Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1829 (19.3.1924)
- Date
- 1924-03-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1829 S&leit, MUmwch wiener Morgenzeiturrg. iü. lUiüid im Ve ite 3 Faszistenmorde in Udine. Rom, 16. März. InUdine ist gestern ein Faszi st gesteinigt anifgefnnden worden. Aus Rache hiefür wurden die Häuser zweier bekannter Kom mun ist en a ngezündet. Heute wurde ein Teilnchtmer der Strafexpedition, ein ZOfähviyer Fasisist, ebenfalls tot aufgefund e n. Die griechischen Royalisten gegen Benirrlos. (Eigeudieust der „Wiener Morgenzeitung".) Athen, 18. März. Die Blätter erfahren, daß König Georg auf Drängen seiner Familie sich weigern werde, «rbzudunken. Ein Teil der Royalisten ist der Meinung, daß sich jetzt die Gelegenheit biete, die Politischen Letdenschaften zu 'beruhigen und >den royalistifchen Offizieren die Rückkehr zu ihren Truppenteilen sowie den royrlistischen öffentlichen Beamten die Rückkehr aus ihre Dienstposttzn zu ermöglichen. Die Royalisten verlangen vor allem, daß Venizelos, ihr «unversöhnlicher Feind, nie mehr den Fuß aus griechisches Gebiet setze. _ BerschSrsuog der parlamentarischen Lage ln Ungarn. Budapest, 18. Mürz. (Tel. der ,-Wiener Morgenze-itung".) Das Kompromiß zwischen der Regierung und der Opposition ist endgültig gescheitert. Die Oppositionsparteien haben beschlossen, die neuen FinanMfetze der Regierung, insbesondere das Ermächtigungsgesetz iitn Nationalrat schärfster Kritik zu unterziehen. Die Regierung plant mmmehr, sämtliche im Zusammenhang mit der Anleihe und der Ganierungsaktion notwendigen Reformen in einen einzigen Ge setzen twurs zusaminenzuT'when und dieses Gesetz nötigenfalls in Dauersitzungen von 12 bis 16 Stunden Länge bis zum 31. März unbedingt durch das Parlament verabschieden zu lassen. Die ungarische Bodenreform. Horthh sorgt für die Terroristen. Budapest, 18. März. CU. T. K. B.) Bei der seinerzeitigen Vierhandlung der Einzelheiten der Bodenreform Novelle hat Ackerbauminister Szabo-Naghalad der Nationalversammlung angekündigt, daß er, da eine die Bodenansprüche der Beamten und Offiziere betreffende Bestimmung der Vorlage aus Gründen der Geschäftsordn,mg nicht mehr abgeändert werden konnte, dem Reichsverweser dm Vorschlag.machen werde, die Vorlage am die Nationalversammlung zu rück zu leiten. In der heutigen Sitzung wurde mm eine Zuschrift der Reichsverw esers verlesen, womit er die Bodenrefornrnovelle behufs neirerlicher Erwägung an die Rgtionalve'.samm'.mg zurückweist. Er hebt Ijcttor, o,ß die BZr'mm'ing des § 2 nicht nur dem ursprünglichen Bodenveformgesetz widerspricht, sondern auch infolge der ungleichen Behandlung gegenüber jenen Elementen unbillig ist, die während des Krieges und in den nachfolgenden Jahren für das Vaterland große Opfer gebracht haben. Der Reichsverweser hoffe, daß die endgültige Verwirklichung der Bodenreform nunmehr keine nennenswerte Verzögerung erleiden werde. Auf Antrag des Vorsitzenden wurden die bemängelten Punkte der Vorlage an die bezüglichen Ausschüsse geleitet. Sodann wurden dem Hanse verschieden^ sozialpolitische Bestimmungen enthaltende internationale Abmachungen unterbreitet. Es folgte nunmehr die weitere Verhandlung des Entwurfes über den Schutz der Krone. Abgeordneter Ras sah kritisierte die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Regier,mg, wobei er ausführte, daß nicht die Ko-ntermine, sondern das Mißtrauen die eigentliche Ursache des Niederganges der