Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1831 (21.3.1924)
- Date
- 1924-03-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2980914--18251-3005305- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 1631 _ Wien, Freitag_ Set nlfisch'üiinestsche Konflikt. AuSweisvng Karachans aus Peking. MoSkau. 19. März. Die Russische Telegraphenagelilur Meldet: In hiesigen Regierungskreisin verlautet, daß das unerträgliche Verhalten der chinesischen Regierung d ie ernstesten Folgen nach sich ziehen werde. London. 19. März. „Daily Mail" meldet aus Peking: Die Regierung hat den Sowjetvertreter angewiesen, wegen seiner inkorrekten, einem Ultimatn m glrichfommenbcit Note, die er dein chinesischen Minister für auswärtige Angelegenheiten übergeben hat und in der eine Frist v ott drei T a g e n für die Anerkennung der Sowjets gestellt worden war, China zu verlassen. Die Lage wird als gespannt betrachtet. Die russisch-chinesische Buhn. Blättermeldungen aus Peking zufolge befurchter man, daß die Russen nunmehr nach der Ausweisung des Sowjetvertreters Karakhan die russisch-chinesische E i s e nba h n, die bei den vergangenen Verhandlungen den tzanptzankapfel bildete, besetzen werden. Rußland hatte die Kontrolle über diese Bahn, die gegenwärtig in französischen Händen liegt, mit der Begründung gefordert, daß die Bahnverwaltung die Gegenrevolution unterstütze. Der französische Gesandte in Peking wurde daraufhin von der chinesischen Regierung befragt und erklärte, daß Frankreich einer Veräußerung seiner Kontrollrechte u ichi z ritz i m in e n könne und in diesem Falle intervenieren würde. Nachträglich wird noch bekannt, daß Rujstailü sich für den Falt, daß eine Einigung über diese Frage zustandekäme, bereit erklärt habe, die M v n g o l e i z u r it u m c n. AetafifcfettttB der Meüw-slowakWen Neparatiomschuld. Prag, 20. März. Nach dem „Pravo Sibu" wird ht poetischen Kreisen behauptet, daß die t s ch e ch o - s l o w a k' j ch c Rep a r ar i ons s chu l k, über die gestern von Außenminister Tr. Benesch im Außenansschuf; vertrauliche Mitteilungen gomochr wurden, von zirka 30 Milliarden aus ungefähr i Milliarden : sckcchiscke S* i o it in h e r abgesctzt worden sei. Sie Wahle» ia KarvathorMand. Aus Uzhorod wird uns -berichtet: Nunmehr liegen Ke genauen amtlichen Ziffern über das Stimmenverhältnis bei den Wahlen vor. Daraus geht hervor, das; die jüdische Bevölkerung in Kavpathorußtand einzig und allein durch den Umstand, daß sich die jüdischen Stimmen auf zwei Listen zersplitterten, die Vertretung in der Nationalversammlung nicht erreicht hat. Für die Nationalversammlung erhielt die Liste der jüdischen Volkspartei 18.032 Stimmen.die jüdisch-demokratische (orthodoxe) Partei 9909 Stimmen. Dies ergibt zusammen 27.941 jüdische Stimmen für die Nationalversammlung, was vollkommen ausgereicht hätte, -um ein Mandat zu erhalten. Die agrarische Oppositionspartei, tvelche ein Mandat erhielt, brachte nur 21.247 Stimmen, die tschecho-slowakischen Sozialisten brachten für ihr Mandat 20.090 Stimmen auf. Dieser Verlust des jüdischen Mandats, welches bei den nächsten Wahlen in den übrigen Teilen der Tschecho-Slowakei eine ansehnliche Zahl von jüdischen ReMimmemnandaten gesichert hätte, ist einzig und allein darauf zurückzuführen, daß die agudistischc Orthodoxie wie stets sich als Störer der jüdischen Einheit erwies, indem entgegen der ursprünglich beschlossenen jüdischen Einheitsfront der Parteien die Sendlinge des Herrn Weber auf die Aufstellung einer zweiten jüdischen Liste hinintrigierten. Die Judenheit von Karpathorußla-nd wird also wissen, wem sie es zu danken hat, daß die Inden im Parlament der Dschecho-Slowa-kei