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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-23 · Heft 1833 (23.3.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1833 (23.3.1924)
Date
1924-03-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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©eite 6 Wien, Sonntest Straßenblchnerstreik in Londons London, 21. März. (Reuter.) Ter A u s sr a n d der dem allgenremen Transportarbeiterverband angehörenden Su-aßenbahn- und Ommbusangestellten hat um Mitternacku begonnen. Der Streik umfaßt 15.000 Straßenbahner und 25.'.0ü Äutobnsteuie. Bei den Lokomotivführern zeigt sich Ncoung zu einem Sympathiestreik. — Die Verhandlungen zwischen den Dockarbeitern und den Werftbesitzern sind bisher ohne Ergebnis geblieben. Die Unternehmer drohen die? Zerrung von insgesamt 100.000 Arbeitern an. Das Pogromarchiv. Der Verein Ostjüdisches historisches Archiv in Berlin veröffentlicht einen Ausruf an die gesamte jüdische Ocffcmlichkeit, durch Geldspenden die Herausgabe der Poaromrna erialien aus Rußland und der Ukraine zu ermöglichen, um auf diese Weise den Opfern ein Denkmal zu setzen In dem Aars« ruf heißt es unter anderem: Bor fünf Jahren wunde durch jüdischgesellschaftliche Kreise in Kiew ein Kollegium gegründet, das sich die Sammlung der Materialien, über die damals vor sich gegangene ungeheure Pogromwelle, die unzählige jüdrche Opfer gefordert hat, zur Aufgabe gestellt hat. Das Archiv wuchs zu einem ungeheuren Material an. Es sind viele tausende Protokolle und Zeugenaussagen der direkten Opfer sowie offizielle Berichte, Gedenkbücher (Pinkes) der jüdischen Gemeinden, Verzeichnisse der Getöteten, Photographien, Filme usw. Das Archiv wurde nach Berlin gebracht, wo sich eine Gruppe Geschichtsforscher und Schriftsteller die Herausgabe desselben zum Ziel gesetzt hatte. Bis jetzt konnte jedoch bloß der erste E'.nleitungsband in jüdischer und russischer Spreche herausgegeben worden, während mehrere weitere Bände der Veröffentlichung harren. Gegenwärtig befindet sich das Archiv und die Verlaasabterlung in einer sehr kritischen finanziellen Lage. Obwohl die weiteren Bände in der Handschrift sertiggestellt sind, besteht keine Möglichkeit, sie zu drucken. Die Materialien über die Pogrome Petljuras, Denikins, der „Powstanzes", das namentliche Verzeichnis der Getöteten sowie die Materialien über jüdischen Selbstschutz — all das müßte nun verloren gehen, sobald sich das Archiv auflösen muß. Der Verein Oftjüdisches historisches Archiv wendet sich nun an die Presse, die jüdischen Gemeinden und Organisationen in den verschiedenen Ländern sowie an Privatpersonen, dieses wichtige kulturelle Unternehmen vor dem Untergang -zu bewahren und es zu ermöglichen, daß das historische Werk mindestens in jüdischer und russischer Sprache erscheinen kann. Es wäre von großem Nutzen, wenn es auch in Hebräisch sowie in einer der westeuropäischen Sprachen erscheinen könnte. Unterschrieben ist der Ausruf dorr Eh. N. Bialik, D. Bevgelson, Ben-Adir, I. G. Grünbau-m, N. Gorge!, Sch. Dubnow, Dr. Ch. Schitlowsky, M. Silberfavb, A. Tscherikower, I. Teitel, W. Latzki, I. Leschzinskh, Dr. M. Soloweitschik, M. Kreinin, N. Stis, Tr. I. Schachtmann, Tr. I. Schipper. (I. T. A.) Der Amtsschimmel im Wvhimngsvmt. Jüngst wurde ich um 11 Uhr nachts von einer ungefähr 60jährigen Frau der besseren Stände auf der Straße