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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-26 · Heft 1836 (26.3.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1836 (26.3.1924)
Date
1924-03-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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iBwappps mtt&mimjmgggSSXBtömEF, ls Me. 1:896 Wen, Mittwoch Ler Mlchvrrteuerungstilg. Dir verlangen Vas alleinige Preisverteuerungsrecht. Gestern traten die Delegierten der laudwirtschast-! Lichen Fachkörperschafterl, der Molkereiverbände, Milchgsnvsserrschasten grnd des Milchgroß- und Kleinhandels; über Einladung der österreichischen Landwirtegesellschaft in Wien, und des Milchwirtschaftsverbandes, zu einem ^Mil (Hk ammertag zusammen. Alles hatte sich eingesundem, was an einer „S a ni erung" unserer ach so billigen Milchpreise interessiert ist. Unter anderem behandelten Kanunersekretär Dr. D o l lf« $ und Konsulent Dr. Forchheiiner das Thema: Gesetzliche Maßrmhmen und staatliche Fürsorge zur Hebung der Milchproduktion, des Milchverkehres und des Konsums. Sie traten für die Aufhebung aller noch bestehenden Z w a n g s b e st i m m u n g e n und des Preistreibereigesetzes, sür Beschränkung der Milcheinsuhr, fiir die Zwangs pasteurisier u n g und Schaffung gesetzlicher Bestimmungen wegen Entsäuerung der Milch eilt, kurz, sie verlangten die Abschaffung aller eine stärkere Mlchvertenerung noch hindernder Verfügungen. Da den Milchverschleißern die Nahruug für Kranke uub Säuglinge noch immer zu billig'ist, fordern sie für die Praisbestimmungskommissiou der österreichischen Landwirtschaftsgenossenschaft diktatorische Vollmachten und die Abschaffung des bei den Agrariern faktisch fast nie zur Anwendung gekommenen Preissteigerungsgesetzes. Die ganze Tagung galt nuv dem Zwecke, das ' a l l e i n i g e Preisbestimmungsrecht durch eine Komin i s s i o n der öfterrschischen Landwirtschaftsgesellschaftin Wien zu fordern und die Erreichung dieser Forderung mit allen Mitteln anzustreben. Die Konsumenten werden Mühe ihaben, die Verwirklichung dieser Pläne zu Hintertreiben. Verbilligung auf dem Vieh- und Fleischmarkt. Zufuhren aus den nordischen Staaten. Die Entspannung auf dem Wiener Vieh- und Fleischmarkte ist auf die gesteigerten Zufuhren von Bich- und Fleisch aus dem Auslande und das nunmehr eingetretene wavme Wetter zuriickzuführen. Am Montag den 24. d. haben Öre; Zufuhren die Rekordziffer von 63 Waggons Fleisch erreicht. Diese steigenden Zufuhren haben bereits im Engroshandel eine Preissenkung von 1000 bis 1500 Kronen pro Kilogramm bewirtt und ist daher für die nächsten Tage auch eine Preissenkung im Detailhandel zu erwarten. Bei den ausländischen Zufuhren ist die interessante Tatsache zu verzeichnen, daß dieselben nicht aus unseren alten Konstnngebieten Ungarn und Jugoslawien stammen, sondern aus Holland und den nordischen Staaten, die setzt Wien als ein gutes Absatzgebiet betrachten. Wenn man bedenkt, welch hohe Fracht- und Transportspesen den Einsendern aus den valutastarken nordischen Staaten bei ihren Fleischtransporteu nach Oesterreich erwachsen, dann kann mau wohl ermesse«, wie hoch bei uns die Fleischpreffe sind, die von den Viehhändlern und Viehproduzenten ans Oesterreich und den Nachbarstaaten noch immer als zu „niedrig" befunden worden. » Wien. 26. März. * Jefferfou M. Lewh gestorben. Aus Now-York be- Mtet I. T. A.: Der frühere Kongreßabgeordnete Jefserson M. Lewy starb hier an Herzschwäche