keinen Vertreter haben. Was der Zweck bet von der Aguda inspirierten „jüdischdemokratischen Partei" war, geht übrigens aus der Darlegung 'eines agndistischrn Preßorgans 'deutlich ^hervor, die wörtlich lamet: „Das wichtigste Wahlziel der „jüdisch-demokratischen 'Partei" (orthodoxe und andere Nichtzionisten), nämlich zu verhindern, daß die Zionisten in den Besitz eines Mandats für das Parlament oder den Senat gelangen, war 'damit erreicht." Dies genügt, nur der Iudewscha.fr in Karpathorußland und anderwärts die klugen darüber zu öffnen, was das Ziel der Aguda ist. Gegen den Zionismus, auch wenn cs g'grn das Judentum geht. Sie Prager Benzinaffiire. Erklärungen der Regierung. Prag, 20. März. (Tschecho-stow. Preßhur.) Kn Wehr- SSsschuß des Abgeordnetenhauses gab Minister für nationale Verteidigung Udrzal eine ErUämng in der Angelegenheit der Benzinaffäre ab. Der Minister gab zunächst eine Darstellung der über feinen Auftrag eingelei teten Voruntersuchung und der vorgenommenen Verhaftungen. wobei er erklärte, daß die Untersuchung mit der größtmöglichen Beschleunigung geführt werde. Bei den Hausdurchsuchungen wurden bei Kapitän Kutlvasr 08.000 K. in bar und ein Einlagebuch der Legiobank auf 25.000 K., bei Stabskapitän Dostal 25.000 K. und bei -Oberstleutnant Ing. Ri eg er 16.000 K. vorgchlnden. Die Untersuchung wird mit der größten Sorgfalt, aber _Wiener: Moegenzertung._ auch mit entsprechender Rücksichtslosigkeit geführt, um jeden Schuldigen in dieser Angelegenheit zu treffen. Ter Minister erklärte weiters, da die Untersuchung noch nicht beendet sei, könne er sich nicht mit allen Einzelheiten befassen, ohne den Verlauf der Untersuchung zu gefährden. Er könne jedoch mitteileu, daß der Untersuchungsrichter aus-gefordert wurde, stzenau den u r s ä ch l i ch e n Z u s a nt m e it h a n g z w i s ch e u d e u B e n z t nlieferungen it tt b den Fliegerunglücksf ä l l e n in der letzten Zeit festzuftellen. Weiters teilte der Minister mit, es sei nicht ausgeschlossen, daß die Hütersuchnng auch auf Organe ander e r Ressorts ausgedehnt werde, da der Verdacht bestehe, daß Betrügereien auch beim Gewicht, bei der Zollzahlung und bei der Entrichtung der staatlichen G e b ü h r e n begangen wnrdeu. Die Gesarrttsmume der von der Firma N a p h t h a s p o l ausgezahlten B e st e ch u n g s g e l d e r betrage ungefähr e i n e M i l l i o n, nrrd da ein solcher Betrag als Gewinn zu hoch erscheine, werde die Untersuchung auf darauf ausgedehnt, ob nicht die Firma bei den Lieferungen durch andere Schivindeleien Nutzen gezogen habe. Ter Mim-ster schließt, daß die Staatsverwaltung die Schaden durch die Garantie der Firma RaPhthaspol in der Höhe von 800.000 .\l. mvb durch Ford ernngen der Firma an ben Staat in der Höhe von einer halben Million gedeckt habe. Außerdem habe sich die Staatsverwaltung in ausreichendem Maße am Firmavermögen sichergestellt. Der Minister sei bereit, i»cu» cs der Verlauf der Untersuchung gestatte, jederzeit tveiiere Informationert zrr erteilen. Nach einer Debatte wurden die Erklarrrngeu des '.Ministers zur Kenntnis genvmnrcrt. (biigendieust der „Wiener Morgeuzeituug".) London. 20. Märr. (Radio.) Devuensäilußkurse: Prag 148,87'.... Rew-Wri 4,29'/.,, Paris 84,55. Brüssel l04,37‘/2, 3iom Ü>2,121/.,, Zürich ‘24,79Vs. Madrid 32,77';s, Amsterdam 1158, :4üüciitiöacn 27.34V», Cbriüiania 31,450... Stockholm 16,27V., Hetnnqfors 171'/,s Berlin 18»/, Billionen, Men 304.500, Athen 259'/... Wew-Bork» 20. Mär;. (Radio.) Teviümchlußlurü: Taaae!d 3°,i, Wechsel auf London 4,3027. 