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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-25 · Heft 1835 (25.3.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1835 (25.3.1924)
Date
1924-03-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Dienstag Verständigungsbercitschafr zeigt. Bon dieser Seite ist für Deutschland noch niemals etwas Gutes gekommen und der Passive Widerstand, den die patriotischen Hinterlandsmilliardäre so gerne Zinn aktiven hätten ausgestaltet gesehen, ist der Beginn einer Wendung gewesen, die ihnen lediglich materiellen Verdienstentgaug, den Arbeitern und dem Reich aber eine'neue Welle der Not brachte. Sie ahnen jetzt weitere ■ Rückschläge ihrer .Hetzpolitik, und dies ans einem Gebiet, auf dom sie sehr empfindlich sind. Daß sie sich setzt bereit erklären, noch vor dem Ablauf der Stinnesschen Micumverträge eine direkte Regelung mit Frankreich zu suchen, gibt zu denken. Sie hoffen, daß ihnen die Rechtswahlen den Sieg/und die Macht bringen werden, damit sic dann jeden Widerstand mit ihren bewaffneten Heerhaufen Niederschlagen und die Auspowerung des Reiches frei von jeder lästigen „jüdischen" Kritik betreiben können.. Ile Minoritäten.in der Türkei. Dir Abschaffung des Grotzrabbinats und der Patriarchate, in der Türkei. Di« radikalen demokratischen Reformen der Nationalversammlung in Angora unterdrücken das Patriarchat und das Großrabbinat. Damit droht mit der legalen, ^cistenz der,Medschliß Umumi", der jüdischen Generalberstunmlung und des Koniststorialrates wahrscheinlich auch deren öffenftich-vechtlicher Wert verloren zu gehen. Die gegenwärtigen.Verhältnisse in der Türkei erfordern e-ber dringend eine spezielle. Beriretungsföcherschäft der J u-, dem Uebergriffe der niederen Behörden und kleiner politischer Machthaber fte-hen sicher nicht in prinzipieller lleber-- einstimmung mit den offiziellen Intentionen der Führer, der. Nationalversammlung in Angora, .aber sie sind auf der Tagesordnung. Wenn türkische Kausleute. die zum Einkäufe nach Konftautinopel, Smyrna fahren, kontrolliert, werden,, ob' sie nur bei gut rassigen Türken, eingekauft haben, so entsteht daraus eine ernstliche Gefahr für die wirtschaftliche Existenz dieser Kaufte ute und. sie wendet sich insbesondere. gegen den jüdischen Handel. Es ist verständlich, daß der demokratische Geist nicht gleich auf jedes Polizei- und D'lürnistengemüt aus der haMdischen-Zeit.übergeht. Es ist daher eine'absolute Not-' Wendigkeit.- daß «me o f f i z i e l l e .L a i e n v e. r t r e t u n g der. itichstiürkisch.eit Elemente von.der Ratio-; nalversanrmlung in Angora zugestanden werde. - Durch die. Abtvanderung der Griechen und Armenier in Snchrnä qt; zumindest ein Drittel der Bevölkerung jüdisch. Es wäre darum in der demokratischen Türkei notwendig, daß dieses - Drittel in der Stadtverwaltung vertreten sei. In diesem Falle könnten die jüdischen Mandatare..natürlich ht. bk Lage komrrprH den WnM/MtMionarM- 'W4. Ausübung ihrer Machtbefugnisse aus die Finger zu sehen. Tie Intelligenz der Juden würde aber sicher auch den betreffenden Verwaltungen zugute kommen. .. .' , Es 'ist höchste Zeit/ 'daß der Völkerbund..sich mn< die M iuor -it ä t e n in der Türkei kümmert und den Mi- - noritäteiÄau/seln des Friedensdertrages Geltung Vershasst. Die Minoritäten in der Türkei können ihre Stimmen, nicht erheben, weil dies auch lebensgefährlich sein kann, ohne der Situation zu steuern/ Es muß deshalb rechtzeitig dafür' gesorgt-werden, daß/die Leiter ' der - NütioMMrsmnm'lungs räschestens - Remedur - schaffen ' und /Sicherheit s des'Lebens', des Eigentums'und der Arbeit jedes BüMrs' sicherstelten. Es 'wäre dies nichts'als die Anerkennung Ui Loyalität, die die jüdische Bevölkerung der Türkei in schwerer^ Zeit bewiesen hat, wenn die türkische' Regierung. dortinterveniert. Reformen in der' Türkei.' Paris,' 2t. Marz'. (Mölff.) Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne"'aus',Kenstäntinopel hat die National--, versammlurtg in Angora gestern den'Frauen -das Stimmrecht gewährt. Wie das Blatt weiter aus''Konsiantiüopel 'berichtet, werde das Alkoholverbot demnächst ausgehoben werden. Bier'und.Wein'dürfen" bereits wieder' verkauft' werden. Die BranntweindeMlatidn'werde von der Re-' gierung kontrolliert werden. Nach einer'Erklärung des Frnanzminister fei die Regierung im Begriffe das Mkcholrnonopol einzuführen. ■ . /•" Hussein an Pa'WnN nicht interessiert? Ueber Sir .Herbert Samuels Besuch bei König Hussein in Amman -schreibtder „Manchester Guardian": ■ „Politisches scheint sehr wenig diskutiert" worden ZU siin,. und tatsächlich hat die palästinensische Regierung schwerlich die Macht und noch weniger den Wunsch, sich mit König Hussein in längere Verhandlungen über politische Fragen einzulassen. Es scheint, daß das Kolonial- - amt eine dahingehende Entscheidung-. erreicht hat, daß Transjordanien unter' den Einfluß Palästinas gestellt wird, wodurch der britische Vertreter i n - A m man Beamter der palästinensischen Regierung würde und dem High Commissioner von Palästina. unterstellt wäre. Es wird verstanden,-daß dieses- Arrangement den Anlaß zum Rücktritt Mr. Philbhs, desbritischen Vertreters in Amman, bildete. Mr. Philby ist. ein Gegner aller Mandate über arabische Territorien und verlangt auf jeden Fall, . daß der britische Vertreter in. Amman nur dem Staatssekretär der Kolonien direkt verantwortlich ist." Das Blatt fährt weiter fort: „Es ist klar,- daß K ö n i g Hussein kein besonderes Jnt.ercsse an Palästina nimmt, und daß er, wenn die Parteiführer in Palästina es ihm nur erlauben würden, sich beeilen würde, in dieser Beziehung allen W ü n s ch«it der britische« Regirru ng mtgvge-nzukommey." (ZÄo.) Wiener: Morgenzettung._W. Mürz 1924 M Die Plaidoyers im Hitler-Prozeß. Ae LollssvMrönM widerspricht der christliche« Staatsanfsassung. - Kahr, Attator vm Satter Suaden. — Ausschluß der Lestenttichlrit. München, 24. Mörz. Der 21. VechanAlungstag wird eingebettet durch das Plaidoycr des zweite.,: Verteidigers dcS Angeklagten Webe r, des Rechtsanwaltes Dr. Meyer (Mürzburg), der sich zur Aufgabe setzt, die Theorie von der gelungenen Revolution zu entkräften. Der vorliegende Fall sei der erste und entscheidende, weil die Richter darüber zu urteilen haben, ob aus Unrecht und Verrat Recht worden könne. Tie Idee, daß sich die Rechtmätzigkeit der Weimarer Verfassung aus die Bolkssouveränität gründe, widerspreche jeder christlichen Staatsauffaissung. Die AnigMagten hätten nicht die Absicht gehabt, eine Verfassung zu ändern, sondern nur bestimmte Maßregeln herbei zuführen. Daß sie die Diktatur wollten, könne nicht strafbar fein, weil ja auch unter der Weimarer Verfassung die Diktatur eingeführt worden sei. Die Angeklagten wollten nichts anderes, als mit den legalen Machtmitteln eines Bundesstaates in die Reichsgeschicke eingreisen. Es habe noch keine Revolution gegeben, die nichts durch einen. Staats- . streich.beende: worden wäre, und dioü Revolution werde davon - ' keine Ausnahme machen. Zum föderalistischen Gedanken, bemerke Tr. Meycr, Bayerns Tradition sei, dem Reiche die Sturmfahue vorrmzrrtragsn, die cs sich nicht aus der Hand schlagen lassen dürfe. Weiter legte der.Verteidiger dar, daß die Angeklagten nicht die Wei- - marcr Verfassung, sondern nur die Reichsregrerung andern wollten, und betont, daß Kahr nach feiner eigenen Aeußerung Diktator v o. n G