ungarischen Valuta für. Horthtz-Zllstiz. Budapest, 18. Mävz. (Tel. der „Wr. Morgenzeibung.") Dr. Geza Felekh, der Chefredakteur des „Mag" veröffentlichte im August 1922 einen Artikel gegen den damaligen Staatssekretär Inlauts Pekar, weil dieser im seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Petöfi^Gvsellschaft int Nationale t in einer Rede den berüchtigten Massenmörder Jbvn Hejjas und dessen Genossen verherrlichte. Polar klagte deshalb Dr. Felekh wegen Verleumdung und Ehrenbeleidigung. In der heutigen Verhandlung erklärte sich Felekh ‘bereit, eine Ehrenerklärung abzugeben, falls Pekar vor dem Gerichtshof jede Verbindung mit Ivan H e j j a 8, M ichael F r a n e i a - K i ß und den übrigen Mördern vonKecskement Mohne. Pek a r weigerte sich, unter dieser Bedingung eine Ehrenerkläruing des Beiklagten anzunehmen. Nach Anhörung verschiedener Z enge n, die durchwegs von dem Kläger gefiihrt wurden, während die Zeugen des Beklagten vom Gerichtshof nicht zugelassen wurden, verurteilte der Gerichtshof den Chefredakteur Dr. Felekh zu 14 Tagen Gefängnis und 100.000 Geldstrafe. Die üsongrader Bombenwerier bleiben in Haft. Budapest, 18. März. (Tel. der ,Miener Morgenzeitung".) Wie aus Szegedin gemeldet wird, hat Staatsamvalt Dr. Balazs gegen den Beschluß des Strafsenates, zwei der Csongvader Bombenattentäter, Der Schuß im kisenbahnwagen. Die krschießung des Fabrikanten Linsker durch den Leutnant Hanke. — Sine Fnterstellnti« im Seim. Warschau, 18. März. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der Vorfall im Zuge Lemberg — Podw olocz yska, welcher den Zlorzower Fabrikanten Adolf Linsker durch den meuchlerischen Schuß eines Offiziers das Leben kostete (wir haben darüber bereits mehrfach berichtet. Die Red.), bildet den Gegenstand einer Interpellation, Ml che die Deputierten R o s nr a r r n, Dr. S i t b e r s ch c i n und Genossen an die Minister für Inneres, Justiz und Heerwesen im Sejm richteten. In dieser Interpellation wird der Sachverhalt folgendermaßen geschildert: „Mittwoch «den 5. d. gegen 6 Uhr abends gab auf dom Bahnhof in Lemberg in einem Coupe zweiter Klasse des Zuges nach Podwoloczyska 'der Leutnant Hauke einen Revolverschuß auf den Zloezower jüdischen Industriellen Adolf Linsker ab und verwundete ihn so schwer, daß er vier Tage später im Sanatorium >des Roten Kreuzes starb. Ein Teil der Lcmberger polnischen Presse hat bei der Wiedergabe dieses Vorfalles mitgeteilt, der Offizier hätte auf Linsker geschossen, 'weil dieser ihn angeblich geohrfeigt habe. Diese Gelegenheit nützt die Presse zu Ausfällen gegen die Juden aus, indem sie ihnen mangelnde Achtung vor der Uniform eines polnischen Offiziers vorwirft. Da es nicht glaublich war, 'daß Linsker zuerst den Offizier geohrfeigt hätte, entsandte die Redaktion des ,Lemberger Tagblatt" einen Mitarbeiter zu dem verwundeten Linsker und bekam von ihm die Erklärung, daß nach einem Wortwechsel der Offizier ihm eine Ohrfeige versetzt habe, die er, Linsker, dann mit gleicher Münze quittierte. Da habe der Leutnant den Revolver gezogen und auf ihn geschossen. Doch ohne weiter auf die Frage einzugehen, wer die erste Ohrfeige gab, kann es in keinem Falle geduldet «werden, «daß ein Offizier die Waffe, die er als Symbol seiner ständigen Bereitschaft zur Verteidigung des Staates bei sich trügt, gegen einen ruhigen Bürger ziehen darf. Noch viel trauriger aber ist das Verhalten der Polizei zu diesem Mord. Sofort nach dem Vorfall wurde Linsker in das allgemeine Krankenhaus überführt, wo Profeffor Ostrowski die Operation zur Entfernung der Kugel vornaihm. Zum Erstaunen und zur Erregung aller Anwesenden stellte es sich heraus, daß die entfernte Kugel ein Dumdumgeschoß war, dessen Verwendung sogar in Kriegszeiten verboten Re letzten Devisenkurse. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 18. März. (Radio.) Devisenschlußkurse: Prag 148,375, New-Yort 4,28'/,. Paris 85,80. Brüssel 104,125, Rom 100,375, Zürich 24,85, Madrid 34,055, Amsterdam 11,5825, Kopenhagen 27.725, Cbristiania 31,705 , Stockholm 16,275, Helsingfors 171.50, Berlin 18'/* Billionen, Men 304.500. Paris, 18. März. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France 8510, Credit Lyonnais 1650, Societe generale 755, Metropolitaine 528, Thompson Houston 737, Raffinerie say ord. 2850, Russe cons. 4«/° 27.10. Russe cons. 3°/, 1891/94 18,-, Russe cons. 3°/, 1896 16,60, Russe coni. 3l/*70 18,60. Rnss. cons. 5«/. 1906 30,15, Russe com. 4'/,°/» 1809 21,30 Serbie 4% 1895 —, Delle Ottomane 4%, 63.—, Ottomane 5% 1914 34,20, Rio Tinto 2720, Schneider u. Cie. 1680, Baku 2925, Royal Dutch 31.600, Shell 394. Steana Romana 515. New-Dorü,17. März. (Radio.) Devisenschlußkurse: Taggeld 8'///., Wechsel auf London 4,2925, 60 Tage-Wechsel, Paris 5.06, Amsterdam 6,79, Prag 2,88'/., Berliner Schlußknrs 2‘2/4 bis 22V», Silber 63V« Johann und Georg P i r o s k a, gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen, die Berufung eingelegt. Die beiden Piroska bleiben daher einstweilen weiter in Haft. Colonel KW über die arabisch-jüdischen Fragen. Jerusalem, 15. März. (Ziko.) In einer Sitzung des Wand Leumi referierte der politische Vertreter der Zionistischen Exekutive in Palästina Colonel Kish über die derzeitige politische Lage. Danach habe sich das Verhältnis sowohl der Zentralals auch der Lokalregierung zu uns gebessert. Es sei erfreulich, daß die neue Regierung in London sich beeilt habe, die in der Balfonr-Deklaration ausgesprochenen Verpflichtungen erneut zu bestätigen. In letzter Zeit seien auch einige hundert Einreiseerlaubnisse für neue Einwanderer erhalten worden. Was das Verhältnis zu den Arabern betrifft, so glaube er den Tag nahe, wo ihre Führer sich überzeugen, daß sie ihre bisherigen Wege keineswegs zum Ziele führen und daß der einzig richtige Weg der 'der gemeinsamen Arbeit fei. Alle Nachrichten über eine Zustimmung zu einer nationalen Regierung in Palästina entbehren jeder Grundlage. Der Besuch bei Köllig Hussein habe nicht den politischen Status von Palästina berührt und habe dies auch nicht tun können. war. Die Kugel befindet sich in der Redaktion des Dem« berger Tagblattes „Chwilah". Am Donnerstag abends wurde der verwundete Linsker in das Sanatorium dell Roten Kreuzes überführt, wo sich sein Zustand Kirfehends bis zur Hoffnungslosigkeit verschlimmerte. Samstag abends ftarB er. Die beiden jüdischen Tagblätter in Lemlberg forderten während der ganzen Zeit die Polizeiorgane auf, dev verwundeten Linsker einzuverrdvhmen. Am Freitag intervenierte der Deputierte Rosmarin persönlich beim Vertreter des KriegÄninisteriums und forderte sofortige Untersuchung. Doch bis zur letzten Minute kam keinBertreterdet Behörden zu dem Opfer des Mordes und erst Sonntag vormittags, nachdem Linsker schon zwölf Stunden tot war, kamen zwei Pol'izevbeamte zu seiner Einvernahme ins Sanatorium. Sie erklärten, sie hätten den Befehl zur Untersuchung am Sonntag um 7 Uhr morgens, also zehn