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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-20 · Heft 1830 (20.3.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1830 (20.3.1924)
Date
1924-03-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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M. 188Y Men, DonnsvötLA Tagesbericht Unveränderter Brotyreis. Nach der gestrigen Errechimirg der Gestv^ngsWett Aeiben in der kommenden Woche die MaximGlPveffe für Brot nnd Wsißgebäck unverändert. Lar Schachturnier in Rew-Aort. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) New-Aork 19. März. In der dritten Runde war das Ereignis der Sveg Dr. Emannel Lasters gegen Al je ch in. welcher nach 36 Zügen aufgeben wußte. Tart a k o w e r gewann gegen Dates nach 45 Zügen, M a r- I hall mußte nach 55 Zügen gegen den russischen Meister Bogoljudow die Massen strecken. Casablanca, we'cher bisher keinen GswinnPunkt erreichen konnte, remifierte ebenso wie in den früheren zwei Runden, diesmal mit Emanuel L a s k e r. Die Partie R e t i—M aroczy wurde nach 35 Zügen remrs. Der Fing um die Welt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) San Francisco, 19. März. Die amerikanischen Aviatiker, die zum Fluge nm die Welt ausgestiegen sind, haben gestern die Etappe Sacramcnto-Eugene im Staate Oregon, eine Distanz von 645 Kilometer, zuvückavlegt. Der Kommandant der Expedition erklärte, daß er. wenn er schnellere Flugzeuge hätte, die Fahrt um die Welt m einem halben Monat zurücklogen könnte. Ltznamitexvlosion bei Witkowitz. Tote und Verwundete. Mährisch-Ostrau, 19. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Heute um zirka halb 12 Uhr vormittags wurde in Witkowitz eine furchtbare Detonation hörbar, die in einem Umkreis von 18 Kilometer eine starke E r d e r s ch ü t t e* rung zur Folge hatte und in allen Ortschaften eine große Aufregung hervorrief. Wie sich herausstellte, war in H c r s chm a n i tz bei Peterswald das zu den Wilczekschen Kohlengruben gehörige große Dynamit- und Pulvermagazin aus bisher unbekannten Ursachen in die Lust geflogen. Eine fürchterliche Zerstörung in weitem Umkreis war die Folge. Die halbe Erdavbeiterkolonie Perers- Walde ist vernichtet, der M a i e r i a l s ch a d e ist ein ungeheurer. Vie viele Menschenleben zu beklagen sind, laßt sich derzeit «och nicht genau seststellen, da die Aufräumnngsarbeiten noch nicht so wett fortgeschritten sind, um die Zahl der Opfer vollkommen erkennen zu lassen. Bisher wurden vier Tote und eine große Anzahl von Schwerverletzten geborgen. An de« Anfräumungsarbetten sind die Gendarmerie und die Arbeiter der einzelnen Gruben sowie eine große Anzahl von freiwilligen Helfer» beschäftigt, die jedoch noch geraume Zeit benötigen werden, um die Folgen der Zerstörung hakbzu beseitigen. Die amttiche Meldung. RSHrisch-Ostran, 49. März. In Herschmanitz bei Schlesisch- Ostrau ist heute um halb 13 Uhr vormittags in dem dortigen Pulvermagazin der Firma früher Nobel, jetzt Eruptiv, beim Verladen von Spreng st offen das ganze Magazin mfolge Explosion von zirka 9000 Kilogramm Explosivstoffen in die Lust geflogen. Bier beim Verladen beschäftigte Arbeiter kamen dabei ums Leben. Bon den Häusern der Kolonie bei den