftsteller tu Polen ist. Jetzt fommeit die „Jungen" an die Reihe. Dell erstell Platz vernehmen hier „Die Schmuggler" vort Oser War- -schawskr. Es war keitt Zufall, daß Weißenberg dett jungen Warschawski in die Literatur eil,geführt hat. Mit der tiefen Intuition des wahren Künstlers hat Meißenberg in Warschawski iticht bloß den Milieuschilderer des Städtchens und den scharfen Beobachter herausgefühlt, sondern er wollte in iijnt den jüdischen Plastiker, bcu farbenreiMten Plastiker par 'exceUertce, dein bisherigen Intellektuellen, dem verkappten Moralisten und Prediger — dem vorherrschenden Typus in, der jüdischen Literatur — gegenüberstellen. Endlich haben wir eilten Künstler, der keine Philosophie betreibt, der durch seine Schilderungen dett ÜAenschen in.cht besser utachen will, sotidern -der Freude -hat am Lcbelt und diese Freude tms auszwingen kann. Äiit kale-idoskopartiger Schnelligkeit wechseln in dem Roinait „Die SchntnMler" die Bilder wie in einent Feuertranspaventz wir erleben das Städtchen in der Kriegszert, wie sehett.die „Schmuggler", wie sie sich schnell den geänderten politischetr Bedingnttgetr anpassett, wir sehen, lvie der Schmuggel 'immer weitere Kreise der Bevölkerung auzicht, bis endlich das ganze Städtchell diese Profession betreibt. Keiner wird hier Verschont. Mit. einer seltenen Objektivität, -mit viel Humor lyerden die „Klassengegensätze" des Städtchens geschildert; die . feineren Indett schicken ihre Töchter zu dett pveuHMen Kommcwdan-Len Wd machen mit Pantel. utib Horthtzr Justiz. Eine interessante Interpellation des Abg. Fabian. (Eigendieitst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 29. März. In der heutigen Sitzirng der Notionalversantmlung war eine Interpellation des Abgeordneten Fabian vorgemerkt, die großes Interesse erweckte. Die Interpellation umfaßte vier Gegenstände, und zwar iwsi Erf-chein'en des Präsidenten des Kecskeinetcr Gc» richishoses zur Hochzeit des berüchtigten! Raubmörders Jraueia Kis, gegen den vor dieserli Gerichtshof ein Oer. sähreu wegen Erprcssitng atthängig ist, zweitens eine Schlußverha-ndlnng vor einem Proo'tnzgerichtshofe, in de. sich der Präsident und der Vertreter der Anklagebehörde in a n t i s e rn i t i s ch e n A u s f ä l l e u gefielen. Triltens die Bombenanschläge in Budapest und in der Provinz, von denen Abg. Fabian behauptet, das; die d'-.-- halb anhängigett Prozesse aus dem. bestell Wege seien, im S a tl b z n v e r l a n fe n. weil die Zeugen durch * e rroristi-fche. Akte der Erwachenden der Reih-.- nach gezwnugett wurden, ihre belastendett Aussagen zu widerrufet!. Und viertens die Angelegenheit des C z o ng r a d e r Bo m b e n a t t e n t a t e s, beziehungsiveife di' Enthaftung der Brüder PiroSla, der Anstifter, ggen Hinterlegung einer Kanlion. Zur Begvündnllg der Znterpellaiion führte 'Abgeordneter Fabian aus, es sei bisher ein Privileg del r e o o '. n t ion ä r e n Justiz pst ege gewesen, nicht objektiv zu sein. In der Gerichtsbarkeit lonsolid : e r t e r Staate n stehe es o h t> e Beispiel da, daß u> e h r fa ch e. Morde r (der Abgeordnete meinte b:c Brüder -Piroska), die 2l n st i -f t e r e i n e s e. n t s e lichen Verbrechens, für das im Strasgcfetzbuch der Galgen vorgesehen sei, statt dessen ans freien Fuß gesetzt werden. Seine Behauptung, die 2lngetegenheir der Botnbenanschläge verlause int Scntde, begründete der Redner mit -der Mtteiluug der Tatsache, daß die -Belastungszeugen durch die Erwachenden Ungarn, die Eingang iu die Berhaftungsanstalt hatten, zur Z tl r ü ck z i c h n ng ihrer Aussagen t e r r o r i s i e. r i wurden. IustiMlllister Pest Hy antwortete auf die Interpellation, daß eine Unterfnchttng -in allen vom Abg. Fabian evwähntelt Fällen eingeleitet unt> die Schuldigen ge maßregelt werdet!. Hnldisungen skr die ßssngrader Bomben» Werfer. Budapest, 29. Acärz. (Tel. der „Wr. WcorgLnzeiinug".) Wie „Mggyctrorsgag" meldet, sind die ans dem Szegedirter Sterngefäingnis entlassenen Brüder Johann und Georg P a r o s 10, die Urheiber des B v m b e n a 11 c u t a i s rrn Hotel „ztlim ungarischen König", gestern in E s o n. g ra d angekomntcu, wo sie von dett dorügen Erwachenden, int Bahnhof begeistert emPsangen ivurd-ett. Johann tmd Georg Pi-roska lvnrden in einenl Wagen voan Bahnhof i-n die Stadt geführt, wobei ihnetr eine viebhundertköpfige Adenge das Geileite gab. Ein Führer der Erivach'en-den hielt an die be-Dett Bontibertat-lentäter eine A u s-p rache, worin er sie in der Hednta-t-sta-dt begrüßte rmd anssorderte, hre Arbeit zn m