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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-22 · Heft 1832 (22.3.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1832 (22.3.1924)
Date
1924-03-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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0tt. 18SS_ Men, Samsmff Böhne und ÄnstT^ „AltzenKais und MeMrnleind." (Burgtheater.) Wmn am .Heimweg die süße Melancholie des LwdeS aus der Köhlovhütte („So leb' beim Wohl.. ") in' der bewegten Brust nachkliwgt, Rappelkopfs Ingrimm und Sehnsucht nach einem manschenlisi-en Erdball zu unserem Behagen in der Erinnerung weiterpoltert und Habccküls. des beschränkl-psi-sti-gen Faktotums unsäglicher Jammer, nicht mehr mit den Pariser Äammevdienerjcvhren protzen zu dürfen, uns noch im Nachgenießen erheitert; wenn sich die weiten Schioirigcn von Raimunds Phantasie über dein geheilten Menschenfeind und seiner glücklichen Familie gesenkt haben und das bume, gemütvoll«, genialische Zaubermärchen den Theatergast nach Hanse begleitet — dann mag er begreifen, daß die Wiener von damals nicht durchaus zustimmten, als Ferdinand Raimund von Johann Nestroy abgelöst wurde. „... Rcviinund stirbt und Nestroy tritt dessen Erbschaft an. In die Feeirphantasie der Raimundschen Dichtung schrillt der vorlaute Pfiff der Nestroyschen Wirklichkeit; die Allegorie steht jetzt plötzlich ihrer Flitter und Hüllen entkleidet da, die scharfe Morgenluft des „Lumpazivagabundus" macht sie frieren, aber erbarmungslos wird sie davongeja-at, und mit satirischen Bemerkungen, die ihr den letzten Tropfen Blutes aus den Adern treiben, zu dem Hause hinausgaworlen, in welchem sie vordem ein so vergnüg'es und vergnüglich s Dasein geführt hatte." So schrieb damals Leopold K o m p e r t. Das Urteil dünkt heute hart und unvernünftig besonders, wenn Kompert in dem nämlichen Essay Nestroy der „Zotenreißerei" beschuldigt. Aber daß man die beiden großen Wiener Dichter nicht in einem Atem nennen dürfte, wie etwa die kongenialen Musikanten Strauß und Lanner, mahm ein Vergleich der jüngsten Burgtheater-Aufführung von Nestroys „Einen Jux will «r sich machen" ntti diesem Abend, an dem, fast hundert Jahr? noch dem Entstehen des W-erkeS, „Alpen- Eönic; und Menschenfeind" zum erstenmal im Buvgtheater gespielt wurde. Es war «in schöner und würdiger Abend. „wienerisch" im Raimundschen, also im bester' Sinne des Wortes. Keine neuen Regie- und Siilkünste, sondern d'? alte, brave Theaterza über ei in den romantischen Geister- und Ge-witterfzenen, Einkleidung der bürgerlichen Szenerr in Trach! und Geschmack „aus der Zeit". Nur hic und da bringt H e r t e r i ch 3, des Spielleiters, Eigenart bemerkenswerte Uäderra chungen. So trägt der Alpenkönig auf dem Throne seines Kristallpo'astes einen Riefenmantel, der sich von den haGgöttischen Lenden ' abwärts fächerartig verbreitet, so ziemlich die ganze bekanntlich recht geräumige Bühne bedeckt, dafür aber den gutartigen Berggeist zu einem Sklaven