Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-03-25 · Heft 1835 (25.3.1924) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1835 (25.3.1924)
Date
1924-03-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980918--18302-3005360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wiener Morgerrzeiturrs« 28. DM wDk Iftxrwm Der Ausbau des Wische« Palöftiua. Ein Aufruf der zionistischen Krelutive. Die Zwrnstische Exekutive in London erläßt folgenden Aufruf: An die Zionisten! Die letzte Sitzung des Vlio-nskomitees in London, die soeben geschlossen wurde, hat zu einer erfreulichen Einigung über eine Reihe strittiger Fragen, die «unsere Belwegu-n-g lebhaft erregt Huben, geführt. Die Londoner Exekutive nivmmt nach dieser wichtigen Tagung ihre Arbeit wieder auf und appelliert an die zionistische OeffenÄichkeit, sie in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Ter Zeitabschnitt bis zur Jahreskorvferer^, der jetzt vor uns liegt, muß mit aller Kraft ausgenützt werden. In den Vereinigten Staaten von Amerika werden jetzt die stärksten Anstrengungen gemacht, um das a m c r i-! a li i f ch c Judentum zur aktiven Mithilfe am Werke der jüdischen Renaissance zu gewinnen. Wir erwarten auch in allen anderen Ländern, daß die zionistische Aktion unverzüglich in Angriff genonrmen wird. Als die zentrale zi-cnisbische Aufgabe im gesamten Aufbauplan betrachtet die Exekutive die Schaffung der ökonomischen Grundlagen unserer nationalen Heimstätte in Palästina. Dop gehört nicht nur Opfermut, nicht nur Äodrrld und Ansdauer, sondern auch ein klares Bewußtsein der Große und Schwierigkeit dieser beispiellosen Aufgabe und die Sammlung aller verfügbaren Kräfte. In dem Ziel müssen wir — über alle inneren Meinungsverschiedenheiten -hinweg — uns aufrichtig eins fühlen. Die politische Entwicklung — obwohl ihre Sicherung unsere stete und ernste Sorge sein muß — ist durch zionistische Arbeit in ihrem ersten Stadium zu ern«m gewissen Abschluß gebracht tuorden. Unsere Sache ist es, aus der politischen Formel eine lebendige Wirklichkeit p machen. Die politische Arbeit muß dauernd unsere Aushautätigkeit schützend -begleiten, aber sie muß auch, und dies invielfach erhöhtem Maß-e als bisher, in ihr eine Stütze finden. Wir Müssen uns stets vor Augen halten, daß unsere aufbauende Leistung eines der stärksten politischen Instrumente'bildet, über die wir verfügen. Oöffentliche Mittel des jüdische n Ba lk-es müssen den Weg bereiten und die große schöpferische Tat unserer C-haluzim ermöglichen: das ist der Sinn von Keren Kajemeth und Keren Hajessod. Außerdem aber sollen Juden mit ihren privaten. Mitteln nach Palästina gehen und sich dem werdenden WirkschaftSleben emsrdnm, die eigene Zukunft gleichzeitig mit der de» Gesamtheit sichernd: in diesem Sinne wollen wir jüdischen Unternehmungsgeist in Palästina anregen und -fördern. Wir find aus dem Wege, für IbeidS Arten ausbauender Tätigkeit die Unterstützung von finanziell starten jüdischen Kreisen p finden, die bisher abseits standen und sich jetzt beginnen, uinS p nähern und immer m-chr nähern «werden, je stärker unser Werk und die in Palästina sich ko-nzentÄerende jüdische Volks- -bewegung auf sie einwirken wird. Die Exekutive ist sich klar Wer den tiefen Zufammen- -ha-ng zwischen dem Aufbauwerk i-w Palästina und der lebendigen Kraft der jndischnationälen Idee in den Herzen der Mischen Massen. Darum betrachtet sie es als ihre vornehmste zionistische Pflicht, das Ideal unserer Vvlksbefreinng, das Ideal unserer nationalen und kulturellen Auferstehung mit aller Macht in das jüdische Volk p trägere, Las gerade in den Letzten Jahren eine besonders schwere Periode der Galubh durchlebt!hat. Die Exekutive gedenkt, die Propagandatätigkeit in verstärktem Maße wieder aufznnvhmen und