ang-esprochen. Ich bin ein großer Freund dor Weiblichkeit, aber für alte Frarren habe ich keine besondere Schwäche. Ich mußte sie aber doch notgedrungen anhören, sie jammerte — und forderte gleichzeitig Unterstützung, da ihr Fäll noch nicht dagewesen war. Dabei war ihre Angelegenheit eine ganz alltägliche, gewöhnliche. Sie war obdachlos geworden, da der Gatte ihrer Freundin, bei der sie bisher umsonst wohnte, erklärt hatte, es sei unmöglich, den kleinen Raum noch mit einer dritten Person zu teilen. Die Frau stand nun buchstäblich aus der Straße — mit 20.000 K. Bargeld. In einem solchen Fall gibt man der Frau ein paar Kronen, besonders wenn sie unsympathisch, zanksüchtig, eigensinnig und von rückschrittlicher Gesinnung erscheint, und läßt sie stehen, Ich versuchte es diesmal, zu Helsen, und muß gestehen: Der Versuch ist bisher mißlungen. Er hat mich jedoch mit einem Uebelstand im Wohnnngsamt bekannt gemacht, der der Oefsentlichkeit nicht vorent-halten werden soll, zumal gerade derartige Dinge leicht beseitigt werden können. Am nächsten Morgen sprach ich mit dem Sekretär des Wohnungsamtes Herrn Hentschl, der allerdings nicht viel Hoffnungen machen konnte, sich aber entgegenkommend zeigte. Die Frau G. erschien bei ihm und er zeigte, wie ich gehofft hatte, Interesse für' den bedauerlichen Fall, der leide-r einer von vielen gleichartigen in Wien ist. Er wies sie an einen Beamten des Wohnungsamtes, der die Anmeldung durchzuführen und die Qualifikation auszustellen hatte. Und jetzt griff der Amtsschimmel ein. Die Frau ist in Wien gehören, nach Wien zuständig, seit ZV Jahren in Wien wohnhaft und delogiert. Sie «ist obdachlos. Aussicht, eine Wohnung oder ein Zimmer zu Punkte zugesprochen werden, wobei z. B. das Wiener Heiechalten, haben bloß Personen, denen mindestens zehn watsvecht mit einem Punkt und die gerichtliche, rechtskräftige, nicht selbst bewirkte Kündigung mit fünf Punkten bewertet wird. Es wäre nun anzunchmen, daß die Delogierung der gerichtlichen Kündigung gleichgestellt wird. In unserem Falle wurden der Frau sieben Punkte zuerkannt, das heißt die Qualifikationsliste 2, wonach sie auch in 100 Jahren «jemals eine Wohnung von Wohnungsamt erhalten kann. Der betreffende Beamte hat also rem bürokratisch die Einreihung vorgenommen, ohne zu beachten, daß eine auf die Straße gefttzte Person, die nachts von dem Hause der einen Bekannten zu dem der anderen wandert — ohne Erfolg —, nicht nach Muster 2 zu behandeln ist. Es ist zu hoffen, daß Sekretär Hentschl oder Stadtrat Weber diesen Jrriirnr reüifizvereu werden, da beide Kr Wm *jj$t jM.K $t _Wiener Morgenzettmrg._ r.:: i y aufsasscu. Aber wie viele solcher und noch gröberer ’ Fehler haben sich ereignet, ohne 'daß das Augenmerk hieraus gerichtet wurde. Woran liegt es, daß das Wohnungsamt keinen guten Ruf hat und immer wieder Beschwerden teilt werden. Es ist wahr, daß man es nicht allen recht machen kann und es wä'e lächerlich, das Wohnungsamt an und für sich onzuklagen. Der Fehler liegt im System. Das Wohnungswesen wird von Beamten geführt, die nur die bureaukratische Arbeit kennen, und unter ihnen scheint es solche zu geben, die keinen Sinn kür Leb"nsforderungen besitzen, sondern reine Aktenmenschen sind. Daran wird auch Stadl rat Weber nichts ändern, so lange ec nicht auch Vertreter der Mieterinteressen im Wohnungsamt Mitarbeiten läßt. Ich erinnere mich an einen Fall, wo der Zuweisungsöeamle