auf denr Thron macht, der es sich keinesfalls gestatten dürste, auch nur die Thronstufen hinabzusteigen. Das Herzstch^ fer Dichtung, die unvergängliche 7lrme Leute-Szene in de? Berghütte (Grillparzer notierte bewundernd: „Dieser Szene in dem stillen Haus wüßte 'ich an niederländischer Gemäldewahrheit kaum etwas an die Seite zu stellen"), litt ein wenig darunter, daß der Jammer der hungernden Kinder und dar gequälten Mutter vom Anbeginn mit himmelblauem Frohmut Mertüncht wurde, war aber dafür im Ausklang sehr ergreifend. Und die Expositionsszene — sie ist recht banal gewiint, die Reden des Alpenkönigs sind hier etzliche Verse lang — sollte durch reichlichere Rsgiemaßnahinen „gedeckt" werden. Meisterlich spielt Joses Thaller den Menschenfeind, so, wie ihn der Dichter benennt: Als Rappebkops Ms einen, dem man's aui den ersten Blick anmerkt, daß ihm Bosheit mrd Griesgram und Mem'chenhaß nicht eingeboren sind und daß seine Manie nicht unheilbar ist. Mn gar nicht unsympathischer Radaubruder und ein herzhafter, trotz aller Wutanfälle im Grunde nicht aus der Fassung zu bringender Mann und ein philosophischer K"ps dazu. Eine große Freude, wenn er sich über seine eigene Verbohrchsrr lustig zu machen beginnt, und einfach Nndglich, wie er sich mit drm nächtlichen Geifterfpu? abfindet. Zwcrchseller'chütternd, schon durch die Maske und den sozusagen ererbten Hexenschuß, Herr Mayeri) o f e r als Hab-akut. Diosur ennucntc Charaktevkomiker wächst von Reil? zu Rolle. Und tvenu chm eine neue wiener: che zufällt, wächst er jedesmal um ein gewaltig Stück. Herr:, D a n- Goisterspuk abfindet. Ztoerchfellerschütternd. schon durch die Rappclkopfimitation, di« in diesem Falle eine Thaller.Jmitatinn 'ein mußte, bleibt uns voreuthalien. Alma Seidlers ganz entzückend resolute, anmutig-schlagfertige Zofe, Rita Burg8 taufrisches Maschen und Emma Percys rührender Gesang streiten erfolgreich für diesen Raimund-Abend. Man mochte sitzen bleiben und weiter lauschen. Die Zeit ist schlimm. Man fröstelt. Dar Trunk hat erquickt und geivarmt. Otto A b e le s. Neues von der Wiener Staatsvpee. Vera Schwarz, von der Berliner Staatsoper die seit einem Jahre dem Wiener Opcruiheater als ständiger Gast angehört, wurde vom September an das Institut fest'verpflichtet. Zwei Monate im Jahre wurden der Künstlerin freigcgcben. in denen sie am Berliner Deutschen Opernhaus wirken wird. Gleich am Beninn der neuen Spielzeit'wird sie in Richard Strauß' neuer Oper „Intermezzo" austreten. — P u c c i n i 8 neue Oper „T urandot" wird erst in der Saison 1925—1626 in Mailand die italienische und an der Wiener Stoatsoper die deutsche Uraufführung erleben. — Maurice Nabels mttsika-isches Lustspiel „L'he u r e e s p a g n o l e", das bekanntlich m der nächsten Saison in Wien im Redoutensaal zur Aufführung gelangen wird, ist ans Verlangen Direktor Schalks vom Komponisten für eine intime orchestrale Einrichtung umgearbeitet worden. Ein Gedenkblatt Max Liebermanns für die Mütter jüdischer Kricgsgesallener. Wie I. T. Ä. aus Berlin meldet, hat Max Liebermann, dev bekanntlich ein Jude ist, dem Reichsdund jüdsicher Froniforduteu ein Gedc-ukblart gewidmet, Wiener Mnraen-eitnng. 