60 Tagk'Wechsel 4,2737, Paris 5.12, Amsterdam 37,05, Prag 2,89'/., Berliner Schlußkurs 22'/» bis 22-/«, Silber 64. Paris, 2V. März. (Radio.) Effet'tenjchlußkurse: Banque de France —, Credit Lyonnais 1602, Societe generale 749, Metropolitaine 520, Tvompsou Houston 733, Raffinerie say ord. 2760, Russe cous. 4*/0 26-, Russe cons. 3«/, 1891/94 17,30, Russe cons. 3°/0 1896 17,-, Russe cons. 3Vs% 17,65, Ruff, cons. 5% 1906 29,—, Russe cons. 4Va0,o 1909 20,30, Serbie 4% 1895 59,—, Dette Ottomane 4°/0 61.50, Ottomane 5°/01914 33,10, Rio Ttnto 2759 Schneider u. Cie. 1655, Baku 2740 Royal Dutch 31.600, Shell 390. Steaua Romana 533. Paris. 20. März. (Radio.) Die heutige Borst zeigte vorübergehend einen stabilen Charakter. Die Devise London notierte 84,60 bis 84,13, der Dollar 19,60, die ffchechische Krone wurde mit 86,30 bis 56,50 gehandelt. In Anbetracht der Aengstlichkeit des Marktes vor weiteren Schwankungen der Valuten zeigte die Spekulation große Zurückhaltung. Durchschnittlich ist oin Sinken der Kurst -rmtier dem gestrigen Stand za konstatieren. Sie 8uza-Le«te in vrotzwardei«. Aus Großwardein wird uns berichtet: Der autistinitrsche rumänische StWdenteniverband voll Siebe n'bürgsn berief für den 15. März nach Grotzwardein einen Studentenkougreß ein, all welchen!, auch -der Führer der antisemitischen Studenten, Professor Cuza. sein Erscheinen in Aussicht gestellt hatte. In der Stadt herrschte große Erregung, -da man Ausschreitungen befürchtete und die bekanntüsten Arrangeilre antffemitischHudontischer AusfchreimNMN, die eilte Ze-itlang verhaftet waren, sich wieder ans freiem Fuß befanden. Einen Tag vor dem Kongreß erhielt jedoch der Polizeiiprästkl vom Ministerprästdeliten aus Bukarest die strenge Weisllllg, jede Gewalttat im Keime zu unterdrücken und int Notfälle zur Sicherstelllmg der ösfcllllichell Ordnung auch m i l i i ä r i s ch e Hilfe in ^llffpmch zu nehmen. All: Tage des Kongresses waren sämtliche öffentlichen Gebäude sowie die von Juden 'bewohnten Stadtteile von verstärkte-n Wachposten und Militärabteillmgen ^besttzr. Professor Cuza hielt im großen Saale des Rathauses, in welchem der Kongreß abgehatteli wurde, seine übliche antisemitische Hetzrede, in der er zu dem Schlllsfe ka-nt, daß die Rumänell bereit seren, selbst mit beit Magyaren eine Treuga dei, emett heiligen Frieden zu schließe-ir, wenn es gilt, g emeinsam den Kampf gegen die Juden zu führen. Die Studenten, verstärkt -durch nichtstude-rttische und nicht in Großwardein wohnhafte Berufsraltfer, zogen nach der .Hauptsitzlmg durch die Stadt und versitchten in die geschlossenen Geschäfte der Inden und. auch in die Räume 21. Ärärz 1921 Seite | Sie Arbeiten der BMerbmddÄegierten in Angarn beendet. Budapest. 20. März. Eine amtliche Mitteilung über W zwischen der BAterblMddelegation und der ungarischen Regierung gefühnen Verhandlungen besagt, baß die auf Errichtung der ungarischen Notenlbank und den Sta a t svor a ns ch t ag bezüglichen Entwürfe eine endgültige Erlediguu-g gesuudeit haben. Da dcr größte Teil des Sanievullgsprogrammes durch genreinfames Einverständnis lberetts festgrstellt ist, dürften die Verhaudttmgün der Äct' buudgclegatieu morgen ihren Abschluß finden. Die Zwangsanleihe. Der Zwölserausschuß der Rogierungsparlei, -er dis endgültigen Bestimilu-ungen der Zwangsan-lÄhe -fostlegte, bat 'solgendsn Beschluß gefaßt: Personen, de.re»l"Einkommen- und Vermögenssteuer im Jahre 1923 rveuiger als 50.000 K. brirug, «sind von der Einzahlung auf die Anleihe befreit. Persouert, deren Einkommen- und Vermögensstouer im Jahre 1923 weniger als 100.000 K. betrug, werden von der Einzahlung der tvetterLn Raten befteit. Der -beanspruchte Anle ihebetrag soll im W e g-e f r e i w i l l i g e r I e ich n u n ge u aufgebracht werden und erst, wenn die