Stunden nach Linsker's Tode, erhalten. Es ist uns nicht klar, ob hier ungeheure Nachlässigkeit und Ungeschicklichkeit der Behörden oder einfach böser Wille vorliegt. Ein Schwerverwundeter liegt vier Tage im Spital, die Bevölkevung ist erregt, die Behörde wird -daraus aufmerksam gemacht, daß jeden Augenblick der Tod emtrcten kann und die Polizei und die Gwichtsbchövden verholten sich so, als wüßten sie von gar nichts, Abwohl die Bahnpolizei sofort nach der Schießerei einige Zeugen vernommen und darüber Meldung erstattet hatte." Die Interpellanten gaben dann die Erklärungen der Zeugen Hermann Schapira, Jakob Willig und Joses Weintraub wieder und richteten an die Minister folgende Anfragen: 1. Ist den Ministern für Inneres, Justiz und Heerwesen der Vorfall bekannt? 2. Ist der Innenminister gewillt. eine strenge Untersuchung über die Haltung der Polizeibehörden eiwzuleiten und die Schuldigen zu bestrafen? 3. Ist der Iustizminffter gewillt, di« Lembevger Polizei und Gerichtsbehörden zur Verantwortung zu ziehen, welche es nicht für nötig befunden haben, den verwundeten, Linsker einzuvernehmen und so die Untersuchung in die gesetzlich vorgeschriebene Bahn zu leiten? 4. Wird der K r i e g s m i n i st e r gegen den Leutnant Hauke das Pvozeßverfahren einleiten? Die Interpellation ist noch nicht beantwortet worden. Znlanü. zimmerman und der Nationalrat. Der Bundeskanzler Dr. Seipel hat sich Von seiner Erkältung wieder erholt und ist gestern im Amte erschienen. Das Plenum des Nationalrates wurde für den 26. d. zur Beratung eines kurzfristigen Budgetpvovifori-nms einbe rufen. In Pavlanrentarischen Kreisen wird die Erklärung Dr. Zimmermans lebhaft erörtert. Aufklärung darüber wird der H a u p t a u 's s ch u ß, der diese Woche Zusammentritt, bringen. Auch die Sozialdemokraten berieten gestern darüber sowie über aktuelle Fragen. Der Wiener Besuch des Reichskanzlers. Berlin, 18. März. Reichskanzler Marx ist heute in Begleitung des Chefs der Reichskanzlei, Staatssekretär Bracht, um 9 Uhr abends nach Wien albgereist. Außenminister Dr. Stresemann, der sich heute nachmittags nach Leipzig begeben 'hat, wird dort in den Wiener Zug einsteigen. Die Rückreise nach Berlin erfolgt am Freitag nachmittags. Soziale Verwaltung. Kinderversicherung mtfe Jnvalidenfiirsorg«. Fm B ndg et a u ss ch u ß, wo das Kapitel „Soziale Verwaltung" des Bund?svoran schlages in Beratung steht, geht die Verhandlung nur schleppend vonstatten, da die Opposition kein Interesse an einer rechtzeitigen Erledigimg des Voranschlages hat und sich auch die Vermeidung eines Ex lex-Zustandes durch Verabschiedung eines kurzfristige,! Budgetprovisorinlns abkauscn lassen will. Zu den von, Abgeordneten Eldersch in der vorgestrigen Ansschußsitzung formulierten Bedingungen kommt noch die Forderung nach F o' r t z a h l u n g der K i n d e r z u s ch ü s s e, die gestern von Frau Prost sehr temperamentvoll vertreten wurde. Sie plaidierte namentlich für den Ausbau der Einrichtung der K i n d e r z u s ch ü s s e für k i n d e r r e i ch e Familien- Für die B e k ä m p su n g der G e s ch l e ch t s k r a n kh e i i e n sei im heurigen Jahre ztvar ein größerer Betrag prälirniniert als im Vorjahre, man scheine aber nicht so sehr die Gesch'lechtskranheiten. wie die Geschlechtskranken zu bekäinpfen. Wir verlangen genaue Anfklärnng über die Zustände in, K!o sterneub urger Spital, ob «8 wahr TcJcfen w« •SC. ä WIEM.t„ADlEr><A*S';t & :SEIpE MMWM WMÜtfHF MIMWMM