22. iNärz 1924 Seite 7 das eine in edelster Haltung klagende jüdische Mutter darstellt. hinter der sich Grab air Grob reiht. Max Liebermann hat dem Antlitz dieser Mutter die Züge tiefsten, weihevollsten Schmerzes ausgeprägt. Erstaufführungen an der Budapester Oper. Me Königliche Oper in Budapest plant für diese Saison noch folgende Erstausführungen: Ein Ballett von Stephan Gajaris, „Prinz A'rghrus", dann folgt ein einaktiges Musik-- drama von Siegmund Binczes, „Der Stärkere", ferner Massenets „Lhais". _ Aus de» Mater«. L o l k s o p e r. Heute, 7»3 Ubr nackmittugs. F e fl* ölnbcmte für das Fußballteam der Wiener Bühnenkünstler. Abends „Madame Buttersl v". Sonntag nachniittar bei ermäßigten Prellen „Der Freischütz", abends „C arme n". , Raimund-Theater. Eugen Klövfer lvielt allabendlich den Dr. Thomas Stockmann in Msens ^Volksfeind". Heute, 3 Uhr nachmittags, .Iphigenie auf Tauris". Morgen V..H Ubr nachmittags, „DieRänber". Dien«taa (Feiertag!, 3 Uhr nachmittags, als Märchenvorstellnnq der Deutschen Dolkswiele, Hamburg, „Die zertanzten Schube" und „Da« tapfere S ch ir e i d e r l e i n". W o ch e n s v i e l p l a it be« BirratbeaterS. Sonntaa. 2 ttnr nachmittags, außer dem Jahresabonnement, zu kleinen Prellen. „A a n e S I o r d a n". 7 Ubr abends, ru besonderen Preisen, ..D i e r o t e M ü b l e". Montag, 7 llhr, ,.C o r i o l a n u S". Dienstag Uhr nachmittags, „Einen Jur will er sich machen". 7 Ubr. „D e r A l v e ttk 8 n t g und der Menschenfeind". Mittwoch. 7 Uhr. „Die rote Mühl e". Donnerstag, 7 Uhr, „Wilhelm Je l l". Freitag, 7 Ubr, „DerAlpentönig und der Menschenfeind". Samstag, 7 Uhr, »um ersten M a l e. „Bla n ch e C a l i « e". Wochenspielvlait des Akademietheai e r 8. Sonntag, 3 Ubr. „Ho. chzeitStag e". 'k.g Ubr, „Gin wundervoller Tag". Montan. 7*^ ll^t. Qsicßtigen r. Sie unsere für das tfrüßjaiirt VERKAUFSSTELLEN: It. TaborilrdtM! 17 b; III. Lindstraas« Hauptstrasse 12; V. IWnprefhtsdoruir* Strasse 52; VII. Mariahilferstrasse 92; VII. Schottenfeldpapse 24; XIV. ReludotffasteS; XVI. Thallastrasse 75; XVIII. W»hrlmrerstrasse89; XX. 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Trotz der hohen Gestehuneskosteu and der ausgezeichneten Qualität meiner Ma/zoth die auch dem verwöhntesten Geschmack entsprechen. h»be ich mich entschlossen, dieselben auch unter dom von den Wiener Produzenten festgesetzten Preise zum Verkaufe zu bringen. Israel Vortrefflich Mazzoth fabrik Wien, ü. Obere Donanstrasse 52 j | io;»» fclephott Kr. «5-6-21 Adolf Schmldi, XXI« Mengergasse 19 Totephon 47-9-72 8*3 „SD e t SS i b 11 o t ö e f a r". Dienstag. 3 Uhr, „Quality Street" („I m stillen Gäßche n"). '/.8 Uhr. Wölfe in der Nacht". Donnerstag, V«8 Ubr, „D i t Liebe wacht". Freitag, ‘ «8 Uhr, „D i e G e s V e n st e r" s o n a t e". Samstag, Vs3 Uhr. „A m T h e«t i s ch". Wsckeni vielvlan derStaatsover. Sonn tag. '!