solcher Art -üinstießendeu Beträge nicht genügend sein sollten, wird zwangAweist das Sechsfache der E i n k o irr m c n ft e u c r und das R e n -nfache der Per rn ö g e u s st c u « v einzuzahlen sein. Bon den Miiengesellschasten tväreu 1 bis 1,5 Prozent des am 31 Dezewbcr an der Börse notierten Kurses in bare-m zu bezahlen. De. 5r. Zfitvay — Vizepräsident der Nationalversammlung. An Stelle des zmn Justiznlmister ernannien Dr. Pesttzy wurde Dr. K. Zfitvay zmn BizepräMuteu der Nation alve-rstilmulnua ge-wäh'lr. Inland. Marx «nd Sttefeman» in Wien. Der deutsche Reichskanzler Dr. Marx erschien in Be tzleituug des Reichsmmisters des Auswärbi-gen Dr. Stresemann gestern vormittags im Bundeskanzleramt, wo eine längere Aussprache statt-fa.wd, an >drr von österreichischer Seite Bundeskanzler Dr. Seipel, Vizekanzler Dr. Frank und der Minister für Aeußeres Doktor Grünberger teilnahmen und in -deren Verlauf auch Staatssekretär Bracht, der deutsche GefawdtL in Wien. Dr. Pfeiffer und der österreichische Gesandte in Berlin Ried! beigozvgen würden^ Mittags empfing Bundesprästdent Dr. H a i n i s ch den Reichskanzler Dr. Marx mb den Reichs-mimsttr Doktor S t r e s e m a n n in Atldienz. Dev Ausflug. Aeiber Einladung 'des Bundesministers für Handel mt> Verkehr, Dr. Schürf f, fand gestern nachmittags ein A u s flug des -sutschen Reichskanzlers Dr. Marx und des ReichLmiuiftevs des Auswärtigen Dr. Stresemau u sowie der Herren ihrer Begleitttug in die Um ge bu u a Wiens statt. Das Abendessen beim Bundeskanzler. Gestern abends fand zu Ehren des deutschen Reichs» Lrchlers Dr. Marx und -es Außenministers Dr. Strafe m a n n Leim Bundeskanzler Dr. S e i p e 1 ein A b e n dessen statt, zu .dem unter anderen erschienen waren: Gesandter Dr. P f e if f e r, -Generalkournrissär Doktor Zimmer man, sämtliche Mitglieder des Kabinetts, Polizeipräsident Schober, Kardinal Dr. Piff l, Ge - sandter Riedl. Die Tvinksprüche. - '' Bundeskanzler Dr. Seipel erumerje in stiuw grichungsausprache <tu* feine Berliner Reise und führte hie-Gr aus: „Wir verständigten uns rasch auf dent Boden .der durch die gegebenen Tatsachen vorgeschriebeneu Realpolitik. In der Folge beschritten wir, -bestärkt durch das, wa's wir in Berlin gehört und gesehen hatten, den We^z jener Sanieruugspolitik, die es Oesterreich ermöglicht lhat, «heute sich des Gegenbesuches -es Reichskanzlers und des ReichKrmnisters des Aüswärttgen zu erfreuen. Wir Oester reicher 'haben den ersten Frühlingshanch verspürt, als es uns gelang, das Interesse und die werktätige Solidarität fast aller Völker der. Welt für unser gefährdetes Keines Land zu weckerr. Dieser Solidari tät verdanken wir unseren Wiederaufstieg. Nutz ich glaube und Haffe, daß jene große Solidarität allerStaaten und Völker, die allein einen wahren Frieden verbürgt, nicht mehr allzu lauge auf sich warten lassen wird. Wenn diese neue Zeit angebrochen sein wird, dann wird uns und unseren Staaten — und der ganzen Welt — ein gutes Schicksal gesichert fein.' Daß es Ihnen, Herr Reichskanzler, und Herr Reichsminister, im Verein mit den Staatsmännern der anderen der Re-daktion eines Lokalblattes einzirdringen, wurden jedoch durch energisches EinZveifen von Polizei und Militär rechtze-itig daran gehiudert. Diesem energischen Einschreiten der Behörden ist es zu danken, daß in Großtvardein kein Blutbad äuge richtet wurde, wie es die Veranstalter -des Kongresses vorher angetündigt haben. Länder gegönnt sein möge, durch ein vom Erfolg gelrön-tes Wirken für Ihr Vaterland den Schritt der Zeit so zu beschleunigen, -daß wir uns alle bald des wahren Bölkerfrühlings erfreuen können — daraüf etM* ich mein Glas. Treten tfK'.'öiftV