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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-19 · Heft 1829 (19.3.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1829 (19.3.1924)
Date
1924-03-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SMe f Men. MttwoH Wiener Morgenzeitung 19. März 1924 Nr. 1829 Ludendorffs Patentlösung. Das Beweisverfahren im Hitler-Proieb geschloffen. Macht des Kaisers hinter ihm. Aber als er den Einmarsch der Brigade Ehrhardt in Berlin befühl, war nebbich der Landschaftsdirektor Kapp sein Vorgesetzter uttd da Happte Ludendorft zusammen. Als er im Münchener Bürgerbräu mit zitternder (Stimme den Treueid leistete, wem tat er dies? Dem Tapezierer Hitler. Hudendorff steckte das Chreilwort ein und ging. Die Entscheidung, die die deutschen Wahlen zu bringen haben, ist die, ob die Republik zur Autorität werden kann, ob sie noch die Kraft besitzt, die Autorität des Volkes herzustellen, sein Leben und seine Arbeit gegen die Maulwürfe von rechts und links zu sichern. Unterliegt die Republik in dieser Entscheidung, dann ist eS um sie geschehen und das weitere würden dann die besorgen, die jenseits des Rheines diesen Kampf mit ihrer verständnisvollen Aufmerksamkeit verfolgen. Mar Donald interveniert für den Vatikan. London, 18. März. (Tel. d. ,Mr. Morgengeitung".) Aus eine Anfrage im Uuterchause, ob der Premievminister, dem Ersuchen des Papstes folgend, bei der Sowjetvegierung zu mteovenieren gedenke, um die Freilassung der noch gefangen gehaltenen zwölf kirchlichen Würdenträger zu erwirken. erwiderte Ramsay Mae Donald, daß di« englische Regierung nicht offiziell intervenieren könne. Sie werde aber die erste Gelegenheit benützen, die sich bietet, um der Moskauer Regierung freundschaftliche, offiziöse Vorstellungen in dieser Angelegenheit zu machen. _ Keine FlottendnAs in Singapore. London, 18. März. (Reuter.) Im Unterhaus erklärte der Parlamentssekretär der Admiralität Ammon, die Regierung habe nach Befragen der Dominions beschlossen, den Man «irrer Flottenbasis in Singapore aufzugeben. Keine Abrvftnng Englands. London, 18. März. (Wolff.) Bor der in der gestrigen Sitzung des Unterhauses erfolgten Ablehnung des Antr^eS einiger Mitglieder der Ar beit 8p«ltei auf Verminderung des Armeeftandes von 161.000 auf 100.000 Mann war von seiten der Regierung erklärt worden, daß sie auf die Politik einer internationalen Abrüstung auf Grund eines gegenseitigen Ueberemkommens vertraue, sich aber einer britischen Abrüstung inmitten der bewaffneten Welt widevsetze. Ae Bergarbeiterbewegung in England. London, 18. März. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Der Bergbamninister Shmwell hat di« Arbeitgeber und Ubeitnehmer im Kohlenbergbau für nächsten Montag zu einer Besprechung eingeladen. Die Einiladung wurde von beiden Seiten angenommen. Die Arbeitgeber erklärten jedoch, über ihre früheren Vorschläge nicht hinausgehen zu HUB»»«« England ln Indien. Delhi, 17. März. (Reuter.) Die gesetzgebende Verjirmmlung hat den Staatsdomnschlag für Indien mit 60 -egen 57 Stimmen abgelehnt. Absetzung der Schah. London, 17. März. Rach einer Meldung des Reuterfffin BureauS aus Teheran macht die republikanisch« Bewegung in Persien Fortschritte. Es dürste deshalb wahrscheinlich heute im Parlament zu einer Aussprache darüber kommen. ES besteht jede Aussicht, daß die Vvtvsguug die Genehmigung im Parlament erhalten werde. Di« fortschrittliche Partei, die für die Absetzung deS Schah und die Errichtung einer Republik sei, habe eine Erklärung in diesem Sinne veröffentlicht. Die Partei werde von den Sozialisten untersetzt. Beide Parteien zusammen hätten die Mehrheit. Lhrnnlr' RegiernngserMrnng. 