Schachtalttagen wurden die Dächer forigerisien und eine ganze Reihe von Personen verwundet. In Herschmanitz, Schlesisch- Osttan, Hruzen, Muglinau und teilweise auch m Mährisch- Ostrau wurden durch den Druck der Explosion die Fensterscheiben zertrümmert. Wie behandle ich «eine Fra«? iDre Frage, wie man am besten seine Frau behandelt, wttd dar, einer englischen Zeitschrift von einer Anzahl von Frauen erörtert. Man kann den Männern nur rmpfchleu, diese Auslassungen zu studieren und sich zu Herzen zu. nehmen, denn zweifellos sind gerade die Frauen zur Beantwortung der gestellten Frage fähiger als die Männer, die ihre Frauen ja in der Roge! falsch bchandcln, wall sie — sie nicht kemien! Was men so ziemlich aus allen emgelem-fenen Antworten entnehmen kann, ist, daß „der Haustyrann — (gemeint ist hier-- •um natürlich der Mann) von Vorneheroin verspielt hat!" Wer jchirt Frau mit möglichst vielen Verboten begegnet, der wirb sie als echte Evastochter gerade dazu anspormn, das Verbot zu übertreten und alles zu tun, was der Mann — nicht will! Mer aber seiner Frau scheinbar jeden Willen läßt, wird sie bei einiger Geschicklichkeit nach seinem Willen zu lenken verstehen. „Wir Frauen sttld schrecklich einfache Wasen," lautet eine Auttvort, . wir sind so leicht zu behandeln und unterzukriegen, daß ich mich nicht genug darüber wundern kann, warum nicht jeder Mann mit seiner Frau macht, was er will. Er könnte sie, wie ein Hündchen, an der Leine fuhren, wenn er nur den hundertsten Teil des Nachdenkens, das er der Führung seiner Geschäfte oder der Pflege seines Gartens widmet, daranf verwenden würde. Ich begegne niemals einer unzufriedenen Ehefrau, die die „häusliche SVl-averei" haßt <mvd Mann und Kind.r vernachlässigt, ohne sofort zu wissen, was für einen Manu sie geheiratet hat! Das ist der Typ, der iuunßr fordert, daß „der Platz der Frau zuhause sei" und daß sie kein Recht auf Freiheit habe. Dadurch bewirkt <n, daß die Frau sich nt ihrer Häuslichkeit wie im Ürsängms fühlt uni jede GvliAercheit benützt, um — aus^ubrechen! Ganz jo.ij£ eä Wiener Moegenzeitung. 20. März 1924 Seile 8 Mitteilungen aus dem Publikum. Ksrr und Flau NATHAN DACHINGER laden alle Verwandten, Freunde und Bekannten htffl. ein zur mjttD ihres Sohnes M AX, welche Samstag den 22. März 1924 um 9 Uhr vormittags im Bethause des Vereines „MACHS1KE HAOATH“,II. Schi£Eamtsgasse20, stattfindet. Gratulation : Samstag, 3 Uhr nachmittags Statt besonderer Einladungen! MAZZOTM Die älteste und renommiertrste | SSST SCHMIDL unter Aufsicht des Ehrw. Rabbinates, offeriert nur la Erzeugung sowohl dünner als auch stärkerer erstklassiger Ware. Die Hauptniederlassurg fiir Engros und Detail befindet sich bei der Firma BRODETZEY L Co. *11. Leopoltfsgssse 43 und in der Bäckerei XXI. Mtangergasae 19 Das P. T. Publikum wird gebeten. <renau aut meine Stampiglie zu achten, da nur solche Pakete echt sind, welche mit meiner Stampiglie und Unterschrift versehen sind. AdOlf Ssfomfö!!, XXI. WLMWSFMLLS 13 Telephon 47-9-72 -2: mnmenaaimamsmxaBasBmmanABissBiiBXfiTEBtati: Grösste Auswahl tm Witkwaren-Spezialhaus ,ZUMLÖ WEN*, IX, Porzdiangasse 52, Tel. 5n88!ll. DAMENWESTEN Strickwaren, Wirkwaren u. Sportartikel in grosser Auswahl y9V EaIvap ll* Gloekengassa o I^IOA vOIoOl Telenhon 45-508 802 »w Jacob Liebster Elegante Herrengarderobe nur nach Mass e»2b Zahlungoerlelchterungen IX. Aiserbachstrasse 11 Frühjahrs-Spezialität: Waterproof-Raglans und Anzüge Tel 17-3-18 GEKA Te'. 