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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-27 · Heft 1837 (27.3.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1837 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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«WWW«» \ Hk 183® Men, Siuerikanismus in SWafrlla. Bohnbeschranlungen für Asiaten. Mrs Fohauu«esburg meldet I. T. A.: Tie sied-- «ftAamsche Rogierimg «beabsichtigt, dem Parla-nreut in der «LWen Seflüm einen Antrag zu unterbreiten, der die Ablreirmmg van Wohn- und lGeschäsiAvierteln für nicht eingeborene Personen gemeinsamer Rasse vovsicht, Menn eine IstABsche Besirksbchörde dem Mmister des Indern cher gegenwärtige Jnnenminiister Patrick D u r e a u ist ein eifriger Verfechter dieses Antrages davon. Kenntnis gibt, Laß ein «Gebiet rnnechaV ihres Bezirkes ganz oder teilweise tzs» einer gestimmten Klasse von Personen" gtt Wohn- Mr GeschästsAlvecken vrugenominen wird, soll Ser Minister bevechttgt sein, eine Untersuchungskomnnssron za entsenden, 8ie darüber Bericht zu erstatten hat, ob es iwüuEchen'swert sei, solch eilt Gebiet abzugrenzeu. Unter 'die Bezeichnung „'bestimmte Klasse von Personen" sollen («nach Erklärung des Innenministers), von den Eingeborenen abgesehen, alle Europäer und anderen Personen Wen, die „gemeinsamen RassencharMer" haben. Disser Antrag richtet sich hauptsächlich gegen die Asiaten, obwohl — aus Furcht vor Reibungen mit der britischen und indischen Regierung — kein direkter Hinweis im GesetzeSantvag enthalten ist. Es handslt sich also darum, die amerikanische Methbde der g e «w a I t s a m e n Ab- «soudevung und wirtschaftlichen Ausschaltung, >»ne sie in Amerika an den Neger n, C h i u e s e n und Japanern geübt wird, nach Südafrika, den Staat der Buren, zu übertragen. Aus prilnzipielle u Gründen «Haben sich die Mischen «Gemeinden Südafrikas der Protoftbewcgnng gegen iden Antrag angeschlossen. Mische Zrregulilre in Etzrien. London, 26. März. (Tel. der „Wr. Mtorgenzeimug".) Die die Matter melden, soll Äs Repressalie für die kürzlich «folgten Angriffe französischer Truppen auf türkisches Militär die französische Eisenbahnstation in Meydan Akkbad von türkischen irregulären Truppen überfalten und -sämtliche stemzositschen, Wachen und BeamtlM -n ö ed -e -r g e m c tz c l «i worden fein. La» Kalifat in Tripalir. Rom, R. März. Infolge der Aufhsblmg des Kalifats wurde in -den Moscheen von B e n g a j i in den Gebeten der Name des Kalifen durch den des K öuigs Viktor Vmanuel des Dritten ersetzt. Nu arabischer Grubenhund. Benedikt als Prophet des Kalifen. Wenn Benedikt in -die Ovientpolltik „eingrvi>fl". ist dies ttofflec ein echedender Augenblick. Das famrilräre Berhäünis zu England, das im Hanse Benedikt ans der Tradition der Zugänglichkeit hevmrs besteht, wird j-ett, da die gegenwärtige Konstellation m England dieser Anbiederung nicht günstig ist, durch wohlwollende Beziehungen zurre Orierll erseht. Der Ate beiden Hulda. Bon Jizchak Pelach, Jerusalem. (lleüersetzt von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem.) Der Morgenzug entführt dich in die Eiusamkcü, der Aezend von Nachal Schovet. Rötl-ichgrou und verlassen, kalt und nüchtern steht das Stationsgebäude da. Schmerzlich fast quillt die Frage, aus: wie kommt, dieses Gebäude in das Bereich der Taten, der Liebe eines Simson, des Helden von Zeroa? Plötzlich fühlt man sich ,m die heiße Stille des Mitirgs versetzt; mit tausend feinen Stimmchen unsichtbarer Fnstkben, summt sie dir im Ohr. Ja, noch gibt es Stille hierzulande! Und -noch gibt es Aettenpsade, dollgesogen mit Sonnenglut! Jroilich, wenn «man immer wieder zu lesen bekam, vas -in dem und jenen Parlament über dies Palästina, zch, so klein wie die Fläche einer Hand, peroriert wird, mrßts man glauben, daß es hier keine Stille -mehr sibt, daß die Chausseen wie ansgestrecktc Arme das Land frech umschlossen halten und daß sich kein Mensch wehr jatbei, der zu Fuß zwischen dem Geste >n und den g&Btett Schatten des Landes einhergeht. Ja, noch gibt es Svitenpstide! <Nehe, Lu willst nach Hulda. Auf Lreitsm, sonnigem Kußweg steigt man dorthüt empor. .Ja, noch gibt es sozusagen Wege in den Bergen! Seitenpfade, schmale Fußsteige für die Elenden, für die Letzten,' für die Ersten, für die, welche ihrer: Weg juchen. Der Benzindunst der Automobil! dringt nicht bis siecher und Kamele schreiten mit starren Hälsen dahin, rls wüÄwtt sie von Ewigkeit her so schreiten; die Wege .'chimmern durchs ganze Land und strecken sich wie Arme im zagen Traum den Bergen entgegen, wo sich Tropfen wir Äben und Lebenskmmner, wie die Wasserspiegel auf wn Gipfeln, gesammelt haben. Zwei Hügel sind es (Berge nerntt man es hierzuiand) und obenauf Dörfer. Halt, da hast du sie, die beiden Hulda! Sie liegen einander gegenüber, die beiden Hulda. )a§ arabische und das jüdische. Auf dieser Hohe hier und ruf jener dort; -ein schmales Tal dazwischen. DaS eine Hulda ist gelb getönt; feine Häufte und & Steine ferner Berge, seine Schatten und seine Luft wfc von ein und derselben Farbe, der Farbe von vermoderten, Versteinerten Geschlechtern. Das zweite Hnlda ßMt; es bvimgt m Las Einerlei der Landschaft etwas Wiener MorgerrzeltLmg. Wie die Maschine den Dampf so braucht der Körper ständige rationelle Pflege. Aber ständig, denn sonst kann die erwünschte Wirkung nicht erzielt werden „DIANA“ Franzbranntwein mit Menthol ist das geeignetste Mittel zur rationellen Körperpflege und deshalb soll jeder »» DIANA“ Franzbranntwein ständig benützen Ueberall erhältlich Dia-' ' ‘ ’PreMiMs. WIEN, II. PRAG, VIII, Engerthetrasse 169 Lieben, Drahobeljova 30332 1 073 Sie letzte« Devisenkurse. (Eigendieust der „Wiener Morgenzeitung".) . Aew-Borkk, 26. März. (Radio.) Devisenschlußkirrie: Tagqeld 4°/a, Wechsel auf London 4,2950, 60 Tage-Wechsel 4,2650, Paris 5,40, Amsterdam 36,94, Prag 290*'.., Berliner Schlußkurs 225/s bis 22s/<, Silber 64. London, 26. März. (Radio.) Dedisenschlußknrse: Prag 148, New-York 4.25-/,«, Paris 79,65, BMel 182»/,, Rom 99227«, Zürich 24,89, Madrid 33'/?, Amsterdam 11,62'A, Kopenhagen 27,207s, Christiama 31,497^. Stockholm 16,22'/.., Äelsingfors 172, Berlin 18Vi Billionen, Wien 305, Athen — Paris, 26. März. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —, Credit Lyonnais 1570, Societe generale 745, Aietropolitaine 504, Thompson Houston 720, Raffinerie say ord. 2546, Russe cons. 4*10 23, Russe cons. ‘6% 1891/94 16,30, Russe cons. 3°/0 1896 16,55, Russe cons. 3*/»% 1894 16,25, Rufs, cons. 5% 1906 26,90, Russe cons. 4Vs°/0 1909 18,60, Serbie 4% 1895 Sette Ottomane 4% 57,30, Ottomane 5°/, 1914 31, Mo Tinto 2557,. Schneider u. Cie. 1640, Baku 2320, Royal Dutch 31.100, Shell 373. Steana Romana 520. ganz Neues. -Etivas Fanges und Leichtbewegtes und Zit- -crüdes; etwas, was durstet und betet und drängt. Aus dem gelben Hügel sind Häuser, Gräber, eins ins andere verflochten; sie sehen Steinerr gleich, aus dem Berg h,.'