Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-03-27 · Heft 1837 (27.3.1924) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1837 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980920--18327-3005387
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Wiener Morgenzeitung '.£& 1087 Dien, DormerSiwK LÄsgre-rt, für die speziell bic. Bukowina interessierenden Fragen wirtschaftlicher Natur A. Ho-staue, für die auf den Bukowina«: ReÄgionSfonIds bezüglichen Fragen Prof. I. Gramatoviei, für die Fragen der Privateise-nbahireir C. Cnedei, für allgemeine Eis-enbahnfragen der Generalinspektor der rumänrschen StaatZbahnen Ingenieur Za-mfir CristodoreSeu. Der Präsident der rumänischen Delegation für die rumänisch-österreichischen Verhandlungen, Minister Ni stör, und der Generalmspettor der Eisenbahnen, Chr istodoreLcu, haben gestern dem Bundesminister für Aeußeres, Dr. Grü nberger, ihren Antrittsbesuch abgestattet. Heute traten die rumänischen Experten mit den österreichischeit Fachmännern zusammen, um jene Fragen der Erledigung zuzuführen, die anläßlich des Besuches des Bundeskanzlers in Bukarest der Erledigung durch eine gemischte Kommission Vorbehalten wurden. Ei-ne Deputation des Zentralvevbandes der Bukowinaer unter Führung des Vorsitzenden Herrn Ehrlich begrüßte gestern den Minister Nr stör im Namen der Wiener Landsleute. Beschlagnahme eines sozialdemokratischen Waffentranrporte». Aus Ba-den wird uns berichtet: Die Badener Poli- §ct 'beschlagnahmte am vorgestrigen Feiertag in bat Vöslaueristraß-e in Baden ein Fuhvwerk mit vier Kisten, die insgesamt 112 Männlich er!-Ge weh re enthielten; drei Kisten enthielten je 30 und eine Kiste 22 Gewehre. Die Kisten sollten an den BezirkskomMandanten der sogialdemotratischen Ordnerwehr (Republrkanis cher Schutzbund) Jorgo fat Baden, Obmann des Landesverbandes Nrederösterreich -des Zentralvcvbandes der Kriegsinvaliden, abgeliesiert werden. Dem Kutscher des Wagens war angegeben worden, -daß die Kisten Emailg-eschirr für das neue Ardeiterheim rn Baden enthalten. Tagesbericht. Bar Lchachtamier in Rew-Bork. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitrung") Rew-dork, 36. Marz. In der gestrigen siebenten Runde Dt Dr. Emanuel La Sk er an die Spitze gelangt. Er Mug Maroezh noch 30 Zügen -m brillanter Weise. Hart nach chm folgt Reti, der seinen Gegner Eduard Lasker nach 86 Zügen bezwingen konnte. Bogoljubow wurde von JanowSki nach 44 Zügen geschlagen. Die Partie Allsechin—Marshalil ergab remis. Das SpiÄ Capa- Iblanca—Yates wurde um Mitternacht unterbrochen. Dr. Tartakower war spnffvei. Stand nach der siebenten Runde: Dr. Emanuel Laster 4*5, Reti 4, Aljechi«. Bogolsubow, Dr. Tartakower ft 3,5, Capablanea 3 (Ms 1 Hängepartie), I'anowsBi 8, Maroezh 3K, Aates 2 (Plus 1 Hängepartie), Eduard LaSker, Marshall je 2. Bas Schicksal der MMlam-Mervatarie«. An den fiohen «König der europäischen Bergriese«", den 4814 Meter hohen Montblanc, knüpfen sich nicht weniger Äs 80 tragische Unfälle, denen, größtenteils ÄS Folgen von Lawinenstürzen und SchneefiÄvmen, Touristen, Bergführer, Gelehrte zum Opfer gefallen sind. Aber nicht nur Menschenleben hat der «Weiße Berg" vwnichtÄr von den vier Observatorien* die auf seinem Gipfel errichtet wuvden, sind bisher drei vom Schnee völlig begraben oder zerstört worden. Usbsr die Entstehung nnd das Schicksal der MonManc-Observatorien veroffentLichbe kürzlich „Manchester Guardian" einen höchst irctoressanten Aufsatz von Dr. A. E. H. Tutten, Mtglied der Royal Society, dessen beMerkenswerteste Einzelheiten wir im folgerten auSzugsWolse wiedergeben: DaS erste Observatorium wurde im Jahre 1890 von Josef Ballot mit vsm Beistand von 110 Führern, errichtet, in