& Uhr. »D i e Walküre". Montag, '/,7 Uhr. „D i e A f r i k a n e r i n". Dirnstaa. '/g3 Uhr. .Siegfried". Mittwoch. 7 Ubr. „Die K n t f ü b r u n g ans d e .ir Serai rv. Donnerstag, V|7 Uhr. „D i e A f r i k a n e r i n". Freitag, 7 Uhr. „R i g o l e t t o". Samstag, 7 Uhr, „D i e t o t e S t a d t". Wochenfvielvlan im Redoutensaal. Sonntag und Dienstag. l/,8 Uhr. Balletsoireer Eoup e r i n. Ravel. R a nr e a u. Johann Strauß. Wochenspielvlan der Volsover. Sonntag, '/x3 Uhr, „Der Freischütz". 7 Uhr, „ß filmt n". Montaa, Ubr, „D i e Meistersinger v o n N ü r nb e r a" Dienstag. 7,3 Ubr. „Der Z i a e u n e r b a r o n". Dienstag, '^8 Ubr, „T o 8 c Mitllvoch, V,8 Ubr, „L a T r a v i a t'a". Donnerstag, 7 Ubr. ..F ü r st i n T a n n a r n". Freitag,'/»3Uhr „Hoffmanus Er?ählun»s n".Samstgo, 7,3 Ubr, „DerBarbier vonSevilla". 7 Uhr, „Louise". Wochenspielplan des Deutschen Volks-' theaierS. Sonntao. 23. Mär^, '/,3 Ubr. „K e 11 e tt* or H e b e t", 7 Uhr, „Erde" lDer alte Krutz: Dr. -Rudolf Tyrolt). Montag, 7 Ubr. „Die Brüder von St. Bernhard". Dienstag '/,3 Uhr. „Kettenglieder". 7 Uhr, „Moral" (Beermaan: Dr. Rudolf Throlt). Mittwoch. 7 Ubr, neu einstudiert: „D i e Journalisten". LnUviel in vier Akten von Gustav Frrntag iSchmock: Dr. Rudolf Tvwlt'. Donnerstag 7 Ubr. „Erde" (Der alte Grub: Dr. Rudolf Tyroltl. Freitag, 7 Ubr. „D i e I o u r n a l i st e n" (Schmock t Dr. Rudolf Tyrolt). Samstag, 7 Uhr, -um ersten Male: „Erich der Vierzehnte", Schmrspirl in vier Akten von Augvst Strindberg. Wocbenivielvlan des Ratmund-TbeaterS. Sonntag, ^/.3 Ubr nachmittags. „Die ÜUaS e t", 7 Uhr abends, „E i n Volksfeind". 'iRoniag, 7 Ubr abends, ..Ein Volksfeind" Dienstag, 8 Ubr nachmittags. Deutsche Volksspiele .Hamburg: „Die s c r t a n s t e ts Schube" und „D a s t « v f e r e S ch n e i d e r l e i n". 7 Ubr abends, „Ein D o l k s f e i n d". Mittwoch. 7 Nb" abends. „E a s" <1 und II. Dein. Donnerstags. 7 Ubr abends, „©in VolkSfe n b". Freitag, 7 Ubr abends, „Michael K r a m e r". Samstag, 8 Ubr nachmittags. „Bruder Martin", 7 Ubr abends, „Ein Volksfeind". Wocbensvielplan des Modernen Tbeat b e r S. Don Montaa den 24. d. bis ^eitag de^ ^-8. d.. 7 Uhr. „Alles Um Ge! d". Samstag. 7 Ubr, zum erften-- mal „I n g e b o r g", Gastfviel: Kurt Götz-Valeri: Martens Wochen spiel plan des Avollotbeaters: Sonntag. 3 Uhr, „Der V o g e l b 8 n d l e r", 7 Uhr, „Ein B a IX r o nt a tt". Montag, 7 Nhr. „E i n B a l l-- r o m a n". Dienstag, 8 llhr, „Der V o g e l b ä n d l e t", 7 Uhr. „E i n Bfllltornnn*. Von Mittwoch deu 2<». b. bis inllusive SamSlag den 29. d., 7 Uhr abends, „E t» B a l l r o m a n". _ Dvnrertnschrichten. (Die nachstehenden Ankündigungen sind entgellllch.) Heule, 7,^ Uhr nachmittags. Großer?Ri.""rkvereinSs«al. G o e t b e - H e i n e. Ansführend: Raonl Aslan« Ls le ' Medelshy, Olga Bauef-Piieekm, Hs.dere WiMer. Kouzertdirektion SUeUy Weift.

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