für den 1. Bezirk, Fischer, sich weigerte, e'ne Wohnung mit Zimmer und Küche einem Ehepaar zu übergeben, obwohl die Zuweisung von der Leitung des Wohnungsamtes schon längst schriftlich ausgefertigt war. Er meinte, diese Wohnung sei für ein junges Ehepaar zu groß! Dagegen Hane er keinen Einspruch erhoben, als eine Fabrikantenswitwe, die in der Rathausstraße eine Sechszimmerwohnung besitzt, noch die anstoßende Sechszimmerwohnung im Nachbaihause dazu nahm, indem sie mit Bewilligung des Hausherrn die Berbindungsmauer entfernen ließ. Der damalige Wohnungskommissär erklärte, daß eine Wohnung vorlieg« (mit zwei Eingängen in verschiedenen Häusern, zwei Küchen, zwei Vorzimmern usw.) und für ein« Ablösungssumme von — ich glaube — zwei Millionen war die Sache erledigt. Eine alleinstehende Wnwe hat im 1. Bezirk ein ganzes Stockwerk zur Verfügung und behält diese Wohnung trotz Anzeigen und Beschwerden. Vielleicht hat sie drei Millionen Ablöse, gezahlt. Ihr Bruder erzählte, er sei mit den führenden Persönlichkeiten bekannt. Wir glauben zwar nicht an diesen Einfluß von Visitkartenbekanntschasten, aber Tatsache ist, daß ein gleichgültiger Wohnungkommissär oder ein nur buraaukratisch arbeitender Beamter so ^as Wohnungsamt in Mißkredit bringt, was unberechtigt erscheint, da die überwiegende Mehrzahl der Beamten dieses Amtes wirklich gut arbeitet und die gerügten Fehter immer nur von einer geringen Zahl meist ungebildeter oder eigensinniger Beamten ausgehen. Wir haben in Wien ungefähr 800 obdachlose Familien, die in Eisenbahnwagen, in lleberbelag, Barackm usw. wohnen. Hier gibt es nur eine Abhilfe: Im Wohnungsamt jc'-Uft wäre aus den befähigteren Beamten cm« Abteilung zu bilden, die sich mit den großen Wohnungen des 1. Bezirkes und der Cottagevierteln befaßt und vor allem eine Revinon der mit geringer Ablösung freigewordenen großen Wohnungen durchführt. Ich verpflicht« mich, bei genügender Unterstützung durch das Wohnungsamt auf Grund meiner List? 100 Zimmer in einer Woche zu beschaffen, wobei niemandem ein Unrecht geschehen würde, da di« Wegnahme eines oder zweier unbenutzt er Räume bei Sechs- bis Zehnzimmerwvlmuilgen uich: als Un-recht anzufehen ist. Dr. Fritz Tauber. Billige Fnstandhaltungskredite ffir Mein- Wohnungen. 30 Milliarden von der Gemeinde und de« Sozialversicherungsanstalten bereitgestellt. Die Gemeinde Wien hat soeben gemeinsam mit der Arbeiterkammer mit den sozialen Versicherungsinstituten eine Aktion eingeleitet, welche nichts anderes bezweckt, als einen sogenannten In ft and Haltungskredit fürKlein« und Mittel st andswohnungen aufzubringen, welcher zu einem billigerem Zinsfuß abgegeben werden soll, als er bisher üblich war. Die Verhandlungen der Gemeinde und der Arbeiterkammer mit den erwähnten Instituten — Verband der Arbeiter- und Angestellten-Krankenkassen, der Allgemeinen Krankenkasse, der Bezirkskrankenkasse, der Gremialkraukenkasse der Wiener Kaufmannschaft, der Krankenkasse der Bundesangestellten, der Pensionsanstalt für Privatangestellte und der berufsgenossenschaftlichen UufallversicherungSaustalt der Eisenbahner — fanden einen günstigen Erfolg, so daß zunächst die Institutionen ungefähr zehn Milliarden bereitgestellt haben. Die Gemeinde Wien, die bisher die schadhaften Häuser, welche der Besitzer nicht ausbessern ließ, selber repariert..hat, wird dieser Aktion ungefähr 20 Milliarden Kronen überweisen, so