400 Millionen neue Steuem. Brüsiel, 18. März. (Tel. d. ,JZr. Movgenzeitmug".) Die Kammer hat "heute nachmittags ihre Beratungen wiader tmsgeno-mmen. Theuni8 verlas sofort zu Beginn der Sitzung die Regierungserklärung, die in der Hauptfache aus folgendem besteht: Die Reparationsfrage ist in eine entscheidend «Phase getreten. Belgien wird fordern, was es mit feinen Rechten und mit den praktischen Möglichkeiten für vereinbar hält. Die Losung der Reparatiousfrage wird zugleich die feste Garantie für die militärische Sicherheit und die Gewähr für einen endgültigen Weltfrieden sein. Ilsberall wird der Bericht des Sachverständigenkomitees mit Ungeduld erwartet. Ter zweite Teil der Rede war >der Finanzborlage des Landes gewidmet. Um das Budget dieses Jahres ins Gleichgewicht zu bringen, ohne zu neuen Anleihen Zuflucht zu nchmen, schlägt die Regierung der Kammer die Erhebung neuer Steuern in der Höhe von 400 Millionen Franken »or. geitungsvertrustung in New-Pork. London, 18. März. (WM.) Wie das Reuterfche Bureau Ars New-Aovk meldet, hat der Herausgeber und Leiter der rTrihmre", Ogden Reid, den „New Dork Herald" mgekauft. Beide Blätter werden vereinigt werden. Ter Lcwlf schließt auch die Pariser A::tbc des Aovk Hlrfb* tSL München, 18. März Der heutige 18. Berhaudlungstag begann mit Erklärungen der Verteidiger und der einzelnen Angeklagten. Generäl Lndendorff gab eine Richtigstellung zu den Aeußerungen des Kardinals Faulhader. Der General stellte eS als eine unrichtige Behauptung dar, wenn Kardinal Faulhaber zitierte, Ludendorff hätte erklärt, daß der Kardinal hinter dem Plane stehe, Bayern und Oe ft erreich zusammenzuschließen. Der authentische Wortlaut der Rede des Kardinals sei trotz verschiedener Bemühungen in der Presse nicht veröffentlicht worden. Darum seien Mißverständnisse über einige Redewendungen des Kardinals selbstverständlich nicht ausgeschlossen. Der Vorsitzende verlas dann eine Stelle aus dem N a chr i ch t e n b l a t t des Oberkommandos des Kampfbundes über die Besprechungen vvm 23. Oktober, worin als einzig gangbarer Weg von Hitler die Aufrollung der deutschen Frage in letzter Stunde von Bayern ans und die Bildung einer deutschen Regierung in München bezeichnet worden ist. Hitler bemerkte dazu, er habe damals erklärt, es gebe nur drei Möglichkeiten: Entweder wiederum Kapitulation oder Kampf mit fremder Hilfe oder aber Kampf mit offensiven Mach'tmitteln. Dieses Programm sei auch Mitte Oktober angenommen worden und aus diesem Gesichtspunkte heraus seien die Maßnahmen ergriffen worden, die in nichtöffentlicher Sitzung besprochen wurden. Er habe, nachdem sich Lossow für das Programm eingesetzt habe, nicht gleich zugesagt. Er habe den Beginn dieses Kampfes als eine Katastrophe bezeichnet. Hierauf sprach Ludendorff über die Entstehungsgeschichte seines Artikels im „Heimatland". Die Monarchie Ae Korrnptionsskandale in Amerika. Die Geschäfte des Generalstaatsanwalts. (Eigcndicnst der „Wiener Morgenzeitung".) New-Sjork, 18. März. In der Untersuchung der Senatskommission gegen Generalstaatsanwalt Daugherty ist eine neue sensationelle Belastungszeugin aufge taucht. Es ist dies eine Mß. Stinson, die geschiedene Frau des Beamten im Justizdepartement Smith, der der nächste Vertraute des Generalstaatsanwalts war und vor ewigen Monaten Selbstmord beging. Mß. Stinson gab vor der Senatskommission an, daß Smith, natürlich im Einvernehmen mit dem Staatsanwalt, wiederholt für Geld Begünstigungen für reiche Häftlinge beschafft hatte. Ebenso hat Generalstaatsanwalt Taugherth für hohe Bestechungssummen Konzessionen an