o i 1c§ Gnaden war und daß. ihm die ganze vollziehende Gewalt übertragen wurde. Im übrigen habe Dr. Weber von der Absetzung der Regierung vorher nichts ' gewußt. /Der-Verteidiger des Angeklagten Kriebel, Rechtsanwalt Tr. Gabe mann, erklärt, der Gang der Verhandlung habe bewiesen, das; kein Makel an der. Person seines Mandanten haste. Der.Verteidiger kommt dann auf die Tätigkeit Knebels bei der Einwohnerwehr und der Orge/s.ch zu sprechen,wobei er.als Soldat sich gutgläubig »trotz mehrfacher: Enttäuschungen für die- Kahrsche Politik habe einspanüe'n : lassen. Redner weist die Behauptung der Anklageschrift Zuruch daß Krivbel die Oberleitung des K-ampsbundes -gehabt häbe. Kri'sbel sei mtr . '. der mMarische Berater Hitlers 'gewesen'-itrch'habe'als solcher nur Hitlers Entschlüsse und i Wäüe' in die Tat' ü-mgeieht? Der Derterdiger bittet dam:,' für den weiteren Teil seines Plaidoyers die Oessentlichkeit aüs zu sch ließen.' .Das Gericht beschließt den Ausschluß der Oesfemtlichkeit, ttwraus der Saal geräumt wird. - Cs-fei eine ergeniümiliche Erscheinung in diesem Prozeß, daß die drei Kronzeugen sich an nichts mehr erinnern können. Weim überhaupt von einem gewaltsamen Vorgehen gesprochen werden könne, so könnte-dieses vielleicht verfassungswidrig gewesen sein, aber niemals ein Hochverrat. Als weiteres Moment komme noch die Notwehr gegenüber der Reichsregrerung in Betracht, die mindestens fahrlässig das deutsche Volk in größte Not gebracht' habe.' Es liege auch keine als hochverräterisches Unternehmen vorbereitete Handlung vor.' " .- - ' Der zweite Staatsanwalt erklärt, es'sei behauptet wor-- ..dem, daß in geschlossener Sitzung der Waffengang nach Norden nachgewiesen -worden fei. Nach der Auffassung der Staatsanwaltschaft sei -ein derartiger Nachweis weder in äffentlichei, noch in geschlossener. Sitzung erbracht worden, schon deshalb nicht, weil ein großer Teil der Zeugen gar nicht vernommen worden sei. Nicht 8, nicht 14, sondern 2SCS6 billige Tage bei L Trattnerhof Nr. 2 Am Nachmittag spricht der Verteidiger Poehners Rechtsanwalt Dr. Hemmeter, der auM)rt:'Die AngL klagten konnten aus den Ereignissen sek Errichtunig de! Geweralstaatskommissariats keinen anderen Schbuß ziehen al! den, Kahr, Lvssow und Sc iss er seien entschlossen, dii deutsche Frage ... im Msmarckscheu Sinne zu lösen. Diesen Schluß halbe auch Poehner gezogen. Gt halbe von Anfang an der Wahrheit restlos die Ehre gegeben Pochner sei cs llar gewesen, daß Kchr nur immer aus dal Sprungbrett und den Anstoß von außett wartete. Es müsß seftgesiellt werden, daß Poehwrr am 9.' November, morgens nichts von dem bskannt war, was in den Tag-en des 6. uns 7. Novenrlber zwilchen Kchr und den Herren des Kampfbunde! sowie Lossow und Seisser gesprochen wurde. Pochner mußt! sich daher in dem Glauben befinden, daß sich an dem Entschluß Kahrs, nach Berlin zu marschieren, im Sinn, einer ma ch tpolitischen Lösung nichts geändert habe Es sei ein Treubruch Kahrs an seinem langjährigen We-ggenossen Poehner verübt worden Poehner sei nicht nur stets ein Muster von einem Ofstsic: gewesen, er habe sich auch immer als alter deutschem R i ch t e r bewahrt. Der zweite Verteidiger Pochners, Rechtsanwalt Rh oder, führte an, der größte Teil des deutschen Vylikc! und nahezu alle einsichtigen Persönlichkeiten seien eörmütig der Aw.'chauuttg gewesen, daß gegen die Mißachtung der Staats. ' zwecke und gegen die verfehlte Politik der Reichs, r egi e rung e i n geschrit t c n werden inüßte. Die drei Herren wollten nach ihren Erklärungen ledigtiZi einen sogenannten trockenen Putsch ... nwchen. In der bayrischen „Stäatszeitu ng" sä., über Zu lesen, daß sie keinen trockenen Putsch machen wollten Was sei denn jetzt wahr? Nach dem, tvas in der „Staatszeitung" zu finden sei, komme er zu der Auffassung,'daß'dst bayrische Volkspartei und das GesaMtstoatsministe»' r i u m den G e n e r a l k o m m i s s ä r überhaupt nur zu dem Zweck bestellt haben, um den Kamps .gegen Be-rlin- und die Weimarer Verfassung aufAtnehnren. Dic „Staatszeitung" scheine damals selbst angenommen zu haben, daß Kahr markiere. Wenn cs Kchr geduldet habe, daß er von den'Verbänden al> „Diktator" bezeichnet wurde, so müsse man auch diese Meff.