den folgenden zwei Jahren erweitert und durch eine Schutzhütte auf dem Rocher des Bosses ergänzt. Diese Hütte lag nur 544 Metsr unterhalb des Gipfels, eine Entfernung, die in anderthalb bis zwei Stunden gurückgel-egt werden kann. Nach und nach versank aber das Observatorium im Schnee und mußte 1896 geräumt iv-crden. Ballot baute «ganz auf-eigene Kosten ein neues Beobachtungsheim <ntf dem Rocher des Bosses. In 46 Dagen war das Werk vollendet, das bis zuur heutigen Tage allen Schneestiivnen und Ungewittern getrotzt hat. Im Jahre 1890 besuchte Dr. Janssen das BalloMe Observatorium und entschloß sich sofort, trotz der dringenden Warnungen -des erfahrenen Ballot, aus der höchsten Spitze des Berges, im unergründlichen Schnee -des tUetsHergvnndes, ein ähnliches Institut zu bauen. Im Jcchve 1893 wurde es fertiggestellt, fand aber in den Kreisen der Alpinisten sehr -wenig Anklang, iveil man es als eine Art Sakrileg ansah, daß der jungfräulich weiße und reine Schueegipfel, der gerade genug Platz bot, um die Serie von zwei oder dvöi Hochtouristen zu befestigen, durch ein Gebäude, ein- Werk von Menschenhand, entweiht wurde. Und als wenn die Natur selbst -diese Vermessenheit hätte ahnden wollen: kurz nach Vollendung des Observatoriums begann es, in dem trügerischen Grund einzusinken, allmählich, aber urtaushaltstrm. Ms zum Jahre 1900, also in einem Zeitraum von siebe« Jahren, war die Dachplattsovm bis zum 27. Mär; 1924 Seite 5 Me Kundgebung der Wohnungslosen und Untemieter. Anwürse gegen die Bureaukraten km Wohnungsamt. - Segen die Protettionswittschaft. - Bevorzugung zahlungrkröstiger Bewerber. Unsere Bemerkunge.it in der letzten Sonntagsnununer über die Bureaukraten des Wohnungsamtes finden ihre Bestätigung m einer gestern von der Wohnnngsliga einberusenen, zahlreich 'besuchten Dein o nstrat io,nIver sa in in l u u g, die gegen die Taktik des Wohnungsamtes gerichtet war. In einem Aufruf wurden alle, die in dumpfen, lichtlosen Löchern und Kammern als Untermieter wohnen müssen, die Ehepaare, die gezwungen ind, getrennt zu leben, und alle, die schon jahrelang aus Zuweisung einer Wohnung durch das Wohtmngsamt warten, eingeladen, bei der Versammlung zu erscheinen. Das Wohnungsamt wurde in dem Ausruf aufgeforderl, Vertreter zur Becj,ommlmtß zu entsenden, da eine radikale organisatorische Aenderung verlangt wird; denn die Wohnungslosen wollen nicht mehr Opfer b-er- Bureaukratie des Wohnungsamtes sein, sondern mitentscheiden. Die ärgste Schande Wiens, die unnötige Wohnungsnot, nrüsfe endlich vorn Volke selbst -abgebaut werden. Der Aufruf schließt: Unser Kanrpf gilt jeglicher Protektion, Korruption und Bevorzugung empfohlener und zahlungskräftiger Bewerber. . In der Versammlung, die äußerst stürmisch verlief, wurden von den Rednern unter anderem folgende Beschwerden erhoben: Die P,rotektionswirtschaft im Wohnnngsamt muß verschwinden. Die Funktionäre sind unsichtbar und von einer Prätorianergarde umgeben, die niemanden zuläßt. Leute, die nicht lange vorgemerkt sind, erhalten leichter Wohnungen, wenn sie -Parteigenossen sind. Reiche Leute können sich ohne weiteres ihre Wohnungen sichern, wenn sie eine entsprechende Ablöse zahlen. Die Regierung gibt kein Kapital für Wohnungen her und bei Vergebung von Wohnungen in Neubauten der Gemeinde herrscht eine Mißwirtschaft, z. B. bei dem Neubau in der Staudgasse in Währing. Unter dem Schutze des sogenannten „Denkmalschutzes" können reiche Leute ihre Wohnungen behalten und die vielen Wohnungsuchenden Personen kommen nie zu einer Wohnung. .Irr der Resolution, die nach längerer Debatte angenommen wurde, wird auszeführt: Die Versammlung erklärt ihren Willen, -die b i s h e r i g -e Praxis des