Filmgesellschaften erteilt, so unter anderem da§ Recht zur Verbreitung von Films von dem Wettkampf Dempseh-Car- P e n t i e r, obwohl dies gesetzlich unzulässig war. Generalstaatsanwalt Daugherty veröffentlicht m den Blättern eine Erklärung, in der er den Vorwurf der Bestechlichkeit oder de'S MitwisienS um Alkoholschmuggel oder Kon« zessionSschiebungen auf das energischeste zurückweist. Englisch statt französisch in Danzkg. Warschau, 18. März. (P. T. A.) Durch eine Verfügung des Danziger Senats ist in allen höheren Mädchenschulen auf de-m Gebiete der freien Stadt Danzig der Unterricht in der französischen Sprache durch den obligatorischen Unterricht der englischen Sprache ersetzt werden. Republikanische Demonstration in München. München. 17. März. (WcW.) Nach einer Feier des republikanischen Reichsbundes bewegte sich gestern vormittags ein großer D e m o n st r a t i o n szug unter Mitführung schwarz-rot-goldener Fahnen ins Stadt-innere. Der Zug wurde von der Landespolizei aufgelöst, wobei einige Widerspenstige verhaft e t und die Fahnen beschlagnahmt wurden. Scheldrmann - sozialdemolratischer Listen' sichrer. Berlin, 18. März. Nach Berichten der MovgenVläÄer aus Kassel >hat die sozialdemokratische Partei Philipp Scheidemann als Spitzenkandidaten für di« ReichstagswaPen ausgestellt. _ Dir deutschen Sptantrn in Bolen. Danzig, 18. März. (Tel. d. „Wr. MorgenzeiAng".) Nachdem die am 27. Februar in Warschau zwischen Ministerialdirektor von Stockham mern und dem Polnischen Delegierten Pradzyn'ski begonnenen deutschpolnischen Verhandlungen zu drei technischen Abkommen über die gegenseitige Rechtshilfe, das Vormumdschaftswesen und die Uebernahme der Zivilstandesvegister geführt haben, mußten die Verhandlungen in.der Oplanten frage abgebrochen werden. Die Mischen Gemeindewahlen in Polen. Warschau, 17. März. (I. T. A.) Das offizielle polnische Regierungsorgan „Monitor Polski" veröffentlicht «ine Verordnung der Unterrichtsministers übev die Wahlen für die jüdischen Gemeinden Polens. Danach sollen die Wahlen im ft scheren Kongreßpolen am 1. Juni stattfinden. Tie Wahlen m den Kreisen Krakau, Lemberg, Sranislau, Tarno pol müssen ebenfalls am 1. Juni beendet fein. In Galizien haben feit Kriegsbeginn keine jüdischen Wahlen stattgefunden, die Geiminden werden durch Oierenten der Negierung verwaltet. Die Ausschreibung der Wahlen in Polen und GaliLien sowie in den Randgebieten bildete eine könne nur in Frage kommen, wenn das Volk es wolle. Vor der Monarchie werde die völkische Diktatur nach dem ft eien Willen'des Volkes sein. Lndendorff gibt zu. daß er den 8. November al8 den Termin für die Errichtung einer nationalen Diktatur als sogenannte Patentlösung angesehen habe. Er habe damals noch nicht gewußt, daß Ebert abgesetzt werden solle, auch habe er damals an einen militärischen Marsch nach Berlin nicht gedacht. Er habe auch über die Neubildung der Reichsregierung mit niemandem gesprochen. Cr habe sich der neuen Regierung zur Verfügung gestellt. Ans Befragen des Vorsitzenden über die diktatorischen * Befugnisse Ludendorffs führt Hitler aus, Ludendorff sei zuerst gegen Lossow eingestellt gewesen und eS sei Hitler nicht leicht gefallen, Ludendorff zu erklären, daß er jich mit Lossow geeinigt hätte. .Das Aufrollen der deutschen frage fei so gedacht gewesen, daß an einer Stelle die A u sö s u n g vor sich gehe und daß dann die anderen Kräfte in Novddeutschland gleichsam wie eine Lawine ins Rollen kämen und die Herrschaften in Berlin wegfeget» Der Vorsitzende schließt das Beweisverfahren. Die Sitzung wird sodann auf eine halbe Stunde unter» brochen, worauf in nichtöffentlicher