im Alter von 72 Jahren. Herr Levy wurde mehrere Male in. den Kongreß gewählt. Er char einer der Gründer des demokratischen Klubs in Newdorr. * Sperrung der Reichsbriicke. Anläßlich der Erneuerung des Holzstöckelpflasters auf der Reichsbrücke über die Donau wird der Straßenbahn- und Frchrwerksverkehr über die Brücke am Montag den 31. d. gesperrt. Die Verkehrsudlenkung für die Fuhrwerke erfolgt über die Floridsdorfervrücke. Die Straßenbahn wird einen Pendelverkehr bis zu den beiderseitigen Brückenköpfen einrichten. Für die Fußgänger MMt der stromabwärts gelegene Gehweg zum Verkehr offen. * Dampferzusammenstotz im der Themse. Aus London wird gemeldet: In der Themsenmündung sind ein britischer und ein __ amerikanischer Dampfer gusammengestoßrn, wobei zwei Personen den Tod gefunden und sechs Verletzungen erlitten haben. Der britische Dampfer, an dessen Boro acht Personen getötet wurden, mußte auf Strand gesetzt werben. ^Nachfolgende Notizen vis zu der Nttbrik „Vereine" sinv entgeltlich.) Beachten Re die Preise für Leinenwaren im Warenhaus Brüder S ch i f f m a u n, 2. B e z., T a b o r ft r a ß e 43. Webe.pro Meter 10.500 K. 8.500 K. Chiffon . . . . ‘. . . pro Meter 13.500, 11.600 „ 9.800 , Streifgradl... . ..pro Meter 19.800 „ 17.500 „ Damast * . . . .... .pro Meter 22.800 „ 18.500 „ Jttlet. •;.*. . . . ..pro Meter 14.800 „ Molino . ... . . . V. . . - . . .pro Meter 8.900 _ Bettzeuge . . . -. . pro Meter 15.800 K. 12.800 „ Batistchiston n .pro Meter 15.900 „ MatrahengrM. ... pro Meter 30.000 K. 24.000 „ Bettücher . . . . .. 26.500 „ 19.800 „ Tischtücher ...48.000 „ Kafseegamitmen . . , .. 98.000 „ Glrsirtücher.. 8.000 „ * Att« Hausfrauen rufen im Chor: „Die beste Seife ist Kagor." Mener MieUvafche-Anfratt, Wien, XX., Wallensteiuplatz 7, Tel. 42.125, liefert leihweise hygienisch zereinigte Wäsche an Bureaus, Fabriken und Geschäftshäuser. * Tmrzinstitnt Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgafle 42. Mienev Morgen Zeitung._ __26. März 1926 , Gelte 8 Jüdische Tischgesellschaft Landstraße Heute Mittwoch, 7,9 Uhr abends, im Casü Lotrana, 111. Löwengasse 30 Bortrag Dr. WILHELM STEIN» „Die kntftehmg der Wischen Voller" Vorher Hchekelverrechnung Gäste willkommen! Gäste willkommen! Vereine, Vorträge und Versammlungen. Jüdischer Verein N o r d o st, 2. Bez., Taborstraße 21a. Heute, 8 Ubr abends, im Vereinslokal Vortrag des Herrn David Nebenzahl über den Völkerbund. Gäste willkommen. - I u g e n d v e r e i ii, Ahawath Z i o n, 2. Bez., Glockengasse 5/6. Heute, 7,8 Uhr abends, Vortrag Prof. Dr, W. Stein. Gaste willkommen. — A st ro nomische Zentrale. Heute, 7-8 Uhr abends, im Aakademischen Gymnasium: Prof. Dr. Oswald Thomas, Himmelsdurchmusterung r „SirtuS- und Oriongegend". — Zionistische Sektion Landstraße. Heute, 7,8 Uhr abends, dringende Ausschußsitzung im Caf6 Lovrana. — Beth Waad L'iwrim, 9. Bez., Türkenstraße 9, Hl. Stiege. Heute, 7»8 Uhr abends, DiSkussionSabend. —Organisation zionistischer Frauen. Heute, 5 Uhr nachmittags, 2. Bez., Taborfttaße 20», Sitzung.