Wohnungsamtes nicht länger untätig zu dulden. Die Wohnungsliga hat zahllose Reform- „Schneespiegel" -gesunken, und von Sommer zu Sommer wurde es immer schwieriger, das Gebäude aus den Schueemassen auszugvaben. Im Jahve 1967 war nur noch die Turmspitze sichtbar und 1908 war alles im Schnee verschwunden. Nach der neuerlichen Ausgrabung fand man das Observatorium in Trümmern. Mm mußte sich daher auf die Bergung der Instrumente beschränke» und die Ueberreste des Beobachtungsheims ihrem Schicksal überlassen. Nach dem Tode Dr. Janssens im Jahre 1907 wurde die Soorete -des Observatoives gegründet, die es sich zur Ausgabe machte, die Forschungrn des kühnen Gelehrten sortzusetzen. Auf ihre Initiative hin entschloß sich Ballot zmn Bau eines eines neuen Observatoriums, trotzdem er betonte, daß es bei Gewittern k-rinen sicheren Unterschlupf gewahren we-vde. Diese Prophezeiung sollte im Jahve 1910 in tragischer Weise in Erfüllung gchen: eine Beobachtungsex-ped-itiorr wurde Vom Gewitter überrascht und eines -ihrer Mitglieder von: Blitz getötet. Im folgenden Sommer ereilte -auch das ganz leicht gebaute Observatorium das Schicksal seiner Vorgänger; es sank tiefer und tiefer und ein Jahr später war es völlig -im weichen, weißen, kalten Grabe verschwurLen. Bar verschwinde« von Müche«. Was die Polizei sagt. In der letzten Zeit haiben sich die Fälle gchäust, daß junge Mädchen, meistens im Mer von 14 Jahren, plötzlich verschwunden sind, ohne daß inan weiter etwas von ihnen erfuhr. Die Nachforschungen der Polizei gestalten sich meistens auch sehr schwierig, da die Anhaltspunkte in der Regel zu ungenügend sind, um die richtige Spur der Verschwundenen aufnehmen zu können. In den seltensten Fällen können die Angehörigen die mutmaßlichen Beweggründe angeben. Es ist einleuchtend, sich die Vermutungen zunächst auf Beziehungen zu Männern erstrecken, unter deren Einfluß die Mädchen aus und davongehen. Dabei ist es eigentümlich, daß es sich sehr oft um solche Mädchen handelt, die immer pünktlich und regelmäßig nach Haufe kamen und von deren angeblichen Beziehungen zu Männern die Angehörigen nie etwas bemerkt haben. Da der Verdacht, daß hier unbekannte Individuen ihr gefährliches Handwerk treiben, nicht ganz von der Hand zn weisen ist, «haben wir Ms diesbezüglich au die Polizei gewendet, und von einer maßge'benden Persönlichkeit folgendes erfahren: Die AbgängiAeit von Personen ist eine alte Erscheinung. Die in der letzten Zeit aufgetretenen Fälle übersteigen nicht die gewohnte Zahl und haben sich nur in kurzer Zeit gehäuft. Es sind immer Personen verschwunden und nach einiger Zeit Vorschläge gemacht, die sämtlich unberücksichtigt blieben. Die Ber-samullung fordert die restlose Durchführung der Forderungen im Rahmen der bestehenden Gesetze. Das Wohnungsamt muß von Grund aus zeitgemäß reformiert werden. Die volle Oeffentlichkeit für alle Wteilungen des Wohnungsamtes wird gefordert, -ebenso die Entfernung aller Nnrpolitiker und die Berufung von Mietern und Untermietern, Wohnungslosen und Wohnungssuchenden zu sämtlichen^ Entscheidungen. Die Bersamm'lung bevollmächtigt die Wohnuugsliga, alle notwendigen Schritte zu unternehinen. Wenn ' die Wohnungsliga die Wohnungssucher und Untermieter auf die Straße rufen wird, so werden sie mit Frau und Kind vollzählig erscheinen, um ihr Recht auf einen eigenen Herd mit alten A'citteln zu verteidigen. Zur Versamtnlttng war auch -der Leiter 'des Wohnungsamtes Stadtrat Weher -erschienen, der die erhobenen Anwürfe dadurch zu entkräften versuchte, daß er die ganze Schuld auf die Unzulänglichkeit des jetzigen Anforderungsgefetzes schob. Vmr Prolektionswirtschaft und Korruption im Wohnungsamt weiß er nichts. Die Wohnungsnot