Ä>orgewachseu. Trockene Hitze pocht hier im Soimner, Regenstnvnr im Winter. Frauen mit verfchrumpften Gesichtern backen Vortags Flachbrote wie vor hunderten .Fahren, in der Asche, die seit Geschlechtern weiterglimmt. Kinder, in gelben Staub gehüllt, gleich Leu Felsspalten, suchen und tasten nach süßen Gräsern, wie sie seit Fahrhllnderten hier wachsen. Fedes Etwas von einem armen Gläschen hat feinen. Namen und von weitem schon hört ihr Ohr, wenn eine Schlange anschleicht. Magere Kühe rupfen niedrige Gräslein in Len dürftigen Feldern und der Nagelpflug gräbt die Erde um ein bischen Weizen aus — als Nahrung fürs Haus; die vielästige Sykomore wirft ihre Feigen herab, gerade genug für e i n spärlich sättigendes Mahl, und der einsame Oelbanni draußen im Feld gibt feine Früchte wie der Waldstrauch feine Beeren. Und reicht es nicht Hirt, streckt man die Hand auch in ftemde Gärten — nur eben so, beileibe nicht aus Schlechtigkeit, nein, aus alter, von den Väterrt übcrkmrmterten Gewohnheit! So läßt der gelbe Berg rni wenig Leben sprießen und die Vistort dieses armen, seit je so armen Daseins erstirbt nicht. Auf brn grünen Hügel aber kommt Fahr für Jahr eine Gruppe von Fünglingen herauf, mit absonderlichen Blusen angetan, in deren Falten noch der Hauch der Schneeländer steckt. Leise zitternd klopfen junge Hände im Gestein wie an verriegelte Tore. Nichts ^bekommt man hier umsonst; alles muß matt für Geld und «Blut erkstuftn. Jeder schrittbreit Erde, jeder Setzling, jede Begeisterung und jede Entspannung, erobert wollen sie sein! Noch gibt es keine hebräischen Namen für jedes Gläschen, fifr jedes kriechende und schleicheinde Geschöpf. Verschlossen sind noch die Himmel und versiegelt die Erde. Hände, die von weitem stammeu, säen pflauzert und schafftrr, als würden sie im Blinden tasten. Modernste Broschüren entgleiten dem Schoß, zusammetr mit verwaisten Träumen von wahrer Arbeit, von inniger Lebensgemeinschaft, von Bölkerverbrüderuttg. . Jünglinge steigen herauf und hinunter, fonurtett und gehem. Weit, w-cit noch ist die Erfüllung ihrer Vvsiotl. Und der Name des jüdischen Volksschatzes ist eng verknüpft mit dem Hügel, mit seinem Schaffen und feinem Sehne u. Der „Keren .Kajenreth l'Jsrael" ist es, eine Tradition, die aus sich eine Revoiinioe gcbov. d'"' Re-volnt-iou des indiicbeu Niensmen 27. Mürz- 1924 Gelte 3 Wunsch, den OviMtvechUtnissen väterliches Antze-nmeA M»-' wenden, gcht bei Ben-Mkt, dem Sohne, so weit, daß tt dem barsten Unsinn, den chtn ein Korrchporrdenterl vorsetzt, arrffitzl. So kommt es, daß „das Blatt" Mtzlich fein Herz für König Hnsse-in entdeckt hat und unter der pompösen UÄbevschM „König Hussein gegen die Zionisten" verkündet, Hussein habe „als ersten Akt seines Kalüsats" einen Kongreß ttach Mekka einberuseu, der dm Kampf der Araber in Palästina gegeil den pMÄschen. Zionismus organisieren soll. Dieser Aufsitzer ist zu offouknnldi>g., nur nicht schnmnzelnde Heiterkeit zu erwecken. Hätte Herr Benedikt die schon ein hckbbes dutzeiDmal in der Presse verschieden er SchÄtiernngen veröffentlichten FnsorrMbionen -Wer dm Kongreß in Mc>k'ka gelesen, so hätte er erke-mren Missen, daß Hussein mit diesenl Kongreß den Versuch inacht, seiner recht.sphemcren Kälifatswürdo den AnstM) sogusagen eines VoWeuttscheideS gelben, indem Vertreter aller mcchantmcdan-ischen Gruppen dohiligeibrachl werden sollen, Husseins Kvlipat Mzuertennen. Die Hyperchochmie des weislichcn Berichterstatters -des Herrn Benedikt hat diesen wieder einmal mächtig hmeinige-Iegit. Es gibt eben auch orimtallsche GMbenhnnde. , Amerikanische Unterstützung der deutschen Frauen und Kinder. Paris, 20. März. Die BMter melden aus Wnfh i n ** 1s ik: Dais Repväsnttantenhcrus hat den KEt von 10 Millioneu Dollar zur Unterstützung der