daß für die nächste Zeit rund 30 Milliarden Kronen zur Verfügung stehen werden. Die.Zentralsparkaffe der Gemeinde Wien hat sich bereit erklärt, die Verwaltung dieser Gelder zu übernehmen. Die Verzinsung der Kredite, welche ohne Vermittler direkt durch die Zentralsparkasse gegeben werden, beträgt drei Prozent über die jeweilige Bankrate, wird sich also aus rund zwölf Prozent, und mit dem einprozentigen Regiekosten!» ertrag, den die Zentralsparkasse einheben wird, aus rund 13 Prozent belaufen. Die Darlehensbeträge dürfen das Höchstausmaß von 100 Millionen Kronen nicht überschreiten, und werden nur bis zu einer Laufzeit von fünf Jahren gewährt. Der Kreditwerber hat entweder die schriftliche Original- Vereinbarung zwischen Hauseigentümer und Mieter oder das bei der Schlichtungsstelle erzielte Uebereinkommen oder die Entscheidung der zuständigen Mietkommission vorzulegen. Aus diesen Bescheinigungen muß hervorgehen, daß die zu leistenden Zinsen, Amortisatronsbeiträge und fortlaufenden Regiebeiträge innerhalb der in Aussicht genommenen TilgungSdauer des Darlehens ganz oder teilweise aus die Mieter über- . wälzt werden. . Bekanntlich" müssen für solche Hypothekarkredite heute mindestens 40 Prozent, in den meisten Fällen aber noch viel »WerbetWonnentenfürdie I; „Mever Morseuzeltimk" 1 _23. MSvz IM _Nr. 1833 mehr gezahlt werden, so daß diese Kreditaktion eine wirkliche Hilfe und große Erleichterung bedeutet, und dazu beitragen wird, den derzeit üblichen hohen Zinsfuß zu drücken. Nimmt man an, daß die durchschnittlichen Kosten für eine Generalreparatur eines Kleinwohuungshauses sich auf ungefähr 50 M i l l i o n e u K r o n e u belaufen, so können mit dem zur Verfügung stehenden Kredit ungefähr 600 Wohnhäuser instand gesetzt werden, wobei eine große Zahl von Arbeitern Beschäftigung findet. Jin Jahre 1923 wurden bei der Schlrchtungsstelle der Gemeinde Wien 5367 Ansuchen um eine Erhöhung des In« standhaltimgszinses eingcbracht. Da es in Wien rund 660.000 Wohnungen gibt, so wurde für nicht ganz ein Prozent aller Wohnungen bei den Schlichtungsstellen um Erhöhung des Jnstandhaltungspuses angesucht. Von oen 5367 Ansuchen um Erhöhung des Jnstandhaltnngszinses wurden 563. bis zum 200sachen Friedenszins, 1693 bis zum 500fachen Friedenszins und 551- bis zum lOOOsachen Friedenszins bewilligt. In den letzten vier Monaten des Jahres 1923 wurde in 144 Fällen eine Erhöhung der Miete zur Deckung der Jnstandhaltungskosten bis zum 1896fachen des Friedenszinses bewilligt. Wie wir weiter erfahren, wird die Gemeinde Wien gemeinsam mit der Arbeiterkammer an das Bundesfinanzministerium wegen Erlangung der Gebührenfreiheit herantreten. Ansuchen um Kredite sind an die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien zu richten. An Bartran Mer RadiotelephoKie. In der gestrigen Bollvevsammlung des Nie de röste m veichischen Geiverbeve reines hielt der als Radiosachmaun bekannte Prof. Dr. G. Schwaiger einen Vortrag über „Radiotelephonie". Einleitend berichtigte der Redner die viel verbreitete falsche Verstellung, die Radiotelephonie fei ein« neue amerikanische Erfindung. Sie hat vielmehr von deutscher Forschungsarbeit (Hertz) ihren Ausgang genommen. Es ist hauptsächlich den günstigeren wirtschaftlichen Verhältnissen Amerikas in der Nachkriegszeit znznschreiben, - daß die praktische Auswertung jenseits des Weltmeeres einen Bovspru-nq erringen konnte. Hierauf