sei besonders infolge der vielen Eheschließungen gestiegen, da -einer geringen Zahl von Eheschließungen in den Jahren 1910 bis 1913 7 7.000 in den Jahren 1914 bis 1918 und 13 2.0 0 0 in den Jahren 1919 bis 1923 gegenüberstehen. Eine antisemitisch« Aeußerrmg. Aus einen Zwischenruf „Ostjuden" erklärte Stadtrat Weber: „Es ist kein Unterschiedzwischen Ostindien und Westjuden. Mir sind beide gleich unsympathisch! Während des Krieges haben sich einge-wauderte Ostjuden bereichert. Sie wurden vom Hausherrn freudig einpsangen, auch heute noch. Unter dem Deckmantel von Untermietern haben sie Wohnungen besetzt." Diese Aeußem-ngen eines auch von vielen Juden gewählten sozialdemokratischen Funktionärs sind bemerkenswert. Sie tauchen gemäß -der sozialdemokratischen Wahltaktik erst jetzt auf, bedeuten aber eine Lehre für die zukünftigen Wahlen, damit Juden sich nicht wieder für die sozialdemokratische Liste Pressen lassen, um dann von dem unparteiisch-en Leiter des Wohnungsamtes als „unsympathisch" bezeichnet zu werden. Die R-ede Webers wurde -des öfteren mit berechtigten lärnrenden Protestrufen unterbrochen. wieder aufgetaucht, ohne daß verbrecherische Momente fcstzustellen waren. Auch die derzeit aktuellen Fälle tveisen, so weit die bisherigen Nachforschungen unserer Organe ergeben haben, keine bedenklichen Merkmale auf. Einige der Mäd chen, um die es sich handelt, sind, wichemm zurückgekehrt. So ist die Tille mann, die vorige Woche verschwunden war, -am Montag wieder erschienen und hat angegeben, daß sie sich iu der Inneren Stadt Herumgetrieben Hai. Bei anderen wieder Erschienenen hat sich heivausgestellt, daß sic auf der Suche nach Arbeit waren. Natürlich ist Leichtsiuu oder Leichtfertigkeit einem Teile der Abgängigell nicht abzusprechen. Zwiste, Zarwürfmsse, Furcht vor Strafe und Bezieihungen zu Männern sind die häufigsten Bsweggründe. Die letzten Fälle, deren Zahl sicher nicht außergewöhnlich groß ist, geben absolut keine kvimMälistischen Anhaltspunkte. Re Schwierigkeiten der AohS. Die Rohö wird aufgetellt. In der Angelegenheit der Rohö, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist, hat sich aus den ungesÄhr 30 bis 40 Gläubigern eilt Ausschuß gebildet, der in seiner gesbrigen Sitzung zu einer Einigung gelangt ist. Nach Mitteilungen dieses Ausschusses werden die Passiven in der Höhe von 1,5 Milliarden von Privatleuten übernommen. Die Lebensmittelabterlung wird aufgelöst, das heißtvon -dem Mitgliede beS: Vorstandes, Frau F-erjancic, auf eigene Rechnung -geführt werden. Die Küchen werden von der Wiener öffentlichen Kiichengesellschaft (Wök), an der der Bund und die Gemeinde .Wien beteiligt find, übernommen. Nur die Bekleidungsstelle, die deren Direktor, Hertz, durch den großen Provisionsanteil, der chm gewährt wurde, beinahe zugrunde -gerichtet hat, bteVbtbestehen, wobei Drektor Hertz für seine hervorragende Tätigkeit die Stellung eines Ässocie erhält. Die Einlagen -der Mitglieder in der Höhe von 5 50 Mi-llioneu werden angeblich -durch einen Fonds gesichert -werden. Die Schwierigkeiten sind dadurch entstanden, daß sich die Präsidentin, Frau Freund-Markus, geMigt sah, für die Rohö Geld zu Wucherzinsen von Privatl-eitteu und Banken anszunchmen. Die Leitung der R-eit-ungsaktwn hat anscheinend Generaldirektor Stern von der „Habung" als Hauptgläubigerm übernommen. * Es hat -den Anschein, als ob die Schwierigkeiten diesutal aus dem Wege geräumt werden können. Eine -durchgreifende Ordnung wird allerdings nur datm geschaffen werden, wenn der größte Teil des jetzigen Vorstandes verschwindet. 0 Smtimettt breit Q\ Aß rMe.MeR.8v tim N.I.. ADUR«A9M&& Hiiw SEIDE «WyHck'' 1*1'’JM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.