uotl-eidendr n Frnuen und Kinder in Deutschland mit 340 gegen 97 Stimmen bewilligt. Der Beschluß fetzt fest; «daß diese Summe ausschlieWch -für den Anka-uf von Lebeus-- m 'i i t e 1 n in den Vereinigten Staaten 'bestimmt ist, die durch amevikan-ifche Schiffe nach Deutschlmtd 'befördert werden sollen. Alle Abänderuargsanträge, die eingebvacht worden waren, mubcit aibgelehnt, mit Ausnahme eines An irages des Deputierten Johns, daß die Lebensmittelverteilung irr. Deutschland durch deutsche landwirtschaftliche Genossechchaften vorgenommen werden soll. Msenbahuerteilftreiks in Sentschland. Wegen Durchbrechung -es AchtftUNdentages. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) '5 - Berlin, 26. März. In SüddeutMand ist es zu Teil-, strciks unter den E'senbahnaröeiLeru wegerr der Frage der Verlängerung der Arbeitszeit gekommen. Vesondes wird im Stuttgarter Bezirk gestreikt; auch im Heil- Lronuer Eisenbahnbezirk haben die Eisenbahner in einenl Ultimatum die Wiedereinführung des A ch i st u nden tag es gefordert und nach Ablehnung dieses Mli- -matumß die Streikparole ausgLMben. Mt starren Augen schaut der gelbe Hügel auf stiuen Nachbar, der in SchöPftmgswchen bebt. Wird ihm der Eifer seines zerstreuten und verfpreugteu Volkes, wird ihm em nationaler, aus den Opfern Tausender gehäufter Schatz so beistehen können, \m ihm, dem gelben Hügel, die erstarrte Gewohnheit' langer Geschlechterfolgen beistand? Hier, zwischen, den beiden. Hohen, muß man sich all die kahle-rr, weithin übers Land verstveuten- Hügel vc-rgegenwärtigen, welche in den meisten jüdischen Siedlungerr die Arbeit, diese Quiutesienz des Lebens, an sich gerissen habe-n. Dann wird dein Herz stummen Dank für -etc NaüMalfonds empfinden, der diesen grünenden Hügel gegenüber jenem zweiten geschaffen hat: Arbeitskraft gegen Arbeitskraft, Lebens-kvaft gegen LebeMr-ast, eine wahre Heimat neben der anderen Heimat. So liegen sie einander gegenüber, die beiderc Hulda! Nur den Brunnen haberc sie gemenrsam. Aus ihm trinken die Menschen, zeitweise auch die vom jüdischen Hulda; hier finkn die Herden ihre Tränke. Wenn der Tag sich neigt, die 'Herden von den Bergen gleiteu, wenn mit dem Plaudern der Hirtenknaben von irgendwo verhaltene Stimmeil driltgen, wenil der Gesang klingen.dcr Wasser und das Brüllen der Mhe dorr der Tränke tönt, bann schauert schier die starre, wüste Landschaft, erschreckt von uralten Erinnemugen. Nun werden die beiden Hügel, da sie .Hi Schatten sinken, gleichsam weicher; sie nähern sich -einer dem anderen. Jetzt erst scheint die Vision von der Verbrüderung nahe. Aber die Kühe des jüdischen Hulda komwen nicht zum Nvuntren. Auch ihrer sind manche an-? weiter Feme gekommen. Schön und hochgetvachse.il sind sic. Jede von ihrren trägt -eilten Schmucknamen, auf beson deren Täfelchen verzeichnet. Keine bloße .Herde sind sic, nein, em wahrhafter Rinderstall! Die Kinder des arabischen Hulda sind inzwischen in den Gärten ihrer Nachbarn auf Diebstahl aus; nur eben so, nicht aus besonder-n- Schlechtigkeit, sondern aus der Gewohnheit vieler Geschlechter. Und märt legt falsches Zeugnis ab, und wenn die AZahrheit ljevvorkommt, -und einem ms Gesicht schlägt, wird man nicht rot vor Scham, «och nicht'rot. Ulld versiegelt ist noch die Bisiorl von der Brüde-rlichkeit in dc>l Büchern und in den Herzeit der Jünglinge all! grüneir Hügel. . . . Ein sch-males Tal liegt zwischen iriSe'« Wieviel Geschlechter müssen noch d?-'' -'ch dies Tal — ein NH.'uüd — n;i>'''? j!! i i [■ ■s i - P' w i I 106190

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