— Jüdische Tischgesellschaft Währing. Heute, 7,9 Uhr abends, Türkenschanzpark, Roter Saal. Zusammenkunft. — Akademischer Landesverband. Heute, 7 Uhr abends, 2. Bez., Taborstraße 20 », dringende Sitzung. Zionistische Bezirlcssektion Leopoldstadt, Seittor 2 Heute Mittwoch den 26. d., präzise 8 Uhr abends, im Cafä Kaiser Josef, 2. Bezirk, Heineftraße 26 Vortrag Herr Dr. 8. F. ff Inf clftein „Perez SmolenSkm, seine Werke und Persönlichkeit" Jeden Mittwoch zwanglose Zusemmenkünste mit Vorträgen Am den Theatern. B u r g t h e (t t e r: Movgeu, 7 Uhr, ,MilhÄ>m Dell". Akademi etheater: Morgen, HM 8 Uhr, „DiS Liebe wacht". Opernth eater: Frau Kammeüsängerin Kurz ist von ihrem Urlaub zurückgckehrt und tritt Freitag den 28. d. als Gilda -in „Rigoletto" zum ersten Male wieder aus. Morgen Donnerstag, halb 7 Uhr, -gelangt „Die Affrikauerin" zur Aufsühnmg. Kammersänger Mahr ist infolge einer leichten Grippe gezwungen, seine berufliche Tätigkeit mos zirka 14 Tage zu imterbrechen. Im Deutschen Vokkstheater findet Samstag den 29. i>. die österreichische Uraufführung von August Strrndbereis historischem Schauspiel „Erich der Vierzehnte" statt. Die Titelrolle spielt Jakob Feldhammer. In den Kammerspi e l e n wird zwischen der Ausführung von „Kammersänger" und der von ,/Sonnenspektrum" Anton MH eine Conference halten. Für die erste dieser vier geschlossenen Vorstellungen, die morgen Donnerstag den 27. d., 10 Uhr, stattfindet, sind keine Einladungen mehr erhältlich. Heute Mittwoch und morgen Donnerstag finden um 7 Uhr die beiden letzten Vorstellungen von Edward Moblauchs Komödie ,ß)tt Faun" mit Ralph Artur Roberts in der Titelrolle statt. Neues Wiener Stadttheater: Heute 100. Auffuhrmrg der Gilbert-Operette ,$)a§ Weib im Purpur". Freiheitsdichtnng. Donnerstag den 27. d., 7 Uhr abends, spricht Oskar Teller im Gewerboverein (1. Bez., Eschenbachgosft 14) FreihmtsdichinngLN des Jahres 1848. „Das Grauen". D»er miftisch-Hantastifche Abmd. den der sehr begabte Bortvagskünstler Willy Neumann-Nördlingen unter diesem Titel Vevanstaltete, hatte Niveau. Schon, die Zluswahl der Stücke erlvies Kultur und Geschmack. Man lernte in Neumann-Nördlingen eine starke und eigenartige Persönlichkeit kennen. Er begann mit Lmaus ,Itaulbfchütz" und brachte dann Balladen von Grete Berger, Heine, Lilienkron und Poe, die sich trefflich irr den Rahmen des Abends fügten. Ganz außerordentlich glückte dmr Vortragenden Münchhawsens .Jodspieler", Petöfis „Der Wahnsinnige"- und Ginzkehs .Mallade vom lieben Augustin". Das Mlieiche Publikum dankte mit sturmischenr Beifall. Uraufführung einer nachgelassenen Oper Boitos. Am 11. April geknifft im Scala-Theater in Madrid die nach deni Tode ihres Schöpfers Arrigo B o i t o erschienene Oper „Nero" zur AuMhrunff. Toscaninr dirigiert, die Inszenierung bereitet ein Fvennd des Komponisten, Alberrini, vor. Radiokonzert -er Sendestation Ra-io-KrkuPhou. Programm stir heute, lkh bis 6 Uhr nachmittags: 1. Brahms, „Ungarischer Tanz". 2. Lehar, „Erste Liebe" (Boston). 3. Thomas, „Kennst du das Land", ans der Oper „Mignon" (Fräulein A. Gerold). 4. Wagner, „Walters Preislied". 5. Wagner, Liebeslied und Duett aus „Walküre" (Kammersänger Erik und Dagmar Schmedes. 6. Strauß, „Accelerationen" (Walzer). 7. Johann Strauß, „Dorffchwalbenwalzer". 8. Gesangsvortrag. 9. d'Elvesta, „Serenata spassionata". 10. Ronwerg, „Die Nacht war schwül" (Blues-Shimnly). Konzert r Das Quartett Srlving. Festabend -er Leie- und Ae-ehalle jüdischer Koch, fchnler. Anläßlich ihres HOsemestrigen Bestandes veranstaltet die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler Sonntag den 30. d., 8 Uhr abends, im großen Festsaale der Hofburg einen F e stabend. Mittelpunkt der Veranstaltung bildet ein Vortrag des Herrn Oberrabiner Dr. C h a j e 8: „Politische Lage der Inden im Jahre 1923". Das Programm ergänzen künstlerische Darbietungen des Herrn Prof. W o l f s o y n, Herrn B e r e g