Sitzung über die Behandlung der Plaidovers, nämlich ob sie in öffentlicher oder nichtöffentlicher Sitzung gehalten werden sollen, beraten wurde. Um dreiviertcl 1 Uhr mittags wurde die Verhandlung auf Freitag vormittags vertagt. Hauptforderung der jüdischen Oeffentlichköit. lieber die Wahlen in den Randgebiete» hat die Regierung bisher keine Verordnung erlassen. Re jugoslawische Regierungskrise. Die Nadir-Partei will die kommende Regierung unterstützen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Belgrad, 18. März. Heute vormittags trafen di« Führer der Radic-Parte-i, Macek umd Predaree, hier ei«, und überreichten dem Skupschtinapräsidium weitere 32 Vollmachten zur Ratifizievuutz, so daß bisher 52 Radic-Abgeovdnete für die Parlamentarische Tätigkeit in Betracht kommen. In einer nachmittags abgehaltenen Besprechung zwischen den Vertretern des oppositionellen Blocks und den beiden Radic-Fühvevn wurde, wie versichert wird, eine Uebereinstimmung hinsichtlich der iimecholitischen Lage erzielt. Die Besprechungen wenden nach der Verifiziermdg der neu vorgelegten Mandate fortgesetzt werden. Vizepräsident Dr. Predaree erklärte, daß die Aktion der Radie-Partei nicht bloß auf den Sturz der Regierung a^iele, sondern auch darauf, eine bessere ans Ruder zu dringen. Diese neue Regierung solle aus Vertretern des oppositionellen Mocks gebildet und von der Radie-Partei unterstützt werden. Es sei auch bereits über das Arbe.itspvogvamm -der neuen Regierung diskutiert worden. Aus dieser Mitteilung geht hervor, daß der Oppo-sitionsblock mit der Radie-Partei nicht nur ein Wahlbündnis, sondern auch ein RvgievnngSbündnis eingegangen ist. Nene antisemitische Exzesse in Agram. Zagreb, 18. Marz. (I. T. A.) Hier fanden wiederum antisüdische Ausschreitungen ftatt. Eine Bande kroatischer Nationalisten drang in Restaurants und Cafes ein und schlug auf die jüdischen Besucher los. Jüdisch« Versammlungen wurden gestört. Hauptsächlich sahen eS die Nationalisten auf jüdische Studenten ab. Lschecho-slowakkscher Abgeordnetenhaus. Prag, 18. März. Im Abgeordnetenhaus beantwortete Präsident Tomaschek eine Anfrage des Abgeordneten K reib ich, welche Maßnahmen das Präsidium zu treffen gedenke, damit der Untersuchungsausschuß unverweilt seine Tätigkeit zur Durchforschung des Wiener Archivs und der Spiritusafsäre ausnehine. Präsident I Tomaschek erwiderte, daß er diese Anträge dem Jnitiativausschuß zugewresen habe. Sodann ging das -Haus zur Tagesordnung über, auf der sich insbesondere 15 Immunitätsang-elegenhciten befinden und beschloß unter anderem, die Auslieferung des kommunistischen Abgeordneten Mikulicsk, der eines gemeinen Verbrechens (der Teilnahnle an einem Diebstahl) beschuldigt wird. Vor Schluß der Sitzung gab Präsident Tomaschek bekannt, daß der Präsident des Abgeordnetenhauses beschlossen habe, gegen den kommunistischen Abgeordneten Haken auf Grund des § 20 des Schutzgesetzes die Strafanzeige zu erstatten. (Wie erinnerlich, hat Abgeordneter Haken in der letzten Sitzung des Abge-ordnetenhauses eine Spiritusflasche, in die er eine kleine Staatsflagge gesteckt hatte, aicf das Pult des Ministerpräsidenten im Mgeopduetenshaufe gestellt.) Muffolini — Letter des Königs. . Rom, 18. Atärz. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Au^ läßlich der Vereinigung Fiumes mit Italien hat der König Mussolini die höchste Auszeichnung, die der - König von Italien zu vergeben hat, den Annuuziatenorden, verglichen. Muffolmi hat dadurch nicht nur den Titel Exzellenz, sondern auch .das Recht erhalten, deri Kün-ig mit 4ß ei'1-'.«" arvalmedw

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