W-iedera ufbatl d es ch r i ftlichen U.n g a r n wie bis h er f o r j z u s ü h -r e n". Der TrmlNtlphzug bewegte sich soda-ml zu dem Horel „znm König von Ungarn", wo m\ Stephattstag durch die Handgranate der Brüder PiroSka drei Bi e n s ch e nl e ib e n de >r n -i ch -t e- «t und zahl rai che Bors onetr zit Krüppelln gemacht wurden. Atcch hier gab es feiericutent Sohne ^Ikendel gemeinsame Geschäfte. Der Verfasser spricht llie tu der erstert Person, er ergreift nicht Partei ttlld glortsiziert nicht das arbeitende Element. Wenn matt später die Efttwirkting des Krieges ans das jüdische Getncintvesen studieren wird, wird man ltach diesem Bliche greifen Z. I. S i tl g c r hak bisher -ein Nodellerchuch veröffeuitticht, das vor einem Jahre erschierten ist. Die Titelnottell-e dieser Sammlung, „Die Perl", ist ein tvahres Meisterstück der jüdischctt Novellistik. Dieser Perlelchälldler, der mit initlutioser Psychologie geschildert ist, öffnet weite Perfpe'ktivelt auf das Irrationale im Lebert. Es ist kein einfaches Gettrebild, weil der kuriose Alltag, der uns hier tu einem tlciucu Ausschllitt gegeben wird, gatlz visionär ist. Das Leben ist kein Rechenexempel, sonderlt von geheiutltisvollelt! Gespensterit wie voit Schattett durchschiinmerl. Singer 'hat ttns noch lveitig gegebett mtd es fehlt die Grnttdlage für ein ettdgültiges Urteil: aber die koilzcnirierte Form, eine seltene Bcobachtullgsgabe itnb ein ernstes Suchen ltach neuen AusdntckAmöglichkeiteit, diese (Äaben cilles echten> .Künstlers ertvecken die Ertvartnng, daß hier eine starke kültstlerische Potenz anfgetatlcht ist. Ern zweiter „Neuling", Jeho schltla Perle, bringt mit seiltenl Roman „Akircl" unt> besonders in der Novelleltsammliu-llg „Ullter der Sonne" eilte frische erotische Note. Perle interessiert die Frau,, aber dieses Interesse hat nichts mit der Nachtseite des Lebetls zu tun; Perle ist auch nicht ein so glänzender Schilderer der Abnormitäten des Geschlechtslebens wie Jojne Rozenfeld. Sein künstlerisches Interesse an der Frau ist ein kerngesttndes und normales. Dort aber, wo er die Grenzett seines Taletttes nicht einhält und ExtAtourell auf das Gebiet der . verwickelten sozial-- ltationalen Gegensätze Ullterltimmt, bringt er nur kollvcnttonellcs Gerede. 2ltls ganz allderem Stoff ist Joel 2)c a st b a u nt. Sein in'OB anöcfontcr Rotnalt „Die drei Generatioltelt", ein volns Buch, spricht vpn friM-er Tatkraft, imsretuvser Pehemenz und energischer Angriffsltch. Die „Drei G.uerotionen" erinnern sehr stark an die „Familie Buddenbrooks" von Thomas Matlll, oblvöhl mit Sicherheit behauptet werden kann, daß Müstbattm, der eilt Alttodidakt ist, nichts von Mann gelesen hat. Der erste Teil ist eine Idylle ans der alten, längst Versunkenelt Zeit. Hier geht Mastbaum die Wege von Schalom Asch. Die Berherrlichttng der Bergangenheit ist in unserer Literatur geradezu zur derpftichtendeir Banalität gewordert nlid dieser fouücntionclfcit Glorisizicrnng der alten, glücklichen Zeit hat auch Nkaftbatmi seine Huldigung dargebracht. Aber der zweite, noch mehr der dritte Teil, in welchem er die Gegemvart behaltdelt, sind von innerlichen Gegollsätzcit. von den mit erneuter Kraft sich stets wiederholendett Ernptioltelt eitles leidenschastlichen HaMefuhles ersiillt rmd in eine wilde Fratze ausgeartet. Die Jukongrueltz zwifcheil der altert, eingesesscneil Vergangenheit intb den ck-elhasten Abenteurern uird Parasiten der Gegcrtw.trt bildet vont künstlerischen Stattdpunkt eirt gevraltiges Martko dieses atcregenden uiib deutliche Spuren eines großeit Taletttes offenbarelwen -Werkes. Hier wurde nur ein kltrzer Ueber-blick über die crzählettde Literatur gegeben, die Lyriker konnten nur durch Erwähnung der Namen gestreift w erdet!, es soll, noch Ge legerthe i l gesundett werden, über sic ztt sprechen. Wenn O Pa t o s ch n nur eingangs erwähnt rtn-d der größte jüdische Romancier der Gegenwart, David B c r g c l s o h n, außer acht gelassete wurde, obwohl beide auf die Emwlcklnng der erzählenden jüdischen Literatur iu Pölert einen bedeittenden Eittflnß ansgeübt herben, so geschcrh dies, weil Opatoschll in Anlerika schasst unb Bergelsohtt der sogenannten u kra i it i s ch e n S ch u l e der jüdischen Literatur ange'hörr. Die jüdischen Dichter, in Wnerika und tu der Ukraine rrnd in Pölert aber gebett iu der Vielfältigkeit ihres Werkes -dett dcurlichctl Be-' weis, daß die jüdische erzählMde Äterdtnr heute dett engett, Kreis des Genres längst überschritten har unb ibren Wert weit über dieses Thema hinaus erhält.