i und des jüdischen Gesangvereines. Der Reinertrag fließt dem Lesesaal- und Biblioihekfonds zu. Karten sind zu haben im Vereinsheim, Wien, 9. Bez., Türkensttaße 9, bei Löwit und im Sektionsheim, 8. Bez., Beimoplatz 1. Bühne und Kunst. „gch bin zu alt, um Pari« zu erziehen.. Eine Polemik Bernhard Shaws. Das neue Je an ne d'A r c- Drama Bernhard Shaws, das bereits in New-Boyk auIMfühn wurde und heute zum evstenmail in London über die Bretter .gcht, hat in Paris den alten Streit um die Jungfrau von OAoans erneuert. Shaw hat nun selbst in die Kontroverse in seiner Art einigegriffen. Er schreibt in der „Comö-Aa": Die wahre Frau in Johanna Äst noch heute in ihrem Vaterland so unpopulär wie damals, als die Burgunder sie den Engländem verkauften und die sie der französischen Kirche und der Inquisition zur Verbrennung überlieferten. Die Leute, die in meinem Werk einen Angriff auf Patriotismus und Religion erblicken, kennen das Stück nicht und vielleicht kennen sie überhaupt weder Patriotismus noch Religion. Niemals wieder will ich aiuf^ französische Kritiken erwidern, denn regelmäßig, wenn ich mich erkundigte, ob der Ankläger das in Frage stehende Stück auch kenne, habe ich dst Antwort echalten: „Nein — aber er hat bei Verdun gekämpft." Ich habe diese Art Opposition in London und in New-Dork ertragen müssen, und ich werde sie in Paris et* , tragen müssen, denn Paris ist nicht nur ebenso unFivilifiert wie Newport oder London, sondern es leidet unter einem merkivürdigen AchtKehnten-Jahrhu-ndert-PrMnMlismus, der es fei gesagt, nicht chne Retz ist. Ich sah neulich eine Aufführung von „Helden" im Odeon, in der sorgfältig klargemacht wurde, daß der tragische Held meines Stückes ein schwerer Büffel ist, den man nicht ernst nehmen darf. Es ist schade, denn die Wertschätzung meiner Stücke ist eine Art Kulturbeweis geworden^ und ms jetzt war Frankreich immer der Primus der Klasse... Ich habe London erzogen, ich halbe Now-Nork erzogen, Berlin und Wien, Moskau und Stockholm sind zu meinen Füßen. Aber ich bin zu alt, um Paris zu erzichen. Es liegt zu weit dahinten, und ich bin zu weit vorne. Ich habe Aiigst, daß ich niemals mit den Parifem gut sichen werde. Sie schen, ich kenne Frankreich weit besser als die Pariser es kennen, und ich mag es gerade darum lieber. Kein Franzose, sondern ein englischer Dichter, William Morris, sagte mir einmal, Frankreich sei das ischönlste Land der Welt. Ich habe >das gleichfalls gestruden, aber die Pariser schätzen es nicht im mindesten. Man sollte sie sämtlich aus Frankreich vertreiben und durch Engländer ersetzen; die Engländer würden Frankreich zu würdigen verstehen. SMtssaal. Unterhaltsbeiträge müssen valorisiert werden. Im Jahvst 1912 wurden einer Frau bei der Trennung ihrer Che 80 K. monatlich als Alimente zugefprochen. Dieser Betrag wird ihr auch jetzt noch monatlich angewiesen, da ihre Klage auf Valorisierung in der Höhe von 806.000 K. monatlich vom Bezirksgericht Landstraße abgewiesen und, als das Landesgevicht das Urteil aushob nnd die Rechtssache neuerlich an das Bezirksgericht Vettvies, abermals von diesem Bezirksgerichte zurückgewiesen wurde. Das Äandesgericht hat nunmehr wieder das Urteil aufgehoben und eine neue Verhandlung beim Bezirksgericht an ge ordnet, nachdem der Klagevertreter auf das Gutachten deZ Obersten GerichtsHofes über die Valorisierung vom 8. März 1923 verwiesen hatte, wonach die Schnld, den Unterhalt zu leisten, keine GeldschM sei und die Vereinbarung des