17-3-tS IX. Nussdorferstrasse IS, XIII. 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Wie anders würde die Frau denken, wenn der Mann mit ihr vor dem Schaufenster des eleganten ÄLod.goschäftes stände und ihr sagte: „All das möchte ich für dich, mein Lielbling, und es bricht mir das Herz, daß ich es dir nicht kaufen tonn!" Da würde sofort die Opfersroudigkeit und Gutmütigkeit der Frau gewecki, und sie würde von selbst gern? aus solche Ansprüche verzichten, wenn sie wüßte, daß ihr Mann ihr all dies gerne gönnen und stir sie erwünschen würde. Man kann mit Güte von einer Frau alles haben, mit Strenge sehr wenig oder gar nichts! Will man, daß sie sparsam s.in soll, so schimpfe man nicht aus sie, sondern inan, lobe ihre Sparsamkeit, gestehe ihr, wie ginäiich man >ei, und daß mon mit ihrer Hilf« mit st wenig auskonune, und die wird ihren Ehrgeiz darein setzen, dieses Lob zu verdienen. Eine Frau richtig zu behandeln, ist das Leichteste von der Welt. SM« sam nur, daß so wenige Männer sich die Muhe nehmen, eS zu lernen!" Der Wunsch ist wie überall so auch hier der Bcrter des Gedankens. Wie wäre es, wenn die Zeitschrift auch eiivmctt die Frage: „Wie behandle ich meinen Mann?" .zur Sprache brächte? Möglich, daß daun von Männern auch ganz interessante Antworten oinlaufen würden! Aus der Praxis sü" die Praxis, wie der schöne Spruch 'lautet. Moral der zulunft. Ein Vortrag Gustav Whnekens. Der vielumstrittene Grund der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, Dr. Gustav W y n e k e n, sprach gestern im Neuen Saale der Hofburg über „Europäischer Gedanke und Moral der Zukunft". Die Ausführungen wurden eingeleitet mit dem Nachweis, daß alles Recht, nichts ist als erstarrter Sieg einer Partei. Ebenso setzt Demokratie eine Teilung des Volkes in Majorität und Minorität voraus. Die europäische Moralauffassung nimmt eine Zwei; t e i l u n g des Ich in Gut und Böse, die in stetem Kampfe mit einander liegen, an. Das Prinzip der asiatilchen Moral hingegen ist nicht der „punktuelle" Sieg des Guten, sondern das stete G u t s e i n. Es fragt sich timt, ob die Entwicklung ein Aufgeber: des allgemeinen europäischen Kampsgedankens bringen wird oder nicht. Eine Betrachtung des Sprachgebrauches lehrt, daß der „Kampfgedanke" viel zu tief im Europäer wurzelt um ausgerottet zu werden. Die Frage beantwortete nun Wyneken dahin, daß der Europäer, „der ein Organ auch für andere Auffassungen har", sid) die Geltung seiner Moral gegen die Aussicht Asiens erkämpfen wird. Zer Kampf um die Radiosendeftation. Die neue Gesellschaft als Siegerin. Gegen die Vergebung des Radiomonopols an die unter Führung des Lrudeshauptnrauu Dr. R i n t e l e n stehende Anteressentengruppe haben bekanntlich die Sozialdemokraten Beschwerde erhoben. Die Regierung, die die Monopollizenz nicht gut rückgängig macherr kann, hat nun der Gemeinde Wien angetragen, selbst in das Konsortium mit einem entsprechenden Anteil einzutreten. Die. Wiener Rathaus mehr heit beharrt jedoch a nf dem Verlangen, selbst eine Lizenz für