bedarf -dazu der Hilfe aller Landes- und Sonderverbändc. Unsere, Zionistische Organisation, der Trag- und Grundpfeiler unserer nationalen Wiedergeburt, nmß groß und mächtig, widerstandsfähig und aktiv ns kräftig gernacht werden. Wir rufen alle Zic.rrist-en pr -Mitarbeit ans. Das Feld der Tätigkeil -ist so groß, daß wir jede einzelne Kraft und jeder: Menschen: brauchen. Eure Exekutive appelliert an euch, Zionisten, an die Arbeit $tt gehen. Stellt euch der Exekutive, stellt euch der Leitung der Landes- und Sonderverbände zur Verfügung! Die Verantwortung liegt auf euch genau so schwer wie auf der von euch gewählten Leitung. Es ist -cm gewaltiges Arbeitsgebiet, das die Exekutive. bis zur Jahreskonserenz zu bestellen 'hat, wo sie euch, wo aber auch Ihr der Exekutive Rechenschaft zu er statten 'haben werdet. An die Arbeit denn für -den Aufbau unseres nationalen Heimes, an die "Arbeit für Keren Kajemeth und Keren Hajessod, an die Arbeit für unsere kulturelle Renaissance und für die Verstärkung unserer Zion-istischen Organisation! London, 14. März 1924. Sokolow. C-owen Lipsiky. Seid» '4 Wien, Dienstag Re Rnthrnberg-Konzefsion vor dem Unterhaus. London, 21. März. (I. T. A.) Iin UntechauL fragte Mr. Becker den Kolonienminister, cfc Herr Ruthenberg das versprochene Geld Mhaltvn halbe, um die Konzession pr Elektrifizierung der Wasserkräfte in Palästina auszun-ützeu. Der Koloniennrimster Mr. I. H Thomas erwiderte: Gemäß den: Origirralabkoumden vom 21. September 1931 beschloß die palästimnsische Regierung, e.mer von Herrn Ruthenberg gebildeten Gesellschaft die Konzession p gewähren, vorausgesetzt daß die Gesellschaft mit einem Kapital von einer Million Pfund, von denen nicht tveniger als 200.000 Pfund omgazahlt sein sollten, gegrmvdu werden würde. Die frühere Regierung hat noch im vergangenen Jahre diese Bedingung als erfüllt anerkannt. Mr. Becker: Hat diese Gesellschaft über das ganze Kapital verfügt oder nur über diese 200.000 Pfund? Mr. Thomas: Ich habe bereits gesagt, daß die früher« Regierung sich davon überzeugt hat, daß die Bedingungen erfüllt waren. Aus i>ic Frage Mr. Beckers, wie sich die gegenwärtige Regierung zu der Frage verhalte, wurde keine Antwort erteilt. Sie persische Kammer lehnt die Republik ab. Einsetzung einer Regentschaft. London, 24. März. „Daily Mail" -meldet aus Teheran: Das Parlament 'hat -nach einer stürmischen Debatte, m die die Galerien wiederholt durch .Kundgebungen für die Dhnastie Eingriffen, den Beschluß gefaßt, von?)er Pr ollamierung der Republik klbstand zu nehmen. Es wurde beschlossen, den § ch a h <t 6 3 u s e tz e n, desien Sohn auf der: Thron p berufst: und zunächst einen Regenten p ernennen. Re Maßnahmen gegen dar mazedonische Aevolulionrkomitee. En, Bericht des Board of Deputies in London. Aus L o nd o it berichtet I. T. 21.: In der am 16. d. tkattgesuu denen Sitzung des Board of Dcputies legre Nr. O. F. d'Ävigdor Golds m i d den Bericht -des Joint Foreign Committee vor; aus diesem geht hervor, daß die i u l g a r i s ch e R e g, e r u n g in Verbindung mit den legen -die bulgarischen Juden ’ verübten Er- , r e ff ult g e n des mazedonischen Revolutionskomit-ees trenge Maßnahmen gegen das mazedonische -lomitec ergriffen .'hat. Tiefe hatten den Erfolg, daß ein keil der erpreßten Gelder znrückerstattet nurde. Her Mord an Sranto. Eins Peinliche Verhaftung. Budapest, 24. März. (Tel. der ,Wiener Morgen-- eilung".) -Szanto, dessen Leichnam vor einiger Zeit aus ier Donau gezogen wurde, hat bald nach der Behauptung »er Behörden, daß es sich zweifellos um einen Selbstmord wndle, eine Wandung genommen, welche die Behörden, lügen straf:. Wie „A Vilag" meldet, wurde nämlich in siancsova (Jugoslawisches Banal) von der dortigen Polizei jener einbeinige Invalide Arpa-d B a rt h a