anständigen Unterhaltes nicht erfüllt sei, wenn die Frau sich jetzt alle sechseinhalb Jahre einmal einen Laib Brot dafür kaufen könne. Das Lanldesgerrcht hat in der Begründung erllärt, daß. im Falle das Uebeveinkommen als Alimentationsvertrag von den Parteien gewollt war, die Bezahlung eines Betrages von 80 K. eine VertragserMung nicht darftelle. Es ist nierkwüvdig, daß sich einige Gerichte noch immer nicht die klare Entscheidung des Obersten Gerichtshofes halten wollen, der klipp nnd klar ausgesprochen hat, daß Untechaltsbeiträge im Gegensatz zu Geldschulden valorisiert werden müssen. Jugendrichter? Ein 17jähriger Lehrling, der mit ausgeleserien Fahrscheinen der Elektrischen stchr, wurde zweimal hierbei ertappt. Da das Gericht nicht wußte, daß es sich in beiden Fällen um ein und dieselbe Person handle, wurden zwei Verhandlungen angeordnet. Bei der ersten wird der Lehrling, >der zur Verhandlung nicht erschienen war, weil er es nicht wagte, dem Lehrhevrn die Geschichte zu erzählen und sich frerzunehmen, vom Jugendrichter Oberlandesgerichtsrat Dr. Hietzler zu acht Tagen Arrest verurteilt, da die Stta-ftarto Vorstvcrsen answies, affe der MildevungZgrund der Unbescholtenheit nicht vor'lag. Einige Wochen später fand die zweite Berhandlung vor demselben Richter statt, der den abwesenden Angeklagten zu sechs Tagen verurteilte. Der elternlose Lehrling, der von dem Recht des Rechtsmittels nichts weiß, saß die Sttafe von sechs Tagen cvb und als or die acht Tage absitzen sollte, srug er zufällig einen Rechtsanioali, ob er einen Strafaufschub erhalten könnte. Bei dieser Gelegenheit stellte es sich heraus, daß der Bursche keine Vorstrafen hatte und sich die Vorstrafenkarte auf eine andere Peffon gleichen N a m e n 8 bezieht. Der Laie würde nun glauben, daß das Urteil umgestoßen werden muß, da es auf einem Irrtum beruht. So .gehen aber gelehrte Richter nicht vor. Das Jugendgericht allerdings beantragte die Milderung des Urteils, das Öberlandesgericyt dagegen hielt sich streng an den Buü-staben des Gesetzes und erklärte. Milderungsgründe können nur berücksichtigt werden,, wenn sie zur Zeit der Urteilsfällung nicht bekannt' waren. In diesem Falle waren sie^bekannt, da sie aus dean Akt zu entnehmen waren. Infolgedessen kann die betreffende Bestimmung des Gesetzes nicht angewendet werden. Man greift sich an den Kops, wenn man diese unsinnige AuffassAng eines akadeinisch gebildeten Menschen anhören muß! Das Oberlandesgericht trug nun dem Jugendgericht auf, sich darüber zu einigen,' ob ein Begnadigungsantrag d zu stellen fei. Der zuständige Jugendrichter Oberlandesgerichtsrat Dr. Hoffmann hat mm erklärt, daß ftu einer Begnadigung kein Grund vorhanden sei. Und solche Oberlandesgorichtsräte firitb Jugendrichter! Wer den Fall für unglaublich halt, kann beim Rechtsanwalt Dr. Hugo Eckstein Erkundigungen Anziehen. Die Generalproknrätur wird natürlich die Beschwerdewegen Verletzung des Gesetzes erhebeli müssen, auch kann der Bnndespräsident selbst ein an ihn gelangtes Begnadigungsgesuch entgegennehmen. Die Tatsache aber bleibt bestehen, daß österreichische höhere Richter Echildbürgerstückchen begehen und dabei eine Unkenntnis des Gesetzes verraten, die auch^ ein Richteramtskandidat ihnen Nachweisen kann. Der Fall ^igl deutlich, daß unser Jugendgericht eine Neu-belebung nötig hat, aber schon sehr dringend! 140 Mutetet breit sürPlljse-Me; .!! { l { )? i WttN.UADlER6ASae~'%

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