ging der Vortragende dazu über, den Begriff der Wellenbewegung, der Wellenläng« und der Retenanzerscheinung so weit zu ent- - wickeln, daß dem Publikum der Uebergang auf die Vorgänge bei einer elektrischen Schwingung ohne Schwierigkeit möglich war. Die Funktion der Sendeantenne, die ' elektrische Wellendetvegung im Aether, die aus dem letzteren Energie ausnehmende Empsangsantenne und ihre Abstimmung wurden besprochen, worauf der Vortragende den Weg besprach, der es ermöglicht, elektrischen Mellen die für einen musikalischen Ton oder Laut charakteristischen, Merkmal« anszudrücken. Ein Abschnitt des Vortrages'galt "' einer populären Erklärung der sogenannten ,K a t h o d e nde r st ä r k e r l a m p e n", durch deren Anwendung es möglich wird, die bei großen Distanzen aufgenommenen, ' sehr geringen Energiemengen derart zu verstärken, daß sie beobachtbare Wirkungen, auszulvsen imstande sind. Die Vorführung eines Teiles des Radiobehrsilms „I m B a n n< kreis der tönenden Wellen" der von der Radiozentrale zur Verfügung gestellt worden -war, griff an dieser Stelle wirksam in die Ausführungen ein. Ein-geschickt angelegter Trickfilm zeigte unmittelbar die Elektro nenbe wegung während des Verstärkerborganges. Eine Reihe von Lichtbildern verfolgte dann den Weg eines gesprochenen Wortes vom Aufnahmeraum >bis zum Ohr des Empfängers. Nach diesen technischen Erklärungen gab der Vortragende, von Lichtbildern unterstützt, einen Ueberblick über die Verwendungsmöglichkeiten, aus dem der Eindruck gewonnen wuvde, daß die Radiotelephonie von einschneidender Bedeutung für das gesamte geistige und wirtschaftliche Leben ist. Den Schluß der Vorführung bildete die Praktische Vorführung eines Konzertempfanges. Die Ausführungen des Vortragenden fanden lebhaften Beifall. M intereffanter Bettrag zur Beschichte der Süden Sefterreichs. Im Wiener Jüdischen Museum. Zu den Büchern, die das Jüdische Museum») sammelt — nebst Erstdrucken, Seltenheitswerte und Wiener Lokaldrucktverke —, gehören als interessanteste Gruppe die mit verschiedenen Inskriptionen versehenen Hebraica. In solchen Eintragungen aus Be-sitzerhand finden sich neben belanglosen Notizen oft bemerkenswerte Familienaufschlüsse, die.sonst auf andere Weise nicht feststellbar sind. In einem jetzt ausgestellten, dem Museum von Spezialarzt Dr. Siegmund Stiaßny geschenkten Pentateuch (Genesis, gedruckt bei Anton Schmidt in Wien, 1801), erscheint ein jüdisch-deutsch abgefaßter Vernrerk, welcher folgenderweise lautet: „Ohne Ursach 6669 (gleich 1809) am 26. Nissairhat das Gesindel uns Juden in Innsbruck rein ausgeplündert und das Chumesch (Pentateuch) verhauen (und) uns in Tod ängste versetz t." Diese Eintragung bezieht sich auf die in Innsbruck vorgesallene Plünderung von fünf Judenwöhuungen am 12. April 1809 (gleich 26. Nissan, Mittwoch, 5669), von welcher Dr. A. Tänzer in seinem Aussatz „Das Jahr 1809 und die Inden" berichtet. Allerdings kennt er unter den dort genannten Ausgeplünderten den Besitzer dieses Pentateuchs, Abraham, Sohn des Isaak Weil, nicht. Das Buch ist auch deshalb von Interesse, weil es als Reliquie eines Pogroms durch und durch mit einem Hieb- oder Stichinstrument durchtrennt worden ist.' Dr. Br. *) 2. Bez., Mabaasse 16, Samstag und Sonntag von 11 bis 1 Uhr; Sprechstunden des Kustos Sonntag. Daselbst Wch. KyMW m Stopfefö. M

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