eruiert, »er sich seinerzeit, knapp nach dem Verschwinden Direktor ^zanws, bei desien Gattin meldete und angab, er habe szanto im- Mi!itärgesängnis am Margarere n r i g als Häftling gesehen. Die Pancsovaer Polizei jat die Budapester Oberstadthauptmannschasi von der berhostung Barthas offiziell verständigt. Die Budapester Behörden werden also in der Lage sein, ren seit langem gesuchten Invaliden Bartha als Z e u- }on vorzuladen und über seine angebliche Begeg« inng mir Direktor Szanto im' Militärgefängnis p verlören. - Las tznde des tzrwachendrn Sberstnhirichters. Budapest, 23. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.) Ter Oberstuhlrichter von Knnszemmiklos Ludwig Fö : st e r ist Samstag nach dreitägiger .Krankheit an Flecktyphus gestorben. Mit Förster schwindet einer der gefährlichsten und verbissensten Exponenten des antisemitischen christlich-nationalen Kurses <mrer dam Regime Horrhys. Oberftuhlrichter Förster war in seinem Verwallungsgebiet allrinherrschender Pascha, der sich mächtiger erwies als die Regierung, von der er nur formell abhängig war. In seinen Machtbereich fallen auch di- Gemeinden Jzsak ivsw., die durch die Ermordung und Vertreibung der Juden zu traurigen Ruhm gelangt sind. Ms Förster Oberstuhlrichter wurde, verdankte er dies seiner rücksichislvjen Judenfeindlichke.it, weil es damals in der Politik der Horthy-Regierung lag, die Landbevölkerung gegen die Inden aufzuistacheln. Als dann später die ungarische Regierung durch den Probest und das Mißtrauen des Auslandes gezwungen war, den amtlichen Antisemitismus ihrer Organe zu dämpfen, widerfetzte sich Oberftnhlrichter Förster den Befchlen und führte die Aufträge der Regierung, zum Beispiel bezüglich der Heimkehr der vertriebenen Juden von Jzscck, nicht aus und ließ die Juden nicht prückkehren. Förster ging sogar so weit, daß er in Bersammlunge-n und Zsitungsartikeln gegen die Regierung Stellung nahm. In der ungarischen Nationalversammlung benützte die -Opposition sein Verhalten ju Angriffen auf die Regierung, die sich ihrer „Fanghunde" wv* mehr selbst.nicht zu erwe-hren vernlögr. Der damalige Innere minister Graf Klebelsberg srisperldürte Förster von seinem Amt, dieser im,werte sich jedoch we^ig um die Maßregeln, derblisb in seinem Anrt und r.ahn, die Glückwüiische und dir SympathielMvgebungen >des Vevbarwes der Erwachende« .Upgayr Wd fafctm. rrHenschützleMchiw OrArntza-- tionen. wie ein Üngekronter Mrig' entgegen. Er "blieb auch fernerhin in sei-nemlAmt NiÄ^errfchte Nach den'Moralgesetzm der Erwachmden Ungarn, bis ihn der Flecktyphus, eine -Folge seiner eigenen Herrschaft, ans seinem unwürdigen Loben herausriß. In dem ganzen Macht gebiet Försters gibt es schon fast keinen einzigen jüdischen Arzt, nud die nichtjüdischen Aerzte, lau der Kreaturen des chriMchmationalen Kurses, sind sogenannte „Schuellfiedcrärzte", über die der Oberstadtphysikus von Budapest Dr. Ve gh erst vor wenigen Tagen das vernichtende Uttei-l fällte, daß sic mich nicht'einen blassen Dunst von Medizin haben und eine ständige Gefahr für die Bevölkerung, auf welche sie losgelassen wurden, bilden. So wurde gerade die . Umgebung von Budapest und in heworrLgender Weist der von Förster beherrschte Bezirk ein Seuchenherd, von den: der Flecktyphus ausging und schließlich auch den hinwegraffte, de: zu den Harptschuldigen an diesen gemeingefährlichen Zuständen gchörbe. Das tägliche Duell in Ungarn. Budapest, 24. März. Zwischen dem ehemaligen Polizeipräsidenten Mattyas o v s z k h und dem Grafen Emmerich Ä a r -o l y i wurde -heute ein Säbelduc-ll ausgefochten, bei -dem MattyfovLzky am Kopf und am Arm Verletzungen erlitt. Dü Gegner schieden unversöhnt. Pole« «nd Rnsiiand. Warschan, 24. März. (Polnische Tclegraphcuaoe utur.) Die polnisch-russischen -kommisiioncllen