beit Betrieb einer Nadiosendestation zu erhalten. Unsere Mitteilung, daß die treue Radiogesellschaft die im K r i e g s m i n ist e r in m befindliche Sendestation erhalterr werde, findet nunmehr ihre Bestätigung in den offen zugegebenen Verhandlungen zwischen der Leitung dieser ehemaligen militärischen Radiostation und der Gesellschaft. Der > Pachtvertrag wird uns als bereits perfekt bezeichn c t. So hat sich in demselben Augenblick, wo die Gemeinde Wien — allerdings sehr spät — die Forderung nach einer Sendestation erhebt, die treue Gesellschaft eine besteherrde bereits gesichert und sich von der des Technologischen Gewerbemuseums unabhängig gemacht. Im übrigen wird die Regierung bald das neue Telegraphengesetz vorlegen, das auch die Radiofrage regelt. Jie MißMde im Wilhelmineusstital. Vergeudung von Staatsgeldern. Im Finanzausschuß waren von einem Redner scharfe Angriffe gegen die Verwaltung des Wi'lhelmineuspitales erhoben worden. Wir erfahren hiezu folgendes: In dem genannten Spital war unter anderen Beamten des chemaligen Kriegssipitales «tit gewesener Berufsoffizier ' namens Adolf Wittich als Kassier und Urtterverwatter in den Status übernommen worden. Nach mehrjähriger zufriedcrrstellender Dienftleistung begann Wittich Plötzlich seinen Lebenswandel zu ändern. Er frönte dem Börsenfpiele, wettete am Turf und gründen selbst eine Art Börsenverein im Spitale. Er behob einen auf 300 Mlliouen lautenden Scheck bei der Verkchrsbank und flüchtete, wurde jedoch bald verhaftet und nach erfolgter Schadensgutmachung durch seine Angehörigen zu acht Monaten schweren Kerkers verurteilt. Wittich w-cvr bereits wegen ftaudulöfer Gebarung vorbestraft, doch Wauen ihm damals im Gnadenwege diese Strafe und deren Folgen nachgesehen worden. Die zweite Angelegenheit betrifft den Spitalsdirettor Hofrat Schönbauer. Es wird dem Bunde vorgeworsen, daß «r dem Direktor Milliarden zur Berfugarng stellt, die dieser nach s-einem Gutdünken zum .Einkäufe von Lebensmittelin, Heizmaterial usw. verwendet, wobei zahlreiche Mißgriffe infolge unsachgemäßer Anschaffungen Vorkommen und der Staat um viele Millionen geschädigt wird. Dasselbe Vorgehen wird von allen Direktoren der anderen Fondskrankenanstalten berichtet, die sich nicht der Hilfe von Fachleuten bei ihren Einkäufen bedienen und wahllos Vorgehen, ohne Rücksicht auf Ersparungen zu nehmen. Cs wäre tatsächlich au der Zeit, derartigen Zuständen ehestens ein Ende zu machen. Me Maßregelung de« Regieruugrrates Dr. velluer. Wie wir erfahren, wird der Leiter-Stellvertreter des Sittenamtes, Regierungsrat Dr. Gel ln er, zum Polizei, kommissariat Margareten als Leiter-Stellvertreter versetzt werden. Es ist dies als eine Maßregelung wegen des Verhaltens des Regierungsrates in der von uns besprochenen Denunziaiionsaffäre des Hofrates Wolfs anzuschen, der seine Untermieterin fälschlich als geheimck Prostituierte an gezeigt hatte, um sie, da er im Mietprozeß unterlegen war, aus diese Weise aus der Wohnung herauszubekommen. Es ist zu erwarten, daß der jetzige Leiter des Polizeikommissariates Margareten seinen künftigen SteDiertreter verhindern wird, eine ähirliche sclbsi- ( herrliche Tätigkeit zu entfallen.

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