- nung jetzt gelten lassen. Der Verteidiger führte dann noch ein.?... Reihe tveiterer Nummern der „Staatszeitung" und Artikel, cuv aus denen hervorgcht, daß auch andere Kreise als die der Au-, geklagten der Meinung waren, daß Kahr, gewaltsam . gegen Berlin marschieren wolle. Der Staats.- rat habe sich aus den gleichen Standpunkt gestellt wie - Kahr. Der bayrische JiuftiMinister Dr. Gürtler habe.in dieser Sitzung gegen diese Worte keinen Widerspruch echoben, also den gepredigten Marsch nach Berlin gebilligt. Pochner -habe eine Bekämpfung dev Berliner Männer für ge-rechtsertigt erachtet. Zum Schluß beantragte der Verteidiger. die Freisprechung Pochners. Staatsanwalt Stcnglein protestiert .entschieden. gegen die Bchauptung, daß der bayrische Iustizminister zum Marsch nach Berlin ausgefordert halbe. Hiermf wird die Sitzung auf Dienstag ve-rtagi. Die U»iers«ch»«S gegen Kchr ^gestellt. Berlin, 24. März. Wie der „Welt an: Montag" -Ms -München gemeldet wird, ist das ErmMungsverfchren gegen ,Dr. Kahr eingestellt worden. Hörden verlangt. Einmal müssen diese Fordes rungen z it einem konkreten Resultat führen. Es ist aber noch nicht sicher, ob diese Fragen ganz offen in der Ansprache berührt werden, da solchem offiziellem Kundgebungen eine larrge diplomatische Arbeit voramszugehen Pflegt. Jedenfalls ist es aus tausend Symptomen klar, daß sich etwas Entscheidendes im Vatikan vorbereitet. Die Ansprache des Papstes im Konsistoeiru' I. Trattnerhof Nr. 2 . -Aus Rom berichtet I. T. A.: Am 24. März wird in Nom das geheime Konsistorium stattfinden, bei dessen Eröffnung der Papst eine Ansprache halten, wird. Der gut 'informierte vatikanische Berichterstatter der „Stampa" schreibt in bezug auf diese Ansprache: „D.re i Fragen sind es, die in diesem Augenblick den Vatikan vor allem beschäftigen — die mögliche Annäherun-g der engli sch en Christen an Rom, -der eventuelle Ko n tn it m i t bei* slawischen Orthob oxie und die Politisch - reIi;ii öse Lage der Heiliger: Stätte n. Diese dritte Frage wird jeden Tag wichtiger und ernster, so daß sic utmufhörliche Aeuße- KWiget; jpb FordevunM je-iteM ty* PW Rom, 24. März. (Stefan:.) In dem heute a'bgehalie'.icgeheimen Konsistorium, in dem die Erzbischöfe boi; Chicago und N e w-I ork zu Kardinälen erna-mi wurden, hielt der Papst eine Ansprache, .in der er auchwr die Verihältnisse in Italien zu sprechen kam. Er sprach siü- Freude über die Wiederanbringung des Kruzifixes in de-. Schulzrmmern aus, ebenso wie uiber die W-iederzulassuu/ von Ordensgeistlichen zum Unterricht, die Aushebung der Gesetze, die die frommen Stiftungen bedrohten umd die wirtschaftliche Besseristellumg des Klerus und dessen Enthebung von: Militärdienst. Gleichwohl -länm aber die Kirche n i ch t a u s i h r Recht verzichten^ in Angelege::- heiten, die zu ihrem R e ch t s k r e: s gehören, Ver^ fügungen zu treffen urvd betrachte deshalb die gemachter: Zugeständnisse nur als eine teilweiseWiedev' h e r st e >l l u n g. Zum Schlüsse erklärte der Heilige Vater, daß -er der Abhaltu-ng des ersten ökurn-eni'scher: Konzils m China mit -Freuden entgegensehe. iyy...».l '>

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