Verhandlungen zum Mschluß von Kon s u l a r f p u r e ntionen haben gestern in Moskau -begonnen. Znländ. Ae HandelrvertragsverhovdlMge«. Salzburg, 24. März. In einer Parteivevsammlung teilte Bundesminister Dr. Schürff mit, daß am 7. April dü Ha•»* delsvertragsverhandlun-gen mit D « u 1 s ch- . land beginnen werden. Noch hu Juni dieses Jahres würden die BerhaMunigen mit Polen eröffnet werden und bereits am 27. d. würden-dic t sch e cho-slowaki scheu Unterhändler zur Rsgelun-g' des Warenaustausches zwischen Oesterreich und der Dschecho-Slowakei in Wien Eintreffen. Die Verhandlungen mit Jugoslawien und Ungarn tv-ürden beginnen, sbbald diese Staaten ihre neuen Zolltarife er- ' ledigt haben. Was die Jndustrü Oesterreichs anlangt, führte der Minister aus, erwäge er eine Aktion, die unserer Export industric, insbesondere fiir die Ausfuhr ins Ausland, billigere. Kredite verschaffen solle. Ne r«sM-r«M«lsche« Brrhandlunge« i« Me». Die Eröffnung d-^r russisch-rumänifchen Ko-irferenz hat em« Verzögerung erfahret:. Die Mitglieder -der russischen Wegatiqa, sind ertz Samswg -nachts m Wstn eiMtro-Ueu. .Gestern: voMsttags.statstte die ru-Mche Delegation. mster . Führung K r e st >em s k i s. in: AnßennnnP'eMW.Wen.Be-J" such wb. Die russische Deügaüon -besteht aus Krestensjr,. (Berliner Bosichaster), dem Wiener Vertreter Lewieki / und den Herren Lorenz und Serebriakow. Die Verhandlungen dürften morgen -beginnen. Das '. Beratungsprogramm steht noch nicht fast. Bundesmiwister Dr. Grün'berger -wird in seiner Eigervschast als Gastgeber eine einleitende Ansprache halten. Die österreichisch-rumänischen Verhandlungen. Bukarest, 24. März. (Orient Radio.) Eim unter der Führung des MiniMs für die Bukowina, Ni stör stehende rumänische Abordnung ist heute nach W i e n abgereist um dort über die zjivi.schen Oesterreich und Rumänien schwebende Fragen p vevhan-deln. Ser italienische Gesandte. Der zum Botschafter von Brüssel ernannte bischerige Wiener Gesandte Lnca Orsini-Baro n i-ist nach Rorn abgereist und wird nach einiger Zeit nach Wien zurückkehren, von wo er sich auf seinen neuen Posten begeben wird. Der Nachfolger Orsinis in Wien, Chiaramonte Bordonaro, ist bereits in Wien eingetvoffen und hat die Leitung der Gesandtschaft übernommen. Sesterreichisch-bulgarischer Rechtshilfedeürag. Sofia, 23. März. (Tel. der „Wiener Morgeuztg.") Das Sobranje ratifizierte .den zwischen Bulgarien und Q e st e r r e -i ch abgeschlossenen Rechtshilfedertrag, weiter das in Lausanne Unterzeichnete U-ebereinkommew betreffend das Meerengenregime und Bulgariens thrazische Grenze, und schließlich den Naturaliisicrungsvertrag zwischen Bulgarien und Arnerita. Ungarns Kunstforderunge«. llit-mittelkr nach ider Unterfertiguug de's Vertrages von Triano-n hat die ungarische Regierung sehr umsanzu reiche Fordernttgen an!den österreichischen, Kunstbcsitz erhoben, die nach langwierigen Verhandlungen in einem Meinovandun, züsammen>gesaßt -wurden. Nunmehr wird das durch den Vertrag von Saint-Germain vorgesehene Komitee der Juri st c n in Paris die Angelegeicheit zu prüfe,:, und nach dessen Schiedsspruch die Reparatio-nswrnmission -das Urteil p fällen haben. Bekanntlich ist durch!das gleich-e Verfahren in: Feibruar 1922 die 'belgische Forderung aus den Schatz des Gol-denen Vlieses u.nd -den Jldefonsaltar vo-n Rubens sow-ie den -burguindischen Ornat, weiter im Dezember-1923 die Au-slieseru,^ >der von der Tschecho-Slowakei ange-forderten Künstgegenstände aus - österreichischem Besitz äbgrwlesen worden. Die von Ungarn, ursprünglich ausgestellte Liste umfaßte nicht welliger als die- Hälfte des g-esamlen öst-erreichischen Kunstbcsihes, lvurde jedoch im Lause d> . V u.cc.halldlunaeu erheblich eingeschränkt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.